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Jüdische Rundschau · 1932-06-21 · Heft 49 (21.6.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 49 (21.6.1932)
Date
1932-06-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 49, 21. V*. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 233 ״Der Jud ist schuld ...?״״ Ein Sammelbuch, besprochen von Gustav Krojanker. Unter dem fragenden Titel ״Der Jud ist schuld...?“ ist (im Zinnen-Verlag Zürich) ein ״Diskussionsbuch über die Judenfrage“ erschienen. Etwa 40 Autoren diskutieren, und das heißt: jeder sagt seins. Dem Leser aber, nachdem ihm derart das Für und Wider beredt klargemacht wurde, ist der Gegenstand nun vollends unklar geworden; ihm ist, als hätte ihn einer mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen. Jede Diskussion nämlich, um sinnvoll zu sein, setzt, bei aller Meinungsverschiedenheit über den Diskussionsgegenstand «elbst, eine gewisse Gleichartigkeit und Gleichwertigkeit des Denkens und Empfindens im allgemeinen voraus. Ohne diese Grundlage entsteht kein Diskussionsbuch, sondern eine Dokumentensammlung, ein Aktenstück für den Historiker, der einstmals allerdings aus diesem Buch für die Erkenntnis der deutschen Geistesverfassung um 1932 wertvolles Material gewinnen wird. Im ersten Teil des Buches tritt hintereinander die schwere Garde des Antisemitismus an: vierzehn Autoren, zweihundertdreißig Seiten lang. Wer das in einem Zuge liest, schwankt auf seinem Sessel; eine schwere Gleichgewichtsstörung stellt sich ein, die Elemente tanzen durcheinander, die Weit präsentiert sich verdreht und verzerrt, und nichts bleibt als Uebelkeit. Die Verwirrung ist um so größer, als nicht einmal in der Verzerrung selbst einige Methode herrscht. Die Herren sind untereinander höchst uneinig: sei es in ihrer Stellung zum Christentum, sei es in ihrer Beurteilung der Rassenfrage. Damit aber ist gesagt, daß bei ihnen auch keinerlei Einigkeit über das Bild jenes besseren Deutschtums besteht, das sie erstreben. Einig sind sie sich nur in ihrem Haß gegen das Fremde, als das der Jude sich so bequem und jedem von ihnen als Symbol dessen bietet, was ihm besonders bekämpfenswert erscheint. Ich kann mir nicht versagen, einige der Argumente willkürlich herauszugreifen, mit denen dies Haßgefühl vor dem Forum des Verstandes und einer höheren Sittlichkeit gerechtfertigt werden soll. Dabei mag die Frage, ob jeweils nur grobe Unwissenheit oder auch Mangel an gutem Glauben vorliegt, unentschieden bleiben; bei den intellektuellen Wortführern einer Richtung, die mit dem höchsten sittlichen Pathos zu Felde zieht, besteht moralisch kein großer Unterschied *wischen diesen beiden möglichen Ursachen. Graf Revent- 1 o w behauptet, die Zionistische Weltorganisation habe ״durch ihre gewaltigen Geldmittel entscheidend zu Deutschlands Niederlage beigetragen“. Gottfried Feder scheut sich nicht, die Ritualmordbeschuldigungen wieder aufzurühren. Nach ihm sind die Beschuldigten immer nur ״nach zumeist sehr fadenscheiniger Begründung“ wieder freigelassen worden. Das Gesamtjudentum hat es verhindert, ״klares Licht verbreiten zu lassen“. Das ist um so einleuchtender, als es im jüdischen Schrifttum ein Wort gibt, ״das jeder Jude kennt, und zwar im hebräischen Wortlaut: Auch den Besten unter den Nichtjuden soll man totschlagen.