Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 42 (27.5.1932)
- Date
- 1932-05-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42, 27. V. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 199 Erziehung jüdischer Kinder aus Deutschland in Palästina Von Dr. Arthur Biram, Direktor der Realschule in Haifa. Ich will von einer Frage sprechen, die durch eine Reihe von Privatgesprächen mit alten Zionisten, die die Makkabiah-Welle in unsere Schule gebracht hatte, fast abrupt wieder als etwas ganz Neues vor mich gekommen ist. Diese Gespräche haben inzwischen bei der merkwürdigen Koinzidenz der Dinge in einer ganzen Reihe von Briefen alter Freunde aus Deutschland ihre Fortsetzung gefunden. Es scheint, daß deutsche Zionisten endlich dort stehen, wo sie schon vor 15 Jahren hätten stehen müssen (ich habe mich ebenso wie mein Freund Zlocisti oft genug bitter darüber beklagt): daß sie endlich verstehen, daß, wenn sie nicht selbst nach Palästina kommen, sie wenigstens ihre Kinder hier erziehen lassen sollen. Amerikanische Eltern, die durch eine Reise von mindestens drei Wochen von hier getrennt sind, die ja schließlich auch in Amerika über hinreichend gute Schulen verfügen und ihren Kindern dort sogar in den höheren Schulen nicht nur allgemeine Bildung geben, sondern sie auch hebräisch erziehen können, schicken uns seit einem Jahrzehnt Kinder hierher, die zu einem Teil schon hebräisch sprechen. Warum haben es eigentlich deutsche Zionisten nicht getan? Doch davon will ich jetzt nicht sprechen, sondern will ganz kurz sagen, wie sie es heute tun können. Ich will dabei nicht sagen, daß der einzige Weg für solche Versuche unsere Schule mit ihrem Internat ist. Sicherlich können auch Siegfried Lehmann in Benschemen und die Frauenschule in Nahalal, sowie andere Schulen dieses Typus und vielleicht auch andere Bildungsstatten deutsche Kinder bei sich aufnehmen. Aber die werden für sich selber sprechen. Ich will in aller Kürze und nur das rein Praktische berührend davon sprechen, wie es sich b e i uns gestalten wird. Es scheint mir, daß diese einfachen Tatsachen ein solch entscheidendes Stück zionistischer Verwirklichung werden können, daß es sich lohnt, sie hier einmal vorzutragen. Ich glaube, ohne Uebertreibung und ohne mich von der Wahrheit auch nur um das mindeste zu entfernen, sagen zu dürfen, daß wir heute hier in Palästina eine so gute Allgemeinbildung geben können, wie sie die gute deutsche Schule gibt oder jedenfalls einmal gegeben hat. Der Bildungsweg ist entweder durch Mathematik, Physik und Chemie, oder durch fremde Sprachen und Geschichte bestimmt. Die Sprachen, außer dem für alle verbindlichen Englisch, sind: Französisch und Arabisch, aber es besteht — wenigstens bei uns — auch die Möglichkeit, an Stelle beider oder einer dieser Sprachen auch Lateinisch oder Deutsch zu wählen. Für deutschsprechende Kinder könnten wir, wenn genügend Teilnehmer da sind, wie wir es für englischsprechende Kinder getan haben, spezielle Kurse einrichten, die ihren deutschen Bildungsvoraussetzungen entsprechen. Wir schließen die allgemeine Bildung mit einem Examen am Ende der 6. Klasse, d. h. am Ende des 10. Schuljahres ab und erlauben unseren Kindern in den oberen Klassen, sich außer Hebräisch und Englisch, das alle treiben müssen, auf zwei bis drei Fächer zu spezialisieren. Das Zeugnis, das sie dann bekommen, ist dem englischen ״Certificate of Higher Studies“ gleichzusetzen. Zöglinge englischer Schulen werden mit diesem Zeugnis in die deutschen Universitäten aufgenommen. Da»:P«uÖ1Wie'M11tist%rluin fttr:Oiterifcbt־«M ׳Volksbit״ düng verspricht uns «eit langer Zelt, unsere Schulen den englischen Anstalten gleichzustellen. Die Praxis ist dem nicht immer nachgekommen, aber bei einer Regelung in größerem Umfange scheint kein Zweifel, daß die Frage positiv zu lösen ist. Auch