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Jüdische Rundschau · 1932-06-21 · Heft 49 (21.6.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 49 (21.6.1932)
Date
1932-06-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 232 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 49, 21. VI. 1932 die Bitterkeit, die uns die Zukunft bringen mag, überwinden in dem Bewußtsein: Wir alle sind Kinder derer, die am Sinai standen. Dr. Alfred Wiener gibt als Sprecher der Arbeitsgemeinschaff der religiösen Mittelpartei und der Ueberpartei seiner tiefen Freude über die in der Gemeinde zustande gekommene Einigung Ausdruck. Er sprach sich gegen einen gewissen ״Atnerikanismus“ im Gottesdienst, Friedhofswesen usw. aus. Den Rabbinern rief er zu: Weniger Predigten, mehr Fürsorge, Verinnerlichung des Religionsunterrichts. Der Redner wünscht keine deutschen Gebetbücher, sondern Er- Ziehung der heranwachsenden Generation in einer Weise, daß sie die Gebete in d e r ft e b r ä i - sehen Spracne versteht. Der Wunsch nach der jüdischen Schule soll eine würdige Erfüllung finden. Wilhelm Graetz (Vorstand) macht Ausführungen, um das Bild vom Etat zu ergänzen, und appelliert an die Repriisenfantenversammlung, keine Ausgaben zu beschließen, für die keine Deckung vorhanden ist. Er kündigt an, daß er in einer der nächsten Repräsentanicnsiizungen Näheres über den Stand der Finanzen der Gemeinde sagen wird. Schulden, die nicht bezahlt sind, bilden stets eine Gefahr. Reserven haben wir nicht; auf der Einnahmeseite sind keine Lorbeeren mehr zu holen; die Erfahrung Sehrt, daß Steuererhöhungen oft zu einem Rückgang der Steilereingänge führen. Wenn es — was wir nicht hoffen wollen — hart auf hart geht, so werde man auf manchen Einzelwunsch verzichten müssen, um das Ganze zu halten. Auf die ausgesprochenen Wünsche hinsichtlich der Ostjuden anspielend, sagte der Redner, es sei an der Zeit, daß die Bezeichnungen ״Ostjude“ und ״Westjude“ fallen und nur ״Jude“ zurückbleibt. Die Gemeinde kennt keine Unterschiede in dieser Hinsicht. Wilhelm Graetz appellierte an die Volkspartei, sich den Gemeindeabenden, die den Mitgliedern allmählich zum Bedürfnis geworden sind, ebenfalls zur Verfügung zu stellen, Alfred Berger (Volksp.) skizziert die grundsätzliche Haltung der Volkspartei. Er kündigt einen Antrag an, Stellung zu nehmen zu der Gefahr, die heute jenen droht, die nicht im Besitze eines deutschen Passes sind. Der Redner berichtet eingehend über viele vollkommen ungerechtfertigte Verhaftungen von Auslandsj 11 den in Berlin. Ostjuden werden auf der Straße angehalten, und wenn sie zufällig ihren Paß nicht bei sich tragen, mit Strafen und Aus- Weisung bedroht. Hier muß die Gemeinde eingreifen. Berger nimmt dann Stellung zum Etat und stellt, ohne jemandem einen Vorwurf machen zu wollen, fest, daß der Etat dem Struktur- Wandel der Berliner Judenheit insofern nicht mehr gerecht wird, als, wie Prof. Silbergleit feststellte, bereits im Jahre 1925 52°,'o der Berliner Juden dein Arbeitnehmerstande angehörten. Wir haben heute diesen Menschen noch wenig zu bieten. Der Redner kündigt Anträge betreffend Unterstützung des Genossenschaftswesens und der Betreuung arbeitsloser Jugendlicher an und dankt Direktor Stahl, dem es gelungen ist, die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Arbeitsbeschaffung in weite Kreise zu tragen. Gegen die Boykottierung jiidischer Arbeitnehmer müssen Mittel und Wege gefunden werden. Beste Abwehr ist Aufbau eines geeinigten Judentums. In prinzipieller Hinsicht formuliert Berger die Anschauung seiner Richtung im Gegensatz