Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 47 (14.6.1932)
- Date
- 1932-06-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47,14. VI. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 223 Borodiow in deutscher Sprache Ber Borochow ״Klasse und Nation“. Zur Theorie und Praxis des jüdischen Sozialismus. 1. Heft der deutschen Schriftenreihe ״Jessodoth“ des Weltverbandes Hechaluz. Berlin, Hechaluz, Melneckestr. 10, W 15. Ea ist ein besonderes Verdienst des Hechaluz, seinen Mitgliedern und dem weiten Kreise der am zionistischen Sozialismus interessierten Menschen durch die genannte Schrift einen Weg zu den theoretischen Grundlagen des zionistischen Sozialismus zu eröffnen. Den Aufsitzen, die zum ersten Male in deutscher Sprache veröffentlicht werden, kommt ein gewisser ״klassischer“ Charakter insofern zu, als darin die Grundbegriffe des zionistischen Sozialismus in einer auch für die Zukunft gültigen Form entwickelt sind. Der erste Aufsatz, der sich mit der Frage ״Klasseninteresse und die nationale Frage“ beschäftigt, stellt einen interessanten Beitrag zu der sozialistischen Nationalitätenlehre dar. Die ökonomische Geschichtsauffassung wird hier —- allerdings in einer den komplizierten Problemen des Nationalen nicht immer voll gerecht werdenden Art — für die Erkenntnis der nationalen Frage fruchtbar gemacht. Es ist ein eigentümliches Zusammentreffen, daß dieser Aufsatz in demselben Jahr erschien, in dem Otto Bauers Schrift ״Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie“ herauskam. Die Untersuchung von Bauer ist zwar viel umfassender und auch weit stärker differenziert als die von Borochow, kommt aber, wenigstens im prinzipiellen Teil, zu ähnlichen Ergebnissen. Die Aufsätze ״Was wollen die Poale Zion“ und ״Zur Verteidigung unserer ökonomischen Positionen“ geben dann die besondere Grundlegung für den zionistischen Sozialismus. Hier wird zum erstenmal dargelegt daß der jüdische Arbeiter, um an dem Befreiungskampf des Proletariats teilhaben zu können, eine ״strategische“ Basis für den Klassenkampf in der Form eines eigenen Territoriums und eines Platzes innerhalb des Produktionsprozesses haben muß. Es ist nicht möglich, die Lösung der Judenfrage erst auf den Augenblick nach der Weltrevolution zu verschieben. ״Die Massen erkämpfen sich erst ein sozialistisches Bewußtsein, kommen erst in Bewegung, wenn Prozesse eines realen Kampfes vor sich gehen; ein abstraktes Ideal kann die Masse nicht in den Kampf rufen; der Kampf breiter Massen kann nur im Zeichen täglicher Bedürfnisse ausgefochten werden, deren Befriedigung keinen Aufschub duldet.“ ln demselben Aufsatz findet sich auch die berühmt gewordene Formulierung, daß die Lösung der nationalen Frage im Wege des Klassenkampfes das Ergebnis eines zwangsläufigen Geschichtsprozesses sein muß, in dem die sozialen Bedingungen und Kräfteverhältnisse alles auslösen und die bewußte Tätigkeit des organisierten Proletariats nur dasjenige reguliert, was durch das Leben selbst in Erscheinung tritt. Wir haben gerade aus der zionistischen Arbeiterbewegung gelernt, daß die Lösung der nationalen Frage durch den bewußten Willen der Arbeiterschaft eine Förderung erfahren kann, die weit über die Wirksamkeit nur der ökonomischen Bedingungen hinausgeht. Geistreich, aber nicht zwingend, ist die ökonomische Beründung dafür, daß Palästina und nur Palästina die Lösung er nationalen und wirtschaftlichen Judennot bringen soll. Die an sich richtigen Kriterien, die Borochow für das Land entwickelt, in dem die judenfrage gelöst werden soll, treffen auch auf widere Länder als Palästina zu. Man kann eben, um die Rolle Palästinas im Zionismus zu begreifen, nicht von den geistigen und geschichtlichen Beziehungen absehen, die Palästina zu dem Jüdischen Volke hat. Zum Schluß sei noch der einer gewissen tragischen Ironie nicht entbehrende Hinweis gemacht, daß Borochow, auf den ,sich heute zionistische Kommunisten und zionistische Sozial־ demokraten, wi*>׳auf' ihren ' ״jüdischen‘4 Ms« berufen, für Palästina ״territirial-politische Autonomie“ des jüdisch!