Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1932)
- Date
- 1932-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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״Der fnd ist schuld...?" Einzelnummer Oß5 Goldmark jüdische Rundschau Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslands• hamuraiants werden in der Währung dar einzelnen Linder berechnet Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareille*«!!® 0,50 G״M. Stellengeeuche 0,25 G.-M. Kummer 49 | Berlin, 21. VI. 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen *Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., BerlinW15, MeinekestrJO. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Abz«i«ucMu&: Di•!■(!( und Frsltac nachmitt•■• 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. P י ס t ו c h » c k - Konten : Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüasdl 394 33. Budape« 59693. Danzig 1973, Haag 140470, Prag 59410, Riga 4155* Strasfchurg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank - Konten: Darnmädter- und Nationalbank, Depositen * Kasse Barim, Kurfümendaram 52 Rumänische Kreditbank, Cernauri (Rumänien); Anglo Palestine Co. in Haifa, |erusalem, Tel -Aviv י״ז סיוו חרצ״ב I XXXVII. Jahrg. Par 2Iob1»hius erstrebt fOr 4a» Jüdliche Volk die Schaffung «Ihm öffentlich. rechtlich gesicherten Helmittttte In PaU»tlwa. ״Baitler Programm•«* In aller Kurze Die Sitzung des Zionistischen Aktions-Comites beginnt am 25. Juli in London. Der A.-C.-Sitzung wird eine Tagung des Administrativ-Komitees der Jewish Agency folgen. Sokolow wurde am 15. Juni irr Paris vom Präsidenten der französischen Republik, L e b r u n , empfangen. Sokolow hatte auch mit dem Minister Oodart, Präsidenten des Komitees France Palestine und mit Leon Blum Besprechungen. Der geplante feierliche Empfang Sokolows mußte jedoch entfallen, da Sokolow bereits am selben Tage nach London abreisen mußte. Die geologische Abteilung der Universität Jerusalem erhielt eine wertvolle Sammlung als Geschenk von Miß G a r r o d , die im Aufträge der British School of Archaelogy Ausgrabungen von prähistorischen Wohnstätten in Höhlen des Karmelgebirges ausgeführt hatte. Die Sammlung enthält einige Hundert Feuer- Steingeräte, die als palästinensische Funde für die vergleichende Prähistorik wissenschaftliches Interesse besitzen. Anläßlich des Jahrestages der Hinrichtung der drei wegen der Judenmetzeleien vom August 1929 verurteilten Araber am 17. Juni veröffentlichte die Arabische Exekutive eine Proklamation, worin der Hingerichteten als heroischer Märtyrer des arabischen Volkes gedacht wird. Die schweizerische Bundesregierung hat eine Verordnung erlassen, die das Tragen von Braunhemden und von Emblemen der Nationalsozialistischen Partei verbietet. Zwei deutsche Nationalsozialisten, W, Mörstadt und W. Schulz, wurden wegen unerlaubter Umtriebe ausgewiesen, eine Reihe weiterer deutscher Staatsangehöriger wurde unter Androhung der Ausweisung verwarnt. Ein Gedenktag Es ist wie eine bittere Ironie um die geschichtliche Gestalt Walter Rathenaus, daß sein zehnter Todestag am 22. Juni in höherem Maße ein jüdischer Gedenktag ist als ein deutscher. Rathenau hat nicht für das Judentum, nicht . für das jüdisch« Volk gelebt, nicht für sie auch ist er gestorben; aber unwissentlich und unwillentlich ist er ein Repräsentant des Judentums, — genauer gesagt: des jüdischen Schicksals — geworden. In ihm kulminiert in seltsamer Weise eine Epoche jüdischer Entwicklung. Dieser Mann von großer Begabung •und hoher Kultur -gehftete׳. sieht zu denen, die ererbtes Gut