Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1932)
- Date
- 1932-06-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 236 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50. 24. VI. 1932 der Gemeinschaft und ein konkretes Ziel gegeben, aber — selbst ein Kind des liberalen Zeitalters — glaubte er zunächst, im ״modernen“ Geist auf jene Elemente, die in der Vergangenheit das jüdische Volk gestaltet und erhalten haben, verzichten zu können. Aber diese erste Errungenschaft konnte nur für einen kurzen revolutionären Moment als Stütze ausreichen. Schon bei der Auseinandersetzung mit der liberalen Assimilation drängten sich neue Fragen auf. Warum sind wir Juden? Was ist unser Judentum? Welchen Sinn hat unser Judesein? Vor etwa einem Vierteljahrhundert (genauer: vor 23 Jahren) wurden diese Fragen von einem Manne gestellt, der damit die Führung in dem ungeheuren Prozeß geistiger jüdischer Neuorientierung ergriff. Es war Martin Bub er, der damals seine ״Drei Reden über das Judentum“ hielt, die das Denkmal eines geistigen Wendepunktes unserer jüdischen Generation geblieben sind. Bubers Reden haben weit über ihre unmittelbare ״literarische“ Wirkung mittelbar auch dort gewirkt, wo man sie nicht kannte und vielleicht bis heute nicht kennt; darum kann man sie mit Recht als repräsentatives Dokument einer Epoche bezeichnen. Daß Judentum nicht nur eine biologische Qualität ist, auch nicht nur eine Summe von Gesetzen, Bräuchen und Normen, auch nicht eine besondere ״Ethik“, sondern daß es mehr ist, Schicksal und Sendüng, etwas, was in uns lebt und die tiefsten Schichten unseres Seins bestimmt, das ins Bewußtsein erhoben werden will und zur Gestaltung drängt, daß wir als Juden unter dem Zeichen einer Idee leben, — dies ist die entscheidende Realität unseres Daseins, der gegenüber alle Verschlungenheiten des Tuns und der Politik nur Mittel sind. Buber ist auf dem beschrittenen Weg nicht stehen geblieben. In unermüdlicher Gelehrtenarbeit, aber in enger Verbindung mit allen Dingen des Lebens, ist er in den überlieferten Geistesschatz des Judentums immer tiefer eingedrungen. Seit der für ihn und für uns so bedeutungsvollen Begegnung mit Franz Rosenzweig hat seine Arbeit eine neue Richtung bekommen. Die ungeheure Leistung der zusammen mit Rosenzweig unternommenen und nach Rosenzweigs Tod allein weitergeführten Verdeutschung der Bibel, die mit dem kürzlieh erschienenen Jirtnijahu bis zum 11. Band gediehen ist, hat schon gezeigt, daß sich hier die Erneuerung altjüdischen Geistesgutes in besonderem Sinne vollzieht; denn ohne daß ein Kommentar beigegeben war, lag in der Uebersetzung selbst das Neue eingeschlossen, das durch die Schleier herkömmlicher überlieferter Auffassungen die urhebräische Botschaft aufklingen ließ. Die Absicht, als Ergänzung der Uebersetzung einen theologischen Kommentar erscheinen zu lassen, der ״Der biblische Glaube“ heißen sollte, konnte Buber zunächst pjcht .aysfiihren.. _ Fr .hat sich, -daher. einer Teilarbeit zu׳ gewandt, die das wohl wichtigste aller Probleme, nämlieh das Problem des Messianismus in Israel, untersuchen soll. Dieses Werk wird jetzt veröffentlicht. Es trägt den Titel: ״Das Kommende, Untersuchungen zur Entstehung des messianischen Glaubens". Der erste Band ״Königtum Gottes“ ist soeben (imSchocken- Verlag Berlin) erschienen. Dies ist — so fühlt man — trotz seines wissenschaftlichen Charakters ein aktue 11 e s Buch, das jeden angeht. Denn es geht dabei um nichts Geringeres als um die entscheidende Frage unserer Zeit, die eben die ״Krise“ bewirkt, nämlich die Gestaltung menschlichen Gemeinschaftslebens. Die Be- Ziehungen des Einzelnen zur Gesamtheit, die Antinomie von Freiheit und Bindung, die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Herrschaft von Menschen über Menschen und die Unzulänglichkeit irdischen Menschentums in der immer wieder vergeblich versuchten Verwirklichung der wahren Gemeinschaft, dies ״Material“ aller Politik ist im Grunde eine Funktion des Glaubens. Die ״politische“ Idee des Judentums kulminiert im Messianismus. ״Der messianische Glaube Israels ist“, so führt Buber aus, ״seinem zentralen Gehalt nach das Ausgerichtetsein auf die Erfüllung des Verhältnisses zwischen Gott und Welt in einer vollkommenen Königsherrschaft Gottes.