Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1932)
- Date
- 1932-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653348-2653401--23040-2681349- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 51, 28. VI. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 243 Transjordanicn als Parole Zur bevorstehenden A.-C.־ Sitzung In der letzten Zeit ist innerhalb der zionistischen Welt in verstärktem Maße die Parole der Einbeziehung Trans jo rdaniens in das Tätigkeitsfeld des Jüdischen Nationalheims erhoben worden. Der Ursprung dieser neuen Aktualität eines der schwierigsten palästinensischen Probleme liegt klar zutage. Durch die letzten Berichte englischer Sachverständiger (Shaw-Kommission, Sir John Hope Simpson und jetzt wahrscheinlich auch French) ist die Frage des Bodenausmaßes Palästinas in den Vordergrund des Interesses getreten. Die Sachverständigen haben vielfach die Meinung ausgesprochen, daß Palästina heute, zumindest in gewissen Teilen, übervölkert sei, woraus der Schluß zu ziehen wäre, d..ß kein Raum für neue landwirtschaftliche Siedler vorhanden ist. Diese These wird von jüdischer Seite in entschiedenster Weise angefochten, da die palästinensische Landwirtschaft in ihrer überwiegenden Mehrheit heute noch sehr rückständig ist und durch fortgeschrittene technische Methoden, Kapitalinvestitionen und Intensivierung weit ertragreicher gestaltet werden kann, so daß sie eine größere Menschenzahl ernähren könnte. Aber da auch dieses zionistische Gegenargument von Voraussetzungen ausgeht, deren Erfüllung in der heutigen Zeit ungewiß ist (z. B. Kapitalinvestition), ist es begreiflich, daß andere Möglichkeiten für die Lösung der Frage ausgedehnter Siedlung in Betracht gezogen werden. Es handelt sich dabei nicht nur um die jüdischen Einwanderer, so weit sie sich auf dem Lande ansiedeln wollen, sondern auch um arabische Pächter, die durch Boden- Verkäufe in Palästina landlos werden, und die, wie es im Simpson-Bericht heißt, die Gefahr der Bildung eines ״landlosen Proletariats“ für Palästina heraufbeschwören, wenn es nicht gelingt, für sie neuen Boden zu finden, der aber in West- Palästina nicht vorhanden ist. Es ist also begreiflich, daß gerade die Juden, deren Lebensinteresse es ist, der Ein- Wanderung und Ansiedlung in Palästina keine künstlichen Schranken setzen zu lassen, auf Transjordanien hinweisen, das mit Palästina eine geographische Einheit bildet und relativ sehr schwach besiedelt ist, obwohl der Boden sehr gut und fruchtbar sein soll. Es handelt sich also um eine Frage von allergrößter Wichtigkeit, und gerade darum ist es erforderlich, sie mit größtem Verantwortungsgefühl und Ueberlegtheit in Angriff zu^hehmen und zu verhindern, daß ein agitatorisches Schlagwort gebildet wird, das nur falsche Vor- Stellungen in den mangelhaft unterrichteten Köpfen hervorruft und die Sachlage politisch mehr verwirrt als klärt. Die transjordanische Frage hat niemals geruht, jeder verantwortliche zionistische Politiker hat sie im Auge, seitdem die Grenzziehung erfolgt ist. Dr. Wcizmann hat seit Jahren darüber gesprochen. Aber die Frage in der Politik ist, wie man über etwas spricht und ob man damit politisch schadet oder nützt. Die Tendenz, Transjordanien in einer neuen Form zu einem politischen Schlagwort zu machen, geht auf die Revisionisten zurück, die durch ihre Formulierung des zionistischen Ziels ״Judenstaat mit jüdischer Mehrheit zu beiden Seiten des Jordans“ den Anstoß gaben. Wie in so mancher anderen Beziehung