Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1932)
- Date
- 1932-05-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653348-2653394--22994-2681296- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 204 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 43, 31. V. 1932 Zionistische Frauenfragen Antisemitismus in Europa, soll man für dieses Experiment im Orient etwas geben? oder: Jetzt, da die Weh zwischen den großen Fragen des Kommunismus und Faschismus hin und her pendelt, 8011 man für diese spezielle Frage Interesse haben? oder: Jetzt, da rfur die Mittelstandskolonisation uns helfen kann, soll man die Arbeiter-AIijah fördern? oder endlich: Ach, wieder eine Schnorr-Aktion! Wieder Oeldl Statt Begeisterung, die uns über den grauen Alltag erheben soll, mühsame Sammlung, die uns in den Alltag wieder hineinführt! Wie wollet ihr das ״Volk begeistern“, die ״Massen erobern“, die ״Jugend gewinnen“, wenn ihr statt mit dem Pathos von Tat und Idee mit dem Münzengeklapper kommt und mit dem Geklingel des Bettelbeutels und dem schalen Refrain: Oeldl Geld! Geld! Alle diese Reden hat man schon oft gehört; sie liegen zu nahe; aber unsere Erfahrung, unsere Vernunft und echtes Wertgefühl können leicht Antwort darauf geben: Die Wirtschaftskrise kann uns keineswegs über die Judenfrage beruhigen; im Gegenteil, sie hat sie von neuem brennend gemacht. Man sieht heute deutlich genug: Neben der allgfemeinen Wirtschaftskrise läuft eine sehr bedrohliche jüdische Wirtschaftskrise; und ihre Lösung ist durchaus nicht identisch mit der Lösung der allgemeinen Wirtschaftskrise. Soll wirklich der wachsende Antisemitismus unser Interesse für Palästina herabmindern? Das Gegenteil ist sonnenklar. Es wäre eine grauenvolle Täuschung, zu glauben, daß sich der Antisemitismus an jedem Ort separat, atomistisch, en detail bekämpfen ließe; der Antisemitismus ist und bleibt ein Tei! der Judenfrage und läßt sich nur durch eine großzügige Lösung der Judenfrage wahrhaft bekämpfen. Und in diesem Kampfe bildet die körperliche und geistige, nationale und soziale, sittliche und religiöse Renaissance der Juden in Palästina das Zentrum unserer Stellung. Daß aber der Zionismus den Antisemitismus gefördert hätte, glaubt heute schon niemand mehr. Diese unfromme fromme Lüge der Assimilanten aller Schattierungen hat die Entwicklung weggefegt. Der Kampf zwischen Kommunismus und Faschismus bedeutet — tiefer gefaßt — den Kampf zwischen materialistischem Abbau geistiger Werte und dem mystischen Aufbau nebulöser nationalistischer Werte. Es geht ein starker Pendelausschlag in die extremsten Flügel menschlicher Wertsetzungen durch die Welt. Die Werke des Geistes und des sittlichen Schöpfertums drohen dazwischen erdrückt oder verdunkelt zu werden. Zu diesen Werten der schöpferischen Mitte gehört auch die kulturelle Renaissance des jüdischen Volkes. Wer den Wert dieses Werkes erkannt hat, darf sich weder durch die materialistische Entwertungstendenz bolschewistischer Art noch durch die nebulösen Wünsche einer neuen nationalen Metaphysik beirren lassen. Nun die zionistischen Einwände: die politische Lage. Es ist richtig, daß der politische Horizont sich verfinstert hat und neue Schwierigkeiten entstanden sind. Niemand kann sie wegleugnen; aber niemand kann auch leugnen, daß der Weg zu ihrer Ueberwindung