“ Dieser Glaube wird verständlich nur aus der ursprünglichen theokratischen Konzeption der israelitischen Frühzeit. Daß in dieser Frühzeit — gemeint ist vor allem diejenige Epoche, über die in dem sogenannten Buch der Richter berichtet wird — die Theokratie als Realität verstanden und gelebt wurde, diesem Nachweis gilt im wesentlichen der vorliegende erste Band. Dies ist aber keine Spezialfrage der Wissenschaft, keine Angelegenheit der Bibelforschung oder Vermehrung der schon hinreichend gewaltigen Kommentaren-Literatur um eine neue geistreiche Variante, sondern es' ist ein Problem, das tief in das Leben hineinreicht, eine Angelegenheit von größter Aktualität für das Selbstbewußtsein des Judentums. Denn hier wölbt sich ein Bogen von den Anfängen jüdischer Volksgeschichte bis in eine unsichtbare vollendete Zukunft, ein Bogen, in dessen Spannung die ganze jüdische Geschichte abläuft, bis zu uns und über uns hinaus. Wie Buber zeigt, daß in der Glaubensvorstellung Israels nicht, wie man gewöhnlich sagt, eine fortschreitende Entwicklung etwa von Moses zu den Propheten festzustellen ist, sondern daß es hier wie dort schon um die gleichen Dinge geht, wenn auch das eine Mal in mehr verborgener, das andere Mal in einer mehr ausgesprochenen Weise, so ist diese dem Judentum eigentümliche Vorstellung, die man in dem Wort Messianismus zusammenfaßt, immer wirksam und immer vorhanden und bestimmt die eigentümliche Aufgabe des jüdischen Volkes. Die messianische Erlösungs-Hoffnung Israels war durchaus geschichtlich gemeint, erst durch die wachsende Geschichts-Enttäuschung wurde sie eschatologisiert. Die Ailnri an die tifisle Erez Israels Am allen Lindern hören wir von Berichten, die die zahlreichen Touristen und Pilger dieses Jahr aus Erez Israel zurflckgebracht haben. Sie berichten, was sie mit eigenen Augen gesehen, was jüdische Energie, jüdischer Unternehmungsgeist und Opferwilligkeit in Palästina geschalten haben, was mit den Mitteln erbaut wurde, die mit solcher Mühe beim jüdischen Volk gesammelt wurden. Jetzt fühlen sich unsere treuen Mitarbeiter belohnt. Ihre Anstrengungen, ihre Opferwilligkeit sind nicht umsonst gewesen. Ueberallhin dringt die Botschaft, daß Palästina der einzige Winkel ist, wo cs eine schöpferische jüdische Freude gibt und wo auch Leiden Sinn haben. Wenn aber die aus Erez Israel zurückgekehrten Gäste erzählen, wie det* Jischuw in Palästina sich aus sich selbst heraus organisch entwickelt, so müssen wir hinzufügen: Nicht um diesen Jischuw allein geht es! Es geht um den weiteren Aufbau der Nationalen Heimstätte, um die jüdische Wiedergeburt, um die Juden, die nach Erez Israel kommen werden. Wir müssen neue Einwanderer ins Land bringen. Die Privatinitiative verdient einen größeren Platz. Das nattonale Kapital wird ihr den Weg ebnen, ihr bei der weiteren Ent- Wicklung behilflich sein. Wir müssen die alten Kolonisationspunkte stärken, neue aufbauen, das Eindringen der Arbeiter in die alten Kolonien erleichtern. Wir müssen den neuen Immi- Oranten billige Schule, billiges Hospital geben, für billigen Kredit Sorge tragen. Das ist Sache des ganzen Volkes. Wir hoffen, daß alle, die Palästina besucht haben, gute Sendboten für unsere Sache und