Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 45-46 (8.6.1932)
- Date
- 1932-06-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 214 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 45/46, 8. VI. 1932 im Kochtopf. O, was für eine Freude ist so ein Augenblick für den Menschen, welcher in dem Acker verwurzelt ist! Nach der Lehre der Sadduzäer konnte manchmal die ganze PeBachwoche vorübergehen, ehe dem Volke diese Freude zufeil wurde, und zwar, wenn der Sonntagmit dem letzten Pefiachtage zusammenfiel. Die Schriftauslegung der Pharisäer sicherte schon mit dem 2. Pefiachtage die Freigabe der Feld f nicht. Durften es aber die Pharisäer riskieren, daß damit der 50. Tag der Zählung, nämlich Schawuoth, auf einen Termin fiel, der nicht dem direkten Wortlaut der Schrift entspricht? Sie durften es. Das Synhedrion hatte die Vollmacht hierzu. Wann immer Israel seine Feste ausruft, sind es Feste des Herrn. Die Chachomim *»rauchten für die Regelung der Sache noch eine Anlehnung an das Schriftwort, die sie ohne Schwierigkeit fanden. Noch etwas Großes hatten die Pharisäer mit ihrer Schrift- Auslegung erreicht. Sie hatten für Schawuoth das feste Datum des 6. Siwan gesichert und damit die Bedeutung als Fest der Gesetzgebung, Den Sadduzäern war diese Sinngebung nicht möglich gewesen, weil ihr Schawuoth nur in seltenen Fällen auf den 6. Siwan fiel. Und vielleicht hat der Gesichtspunkt von ״Seman Mattan Thoratena“ als Zeit der Gesetzgebung die Schriftauslegung der Pharisäer noch stärker beeinflußt als der Gedanke an die Freigabe der Feldfrucht. Denn es hatten sich die Zeiten geändert. Das jüdische Volk war nicht mehr vorwiegend ein Bauernvolk. Handel und städtisches Gewerbe fand im Lande Israel immer mehr Raum. Und vollends in der Galuth, wo schon der größere Teil unseres Volkes lebte, war seine ganze Existenz auf Handel, Handwerk, Industrie und Militärdienst aufgebaut. Das Fest der Erstlinge der Weizenernte war nicht mehr beziehungsreich genug für die Masse des jüdischen Volkes und Schawuoth entbehrte noch der weiteren, religiösen Symbolik. Die Gefahr lag nahe, das Fest werde in seiner universalen Geltung so geschwächt werden, daß die Wallfahrer des Auslandes fernblieben. Da hat die neue Sinngebung der Pharisäer die Wertung des Festes in der jüdischen Gesamtheit unerhört gestärkt Etwa um die Zeit des Anfanges der heutigen Zeitrechnung scheint sie sich im Judentum durchgesetzt zu haben. Philo und Josephus, welche 1—2 Generationen später leben, ist sie noch nicht bekannt. Für diese ist Schawuoth lediglich das Fest der Weizenernte. Aber das Buch der Jubiläen, dessen Abfassung man in die letzte vorchristliche Zeit verlegt, weiß schon etwas von dem Fest der Gesetzgebung. Andererseits schießt das Buch der Jubiläen noch über die Sadduzäer hinaus und fixiert Schawuoth auf den 15. Siwan. Ich bin mir dessen bewußt, ich habe meinen Lesern in diesem Aufsatz mehr zugemutet, als es für einen Festartikel üblich ist. Aber ich denke mir, die Erwachsenen sind von den Kindern nicht so verschieden: Sie wollen nicht immer nur auf das Ziffernblatt schauen, manchmal freut es sie, auch in das Uhrwerk hineinzugucken. Und noch eines wollte ich erreichen. Vor zwei Jahren las ich in der ״C.-V.