zu den Ausführungen des liberalen Sprechers. Wir sind anderer Art, ohne zu sagen: Juda über alles in der Welt. Die Andersartigkeit ist aber kein Grund, als Mensch minderen Rechtes behandelt zu werden. Wir werden unsere Position als Menschen und Staatsbürger mit aller Kraft verteidigen. Im Geiste des Klal-judentums führen wir unseren Kampf für menschliche und jüdische Befreiung. Heinrich Stahl (Vorstand) weist gegenüber den Aus- §?r״s.r* ■dsf2a!4111 ׳!, Arbeiterfürsorgeamt (Leitung: S. Rudel) in allen Fällen der Haussuchung, Paßentziehung und Ausweisungsandrohung im Zusammenhang mit Ostjuden eingeschritten ist und daß diese Angelegenheiten mit Wachsamkeit und Sorgfalt verfolgt werden. Dr. Kurt Fleischer, Führer der Liberalen Fraktion, bemerkt zu manchen von Klee ausgesprochenen Forderungen u, a.: Die Gemeindemitglieder können weitere Steuerbeiastungen nicht mehr fragen. Die Liberalen legen Wert darauf, daß alle Kinder die die jüdische Schule wollen, in diese hingehen. Den Wünschen der ostjüdischen Synagogen-Vereine solle man nach Möglichkeit entgegenkommen. Gemäß den Intentionen des Gemeindevorsitzenden Dr. Kleemann soll das Gemeindeblatt mehr dem sozialen Dienst der Gemeinde, nicht aber der Darstellung von Weltanscliauungen gewidmet sein. Die Bindung der heranwachsenden jungen Menschen an die Gemeinde tue jetzt besonders not. Mehr als je muß man jetzt von Täuflingen und allen jenen, die das jüdische moralische Konto belasten, abrücken — der Redner spielte auf gewisse Prozesse an, in die Juden oder gewesene Juden mitverwickelt sind. Der Redner begrüßt die Zusammenarbeit der Fraktionen und schließt: Der alte jüdische Grundsatz: Recht, Wahrheit und Frieden werde in unserem deutschen Vaterlande wie auch in der jüdischen Gemeindearbeit zum Durchbruch kommen. Nachdem beschlossen wird, die S p e z i a 1 d e b a 11 e zum Etat auf eine spätere Sitzung zu vertagen,^ tritt der Vorsitzende, Heinrich Stern, in die Mitte des Saales lind hält eine Ansprache au die Repräsentantenversammlung•, in der er u. a. ausfülirte: Ich spreche heute nicht aus der Mitte meiner Fraktion, sondern stelle mich in die Mitte aller Fraktionen. Auf den heutigen Abend sind wir alle stolz. Ueber der Wirtschaftsnot vergessen wir nicht den Geist. Wir Juden wollen sorgen, daß die Hoffnung nicht ausstirbt. Unser Judentum ist keine Schablone, wir lassen dem Einzelnen das Judentum, wie er es sieht, unerschütterlich aber ist unser Glaube an die Datier und die Unauflösbarkeit unserer Gemeinschaft. Wir müssen unseren Kindern die Kraft geben, in Not und Gefahr auszuhalten. Wir glauben an die Zukunft des Judentums. (Allseitiger Beifall.) Ausgrabungen in Mizpah. Das erste von Dr. Bade, dem Leiter der Tell-el-Nasbeh-Expedition, herausgegebene Bulletin berichtet über den Anfang der Ausgrabungsarbeiten. Die Westmauer der Stadt wurde vollständig freigeiegt, jedoch wurde dort kein Eingangstor gefunden. Hingegen entdeckte man an der Ostseite der Mauer, nahe dem Tempel der Astarte, einen massiven Turm mit einem verbarrikadierten Tor. Bisher wurden ca. 1800 Tongefäße gefunden, die viele Siegel enthielten, darunter ein ungewöhnliches von Yahu. Der Tempel der Astarte ist schon vollständig ausgegraben. Bei den Ausgrabungen in Nekropolis hat man bis jetzt zwei Gräber gefunden, ein römischbyzantinisches und ein früh-israelitisches. Die Ausgrabungen haben absolut erwiesen, daß Tdl-cI-Nasbeh das biblische Mizpah ist. Von der Hebräischen Universität Jerusalem wurden folgende Preisaufgaben für das laufende akademische Jahr gestellt: 1. Die Bevölkerungsbewegung der Juden in Palästina von 1921 bis 1931. Der Preis beträgt £ 20. 