unsere Fonds sein werden. Wir fordern sie alle auf — die Alten und die Jungen — sich in den Dienst des Keren Hajessod zu stellen, dem Judentum die Botschaft der Schöpfungsfreude des Jischuw zu bringen, aber auch seiner Ungeduld und seiner Unruhe. Die Arbeit ist schwer. Sie muß mit Energie, mit Kraft, mit vergrößerter Opferwilligkeit geführt werden. Wer in Erez Israel war, sei uns jetzt mehr als je Bundesgenosse und Mitarbeiter! Jerusalem, 10. Siwan 5692 (14. Juni 1932). Direktorium des Keren Hajestod erste Epoche dieser großen Enttäuschung bilden die Versuche der Verwirklichung einer unmittelbaren Herrschaft Gottes in der Richterzeit. Die Paradoxie der Theokratie besteht darin, daß sie menschliche Herrschaft über Mensehen negiert, aber nicht um der Freiheit des Individuums willen, sondern um einer höheren Bindung willen, die freilieh nicht auf menschlichem Zwang beruht, sondern einzig in der Glaubenssphäre des so Gebundenen verankert ist. Die empirische Geschichte des Volkes Israel hat bekanntlieh Formen der Herrschaft und de| Staates ausgebildet, die sich von anderen Staatswesen der Zeit nicht wesentlich unterschieden; aber daneben blieb stets der Anspruch des Königtums Gottes bestehen, wirkte in die Vorstellungen des Volkes und in das Leben des Volkes hinein, bestimmte die Zukunftsvorstellungen des Volkes. Bubers rein bibelwissenschaftliches Werk wird — auch in den weiteren Bänden — die spätere Zeit der jüdischen Volksgeschichte, in der eigentümliche ״messianische“ und^jse1|d|>}nes|ift nische Beweg«;’!en entstanden, nfc® behandeln.' Seine “ Untersuchung gilt der Entstehungsgeschichte des messianischen Glaubens, d. h. dem Prozeß der Umbildung einer ursprünglich als ganz gegenwärtig verstandenen Berufung in eine jenseits unserer geschichtlichen Zeit verlegte Konzeption. Aber indem er uns dies vorführt, erschließt er in entscheidenden Punkten das Verständnis für das Wesen des Judentums und die geschichtliche Stellung Israels. Eine Darlegung des Gehaltes und der Gedanken des Buberschen Werkes war hier nicht beabsichtigt. Sie mag noch in einer anderen Rubrik erfolgen. An dieser Stelle kam es uns darauf an, auf das Bubersche Werk als ein geistiges Ereignis hinzuweisen, das unser jüdisches Bewußtsein — weit über den Kreis der Wissenschaftler hinaus — mitgestalten wird. Denn wir werden in unserer jüdischen Orientierung nicht zurechtkommen, wenn wir nicht verstehen, daß bei aller Bedeutung des Soziologisehen und Tatsächlichen, dessen Gegebenheiten natürlich mit aller Präzision behandelt werden müssen, die Erklärung geheimnisvoller Lebens- und Geschichtsvorgänge aus tieferen Quellen geholt werden muß. Robert Weltsch. Ein Judenschlcksal Im ״Berliner Tageblatt“ vom 22. d. M. findet sich im Leitartikel Rudolf Oldens ״Ostpreußischer Epilog“ nachstehender Bericht: ״Ein Bankvorsteher in einer Landstadt hatte sich auf ungewöhnliche Weise heraufgearbeitet. Als russischer Kriegsgefangener hatte er die Tochter des Besitzers zur Frau gewonnen, war Deutscher geworden und in das Bankfach zu rückgekehrt, das er als junger Mensch gelernt hatte. Man kannte ihn als solid, tüchtig, hilfsbereit. Seine Frau war katholisch, und so ließ er, der früher Jude gewesen war, sich und die Kinder taufen. Als mit den Siegen Hitlers auch die antisemitische Hetze einsetzte, wurde sein Name durch die Volksversammlungen gezerrt. Einen ,Orang-Utan’ nannten ihn die Hakenkreuz-Redner, in anonymen Zuschriften wurde ihm gedroht: ,Wir werden Sie mit Ihrer ganzen Brut vernichten’. Nach der Wahl griff er zur Pistole, in Abschiedsbriefen schrieb er: ,Es ist doch alles verloren. Vielleicht verzeiht man meiner Frau und meinen Kindern’. Der Haupthetzer brachte es über sich, öffentlich zu sagen: ,Einer ist so weit, die übrigen bringen wir auch dahin’.