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Jüdische Rundschau · 1932-06-24 · Heft 50 (24.6.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 50 (24.6.1932)
Date
1932-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 50,24. VI. 1932 Seite 237 Palästina - das jüdische Einwanderungsland Von Julius Berger, Jerusalem. Die Zionistische Organisation hat heute eine außerordentliehe Chance und steht vor einer unvergleichlichen Aufgabe: sie sollte Palästina zu dem jüdischen Einwanderungsland erklären. Die Juden brauchen ein Einwanderungsland. Daran Ist kein Zweifel. Ihre wirtschaftliche, politische, moralische Position in einem immer größer werdenden Teile ihrer Wirts-!ander wird unhaltbar. Sie wissen nicht, wohin. Laßt sie nach Palästina kommen! Palästina ist imstande, das jüdische Einwanderungsland zu sein. Es ist wie ein Wunder, daß in dem Augenblick, da die jüdische Position in der Welt erschüttert ist wie nie zuvor, gerade Palästina dem Juden Heimat und Existenzmöglichkeit bieten kann. Palästina nimmt heute wirtschaftlich eine Sonderstellung ein. Es geht ihm wirtschaftlich besser als den meisten Ländem der Erde. Die Orangenwirtschaft bietet dem jüdischen Kapital nach wie vor ausgezeichnete Anlagemöglichkeiten und Arbeit für Tausende von jüdischen Händen. Es gibt andere gute Chancen in der intensiven Landwirtschaft, Erzeugung von Frühgemüsen usw. Die Bauindustrie ist noch sehr ausdehnungsfähig. Es herrscht ein starkes Verlangen nach modernen Wohnungen im Lande, das trotz der regen Bautätigkeit noch lange nicht befriedigt ist und von der andauernden Zuwanderung mitteiständlerischer Elemente mit gehobenen Kulturansprüchen immer weiter gespeist wird. Dem Handel bieten sich allerhand neue Möglichkeiten in Palästina. Die fortschreitende Europäisierung Palästinas und seiner Nachbariänder haben z. B. eine Reihe interessanter Chancen auf dem Gebiete des Detailhandels geschaffen, die sehr bald von Nichtjuden ausgenutzt werden, wenn die Juden sich nicht selbst darum kümmern. Und man braucht sich z. B. nur Algier vor Augen zu halten, um sich einen Begriff davon zu machen, in welchem Maße die Kaufkraft und die Kaufneigung der Araber noch ausgeweitet werden können. Die günstige wirtschaftsgeographische Lage Palästinas schafft allerhand Interessante Aussichten für den Großhandel, jetzt schon spüren wir in Haifa den wachsenden Einfluß internationalen Kapitals. Es sind dieselben Umstände, die der Industrie einen weiteren Aufschwung verheißen und die Errichtung neuer Industrien gerade in Palästina als aussichtsreich erscheinen lassen. Es gibt genügend jüdische Industrielle in Europa, deren Fabriken als Folge der Marktabsperrung stillgelegt sind, fn Palästina haben sie eine Chance, ihr Kapital und ihre Maschinen wieder In Arbeit zu bringen. Es gibt allerhand Berufe im Lande, für die gestern noch kein Bedarf war, die heute ganz gute Existenzmöglichkeiten bieten. Palästina ist ein typisches Imraigrationsland geworden. Worauf warten wir? Fast muß man fürchten, daß die Zionistische Organisation sich nicht dazu entschließen kann, die ganz einzigartige Chance auszunutzen, die ihr die gute Wirtschaftsentwick- Jung Palästinas bietet. Sie ist anscheinend zu sehr gewohnt, ihre Propaganda ausschließlich mit der Schilderung ungünstiger Verhältnisse und der Erweckung der Furcht vor noch ungünstigeren zu Betreiben, als darf sie *Sieh* dazu entschließen könnte, die gute Lage der palästinensischen Privatwirtschaft zu einem Argument des Zionismus zu machen. Nichts ist für die herrschende Verwirrung bezeichnender als das fassungslose Erstaunen all der vielen Tausenden von Touristen dieses Jahres angesichts der guten Wirtschaftslage Palästinas. Sie waren darauf vorbereitet, gerade das Gegenteil von dem Guten vorzufinden, das Palästina ihnen zeigte, erwarteten bestenfalls schöne, aber ins Stocken geratene Ansätze, und fanden blühende Gegenwart. Wir haben mit Recht nie Furcht gehabt, eine Chaluzeinwanderung zu propagieren. Wir