2. Die Epoche Alexanders II. in Rußland und ihr Einfluß auf die neue hebräische Literatur (Arthur Franklin-Preis im Betrage von £ 25). 3. Die dichterische Persönlichkeit des Süßkind von Trimberg (Pinto Joseph-Preis, £ 12). _ Zeitschriften - Schau Luthertum und Naiionabozlalinnui Einen sicherlich bedenklichen, aber schon durch die Probletmtellung ungemein interessanten Aufsatz veröffentlicht ein französischer Gelehrter, J. Gaudefroy-Demombynes, ln der ״Revue P o 1 iti q u e et Parlementaire“ unter dem Titel ״L u th e r - Hi 11 e r“. Der Autor geht mit Recht davon aus, daß man die Wurzeln des Nationalsozialismus meist viel zu ausschließlich in den unmittelbaren wirtschaftlichen und außenpolitischen Ereignissen der letzten Zeit suche, während tatsächlieh wesentlich tiefer liegende geistige Ursachen mitwirkten. Diese sieht der Verfasser vor allem in dem zum großen Teil von Luther herrührenden mystischen deutschen Nationalgefühl, mit seiner bezeichnenden Gegnerschaft gegen alles Welsche und die ganze mittelländische Kulturtradition. So weit wir nun davon entfernt sind, uns irgendwie mit den tendenziösen, ja teilweise gehässigen Ausführungen des Autors über Luthers Wirken im allgemeinen und seine Verbindung mit dein späteren deutschen Nationalismus zu identifizieren, so bemerkenswert scheinen uns folgende Feststellungen zu sein. Schon bei Luther finden sich nicht nur drei sehr charakteristische Züge des heutigen National- Sozialismus, nämlich der große Stolzauf dasGer m an c ntum, die wütende Ablehnung alles ״W clsclie n“ und ein heftiger Antisemitismus, — sondern selbst die Feindschaft gegen den Leihzins! Hutten und Luther, so hören wir, wollten die alten germanischen Zustände wiedererwecken, in denen es, laut Tacitus, weder Handel noch Zinsleihe gab! ln der 1520 entstandenen ״Predigt von den guten Werken“ nennt Luther die Schlemmerei, den Kleiderprunk und die Zinsleihe drei Juden, die an den Brüsten der Welt saugten, und indem er sich mit besonderer Heftigkeit gegen die Zinslcihe wendet, bemerkt er, daß sie bei den Römern zur Zeit des Tacitus üblich gewesen sei. ״Diese Nebeneinander- Stellung (assimilation) von Welschen und Juden —• ist das nicht richtiges Hitlertum?“, fragt der französische Verfasser, ״und sind die Erklärungen gegen den damals erst entstehenden Kapitalismus nicht Vorläufer der heutigen nationalsozialistischen Wendungen?“ — Tatsächlich erscheinen die hier aufgedeckten Zusammenhänge geeignet, uns einige der auffälligsten und zunächst rätselhaften Erscheinungen des N. S. verständlich zu machen — so vor allem die starke Unterstützung, die der N. S. bei der protestantischen Geistlichkeit findet, und die ausgesproehen antikatholische Färbung, die der N. S. in großen Teilen des Reiches annimmt, obwohl die bekanntesten Führer, wie Hitler, Goebbels, Strasser, selbst Katholiken sind. Wahrscheinlich bestehen aber noch andere wichtige Beziehungen zwisehen Luthertum und Nationalsozialismus, vor allein in der grundsätzlichen Auffassung des politischen Lebens überhaupt. (In diesem Zusammenhang wäre vor allem auf die Werke Wifheim Stapels und die Zeitschrift ״Deutsches Volkstum" zu verweisen, die den neuen deutschen Nationalismus bewußt aut das Luthertum gründen. — A. d. R.) A. P. * Palästina: eine englische Zukunfisphantasie Bei der Jahresversammlung der Royal Central Asiait Society in London hielt der bekannte Orientalist Sir Arnold Wilson einen Vortrag unter dem Titel ״Die nächsten zwanzig Jahre in Asien — Ueberbiick und Ausblick“. Der Redner gab ein