die reale Arbeit ist und daß die Wirkung unserer politischen Arbeit abhängig Ist von unserer tatsächlichen Leistung, von der Zahl der Menschen, die hinter uns stehen, von ihrer Begeisterung, ihrem Wollen und ihrer Opferbereitschaft. Was die Mittelstandskolonisatlon betrifft, so ist über ihre Wichtigkeit kein Wort zu verlieren; und es ist auch ohne weiteres zuzugeben, daß in dieser Richtung bisher nicht alles getan worden ist, was hätte getan werden können. Aber ebenso klar ist, daß man eine Pyramide nicht von oben und auch nicht aus der Mitte bauen kann, sondern nur von der Basis her. Die Mittelstandskolonisation setzt eine wirtschaftliche Grundlage voraus, und diese kann nur — wenn es sich um eine wirkliche jüdische Wirtschaft handeln soll — jüdische Arbeit sein. Diese breite, am schwersten zu beschaffende und am notwendigsten gebrauchte Basis aller Wirtschaft schafft der Keren Hajessod. Und nun noch ein Wort zu jenen moralischen Aesthe’ten, auf welche der Ruf nach Geld desillusionierend wirkt. Geld ist bekanntlich eine vertretbare Sache; es ist nur Quantität und hat keine eigene Qualität. Aber darum kann es auch — unter gewissen Voraussetzungen — jede und auch die höchste Qualität vertreten. Das bedeutet: Geld ist ein Generalnenner; und es vermag darum — unter gewissen Voraussetzungen — auch Ausdrucksmittcl für die höchsten Werte zu sein. Der Wille nach Geld nimmt nämlich die moralische Färbung des Zweckes an, zu dem das Geld gebraucht wird. Will man Geld für sich, zur eigenen Bequemlichkeit oder Sicherheit, oder gar nur aus blinder Geldgier oder aus Geiz, so hat es einen harten und bösen Klang. Will man aber Geld für andere oder als irdische Grundlage für einen idealen Zweck, zur Realisierung einer sittlichen Idee, so kann das Geld unter Umständen auch einen heroischen oder edlen Klang erhalten: und es kann geradezu fruchtbar im sittlichen Sinne werden. Hierfür ist der Keren Hajessod ein überzeugendes Beispiel. Die eiserne Notwendigkeit, Geld für Palästina zu sammeln, gab uns den Mut und die Kraft, Menschen zu suchen und zu finden. Auf dem Boden der Keren Hajessod- Arbeit hat sich die schöpferische Kraft zionistischer Geldnot erwiesen. Sie ist in den letzten Jahren wahrhaft nicht geringer geworden; und so dürfen wir denn hoffen, daß auch ihre moralische Kraft nicht kleiner wurde. Agnon-Abend Im Beth-Am. Anläßlich der Gesamtausgabe der Agnon-Werke durch den Salman Schocken-Verlag in Berlin veranstaltete das Beth-Am Iwri am 21. Mai einen Agnon-Abend, der eine Beleuchtung und Würdigung des Schaffens Agnons zum Ziele hatte. Der greise hebräische Schriftsteller und Kritiker, der kürzlich eine bemerkenswerte hebräische Heine-Ausgäbe veröffentlicht hat, A. L. Münz, trug ein eingehendes Essay, das demnächst erscheinen wird, vor. Der Referent gab eine Analyse des Schaffens Agnons. Ueber die hebräische Sprache Agnons.die einen besonderen Platz in der neuhebräischen Literatur einnimmt, sprach der hebräische Schriftsteller Jernensky, Er versuchte, die Eigenart ihres Stils und dessen Verhältnis zum hebräischen Stil der Gegenwart darzustellen. Ueber Agnon, den großen Gestalter jüdischer Typen, hielt Dr. Pines eine temperamcntvolle Ansprache. Dr. Z. Woyslawsky brachte die Freude der hebräischen Leser darüber zum Ausdruck, daß in einer für die hebräische