“ Besonders gründlich hat sich Herr Werner, Professor und Doktor und Präsident des hessischen Landtages, über das Judentum informiert. Er hat herausgefunden, daß die Juden im Osten den Talmud studieren und daß es auch heute noch Talmudschulen gibt, ״so auch bei den Juden in Tripolis“ — und wo- ’her hat er diese erstaunlichen Kenntnisse? Aus der ״fterliner Morgenpost“ vom 1. Oktober 1912! Alfred Roth-Hamburg seinerseits meint, er dürfe wohl aussprechen, daß ״die langdauernde Wirtschaftskrise den Juden wahrscheinlich nicht unerwünscht“ gekommen ist, jetzt können sie nämlich billig aufkaufen und später großen Gewinn machen. Der Literat Hans Hauptmann nennt den ״Zusammenbruch von Hugo Stinnes ein erschütterndes Beispiel für die Bedenkenlosigkeit, ״mit der die Juden ihre wirtschaftliche Macht jeweils mißbrauchen“. ״Die Krönung dieses Verfahrens war die ganzliehe Auspowerung des deutschen Volkes durch den gigantischen Schwindel der Inflation.“ Und so fort: man könnte Seiten damit füllen. In diesem ganzen Kreis, zu dem übrigens auch Literaten wie Wolzogen und Richard Schaukal gehören, ist nur der eine Stapel, dessen Auffassung und Haltung wenigstens noch eine Diskussionsbasis abgibt. Im ganzen gesehen geht uns das alles nichts an. Es mag uns noch so schmerzhaft treffen — das ist nicht unser Problem. Hier liegt eine Krankheitserscheinung vor. Nicht als ab es nicht immer einen Antisemitismus auch dieser Art gegeben hätte, aber niemals noch hat er für solche Massen sprechen können. Er sagt nichts über uns aus, aber alles über den seelischen und geistigen Zustand eines Volkes, das nach Krieg, Niederlage und Inflation nun auch noch in das Unglück dieser Wirtschaftskrise geglitten ist. Und vergessen wir nicht, daß heute in diesem Lande eine deutsche Partei über die andere mit Methoden herfällt, die in nichts gelinder sind als die antisemitische. Wir dürfen das sagen, weil unsere Erkenntnis von dem Urgrund des Antisemitismus uns vor der Gefahr und dem Vorwurf schützt, ihn bagatellisieren zu wollen. Aber gerade weil wir ihn schon in den ruhigsten Zeiten erkannt und unsere Stellung dadurch haben bestimmen lassen, können wir gefaßter auf jene Flut sehen, über deren mögliches Heraufkommen uns auch der Ebbestand niemals getäuscht hat. Der antisemitischen Ouvertüre des Buches folgt eine merkwürdige Einteilung. Vor dem zweiten Teil nämlich, dem projüdischen, der infolgedessen auch — außer von Heinrich Mann, Graf Coudenhove-Kalergi und O. M. Graf — nur von jüdischen Autoren bestritten wird, ist eine Abteilung mit dem irreführenden Titel ״Für und Wide r“ eingeschaltet. Tatsächlich aber ist es ebenso unmöglich, die (durchweg nichtjüdischen) Autoren dieses Abschnitts auf einen Nenner zu bringen, wie sie zu dem zweiten Teil in einen irgendwie gearteten Gegensatz zu setzen. Diese Einteilung hätte nur einen Sinn, wenn der zweite Teil reine Apologie enthielte, während der Zwischenteil das Problem in vernünftiger Erkenntnis behandelte. Tatsächlich geht beides durcheinander. Ich fasse hier zunächst die Gruppe der Apologeten zusammen, die als Nichtjuden sagen, es sei gar nicht so schlimm und es werde sich schon einrenken, und die als Juden entweder Angriffe zurückweisen oder dartun, was wir alles geleistet haben. Auch das sehr ungleich. Ich kann mir denken, daß ein warm und lebendig geschriebener Aufsatz wie der von Ismar Elbogen, in dem die Unkenntnis der im jüdischen Schrifttum wühlenden Antisemiten angeprangert wird, so viel Wert hat, wie eine solche Apologie haben kann. Aber ich kann mir auch denken, daß ein Aufsatz wie der von Heinz L iegmann, der die (in der Tat mehr als fragwürdigen) Beziehungen zwischen Marxismus und Judentum in der üblichen liberalen Manier ableugnet, genau das Gegenteil anrichtet. Ebenso dürfte es sehr fraglieh sein, ob die Aufzählung der jüdischen