Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Echo der preußischen Landtags«Beschlüsse Einzelnummer 0,25 Goldmarh JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslandsabonnemems werden in der Wahrung der einzelnen Linder berechnet Anzeigenpreis: * gesp, Nonpareillezeile 0,5° G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m.b. H., Berlin W15, Meinekestr.JO. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Po.1uh.ck . Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032. Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Ri** 4155, Straasburg 164 30, Warschau 190708, Wien 156030 Bank - Konten: Darmstädter־ und Nationalhenk, Depositen׳־ Kuss© Berlin, Kurfürstendamm 52; Rumänische Kreditbank, Cernaufi (Rumänien); Anglo Palestine Co. in Haifa, feruMlem, Tel Aviv Nummer 52 | Berlin, 1. VII. 1932 Redaktionsschiu£ Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ז פיון תרצ״ב | xxxvii. jahrg. Oer Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Pallstlna. ״Baseler Programm.‘* Zar bevorstehenden A.-C.-Silzunü Die Polizeifrage in Tel-Awiw Wie die I. T. A, aus Palästina meldet, soll die jüdische Polizei der Stadt Tel-Awiw nunmehr doch auf hören, als autonome Polizeitruppe zu existieren. Es ist nicht ganz klar, wie diese Meldung zu verstehen ist, da auf Orund der vor einiger Zeit durchgeführten allgemeinen Polizeireform in Palästina bereits grundsätzlich die verwaltungsmäßige Einbeziehung der Tel-Awiwer Polizei in die allgemeine Landespolizei verfügt worden war, doch wurden der Tel-Awiwer Polizei gewisse Sonderrechte in bezug auf Uniform, Dienstsprache, Verwendungsort und Auswahl der Mannschaft gewahrt. Aus der jetzt von der I.T. A. wiedergegebenen Meldung geht nicht deutlich hervor, ob diese Zugeständnisse nun wieder rückgängig gemacht wurden. Durch die Reorganisation des Polizeiwesens, das sich im wesentlichen auf den Bericht von Dowbiggin stützt, wurde den Munizipalitäten ganz allgemein die Polizeihoheit entzogen und die ganze Polizei der Regierung unterstellt. Dadurch wurden natürlich auch die arabischen Städte betroffen, und es wurde von arabischer Seite Klage darüber geführt, daß die Stadt Tel-Awiw in dieser Beziehung ein Vorrecht vor allen anderen Städten haben soll, indem in Tel-Awiw, wenn auch nicht formell, so doch tatsächlich, eine Sondertruppe bestehen bleibt. Demgegenüber wurde von jüdischer Seite auf die besondere Position Tel-Awiws und die jüdischen Bedürfnisse hingewiesen. Die Verhandlungen zwischen der Regierung und der Stadt Tel-Awiw, die sich wochenlang hinzogen, endeten mit einem Kompromiß, das die jüdischen Wünsche im wesentlichen befriedigte. Man muß also genauere Berichte abwarten, ehe man ein Bild über die jetzige Lage dieser schon verwaltungstechnisch etwas verwickelten Angelegenheit erlangen kann. Polizeigericht bleibt in Tel-Awiw Jerusalem, 27. Juni. (J.T. A.) High Commissioner Wauehope hat den Beschluß der obersten Justizstellen, das Polizei- (Friedens-) Gericht von Tel-Awiw nach Jaffa zu verlegen (s. vorige Nummer der ״J. R.“), annulliert. Die Ent- Scheidung des High Commissioner hat große Befried!