“ Es ist ein tragischer Fall, aber nicht der einzige, der sich in den letzten Monaten ixt Deutschland abgespielt hat. Man versucht, Ueberlegungen anzustellen: Hätte der Bankvorsteher nicht restlos seine Beziehungen zu seiner eigenen Gemeinschaft gelöst — er tat es gründlich durch Mischehe und Taufe — so wäre für ihn nicht ״alles“ zusammengebrochen, und er hätte vielleicht den Weg zu seiner angestammten Gruppe wiederfinden können. Dieser Rückweg hätte ihn in die Lage versetzen können, trotz allem mit innerer Fassung die Ereignisse, die über ihn hereinbrachen, zu ertragen. Die große Warschauer jiddische Tageszeitung ״Hajnt“, die infolge Streiks des Druckereipersonals sechs Wochen lang nicht erschienen war, erscheint nunmehr wieder. Der ״Hajnt“־ ,Verlag wurde auf kooperativer Grundlage reorganisiert, Presseichau In der Wiener Tageszeitung ״Der Tag“ zieht Dr. Israel Waldmann in einem Aufsatz ״Die Levante-Messe in Tel- Awiw 1932“ einen Vergleich zwischen der Levante-Messe und der Wiener Frühlings-Messe 1932. Es heißt darin: ״Bei der Wiener Frühjahrsmesse 1932 stellten insgesamt 1848 Firmen aus, hiervon 1662 inländische und 186 ausländische; diesen Zahlen stehen bei der Tel-Awiwer Messe 713 ausländische und 352 inländische Firmen gegenüber. Die Oegenüberstellung der für die beiden Messen in Betracht kommenden ausländischen Firmen — nach Staaten gezählt — ergibt folgendes Bild: Ausgestellt haben Firmen: Aus Deutschland in Wien 95, in Tel-Awiw 150, aus der Schweiz 12 bzw. 19, aus U. S. A. 17 bzw. 18, aus England 10 bzw. 135, aus Frankreich 8 bzw. 15, aus Italien 5 bzw. 23, aus der Tschechoslowaftei 10 bzw24 .׳, aui Luxemburg 1 bzw. 24, aus Ungarn 11 bzw. 3, aus Spanien 2 bzw. —, aus Dänemark 1 bzw. —, aus Belgien 1 bzw. 10, aus Schweden 2 bzw. 4, aus Jugoslawien 2 bzw. —, aus Polen 4 bzw. 41, aus Rumänien 2 bzw. 51, aus Cypern 1 bzw. 107, aus Palästina 1 bzw. 352, aus Oesterreich 1662 bzw. 20, aus Indien 1 bzw. —, aus Aegypten — bzw. 37, aus Holland — bzw. 8, aus Japan — bzw. 3, aus Lettland — bzw. 20, aus Syrien — bzw. 5, aus der Türkei — bzw. 7. Außerdem hat die Union der Sowjetrepubliken in beiden Städten ausgestellt. Diese 1m Vergleich geradezu überraschenden Ziffern bekunden, daß die Messe in Tel-Awiw ein viel größerer Anziehungspunkt für Aussteller als die Frühjahrsmesse in Wien war, und daß die Besucherzahl der Wiener Messe im Verhältnis zu jener in Tel-Awiw geradezu winzig erscheint. Dazu muß man bedenken, daß Wien selbst eine Bevölkerungszahl von zirka 1,8 Millionen aufweist, im Zentrum Europas mit ausgezeichneten Bahnverbindüngen liegt, und daß die Bevölkerung Oesterreichs sich aut zirka 6,5 Millionen beläuft, während Palästina nur aus einem Reservoir von höchstens 250000 Menschen, die Kulturbedürfnisse haben, schöpfen kann, Tel-Awiw nur zirka 50000 Einwohner zählt und die Entfernungen und Verbindungsmöglichkeiten nach Palästina ganz andere sind und unvergleichlich höhere materielle Schwierigkeiten zu überwinden haben als die Metropole in Mitteleuropa.“ * Anläßlich des 50. Geburtstages von Nehemla de Liem e hat die holländische zionistische Zeitschrift ״De Joodsche Wächter“ eine Festnummer herausgegeben, die neben mehreren Beiträgen seiner holländischen Freunde auch eine Anzahl von Aufsätzen in deutscher und englischer Sprache enthält. Von besonderem Interesse sind dabei die Aufsätze der beiden Herren, die mit De lieme zusammen im Jahre 1920 die sogenannte Reorganisations-Kommission gebildet haben, nämlich Robert Szold (englisch) und Julius Simon (deutsch). Julius Simon erzählt in seinem Beitrag die Vorbereitungen, die nach der Baifour-Deklaration von der damatigen Zionistischen Exekutive in bezug auf die ökonomische Palästina-Frage begonnen wurden und bei denen De Lieme eine führende Rolle spielte, und faßt sodann nochmals die Gnindsätze zusammen, auf denen der berühmte Reorganisations- Bericht von 1921 aufgebaut war. Dem von Julius Simon ausgesprochenen Bedauern darüber, daß ein Mann wie De Lieme gegenwärtig ״im Winkel“ sitzt und nicht aktiver am zionistisehen Werk mitarbeitet, werden sich zweifellos weite zionistische Kreise anschließen. Von Wäldern, Hainen und Gärten ״Wir wollen einen nationalen Baumverein gründen, jeder Jude spende einen Baum — zehn Millionen Bäume!