Literatur so schweren Zeit wie heute, Agnon einen literarischen Gönner gefunden hat, der die hebräische Literatur um eine so mustergültige und nachahmenswerte Ausgabe bereichert hat. Der Dichter M. Mohr trug ein von ihm zu Ehren des Agnon-Abends verfaßtes Gedicht vor. Eindrucksvolle Rezitationen von K. Gerschoni aus Agnons Werken trugen zu tieferem Verständnis des Schaffens Agnons bei. Stillstand oder Erweiterung? Von Nanny Marguiies-Auerbach, Tel-Awiw. Meine Anregungen, die ich zu den Aufgaben der Wizo zu geben habe, dürften heute einen besser bereiteten Boden finden als bisher. Sie sind durchaus nicht neu, zum Teil schon in der Frauenpresse gedruckt worden. Da ihnen dies aber durchaus nicht zum Leben verholfen hat, muß noch einmal davon gesprochen werden. Diesmal werden sie in der Wizowelt eine Reihe von Freundinnen finden, die inzwischen durch eigene Anschauung in unserem Lande eingesehen haben, daß hoch vieles bitter nötig ist; der gesegnete Touristenström, der im Frühling unser Land überströmt, hat gleich in Aegypten dem NU, hat wohl auch in dieser Hinsicht fruchtbares Erdreich in der Oolah vorbereitet, aufnahmefähig gemacht für die Diskussion wichtiger Probleme, die ihnen selbst hier entgegengetreten sind. Hier muß ein Wort von Mirjam Scheuer zitiert werden, das sie freilich in anderem Zusammenhang gebrauchte, das aber völlig den Kern der Frage trifft. Sie fragt in ihrem dritten Artikel über ״Kultur und Barbarei in der Wizoarbeit“ (Die jüdische Frau, Nr. 6 1932, Prag), nachdem sie als emp- Endlichen Mangel der Propaganda-Arbeit das Fehlen des lebenden Motivs festgesteilt hat: ״Woher das lebende Motiv nehmen?“ Obwohl sie ganz andere Schlüsse zieht und vielleicht auch mit ihnen im Recht ist, möchte ich doch fragen, ob nicht auch viele andere von uns schon einmal eine solche Lücke gefühlt haben — und wäre dies nicht ein sehr starker Antrieb, um einmal neue lebendige Motive in unsere Arbeit hineinzubringen? Wenn man unsere prominenten Vertreterinnen nach dem Aufgabengebiet der Wizo fragt, soweit es ihre Palästina-Arbeit betrifft, so hören wir: die Vorbereitung der Frau für Land- und Hauswirtschaft. Dies ist das Grundprinzip, variiert durch die Arbeit der Histadruth Arzjth der Wizo in Erez Israel, die speziell die häusliche Gartenwirtschaft, eine gewisse Handfertigkeit und in einigen Abendkursen auch allgemeine Bildung den Frauen und Mädchen vermittelt. Jeder, der diese Arbeit kennt, wird sie nicht nur gutheißen, sondern wünschen, daß sie fortgesetzt und ausgebaut wird. Ferner ist ein Zweig der Wizoarbeit die Säuglingsfürsorge, die sehr segensreich im Lande wirkt. Dies vorausgeschickt, erhebt sich nun die Frage: ist dieses Programm unerschütterlich fest und genügt es dem Streben unserer Mitarbeiter, oder ist es elastisch, den Landesbedürfnissen entsprechend zu erweitern und neue Impulse seinen Mitgliedern bietend? Ich bekenne mich unbedingt zur zweiten Auslegung. Wer die Zeit der Gründung der Wizo mitarbeitend miterlebt hat, wer schon Jahre vor dem Krieg die Notwendigkeit einer zionistischen Frauenorganisation propagiert hat, der weiß, daß eine andere Anschauung nicht in Frage kommen darf. Die Begrenzungen, die unser Programm auf den verschiedenen Konferenzen erfahren hat, waren niemals gedacht im Sinne eines Sichverschließens vor dem lebendigen Wechsel