- u n g unter der Bevölkerung von Tel-Awiw ausgel&st. Der eschluß, das Polizeigericht nach Jaffa zu verlegen, entsprang einem Wunsche der Justizbehörden, die der Meinung sind, daß eine Konzentration des gesamten Gerichtswesens (Jaffa ist be- JsjpittiUcfi ״Site 4m IMstilktsferteiÄ) dessen WiÄamkÄ•»״ Mhen würde. Die Wasserversorgung Jerusalems High Commissioner General Sir Arthur Wauchope empfing, wie I. T. A. aus Jerusalem meldet, die Mitglieder des Jerusalemer Wasser-Ausschusses und erklärte ihnen, daß die noch in der Zeit der Türken-Herrsehaft erteilte Konzession zur Wasserversorgung Jerusalems, die bisher der Regierung wie dem Stadtrat in ihrem Bestreben, eine ausreichende Versorgung Jerusalems mit Wasser durchzuführen, hindernd im Wege stand, nunmehr als beendet gilt. Die legalen Schwierigkeiten, die der Aufnahme einer Anleihe zwecks Baus einer modernen Wasserleitung für Jerusalem entgegenstanden, seien nun behoben. Gerade in diesem Sommer hat sich die Wassernot in Jerusalem außerordentlich verstärkt und droht, sich zu einer Katastrophe auszuwachsen. In der Presse werden heftige Vorwürfe gegen die Regierung erhoben, daß sie dieser Entwicklung der Dinge untätig zusieht. Es wird berichtet, daß unter den wohlhabenderen Bewohnern der Stadt die Tendenz besteht, nach Tel-Awiw und Haifa überzusiedein, auch heißt es, daß manche Leute ihre Familien auf längere Zeit ins Ausland schicken und aus diesem Grunde eine ganze Reihe von Wohnungen in Jerusalem leer stehen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß sonst Jerusalem wegen seines kühlen Gebirgsklimas im Sommer von vielen Besuchern aus dem Lande aufgesucht wird; deren Fernbleiben bedeutet einen großen Verlust für das Hotelwesen. Wesentlich betroffen ist auch die Bau-Industrie, denn man befürchtet, daß kein Wasser für Bauzwecke zur Verfügung gestellt werden wird. ״Dawar“ greift die Regierung an, weil sie beabsichtigt, für die Bedürfnisse des Militärs Wasser in besonderen Eisenbahnzügen nach Jerusalem zu bringen, die Zivilbevölkerung aber vernachlässigt. Es ist zu hoffen, daß nach den oben erwähnten Erklärungen des High Commissioners, die offenbar die Erregung über die herrschenden Zustände beschwichtigen sollen, nun endlich in zureichender Weise an die Regelung dieser Lebensfrage der palästinensischen Hauptstadt geschritten wird. In aller Kürze Vom Zentralbüro der Zionistischen Organisation wird mitgeteilt, daß die Aktions-Comite-Sitzung vom 28. Juli bis 5. August dauern wird. Das Administrative Committee der Jewish Agenc\ wird vom 7. bis 9. August in London tagen. Der High Commissioner für Palästina hat das Ersuchen arabischer Kreise, den verurteilten Teilnehmern an den Unruhen vom August 1929 Amnestie zu gewähren, zurück- Bewies c n. - ר* Arabische und jüdische Landwirte in Ost-Galiläa hielten gemeinsam eine Konferenz ab und entsandten eine gemeinschaftliche Delegation zum High Commissioner, die diesen um Aufschiebung■ der Schuldentilgung der Landwirte, Reduzierung des Zehent, Erlassung der Steuern für 1932 und Bewilligung neuer Darlehen für die Landwirte ersuchen soll. Nachdem Palästina-Gerichte die Klage jüdischer Bodenkäufer gegen Abdullah Samara, der ihnen vordem Kriege 7000 Dunem Boden in der Nähe des Wadi Havarith verkauft hatte, sich spater aber weigerte, den Boden herzugeben, wegen V e r j a I! rung abgewiesen hatten, hat nun das Oberste Gerieht Palästinas entschieden, daß die jüdischen Käufer ein Recht haben, gegen die erstrichterlichen Urteile Berufung einzulegen! da der RcchtsfaU nicht verjährt sei, Vernachlässigte Probleme der Bodenpolitik Von H e i n r i c h M a r g u 1 i e s , Tel-Awiw. 1. Erst seit dem Bekanntwerden des Simpson-Berichtes haben weitere Kreise innerhalb unserer Bewegung begönnen, sich mit Details der palästinensischen Bodenprobleme zu beschäftigen. Erstaunlich wenig aber hat sich die Oeffentlichkeit beschäftigt mit einem Ausschnitt aus dem Gesamtkomplex, einem Ausschnitt, der sowohl durch den Umfang der damit verbundenen Flächen und der darin investierten Gelder wie auch durch seine wirtschaftspolitischen Beglciterscheinungen unsere gesamte