« Volkes verlangt, eine Forderung, die heute mir noch von den Revisionisten erhoben wird. Darüber hinaus enthält aber das Buch eine solche Fülle von auch heute noch aktuellen Erkenntnissen der Judenfrage, daß sein Erscheinen aufs dankbarste begrüßt werden muß. Georg Lubinski. Volk im Fieber (Josef Maria Frank, Volk im Fieber. Sieben Stäbe Verl., Berlin 1932.) Ein Blich, das gleich bei seinem Erscheinen bewegte Diskussionen entfesselte und vielleicht nicht so sehr durch seine künstlerischen Eigenschaften wirkt wie durch seinen — erschreckenden und lehrreichen — Wirklichkeitsgehalt. Es spielt in einer kleinen Stadt im deutschen Osten und behandelt das Schicksal eines dorthin versetzten, fortschrittlich gesinnten Gymnasialdirektors, der von seiner durch und durch reaktionären Umgebung zu Tode gehetzt wird. Gewiß sind die einzelnen Kleinstadttypen — offenbar selbst Gesehenes verkörpernd — lebendig und wirklichkeitstreu dargestellt; was uns aber hier besonders angeht ist, daß hier zum ersten Maie jüdisches Kleiristadtschicksai im heutigen deutschen Osten ungeschminkt und unverblümt wiedergegeben wurde. Erschütternd wirkt das Mittelstück des Buches, das Tagebuch eines kleinen jüdischen Gymnasialschülers, der plötzlich von Hause verschwand und dessen Tod man fürchtet. Man hört, daß dies Tagebuch auf authentischer Niederschrift beruht; aber auch wenn man das nicht wüßte, würde man es spüren: hier zeigt sich die ganze Tragik des jüdischen Kindes in einer Schule, wie wir sie heut allenthalben vor uns sehen. Einer nach dem andern von seinen früheren Freunden kommt zu dem kleinen Jakob Rosenbaum und erklärt ihm, er könne nicht mehr mit ihm ״gehen“, da ihn sonst die andern ächten würden. Man läßt ihn allein, man beschimpft ihn auf alle mögliche Weise — und die Lehrer haben kein Auge für den eingeschüchterten Jungen. ״Manchmal möchte ich tot sein“, schreibt er in sein Buch. Frank riihrt hier an eins der schwersten und — nicht bloß für den Juden! — entwürdigendsten Probleme unserer Zeit. Sein Buch sollte man Männern wie W. Stapel zu lesen geben; vielleicht würden sie dann nicht mehr so ganz sicher sein, daß es nur die ״Grenzüberschreitung“ des deutschen Juden ist, die den Antisemitismus hervorruft. Alle diese jüdischen Kleinbürger, Aerzte und Rechtsanwälte wollen nichts anderes, als ihr bescheidenes jüdisch-deutsches Leben weiterführen, wie es ihre Väter vor ihnen taten, die, wenn sie Geld genug hatten, Säuglingsheime stifteten und den Vaterländischen Frauen verein unterstützten. — Mit scharfem Blick sieht Frank den verhängnisvollen Prozeß, der in einem Momente nationaler Verzweiflung sich gegen die einzigen Wehrlosen kehrt, jüdische Kaufleute boykottiert, jüdische Kinder ausstößt. Es ist schade, daß diesem scharfen Blicke des Künstlers noch die gestaltende Hand fehlt, die aus diesen Bildern plastische Gestalten hätte formen können. Der Held, der Gymnasialdirektor Rainer, bleibt blaß und sein Untergang verwischt uns sein Bild noch mehr. Und der einzige, der, wie cs zuerst scheint, uns dafür entschädigen könnte, der originelle Mathematiker Professor Lämmle, wird gegen den Schluß auch von dem ganz unnötigen Heiligenscheine eines guten — und sogar; reichenl was bei einem Schulmeister noch viel weniger glaubhaft erscheint — Märchenonkels und deus ex machina umstrahlt. Trotzdem behält dieses Buch seinen Wert über den Tag hinaus: als ein sowohl aufrichtiges wie beschämendes Dokument von der Barbarei unserer Tage. B, .8, St. Brief