und erarbeitete Stellung sorglos genießen, dieser große Organisator war frei von einseitiger Schätzung des Technischen, er wußte um die Macht des Geistes und um die Tragik alles Lebens, er versuchte, das Phänomen der Welt von der gedanklichen Seite zu bewältigen; aller bei alledem war der Glaube an das Können, an die entscheidende Wirkung persönlicher Fähigkeiten so stark in ihm, daß er im gegebenen Moment eine Aufgabe übernahm, der er sich persönlich gewachsen fühlte, ohne zu empfinden, daß er an dieser Stelle nickt am Platze war. Sein Wirken als deutscher Außenminister ist eine kurze Episode geblieben. Man braucht sich nur die Proklamationen der gegenwärtigen deutschen Reichsregierung mit ihrer Betonung des christlichen Charakters des Staates, mit ihrer Berufung auf Volkstum und Rasse vor Augen zu halten, um zu erkennen, wie weit der Abstand ist von einer Zeit, da ein Jude Verwalter eines der wichtigsten deutschen Staatsiinifer gewesen ist. Rathenau hat seine ganze Person eingesetzt, um dem Vaterlande zu dienen, um in der unmittelbar nach dem Kriege von Haß und Mißtrauen erfüllten Welt eine bessere Stimmung für Deutschland zu schaffen, nach dem verlorenen Krieg den Ton der Versöhnlichkeit in das internationale Gespräch zu bringen, um der Kooperation der Kulturnationen, ohne die nach dem furchtbaren Zusammenbruch Europa und auch Deutschland nicht wieder aufgebaut werden kann, den Weg zu bahnen. Aber während er dies tat, wurde er verdächtigt und verketzert, als einer der ״dreihundert Weisen von Zion“ angeprangert, große Volksschichten glaubten tatsächlich, daß dieser Mann im Interesse des ״internationalen Judentums“ Umtriebe zur völligen Vernichtung Deutschlands schmiede. Rathenaus Stellung als Außenminister hat mehr dazu beigetragen, den Antisemitismus in Deutschland stark werden zu lassen als z. B. die Einwanderung von ein paar armseligen Ostjuden, die so gern als eigentliche Ursache des Antisemitismus bezeichnet werden. Die von manchen jüdisehen Fortschritts-Optimisten aufgestellte These, der Anti semitismus würde verschwinden, wenn die Juden nur enthusiastisch genug sich dem Dienste des Vaterlandes weihen, wenn sie sich durch besondere Leistungen auszeichnen und ganz mit dem deutschen Volk verschmelzen, wird durch den Fall Rathenau grausam widerlegt. Denn gerade daß dieser Jude sich durch außerordentliche Leistungen hervortat, daß er in einer Zeit der Not sich ganz in den Dienst des Vater landes stellte und — so muß wohl jeder objektive Historiker zugeben — für Deutschland Großes vollbracht hat, gerade dies war der Anlaß zu einem Sturm der Leidenschaften gegen ihn Der Bann des Mißtrauens wurde nicht gebrochen, der Jude blieb für die deutsche Welt Jude bis zum Tode. Noch heute sehen wir, wie eine nationalistische Geschichtsbetrachtung die Persönlichkeit Rathenaus zu verkleinern sucht, wie man sein Wirken als unorganisch innerhalb der deutschen Geschichte empfindet. Das jüdische Volk hat keinen Nutzen vom Wir ken Walter Rathenaus gehabt, aber im Tode ist er in die jüdische Leidensgeschichte eingegangen, im Tode uns verbunden. Sein Leben und Tod ist ein erschütterndes Beispiel von Wan derung und Heimkehr. Darum ist die zehnte Wiederkehr des Jahrestages dieses furchtbaren Mordes auch ein Tag besinnlicher Betrachtung für die jüdische Gemeinschaft, der, richtig erlebt, uns stärken muß in unserer Besinnung auf uns selbst, auf unsere Not und unsere Aufgaben. Gemeindefriede in Berlin Die Etatberatung in der Gemeinde Wie wir bereits in der vorigen Nummer kurz zu berichten, vermochten, bot die letzte Sitzung