Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1932)
- Date
- 1932-05-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43, 31 V. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 205 Hauptmann Goerings Judenprogramin Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Hauptmann Goering, bekanntlich die ״rechte Hand“ Hitlers bei seinen inner- und außenpolitischen Aktionen, hat in einem Gespräch mit dem bekannten italienischen Publizisten Pietro Soiari, Berliner Vertreter der Turiner Gazetta del Popol o“, einer der einflußreichsten und ververbreitetsten faschistischen Zeitungen, das Judenprogramm der Nationalsozialisten entwickelt. Er führte aus: Endziel der Hitler-Bewegung ist die Erneuerung des deutschen nationalen Lebens. Das nationalsozialistische Regime wird keine Ehen zwischen Deutschen und Individuen der schwarzen oder gelben Rasse erlauben, ebensowenig werden wir Ehen zwischen Deutschen und Juden dulden. Ein deutscher Bürger oder eine deutsche Bürgerin, der oder die sich mit einer Jüdin oder einem Juden verlobt, wird auto matisch das Bürgerrecht im deutschen Staate verlieren. Für uns, fuhr Goering fort, ist die Juden frage grundlegend nicht bloß vom Rassenstandpunkt aus. Der Nationalsozialismus verteidigt sich gegen die Juden, er verfolgt sie nicht. Wir verteidigen uns gegen das Judentum, nicht gegen die jüdische Religion. Im Dritten Reich wird die religiöse Freiheit ganz und vollständig sein für alle Bekenntnisse, die nicht gegen die Gewohnheiten und das moralische Empfinden der germanischen Rasse verstoßen. Es wäre töricht, uns zu unterschieben, daß wir speziell ‘die mosaische Religion verfolgen wollen, die uns als solche gleichgültig läßt. Wir verteidigen uns gegen ein Element, das unserer Rasse fremd ist, gegen ein störendes und ver- Eiftendes Element, das den Deutschen schon unberechenbaren :harten zugefügt hat. Seit langem schon, speziell aber gegen Kriegsende und in der Nachkriegszeit, wurde Berlin der Hauptanziehungspunkt für alle gafizischen und russischen Juden. Sie kamen in Scharen, mit ihren Kaftanen und ihren Läusen, ohne ein anderes Erbe als unersättliche Habsucht, Berlin wurde der Filter dieser Hefe. Nach einigen Monaten hatten sie schon gelernt, sich europäisch zu kleiden, deutsch zu sprechen und schließlich auch zu baden. Die meisten hatten verdient, viele sind reich geworden. Aus den Vierteln des Ostens übersiedelten sie in die des Westens, und njehr als einer, der am Schlesischen Bahnhof im Kaftan an gekommen war, reiste nach einigen Monaten vom Bahnhof Zoo nach London, Paris oder Amerika ab, in einen nicht wieder zuerkennenden europäischen Gentleman verwandelt, rasiert und parfümiert. Immerhin, für einen, der abreiste, blieben und bleiben zehn zurück. Es bleibt die Hefe der Hefe zurück, die nicht durch den Filter gegangen Ist. Das Dritte Reich, sagte Goering, wird kategorische Gesetze schaffen, um neue Einwanderung aus Polen, Ruß-!and oder irgendwelchen anderen Ländern der Welt zu verhindern. Die Juden, die seit dem 2. August 1914 ins Reich eingewandert sind, werden ausgewiesen werden. Alle Juden, die in irgendeiner Beziehung die deutsche Nation be- Ieidigt haben, werden an die Grenze gebracht oder auf gesetzlichem Wege, je hach dem begangenen Verbrechen, bestraft werden. Wir werden alle Juden, die nicht aus dem Auslande eingewandert sind, aus den leitenden Stellungen entfernen, ebenso aus der Presse, aus dem Theater, aus dem Film, aus der Schule und aus den Universitäten. Schließlich aus jedem Amt, aus jeder Würde, aus jeder Stellung, in der sie ihren zerstörenden antinationalen, internationalen oder bestenfalls anationalen Einfluß zum Schaden des deutschen Volkes ausüben könnten. Es ist gesagt worden, sagte Goering weiter, daß wir f׳egen die Juden 4!