aus Südwestdeutschland Frankfurt a. M,, Juni 1932. In den letzten Wochen stand Frankfurt a. M. und der umliegende Bezirk im Zeichen einer äußerst intensiven zionistisehen Arbeit. Dank der Initiative einheimischer Kräfte und durch die Unterstützung auswärtiger Redner ist es gelungen, auf den drei Hauptgebieten zionistischer Arbeit; Geldaufbringung — Propaganda — Erziehung beachtliche Erfolge zu erzielen. In erster Linie ist in diesem Zusammenhang eine Aktion des Südwestdeutschen Bezirksverbandes der Jewish Agency zu nennen, der Dr. Michael Traub, Berlin, für die Arbeit des Keren Hajessod eingeladen hatte. Diese Aktion wurde im Laufe des Monat Mai in Frankfurt, Wiesbaden und Aschaffenburg durchgeführt und schloß mit einem sehr beachtlichen finanziellen und moralischen Erfolg ab. Neben der eindrucksvollen Werbearbeit Dr. Traubs ist dieses Ergebnis auf die eifrige Mitarbeit der Zionisten und der nichtzionistischen Palästinafreunde zurückzuführen, nicht zuletzt auf die vorzügliche organisatorische Durchführung der Aktion seitens des unter Leitung von Frl. Aenne Pomeranz stehenden Sekretariats der Jewish Agency und des Keren Hajessod in Frankfurt a. M. In Frankfurt wurde die Arbeit durch eine große, von vielen Hunderten besuchte öffentliche Versammlung eingeleitet, in der Kurt B I u m e n f e I d und Dr. Mich. Traub über das Thema ״Judenschicksal im Spiegel des Weltgeschehens“ sprachen. — Am 22. Mai sprach Herr Dr. Traub im Hause von Herrn und Frau Sali Kaufmann über das Thema ״Die Wirtschaftslage der Juden in Deutschland und Osteuropa“. Mit ausgezeichnetem Erfolg beteiligten sich die Mitglieder der Keren Hajessod-Kommission sowie der Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency, insbesondere Herr Dr. Franz Wolf, an der anschließenden Werbearbeit. In Wiesbaden hatten Herr und Frau Rabbiner Dr. Lazarus zu einem Vortragsabend über das gleiche Thema eingeladen, anschließend sprach am gleichen Abend Herr Dr. Alfred Lands berg über seine Palästinareise. Die auch in Wiesbaden durchgeführte Werbearbeit für den K. H. hatte insofern einen besonders guten Erfolg, als ihm eine ganze Anzahl neuer Freunde zugeführt werden konnten. — In Aschaffenbu rg schließlich fand eine von dem dortigen Ortsausschuß der Jewish Agency einberufene öffentliche Ver- Sammlung statt, bei der Kurt BJumenfeld über ״Juden- Schicksal im Spiegel des Weltgeschehens“ und Dr. Michael Traub über ״Erstrebtes und Erreichtes in Palästina“ sprachen. Auch diese Veranstaltung brachte der Palästinaarbeit und dem K. H. neue Freunde. Neben dem rein materiellen Erfolg der Aktion muß als ein wesentliches Aktivum die Tatsache gebucht werden, daß die Arbeitsfreude bei den Mitarbeitern und Freunden des K. H. in Frankfurt sowohl wie im Bezirk durch die aus der Arbeit selbst sich ergebenden Anregungen sehr erheblich gesteigert wurde. Der Propaganda und zugleich der Erziehung der zionistisehen Jugend dienten zwei Veranstaltungen, die von der Arbeitsgemeinschaft für sozialistischen Zionismus durchgeführt wurden. Dr. Traub sprach über die ״Judenfrage in Osteuropa — Biro Bidjan und Palästina“. Der Vortrag, an den sich eine Diskussion mit jüdisch-kommunistischen Gegnern anschloß, war insbesondere durch die Vermittlung eines reichen, großenteils neuen Tatsachenmaterials überaus wertvoll. — In einer zweiten Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für sozial. Zionismus wurde das Thema ,,Zionismus — Sozialismus — Kommunismus“ unter mehr ideologischen Gesichtspunkten behandelt. Die Aussprache wurde von Dr. Hans Pomeranz eingeieitet. Er knüpfte an Wilhelm Michels Kritik am Zionismus an, der in Ihm die: ״Dämonie nationalistischer Selbstbehäaptattjf*־ wieder• »!erkennen glaubt und betonte die Kontinuierlichkeit aller geschichtlich