wußten, es war in jedem Falle ein Wagnis. Diese jungen Leute hatten Schweres zu erwarten, und wir wußten, daß sie Jugend, Gesundheit und vielleicht ihr Leben einzusetzen hatten. Wir haben die Verantwortung dafür ruhigen Herzens übernommen und die Bewegung zur Chaluzeinwanderung mit Recht immer weiter gefördert. Sollen wir auf einmal mehr Angst um das Schicksal haben, das den jüdischen Kapitalisten in Palästina erwartet, als wir um den Chaluz hatten? Ist uns das Kapital soviel heiliger als unsere Jugend? Wir brauchen keine Angst zu haben. Es wird dem tüchtigen Kapitalisten im Lande nicht schlechter gehen als draußen in der Golah, aber er wird in Palästina die Chance haben, die er draußen längst nicht mehr hat. Das Risiko, nach Palästina zu gehen, ist schon seit langem nicht mehr größer als das Risiko, im Galuth zu bleiben. Und das ist sehr vorsichtig ausgedrückt. Warum rufen wir das nicht in die jüdische Welt hinaus? Man komme nicht mit dem Einwand, daß privatwirtschaftliche Einwanderung keiner Propaganda bedürfe. Jedes Land, das Einwanderung haben will, macht Propaganda dafür. Es gilt, das Trägheitsmoment zu überwinden, ersten Anstoß zu geben. Nachher wird der Erfolg oder der Mißerfolg der Einwanderer alles andere von allein besorgen. Aber wir sind schon deshalb zur Propaganda für eine Kapitalseinwanderung nach Palästina verpflichtet, weil wir den falschen Eindruck auslöschen müssen, den bei vielen unsere eigene Propaganda erzeugt hat. Man weiß in der Judenheit kaum etwas vom wirklichen Palästina. Man weiß, daß es einer Reihe zionistischer Siedlungen nicht eben gut geht, daß den Lehrern und Beamten seit Monaten keine Gehälter mehr bezahlt wurden, daß die Exekutive große und sehr drückende Verpflichtungen hat, denen sie kaum nachkommen kann. Aber von dem guten Zustand unserer Orangen- Siedlungen, von den hübschen und mit allem modernen Komfort ausgestatteten Häusern unserer städtischen Wohnviertel, von der wachsenden Hebung unserer Lebensgewohnheiten und den sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Möglichkeiten weiß man fast nichts. Welche Chance für die zionistische Bewegung! Mehr als ein Jahrzehnt haben die werktätigen Zionisten immer dasselbe zu tun gehabt: Gelder zu sammeln, und immer mit demselben Argument: Gebt, sonst geht es zugrunde! Inzwischen ist das Judentum draußen mehr oder minder zugrunde gegangen oder in Gefahr, zu verarmen. Kein Wunder, daß unsere besten Arbeiter müde werden. Der Kommunismus nimmt uns unsere Jugend weg. Was ist sein Hauptargument? Der Zionismus ist keine Lösung der Judennot, eure eigenen Berichte und Notschreie beweisen es, Man stelle sich die Wirkung vor, JÜDISCHE RUNDSCHAU wenn jetzt die Zionistische Organisation den Ruf erschallen ließe: Kommt nach Palästina, hier ist eine Lösung! Man soll keine Angst vor zu weitgehenden Folgen haben. Vorläufig sorgen noch die Einwanderungsvorschriften der Mandatsregierung und die Devisenbestimmungen von Gott weiß wie vielen Ländern dafür, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Sowieso kommen ja zunächst nur Besitzende, Kapitalsträger in Frage. Aber die sollten wir auffordern, zu kommen. Es ist Platz und Möglichkeit für sie in Palästina, mehr Platz und mehr Möglichkeit als in ihren Heimatsländern. Aber sie bringen die neuen Möglichkeiten für die Einwanderung der Jugend mit, die heute vergebens an die Türen pocht und sich um die paar Zertifikate rauft, die gerade darum immer so knapp gemessen werden, weil noch zu wenig Kapital Ins Land kam und noch zu wenig Arbeitsmöglichkeiten geschaffen hat. Natürlich, Propaganda allein tut es nicht. Es soll nicht noch einmal so kommen wie 1925, wo wir tatenlos zugesehen haben, wie eine viel versprechende Einwanderung teilweise in sich zugrunde ging. Organisation des Angebotes in Palästina tut not, Organisation der Nachfrage von außen tut not, aber das alles verlangt viel mehr guten Willen als große Mittel. Vor allen Dingen aber muß die Zionistische Organisation Wirtschaftspolitik