«'י Todesstrafe •an weiden י werden•' Ws Istsfich. Der anständige israelitische Kaufmann, der in Deutschland als Fremder bleiben will, unter dem Schutz des Gesetzes, unter dem alle Fremden leben werden, wird ungestört seinen Geschäften nachgehen können und wird keinerlei Schaden erleiden. ״Gazetta del Popolo“ knüpft an die Ausführungen Goerings die Bemerkung, das faschistische Italien, welches den Juden als ausgezeichneten italienischen Bürger kennt, hat für einen solchen Ausbruch des Judenhasses kein Verständnis; dieser Haß und die Form seiner Aeußerung wirken auf den Italiener abstoßend, Zu Tode gemartert Was geht in Besiarablen vor? Kisch in ew, 27. Mai. (J.T. A.) Die in Kischinew erscheinende jiddische Tageszeitung ״Unser Zeit“ teilt mit, daß in Jeditez in der Nähe von Chotin in Bessarabien der Führer der dortigen Zionisten, Samson Bronstein, von lokalen Beamten unter der Beschuldigung, daß er Kommunist sei — in Wirklichkeit war Bronstein als Zionist ein Gegner des Kommunismus — so lange gemartert wurde, bis er unter den Händen seiner Peiniger starb. Die Zeitung gibt eine genaue Schilderung des Inquisitionsaktes. Samson Bronstein wurde an Händen und Füßen gefesselt, an ein Pferd gebunden und so lange durch die Straßen geschleift, bis er kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Die Zeitung ״Unser Zeit“ erklärt, daß solche Torturen und inquisitorischen Terrorakte gegen Juden in Bessarabien nicht vereinzelt sind. Fast täglich erhalt die Zeitung Briefe mit Schilderungen haarsträubendster Torturen, denen jüdische junge Leute und ältere Juden, auch wenn sie niemals etwas mit Kommunismus zu tun gehabt haben, ausgesetzt sind. Die Zeitung richtet an die Regierung die Frage, ob dem Schutz des Staates gegen Kommunismus damit gedient sei, wenn man die unschuldige jüdische Bevölkerung dem frevelhaften Sadismus perverser und betrunkener Beamter aussetzt, von denen jeder in seinem Bereich als ein kleiner Despot herrscht. Anfrage im Unterhaus London, 26. Mai. (J. T. A.) Im Unterhaus richtete Captain Crookshank (konservativ) an den Kolonienminister die Frage, ob es richtig Ist, daß Emir Abdullah von Transjordanien bei dem Zustandekommen des Vertrages über die Oelröhrenleitung vom Irak nach H aifa die Bedingung gestellt hat, daß Juden bei dem Teil der Oelröhrenleitung, der durch Transjordanien geht, nicht beschäftigt werden sollen und daß diese Bedingung Abdullahs erfüllt worden ist. Kann, fragte Captain Crookshank, der Kolonienminister mitteilen, welche Schritte er in der Angelegenheit im Hinblick auf die Bestimmungen des Mandates zu unternehmen beabsichtigte. Der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: Ich bin dahin informiert worden, daß der Emir Abdullah eine solche Bedingung nicht gestellt hat. (Die Anfrage von Captain Crookshank bezieht sich offenbar auf das im ״Felestin“ erschienene Interview mit dem Direktor der Palästina-Sektion der Oelröhrenleitung, Lang, der gesagt haben soll, Emir Abdullah bitte sich beim Zustandekommen des Vertrags ausbedungen, daß Juden bei der Herstellung des tr ans jordanischen Teils der öelröhraileitung nicht beschäftigt werden sollen.) Sokolow als Ehrendoktor Am 12. Mai wurde in New York vom ״Jewish Institute of Religion“ in feierlicher Zeremonie Nahuni Sokolow das Diplom eines Ehrendoktors der hebräischen Literatur verliehen. Der Festakt wurde geleitet von Judge Julian Mack, dem Vorsitzenden des Direktoriums des Instituts. Die einleitende Ansprache mit dem Antrag auf Verleihung des Ehrendoktorats hielt der Professor für Talmud, Dr. Chaim Tschernowitz, der unter dem Schriftstelfernamen Raw Zalr bekannt ist. Tschernowitz würdigte die großen Verdienste Sokoiows um die hebräische Literatur und sein wissenschaftliches