aufeinander folgenden Assimilationsideologien, für welche die Tatsache symptomatisch ist, daß auch die kommunistische Kritik am Zionismus diesen gleichen Gedanken verwendet. Diese Kritik verwechsle zugleich, ganz unmarxistisch, ״die Ethik der Idee mit der Poesie der Utopien“ (Cohen), indem sie ein problemfreies Zeitalter verheißt. Der Abend erhielt seine besondere Bedeutung durch die Teilnahme von Prof. Buber an der Diskussion. Er beleuchtete die Voraussetzungen, die für den Zionismus bei der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus gegeben sind und forderte eine Verlegung der Diskussion vom jüdischen auf das sozialistische Gebiet, da der heutige Bolschewismus einen Schein- Sozialismus darsteile, der von vornherein abgelehnt werden müsse. Es sei das tragische Verhängnis des Zionismus, daß auch er den Weg der Säkularisierung des Judentums weitergegangen sei und nicht den Zugang zu einer neuen jüdischen Totalität gefunden habe. Aber auch heute sei Umkehr möglieh. Dann werde man eine volle Lebenswirklichkeit dem Kornmunismus cntgegenstellen können. Die echte Verwirklichung des Judentums und auch des Sozialismus sei in den kollektitivistischen Arbeitersiedlungen Palästinas am Werden, die daher als der Kern des zionistischen Aufbaus zu betrachten seien. — Die Aussprache erweckte bei den sehr zahlreichen Zuhörern intensivstes Interesse und war insbesondere dazu nützlich, neben der bisherigen Argumentation andere Wege der Auseinander- Setzung aufzuweisen. KL. Ortsgruppen (Teilweise wegen Raummangels verspätet.) Beuthen (O.-S.) Vor einer überaus angeregt lauschenden Zuhörerschaft berichtete R.-A. Dr. Frankel in einer stark besuchten Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe über seine soeben beendete Palästinareise. Unter vielen fesselnden Einzeldarstellungen ergibt sein Gesamteindnick seiner diesmaligen Palästinareise wiederum die Tatsache, daß der Aufbau des I.andes nun durch nichts mehr zu erschüttern sei. Die reiche Fülle seines Dargebotenen wird noch für manchen Ortsgruppenabend ein Thema bilden. — Am 23. Mai berichtete der Vorsitzende unserer Ortsgruppe, Herr Arnold Wiener, durch seine Abwesenheit etwas verspätet, über die Sitzung des Landes- Vorstandes der Z. V. f. D. und des preußischen Landesverbandes an einem mit dem Thema: ״Was geht im Preußischen Landesverband und in der Jüdischen Gemeinde Berlin vor?“ festgesetzten Ortsgruppenabend. Der Redner brachte in objektiver Weise all die Gegensätze, die sich im Laufe der letzten Monate in der Berliner Jüdischen Gemeinde zwischen der Fraktion der Volkspartei und der liberalen Majorität herausgebildet hatten, dem Verständnis der Zuhörer näher, um so zu zeigen, wie man die Vorgänge verstehen muß, die sich aus diesen Tat- Sachen heraus auch auf die Tagung des Preußischen Landesverbandes übertrugen. Die mit lebhaftem Interesse aufgenotnmenen Ausführungen fanden ihren Abschluß in einer Diskussion, in der Rabb. Prof. Dr. Golinski dem Redner Dank sagen konnte für sein Verhalten in wichtigen Punkten der Debatte, die den Landesvorstand der Z. V. f. D. beschäftigten, und in einem kurzen Schlußwort des Referenten. Gleiwitz. In der letzten Monatsversammlung am 25. Mal sprach Herr Schutz. (Hindenburg) über die Eindrücke und Erlebnisse seiner ״Palästinareise“, wobei er ein anschauliches Bild von den zahlreichen jüdischen Kolonien und den im Aufblühen begriffenen Städten gab. Auch über Siedlungsfragen, Wirtschaftsprobleme und kulturelle Dinge ließ sich der Redner aus und vermittelte aut diese Weise in seiner lebendigen Plau-!«■״..... ■ ■־ .־״־*׳...