Bild, wie die einzelnen asiatischen Länder nach seiner Meinung in zwanzig Jahren aüssehen werden. Dabei hat er über Palästina — dem Bericht der Zeitschrift ״The Near East and India" zufolge, — folgendes gesagt: ״Palästina wird im Jahre 1950 ebenso wie Cypern noch ' ü'nter 1נ r״Tf?s c'hTf' HeTrschaf i* stehen, obwohl das 1919/20 erfundene ,Mandatssystem‘ schon früher beseitigt warden sein wird, da es sich herausgestellt haben wird, daß seine Aufrechterhaltung mit den Interessen der Bevölkernngen der Mandatsländer unvereinbar ist. Der Zionismus wird um diese Zeit keine drängende (pressing) politische _ Angelegenheit mehr sein: cs wird mehrere blühende zionistische Kolonien geben, die sich selbst erhalten, aber nicht mehr sich vom Ausland her weiter rekrutieren und auch nicht finanziell von der jüdischen Welt unterstützt werden. Die Einwohner dieser Kolonien werden viel getan haben, um das Niveau der Araber zu heben, die ihre Methoden, soweit sie sich als erfolgreich erwiesen haben, nachahmen werden, und sie werden auch bei der Vertreibung ihrer Produkte auf dem Weltmarkt und in anderen Beziehungen Zusammenarbeiten. Die nationalen Unterschiede werden nicht verwischt werden, aber landschaftliche und klimatische Einflüsse werden die allzu scharfen Gegensätze mildern. In Palästina wird 1950 keine rein gewählte Volksvertretung sein, die nur zur Verschärfung der nationalen Gegensätze beitrüge. Beratende Körperschaften werden gebildet worden sein, deren Mitglieder entweder durch die Regierung ernannt oder durch indirekte Wahlen berufen werden. Die auf diese Weise ernannten Mitglieder werden auf der einen Seite gezwungen sein, ihre Fähigkeit zur Führung der von ihnen vertretenen Schichten zu beweisen und auf der anderen Seite, für das gemeinsame Wohl miteinander und mit der Regierung zusammenzuarbeiten. Das Problem, das sie und die Syrer 1950 beschäftigen wird, wird, wie ich annehme, das sein, ob Palästina mit Transjordanien und Syrien nicht einen einheitlichen Staat zusaininen bilden könnte. Die Syrer werden darauf hinweisen, daß ihr Land viel reicher und bevölkerter und fruchtbarer ist als Palästina, so daß Palästina nur als ein ,armer Verwandter‘ zugclassen werden könne. Demgegenüber wird Palästina auf die Schätze des Toten Meeres hinweisen, die um 1950 eine wichtige Quelle der Einnahmen des Landes und der Beschäftigung seiner Einwohner bilden werden; daher wird Palästina einen größeren Anteil an der Macht fordern als seine Bevölkerungszahl von etwas weniger als einer Million (1950) rechtfertigen würde. Es ist auch möglich, daß bis 1950 Palästina mit Aegypten und mit der Suezkanal-Kampagne ein Abkommen über eine Eisenbahnlinie am Ostufer des Suezkanals von Kantara nach Port Fuad (gegenüber Port Said) geschlossen haben wird, von wo dann die Produkte Palästinas direkt zu jedem Hafen der Welt verschickt werden können, statt via Haifa. Das wird keineswegs den Ruin von Haifa zur Folge haben, noch weniger den von Jaffa, das zu immer größerem Wohlstand aufsteigen wird, aber es wird sich erwiesen haben, daß der Hafen von Haifa kostspielig und unrentabel war und außer für Oelexport wenig benutzt svird.