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Jüdische Rundschau · 1932-06-08 · Heft 45-46 (8.6.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 45-46 (8.6.1932)
Date
1932-06-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45/46, 8 VI. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 215 Die »Kameraden" Von Ernst Markowicz. Der ״Deutsch-jüdische Wanderbund Kameraden“ hat sich in den Pfingsttagen 1932 gelegentlich einer Führertagung in Kassel aufgelöst.. Es geziemt sich, diesem recht bedeirtungsvollen Ereignis einige Betrachtungen zu widmen, da die Ent- Wicklung der ״Kameraden“ deutlicher als die eines anderen Bundes die verschiedenartigen Tendenzen zeigt, die im deutsehen Judentum und speziell in der deutsch-jüdischen Jugend seit 15 Jahren lebendig sind. Der knappe mir zur Verfügung stehende Raum gestattet nicht, auf eine Fülle interessanter Pro bleme und Vergleiche einzugehen, die besonders die beiden Pole ״Blau-Weiß“ — ״Kameraden“ betreffen; es soll daher hier nur ein kurzer Ueberblick über das Gegenspiel der innerhalb der ״Kameraden“ wirksamen Kräfte gegeben werden. Bei der Gründung der ״Kameraden“ waren drei verschiedenartige Gruppen beteiligt, deren Wirksamkeit man noch lange verfolgen kann: Ein großer Teil der Führer stammte aus den Reihen der deutschen Pfadfinder- und Wandervogelgruppen, ein andrer Teil aus dem Jüdisch-liberalen Jugendverein und ein dritter aus ausgesprochenen C. V.-Kreisen. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis diese drei Teile sich verschmolzen. Die ersten brachten die Formen des deutschen Wandervogelbetriebes, die einfache Kleidung, das Lied, die Klampfe und den rauhen Ton. Sie waren etwas antiintellektuell, an der Tendenz nicht sehr interessiert, aber recht unjüdisch und deutschgesinnt. Die zweiten brachten die religiöse Ueberzeugung, den jüdischen Willen, die Lust an Diskussion und Ideologie, sie waren deutsch, aber ohne starke Betonung. Die dritte Gruppe, die die erste wahre Führergeneration stellte, brachte bereits eine Eeprägte Form mit, und zwar die des C.-V. ״Synthese von ׳eutschtum und Judentum“. Dieser Grundgedanke wurde von den Brüdern Erich und Joseph Hirschberg, den Söhnen des in Breslau wohlbekannten Centralvereinsführers, des (inzwischen verstorbenen) konservativen Justizrats Hirschberg, der jungen Bewegung in bewußtem Gegensatz zum zionistischen Blau-Weiß aufgeprägt und am Himmelfahrtstage 1917 wurde der ״Jüdische Wanderbund Kameraden“ offiziell gegründet. Der Bund kam als Gegenbewegung zum B. W. einem sehr starken Bedürfnis entgegen, da er all den jüdischen Jungens und Mädels, die in den Wandervogel- und Pfadfinderbünden keinen Platz mehr fanden, die Möglichkeit zu jugendlicher Betätigung gab, und wuchs in kurzer Zeit, besonders nach 1919, überraschend schnell an. Es ist für diese erste Periode sehr charakteristisch und für die Entwicklung des Bundes ausschlaggebend, daß sich die ״Kameraden“ der oft versuchten Bevormundung durch den C. V. stets sehr energisch zu entziehen wußten (obwohl sie an sehr vielen Orten den C. V.-Gruppen ihr Entstehen verdankten), sowie sie sich auch stets mit Erfolg dagegen wehrten, vom K. C. als Nachwuchsbewegung betrachtet zu werden. Natürlich sind viele ״Kameraden“ im K. C. gelandet, aber fast stets haben sie von diesem Moment an die Verbindung mit den ״Kameraden“ verloren. Der Gegensatz zwischen Jugendbewegung mit ihrer konsequenten Ablehnung von Konvention, mit Ablehnung von Alkohol und Nikotin und zwischen der korpsmäßig eingestellten K. C.