der Berliner Jüdisehen Gemeinde-Repräsentanz das Bild der einträchtigen Zusammenarbeit zwischen den zwei großen Fraktionen in der Gemeinde, den Liberalen und der Jüdischen Volkspartei. Ueber zwei Monate hielt die Repräsentanten- Versammlung nach dem Auszug der Jüdischen Volkspartei keine Sitzungen ab. In die Zwischenzeit fielen Besprechungen zwischen Liberalen und Volkspartei, um den unhaltbaren Zustand der fortwährenden Kämpfe im Landesverband und in der Berliner Jüdischen Gemeinde zu ändern. Diese Bemühungen, welche noch nicht abgeschlossen sind, waren von Erfolg begleitet. Man kann sagen, daß es bei den getroffenen Abmachungen zwischen liberaler Mehrheit und der starken v&lksparteilichen Minderheit weder Sieger noch Besiegte gibt. Der Druck der öffentlichen Meinung und die politische Entwicklung in Deutschland haben zweifellos dazu beigetragen, die Liberalen zu einem Einlenken zu bewegen. Man verzichtete auf Einigungsformeln in weltanschauliehen Fragen und bemühte sich, durch konkludente Be- Schlüsse, den Nachweis des Friedenswillens zu erbringen. Aus den Reden der Parteiführer in der letzten Sitzung geht hervor, daß die bisherigen Abmachungen folgende Streitpunkte betreffen: dem Hechaluz, dessen Subventionsantrag, wie erinnerlich, der Anlaß zum offenen Bruch zwischen Liberalen und Volkspartei war, wird sowohl im Landesverband wie auch in der Gemeinde eine Subvention bewilligt. Der Schulabbau wird nicht fortgesetzt; vielmehr sollen in der nächstmöglichen Zeit neue fünf Klassen an den Gemeindevolksschulen errichtet und nach Kräften allen sich meldenden jüdischen Schulkindern die Möglichkeit des Besuches einer jüdischen Gemeindeschule gegeben werden. Der Personalabbau in der Gemeinde wird als ab geschlossen erklärt. Hinsichtlich der Personalfragen sind im einzelnen Abmachungen getroffen und in Zukunft soll im beiderseitigen Einvernehmen, ohne in die Rechte des Gemeindevorstandes einzugreifen, eine Regelung dieses Fragenkomplexes erfolgen. Noch sind nicht in allen Einzelheiten Abmachungen getroffen. Kennzeichnend ist, daß die Verhandlungen sich in einem Geiste völliger Eintracht vollziehen. Erfreulich bleibt die Feststellung, daß man nicht versucht hat, die gegensätzlichen Ansichten irgendwie zu vertuschen, sondern daß man bei völliger Wahrung der grundsätzlichen Standpunkte den Weg zu gemeinsamer sachlicher Arbeit in dieser Notzeit gefunden hat. In den Reden der Parteiführer kamen diese prinzipiellen Differenzen ungeschmälert zum Ausdruck. Die Liberalen betonten mit besonderem Nachdruck wieder ihre Auffassung von der Besserung durch allgemeinen Fortschritt und ihre Proklamationen der ״Verbundenheit mit dem deutschen Volkstum“, und die Vertreter der Volkspartei entwickelten ihre Anschauungen von Wesen und Inhalt einer jüdischen Politik, die nur im Zusammenhänge mit gesamtjüdischen Tendenzen sinnvoll auch in den Gemeinden geführt zu werden vermag. Hierbei verzichteten beide Parteien auf die gewohnte herbe Kritik der vorgebrachten Anschauungen. Der Verlauf der Sitzung Die Sitzung am 16. begann mit der Erledigung der üblichen Formalien und kleinerer Vorlagen. Hierauf gab Dr. Walter Breslauer, der Verwaltungsdirektor der Gemeinde, einleitende Bemerkungen und Erläuterungen zum Etat. Er gedachte mit Dank derjenigen Persönlichkeiten, die vor ihm als Finanzreferenten wirkten: Leo Lilienthals und des letzten Finanzreferenten Dr. James Elbogen. Alle an der Aufstellung des Etats Beteiligten, führte Dr. Walter Breslauer aus, hatten zu überlegen, Wie man mit den beschränkteren Mitteln auskommen und es doch der