“ Man wird dieses Zukunftsbild nicht allzu ernst nehmen dürfen, vor allem zeigt sich dabei auch in Einzelheiten eine erstaunliche Unkenntnis, so z. B. in bezug auf die Bevölkerungsziffer, die bekanntlich bereits bei der letzten Volks- Zahlung 1931 über eine Million betrug. Auch braucht es die Bewohner von Haifa nicht zu entmutigen, wenn Sir Arnold seine Gegnerschaft gegen das Haifaer Hafen-Projekt in diese trübe Prognose kleidet. Aber da es sich hier um einen recht einflußreichen Mann handelt, ist es auch für zionistische Leser interessant, zu erfahren, welche Vorstellungen in maßgebenden englischen Kreisen über die Zukunft Palästinas existieren. Der bisherige Finanzsekretär der Palästina-Regierung, Sir Stewart Davis, ist zum Gouverneur von St. Helena ernannt worden. Der Plan einer jüdischen Wcltkonfercnz Dm ״American JewUh Committee" dagegen Der Präsident des American Jewish Committee, Dr. Gvrus Adler, veröffentlicht, wie I. A. T. aus New York meidet, im Namen des Committee eine Erklärung, in der in scharfer Form von dem Plan, eine jüdische Weltkonferenz zur Vorbereitung eines jüdischen Weltkongresses in diesem Sommer in Genf abhalten zu lassen, abgerückt wird. Die Erklärung wendet sich scharf gegen den ״American Jewish Congress“ und seinen Ehrenpräsidenten Dr. Stephan S. Wise als die Urheber des Planes. Es wird daran erinnert, daß im Jahre 1929 aut Initiative des ״American Jewish Congress“ ein Uebereinkommen zwischen Congress und Committee dahingehend getroffen wurde, daß in allen allgemein jüdischen Angelegenheiten, in denen eine gemeinsame Aktion beider Organisationen möglich ist, das ״American Jewish Committee“ vom ״American Jewish Congress“ zu Rate gezogen werden sollte. Trotzdem wurde in dem so außerordentlich wichtigen Fall der Einberufung einer jüdischen Weltkonferenz nach Genf das ״American Jewish Committee“ vor eine vollendete Tatsache gestellt, die es aber nicht anerkennen wolle. Wir haben auf die Anregung des ״American Jewish Congress“ und auf die Resonanz, die sie in verschiedenen Teilen der jüdisehen Welt fand, bereits mehrfach hingewiesen. Es handelte sich zunächst keineswegs um die E i n b e r u f u n g einer Weltkonferenz, sondern um eine Vorbesprechung, die die Frage prüfen soll. Die scharfe Gegnerschaft des ״Americani Jewish Committee", das im Gegensatz zu dem ״demokratischen“ Am. Jewish Congress eine Notabeln-Organisation darsteilt, ist wohl in erster Linie auf die Rivalität der beiden amenkanischen Verbände zurückzuführen. Schon früher wurde ja in der englisch-jüdischen Presse die Meinung geäußert, Dr. Stephen Wise wolle durch diese Aktion die seit dem Tode Marshalls vakante Führerschaft des amerikapischen Judentums an sich reißen. Wir glauben jedenfalls, daß die Frage, um die es sich handelt, rein sachlich und ohne lokale Ressentiments geprüft werden müßte. * Der ״Jüdische Frauenbund“ in Berlin teilt uns mit, daß er in einem Schreiben an die Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände gegen die Idee einer jüdischen Weltkonferenz Stellung genommen hat. VSniger Widersinn Die Ueberspannung de« Nationalstaats- Gedankens Aus Riga wird gemeldet: Nach dem neuesten Erlasse des lettischen Unterrichtsministers soll es in Schulen mit jiddischer Unterrichtssprache verboten sein, hebräisch zu unterrichten oder auch nur die Bibel in hebräischer Sprache vorzutragen, während cs an Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache verboten ist, die jiddische Sprache im Unterrieht zu gebrauchen. Das neue Dekret zerstört alle bisherigen Lehrpläne gewisser Typen jüdischer Schulen, so der Schulen ״Thora wederech Erez“, ״Tuschiah“ und einer Reihe weitlicher hebräischer Schulen. Die Zahl der Unterrichtsstunden in lettischer Sprache wird von 21 auf 39 in der Woche erhöht. Der Unterrichtsgegenstand Jüdische Geschichte wurde aus dem’ Lehrprogramm gestrichen (!) und die Zahl der Unterrichtsstunden für lettische Geschichte von zwei Stunden auf fünf Stunden in der Woche erhöht. Der jüdische Deputierte Rabbiner N