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Jüdische Rundschau · 1932-06-08 · Heft 45-46 (8.6.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 45-46 (8.6.1932)
Date
1932-06-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Bei den kurdischen Juden im Irak Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDiens tag!».Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Aoalimdsabonnetnent* werden äs der Wlhrtmg der einzelnen Linder berechnet. Anzeigenpreis: 8 g#*p. NonpareÜlezeiQe 0,50 G.-M. StaBengeeuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische RundschauG.m.b.H״Berlin W15, MeinekestrdO. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Pottseheck . Konten: Berlin 17392, Baeel V 9355, Beigradl 68032, Brftseel 39433, Budapeet 59693, Daiirig 1973, Haag 140470, Prag 59410, Riga 4155, Scraatburg 16430, Warschau!90708, Wie»!56030 Bank - Konten Darraeeftdier txmd NatioctaJbet&k, Depoaiten ׳ Kette Badfas, Korfüratendaatm 52, Rumi&iadbe Krfdithank, Cernatiti (Rumänien): Angle Palaatin• Co. in Haifa, laruaaietn. Tel -Aviv Nummer 45/46 | Berlin, 8. VI. 1932 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ר סיון חרצ״ב | xxxvn. Jahrg. Oer Zionismus erstrebt für «las II)«fische Volk «Ile Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In PalVstlna. ״Baseler Programm." Erklärung zur Beruhigung Die Jüdische Telegraphen-Agentur verbreitet folgende Erklärung: ״Im Zusammenhänge mit den pessimistischen Betrachtungen einer Reihe jüdischer Zeitungen in Deutschland in bezug auf die Gestaltung der inneren Lage wird uns von einer gut informierten Persönlichkeit mitgeteilt, daß zu irgendwelchen Besorgnissen keinerlei Anlaß besteht. Allen bisherigen Aeußerungen des neuen Reichskanzlers von Papen und den offiziellen Regierungserklärungen ist klar zu entnehmen, daß die neue Reichsregierung entschlossen ist, im Sinne der vom Reichspräsidenten von Hindenburg ihr übertragenen Aufgabe die Verfassung strengstens zu handhaben und es nicht zuzulassen, daß die Gleichberechtigung des einen oder anderen Teils der Bürger angetastet oder daß sonst von Staats wegen einer Klasse oder Religion mit Voreingenommenheit begegnet wird. Auch die in den letzten Tagen vollzogenen Neuernennungen hoher Beamter bieten hierfür eine Gewähr.“ mehr interessiert um In diesen Wahlergebnissen die schwere geistige, soziale und wirtschaftliche Krise, welche das Anwachsen der nationalsozialistischen Stimmenflut erklärlich macht. Diese Krise gilt es genau zu beachten und zu erforschen und im Wege jüdischer Geschlossenheit die Wirkungen ihrer Ent- Wicklungen aufzufangen. Allerdings ist die Entfaltung der jüdischen Selbsthilfe und deren Betätigung in einem gewissen Grade von den politischen Voraussetzungen abhängig, die im Staate herrschen. Aber auch diese Zustände können in ihrer Rückwirkung auf die jüdische Gemeinschaft in einem gewissen Ausmaße durch die jüdische Gemeinschaft selbst beeinflußt Gesetzgebung werden. Dem in Entstehung begriffenen Reichsverband deutscher Juden können in den kommenden Tagen in dieser Hinsicht bedeutsame Aufgaben erwachsen. Wir sind durch die Erklärungen des neuen Kabinetts weder beruhigt noch beunruhigt Mit dem Blick auf die jüdische Geschichte, in Erkenntnis des gesamtjüdischen Problems sind wir in bezug auf Tagesvorkommnisse einigermaßen gelassen. Unsere Forderungen richten sich in erster Linie an unsere Gemeinschaft selbst und erst im Wege ihrer geschlossenen Organisation an Regierungen und an die