treiben, etwas, was uns heute noch ganz unbekannt ist. Wir müssen den Export und vor allem auch den Import organisieren, müssen den Import- Überschuß als wirtschaftliche und politische Waffe gebrauchen im Kampfe gegen die vielen Erschwerungen, denen heute die Ueberführung von Kapital und Menschen aus dem Galuth nach Palästina unterworfen ist, wir müssen die Wirtschaft zu einem legalen Faktor zionistischer Politik machen, — sie kann das wirksamste Mittel werden, das unserer Politik zur Verfügung steht. Auf dem Gebiete kann noch viel mehr geschehen. Die Makkabiade dieses Jahres hat uns gezeigt, in welchem Ausmaße wir Massentouristik nach Palästina schaffen können und wie nötig es ist, daß sie in zentralen Händen liegt. Und auch von der Messe war sehr viel zu lernen, was praktische Förderung des Palästinaaufbaus anlangt. Welche Chance für die Propaganda unserer Fonds! Wenn wir endlich noch andere Aufgaben bekommen, als Schulden zu bezahlen, wenn wir darauf hinweisen können, daß die gesammelten Gelder in ein aufstrebendes Land fließen, daß mit ihnen immer aufs neue die Grundlage geschaffen wird für die Lösung der Judenfrage in unserer Zeit. Wir stehen vor einer Sitzung des Aktlons-Com!t£s. In den letzten Jahren waren diese Sitzungen genau wie unsere Kongresse wenig erfreulich. Da man keine Möglichkeit produktiver Tätigkeit sah, verbiß man sich in kleine und kleinliehe Zänkereien, die unseren politischen Standard sicher nicht gehoben haben, und unsere Sammlungen haben gewiß nicht davon profitiert. Dieses Mal könnte es anders sein. Wir brauchen nur zu wollen. Wir haben nur nötig, zum Hauptgegenständ der Tagesordnung den einen Punkt zu machen: Palästina — das jüdische Einwanderungsland. Der Besiedlungsplan in Wadi Havarith Das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds hat In seiner letzten Sitzung die Parzellierung der Nationalfonds-Böden in Wadi Havarith, in der palästinensischen Küstenebene, vorgenommen und die dort verfügbaren Böden neuer jüdischer Kolonisation zur Verfügung gestellt. Ehe vom Landwirtschäftsdepartement ausgearbeiteten Siedlungspllne sehen die Errichtung von neun Siedlungen für insgesamt 1000 Familien vor. Die Pläne sehen die Schaffung von fünf Siedlungen mit insgesamt 425 Familien auf der Basis der sogenannten Mittelstandskolonfsation vor. Es wird an folgende Typen gedacht: a) zwei Siedlungen für 100 dem Mittelstand angehörende Familien; b) eine Siedlung für 85 Mittelstandsfamilien die mit ״Yakhin“ ein Abkommen betreffend Orangen- Pflanzungen getroffen haben; c) eine Siedlung für 40 Familien der ״Bnei Benjamin“, der Organisation von Söhnen palästinensisch-jüdischer Bauern; d) eine Siedlung für 100 Zionistenfamilien, die früher in Rußland gelebt haben; diese Siedlung wird vom russischen zionistischen ״Merkas“ gefördert. Ehe andere Hälfte des Bodens wurde für die Ansiedlung von Arbeiterfamilien reserviert. Es werden folgende Typen von Arbeitersiedlungen geschaffen: a) eine Siedlung für 100 Familien früherer, meist aus Amerika stammender, jüdischer Legionäre, die sich mit 17 Arbeiterfamilien des ״Paraes Hagdud“ des Orangenhains an der Grenze Wadi Havariths (das Gebiet gehört einer Gruppe amerikanischer Juden), vereintgen; b) eine Siedlung für 110 Familien der ״Witkin“-Oruppe (so genannt nach einem der ersten jüdischen Arbeiterführer) und für 70 Familien der Haemek-Gruppe; c) eine Siedlung für 50 Yemeniten-Familien; d) eine Siedlung für 70 Familien des Hapoel Hamisrachi; e) eine Siedlung für 50 Familien der Hedera Intensive Group, für 40 Familien des Kibuz Gimel und für 40 Familien der Chedera-Gruppe. Bei den unter e) genannten Gruppen handelt es sich um Arbeiter aus der großen Kolonie Chedera, die an den Norden der Havarith-Böden grenzt. Schließlich sind 450 Dunam Boden für die Vergrößerung des von der Palestine Economic Corporation in New York begründeten Brandeis-Viertels in Chedera bewilligt worden. Es werden in diesem Viertel 40 Familien neu angesiedelt werden. Die durchschnittliche