-Verbindung war eben zu groß, trotz der ähnliehen Tendenz. — Sicher ist in keinem jüdischen Jugendbund Deutschlands soviel über die Grundtendenz des Bundes diskutiert und gekämpft worden wie in den ״Kameraden“, Die verschiedenen Elemente des Bundes lösten sich nie völlig auf, sie beeinflußten sich zwar, entwickelten sich jedoch getrennt voneinander weiter, wobei der ursprünglich maßgebende zusammenhaltende Centralvereinsgedanke immer mehr an Kraft verlor und sich schließlich wie ein Schemen verflüchtigte. Am ersten Bundestage des, ,deutschen Gesamtbundes 1921ia, Metzlersreuth kämpft man um die gemeinsame Formel, die die wichtigsten Gruppen, die ״Deutschen“ und die ״Juden“, Zusammenhalten soll. Die ״Juden“ argumentieren: ״Wir sind selbstverständlich Deutsche, brauchen daher das Deutschtum nicht hervorzuheben, es umgibt uns und erfüllt uns; das Jüdische dagegen fehlt uns, wir suchen es, es stellt uns Aufgaben kultureller und religiöser Art, es ist unser Charakteristikum den anderen gegenüber, das hervorgehoben werden soll; daher wollen wir uns ,Jüdischer Wanderbund׳ nennen.“ — Die ״Deutschen“ sagen wiederum: ״Wir sind stolz auf unsere jüdische Herkunft und wollen dem auch Rechnung tragen, jedoch haben wir auch deutsche Aufgaben. Beschäftigung mit deutschem Kulturgut, Anteilnähme an den gemeinsamen Zielen der deutschen Jugendbewegung ist wesentliche Aufgabe der Kameraden.“ — Man einigt sich auf die Formel von der Schaffung des ״deutsch* Jüdischen Menschen“. ״Der Jude, der, aus den besten Quellen jüdischer Kultur und Vergangenheit schöpfend, sich durch Wandern mit deutscher Landschaft und deutschem Volkstum verknüpft und seine besten Kräfte dem deutschen Volke darbringt“, er war das Ideal, dem man nachstrebte. Dieses Streben fand seinen Ausdruck im Programm und im Namen ״Deutsch jüdischer Wanderbund Kameraden“. Am gleichen Tage jedoch legte ein bedeutsames Ereignis bereits den Keim zur künftigen Spaltung in den Bund. Als Gast der Tagung war, vom Schreiber dieser Zeilen veranlaßt, Franz Rosenzweig bei den Kameraden erschienen, und wenn auch sein öffentliches Auftreten ohne allgemeine Wirkung war, war der Eindruck, den seine Persönlichkeit und seine Gesamtauffassung auf einige der reifsten und höchststehenden Führer machte, um so nachhaltiger. Von diesem Augenblick an wurde Franz Rosenzweig der eigentliche Neu- Schöpfer einer der aktivsten Gruppen bei den ״Kameraden“, und nirgendwo ist wohl seine reale Bedeutung größer gewesen als hier, wo mittelbar durch seinen Einfluß Hunderte dem Judentum zurückgewonnen wurden. Der folgende Abschnitt der ״Kameraden“-Geschichte wird charakterisiert durch die Auseinanderentwicklung der ״deutsehen“ und der ״jüdischen“ Richtung, die sich eben so mühselig geeint hatte. Die jüdische Richtung, deren Führer Martin Goldner aus Breslau war, versuchte, nach dem Grandsatz Rosenzweigs zu leben: ״Nichts Jüdisches sei dir fremd“. Dieses ״Jüdische“ wurde allerdings damals rein religiös und kulturell betrachtet, eine starke und fruchtbare Belebung des Religiösen setzte ein, in fast neuschöpferischer Form wurden Freitag-Abend-Feiern und Gottesdienste veranstaltet, bei deren Liturgie Rosenzweigs Ucbersetzungen benutzt wurden. Der Eindruck auf die Teilnehmer war jedesmal sehr groß, leider strahlte jedoch von diesen Feiern kein belebender Schein in die alltägliche Wirklichkeit hinaus, selbst HebrHsch-lemen (aschkenasisch) und jüdische Geschichte wurden nicht energisch betrieben und die Verbindung zum jüdischen Volk blieb rein literarisch. Chassidische Geschichten von Buber waren große Mode, aber die Ostjuden kannte man nicht oder stand üinen kalt und fremd gegenüber. — Aut der anderen Seite wurde diese ״Judentümelei“ von vielen jungen Menschen abgelehnt, die keine Beziehung zum Jüdisch-Religiösen hatten. Diese Menschen lehnten nun, da sie das