-Zeitung“ den Schawuothartikel aus der Feder eines separatorthodoxen Rabbiners, der ungefähr schrieb: Mit dem Peßachfeste, als dem Feste der Befreiung, haben die Zionisten von jeher ihr Spiel getrieben. Aber an Schawuoth können sie nicht heran, das ist das Fest der Gesetzgebung. Da dacl»te Ich mjr: Die Ahnungslosigkeit über jüdische Zusammenhänge ist doch kein Vorrecht der Reformrabbiner. Manchmal trifft es auch die orthodoxen. Geht man auf die Thora zurück, dann hat keines der jüdisehen Feste den Erdgeruch unseres Landes so stark in sich eingezogen als gerade das Schawuothfest. Das müssen auch unsere Weisen empfunden haben. Denn als es sich darum handelte, aus den Kethubim, der 3. Abteilung der Bibel, eine geeignete ״Rolle“ für das Schawuothfest herauszusuchen, da wird es eine Ueberlegung gegeben haben. Für das Fest der Gesetzgebung war kein anderes Buch aus den Kethubim als das Buch Nehemia das gegebene. Esra, der Schreiber, im Freien auf der Lehrkanzel stehend, das Mosesgesetz vorlesend vor allem Volk und es deutend vom Frührot des Tages an, bis die Sonne am Mittag stand. Das ist in den spateren Büchern der Bibel wohl das wuchtigste Gegenstück zum Tage der Offenbarung am Sinai. Die Weisen sind daran vorübergegangen. Sie wollten dem jüdischen ״Acker“ Ehre erweisen und wählten das Buch Ruth, weil sie darin die Bemerkung fanden: ״Und es war zu Beginn der Weizenemte“. Für Schawuoth bleibt eben Chag Habikkurim, das Fest der Erstlinge, die primäre Bedeutung, und die theologische muß dahinter zurücktreten. Landleute auf allen Straßen der Hauptstadt zu strömend, Erstlinge schwingend und Hallei singend, das ist die für Schawuoth besondere Note der Vorfreude. Unsere Chaluzim haben wohl daran getan, diese Symbolik zu übernehmen und auszubauen. In der Schawuothwoche stellen sie in einem Festzuge alle Erstlinge aus Feld, Weinberg und Garten, vom Rinderstall und von der Weide, aus Hühnerhof uritö Taubenhaus zur Schau. Und dieser ganzen Pracht lassen sie die jungen Menschenkinder voranfahren, mit welchen der Allgütige unser Volk in unserem Lande das vergangene Jahr beschenkt hat. Die Finanzen der Palästina-Regierung In der ״Official Gazette“ vom 1. Mai wurde der Finanzbericht der Palästina-Regierung für 1931 veröffentlicht. Die Einnahmen während des Jahres betrugen £P 2 333 894. Sie setzten sich wie im Vorjahre hauptsächlich zusammen aus: Zöllen £P 922 089, Lizenzen, Steuern usw. £P 604 771, Gerichtseinnahmen usw. CP 248 630, Post- und Telegraphenamt £P 207 757. Ferner ist eine Subvention der britischen Regierung für Landesverteidigung in Höhe von £ 223 000 hervorzuheben. Die regulären Ausgaben der Palästina-Regierung im Laufe des Jahres erreichten eine Höhe von £P 2182 000, was zusammen mit den Extraausgaben für öffentliche Arbeiten £P 105 000 und der Deckung des Defizites der Eisenbahn von £P 68 000 usw. einen Betrag von £ 2374865 ergibt. Das Defizit der Regierung betrug demnach nahezu £P 42 000. Die Hauptposten der Ausgaben waren: Polizei- und Gefängnisvervvaltung £P 470 000, zusammen mit dem Budget für transjordanischen Grenzschutz und Landesverteidigung: £P 766 000; Erziehungswesen £P 147 000, Post- und Telegraphenamt £P 152000; wiederkehrende Ausgaben für öffentliehe Arbeiten £P 180000; Gesundheitswesen £P 105 000; öffentliche Schulden und Anleihezinsen usw. £P 124 000. Eine nicht detaillierte Summe von £P 151 00Q erscheint unter ״Verschiedenes“. Da! ״internationale“ Haifa Von unserem