“ So schrieb Herzl 1895 in sein Tagebuch. Neun Jahre später schuf Professor Otto W a r b u r g die ״Oelbaumspende“ und machte gleichzeitig den wundervollen Vorschlag, Herzls Andenken durch die Pflanzung eines Waldes auf seinen Namen in Erez Israel zu verewigen. Diese Parole hat eine beispiellose Popularität in <Jer zionistischen Welt gefunden. Obwohl wir von der Herzischen Forderung noch weit entfernt sind (dies gilt ja nicht nur für die Baumspende) hat die nationale Aufforstung in Palästina doch schon sehr beachtliche Resultate aufzuweisen. In zahlreichen auf Keren Kajemeth-Boden entstandenen Siedlungen gibt es heute schon größere Pflanzungen, die aus der Baumspende entstanden sind. Fast 1 300 000 Bäume auf rund 6000 Dunam wurden angesetzt. Im verflossenen Jahr 5691 wurden allein 280000 Bäume neu gepflanzt. Aus dem ursprünglich geplanten einen Herzl-Wald sind eine Reihe Herzl-Wälder entstanden, die das Andenken an den Schöpfer unserer Bewegung für viele Generationen erhalten werden. Auch andere Namen, die wir ehren, sind durch Wälder zu 10000, Haine zu 1000 und Gärten zu 100 Bäumen in Erez Israel verewigt. Vor einiger Zeit hat das Hauptbüro des Keren Kajemcth in Jerusalem hübsche und übersichtliche Pläne zusammengestellt. Aus diesen Plänen geht hervor, daß von den in Deutschland bisher aufgebrachten Baumspenden 370 Gärten und 15 Haine errichtet und darin 66 584 Bäume angepflanzt wurden. Jeder Hain und Garten kann an Hand der Pläne sofort eruiert werden. Der Keren Kajemeth wird die Bewaldung Palästinas auch in Zukunft pflegen. Er besitzt noch viele tausend Dunam Hügel- und Gebirgsland, das nur für Aufforstungszwecke geeignet ist. Die günstige Entwicklung seiner Pflanzungen läßt erwarten, daß auch das Instrument für die Aufforstung, nämlich die Baumspende, weiter an Popularität zunehmen wird. Die Zahl der in Deutschland begonnenen und noch nicht komplettierten Gärten beträgt 157, die der Haine 13. Der traditionelle Anlaß für alle Zionisten, das erfolgreiche und schöne Werk der Aufforstung zu fördern, ist der Todestag Theodor Herzls, der 20. Tamus, der diesmal auf den 24. Juli fällt. Jeder, der sein Andenken durch eine Baumspende ehrt, trägt dazu bei, daß das heute noch kahle Palästina wieder von schattigen Wäldern bedeckt wird die nicht nur der Schönheit, sondern auch der Wirtschaft des Landes zugute kommen. Am Ara Gemeinden Am 19. d. Mts. hielt der Große Rat des Preußisehen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden eine Sitzung ab. Unter den zahlreichen Punkten der Beratung ist vor allem die eingehende Erörterung zu erwähnen, die der Lage des preußischen Judentums unter den gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen gewidmet war. Dabei kamen besonders Gesichtspunkte in Betracht, die für die einzelnen Gemeinden, wie auch für den Landesverband selbst von Wichtigkeit sind. Der Rat beschäftigte sich ferner mit dem Haushaltsplan, der nunmehr nach den Vereinbarungen zwischen den Liberalen und der Volkspartei durch die Maglichkeit, den Notbeitrag einzuziehen, eine Veränderung, entsprechend der Vorlage auf dem Verbandstage, erfährt. Außerdem wurde noch eine Reihe von laufenden Angelegenheiten beraten.