der Volksnotwendigkeiten, sondern nur ein Sichbescheiden wegen budgetärer Schwierigkeiten. Aber wenn eine Frauenorganisation den Anspruch erhebt, alle zionistischen und bewußt-jüdischen Frauenkräfte der ganzen Welt in ihrer Hand zu konzentrieren, so hat sie die Werpflichtung, dieser gesammelten Kraft ein ganz gewaltiges, umfassendes, ganzes Ziel gegenüberzustellen, das einer derartigen Anspannung würdig ist. Dieses Ziel kann dann niemals ein Teilgebiet einer Aufgabe sein, sondern nur eine ganze Aufgabe. Das Programm der weltumspannenden Wizo mul) diejenige Aufgabe umfassen, die allein eine große und starke, verantwortungsbewußte Organisation erfüllen kann: die Erfassung der weiblichen Jugend von Erez Israel, ihre Beratung, Berufsausbildung in Stadt und Land, und Eingliederung in das tätige Leben des Volkes in allen seinen Schichten. * Derjenige, der ein solches erweitertes Programm einer Grofi-Wizo unterbreitet, ist geschützt vor dem Verdacht, die Arbeit der Wizo gering zu achten; man kann ihm höchstens vorwerfen, daß er die Kraft der Organisation in moralischer und finanzieller Hinsicht überschätzt. Ich glaube die Kräfte der Wizo in einer ganzen Anzahl von Ländern zu kennen, und ich bin felsenfest überzeugt davon, daß ein Solches Programm mit der Zeit uns so viele neue Freundinnen gewinnen könnte, daß eine Durchführung im Bereiche einer nahen Möglichkeit liegt. Aber ich wende mich schon jetzt gegen den naheliegenden Vorwurf, in der Zeit einer furchtbaren ökonomischen Krise, in der uns die notwendigsten Gelder fehlen, mit unerfüllbaren Projekten die Gemüter zu belasten. Ich weiß, daß ein langer Weg ist von der Aufnahme einer Aufgabe in ein Programm bis zu ihrer Erfüllung und es ziemt uns, — in einer Zeit der Depression und der materiellen Sorge um das Heute — neben der Arbeit für das Bestehende uns eine Arbeit der Zukunft zu schaffen, der wir dann in besserer Zeit gewachsen sein müssen durch gut ausgearbeitete Pläne, durch vorbereitete Kräfte, durch reife Saat in den Herzen unserer Freundinnen der ganzen Welt. Wehe dem Landmann, der in schwerer Zeit nicht seinen Boden vorbereitet und die Saat säet — er wird im besseren Herbst nichts zu ernten haben. Ich unterbreite dem Council der Wizo, der demnächst Zusammentritt, das vorstehend gezeichnete, nachfolgend spezialisierte Programm als Erweiterungspunkt des Wizoprogrammes, seine Vorbereitung bis zur Konferenz im nächsten Jahre und seine Unterstützung und Förderung durch alle Föderationen der Wizo. Ein neues Werk von Marlin Bnber Soeben erschien im Schocken-Verlag, Berlin, ein neues Buch von Martin Buber unter dem Titel ״Königtum Gottes“. ״Königtum Gottes“ ist, wie aus der Ankündigung des Verlages hervorgeht, das erste von drei Büchern, die unter dem gemeinsamen Obertitel ״Das Kommende, Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte des messianischen Glaubens“ darstellen wollen, aus welchem Ursprung und aus welchen Anfangen sich die biblische ״Eschatologie“ die Weissagung der kommenden und der letzten Dinge, entfaltet hat. Die Methode der Arbeit ist die geschichtliche, aber ihre Absicht ist übergeschichtlich. In diesem ersten Band stellt sie dar, wie wirkliche, echte, unbedingte Theokratie — nicht Priesterherrschaft, sondem das paradoxe Wagnis einer Gott allein und unmittelbar botmäßigen Gemeinschaft — in ihren! religiösen und politischen Wesen beschaffen ist. Der zweite Band wird die messianische Person, der dritte die eschatologischen Spannungen behandeln. 