hat auch in dieser Sache die revisjqijistische Taktik weite Kreise der zionistischen Bewegung in Gefolgschaft gezogen. Es scheint ja einer politischen Gesetzmäßigkeit zu entsprechen, daß schwankende Mittelgruppen sich den politischen Parolen radikaler Gruppen anschließen. Und in den letzten Monaten ist in dem schon erwähnten Zusammenhang mit dem French- Bericht immer wieder die Forderung aufgetaucht, der Bodenknappheit in Palästina durch Transjordanien abzuhelfen. Eine besonders entschiedene Kampagne haben in dieser Beziehung die amerikanischen Zionisten gemacht, und die obersten zionistischen Führer haben sich in manchen öffentlichen Aeußerungen dieser Forderung angeschlossen. Zu dieser Sache hat auch Dr. W e i z m a n n sich kürzlich geäußert. In einer Rede in Südafrika wies er auf Transjordanien hin, und der ״Haolam“ veröffentlicht jetzt eine Erklärung, die Dr. Weizmann Londoner jüdischen Journalisten gab. Obwohl Dr. Weizmann sich nicht ausdrücklich von der Form, in der die Forderung nach Oeffnung der transjordaniscfien Grenzen gewöhnlich auftaucht, distanziert, so weiß man aus früheren Aeußerungen Dr. Weizmanns und aus seiner auf dem letzten Kongreß eingenommenen Haltung In der Frage der jüdisch-arabischen Politik, daß man Weizmanns Bezugnähme auf die transjordanischen Möglichkeiten anders werten muß als die landläufige Wunsch-Propaganda. Daß sich Weizmann über die damit zusammenhängenden politischen Probleme nicht näher ausgelassen hat, darf wohl darauf zurückgeführt werden, daß er, der jetzt keine offizielle Führersteliung in der Weltorganisation bekleidet, sich in politischen Darlegungen Zurückhaltung auferlegt. Da die bevorstehende A. ־ C. - S i t z u n g die Antwort der Jcvvish Agency auf den French-Bericht zu geben haben wird, besteht die Wahrscheinlichkeit, daß auch das Problem Transjordanien zur Behandlung kommen wird. F.in Beschluß des A.-C. in dieser Sache könnte politische Folgen haben, und es ist zu befürchten, daß bei ungenügender Vorbereitung eine solche Stellungnahme als Propagandamaterial für die Gegner des Zionismus dienen könnte, ohne im übrigen einen positiven Wert zu haben. Darum kann es nicht erspart bleiben, die Frage in ihrem wirklichen Tatbestand zu prüfen und, statt wertlose politische Deklarationen zu beschließen, die Frage in den Zusammenhang zu stellen, in den sie wirklich gehört. Transjordanien, ist heute ein selbständiger Staat. Ursprünglich ein Bestandteil des nach dem Kriege gebildeten syrisch-arabischen Königreiches, wurde es nach der Vertreibung Feisals aus Syrien unter englische Verwaltung gestellt, und bei der staatsrechtlichen Regelung der orientalischen Gebietsfrage wurde Transjordanien als bin Teil jenes Mandatsgebietes behandelt, das unter das Palästina-Mandat fällt. Aber im Art. 25 des Palästina-Mandats wurde dem Mandatar das Recht gegeben, gewisse Bestimmungen des Mandats nicht auf Transjordanien anzuwenden, und bereits im September 1922, unmittelbar nach der Bestätigung des Palästina-Mandats durch den Völkerbund, hat der Vertreter Großbritanniens (Balfour!) im Völkerbund den Antrag gestellt, alle auf das Jüdische National heim bezüglichen Bestimmungen von der Geltung in Transjordanien auszuschließen. Transjordanien wurde der Herrschaft des Emir Abdullah unterstellt. Im weiteren Verlaufe der Entwicklung hat cs eine Verfassung erhalten. Es waren Wahlen zu einer Volksvertretung durchgeführt, und England hat unter vorläufiger Aufrechterhaitung des Mandats mit dem Emir