in anderen Ländern bestehen keine Schwierigkeiten zum Eintritt in Universitäten auf Grund unserer Zeugnisse und auch für England ist die Frage unschwer zu lösen. Das Gelingen unseres Planes hängt natürlich zu einem großen Teil von der positiven Lösung dieser Frage ab. Ich verstehe sehr wohl, daß auch zionistische Eltern sich vergewissem müssen, daß sie mit der Erziehung ihrer Kinder in Palästina ihre allgemeinen Erziehungsmöglichkeiten nicht beeinträchtigen. Entscheidend aber wird doch die Frage sein, was wir für die j ü d i s ch e Erziehung dieser Kinder tun können, und auch diesbezüglich, glaube ich, darf ich sehr positiv sprechen. Wir haben es immer mehr verstehen gelernt, daß die hebräische Schule in Palästina sich nicht an der formularen Sprachenerziehung genug sein lassen darf und daß auch die Welt des modernen hebräischen Schrifttums nicht das Ziel ihres hebräischen Unterrichts bleiben kann. Es ist bekannt, welche zentrale Rolle von den ersten Anfängen an die B i b e 1 im hebräischen Unterricht Palästinas eingenommen hat. In den letzten Jahren ist die Haggada, hauptsächlich in dem ausgezeichneten ״Sefer Aggada“ von Bialik und Rawnitzky, aber auch in Originalwerken, dazugetreten. Und jetzt denken wir ganz ernstlieh an ein ״Sefer Halacha“ und an die Uebermittlung eines Systems der Halacha an diese hebräischsprechenden Kinder. Mittelalterliche Literatur, sowohl die poetische wie die religionsphilosophische, schließt sich dem an. Wir hoffen, daß wir versprechen dürfen, unsere Kinder nicht nur zu hebräischen Menschen zu erziehen, die tief mit dem Geiste der Sprache verbunden sind; sie sollet! ganze Juden werden, die aus den Quellen jüdischen Geistes schöpfen, aus den Quellen heraus lebendigen jüdischen Geist in sich tragen. Mit dem lebendigen hebräischen Palästina soll es auch Judentum sein, das in diesen Kindern zu neuer freier Entwicklung entbunden wird. Die Schule hat, wie bekannt, neben der Allgemeinbildung immer auch die manuelle Schulung betont und ist jetzt auf dem Wege, Berufsbildung zu einem bewußten Wege der Allgemeinbildung zu machen. Kinder, die Neigung dazu haben, werden mit Allgemeinbildung in der Schule auch Berufsbildung erwerben können. Und dann ganz Praktisches: Das Internat der Schule mit seinem großen, geräumigen Haus und Garten auf halber Höhe des Karmel, ganz nahe der Schule, übernimmt die volle Verantwortung für die geistige, moralische und gesundheitliche Betreuung der Kinder. Wir wohnen selbst im Internat, die ärztliche Ueberwachung untersteht Caspary. Als Preis haben wir 10 pal. Pfund (d. h. heute etwa 155 Mark) festgesetzt; dieser Preis schließt Wohnung, Verpflegung, Wäsche und Instandhaitung der Kleidung, sowie die allgemeine ärztliche Ueberwachung ein. Das günstigste Alter für die Uebersiedlung, scheint mir, sind die Jahre von 11—14, die Umgewöhnung in das Hebräische vollzieht sich dann am leichtesten und es ist die Zeit, wo man schon wagen kann, Kinder aus dem Haus zu geben. Wir haben dann auch am leichtesten die Möglichkeit, Kinder in unseren speziellen Bildungsweg einzuordnen. Doch kommt in Fällen, wo es sich um begabte und speziell sprachbegabte Kinder, oder um solche mit guten hebräischen Voraussetzungen handelt (auch traditionelles Hebräisch und vielleicht ganz besonders das kommt in Frage), auch ein höheres Alter in Frage. Ich will noch besonders darauf hinweisen, daß bei der jetzigen günstigen Verbindung ohne besondere Kosten die Kinder alljährlich zwei Ferienmonate bei ihren Eltern verbringen können. Wir schließen die Schule vom 15. Juli bis zum 15. September. Wir würden Kindern von außerhalb zwei weitere Wochen für die Reise bewilligen, so daß sie wirklich zwei Monate zu Hause sein können. Bei Reisen in größerer Gesellschaft wäre auch für Ueberwachung und Begleitung leicht zu sorgen. Ich habe es für gut