1. Aufnahme der gewerblichen Ausbildung insbesondere der städtischen weiblichen Jugend ins Wizo- Programm. 2. Die Errichtung von Tages- und Abendkursen für mehrere wichtige weibliche Berufe laut nachfolgender Spezifizierung (soweit bereits Kurse der Hist. Arzith hierfür bestehen, Ausbau, Förderung und Kontrolle dieser Institutionen). 3. Erfassung der weiblichen Jugendlichen in Stadt und Land spätestens vom Tage der Schulentlassung an; Berufsberatung im Schulgebäude in Zusammenarbeit mit den Schulvorständen. 4. Schaffung von Zentren für Mädchen, Jugendheime, Klubs, Vortragskurse für allgemeine Bildung, Aufklärung usw. usw. 5. Beratung der Mädchen der G o 1 a h im Hinblick auf gewerbliche Berufe, die ihnen eine Lebensmöglichkeit in Erez Israel bieten können, evtl. Vorbereitung und Förderung, ♦ Ueber alle diese Dinge habe ich bereits eingehend geschrieben. Das Heft ״Palästinafragen“ der Wizo-Konferenz 1929 enthält spezielle Ausführungen hierüber. Die Dinge haben sich in dieser Hinsicht nicht zum Besseren geändert, und ich habe jenen Sätzen prinzipiell nichts hinzuzufügen. Immer noch entläßt der Jischuw in all seinen Schulen mindestens zweitausend Mädchen jährlich ins Leben, für das sie in keiner Weise vorbereitet sind. Diese Mädchen sind fast alle im Lande aufgewachsen, sprechen die Landessprachen, sind akklimatisiert und bilden jene Generation, für die wir das Land aufbauen wollen. Wer von uns kann ruhig sein in der Erkenntnis, daß wir, Wizo, wir Frauen der ganzen Welt, für diese Mädchen nicht das geringste getan haben, daß wir ihnen allen, abgesehen von der kleinen Anzahl, die wir in unseren Institutionen ausbilden können, mit leeren Händen gegenüberstehen? Ich sehe in dieser Tatsache eine furchtbare moralische Verantwortung, die die Wizo nicht abschütteln kann. Es hilft nichts zu sagen: ״wir können nicht alles tun“ — wenn wir einen Teil dieses Werkes ausführen und den Vielen, die dort nicht einzugliedem sind, Steine statt Brot reichen. Sie werden uns eines Tages anklagen, wie sie as schon heute in vereinzelten Fällen tun: warum habt ihr nicht uns in eure Obhut genommen? Wir können nicht Landwirtschaft treiben, unsere Aussichten, unsere Familien sind in der Stadt, wir sind begabt für dies oder das Handwerk — mit weichem Recht laßt ihr uns völlig ohne Hilfe? Wißt ihr, was aus dieser Generation wird? Glaubt ihr, daß wir sie im Lande halte« können, wenn wir ihnen keine Lebensmöglichkeiten schaffen? Es widerstrebt mir, diese sachlichen Ausführungen mit sentimentalen Worten zu belasten. Aber ich möchte doch fragen: ist unseren Freundinnen im Auslande bekannt, wie viele jüdische Mädchen in Erez Israel ihre Nachschulbildung in den christlichen Missionen erhalten? Wie viele unserer orientalischen Mädchen jedes Jahr ins Ausland gehen, um zu lernen, und wie viele von ihnen für uns verloren gehen? Wie viele von ihnen heranwachsen in farbenprächtigen Vor- Stellungen dieses Europa oder Amerika und keine Beraterin finden, die ihnen die Wirklichkeit zeigt? Wie viele von ihnen diesen Vorstellungen zuliebe all« bierfassen und teils in wirk- Iichem Bildungshunger, teils in oberflächlichem Vergnttgüngs« drang