Umwelt. a. h. und Erstlinge Menschenrechte in Philadelphia. Und dieser Tag, der 4. JuE, wurde für ewige Zeiten zum Nationalfesttag erhoben. Allmählich sind andere Staaten gefolgt. Die Franzosen am 14. Juli 1789, die Polen mit der Konstitution vom 3. Mai 1793 und dann in unabsehbarer Folge amerikanische und europäische Länder. Nun dröhnen in Nationalfeiertage großer Kultur- Völker hinein nicht mehr die Kanonen vom Schlachtfelde, sondern die Donner vom Sinai: ״Du sollst“ und ״Du sollst nicht“. Es ist fein empfunden, wenn unsere Weisen als das Schlußfest von Peßach Schawuoth hingestellt haben. An diesem Tage erst war die Freiheit zur Wirklichkeit geworden in dem schönen Sinne, wie der Perek es ausdrückt: ״Es ist kein freier Mann wie der, welcher sich mit der Thora beschäftigt.“ Und auch der einfache Jude von der Straße kommt zu seinem Rechte. Er erklärt sich auf seine Weise, inwiefern Schawuoth der Tag der Freiheit ist. Da kann der Jude essen, wann er will, was er will und wo er will. Das ist gar kein schlechter Uebergang für mein Vorhaben, unsere Prediger, die am Schawuoth immer nur In den Wolken schweben, auf die Erde herabzuziehen und ihnen ins Gedächtnis zu rufen. Alles, was ich hier gesagt habe, das i*t. "Ä<ÄT'Är urfpfinglche ®WSitififg des Tipi. 'Von" Hautii aus ist Schawuoth das Fest der Feldfrüchte, der Tag des täglichen Brotes. Und die Thora spricht nicht von ihrem Ge^ burtstage, sie nennt Schawuoth nicht anders als ״Chag Habikkurim“, Tag der Erstlinge, die im Tempel zur greifbaren Darstellung gelangten durch zwei Brote aus frischem Weizenmehl und die dargebracht wurden an diesem Feste. Daß die Thora gerade am Schawuoth verkündet wurde, steht also nicht in der Schrift. Das heißt, nach dem biblischen Geschichtsbericht kann es schon stimmen, daß es der 6. Siwan war. Aber es kann auch am 7. Siwan gewesen sein, welche Ansicht R. Josse beharrlich im Traktat Sabbat vertritt. Ferner steht gar nicht in der Thora, daß Schawuoth gerade auf den 6. Siwan fällt. Das Datum des Festtages ist vielmehr gebunden an den Tag des Schwingens des Omer, des Erstlings der Gerstenernte durch den Priester im Verlaufe der Peßach woche. In wörtlicher Liebersetzung lautet der bezügliche Absatz in Leviticus wie folgt: ״Ihr sollt zählen von dem Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe der Schwingung gebracht habt. Sieben volle Sabbate sollen es sein. Bis zu dem Tage nach dem 7. Sabbat sollt ihr 50 Tage zählen.“ Die Sadduzäer haben das wörtlich genommen. In den Jahrhunderten, wo Hohepriester und Synhedrion dieser Partei entnommen wurden, hat man das Gerstenopfer am Sonntag im Verlaufe der Peßachwoche dargebracht. Von da an wurde gezählt. Schawuoth fiel auf den Sonntag, welcher der 50. Tag der Zählung war. Wenn die Kirche Pfingsten stets auf Sonntag legt und so auch Ostern, als den 50. Tag vor Pfingsten, so ist das eine Reminiszenz aus alter sadduzäischer Zeit. Wird der Bibelvers über die Omerzählung wörtlich angewendet, dann hat Schawuoth kein festes Datum. Der Termin variiert über alle Monatstage hin vom 6. bis 13. Siwan. Die Pharisäer aber übersetzten in dem oben zitierten Passus aus Leviticus nicht ״am Tage nach dem Sabbat“, sondern ״am Tage nach dem (ersten) Pcßachtage“, denn auch der Jomtow ist ein Sabbat, d. h. ein Ruhetag. Nach dieser Lrtirmeinung fällt Schawuoth stets auf den 6. Siwan, und so wird es schon an die 1900 Jahre gehandhabt. Warum Pharisäer und Sadduzier sich über die Auslegung des Bibelwortes nicht einigen konnten, läßt