Leistungen in der deutschen Wirtschaft (Z i e 1 e n z i g e r) die antisemitische Auffassung nicht mehr bestärkt als entkräftet. Eher könnte schon Theilhabers Darstellung der jüdischen Mitwirkung in Natur- Wissenschaft und Technik einigen Eindruck machen. Die übrigen Autoren bieten jeder ihre Lösung; man kann sie nicht alle aufzählen. Da treten die Kommunisten, und zwar kollektiv als Zentralkomitee der KPD., auf und geben einen umfangreichen Auszug aus Otto Hellers Buch. Da erscheint Arthur Holitscher und bietet auch seinerseits die kommunistische Lösung. Da ist Lion Feuchtw arger vertreten, und er präsentiert nochmals seine bereits bekannte Anschauung von dem leicht-fertigen jüdischen Nomaden, dem iin Gegensatz zu dem schollegebundenen Bauern die — bekanntlich fortschrittliche — Zukunft gehört. Man ist doch einigermaßen erstaunt, dies sonderbare Stück Literatur, das der Druckerpresse schon mehrfach zur Verbreitung anvertraut wurde, nun auch und sogar in diesem Rahmen wiederzufinden. Schließlich kommen auch mehrere zionistische Autoren zu Worte. Neben einigen kurzen Bemerkungen von Max B r o d ist hier vor allem der grundsätzliche Aufsatz von Robert Weits ch zu nennen. Er fragt nach der Bedeutung der Judenfrage für den Juden, und indem er das in zionistischem Geiste tut, zeigt er tatsächlich auch den Deutschen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Es ist eine sehr sachliche und konzentrierte Darstellung, und rührt an viele der Probleme, die das Buch sonst nur sporadisch, je nach Haltung des Autors, aufwirft. Diese Abteilung des Buches enthält ferner einen höchst wertvollen Beitrag von Adolf Böhm, der in vorbildlicher gedrängter Zusammenfassung zeigt, wie weit der zionistische Gedanke bereits seine Verwirklichung gefunden hat. Alles in allem: ein Chaos von Stimmen und Meinungen. Indes gehen die Dinge ihren Weg, unbeeinflußt von Druckerzeugnissen. Aber wenn das alles vorübergebraust ist und das Leben selbst neue Ordnungen geschaffen hat, mag ein beneidenswerter Enkel in einer schönen Bibliothek unter der Lampe sitzen und nicht zumindest auch aus diesem Buch feststellen, wie es eigentlich anrio dunnemals in Deutschland ausgesehen hat. Reise-Eindrücke aus dem Irak Von Dr. A. Ruppin, Jerusalem. Der Weltkrieg, der so manche Hoffnungen und Pläne zerstörte, hat auch dem Plan der Berlin-Bagdad-Bahn Einhalt getan. Bagdad ist bis heute ohne direkte Eisenbahnverbindüng mit Europa. Der Reisende, der von Konstantinopel kommt, kann mit der Anatolischen Bahn über Aleppo bis Nisibin fahren. Von dort muß er im Auto über Mossul 350 km auf Feldwegen bis nach Kerkuk, dem Zentrum der neuen Petroleumfelder, fahren, und kann erst hier wieder die Eisenbahn nach Bagdad besteigen. Wer diesen Weg scheut, der von Konstantinopel bis Bagdad fast vier volle Tage und Nächte in An- Spruch nimmt, kann von Beirut aus im Auto in drei Stunden nach Damaskus und von hier in 21 Stunden in den bequemen Autobussen der Nairn-Gesellschaft oder in kleinen Autos durch die Wüste nach Bagdad gelangen. Der Boden der Wüste ist hier nicht Flugsand, sondern ziemlich harter Steppeboden, auf dem die Automobile ohne Schwierigkeit fahren können. Atn bequemsten und kürzesten ist allerdings die Reise mit dem Flugzeug. Die Flugzeuge der Imperial Airways legen auf ihren Flügen von London nach Indien die Strecke von Tiberias in Palästina bis nach Bagdad in 5 bis 6 Stunden zurück, und in derselben Zeit kann man mit den holländischen Flugzeugen, die den Dienst von Holland nach Holfändisch-Indien versehen, von Gaza in Palästina nach Bagdad