nach ״Paris“ oder ״Wien“ oder ״Berlin“ fahren, und wie viele von ihnen verkommen oder gebrochen zurückkehren? Ich glaube, nachdem ich viele Jahre hier gelebt und gearbeitet habe, mit vollem Bewußtsein meiner Verantwortuchkeit fordern zu müssen: wendet eure Arbeit allen Mädchen zu; neben denen, die das Glück haben, in den Wizo- Anstalten zu arbeiten, gibt es Tausende, die keinerlei Möglichkeiten haben, sich selbst zu vervollkommnen, auszubilden und einen wirklich erlernten Beruf hier auszuüben. Gewiß, auch heute arbeiten unsere Mädchen; aber wir sind modern genug, um zu wissen, welcher Unterschied besteht zwischen Menschen mit gründlicher allgemeiner und Berufsausbildung und solchen, die von der Schule an dem Zufall überlassen blieben, keine Beratung und keine Aufsicht mehr hatten und nun schlecht und recht irgend etwas arbeiten, ohne es gründlich zu verstehen. Das Land braucht gelernte Hausgehilfinnen, Haushaltleiterinnen, gute Schneider innen (sind nur die gut, die vom Ausland einwandern?), Modistinnen, Friseurinnen, Verkäuferinnen (bisher kann man die reizendsten Erfahrungen im ״Dienst am Kunden“ machen), Hauspflegerinnen und noch eine Reihe anderer Berufe, die später in Angriff zu nehmen wären. Und nach einer naturgemäß nur oberflächlichen Berechnung sind die Kosten solcher Von gut ausgebildeten Kräften zu leitenden Kurse durchaus nicht so hoch, daß wir nicht hoffen dürften, sie in einer absehbaren Zeit verwirklichen zu können. Die Aufgabe liegt ganz klar vor uns: Zionistische Organisation für Kolonisation und (einstweilen) für Erziehung, Hadassah für medizinisches Werk, die Landesorganisationen (hoffentlich Hist. Naschim in Gemeinschaft mit Wizo), das soziale Fürsorgewerk, Wizo das Werk der Berufsausbildung und Nachschulerziehung, der seelischen und geistigen Höherführung der Mädchen und Frauen in Stadt und Land — nur solche Ziele rechtfertigen den Begriff der weltumspannenden Organisation. Detaillierte Ausführungen bin ich gern bereit, jedem Anfragenden zu geben; zwei Ein wände aber werde ich nicht gelten lassen: wir hätten keine Mittel — wir werden sie in absehbarer Zeit aufbringen; wir hätten keine Kräfte — wir haben diese Kräfte, wir müssen sie nur zur Arbeit ausnützen. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg; wir haben Schwereres begonnen und werden, so Gott will, noch vieles vollbringen. Hier heißt es nur: verstehen und beginnen! Presseschao Im orthodoxen ״Israelit“, Frankfurt, wendet sich der Leitartikel vom 26. Mai, offenbar verfaßt von dem soeben aus Palästina zurückgekehrten Redakteur des Blattes, Dr. Schachnowitz, gegen die von uns kürzlich erwähnten Warnungen Dr. Birnbaums, die Agudah möge nicht der Palästinastimmung erliegen. Demgegenüber betont Dr. Schachnowitz, daß die ״Gefahr“ einer übermäßigen Palästinastimmung und Palästinaauswanderung in den agudistischen Kreisen noch absolut nicht vorhanden sei, daß aber eine Förderung dieser Stimmung unbedingt im Programm der Agudah liegen müsse. Der Verfasser betont sehr eindringlich die Bedeutung Palästinas für das orthodoxe Judentum und tritt dafür ein. daß durch möglichst aktive Palästinaarbeit der orthodoxen Kreise auch dort eine stärkere Betonung der orthodoxen Postulate erstrebt werde. ......nimm.....in.. iihiiiiihiiiiiiiiuiimuiiiiiii iiiiiihhihhiiuiuii iiiuiii..