Judentum in anderer Form nicht kannten das Jüdische völlig ab und schlossen sich den ״deutschen“ Gruppen an. Diese Gruppen hatten sich inzwischen auch weiterentwickelt und ihre eigene Form gefunden. Sie sahen ihr Ideal im gemeinsamen Ringen mit nichtjüdischen Bünden um ״neues Deutschtum“, wobei die Begeisterung für deutsches Mittelalter und altertümliche Formen eine ebensolche Rolle spielten wie das Goethesche ״Bildungsideal“ und der Einfluß des Kreises um Stefan George. Die Abneigung dieser Gruppen gegen die ״Jüdische Richtung“ führte zum inneren Separatismus des ״Ringes“, unter Führern wie Lothar Hecht (Breslau) und des (kürzlich verstorbenen) Ernst Wolff (Wiesbaden). Die jüdische Richtung war jedoch nicht so festgewurzelt wie es schien. Nachdem sich die Führer dieser Richtung, Martin Goldner, Erich Hirschberg, Hans Bach u. a., im ״Aelterenbund der Kameraden“ (Ae. B.) zusammengeschlossen und vom Hauptbund getrennt hatten, trat die jüdische Gruppe einen Rückzug an und der ״Ring“ umfaßte wesentliche Teile des Bundes. Wie weit der Vormarsch der ״Deutschen“ damals ging, erhellt aus der Tatsache, daß im Jahre 1924 allen Ernstes die Frage diskutiert wurde, ob man Christen (regelrechte deutsche Christen, nicht etwa getaufte, zum Judentum zurückwollende Juden) in den Bund aufnehmen könnte. Eine Reaktion auf diese jahrelangen Tendenzkämpfe bildete die jetzt aufkommende Jungführerschaft, die mit einem ganz neuen Prinzip, der bewußten Tendenzlosigkeit, eine neue Aera der ״Kameraden“-Entwicklung begann: ״Wir wollen uns nicht in den engen Rahmen einer Tendenz spannen lassen; eine richtige Erziehung des Jungen zum selbständigen Denken wird ihn zur gegebenen Zeit schon die richtige Ent- Scheidung treffen lassen.“ Diese tendenziösen ״reinen Erzieher“ waren natürlich unbewußt doch Assimilanten, da ja Assimilation nicht Sache der Tendenz, sondern des Milieus ist und die Schaffung eines jüdischen Milieus wäre ihnen schon als bewußte Tendenz erschienen. Es ist interessant, an dieser Stelle auf die Parallele zum J. P. D. hinzuweisen, der sich ja bekanntlich aus ähnlichen Motiven vom ״Kadimah“ getrennt hat. Auch der J.P. D. lehnt die bewußte ideologische Beeinflussung der Jugend ab, jedoch erkennt er im Gegensatz zu den tendenziösen ״Kameraden“ sehr richtig, daß eine ״natürliche“ Erziehung des Juden eben die Natur und Gegebenheit des Juden zum Ausgangspunkt nehmen muß, und er versucht daher, das jüdische Kind geistig und seelisch in einer Atmosphäre aufwachsen zu lassen, wo sein erwachendes Geschichtsbewußtsein nicht unbewußt durch andersartige historische Eindrücke vergewaltigt wird, oder wo wenigstens die Vergewaltigung seitens der deutschen Schule ausgeglichen werden kann. Die tendenziösen ״Kameraden“ haben die besondere Situation des Juden nicht erkannt, und dieser Fehler hat dem Judentum viele Menschen entfremdet. — Neue starke Kräfte ließen jedoch die ״Kameraden“ nach dem Austritt des positiv-jüdischen Ae. B. und dem allmählichen Rückgang des ״Ringes“ nicht zur schönen Ruhe der Tendenzlosigkeit kommen. Schon seit Jahren gab e» starke sozialistische Gruppen im Bund, und besonders einige Berliner Führer hatten stets darauf gedrängt, den Bund auf ein sozialistisches Bekenntnis, zum mindesten aber auf soziale Arbeit festzulegen. Die neue sozialistische Welle erfaßte viele Mitglieder, da sie für so manchen eine Art Erlösung bedeutete. Das religiöse Judentum sagte vielen nicht zu, das Bekenntnis zum Nationaljudentum hätte einen zu energischen inneren Schritt bedeutet; obwohl man das Nationaljudentum objektiv schon anerkannte, waren doch die inneren Voraussetzungen infolge der Karneradenerziehung nicht vorhanden. Ein