Abdullah einen Vertrag abgeschlossen, der dem Lande eine gewisse Selbständigkeit und Selbstverwaltung sichert. So stehen die Dinge heute. Eine Aenderung der geltenden Gesetze in Transjordanien könnte nur entweder durch Verfügung der dortigen Regierung, die von der Volksvertretung abhängig ist, vor sich gehen oder aber durch einen von außen herbeigeführten Staatsstreich. Unter den heutigen Verhältnissen scheint wenig Aussicht zu bestehen, daß der eine oder der andere Weg gegangen wird. Eine zionistische Politik, die nicht auf leere Demonstration hinauslaufen, sondern Resultate herbeiführen will, müßte sich zunächst fragen, was unser Ziel bezüglich Transjordaniens sein muß. Die Sache wurde überaus verwirrt durch die revisionistische Parole von dem ״Judenstaat zu beiden Seiten des Jordan“ und durch die Unklarheit der übrigen Agitation. Wenn nämlich mit solcher politischen Zielsetzung Forderungen gestellt werden, dann ist von vornherein klar, daß Transjordanien sich mit allen Mitteln gegen jede jüdische Betätigung wehren wird. Daß die Engländer sich entschließen werden, den von ihnen geschaffenen Staat Transjordanien wieder zu beseitigen, ist sehr unwahrscheinlich, zumal da mit einem erbitterten Widerstand der Araber zu rechnen wäre, und da wahrscheinlich auch andere arabische Gebiete dies nicht stillschweigend mitansehen würden. Je mehr aber über die Einbeziehung Transjordaniens in den künftigen ״Judenstaat“ gesprochen wird, um so weniger Aussicht besteht auf irgendeinen Fortschritt in dieser Sache. Die Möglichkeit, brachliegende Gebiete des dünn bevölkerten Transjordanien für Juden und palästinensische Araber auszunützen, hängt unseres Erachtens davon ab, daß jede politische Ueberspitzung vermieden wird. Transjordanien und die anderen arabischen Länder sind das natürliche Hinterland Palästinas, geographisch, ethnisch und wirtschaftlich auf das engste mit Palästina verbunden, und die natürlichen Bedingungen sprechen für Zusammenarbeit der beiden Gebiete, falls nicht politische Furcht sie verhindert. Die Frage der jüdischen Betätigung in Transjordanien ist im Grunde nur ein Teil der großen jüdisch-arabisehen Auseinandersetzung. Wenn man glaubt, die Frage Transjordanien durch Forderungen an die englische Regierung lösen zu können, dann ist man in einem Verhängnisvollen Irrtum befangen, und wir möchten nur die Hoffnung aussprechen, daß das A.-C. sich nicht auf diesen Irrweg leiten läßt. Um dieses Ziel zu erreichen, muß man andere und etwas schwierigere Wege gehen. Man muß versuchen, der zionistischen Politik eine neue Wendung zu geben, die mehr im Einklang mit den Realitäten Palästinas steht. Es wurde häufig darauf hingewiesen, daß auf lange Sicht eine Annäherung der verschiedenen arabischen Staaten Vorderasiens ohnedies sich vorzubereiten scheint, und es mehren sich auch die Stimmen, die die Lösung der jüdisch-arabischen Schwierigkeiten mit Hilfe des Gedankens eines solchen großeren Komplexes befürworten. Was Transjordanien betrifft, so muß man sich klar vor Augen halten, daß bei der gegebenen Sachlage nur eine kühne neue zionistische Politik am Platze ist, die auf Demonstrationen verzichtet. Ehe Wege, die aus dem zionistischen Lager in dieser Sache jetzt häufig empfohlen werden, sind aussichtslos, und man sollte nicht eine emsfe Frage dadurch verwirren und erschweren, daß man sie ohne jede Rücksicht der gegebenen Realitäten von der ganz falschen Seite anpackt. Um das Pollzelgerlcht In Tel-Awiw J er us a I e m , 