palästinensischen Korrespondenten. Unter palästinensischer Korrespondent hat kürzlich eine Stadien. reise nach dem nördlichen Palästina unternommen, um unseren Lesern vor allem Ober die Entwicklung der Stadt Haifa, des künftigen handelspolitischen Zentrums des Landes, zu berichten. Wir veröffentlichen nachstehend den ersten Artikel einer diesem Thema gewidmeten Artikel- Serie, Red• gl, Haifa, 24. Mai 1932. Es ist noch gar nicht so lange her, da spielte Haifa in der zionistischen und palästinensischen Propaganda eine zentrale Rolle. ״Haifa, die Stadt der Zukunft“ — ״Erschließung der Haifaer Bucht“ — ״Haifa, das Einfallstor des Nahen und Mittleren Ostens“ — ״Haifa, der Hafen, die Mündüng der Oelleitung und der Bagdadbahn“ — so ungefähr lauteten einige der Schlagworte, die in die Welt hinausgingen. Bei dem raschen Tempo, in dem in Palästina die Entwiclelung vor sich geht, in dem man im Lande und in der Bewegung Dinge entdeckt und Dinge vergißt, dauerte Haifas ״Konjunktur“ nicht gar zu lange. Sie wurde abgelöst durch eine andere Reihe von Schlagworten und die hießen Plantagenwirtschaft, Häuserbau, intensive Kulturen. In dieser ״Zitrushausse“, wenn man so ein Wort prägen darf, stehen wir noch heute in Palästina. Der ״Pardess“ ist das A und O der Investitionen, der Siedlungspolitik und der Wirtschafts- Hoffnungen. Wie immer in solcher Zeit, sind Wamungsstimmen, die sich gegen die Einseitigkeit der Wirtschaft, gegen Monokulturen und Luxusprodukte erheben, nur vereinzelt und die vereinzelten werden auch kaum beachtet. Und vergessen oder in den Hintergrund gedrängt werden auch die Losungen und Schlagworte von gestern. Man redet heute nur wenig über Haifa, die ״Stadt der Zukunft“. Diese Stadt hat in den letzten Jahren eine Entwicklung durchgemacht, die man am besten als ״international“ ansprechen kann. Von allen Orten im Lande trägt allein Tel- Awiw den hundertprozentig jüdischen Charakter. Jerusalem ist ein besonderer Fall mit seinem Konglomerat bunt zusammengemischter Bewohner und seinen durcheinander geknäulten politischen und religiösen Interessen. Haifa, schon immer der Prototyp einer jüdisch-arabisch gemischten Stadt, bekommt in letzter Zeit ein spezielles Kolorit durch das Interesse des internationalen Kapitals, das noch vor der Fertigstellung des Hafens und vor dem Bau der Bahn oder Straße Haifa—Bagdad seine Anteilnahme an der Ent- Wicklung der Stadt bekundet. Schon vor längerer Zeit kamen verschiedene Industrieuntemehmungen, darunter solche, die vorher rein jüdisch gewesen waren, finanziell unter internationale Kontrolle. Und seitdem mit dem Ausbau des Hafens begonnen wurde, werden die Investitionsinteressen, vor allem der Oelkreise, immer deutlicher. Es ist kein Zufall, daß das Haifaer Stadtbild heute an hervorragender Stelle die riesigen Tanks der ״Shell-Company“ aufweist und diese ersten Bauten sind ja nur ein Vorläufer der Raffinerien, die mit dem Funktionieren der Pipeline erbaut werden sollen. Es lohnt sich eben heute schon, das Oel, das früher in Cantara stationiert war und per Schiff oder Bahn nach Palästina geschafft wurde, zu einem Teil in Haifa zu speichern und von dort aus zu verteilen.’" '■"',־1*1 ״ י 'י Aber damit kommen wir schon in die mannigfachen und verschlungenen Wirtschaftsprobleme Haifas hinein, die ein andermal besprochen werden sollen. Was auf den ersten Blick