sich nur vermuten. Wieviel ist darüber schon geschrieben worden! Doch nichts, was mir zugesagt hätte. Bis ich vor einigen Wochen, als die Sidra gerade lief, in den klassischen Chumeschkommeiitar Thora Temima hineinblickte. Ich fand darin eine Lösung, die midi geradezu faszinierte. Der gelehrte Verfasser spricht nämlich die Vermutung aus, daß die pharisäische Auslegung mit der Freigabe der neuen Ernte zum Genüsse zusammenhängt. Die Vorschrift wird gemeinhin ״Chodosch“ genannt. Erst in der Stunde, wo der Priester das Omer von frischer Gerste dem Allgütigen darbrachte, ward in Jerusalem und allüberall im Lande die neue Ernte zum Genusse freigegeben. Gleichsam als ob es nicht geziemend wäre, daß der Mensch früher von der Feldfrucht esse, als bis der Tisch des Herrn davon empfangen hat. Aber nicht nur die Gerste wurde frei, die eben erst frisch geschnitten war, sondern auch Weizen und Roggen, Hafer und Spelt, die noch aus der Spätsaat des Vorjahres stammten, die längst vom Felde abgeerntet waren und schon seit Monaten in Scheuern und Speiehern, auf Böden und in Kammern trockneten. So wie der Priester im Tempel mit dem Omer seine Schwingung machte, waren sie alle erlaubt, frisch oder geröstet, im Backtrog und Die von einer anonymen Stelle der J. T. A. übergebene Erklärung bezeichnet als Anlaß, warum sie gegeben wurde, die ״pessimistischen Betrachtungen einer Reihe jüdischer Zeitungen in Deutschland“. Man wird aber in der Annahme nicht fehlgehen, daß diese Erklärung mehr für den Export als für den Inlandsbedarf gedacht ist. Es wird in ihr strengste Handhabung der Verfassung unter Berufung auf den Reichspräsidenten versprochen und eine staatliche Voreingenommenheit gegenüber einer Klasse oder Religion (gemeint ist die jüdische — A. d. R.) in Abrede gestellt. Zum Beweise beruft sich die Erklärung auf die bisherigen offiziellen Regierungsäußerungen und auf die Personalpolitik des neuen Kabinetts. Damit spielt man wohl auf die Ernennung des neuen Reichspressechefs, des Oeheimrats Kaufmann an, der angeblich jüdischer Abstammung ist und gegen dessen Ernennung die nationalsozialistische Presse vorher energisch protestiert hatte. Die Erklärung soll zur Beruhigung der jüdischen Oeffentlichkeit im Auslande und im Inlande dienen und scheint für jüdischen Gebrauch einer jüdischen Agentur übergeben worden zu sein. Es ist in diesem Zusammenhänge zunächst höchst bezeichnend, daß man es überhaupt für notwendig erachtet, von der Gleichberechtigung und Unvoreingenommenheit gegenüber einer bestimmten Religion zu sprechen. Dieser Vorgang an. Auch JamaU iuKtea die Juden angstlieh und neugierig aus, wie der neue Landesherr, Duodezfürst oder Erzbischof persönlich sich zu den Juden stellen wird. Daß man auch im Zeitalter des Rechtsstaates solche Erkiärungen abgibt und daß viele Hörer solcher Worte daraus Beruhigung schöpfen, ist ein Beweis, daß die Frage der jüdischen Gleichberechtigung eigentlich noch als strittig betrachtet wird. Diese Feststellung beleuchtet die Situation, in der gegenwärtig die Juden in Deutschland leben. Die neue Regierung hat in ihrer Programmerklärung den Wunsch ausgedrückt, daß man sie, die keine Versprechungen geben will, nach ihren Taten beurteilen möge. Zu Taten speziell auf dem Gebiete wirklicher Beruhigung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland gibt es sehr viele Gelegenheiten. Man ziehe nur die Ereignisse der letzten Tage in Betracht! Terror gegenüber jüdischen Menschen in allen Gegenden