27. Juni. (J. T. A.) Die Palästina-Regierung hat beschlossen, das im Jahre 1925 in Tel-Awiw errichtete Polizei-Gericht (Friedensgericht) nach Jaffa zu verlegen. Das Notariat von Tel-Awiw wird infolgedessen ebenfalls seinen Sitz nach Jaffa verlegen müssen. Das Polizeigericht ist das größte in Palästina und hat ein Einkommen von 12 000 Pfund jährlich. In Tel-Awiw fand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dizengoff eine Beratung der Mitglieder der Anwalts- und Handelskammer von Tel-Awiw, sowie der Vertreter der Banken und der großen Handelsgesellschaften statt, in der beschlossen wurde, beim High Commissioner gegen die Verlegung Protest einzulegen. Der Redakteur des englischen ״Felestfn“, M. R. Akhtar, ist dieser Tage in Jerusalem gestorben. Der Verstorbene war eine interessante Figur des palästinensischen Lebens. Selbst Inder, der viele Jahre in Arabien gelebt hat und u. a. bei Ibn Saud tätig war, kam er vor sieben Jahren nach Palästina und war hier Lehrer der englischen Literatur. Er war ein Mann von großer Bildung, er liebte die Literaturen der Araber, Perser und Urdu, kannte aber auch viele europäische Literaturen, vor allem die englische Literatur und Kultur. Akhtar war ein Publizist von seltener Begabung und Eleganz des Ausdruckes und der englische ״Felestin" hat unter seiner Leitung ein beträchtliehes journalistisches Niveau erreicht. Was die Haltung zu den Juden betrifft, so interessierte sich Akhtar ursprünglich für die Ideen einer geistigen jüdischen Renaissance, er kannte auch die englische Ausgabe Achad Haams, warf aber den Juden Ueberheblichkeit gegenüber den Arabern vor. Seit den Unruhen des Jahres 1929 stellte sich Akhtar dann in die vorderste Front der Bekämpfung des Zionismus. Er hat in seiner Zeitschrift besonders die Fellachenfrage in den Vordergrund gerückt und trat unermüdlich für eine Besserung der Notlage der Fellachen ein. Im Jahre 1929 schrieb er auch eine englische Broschüre gegen die Balfour-Deklaration, die anonym erschien. Es ist auch anzunehmen, daß Akhtar es war, der dazu beitrug, die palästinensischen Araber mit führenden indisehen Moslems in Verbindung zu bringen. Im November 1930 hielt Akhtar einen damals viel beachteten Vortrag im Jerusalemer Kreis des ״Brith Schalom“, worin er sich für eine Lösung der jüdisch-arabischen Frage innerhalb eines Groß- Arabiens ״Von Haifa bis Basra“ aussprach, eine Formel, die dann auch von jüdischer Seite mehrfach zustimmend zitiert wurde. Akhtar, der wohl mehr ein ״Bohetnien“-Typus als ein großer Charakter war, hat aber in der Judenfrage keineswegs eine konsequente Haltung eingenommen. Da die Araber über keinen englisch schreibenden Journalisten seines Ranges verfügen, dürfte mit Akhtars Hinscheiden auch die englische Ausgäbe des ״Felestin“ ein Ende gefunden haben. Die Frage des Anschlusses des Persischen Bahnn et z e s an die Linie Haifa — Bagdad ist, nach einer Meldüng des ״Palestine Bulletin“, augenblicklich der Gegenstand von Besprechungen zwischen den Regierungen Persiens und des Irak, im Falle des Zustandekommens des Anschlußes würde Persien auf einem kürzeren und bequemeren Wege Zugang zum Mittelmeer erhalten als auf der bisherigen Route durch Sowjetrußland von Täbris über Batum, ׳*״״■*. . ׳— —.. — ■-..... Zionistischer Konflikt in Polen Die Revisionisten haben in den letzten Wochen eine leb* hafte Campagne gegen die Zusammensetzung der zionistischen1 Palästina-Aemter eingeleitet. Es wird■ der Vorwurf erhoben,1 daß bei der Verteilung der