ins Auge springt, ist der gemischte Charakter dieser Stadt und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Kreisen ihrer Bewohner. Die Isolierung zwischen Juden und Arabern ist im Lande seit den Unruhen von 1929 übermäßig streng geworden. Ein Durcheinanderwohnen wird, wenn irgend möglieh, vermieden, die Juden, die in arabischen Gegenden gewohnt haben, bemühen sich, in jüdische Viertel überzusiedein. Als Folge davon ist Tel-Awiw, besonders sein Reichtum an Läden, beträchtlich gewachsen durch die Uebertragung Jaffaer Geschäfte nach der jüdischen Nachbarstadt, ln Jerusalem hat das Wachstum der modernen Außenviertel, vor allem Rechavias, in großem Maßstabe eingesetzt. Auch in Haifa gibt es eine derartige Tendenz, das Handelszentrum, erst vor ungefähr fünf Jahren erbaut, ist heute überwiegend jüdisch und das Wohnviertel Hadar Hakarmel am unteren Abhang des Höhenzuges gelegen, dehnt sich und wächst zu einem eigenen kleinen Städtchen, zusammen. Aber trotz aller dieser Tendenzen zu einer ״territorialen Konzentration“ der einzelnen Nationalitäten ist die strikte Isolierung, wie sie in Tel-Awiw in Reinkultur, in Jerusalem zu einem hohen Maße besteht, in Haifa nicht zu spüren. Es ist schwer zu sagen, ob die vernünftige Zusammenarbeit, die Juden und Araber in der Stadtverwaltung vereint, eine Folge oder die Ursache dieses näheren Kontaktes ist. Wie dem auch sei, eine gewisse Kooperation ist spürbar, und für einen Außenseiter, vor allem den Tel-Awiwer, der an die strenge Trennung gewohnt ist, geradezu überraschend. Es gibt zwischen den Juden und Arabern selbstverständliche wirtschaftliche Beziehungen, man benutzt gegenseitig die zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel, ohne sich zuerst anzusehen, wer sie betreibt, rechnet mit den gegenseitigen Bedürfnissen, stellt zum Teil auch gesellschaftlich in Konnex. Vielleicht ist es nicht nur durch wirtschaftliche Faktoren bedingt, daß gerade Haifa das Feld wurde, auf dem die ersten Versuche einer gemeinsamen jüdisch-arabischen Gewerkschaft gemacht wurden. Auch die Scheidung von den Engländern, sonst überall eine Selbstverständlichkeit, ist in Haifa weniger scharf, und es gibt doch eine Reihe wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bindungen, die sich vermutlich mit der stärkeren wirtschaftlichen Entwicklung noch steigern werden. Es soll damit keineswegs gesagt sein, daß nun etwa in Haifa das jüdisch-arabische Problem gelöst sei. Wir sind weit davon entfernt. Hier wie überall treibt der Nationalismus beider Seiten böse Blüten, hier wie überall gibt es für eine Verständigung noch ungeheuer viel zu tun, hier wie überall sind riesige Gebiete ökonomischer Kooperation noch gar nicht in Angriff genommen. Dennoch scheint dort die Luft leichter zu atmen und man sucht unwillkürlich nach einer Erklärung der von den anderen Städten abweichenden Geisteshaltung. Vielleicht wird man nicht fehl gehen, wenn man sowohl wirtschaftliche wie geistig-politische Faktoren für sie verantwortlieh macht. Haifa ist das Zentrum der Regierungsuntemehmungen, hier liegen die Werkstätten der Eisenbahn, hier wird der Hafen gebaut, hier in der Nähe liegt Athlith, wo in den riesigen Steinbrüchen in Regierungsregie das Steinmaterial für den Hafenbau gebrochen wird. In diesen Betrieben arbeiten Juden und Araber seit längerem gemeinsam, 18x1 als