gelangen. Bagdad ist für den Reisenden, der hier die Märchenstadt aus Tausendundeine Nacht und Ueberreste der Herrlichkeit Harun ai Raschids zu finden hofft, eine schwere Enttäuschung. Monumentale Bauwerke aus alten Zeiten sind so gut wie gar nicht vorhanden. Da in weitem LImkreise kein Gestein für Bauzwecke zu finden ist, wurden seit den ältesten Zeiten ausschließlich Lehmziegel als Baumaterial verwendet, so daß die Zeit hier an allen Bauten viel stärker genagt hat als an den Steinbauten Aegyptens. Die Stadt selbst ist ein Gewirr von engen Gäßchen, in denen kein Wagen fahren kann. Die einzige Straße Bagdads, in der ein Wagenverkehr möglich ist, ist die sogen. Neue Straße, die von den deutschen Truppen im Jahre 1917 angelegt wurde, als die Engländer vom Persijehen Golf her bereits in Mesopotamien eindrangen un«,! Bagdad bedrohten. Damals verlangten strategische Gründe die Anläge einer Durchzugsstraße durch Bagdad, und die deutsche Militärbehörde hat damals diese Straße durch das Häusergewirr wie durch einen Käse hindurchgeschnitten. Heute ist sie die einzige große Geschäftsstraße Bagdads geworden und ihre Anlage, die damals natürlich unter den Hausbesitzern viel Gegnerschaft hervorrief, wird heute den Deutschen überall mit Dank als eine große Leistung angerechnet. Leider ist nach dem Kriege, als zu beiden Seiten der Neuen Straße Häuser entstanden, hierbei ohne jede Rücksicht auf Baustil verfahren worden, und das Gemisch von Häusern in allen möglichen Sfilarteti und in einem Zustande geringeren oder größeren Verfalls macht einen schauderhaften Eindruck. Es gibt vielleicht nichts Häßlicheres in einem Stadtbilde, als wenn sich orientalischer und europäischer Stil miteinander vermischen und dieses Gemisch noch mit der im Orient üblichen Nachlässigkeit in der Instandhaltung der Hauser und in der Reinhaltung der Straßen Hand in Hand geht. Das Schönste, was Bagdad landschaftlich bietet, ist das Tigrisufer bei Sonnenuntergang, wenn sich die Silhouetten der Palmenwälder und der Minarcts scharf vom roten Abendhimmel abheben. Bagdad soll heute 300 000 Einwohner zählen. Für eine so große Einwohnerzahl nimmt die Stadt verhältnismäßig einen kleinen Raum ein. Der Grund liegt in der tropischen Hitze, die hier im Sommer herrscht. Man sucht die Sonne vom Eintritt in die Straßen und Häuser abzuhalten und baut deshalb sehr eng. Die Hitze ist in den Sommermonaten so groß, daß die Bewohner nur am Vormittag in ihren gewöhnlichen Wohnräumen oder in den Büros bleiben können. Am Nachmittag zieht sich jeder, der es irgend kann, in Kellerräume zurück, una die Nacht wird auf Dächern und offenen Terrassen verbracht. In den Zimmern ist es unmöglich zu schlafen, weil die Wände die starke Hitze, die sie während des Tages absorbieren. in der Nacht ausstrahlen. Die Archäologie entwickelt jetzt im Irak eine rege Tätigkeit. Allerdings ist hierbei nicht immer allein das wissenschaftliche Interesse der treibende Faktor, sondern der Hunger der großen amerikanischen Museen nach Ausstellungsobjekten spielt hierbei eine große Rolle. Während die europäischen Museen seit den Ausgrabungen von Layard und Perrot, die. A fast ein Jahrhundert zurückgehen, mit Funden aus Babylonien- Assyrien reich versorgt sind, haben die amerikanischen Museen, die ja überhaupt neueren Datums sind, fast keine Fundstücke dieser Art und suchen nun mit aller Kraft diesem Mangel abzuhelfen. Sie schicken in den letzten Jahrzehnten fortlaufend Expeditionen in das Zweistromland und graben auch jetzt an vielen Plätzen, so in Chorsabad, in Baschika, in Tel Asmar, in Tepigaura