Boden- und Kolonisationspolitik maßgebend beeinflußt. Da diese Beeinflussung sich aber mehr und mehr als eine völlige Lahmlegung dieser unserer Aufbaupolitik zu entwickeln droht, und da sie sich schon heute als Verhängnisvollste Ursache all unserer Krisen (Keren Hajessod-Krise, liliquidierungskrise, Sicdlerkrise oder wie sie alle heißen) entpuppt, ist es höchste Zeit, diese Angelegenheit mit der ihr gebührenden Aufmerksamkeit zu behandeln. Es handelt sich um die riesigen Bodenflächen, die vor allem durch vier privatwirtschaftliche oder semi-privatwirtschaftliche Bodengesellschaften erworben und durch Fehl- Investitionen sowohl seitens dieser Gesellschaften wie auch seitens ihrer Abnehmer unbeweglich und unerschlossen geblieben sind: P. L. D. C. (Palestine Land Development Co), ״Amzic‘‘ (״American Zion Commonwealth“), ״Meschek“ und Haifa Bay Co. » Keine dieser Gesellschaften war kapitalkräftig genug, um mit eigenen Mitteln durchzuhalten, falls sich die auf wenige Jahre geschätzte Frist für die Abstoßung der erworbenen Flächen in eine solche von acht bis zehn Jahren oder noch länger verwandeln würde. Alle diese Gesellschaften sahen sich schon in einem frühen Stadium gezwungen, den Mangel an Eigenkapital durch Aufnahme von Kredifkapital Df 'pdöcir'dfe Befrage, die durch bankmäßige Anleihen aufgebracht werden konnten, nicht annähernd den Bedarf deckten, sahen sich letzten Endes die nationalen Zentralin stanzen und Fonds vor die Alternative gestellt, entweder die Gesellschaften einschließlich der von ihnen bereits auf das Land gebrachten Siedler ihrem Schicksal zu überlassen und dieses Schicksal konnte heißen Bankrott und Rückfall von (teilweise besiedelten) Böden an nichtjüdische Vorbesitzer — oder aber ohne Rücksicht auf ihre sonstigen Budgetbedürfnisse oder Gelödispositionen die erforderlichen großen Beträge von sich aus bereitzustellen. Sie haben sich zu letzterem entschlossen, und ein Zusammenwirken zwischen ihnen und den Banken hat in mehrjähriger schwerer Arbeit dazu geführt, daß all der von den Gesellschaften einmal erworbene Boden ihnen ungeschmälert erhalten blieb und daß keiner von den darauf etablierten Siedlern unter Verlust von Hab und Gut den Boden wieder zu räumen brauchte. Das große kolonisatorische Verdienst,das in dieser Handlungsweise lag, ist niemals deutlich genug in die Erscheinung getreten. Es ist richtig, daß die Verpflichtungen, die sich die zentralen Stellen hierdurch gegen ihren ursprünglichen Willen aufzwingen ließen, zu einer Lahmlegung des Kongreßbudgets und derjenigen Kolonisation führten, die von dem Kolonisation*- departement der Zionist. Organisation direkt finanziert wird. Es ist begreiflich, daß die hiervon Betroffenen und diejenigen, die an diesem Kolonisationszweig besonderes Interesse nehmen, ihrem Unmut darüber Ausdruck gaben. Aber historisch betrachtet darf man feststellen, daß die Zentralinstanzen zur selben Zeit wo sie diese Chaluzim-Kolonisation aus Geldmangel zwangsläufig vernachlässigen mußten, durch ihre diversen Not- Stands- und Hilfsaktionen den Bodcngesellschaften gegenüber das Erhalten und Verbreitern der Privatwirtschaftliehen Bodenerschließung vorwiegend für landwirtschaftliche wie auch für städtische, Zwecke in ganz großem Maßstab zustande gebracht heben. (Eine so starke und blühende Kolonie wie Herzlia z. li verdankt ihr Bestehen heute fast vollständig diesem Eingreifen der Zentralen.) 