ehrliches Bekenntnis zum Deutschtum wurde allmählich infolge der immer unverhüllteren Ablehnung seitens der deutschen Deutschtümler etwas peinlich, andererseits drängte sie ihr ehrlicher, idealistischer Wille nach Betätigung und fand sie im Sozialismus. Die deutschen sozialistischen Arbeiter waren zudem nicht antisemitisch, kurz, es war ein naheliegender Ausweg, der in den meisten Fällen die jungen Menschen zu nichts vernichtete, ihnen aber innere Befriedigung und ein gewisses Betätigungsgebiet verschaffte. So sind Kameraden ohne oder mit Austritt aus dem Bund in großen Mengen zur K. P. D., K. P. O. S. P. D. und S. A. P. gegangen. Inzwischen waren aber pie ״Juden“ nicht müßig, geblieben. Der Einfluß von Franz Rosenzweig war nicht tot und die Verhältnisse hatten sich auch sehr geändert. Um die Person von Hermann Gerson, der dem Kreis des Ae. B. entstammte und in engem Konnex mit dem jü Tuchen Leben an der Berliner ״Schule der jüd. Jugend“ steht, konzentrierte sich eine neue feste Gruppe, die die sozialistischen Tendenzen sehr betont in sich aufnahm, ernsthaft jüdisch und hebräisch arbeitete und, was das wichtigste war, endlich für die ״Karneraden“ das jüdische Volk entdeckte. In immer stärkerem Maße entwickelten sich Im ״Kreis“ Gereons unausgesprochen nationale Tendenzen; der Palästinaaufbau wurde bejaht (was früher der Ae. B. getan hatte); und das jüdisch-kulturelle Streben, das bei dem ersten jüdischen Aufschwung der ״Karneraden“ in der Luft geschwebt hatte, erhielt nun einen gesunden Unterbau. Kraft ihres testumrissenen Programms, kraft der zähen Arbeit einer Führerpersönlichkeit wie Hermann Gerson und kraft der zu Entscheidungen drängenden Zeitentwicklung gewann die Gruppe an Boden. Gegen sie kämpfte ein buntes Gemisch aus Sozialisten, Deutschen, Tendenziösen und anderen Gruppen. Es ist als großer Gewinn für die jüdische Sache zu buchen, daß Gerson schließlich Pfingsten 1932 den Sieg davongetragen hat. Es ist gut, es ist sehr gut, daß der Schnitt, den der Schreiber dieser Zeilen als interessierter Beobachter schon seit Jahren erwartete, endlich getan worden ist. — Von Hermann Gerson und seiner Gruppe, die ca. vier Fünftel des aufgelösten Bundes umfaßt, und die nun von jeder hemmenden Kette befreit ist, erwarten wir kraftvolIes; eindeutig-jüdisches Handeln. Ob sich seine Gruppe nun in irgendeiner Form der jüdisch-nationalen Front angliedert oder ob sie es vorläufig nicht tut auf jeden Fall dürfen war in dem Tag von Kassel ein Ereignis von großer Bedeutung sehen. Ein großer und bedeutender Teil der jüdisehen Jugend Deutschlands sagt dem Zwitterzustand ab und bekennt sich eindeutig nicht mehr nur zur jüdischen Vergangenheit wie einst in Metzlersreuth, sondern zur jüdischen Zukunft. Die Kinder der Repräsentanten der früheren Generationen, die noch heute in den Gemeindestuben krampfhaft die Fenster zuhalten wollen und diktatorisch ihre Majorität ausnutzen, die Kinder dieser Menschen hatten in den ״Karneraden“ ihren großen und bedeutenden Bund. Sie gehen ״den Weg zurück“, nein, den Weg vorwärts, den das jüdische Volk einschlägt, um seine Zukunft jüdisch zu gestalten. Landung verholen Die Verfügung des palästinensischen Einwanderungs-Kommissärs Hyamson, der vier Touristen die Landung in Palästina verboten hat, weil sie ״verkappte Einwanderer“ seien, findet in der palästinensischen Presse lebhaften Widerspruch. ״Dawar“ weist darauf hin, daß die Palästina- Regierung laut Mandat verpflichtet ist, die jüdische Ein- Wanderung zu fördern. Daß ein Ankömmling ״verdächtig“ sei, im Lande bleiben zu wollen, sei noch kein Grund dafür, ihm die Landung zu verbieten, wenn seine Papiere in Ordnung sind. Sollte sich später ein