Bodeneinheit pro Familie beträgt 17 Dunam; diese Bodeneinheit ist im Hinblick auf den intensiven Charakter der Landwirtschaft in der Küstenebene ausreichend. Orangenzucht wird das Hauptbetätigamgsfeld der Siedler in Wadi Havarith sein. Jnsgesamt sind für die obengenannten Siedlungszwecke 18850 Dunam Boden parzelliert worden. Einige der genannten Gruppen werden schon in ganz kurzer Zeit den ihnen gegebenen Boden in Besitz nehmen und kultivieren, so u. a. die Witkin- und Haemek-Gruppen, die sich aus landwirtschaftlich vollkommen ausgebildeten Arbeitem zusammensetzen; ferner die Yakhin-Gruppe, die Kontrakte mit Investieren im Auslande abgeschlossen hat, die Ex-Legionäre, die Pardes Hagdud-Arbeiter und die Siedler des Brandeis-Viertels. Die Mittelstandssiedler werden innerhalb eines Jahres mit der Kultivierung des Bodens beginnen. Anläßlich des Todes von Prof. David Simonsen hat sich in Kopenhagen unter Leitung von Oberrabbiner Dr. M. F r i e ־ d i g e r ein Komitee gebildet, das eine Sammlung zur Pflanzung eines David Simonsen-Haines in Palästina durchführt. Dem Komitee gehören ferner an: der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Höchstgerichtsadvokat C. B. Henriques, Bibliothekar Josef Fischer, Bankier Wm. Nathan, Direktor Sofus Oppenheim. Cypern und Palästina Ein trapcrieiisdier Bericht einer englischen Uniersuchungskommisilon über jüdische Leistungen Von Dr. Fritz Simon (Jerusalem). Bevor der mit Ungeduld erwartete French-Bericht, der den Zionismus voraussichtlich wieder um einige Hoffnungen ärmer zu machen versuchen wird, erscheint, ist es vielleicht angebracht, einer breiteren Oeffentlichkeit von dem Bericht Kenntnis zu geben, den eine Handelsmission der Regierung von Cypern (zusammengesetzt aus drei englischen und einem cypriotischen Beamten) über ihre Erfahrungen in Syrien, Palästina, Aegypten und Griechenland erstattet hat*). Der Bericht liegt zwar schon zwei Jahre zurück und ist teilweise veraltet (inzwischen fanden die Unruhen auf Cypern statt und die von der Kommission geforderte direkte Dampferverbindung mit Palästina ist durch den Lloyd Triestino eingerichtet), aber was er grundsätzlich über Palästina zu sagen weiß, gilt auch heute noch, und sogar in verstärktem Maße. Mit freudigem Erstaunen wird der Leser feststellen, daß dort, wo es sich nicht um ״große Politik“ handelt, sondem um die praktische Frage, wie die Handelsbeziehungen zwischen zwei englischen Besitzungen enger zu gestalten sind, was natürlich auch im Interesse des Mutterlandes und des Empires als Ganzem liegt, daß dort also auch englische Sachverständige zu einer Einschätzung der Bedeutung der jüdisehen Leistungen für die Entwicklung Palästinas kommen, die wir sonst nicht immer gewöhnt sind. Einige Zitate mögen das belegen. Nachdem der Bericht den geringen Anteil Cypcrns an der palästinensischen Einfuhr und dessen Ursachen bespricht (nur ,£ 37 000 von £ 5 000 000 im Jahr) fährt er fort (Seite 8): ״Die augenblicklichen beschränkten Geschäftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern dürfen aber nicht als ein Kriterium für die zukünftige Entwicklung angesehen werden. Palästina ist in einem Zustand der Entwicklung und viel Kapital wird durch die jüdischen Kolonien investiert, die von ausländischen zionistischen Gesellschaften stark finanziert und unterhalten werden. Die Einfuhrquote beträgt £ 8 pro Kopf der Bevölkerung. Landwirtschaft und Industrie sind beide Gegenstand systematischer Entwick- Jung, vor allem aber die Industrie, die, wenn sie Erfolg haben wird (wozu jüdische Ausdauer und jüdischer Erfindungsgeist zweifellos fuhren wird), die Kaufkraft der Bevölkerung für landwirtschaftliehe Erzeugnisse zweifellos steigern wird, woran Cypern wiederum einen größeren Anteil nehmen müßte.“ E>er Bericht fordert dann die englischen Reichsvorzugszölle für Palästina und schildert die großen Aussichten des Touristenverkehrs and des Orangenexports. Dann heißt es weiter <5. 