gehalten, einmal ganz ohne alle Ideologie die einfachen Tatsachen vor deutsche Zionisten zu bringen. Ich hoffe, daß sie viele zum Nachdenken über diese Frage bringen. Ich werde mich immer freuen, ausführliche Auskünfte brieflich zu geben. Zeitschriften ״ Schau In der altangesehenen Pariser Halbmonatsschrift ״Revue Bfeue“ (Revue Pditique et Litteraire) berichtet Uly Jean- Javal voller Liebe und Bewunderung über ״Die geistige Kultur in Palästina“. In dem düsteren Judäa wie dem wunderbar anmutigen Galiläa offenbare sich dem Fremden rin neues Gemeinschaftsleben. Die ganze Lebensweise sei Mer von einem starken Gefühl der Gleichheit durchdrungen, — einer Gleichheit der Rechte, die auch zur Gleichheit der Kultur führe. Ob diese Nivellierung nun vom Geiste des Orients oder mehr von dem der ostjüdischen Einwanderer herrühre, sei schwer zu sagen, — aber jedenfalls fühle sich der Fremde hier, trotz aller Vorurteile, überrascht und hingerissen durch die Tatsache, daß diese Menschen, vom Chauffeur bis zum Ingenieur, gleichzeitig Arbeiter und Intellektuelle seien. Der Wert und Geist des Zionismus bestehe in der Umwandlung des Gedankens in die Tat, und so übe ein jeder seinen Beruf voller Ueberlegung und Bewußtsein und gerade deshalb um so wirkungsvoller aus. Um die Liebe zur Arbeit in jeder Form aufrecht zu erhalten, bedürfe es eines seltenen Idealismus, und dieser stamme bei den Zionisten aus einer patriotischen Hingabe geistiger Art. Obwohl die meisten Zionisten nicht im eigentlichen Sinn des Wortes religiös seien, finde sich doch kaum einer, der nicht die Bibel und den Talmud verehre, und die großen Grundsätze, auf denen die Ethik des Abendlandes seit Jahrhunderten beruhe, hochhalte. — Ebenso begeistert preist die Verf. die Wiederenveekung und siegreiche Kraft der hebräischen Sprache, der Literatur und des Theaters und die Einrichtungen der Universität. Die Verf. rühmt dann, wie es in allen derartigen Beschreibungen geschieht, besonders das Schulwerk, wobei sie, als Französin, den Einfluß der Alliance Israelite verstärkt sehen möchte. * In der ״Zeitschrift für Geopolitik“ schreibt Albrecht Haushofer in seiner ״Berichterstattung aus der atlantischen Welt“: ״In Palästina wird nach einer Lösung gesucht, die es England ermöglicht, ähnlich wie im Irak die sichtbare Herrschaft zu einer unsichtbaren zu wandeln. Die vielgewandte Tätigkeit des Ex-Khediven Abbas Hilmi bleibt hier zu beachten; die lauten Stimmen einer großen Presse dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß die letzte Ent- Scheidung über die Zukunft Palästinas bereits gefallen ist; das LaWd wird nicht jüdisch werden, sondern arabisch bleiben.“ ■ (50 einfach ist da» wohl ■—־ A.-.d. R.J ■ « , - * In der Londoner Zeitschrift ״Headway“, die von der englischen Völkerbunds-Union herausgegeben ward, veröffentlicht Winifred Paynter eineit unpolitischen Aufsatz über das ״Palästina von heute“, in dem besonders das wunderbar malerische Durcheinander der verschiedenen Völkerschaften und Sekten mit ihren charakteristischen Trachten, sowie einige der schönsten heiligen Stätten beschrieben werden. Im Maiheft der amerikanischen Zeitschrift ״W o r Id Unity“, die der Förderung der Weltfriedensbewegung und der internationalen geistigen Kooperation dient, steht ein Aufsatz Norman Bentwichs, des ersten Inhabers des Weizmann-Lelirstuhles für internationales Friedensrecht, über ״Jeru salem, die Stadt des Friedens“ (wohl die Wiedergabe seiner Antrittsvorlesung). Bentwich geht von der einzigartigen historischen Doppel-Rolle aus, die Jerusalem einnimmt: einerseits als Stadt des Krieges, als Ziel und Schauplatz vieler Kämpfe von der ältesten Zeit an über die Kreuzzüge bis in unsere Tage, — andererseits aber als die Heilige Stadt, die Stadt der Gerechtigkeit und des Friedens, von der die größten ethischen und religiösen Bewegungen ausgehen. Von besonderem Interesse sind Bentwichs Ausführungen über die Kreuzzüge, die die ersten Vorstellungen von einer Christliehen Völkergemeinschaft und der Möglichkeit eines Völkerbundes hervorgerufen haben. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entwarf der Franzose Ehibois, vom Gedanken an eine Wiedereroberung des Heiligen Landes ausgehend, den ersten Plan für einen Völkerbund, und von Dtibois bis zu Kant, also ein halbes Jahrtausend hindurch, beruhten alle Pläne zu einer europäischen Einheit oder einem Völkerbund auf der Vor- Stellung von der Notwendigkeit einer gemeinsamen Aktion gegen die Ungläubigen zur Befreiung des Heiligen Landes. Auf die Rolle Jerusalems in jüngster Zeit eingehend, vertritt Bentwich einen bekannten Vorschlag, Jerusalem zum Sitz de s Völkerbundes zu machen. Das furchtbarste Uebel der neuesten Zeit, die eigentliche Wurzel der Kriege, sei die Anbetung des Götzen Staat, die Verachtung der Menschheit und Menschlichkeit; wenn in den Reichen des Altertums Religionen zu Nationalitäten geworden seien, so werde heute die Nationalität zur Religion. Das über die Welt zerstreute jüdische Volk müse zum Bannerträger einer höheren, altruistischeren Form der Nationalität werden, die den Vorrang des Menschlichen (humanity) anerkenne. Gerade heute, wo die im Orient seit Jahrhunderten erloschene Flamme des Nationalismus plötzlich wieder um sich greife und sich mit dem westlichen Materialismus verbinde, sei diese Aufgabe besonders dringend. Im gleichen Heft der ״World Unity“ veröffentlicht Hans Kohn einen Aufsatz über das soziale Problem im Orient und im Okzident (Kasten und Klassen). * In der liberalen und sowjetfreundlichen amerikanischen Wochenschrift ״Nation“ veröffentlicht William Zukerman einen bedenklich propagandistisch zugeschnittenen Aufsatz über ״Eine jüdische Heimstätte in Rußland“ — nämlich Biro- Bidschan. Zukerman gibt zwar den ganz minimalen Erfolg der dortigen jüdischen Kolonisation für die Zeit von 1928 bis Mitte 1931 zu und führt ihn darauf zurück, daß die fortschreitende Industrialisierung des Sowjetreiches in dieser Zeit den russischen Juden leichtere und (in jeder Hinsicht) näherliegende neue Existenzmöglichkeiten geboten habe, während eine Beteiligung ausländischer Juden nicht vorgesehen gewesen sei. Nachdem aber die Sowietregicrung im vorigen Jahr beschlossen habe, auch Ausländer heranzuziehen, habe sich die Sache geändert, und jetzt werde das Experiment in Biro-Bidschan vielleicht zu einem wichtigen Wendepunkt der jüdischen Geschichte werden, wie vor 50 Jahren der Beginn der ostjüdischen Massenauswanderung nach Nordamerika (!!). Gewiß spiele bei dem ganzen Projekt die russische Feindschaft gegen England eine große Rolle, und die Regierung erblicke wohl hier eines der Mittel, ״die kapitalistir• sehen Länder einzuholen und zu überholen“ (Lenin), und deshalb hätten die Zionisten Biro-Bidschan sozusagen als Konkurrenznnternehmen gegen Palästina abgelehnt, während aridere Juden, nach den Erfahrungen׳ mit dem alten zaristischen Ansiedlungsrayon, von geschlossenen jüdischen Siedelungen und irgendwelchem jüdischen Nationalismus überhaupt nichts wissen wollten. Die Kolonisationsmethode sei in vieler Hinsicht der zionistischen ähnlich, wenn man davon absehe, daß die Sowjetregierung die Rolle der britischen Verwaltung und die der Zionistischen Organisation gleichzeitig übernehme. Aber die jüdische Heimstätte werde hier ohne all die Probleme und Tragödien errichtet werden, denen sich der Zionismuus seit der Balfour-Deklaration gegenübersehe. —- Daß aber in dieser ״Jüdischen Heimstätte“ weder die jüdische Religion noch die hebräische Sprache eine Heimstätte finden, erwähnt Zukerman ebenso wenig, wie er anscheinend weiß, daß die eo politische Lage Biro-Bidschans alles anere eher als ru hi g und