— ' ׳ ״״. derei ein drastisches Bild nicht nur seiner subjektiven Erlebnisse, sondern auch des Palästinawerkes überhaupt. Dr. E. H, München. Die vergangenen Wochen brachten zunächst einen Vortrag von Dr. Ernst Simon (Haifa) über ״Moskau und Jerusalem“, den die Loge veranstaltete. Die tiefen und geistreichen Ausführungen vermochten zwar das zahlreiche Publikum ungemein zu fesseln, fanden aber gerade bei den Zionisten durchaus nicht einmütige Zustimmung. Neben anderen Einwinden Ist gegen Simons geschichtsphilosophisch tundierte Ablehnung eines sog. ״Vulgärzionismus“ das Bedenken nicht unbegründet, daß damit, natürlich ungewollt, den liberalen Zuhörern letzten Endes ein bequemes Argument gegen jede zionistische Forderung geliefert wird. — Einen lebendigen Eindruck vom heutigen Palästina und seiner Wirkung auf den einzelnen vermittelten die Vorträge von zwei Münchener Teilnehmern an der Makkabi-Palästinafahrt, Dr. A. Perci* kowitsch und Walter Koschla nd. — Ende Mai wurde zum erstenmal in München der Versuch eines zionistischen Schulungskurses gemacht, für dessen beide ersten Abende sich Kurt Blumen fcld zur Verfügung gestellt hatte. Die Veranstaltung, an der nahezu 100 Zionisten, fast durchweg Jugendliehe, teilnahmen, darf als sehr gut gelungen bezeichnet werden. Die Teilnehmer folgten den Ausführungen Blumenfelds, die sich auf die Situation des deutschen Judentums und Fragen der innerjüdischen Entwicklung und des Palästinaaufbaus erstreckten, mit gespannter Aufmerksamkeit und bewiesen durch zahlreiche Fragen ihre lebhafte Anteilnahme, Die beiden Abende haben der zionistischen Arbeit 1'n München einen spürbaren Antrieb gebracht, litt Kreise der Jüdischen Frauengemein■• Schaft und der Studentinnen sprach Frau Jenny Blumenf e 1 d in sehr anregender und interessanter Weise. R. E. Stettin. Am 2. Juni sprach auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe Stettin Herr Dr. Chononowicz über Zionismus und Orthodoxie. Der Vortrag hatte den Zweck, unter den religiösen Juden, hauptsächlich Ostjuden, in Stettin für den Zionismus und den Misrachi zu werben. — Nach dem Vor-־ trag wurde eine Einzeichnungsliste vorgelegt, in die sich sofort fünf Herren eingetragen haben. Ein junger Misrachist, Herr Kiersfeld, wird weitere Einzeichnungen sammeln. Dann soll die Frage geklärt werden, ob sich diese Gruppe organisatorisch der Zionistischen Ortsgruppe anschließen oder als selbständige Misrachi-Gruppe bestehen wird. Gruppenverband Sachsen. Am 5. Juni hielt der Gruppenverband des Freistaats Sachsen in Zwickau seinen Gruppen- ״* verbandstag ab. Die Tagung muß als außerordentlich gelungen gelten und zwar sowohl wegen der zahlreichen Teilnahme der sächsischen Ortsgruppen als auch wegen des Inhalts der Tagung. Das erste Referat hielt Dr. Fritz U 11 m a n n aus Karlsbad über ״Neue Wege der Ortsgruppenarbeit“. Ullmann gab eine Methodik der Ortsgruppenarbeit, an deren Spitze er den Leitsatz stellt, daß nur eine systematische kontinuierliche Arbeit einen Erfolg bringen könne. Es müsse ein Redneraustausdh auch mit unseren Freunden aus der Tschechoslowakei durchorganisierf werden. Alle Kräfte, auch die Jugendlichen, müßten in Gruppen zusammengefaßt werden, um gemeinsam die Lasten und Leistun* gen der Organisation zu tragen. Besonderer Wert müsse auf interessante Gestaltung des Arbeitsprogramms, etwa durch die sich sehr bewährende gesprochene Zeitung, durch Gerichts- Verhandlungen, Schallplatten־Abende, musikalische Veranstaltungen, Radio, Zwei- bis Drei-Redner-System, gelegt werden. An! dieses Referat schloß sich eine auf gutem Niveau stehende Orgaganisationsdebatte an, innerhalb deren die einzelnen Gruppen gleichzeitig ihre Erfahrungen mitteilten. — Es wurde dann die Lage des Leipziger Ciialuzheimes diskutiert und in der Mittag*- pause versucht,' das Budget aufzubringen. Am Nachmittag hielt Kurt Bl u m en f e 1 d ein groß angelegtes Referat über, ,,fithaft der riotttsfjsdteft Pmpsgmda‘-‘. BfmmkM *r«״ Analyse