8/9): ״Die Delegation besuchte die Assis-Citrus-Fruchtsaftfabrik in Tel-Awiw, die ein ausgezeichnetes Citrusgetränk, bekannt als ״Jafforinge“, herstellt. Diese Gesellschaft verfügt über eine hochmoderne Fabrikanlage und eine ähnliche Fabrik würde ein Gewinn für die Citrusindustrie in Cypern sein. Die Trauben- und Weinindustrie findet in Palästina ebenfalls beträchtliche Beachtung. Die Delegation besuchte die jüdische Landwirtschaftsschcue Mikweh Israel bei Jaffa, die 1870 gegründet wurde, und wo Reben in ziemlich großem Maßstab experimentell gezüchtet werden. Sie besuchte , jjic^ gl^dpnde-Zioi», eine, bedeutende Pflanzung, die ganz ausgezeichnete w«tie *$808#.*' ’ י״...״ .״״־״.ד•׳• '־, Der Bericht schlägt dann den Austausch palästinensischer Bananen gegen cypriotische Kartoffeln, Käse und Zwiebeln vor, und fährt fort (Seite 9): ,,Die jüdische Kooperativbewegung in Palästina ... ist ein hervorragender Faktor in der wirtschaftlichen Evolution des Landes. Eine Illustration des Geistes, in der sie arbeitet, bildet die ,Vereinigung der Orangenpflanzer‘. Die Bewegung ist auf die jüdischen Kolonien beschränkt. EHe Araber werden als zu individualistisch hingestellt, um den Wert der Kooperation zu begreifen, die einige persönliche Opfer für das Gemeinwohl verlangt"**). Die Delegation nimmt dann von den Untersuchungen der Regierung fiter die Agrarfrage und den Schwierigkeiten, die einer Landwirtschaftsbank entgegenstehen, Kenntnis und wendet sich der Industrie zu. Auf jüdischer Seite ist man bemüht, in Cypern einen größeren Markt für Zement, Lederwaren, Trikotagen und andere Erzeugnisse zu finden. Die Delegation überzeugt sich durch den Besuch mehrerer Fabriken, daß diese waren durchaus geeignet sind, in Cypern mit Erfolg abgesetzt zu werden und kommt zu dem Schluß: ״. . . daß die rapide Entwicklung der Industrie in Paläsiina auf die intelligente Voraussicht und Energie der jüdischen Kolonisten zurückzuführen ist.“ Wer den Bericht der cypriotischen Handelsmission unvoreingenommen liest, muß zu dem Schluß kommen, daß die jüdischen Leistungen in Palästina, bewußt oder unbewußt, Wesentliches zu dem Aufbau des ganzen Landes und seiner wirtschaftlichen Fortentwicklung beitragen. Es ist nur merkwürdig, daß die Herreu Dawe, Llewelyn and Caruana, die für den cypriotischen Report verantwortlich zeichnen und die die englischen Interessen sicher nicht schlechter vertreten als die Herren Shaw, Sir John Simpson und French, teilweise zu den entgegengesetzten Anschauungen über das jüdische Aufbauwerk als die letztgenannten Berichterstatter kommen (man denke etwa an Simpsons Urteil über die jüdi sehe Industrie). Wer den Van Gogh-Prozeß verfolgt hat, wird überhaupt dem Sachverständigenwesen skeptisch gegenüberstehen. Der Unterschied ist leider nur der, daß es sich bei Van Gogh nur um (grob gesprochen) schön bemalte Leinwand und in Palästina um das Schicksal eines Landes und zweier Völker handelt. Die Ausweisungen aus Luxemburg. Dr. Max Rosenfeld, Präsident der Zionistischen Organisation in Luxemburg, teilt der J. T. A. mit, daß die aus Paris stammende Meldung, wonach einigen hundert ausländischen jüdischen Familien in Luxemburg die Verlängerung der Aufenthaltsdauer verweigert wurde, übertrieben war; bis jetzt wurden nur die Bewerbungen von 36 Familien ausländischer Juden, von denen 19 aus Polen stammen, um die Erlaubnis zu weiterem Aufenthalt in Luxembürg abschlägig beschieden. Ehe Ausweisungsaktion trägt keinen antisemitischen Charakter. Bei den ausgewiesenen 30 jüdischen Familien handelt es sich meist um solche, die entweder behördlichen Anordnungen sich nicht fügen oder nicht in der Lage sind, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. *) Cypras. Report on the Government Trade Development Mission and its Visits to Syria, Palestine, Egypt and Greece. Nicosia, 1930. **) Bei der Besprechung der Kooperativbewegung in Griechenland wird festgestellt, daß sie nicht an die Höhe der iüdischen in Palästina heranreicht

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