Zertifikate die Revisionisten benachteilig! werden. Aus Warschau wird gemeldet, daß die polnischen Revisionisten, die sich über einseitige Verwendung' der Einreisezertifikate zugunsten der Linken beschweren, für ihre Mitglieder den Boykott des Keren Kajemeth und des Keren Ha jessod ausgesprochen haben. Der Präsident des Palästina-Amtes in Polen, Dr. M. K1 u m e I, bezeichnet die revisionistische Beschwerde als unberechtigt Der Vizepräsident des revisionistischen Verbandes, Dr. J. Dralicz, erklärt, der Hechaluz habe für sich 80 °/0 der Zertifikate gesichert, dem Brith Trumpeldor aber wurden bloß 7 0/0 zuerkannt Die Exekutive der revisionistischen Union in London ver* sendet ein Communiqul, worin mitgeteilt wird, daß bei aller Anerkennung der Gerechtigkeit der Forderungen der polnisch*« Revisionisten das Exekutiv-Komitee dennoch die polnischen Revisionisten aufgefordert habe, ihren Beschluß bezüglieh der zionistischen Fonds zu revidieren. Die revisionistische Union teilt gleichzeitig mit, daß sie die Zionistische Exekutive wegen vorsätzlicher Verletzung des Be- Schlusses des XVII. Kongresses vor das Kongreß-Gericht fordert Vom Londoner Zionistischen Zentralbüro wurde der Presse eine Mitteilung zugestellt, wonach die revisionistischen Beschuldi* gungen auf einem Irrtum beruhen, da in der Frage der Palästina* Aemter der Kongreß nicht die Exekutive, sondern das A.-G mit der Durchführung des Beschlusses betraut habe, so daß das A.-C. erst in seiner nächsten Sitzung die Ausführung** bestimmungen über die Zusammensetzung der Palästina-Aeratef erlassen könne. ״Palästina“, Redaktion (im Ehrenamt) Adolf Böhm, Wien, Nr. 5/7, die eben erschienen ist, bringt einen Artikel über ״Die Entwicklungstendenzen der palästinensischen Landwirtschaft/' von David Horowitz. Der Verfasser untersucht, wie weif es möglich ist, sich in Palästina vom Import von Lebensmitteln unabhängig zu machen. — Dr. Walter Preuß bearbeitet ״Die Ergebnisse der Volkszählung“. — Dr. Karl H i 1 b schreibt über, ״Die Grundlagen der Rechtsentwicklung in Palästina“. Da öst* liches und westliches Recht in ihrer Grundauffassung verechieden sind und so vielerlei Rechtsärten nebeneinander bestehen,, so herrsche, prinzipiell gesehen, ein Chaos. — Pastor D. Emil' L i n d ,(Speyer) schreibt über ״Ländliches Volksleben in Palästinä“. Der christliche Autor schildert mit warmer Anteil* nähme seine Eindrücke bei den Chaluzim. — E. N. M o h I, Direktor der Kreditbank, schreibt über ״Die Finanzierung der! Industrie“. Seine Bank hat durch drei Jahre Versuche mit langfristigem Kredit für Industrielle gemacht. — H. Frutnkirt schreibt über den ״Arbeiterbedarf im Frühjahr lind Sommer! 1932“. — Ein Artikel über ״Die hebräische Presse in Palästina“ orientiert über diese Materie in eingehender Weise. — Der ״Jahresbericht des Handelsdepartments und der Bericht des Landwirtschaftlichen Amtes für 1927/30“ werden in ihren wesentlichen Zügen wiedergegeben. — Ein Artikel über ״Ditf Erfahrungen mit Neukolonisation in anderen Ländern“ zeigt, dan Kolonien mit genauester Planung in Amerika viel größere Schwierigkeiten und Verluste aufweisen, als die jüdischen in Palästina. — Nebst der Rundschau, Politik und Wirtschaft enthält das Heft reichhaltige Rubriken an Nachrichten und Daten sowie Bücherbesprechungen. — Jahresbezugspreis 2 Dollar, —י Administration Rudolf Langer, Wien 19., Weimarer Str. 90. * Oneg Schabbath. Aus München wird uns geschrieben^ ״Oneg Schabbath“ — so nennt ein kleiner Kreis junger