Konflikt mit den bestehenden Gesetzen ergeben, hat die Palästina-Regierung noch immer genügend Möglichkeiten, das Gesetz zur Anwendung zu bringen. In der Tat muß gesagt werden, daß ein solches Verhalten egenüber jüdischen Touristen das größte Befremden ervorruft. Die Palästina-Regierung, die unter dem neuen High Commissioner bestrebt zu sein scheint, die Beziehungen zwischen Juden und der Administration zu verbessern, sollte sich bewußt sein, daß durch derartige Schikanen ein starker Unwille angesammelt wird, der in keinem Verhältnis steht zu dem dadurch erzielten Effekt, In aller Kürze So ko low tritt am 6. Juni an Bord der ״Bremen“ die Rückreise nach Europa an. Am 31. Mai abends fand im Hotel Astor in New York ein Abschiedsbankett zu Ehren Sokolows statt, das von Judge Mack geleitet wurde. Dem neuen französischen Kabinett gehören einige französische Staatsmänner, die sich in der Pro Palästina-Bewegung sehr hervorgetan haben, an; so u. a. der Minister für Hygiene Justin Godart, Präsident des Comite France - Palestine, der Unterrichtsminister Senator de M on zi e , der Luftfahrtsminister und frühere Premier P a i n I e v 6 u. a. m. Auch der Ministerpräsident und Außenminister Herriot hat sich bei wiederholten Gelegenheiten rückhaltlos für die zionistischen Ziele ausgesprochen. Unter dem Vorsitz des Präsidenten des zionistischen A.-C., Motzkin, versammelten sich in Jerusalem die Mitglieder der Zionistischen Exekutive sowie 22 iri Palästina lebende Mitglieder des A.-C., um über die zionistische Situation m beraten. Es wurde (wie alljährlich) ein Beschluß gefaßt, daß die nächste Sitzung des A.-C. in Palästina stattfinden soll. Die nächste Convention der amerikanischen Zionisten findet am 3. Juli in Philadelphia statt. Der Vorsitzende der amerikanischen Organisation, Robert Szold, veröffentlicht einen Aufruf, worin er betont, daß die Hauptaufgäbe der Convention die Konsolidierung der amerikanischen Organisation und die Neugewinnung von Mitgliedern sei. Den Mitteilungen des Einwanderungsamtes ist zu entnehmen, daß im April d. J. 814 Juden als Einwanderer in Palästina registriert worden sind, darunter 563, die als Touristen einwanderten und nachträglich die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt erhielten. In dem gleichen Monat wanderten 33 Juden aus. Im englischen Unterhause richtete Col. Wedgwood an den Staatssekretär in Indien Sir Samuel Hoare die Frage, wie viele von den bei dem Judenpogrom in Aden׳ verletzten 60 Personen Juden und wie viele Araber wären.. Sir Samuel Hoare erwiderte, er habe telegraphisch eine Liste von 25 verletzten Juden erhalten; ob die übrigen Verletzten Juden oder Araber wären, sei ihm nicht bekannt. Er er־j warte einen ausführlichen brieflichen Bericht. Inzwischen habe er vom Polizeikommissar in Aden telegraphisch die Mit-׳ teilung erhalten, daß die Lage dort normal sei. Zur britischen Reichskonferenz in Ottawa begibt sich eine Abordnung jüdischer Pflanzer Pa■־ I ä s t i n a s , um Zollfreiheit für palästinensische Produkte in den Territorien des British Empire durchzusetzen. Die Ab- Ordnung besteht aus Tolkovsky, dem Geschäftsführer der Ge- Seilschaft ״Pardess“, Rokach, und dem Advokaten Bernhard Joseph. Die arabischen Züchter, die anfänglich die Absicht hatten, Vertreter für eine gemischte arabisch-jüdische Delegation zu ernennen, haben eine Teilnahme nachträglich abgelehnt. Prof. F. S. Bodenheimer von der hebräischen Universität Jerusalem wurde anläßlich der Goethe-Jahrhundertfeier zum ordentlichen Mitglied der Kaiserlich Leopoldischen deutsehen Akademie für Naturforschung gewählt, deren Mitglied Goethe war, und die eine der ältesten europäischen Akademien ist. Wie das zionistische Zentralbüro mitteilt, ist Herr Berl Locker, Mitglied der Exekutive, soeben von seiner Intormationsreise, die ihn nach Belgien, Oesterreich, Tschecho- Slowakei und Deutschland tührte, nach London zurückgekehrt. Emanuel N eu man hat sich von Palästina auf eine Reise nach Europa und[ AmmR# begeh«!