Gemeinde ermöglichen könne, ihre Aufgaben zu erfüllen. Das Problem war: Abbau der Ausgaben, aber nicht Abbau der Leistungen. Schwere Gefahren drohen uns, es kann jederzeit ein Ereignis eintreten, das unsere Ziffern umwirft. Man kann also von diesem Etat nicht als von einem gesicherten Ganzen sprechen. Wollte man alles erreichen, was heute notwendig und erwünscht ist, so könnte man dieses nur durch eine ungeheure Steuerbelastung tun, aber für die Wirtschaftlieh empfindlichst getroffenen Mitglieder unserer Gemeinde ist eine weitere Belastung nicht tragbar. Der Referent ging auf die einzelnen Etatkapitel ein und betonte dabei, daß man beim Abbau mancher Positionen in keiner Weise parteiisch vorgegangen sei. Die Gotteshäuser werden in vollem Umfange erhalten. Die Zahl der Besucher der Berliner Synagogen hat sich 1932 gegen 1931 um!5 bis 20 Prozent erhöht. Ijn großen ganzen I. Kultuswesen II. Friedhofsverwaltg. III. Schulverwaltg. IV. Wolilfahrtswesen V. Anstalten VI. Allgem. Verwaltg. VII. Finanz- und Vermögensverwaltung zeige der Etat Ausgabe 1 645 291,40 1 154986,10 1 167 482,75 1 542281,95 2 182 259,05 507 981,15 das folgende Einnahme 495 895,50 1 151 892,— 362 670,- 713 587,65 1 505 828,40 19900,— 2 081 026,70 1 139 738,- Bild: Zuschuß 4 156 156,90 3 094,10 804 812,75 828 697,30 676 430,65 488 081,15 941 288,70 Summe 10 281 312,10 5 389 511,55 4 898 561,55 Steuerbedarf RM. 4 891 800,55 RM. 4 891 800,55 Die folgende Rede Bruno Woydas (liberal) zerfiel in zwei Teile, im ersten referierte Woyda als Vorsitzender der Etat-Kommission über die Arbeiten dieser Kommission. Er ging, die einzelnen Posten durch und referierte über die Beweggründe, die den Ausschuß bei der Aufstellung jedes Postens geleitet haben. Der Redner unterstrich die Tatsache, daß die Großgemeinde Berlin, ungeachtet ihrer eigenen schweren Finanzlage, dennoch dem Preußischen Landesverband aus dem Jahresetat eine Summe von 400 000 Mark zahlt, die den um ihre Existenz ringenden Kleingemeinden zugute kommt. Er registriert eine große Zahl Anregungen, die im Etat-Ausschuß gegeben wunden, u. a. die, im Westen Berlins einen neuen jüdischen Fried* hot anzulegen, die Anstalten des Deutsch-israelitischen Gemeindebumies von der Gemeinde zu übernehmen, und stellte 11. a. fest, daß für die Berufsausbildung des Hccha- 1 u z 2000 Mark zur Verfügung gestellt wurden. Im zweiten Teil seiner Rede nahm Woyda als Sprecher der liberalen Fraktion zu dem Etat und seinen Aufgaben grundsätzlich Stellung. In der Fieberkurve, in der das deutsche Vaterland sich gegenwärtig befindet, sei es unmöglieh, irgendeine Prognose aufzustellen. Dennoch soll uns nicht Pessimismus, sondern Vertrauen in die eigene Kratt beherrschen. Was ist, fragte der Redner, aus dem alten deutsehen Spruch geworden: Einigkeit und Recht und Freiheit. Alles stürzt. Niemand aber könne uns die Zugehörigkeit zur deutschal Volksgemeinschaft streitig machen. Wir fühlen uns mit de® Deutschtum im Wesen und Denken verbunden. Wir glauben, daß Wahrheit und Vernunft siegen werden. Der Redner sprach dem Central-Vereiii deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens den Dank für die unermüdliche Abwehrarbeit aus, die zwar dem Unheil nicht Halt gebieten, aber es mildern konnte. Nach ein® Darstellung der Grundsätze der liberalen Fraktion hinsichtlich der Gemeindeaufgaben schloß der Redner: Wir müssen Frieden halten, auch wenn wir weiter um umsere Ansichten ringen. Gemeinsame Arbeit ist das ZifL Dr. Alfred Klee (Jüdische Volkspartei) führte in einer großangelegten Rede uhgefähr aus: Der Etat wird uns