2. Aber die Wirkungsmöglichkeiten der Zentralen waren begrenzt. Sie konnten die Wahrung des Bodenbesitzes erreichen und damit eine Rückendeckung schaffen denjenigen Siedlern, die sich auf dem Boden niederließen. Aber wenn keine £1 edler kamen und wenn der Boden nun weiterhin tot blieb, so hatten auch sie kein Mittel dagegen und sie gerieten in die Situation dessen, der mit großen Kapitalien auf unbewegliehen nichtproduzierenden und nichtzinszahlcnden Sachgütern festliegt. Es kamen nicht genug Siedler, es kam sogar von jenen nur ein Bruchteil, die sich Parzellen erworben und die sie bezahlt hatten. Gerade das letztere erwies sich als ein besonderer Uebelstand, und wir haben in Palästina schon längst lernen können, daß unverkaufter Boden lange nicht so gef ährlieh werden kann wie Boden, der im fernen Ausland an uninteressierte Käufer verkauft wurde oder überhaupt in kapitalschwache Hände kam, die ihn nicht erschließen konnten. Geht man in Tel-Awiw durch die Straßen, so findet man mitten im Zentrum und mitten in fieberhaften Bauperioden unverständlich leere Plätze — ihr Besitzer lebt irgendwo draußen, einen Platz hat er sich gekauft, um auch etwas in Palästina zu haben, aber um ihn zu produktivieren, fehlt ihm das Kapital oder die Lust und das Interesse. Die bauliche Entwicklung der Stadt wird dadurch behindert, aber da der Elementarbautrieb stärker ist, gleitet er über die toten Plätze zu den anschließenden über. Anders auf dem Lande. Dort bedeutet der Uebergang von einer gewissen Anzahl von Parzellen innerhalb 1 eines Blockes an die ״tote Hand“ von vielen hundert oder tausend Käufern in Amerika, Afrika o. dgl. oder an Institutionen, die sie als tote Reserve jahrelang liegen lassen müssen, eine vollständige Brachlegung des Gesamtblockes. Im gleichen Verhältnis, in dem das der Fall ist, werden die noch unverkauften Parzellen noch unverkäuflicher und der ״Markt“ hört auf. Da nun überdies in den letzten Jahren ohnehin genug Wirtschaftskrisen auftauchten, die einer Marktbelebung feindlieh waren, wurde die Verkaufstätigkeit in der Tat auf ein lächerliches Minimum reduziert und die Zentralen blieben auf ihren Investments, die nur als vorübergehend gedacht waren, sitzen. Man kann den Betrag, der von ״nationaler“ Seite in die vier Bodengesellschaften hineingesteckt worden ist, heute noch aut eine halbe Million Pfund schätzen und wird sicher-!ich damit zu niedrig geschätzt haben. (Eine fünfte Bodengcsellschaft, die ״Agudath Netaim“, steht im Begriff, durch Vermittlung der Anglo-Palestine Bank, den größten Teil ihres, auf mehr als 100000 Pfund geschätzten, Bodenbesitzes an eine effektive Siedlergruppe am Matz zu verkaufen.) Eine halbe Million Pfund nationales Kapital, das vorübergehend festliegt und das, wenn es frei wird, einen gewaltigen Impuls für unmittelbarere, aktivere Kolonisationstätigkeit bilden könnte. Eine halbe f.'ülion, deren Festlegung u. a. die Jewish Agency vollständig als wirtschaftlich agierenden und dirigierenden Faktor ausgeschaltet hat, und nicht nur das: der größere Teil der Böden liegt in der Haifa-Gegend; wäre diese Gegend so lebendig geworden wie die um Tel-Awiw, so hätte man nicht nur 1’L-:e Gelder flüssig machen können, sondern das ganze Hinterland des Emek würde ein lebendiges Marktzentrum bekommen, wie es das judäische Hinterland in Tel-Awiw hat, und es wi'■ Je aufhören können, ein so schwerer wirtschaftlicher Ballast zu sein, wie er es lange genug gewesen ist. D i e Frage der Mobilisierung des Bodenkapitals bildet somit ein Problem von so dringlicher Rangordnung, daß die gesamte zionistische Oeffentlichkeit es begreifen und zu seiner . Lösung beitragen müßte. Solange das nicht gelingt! wird «in« V*«t®pftB*g IwmelMa »ichl nur ׳des sondern des ganzen Komplexes räumlicher Expansion. 