u r ok und der deutsche Deputierte _Scl1iemann erschienen gemeinsam beim Minister- Präsidenten und erhoben Protest gegen die Anordnungen des Unterrichtsministers Kehninsch. Der Ministerpräsident versprach, für einen Ausgleich zwischen den staatlichen Erfordernissen und den Erfordernissen der Minderheitenschulen zu wirken. Die Maßnahmen des lettischen Ministers sind ein gutes Beispiel dafür, wohin der überspannte Nationalismus der neuen Zwergstaaten führen kann. Abgesehen von der eklatanten Verletzung der Minderheitenverträge und dein Unverständnis für die ethnisch-kulturellen Bedürfnisse aller Minoritäten liegt vor allem eine sinnwidrige Vergewaltigung der jüdischen Schulen vor. Hervorzuheben ist das Zusammenwirken der deutschen lind jüdischen Minderheit auch in diesem Falle. UnblaHger Pogrom In Deutschland kursiert ein bitterböses Wort: Neben ״Sozis“ und ״Nazis" gibt es jetzt auch ״Ozis“. Darunter sei eine ״Organisation zitternder Israeliten“ zu verstehen. Leider hat diese Geschmacklosigkeit auch den Weg in das Organ der tschechoslowakischen Regierung ״Venkov“ gefunden. Der Hohn, der aus diesem Wortwitz spricht, ist lehrreich. Wahr ist, daß die deutschen Juden sich bedroht fühlen, aber das ist eine ernste Angelegenheit, nicht nur für die Juden selbst. Richtig ist auch, daß aus atien Aeußerungen der Nationalsozialisten klar hervorgeht, daß sie darin einig sind, der jüdischen Gemeinschaft die Lebensmöglichkeit abzuschneiden. Ueber die endgültige Methode scheint offenbar noch keine klare Vor- Stellung bei den Nationalsozialisten zu bestehen. Um auf gesetzl ich em Wege die Juden zu Parias zu machen, müßte eine Verfassungsänderung vorgenommen werden. Diese scheint jedoch auf legale Weise sehr unwahrscheinlich. Ob sieh die Nationalsozialisten mit dieser Sachlage ahgefunden haben, bleibe dahingestellt. Mittlerweile versuchen sie auf kaltem Wege die Tätigkeitsgebiete der Juden in Deutschland einzuengen, ln allen Vertretungskörpern, in denen die Nationalsozialisten entweder die Mehrheit oder eine sehr starke Vertretung besitzen, werden von ihnen Anträge eingebracht, in welchen man der Verwaltung Vorschläge zur Entrechtung der Juden im Verwaltungswege macht. Im Preußischen Landtag brachte die Nazi-Fraktion bereits eine ganze Reihe von Anträgen ein, um Juden aus Wirtschaft, Kunst,Wissenschaft und Berufsleben zu verdrängen. In dem neuesten Antrag heißt es: ״Wir ersuchen das Staatsministerium, darauf hinzuwirken, daß die Liste der Zwangsverwalter und Konkursverwalter bei den Amtsgerichten Berlin-Mitte und Berlin-Charlottenburg so geändert wird, daß der Hundertsatz jüdischer Zwangs- und Konkursverwalter den Hundertsatz an Juden in der Gesamtbevölkerung in Preußen nicht übersteigt.“ Solange das gegenwärtige geschäftsführende Kabinett in Preußen amtiert, ist mit der Erfüllung der nationalsozialistischen Wünsche nicht zu rechnen. Was aber nach dem Eintritt der Nationalsozialisten in eine preußische Regierung werden wird, kann man sich ausmalen. Auf eine Frage von David Adams im englischen Unterhaus erklärte der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister, daß der Bau der neuen von Jaffa nach Haifa führe n den Straße gut vorgeschritten ist. Ende 1931 waren 21 Kilometer dieses Weges, der eine gute Verbindung zwischen dem Hafen von Haifa und der Küsten ehe ne schafft, fertiggestellt. Auch der Bau des neuen Weges von Haifa nach Akko schreitet fort. 18 000 Pfund wurden für wichtige Wegeverbinduiigen in der unmittelbaren Nachbarschalt des Haifa-Hafens bewilligt.

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