Men* sehen, der sich unter Führung von Dr. Percikowicz» dem Leiter der Münchener hebräischen Sprachschule, zusammengeschlossen hat, seine Veranstaltungen, die seit wenigen Woche« jeden Sonnabend nachmittag um die fünfte Stunde in einem der größten Räume des Münchener jüdischen Jugendheims statt* finden. Nach dem Vorbilde der gleichnamigen palästinensischen, von Bialik geschaffenen Institution versucht man, an die uralte Tradition des ״dritten Sabbatmahls“ (sudah schlischith) anschließend, den Sabbat als Gemeinschaftserlebnis zu gestalten. Ein mit bescheidenen Mitteln festlich bestellter Tisch schafft die Atmosphäre des fröhlichen Festes, dem auch die ungekünstelt gesungenen hebräischen Lieder entsprechen. Im Mittelpunkte der Feierstunde steht ein kurzes Referat über ein jüdisches Problem, oder eine Lesung aus der Bibel, oder aus der neueren und neuesten jüdischen Literatur. Zum Schlüsse wird gewöhnlieh nochmals gesungen und nicht selten Fiorrah getanzt. Es ist schwer zu sagen, was diese Oneg Schabbath-Veranstaltungen so ungemein reizvoll macht: es ist — so scheint es mir — weniger das ״Was“ als das ״Wie“ dieser festlichen Stunden, die man nicht messen kann und darf mit dem kri* tischen Maßstabe, der nur das äußere Sichbegeben bemißt, sondern mit einem ungleich subtileren, der die großen inneren Wirkungen kleiner, unbedeutend scheinender Anlässe zu erfassen vermag. Fritz Rosenthal. Jugendferienheim in Engelberg. Nach dem glänzenden Erfolg des im vorigen Jahre unmittelbar nach dem Kongreß durchgeführten Ferienheims für die jüdische Jugend hat das Jugendressort des Schweizerischen Zionistenverbandes beschlossen, in Verbindung mit dem schweizerischen Kreis des Makkabi und dem Verband der jüdischen Jugendvereine Zürichs, ein Jugendferienheim auch dieses Jahr zu arrangieren. Das Ferienheim wird im weltberühmten Luftkurort Engelberg stattfinden, wird am 17. Juli eröffnet mit der voraussichtlichen Dauer von vier Wochen. Ein großes Chalet wurde für unsere Zwecke speziell umgebaut, das alle Bequemlichkeiten besitzt, wie elektrisches Licht, kaltes und warmes Wasser, große Räumlichkeiten usw. Die Verpflegung ist streng rituell (vegetarisch, reine Butterküche), vier Mahlzeiten am Tage. Der Preis pro Person und Tag beträgt Fr. 4,50 inklusive Versicherung, Trinkgeld. Das Programm sieht vor Wanderungen, Strandbad, Lagerleben, sowie verschiedene Vorträge und Diskussionen über zionistische Fragen und Jugendbewegung. Wie voriges Jahr ist auf eine rege Beteiligung auch aus dem Auslande zu rechnen. Anmeldüngen von Jugendlichen im Alter von 16 bis 25 Jahren werden bis 5. Juli von Herrn H. Wohlmann, Zürich 2, Sternenstr. 21, entgegengenommen. Die Anmeldung muß enthalten: Name und Vorname, Alter, Land, Adresse, Beruf, Tag der Ankunft in Engelberg und die voraussichtliche Aufenthaltsdauer im Ferienheim. Mit der Anmeldung müssen auch Fr. 3,— auf Postscheckkonto VII1/10220 einbezahlt werden. Die Organisation der Veranstaltung ist Herrn Wohlmann übertragen, während für die geistige Leitung zeichnet Herr Dr. M. Newiaskv, Zimmerhof 5, Basel. Die ״Hechaluz-S y m p h o n i e“ des in Wien lebenden Komponisten Israel Brandmann wurde von dem Konzertmeister und Dirigenten Koussevizky zur Aufführung in Amerika übernommen. Brandmann war längere Zeit Dirigent des Orchesters an der hebräischen Oper in Palästina. Wie die J. T. A. erfährt, wird die Vereinigungskonferenz der Weltverbände Poale Zion und Hitachduth für den 18. Juli nach Danzig einberufen werden