Deutschlands. Systematische, tagelang andauernde Ueberfälle auf harmlose jüdische Passanten in einzelnen Großstädten, Verunglimpfungen, Belästigungen und oft schwere Körper- Verletzungen, wie das Niedertrampeln einer jüdischen Studentin in Breslau, Einschlagen der Fensterscheiben in jüdischen Wohnungen, Demolierungen jüdischer Läden, Synagogen- und Friedhofsschändungen als tägliches Vergnügen der Judenhasser, Rede-Exzesse nationalsozialistischer Agitatoren in Versammlungen und in Parlamenten (man halte sich die Ausführungen des Abgeordneten Kube im Preußischen Landtag vor Augen, der u. a. den jüdischen Beamten einen Auszug aus den Aemtern androht, gegen den der seinerzeitige Auszug der Juden aus Aegypten ein Kinderspiel gewesen sei) — all das sollte Anlaß genug sein, daß die Reichsregierung, wenn sie wirklich gewillt ist, die Gleichberechtigung aller Bürger zu wahren und die Voreingenommenheit gegenüber einer Religion weit von sich zu weisen, gegen diese Vorkommnisse ein energisches Wort spreche. Schon bisher haben wir auch unter der Regierung Brüning schmerzlich vermißt, daß die verantwortlichen Regierungsstellen im Reiche ein klares Wort gegen die antisemitischen Exzesse gefunden hätten. Bei aller Würdigung der guten Absichten und der staatsmännischen Leistungen des früheren Reichskanzlers Brüning haben wir mehrmals, u. a. anläßlich der Kurfürstendamm-Krawalle vom September 1931, darauf hinweisen müssen, daß die Reichsregierung es vorzog, sich in Schweigen zu hüllen und eine energische Zurückweisung derartiger Vorkommnisse der preußischen Regierung Braun- S e v e r i n g überließ. Hat es nun schon die Regierung Brüning an energischen Worten und Taten gegenüber den von den Hakenkreuzlern als Gewohnheitsrecht betrachteten Exzessen gegenüber den Juden fehlen lassen, so kann man nur schwer hoffen, daß die neue Regierung, die sich auf die Duldung der Nationalsozialisten stützt, trotz der zur Beruhigung dienenden ״informierten Persönlichkeiten“ in dieser Hinsicht anders prozedieren werde. Wir haben wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß die Situation der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland weniger von jeweiligen Kabinetten als von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Tendenzen abhängig ist. Man halte sich nur die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen in Oldenburg und in Mecklenburg vor Augen. Wir ziehen hierbei nicht so sehr die politischen Rückwirkungen in Betracht, die sich aus dem bisher ungehemmten Ansteigen der nationalsozialistischen S.immengewinne für die Länder- und Rdchsregierung ergeben. VW- Zum Schawuothfcste Von Arnold Wiener, Beuthen (O.-S.) ״Er wölbte über ihnen den Berg Sinai gleich einer Mulde und sprach zu ihnen: Wenn ihr die Thora annehmet, dann ist es gut. Wenn nicht, wird da euer Grab sein.“ (Aboda Sara 2b.) Früher habe ich nicht recht verstanden, was die Gemara da hat sagen wollen, und ich habe mir die Sache so zurecht gelegt. Die Weisen haben aus dem Ausruf unserer Väter am Sinai ״Naasseh wenischmah“ (״Wir wollen tun, und wir wollen hören“)* große Konsequenzen gezogen. Damit haben die Israe- Uten den Fahneneid geschworen; nicht nur für sich selbst, sondem für alle kommenden Generationen. Seitdem steht jeder Jude unter Gewehr. Jeder Ungehorsam gegen das Gesetz kommt einer Fahnenflucht gleich. Und da kommt die Haggada, die alte Offizialverteidigerin des jüdischen Volkes, und plädiert für mildernde Umstände. Gut, sie haben geschworen. Aber wie haben sie geschworen? Sie waren ja in Todesnot! Ich muß gestehen, die Deutung war etwas weltlich und hat mich rieht ganz befrieÄgi Ab« ich hatte Mae andere.!