usw. Auch die Engländer und Franzosen sind nicht müßig. Die deutsche Archäologie hat seit den Tagen Koldeweys, der fast ein Vierteljahrhundert hindurch in mühseliger Arbeit das alte Babylon ausgegraben hat, im Irak einen guten Ruf. Ein deutscher Archäologe, Dr. Jordan, unterstützt von dem Konservator König, leitet das Museum von Bagdad, zu dessen größten Schätzen die Funde aus dem Grabe der Prinzessin Schub Ed in Ur gehören, die allerdings nur zum Teil in das Bagdader Museum, zum anderen Teil in die Museen von London und Philadelphia gekommen sind. Deutsche Archäologen, unter Leitung von Dr. Noeldeke, haben im Winter 1931/32 mit Hilfe der Notgemcinscliaft der deutschen Wissenschaft ihre Grabungen in Warka, dem Erech der Bibel, fortgesetzt und sind dabei zu außerordentlich wertvollen Resultaten über die älteste Geschichte des Zweistromlandes gelangt. Die von dem Engländer Wliollev geleiteten Ausgrabungen in Ur und in Kisch haben in den letzten Jahren Funde aus dem vierten vorchristlichen Jahrtausend zutage gefördert, die die Baukunst und den künstlerischen Sinn der Sumerier in der Anfertigung von Schmuck auf einer unerhört hohen Stufe zeigen. Sic haben schon damals den Bogen- und Gewölbebau und die Legierung und Bearbeitung der edlen Metalle in vollendeter Form gekannt. Auf den Nichtfachmann machen allerdings die Ruinen dieser alten Stätten und sogar die ausgedehnten Ruinen von Babylon bei weitem nicht den Eindruck, den etwa die Ruinenstätten in Aegypten machen. Der Grund ist die Verschiedenheit des Baumaterials. Die Pyramiden in Aegypten oder die Sphinx-Allee und die Tempel in Karnak geben noch heute dem Beschauer eine unmittelbare Vorstellung einstiger Pracht und Größe, sowohl durch ihre ungeheuren Dimensionen als auch durch ihre verhältnismäßige Unversehrtheit. In Mesopotamien sind nicht nur die Dirnensionen wesentlich kleiner, sondern das aus Lehmziegeln bestehende Baumaterial hat von der Zeit erheblich mehr gelitten als die Steinbauten Aegyptens. Irak wird deshalb im Touristenverkehr nie mit Aegypten konkurrieren können. Man muß die Fachkenntnisse des Archäologen besitzen, um aus den Resten der Bauten ein vollständiges Bild der ehemaligen Anläge zu gewinnen. Die wirtschaftliche Krise in der Welt hat auch den Irak nicht verschont. Seine Hauptexportartikel sind Datteln, Getreide und Wolle, und in allen diesen Artikeln sind die Preise auf ein seit Jahrzehnten unbekanntes Niveau gesunken. In dem Bezirke von Basra, der die besten Datteln der Welt erzeugt und den größten Teil des Weltmarktes mit Datteln versorgt, wissen die Besitzer der Dattelwälder nicht, wohin sie ihr Produkt schicken sollen. Ihr hauptsächlichster Markt sind die Vereinigten Staaten, wo mit Mandeln gefüllte Datteln (stulfea dates) ein beliebter Leckerbissen sind. Aber in den letzten Jahren waren die Vereinigten Staaten nicht mehr imstande, die gestiegene Produktion an Datteln aufzunehmen. Manche Besitzer von Dattelhainen sollen bereits mit dem Gedanken umgehen, ihre Dattelpalmen umzuhauen, um den Boden für andere Produkte zu verwenden. Die Frage ist nur, welches diese anderen Produkte sein sollen, da auch Baumwolle und Getreide unter Ueberproduktion leiden. Die Preise der landwirtschaftliehen Produkte im Lande selbst sind sehr niedrig. Man kauft in Bagdad ein Ei für 2—3 Pf., ein Huhn für 80 Pf., ein Schaf für 5 Mark, und im Norden des Landes, in der Gegend vor Mossyl, sind die Preise noch fast um die Hälfte niedriger. Dementsprechend sind auch die Arbeitslöhne sehr gering. Ein Wegearbeiter verdient 60 Pf. im Tage, und die