unserer jetzigen Situation und führte dabei »us>״äa8 sie "die zionistische Diagnose in jeder Beziehung bestätige. Wir lebten auch heute nur in einer Zeit, die so schwer sei wie alle Zeiten bis zur Emanzipation. Gegenüber der Abgrenzung der nichtjüdischen Welt könne unsere endgültige Gemeinschaftsbildung nur in Palästina erfolgen. Unsere heutigen Juden seien gegenüber den früheren Zeiten nur zuversichtsloser, da sie nicht die Charakterstärke, den Kampfesmut und die Wider- Standsfähigkeit unserer Vorfahren hätten. Man sträube sich auch heute noch unter Ausflüchten und Zwischenlösungen vor der richtigen Erfassung der Situation, man will sie noch nicht w ahr haben. Wir haben heute nichts mehr von außen zu erwarten, wir müßten vielmehr Palästina in das Zentrum unseres Wirkens stellen, da Palästina der einzige Ort sein wird, wo die bewußt jüdische Welt die Möglichkeit ihrer Bewährung findet. Blumenfelds tiefes und gedankenreiches Referat wirkte so eindrucksvoll, daß man beschloß, eine Diskussion nicht stattfinden zu lassen. — Die Tagung war ein voller Erfolg, was schon daraus hervorgeht, daß die Zwickauer Ortsgruppe 15 neue Mitglieder aufnehmen konnte. Die Tagung hat den sächsischen Ortsgruppen einen guten Anstoß zu neuer Arbeit gebracht. Gleichzeitig hat die Tagung unsere Bindungen zu den tschechoslowakischen Freunden, die sich auch zahlreich an der Tagung beteiligt haben, verstärkt. Herr Korn aus Dresden legte den Vorsitz nieder und fand für seine Tätigkeit den Dank des Verbandstages. Der Sitz des Oruppenverbandes wurde nach Leipzig verlegt und Herr Schwadron aus Leipzig gemeinsam mit den Vorsitzenden der einzelnen Ortsgruppen zum Vorstand gewählt. _ Dr. Hans Lewin. Bamberg. Der Jungzionistische Kreis setzte auch im März und April seine regelmäßigen Zusammenkünfte fort. Am 23. März veranstalteten wir eine interne Purimfeier; am 30. März sprach cand. med. Franz Brüll über ״Zionismus und Kommunismus“; am 12. April referierte cand. med. Hans Strauß über das Thema ״Weizmann und seine politische Führerschaft“. Peßach veranstalteten wir in der Wohnung von Ing. Ludwig Schmitt unter Leitung von Dr. S. Weichselbaum einen Sederabend, an dem 23 Angehörige des Jungzionistischen Kreises teilnahmen. Am 2. Mai hielt Ing. Schmitt ein Pressereferat, in dem er eingehend die palästinensischen Ereignisse der letzten Monate behandelte. Dank der intensiven Tätigkeit des vor einen» Jahr gegründeten Jungzionistischen Kreises ist es uns gelungen, eine Anzahl junger Menschen für unsere Idee zu gewinnen, von welchen sich bereits zwei zur Hachscharah gemeldet haben. Frankfurt a. M. (Bunter Abend des Keren Kajemeth Lejisrael.) Am 4, Juni fand in beiden Sälen der Frankfurt-Lojje ein bunter Abend statt, zu dem der Keren Kajemeth Lejisrael in Gemeinschaft mit der Wizo, dem Bar Kochba; der Frankfurter Zionistischen Vereinigung und samtliehen in der Z. V. f. D. vereinigten Frankfurter zionistischen Sonderorganisationen und Jugendgruppen eingeladen hatte. Den Löwenanteil des Programms bestritt der Bar Kochba, dessen verschiedene Altersgruppen in mehreren Nummern sportlich und ästhetisch erfreuliche Leistungen darboten. Beide Programmteile wurden durch a cappella-Chöre des unter Fritz Saalbergs Leitung stehenden Hebräischen Chores eingeleitet. Weitere künstlerische Darbietungen waren Tänze nach jüdischen Melodien, getanzt von Lotte Bickhardt und Ruth Ansbacher, sowie Jargonlieder, vorgetragen von dem Rundfunktenor Davis Näselewicz. — An dieser Stelle ist auch die gelungene Begrüßungsansprache zu erwähnen, die Dr. Saili L e v i in witziger gereimter Prosa, hebräisch und deutsch gemischt vortrug. Den Clou des Abends bildete ohne Zweifel ein Film ״Der Oe Iba um“ in zwei Teilen, vorgeführt von dem Autor, Architekt Richard Kauf- V