Folge davon hat hier zuerst eine übernationale Gewerkschaftsarbeit begonnen. Sie ist heute noch sehr lückenhaft, unvollkommen, und hat mit den mannigfachen Schwierigkeiten zu kämpfen, denen ein solches Unternehmen unter palästinensischen Verhältnissen notwendigerweise ausgesetzt ist. Aber sie besteht immerhin und muß ihren Einfluß ausüben. Eine gewisse weitere Erklärung für Lücken in der rassentrennenden Mauer ist eine Art Apolitismus, der in Haifa heimisch ist. Im Gegensatz zu Jerusalem und Tel-Awiw hat dort die Politik immer eine geringere Rolle gespielt. Die nationalen Organisationen haben ihre Zentren in den beiden anderen Städten, die nationale Agitation ist durch ein gewisses politisches Desinteressement gehemmt. Alles dieses zusammen ergibt eine natürlichere Atmosphäre, einfachere Beziehungen, weniger Dogmatismus. Es gibt Pessimisten, die der Meinung sind, wenn erst einmal die jüdische Initiative sich auch dort stärker auswirken wird, so würden sich die nationalen Gegen- Sätze, die ja ohnedies durchaus nicht fehlen, sondern nur schwächer in die Erscheinung treten, von neuem verschärfen. Das brauchte nicht zu sein. Denn die meisten oder alle wirtschädlichen Aktionen der Juden schlagen ja eher zum Ökonomischen Nutzen als zum Schaden des Nachbarvolkes aus. Wenn es gelänge, die schwachen Ansätze, die in dieser Stadt zu einer Verständigung bestehen, zu pflegen und weiter zu entwickeln, gemeinsame Interessen wirtschaftlicher Art zu kultivieren und zugleich den gegenseitigen Kontakt zu erhöhen, könnte Haifa aus seinen speziellen Verhältnissen einen entsprechenden Nutzen ziehen und vielleicht auch anderen Teilen des Landes einen Weg weisen. Keine Mißernte in Palästina Smilansky Aber die Fortschritte des Emek Die Befürchtungen, daß die anhaltende Dürre und der Regenmangel dieses Jahres in Palästina eine katastrophale Mißernte und Hungersnot zur Folge haben könnten, scheinen sich nicht bewahrheitet zu haben. Noch vor kurzem hat das Landwirtschafts-Departement der Regierung sehr pessimistlsche Prognosen ausgegeben und besonders die arabische Presse veröffentlichte sehr beunruhigende Schilderungen über die Lage der Landwirtschaft. Nunmehr bringt das Organ der palästinensischen Pflanzer, ״Boustenai“, in seiner letzten Nummer vom 25. Mai einen Leitartikel von Mosche Smilansky, einem der besten landwirtschaftlichen Fachleute Palästinas, worin es heißt: Die Hungersnot, die wir befürchtet haben, Ist nicht eingetroffen. Jeder Tag bestärkt die Erkenntnis, daß das Land vor der Katastrophe gerettet wurde. Die kühlen Frühlingstage haben den Boden gekräftlgt und die ausgebliebenen Regen des Winters ergänzt. Und auch die Regen selbst sind trotz ihrer Geringfügigkeit zur rechten Zeit gekommen und nicht mit Sturm und Ungestüm. Auch in der Natur bringen Taten Segen, die In Ruhe kommen. Der Verfasser stellt dann fest, daß nur die Getreidefelder in Judäa und im Jordantal gelitten haben, dagegen sind In allen übrigen Teilen Palästinas die E r n t e n g u t a u s g e f a 11 e n. In der Gegend von Beerscheba gibt es eine Ueberfülle an Gerste, von Gaza nördlich herrlichen Welzen. Auch die Felder auf dem Gebirge Ephraim sehen gut aus, besonders zeichnet sich die Umgebung von Chederah aus, und ebensogut ist die Lage im Gebiet von Akko :in»:Ni#ien»':-:HK'::v,;' 7“, *״־־ ׳ ׳1־-׳1יי•’ י־׳ Am meisten aber, so