Wirken, das erst kürzlich in seinen! großen hebräischen Spinoza-Buch eine Krönung gefunden hat. Der Präsident des Instituts, Dr. Stephen Wise, feierte Sokolow in seiner Ansprache als eine der großen Gestalten der hebräischen und jüdischcn Renaissance und gab seiner Freude Ausdruck, daß es ihm vergönnt sei, diesem Manne das Ehrendoktorat des Instituts zu übertragen. In seiner Dankrede erklärte Sokolow, er betrachte als sein eigentliches Lebenswerk ein großes Wörterbuch der hebräischen Sprache, an welchem er in jeder freien Minute ununterbrochen arbeite. Dieses Werk, das viele Bände umfassen wird, ist angelegt wie das große enzyklopädische Wörterbuch von Larousse. Sokolow hob hervor, welche Bedeutung das von Dr. Wise geleitete Institut für das Judentum und Amerika haben könne, denn das amerikanische Judentum braucht heute geistige Führer. Er werde, so erklärte Sokolow, bestrebt sein, durch dauernde Zusammenarbeit seinen Dank für das Ehrendoktorat abzustatten. — Unser Bild zeigt die be| der Zeremonie beteiligten Personen von links nach rechts:( Dr. Chaim Tschernowitz, Judge Julian Mack, Sokolow,] Dr. Stephen Wise. IIIIIIIIIIIINIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIII'IIHIIIIIIIIIIIUIIIMimilllllUtmilllllllHIimillHIIIIIIIIHIIMIIIIIIIIIIIMIIIIIIIItllHIIUlimilllWHIIIIIIIIIIIUIIIIHIIIIIIIIItlllllinillHIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIimilllllllllllllllllllllllllimilllHIIIIIiniHIIIIIIIIIIIIIIIHIHIHIIIW Hamburger Brief Das Charakteristische an der Arbeit der Hamburger Zionistischen Vereinigung im letzten Winterquartal ist ein erfreulicher Aufschwung in der Jugendar beit und eine Neubelebung der Fonds-Arb eit. Auf der anderen Seite ist es nicht gelungen, die älteren Zionisten an der Ortsgruppenarbeit zu interessieren. Es besteht allzu sehr die Einstellung, nur zu Veranstaltungen zu kommen, wenn Thema oder Redner Sensationen versprechen. Demgegenüber steht eine Lebendigkeit unserer Jugend. Außerordentlich erfreulich war es, daß 32 Menschen aus Hamburg an der Makkabiah teilnahmen, die nach ihrer Rückkkehr aus der Fülle ihrer Eindrücke berichteten, und so das Ortsgruppenleben in den letzten Wochen durchaus unter dem Eindruck einer Palästina-Lebendigkeit stand. Weiterhin ist es erfreulich, daß unser bisher schwächster Bund, der Brith Haolim, sich konsolidierte, heute ein reges Bundesleben führt, und so eine wertvolle Stütze in der Jugendarbeit bedeutet. Neben den schon bestehenden Bünden, zu denen noch in letzter Zeit der Haschomer Hazair kommt, hat besonders der Brith Hanoar schel Zeire Misrachi einen Aufschwung zu verzeichnen. Die Arbeitunserer Bünde erhllt dadurch einen Rückhalt, daß durch Mithilfe der Deutsch-Israelitischen Gemeinde es dem hiesigen Hachscharah-Verein gelungen ist; ein Beth Chaluz zu eröffnen, in dem bereits 14 Chaluzim und Chaluzoth wohnen, denen hierdurch die wirtschaftliche Basis für ihre Ausbildung gegeben ist. Der Hachscharah-Verein ist in Hambürg neu belebt worden, und hat, dank der intensiven Arbeit von Frau Irma Heppner und Eugen Michaelis, eine große Anzahl neuer Mitglieder geworben. Die Hamburger Arbeit hat sehr viel dadurch gewonnen, daß einmal Herr Dr. Landauer und später die Herren Blumenfeld und Dr. Rosenblüth jeweils einige Tage in Hamburg geblieben sind. Es bestand so die Möglichkeit, die Gesamtfragen einer Ortsgruppenarbeit durchzusprechen und neue Wege und Methoden für unsere Arbeit zu finden. Um insbesondere neue Menschen zu werben, ist der Vorstand der H. Z. V. gemeinsam mit dem Keren Hajessod dazu übergegangen, eine Reihe von Zirkeln, die von Zionisten und Nichtzionisten besucht werden, zu arrangieren. Die Referate hielten ganz ausgezeichnet Dr. Marx und Dr. Heppner. Wir glauben, daß dieses der Weg