• X0r seiner Abreise, besachten Neutnan, Arlosoroff und Färbstein den High Cömmissioner, der u. a. mitteilte, daß der French-Bericht im Verlauf der nächsten Woche der Jewish Agency und der Arabischen Exekutive zugehen wird. Von Oktober 1932 ab wird die Universität Jerusalem besondere Immatrikulationsprüfungen für solche Kandidaten abhalten, die kein Zeugnis einer ausreichenden Vorbildung besitzen. Sigmund Th au aus New York stiftete zum Andenken an seine Gattin Devora Thau einen Studentenfonds, aus dem alljährlich zehn Studenten der Universität Jerusalem für je ein Jahr Stipendien erhalten sollen. Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Oxford Unfversity Zionist Society fand im Randolph-Hotel zu Oxford ein Diner statt, dem mehrere der Gründer der Gesellschaft beiwohnten. Ansprachen hielten Leonard Stein, Professor S. Brodetsky und Harry Sacher. Der Zentralrat der Zionistischen Föderation in Belgien, der sich aus Vertretern aller zionistischen Richtungen mit Ausnähme der Revisionisten zusammensetzt, wählte ein föderatives leitendes Komitee, dem seitens der Allgemeinen Zionisten Dr. Torczyner, Pitzele und Schulsinger, seitens des Misrachi Genachowski und Lindenbaum, seitens der vereinigten sozialistisehen Zionisten Lipschitz und Trachtenberg angehören. Ein Sitz wurde für die Brüsseler Zionisten und zwei Sitze wurden für die Revisionisten reserviert. Mit dieser Regelung ist die seit dem letzten Zionistenkongreß andauernde Krise in der Leitung des belgischen Zionismus beseitigt. Die Familie des verstorbenen belgischen Zionistenführers Jean Fischer hat einen Fonds gestiftet, aus welchem Kolonisten, die sich in der Palästina-Kolonie ״Kfar Jona“, die den Namen Jean Fischers trägt, niederlassen wollen, Darleben zur Anschaffung von Inventar, zur Anpflanzung von fünf Dunam Boden mit Orangen erhalten werden. Das Triester Palästina-Büro gibt einen Bericht über die Wanderung nach Palästina über den Triester Hafen aus, dem zu entnehmen ist, daß i. J. 1931 4028 Personen, 1934 Männer und 2094 Frauen, den Triester Hafen auf dem Wege nach Palästina passiert haben. Die palästinensische Kolonisten-Vereinigung hat eine Subskription auf Aktien einer neu gegründeten (kooperativen) Bauernbank eröffnet. Im ganzen werden Aktien über 5000 Pfund angeboten. Die Palestine Economic Society in New York hat 2000 Pfund versprochen. Die Bank wird bäuerlichen Einzelbesitz bis zu 50°'o seines Wertes beleihen und außerdem auch die Kontrolle der Ansiedlung des Mittel- Standes übernehmen. Vom 28. bis 30. Juni findet in Wien der VIII. Nationalitätenkongreß (Kongreß der nationalen Minderheiten), dem über 40 Minderheiten in Europa mit etwa 40 Millionen Seelen angeschlossen sind, statt. Auf dem Kongreß werden auch diesmal jüdische Minderheiten in verschiedenen Ländern vertreten sein. In dem Prozeß gegen die 17 Polizeibeamten und Mitglieder der Schiitzengarde ״Eiserner Wolf“, die angeklagt w׳aren, im November 1929 in der Kownoer Vorstadt SI a b o d k a einen Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung arrangiert und durchgeführt zu haben, wurde ein Angeklagter zu neun Monaten, einer zu sechs Monaten, sechs zu je vier und vier Angeklagte zu je drei Monaten Gefängnis wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt. Fünf Angeklagte wurden freigesprachen.

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