3. Cs ist richtig, daß seitens der vier Gesellschaften selbst noch bei weitem nicht alle jene technisch-organisatorischen Voraussetzungen erfüllt worden sind, ohne welche keine Entlastungsaktion denkbar ist. Noch jetzt existieren die vier Hauptgesellschaften juridisch und verwaltungsmäßig als Einzelgesellschäften mit eigenen Verwaltungen, Direktionen, Inkassi- und Verkaufsapparaten. Bei Amzic, Meschek und Haifa Bay Co. ist dies um so seltsamer, als sie im Verhältnis von Mutter- und Tochtergesellschaften zueinander stehen. Zur P. L. D. C. führen keine direkten Fäden, aber infolge der obenerwähnten Inanspruchnahme der nationalen Zentralinstanzen (Banken und Fonds) sind die letzteren heute praktisch gesprochen teils die einzigen, teils die weitaus größten Kreditoren und Aktionäre von allen vier Gesellschaften geworden, und es handelt sich somit um vier koordinierte bzw. zu einem einheitlichen Block zu koordinierende Gesellschaften. Das gibt Raum für eine Rationalisierung, die unverhältnismäßig große Summen an Administrationsspesen ersparen kann. E i n zentrales Büro kann alle internen Arbeiten viel billiger und übersichtlicher verwalten als vier verschiedene, eine Zentralkartothek gibt einen noch nicht existierenden Ueberblick über die vorhandenen und häufig ineinander übergehenden Bodenkomplexe, Lage und Umfang der tatsächlich oder fiktiv verkauften und der noch verfügbaren Plätze, Art und Verteilung der (vielen Tausend) Käufer, mit denen Abwicklungsverhandlungen von Fall zu Fall geführt werden müssen. Ein ״Clearing-Office“ kann alle unverkauften oder durch Nichterfüllung von Kaufverträgen an die Gesellschaften zu rückfallenden Böden registrieren und eine Evidenz schaffen, auf welcher zum erstenmal eine Art Zentrale für Bodenverkauf aufgebaut werden kann. Auch die Austauschmöglichkeifen, welche ein solches Clearing-Office erhält, haben eine große Bedeutung, denn es kommt häufig vor, daß Käufer mit dem seinerzeit ausgesuchten Boden nichts anzufangen wissen, weil sich bei ihnen oder auf dem Platz die Umstände geändert haben; aberstatt ihnen ihre Einzahlung zurückzugeben, was die Illiquidität ja nur noch vergrößern würde, kann man ihnen häufig einen Boden in anderer und dem Käufer besser zusagender Lage — der bisher einer der anderen Gesellschaften gehörte — zum Austausch anbieten. Die Zeit ist vorüber, wo Agenten die Welt durchreisten und Tausende von Parzellen an Einzelkäufer verkauften auf Grund von Karten, in denen die beabsichtigte spätere Er- Schließung der Zone bereits eskomptiert wurde. Heute kann man Boden nur verkaufen, wenn der Boden in einer bereits sich entwickelnden Zone liegt. Auch wenn man noch wie früher verkaufen könnte, ohne sich darum zu kümmern, daß der Käufer Jahre verstreichen lassen wird, ohne mit dein Boden etwas anzufangen, dürfte man es nicht tun, um nicht die Verhängnisvolle Rolle der ״toten Hand“ noch zu verstärken. .Man kann nur verkaufen im Rahmen boden- und kolonisationspolitischer Programme, die fundiert sind. Erst eine Zentral-Evidenz wird den Zentralinstanzen ermöglichen, sich bei jedem Einzelkomplex ein Urteil darüber zu bilden, was sich mit ihm anfangen läßt. Es ist nicht daran zu denken, daß alle Komplexe gleichzeitig einer Erschließung zugeführt werden. Bei manchen haben sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen so geändert, daß eine lohnende Verwertung zur Zeit nicht möglich ist, und daß man den Käufern eine Ansiedlung jetzt nicht zumuten kann. Auf Grund der Zentral-Evidenz wird erstmalig ein umfassendes Erschliedungs- und Rangordnungsprogramm aufgestellt werden können. Im Rahmen dieser Arbeit wird ein Ordnungs- und Umschich-