ist, nicht nur neue Freunde für den Keren Hajessod zu erwerben, sondern auch durch Erörterung unserer zionistischen Fragen. Menschen für die Ortsgruppe zu gewinnen. Im Mittelpunkt des letzten Quartals stand die außerordentlieh gute Woche Blumenfeld-Rosenblüth. Herr Blumenfeld sprach auf einer öffentlichen Versammlung (H. Z. V. und Jewish Agency) über das Thema: ״Judenschicksal im Spiegel des Weltgeschehens“. Fraglos war dieser Abend der Höhepunkt aller der Veranstaltungen, die sich mit den Problemen der Umwelt auseinandersetzten. Besonders wichtig war die Auseinandersetzung Biumenfelds mit dem Kommunismus. Erstmalig stellte sich in öffentlicher Diskussion der Führer der hiesigen Kommunisten, Dr. Karlsberg. Meisterhaft formulierte Blumenfeld in seinem Schlußwort die Unmöglichkeit, das jüdische Problem nur nach reinen Klassengesiclitspunkten zu lösen, und bewies gerade am Beispiel Rußland, daß Volksent Wicklung unter Ausschaltung jeglicher nationaler und kultureller Momente unmöglich ist. Während der Anwesenheit der Herren Blumenfeld und Dr. Rosenblüth, wurde das Lokalkomitee der Jewish Agency neu konstituiert. Im Gremium des Gesamtkomitees sprach Herr Blumenfeld über die letzten wirtschaftlichen Entwicklungen Palästinas. Der neue Vorstand der Hamburger Jewish Agency setzt sieh zusammen aus den Herren Schindler als Vorsitzenden, und den Herren Hamlet, Rabb. Dr. Holzer, Oberlandesger.-Rat May, Dipl.-Ing. Heinemann, Dr. Marx, Dr. Weigert und einer Delegierten der Wizo. Der Zionistisch-Akademische Klub benutzte die Anwesenheit von Herrn Blumenfeld zu einem Diskussionsabend über ״neudeutschen Nationalismus״. Die Anwesenheit von Herrn Dr. Landauer war vor allem wichtig für unsere Jugendorganisationen. Er sprach aut einer Jugendversammlung über das Thema ״Die geistige Situation der Jugend in der gegenwärtigen Krise“. Dieser Vortrag bot unseren Jugendlichen Möglichkeiten, auf ihren folgenden Heimabenden das Gehörte zu verwerten. Es war bedauerlich, daß die deutsch-jüdische Jugend in Hamburg, trotz unserer Einladung, zur Versammlung nicht erschien, um jeglicher Diskussion aus dem Wege zu gehen. Wichtig waren für uns die Unterhaltungen mit Herrn Dr. Landauer über die Fragen mittelständischer Einwanderung in Palästina, Als Auftakt zu dieser Arbeit sprach er auf einer Mitgliederversammlung über ״Die Neue Alijah — Probleme der Mittelstandsein־ Wanderung“. Auf einer weiteren Veranstaltung sprach Herr Dr. Löwenstein (Berlin) über ״Entwicklung der jüdischen Wirtschaft in Palästina“ besonders interessant und anregend. Auf einer gemeinsamen Versammlung H. Z, V. und Misrachi Dr. Aron Barth über ״Die Situation in dieser Zeit“. Ferner Frl. Dr. Anni Mainz über ״Die Bilder der Haggadah und ihr Ursprung“. Nach wie vor steht die Hebräische Sprachschule IvriaH und die Fondsarbeit 1m Mittelpunkt unseres Aufgabenbereiches«1 Die Keren Hajessod-Arbeit wird hoffentlich nach Neubelebung des Ortskomitees der Jewish Agency einen Aufschwung neh« men, besonders in Richtung der Gewinnung bisher nicht er« faßter Menschen. Die KKL-Arbeit erhielt einen starken Auf« trieb durch eine äußerst wirkungsvolle öffentliche KuncW gebung anläßlich der Rückkehr der Makkabiah-Teilnehmer und, des 30jährigen Jubiläums des KKL. Dr. Marx sprach außer« ordentlich eindrucksvoll über das Land und erzeugte — ein« Seltenheit in Hamburg — eine wirkliche Palästina-Begeiste« rung. Gut war die Festrede Dr. Wolfsbergs über den KKL» Bei dieser Veranstaltung trat erstmalig der nationaljüdisch« Chor mit Orchester auf, unter Leitung von Richard Lasowskü Die ״Ivriah“ zählt heute wieder über hundert Schüler. At# Stelle des nach Palästina zurückgekehrten langjährigen Lehrers, Dr. Tuvja Banin, treten die Lehrer Zwi Lew und Alter Ajali (Judmann). Dr. Ban in verabschiedete sich mit einem Vortrag!, über Brenner. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß an dem, Vortrag von Dr. Löwenstein über ״Hachinuch haiwri b’Eren; Jisrael“ ein Kreis von ca. 60 Zuhörern mit Verständnis teil« genommen hat. > Das Leben der Bünde und zionistischen Organisationen( ist sehr rege, insbesondere in der Wizo. Heinemann. / Ost jüdische Tagung in Kötn. Den Auftakt für die an» Sonntag, dem 15., und Montag, dem 16. Mai, abgehaltene! Delegiertentagung der Gruppenverbände Rheinland-Westfale!* und Südwestdeutschland des Reichsverbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland bildete eine überaus zahlreich besuchte öffentliche Kundgebung, die am Sonnabendabend im großen Saale der Rheinlandloge stattfand. Diese Kundgebung stand unter dem Thema: ״Ost jüdische Not in Deutschland“ und war eine sehr eindringliche Belett« rung über die Vielfalt der Not und der Sorgen, die in be* sonders ausgeprägtem Maße unsere ostjüdischen Brüder bedrücken. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Kölner Ortsgruppe, Simon Bader, sprachen F. Krakowski (Wuppertal), Leiner (Köln), Holländer (Karlsruhe), Feldmann (Bochum), G o 1 d r e i c h (Beuel), Benzion Fett (Berlin), Horowitz (Stuttgart), Auf der Tagung selbst waren 26 Ortsgruppen durch 78 Delegierte vertreten. Die Tagung begann mit Worten der Begrüßung des Vorsitzenden des rheinisch-westfälischen Gruppenverbandes Dr. Büschel (Essen). Der polnische Konsul Rosmanski (Essen) brachte der Arbeit des Ostjudenverbandes seine besondere Achtung zum _ Ausdruck. Für das Kölner Rabbinat sprach Gemeinderabbiner Dr. Kober, für den Vorstand und die Reprisen» tanz der Kölner Synagogengemeinde Herr J. Schnelling. In seinem Referat' ״Die Stellung der Ostjuden in den Gemeinden“ beschäftigte sich Herr Benzion Fett (Berlin) mit der Emanzipation der Ostjuden innerhalb der Gemeinde. Er sei der Ansicht, daß die Ostjuden sich nicht als Anhängsel der Jüdisehen Volkspartei betrachten dürfen, sondern selbständig ihre Rechte vertreten müßten. Es folgte das Referat von Herrn Josef Holländer (Karlsruhe), der ausführte, durch die völlige Durchtränkung mit jüdischem Kulturpit sei die Ostjudenheit Träger des Judentums selbst geworden und könne diese Kräfte mobilisieren, wenn es überall dort, wo es im Laufe der vielen Wanderungen hinkomme auf diese unverlierbaren Geistesschätze sich stütze. F. Krakowski (Wuppertal) sprach über: ״Die ostjüdische Jugend und der Ostjudenverband“. Der Redner betonte die Notwendigkeit eines ostjüdischen Jugendbundes, der gleich dem Verbände in jüdisch-nationalem Sinne positiv, jedoch unparteiisch, eingestellt sein müsse. Die Diskussion beschäftigte sich mit der Frage, ob besondere ostjüdische Jugendbünde notwendig seien, ferner mit der destruktiven Propaganda des ״Geserd“. Am Abend vereinte eine kleine Feier die Delegierten und Freunde anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Rheinisch-Westfälischen Verbandes. Bei dieser Gelegenheit wurde Dr. Büschel für seine außerordentlichen Verdienste um den Verband die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Der Montag war mit den Organisationsfragen ausgefüllt, die zu einem Zusammenschluß der beiden Gruppen Rheinland-Westfalen und Südwestdeutschland führten. Als Vorsitzender wurde einstimmig Dr. Büschel gewählt. Herrn Max Gold re ich wurde die Ehrenmitgliedschaft des Gruppenverbandes West- und Süddeutschland unter großem Beifall verliehen. Zeire-Misrachi in Ungarn. Am 15. und 16. Mat fand in Budapest in Anwesenheit von 30 Delegierten vom Lande und ca. 100 Gästen die erste Landeskonferenz des Zeire Misrachi für Ungarn statt. Zur Führung der Geschäfte wurde eine neudgliedrige Landesleitung mit dem Sitze in Budapest gewählt,