Arbeitslöhne in den Fabriken (es gibt in Bagdad bereits eine modern eingerichtete Weberei und Spinnerei mit Maschinen aus Chemnitz) schwanken zwischen 60 Pf. bis 2 Mark pro Tag. Die hohen Erwartungen, die man vor einigen Jahrzehnten auf die landwirtschaftliche Entwicklung des Irak setzte, haben sich nicht erfüllt. Die großen Bewässerungspläne, die der englische Ingenieur Wilcox im Jahre 1906 ausarbeitete, sind nicht ausgeführt worden, und es ist zweifelhaft, ob für sie heute noch eine wirtschaftliche Grundlage besteht. Die gesunkenen Preise für landwirtschaftliche Produkte machen heute viele technische Anlagen unrentabel, die vor einigen Jahren bei den höheren Preisen noch rentabel erschienen. Die Regierung des Irak hat sich in den letzten 10 Jahren darauf beschränkt, das Be- Wässerungssystem des Landes zu unterhalten und in geringem Umfange zu erweitern, aber sie hat es nicht gewagt, neue große Bewässerungsbauten in die Hand zu nehmen. Vor 6, 8 Jahren begünstigte die Regierung die Einfuhr von Dieselmotorpumpen und Motoren, um die Besitzer von Feldern, die nicht durch Gravitation, sondern nur durch Pumpen bewässert werden konnten, zur Anschaffung von Pumpen ־zu bewegen. Sie gewährte diesen Besitzern für einige Jahre Befreiung von der Bodensteuer usw. Gegen 2500 Pumpen im Werte von 2 Mil- Honen Pfund sollen damals im Irak angeschafft worden sein. Aber cs hat sich herausgestellt, daß bei den gesunkenen Getreidepreisen sich der Anbau von Getreide mit Pumpenbewässerung zu teuer stellt, so daß nicht nur neuerdings keine Pumpen mehr installiert werden, sondern sogar die früher angeschafften Pumpen zum Teil stilliegen. Der Getreidebau auf kleinen Flächen mit Pumpenbewässerung und ohne Anwendüng von modernen landwirtschaftlichen Maschinen kann mit dem Getreidebau in Ländern wie Kanada, wo Getreide auf ungeheuren ebenen Flächen mit den modernsten Maschinen produziert wird, nicht konkurrieren. Solange die Depression für landwirtschaftliche Produkte auf dem Weltmarkt anhält, ist wenig Aussicht vorhanden, daß Irak trotz der Fülle von Wasser im Tigris und Euphrat und trotz seines ausgezeichneten Schwemmlandes seine Landwirtschaft erheblich ausdehnen kann. Dagegen versprechen die neu erschlossenen Petroleumfelder bei Mossul zusammen mit den schon früher erbohrten Petroleumquellen bei Chanikin eine Quelle des Reichtums für das Land zu werden, sobald die in Angriff genommene Rohrleitung zum Mittelmeer (Haifa) ausgebaut ist und das Petroleum über Haifa auf den Markt gebracht werden wird. Sowohl die Arbeitslöhne wie die jährlichen Abgaben der Petroleum-Konzessionäre an die Regierung werden Geld ins Land bringen. Vielleicht wird auf der Grundlage billigen Brennstoffs allmählich auch eine einheimische Industrie erwachsen, die bis jetzt noch in den ersten Anfängen steckt. Die neubegründete nationalsozialistische Film-Fachzeitung ״Der deutsche Film“ richtete in ihren bisher erschienenen Nummern heftige Angriffe gegen jüdische Filmfirmen, Filmschau- Spieler, Filmregisseure usw. In einer der letzten Nummern wurde Erich Pommer, der Produktionsleiter der Ufa heftig angegriffen und als ein getaufter Jude bezeichnet. EHe letzte Nummer des ״Deutschen Films“ sieht sich gezwungen, nachstehende Berichtigung der Pressestelle der Ufa zu veröffentlichen: ״Auf Ihre Notiz in Nr. 2 des ״Deutschen Films“ bittet uns Herr Erich Pommer, Ihnen mitzuteilen, daß er nicht aus der jüdischen Religionsgemeinschaft ausgetreten ist und auch keine Veranlassung sieht, einen ähnlichen Schritt zu tun,“

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