*!»»••׳fSln.la»׳j«h ’«*ו® ' Seuäfea' 'kinr üMf in einem Keren Hajessod-Vortrage die Sache erklärte. Im Traktat Sabbat wird gesagt: Noch bevor Himmel und Erde geschaffen wurden, war schon die Thora da. Ihr Gedanke schwebte im Weltenraum. Als sich die Erde bevölkerte, haben die Großen in der Menschheit die Thora geahnt. Abraham und Isaak haben sie ausgeübt, Jakob hat sie im Lehrhause von Sem und Eber studiert. Aber die Thora war vorläufig noch nicht Gesetz. Man konnte ihr anhangen, man konnte von ihr auch lassen. So entstehen eben Gesetze. Zuerst sind es Gedanken, für welche nur die Erleuchteten der Menschheit empfänglich sind. Hat sich die Idee aber durchgesetzt, und ist sie schon Gemeingut der Wohldenkenden geworden, dann entsteht eine Pflicht. Und der Gesetzgeb« kommt und trägt sie in den Kodex ein. Und so war es auch am Sinai. Das Volk war jetzt reif geworden, die Thora-Idee in sich aufzunehmen. Nun stand es vor der Entscheidung. Es hatte die Wahl, auf den Gipfel zu steigen oder sich vom Berge begraben zu lassen. Das heißt: für die Menschheitsgeschichte unterzugehen. Shmarjah Levin hat uns in diesem Lichte das Wachsen des Erez Israel-Gedankens gezeigt. Erlesene Männer aus der vorigen und aus dieser Generation haben von neuem den Impuls zu Jischuw Haarez in die Seele des Volkes gepflanzt. Aber viele Juden stellen sich noch heute, als ob wir die Freiheit hätten, diesen Gedanken aufzunehmen oder abzulehnen. Dem ist nicht so. Bei den Völkern der Welt hat sich mittlerweile der Gedanke festgewurzelt, wir werden Palästina aufbauen. Das ist der Blickpunkt, von dem aus die Besten der Menschheit in die jüdische Welt hineinschauen. Unser Volk wird danach gemessen, wie es sich in der Arbeit für Erez Israel bewährt. Entweder wir rechtfertigen die Erwartung oder wir haben endgültig aufgehört, in der Reihe der aufsteigenden Völker mitzuzählen. Noch ein anderes Gleichnis hat Shmarjah Levin gesagt. Der ebräische Knecht, welcher sich einem Herrn verkauft hatte, war 6 Jahre im Dienst. Dann war er frei. Wenn aber der Knecht sagte, ich liebe meinen Herrn, ich will kein freier Mann sein. Dann wurde ihm vor dem Stadtrichter das Ohr durchstochen und er blieb Knecht für immer. Und doch nicht für immer. Denn, wenn das Jobeljahr kam, ob er wollte oder nicht, er mußte hinaus. Auch wer die Verantwortung scheut und die Knechtschaft vorzieht, dem gelingt es nur für eine Weile; schließlich wird er doch hinausgestoßen, noch dazu gebrandmarkt. Dafür hat der Sinai vorgesorgt. Denn also hat R. Jochanan b. Sackai gesagt: ״Auch das Ohr dieses Knechtes hat gehört, als ich am Sinai sprach: Mir sind die Söhne Israels Knechte. Sie sollen nicht Knechte der Knechte sein.“ Die Thora, die Freiheit im Gesetz: Das ist unsere Magna Charta, deren Einsetzung wir heute festlich begehen. Wir waren die Ersten, die es verstanden haben, der wähle Nationalfeiertag eines Volkes ist nicht Königs Geburtstag oder das Datum eines großen Sieges, sondern der Termin, an welchem ein Volk seine Grundrechte erhalten hat. 1800 Jahre haben wir mit dieser Gesinnung allein gestanden. Oie anderen Völker konnten da nicht mit. Die Nordamerikaner waren die Ersten, die uns verstanden haben, ihre Unabhängigkeit war erst notdürftig gesichert, da verkündete jeffersaa im Jahre 1776 die

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