vorgelegt in einer Zeit, wie wir sie in der Berliner Gemeinde noch nicht ®lebten. Es gehört eine gute Portion Idealismus dazu, zu glauben, daß sich die Gefahren nicht zu einer Katastrophe für das Judentum entwickeln. Wenn uns etwas heute aufrkfcten kann, so si»ö,.fs, die Gedanken an die Ewigkeit Israels und an Erez Israel, Der Redner nahm vom Standpunkt seiner Partei Stellung zum Etat, dessen Grundsatz es sein muß: Kürzen, aber nicht abbauen. Auf die Gefahr hin, unpopulär zu sein, sagte Dr. Klee, muß ich erklären: Wenn andere Gemeinden, z. B. die Frankfurter und die Breslauer Gemeinde, sich entschlossen haben, von ihren Mitgliedern eine erhöhte Opferbereitschaft za fordern und die Steuerquote erhöhten, dann könnte auch die Berliner Gemeinde es wagen, die Steuerquote um ein bis eineinhalb Prozent zu erhöhen. Das wäre keine Ueberlastung des einzelnen, dagegen würde dadurch ermöglicht werden, vieles zu erfüllen, was heute in den Hintergrund gedrängt werden muß. Heute gilt es: Erhaltung der jüdischen Substanz alles Jüdische sorgsam pflegen und zur Blüte bringen. Der Redner sprach von"den Gefahren, die die jüdische Jugend heute nicht nur materiell, sondern auch geistig bedrohen, von d® ״roten Assimilation“, die die Jugend aus der jüdischen Welt herausführt, ja sie zu einer feindseligen Einstellung zum Judentum führt und meinte, Aufgabe der Gemeinde sei es, den jüdisehen Geist der Jugend zu pflegen, und damit in Verbindung, der Jugend eine Selbstverwaltung zu gewähren. Monate lang, führte Dr. Klee weiter aus, saßen wir In diesem Hause mit der traurigen Empfindung, daß alles, was wir wollen, an taube Ohren schlägt. So reifte in uns d® schwerwiegende Entschluß, diesen Saal zu verlassen. Dank der Initiative des Vorsitzenden der Versammlung, Heinrich Stern kamen wir doch noch an den gemeinsamen Tisch und zu gemeinsamer Arbeit. Die Hechaluz-Frage wurde gelöst, denjenigen jungen Mensehen, die die jüdische Schule wollen, stehen die Türen zu dieser Schule offen. Der Abbau der Mittelschulen sollte durch eine Erhöhung der Zahl der Volksschulklassen um fünf kompensiert werden. Der Redner sprach den Wunsch aus, den wirtschaftlich und politisch am meisten bedrohten Teil der Berliner Jadenheit, die aus dem Osten stammenden Juden, weitgehender zu berücksichtigen. Er sprach den Wunsch nach Aktivierung weiterer Hunderter Ehrenbeamten aus und appellierte an die etwa 50 Berliner Rabbiner, engere Beziehungen mit den jüdischen Familien zu pflegen. Das in Form und Inhalt ansprechende Gemeindeblatt, das in mehr als 70 000 Exemplaren erscheint, möge der Darstellung aller Weltanschauungen im Judentum geöffnet werden. Besonders soll d® Jugend das Wort gegeben werden. Der konservativen Riehtung, die in der Volkspartei stark vertreten und eine Kraftquelle jüdischen Lebens ist, solle mit gleicher Läebe wie jeder anderen Richtung begegnet werden. Die 200 000 Berliner Juden, schloß Klee, sind ein Kraftreservoir, das für unsere staatsrechtliche Stellung und unseren’ wirtschaftlichen Existenzkampf eingesetzt werden muß. Auf den Preußischen Landesverband muß eingewirkt werden, daß er sich innerhalb des kommenden Reichsverbandes für Gleichberechtigung der aus dem Osten stammenden Juden einsetzt Wir sagen den hessischen und sächsischen Juden, in deren Gemeinden den Ostjuden keine oder mindere Rechte eingeräumt sind: Die innere Gleichberechtigung ist Voraussetzung für unsere Forderung nach Gleichberechtigung im außerjüdischen Leben. Der Reichsverband soll die amtliche Stelle der deutschen Judenheit. der Wächter auf der Zinne, sein. So werden wir