fährt Smilansky fort, erfreut das Emek das Auge. Im weiteren Verlauf des Artikels schildert Smilansky auf Grund seiner letzten Studienreise die ü b e r - wäitigenden Fortschritte der Landwirtschaft im Emek. Dieses Urteil ist um so bedeutungsvoller, als Smilansky bisher zu den größten Skeptikern in bezug auf die Emek-Siedlungen, deren wirtschaftliche Fundierung und sozialen Aufbau er für unrichtig hielt, gehörte. Nunmehr gesteht er offen, daß die gewaltige Vervollkommnung der Wirtschaft vor allem der Kwuzah zu danken ist, denn nur durch die Zusammenfassung der Kräfte sei es gelungen, einen ,,kapitalistlsch“ arbeitenden Großbetrieb zu schaffen, der jetzt dank seiner modernen Einrichtungen, zu denen vor allem die neuen Mäh- und Dreschmaschinen (״Combine“) gehören, überraschende Erfolge aulweist. Während man früher 60 Kilo Welzen pro Dunam für angemessen hielt, gehen die neuen Zitfern von 90—180 Kilo, Gerste sogar bis 200 Kilo. In einer Kwuzah fand Smilansky einen Rekord von 250 Kilo Gerste pro Dunam. Smilansky betont auch, daß der Dogmatismus der Arbeiter In verschiedener Beziehung schwächer geworden ist, so daß sie mehr den Anforderungen des Betriebs und der Wirtschaft als Ihren sozialen Doktrinen folgen. Auch durch das Steigen der Getreidepreise verbessere sieh die Lage dieser Siedlungen, man beginne, den Körnerbau wieder höher einzuschätzen. Sehr lobend spricht sich Smilansky auch über die Pflanzungen aus, insbesondere bezeichnet er die Neuzüchtungen von Feigenbäumen in der Versuchsstation von Dschebatta im Emek als geradezu sensationell. Ueberall sehen wir Zeichen der Gesundung. Zum Schluß macht Smilansky noch einige Vorschläge für den künftigen Ausbau der Emek-Siedlungen. S. Ben Zion (Gnttmann) Im Alter von 62 Jahren starb in Tel-Awiw der hebräische Dichter, Publizist und Pädagoge S. Ben Zion (Pseudonym von Simcha Ben-Zion Guttmann). Um die Jahrhundertwende nahm er in Odessa teil an der Gründung des hebr. Verlages ״Morija“, der hauptsächlich Lehrbücher herausgeben sollte, und für den er unter dem Titel ״Ben Ammi“ ein hebräisches Lesebuch zusammenstellte. Seine Erzählungen aus jener Zeit schildern zum Teil das gedrückte Dasein des nur auf den Erwerb gestellten kleinstädtischen Juden, zum Teil die Sehnsucht der jüdischen Jugend des Ghettos nach anderen geistigen Besitztümern, als Eltern- und Lehrhaus sie vermitteln. 1905 siedelte Ben-Zion nach Palästina über. 1907 gründete er mit D. Jellin und M. Smilanski die Sammelschrift ״ha-Omer“, von der fünf Bände erschienen. Von 1911 an redigierte er die von der Vereinigung hebräischer Lehrer Palästinas herausgegebene Jugendzeitschrift ״Modelet“. In seinen weiteren dichterischen Werken verließ er seinen realistischen Stil und ging zu poetischeii Formen über; zu nennen sind die Poemen ״Rachel“, ״Lewiim“ ״Schcbet“, der biblische Roman ״be-Zet Jisrael mi- Mizrajim“, das biblische Drama ״wa-jeze Jaakob“ (nach Richard Beer-Hoffmann), eine Reihe von Geschichten und die Uebcr- Setzungen von ״Wilhelm Teil“, ״Hermann und Dorothea“ und Heines Gedichten. Eine Sammlung von Erzählungen Ben-Zions erschien in zwei Bänden (Jaffa 1914); dazu kommen fünf Bände Erzählungen für die Jugend (Verlag ״Ornonut“, Frankfurt a. M. 1923/24). 1923 erschienen in Berlin unter dem Titel ״Semirot U-Jeladim“ Liedertexte Ben-Zions für Kindergärten zu Noten von Engel.