gesichert ist — geht bezeichnenderweise eben die Nachricht durch die Presse, daß die Sowjetregierung wegen der Spannung mit Japan ein Regiment nach Biro-Bidschan gelegt hat! Und wenn Zukerman mit Befriedigung davon Kenntnis nimmt, daß die ausländischen Juden auf ihrem Wege nach Biro-Bidschan sofort bei Ueberschreiten der russischen Grenze Sowjet-Bürger werden, so bedenkt er offenbar nicht, daß dies ihre völlige Auslieferung an die Sowjetbehörden bedeutet und die absolute Unmöglichkeit, bei einem Mißlingen des Experimentes das Land wieder zu verlassen! Bei der jetzigen Not der jüdischen Massen erscheint es doppelt unverantwortlich, in solcher Weise trügerische Hoftnungen zu erwecken! Rabbi EHJabn Klatzkin Am 23. Mai verstarb in Jerusalem im Alter von 80 Jahren Rabbi Elijahu Klatzkin, einer der bedeutendsten talmudisehen Gelehrten der Jetztzeit, einst einer der Führer <Jer russischen Rabbiner. Er wurde 1852 als Sohn von Rabbi Naphtali Herz geboren, der ihn in das religiöse Schrifttum einführte. Seit 1881 wirkte er als Rabbiner in Beresa kartezka, seit 1894 in Mariampol. 1910 wurde er nach Lublin berufen. Seit 1925 lebt er in Jerusalem. Neben zahlreichen religionsgesetzlichen Gutachten verfaßte Klatzkin einige homiletische Schriften, in denen er sich auch mit modernen Zeittragen auseinandersetzte. Der Verstorbene war der Vater Jakob Klatzkins, Chefredakteurs der ״Enzyklopaedia Judaica“, der vor kurzem seinen 50. Geburtstag gefeiert hat. Wir sprechen Dr. Klatzkin unser herzliches Beileid aus. Der PalSstinavortrag Vandervelde in Genf. Zu unserem Bericht in Nr. 39/40 der ״J. R.“ wird uns aus Genf noch geschrieben: Der Vortrag Vanderveldes über die Lage und Zukunft des jüdischen Nationalheims wurde von der So eiet 6 Sioniste de Geneve (Allgem. Zionisten) unter Leitung ihres Präsidenten, Herrn Adolf Adler, organisiert. Der Präsident sprach vor Eintritt in die Tagesordnung Bedauern nmä- Trauer über den meuchelmörderischen Akt, dem Präsident Doumer zum Opfer gefallen ist, aus, und betonte, daß wir in Doumer einen Freund des Judentums verlieren. Dem Vortrag wohnten ein großer Teil der Mitglieder der Socicte des Nations (Völkerbund), des B. I. T. (Internationalen Arbeitsamtes), sowie auch Delegierte der Abrüstungskonferenz, Konsuln, Professoren der Universität und die maßgebenden Persönlichkeiten der Stadt Genf bei. Der Vortrag bedeutete für den Zionismus einen außerordentlichen Erfolg. Potsdam—Berlin 1932. Am kommenden Sonntag, dem 29. Mai, tritt die jüdische Sportjugend Berlins wieder in den alljährlich stattfindenden Kampf um den Rang und die Stellung in der Leichtathletik ein. ״Potsdam—Berlin“, der große Staffellauf, bringt wieder, wie in vergangenen Jahren, den ganzen Bar Kochba-Hakoah auf die Beine. Hier handelt es sich nicht uin eine der vielen alltäglichen Sportveranstaltungen, an denen sich der jüdische Klub beteiligt, sondern um eine besondere. Hier gilt es, das jüdische Können zu beweisen im Kampfe mit den zahlreichen anderen nichtjüdischen Berliner Vereinen. Auf dem Bar Kochba-Hakoah ruht daher eine über seine sportliche Verantwortung hinausgehende allgemein-jüdische Aufgabe. Jahr für Jahr hat er ehrgeizig und mit zäher Kraft sich näher an die Spitze herangebraclit. Die jüdischen Läufer vermögen aber nur dann ihr Letztes für die Ehre und das Ansehen der Berliner Judenheit herauszuholen, wenn sie der Unterstützung der engeren Freunde, der zionistischen Massen Berlins, sich sicher fühlen können. Daher kommt alle am nächsten Sonntag zu ״Potsdam—Berlin“, stellt Euch an der Laufstrecke auf, seid am Ziel, stellt Eure Wagen zur Verfügung, soweit es nicht bereits geschehen ist, und feuert durch Eure Anwesenheit und Eure Zurufe die kämpfende Jugend an, die für Euer Ansehen und Eure Ehre gegen eine Welt schwerer Gegner antritt. Zionisten Berlins! Am nächsten Sonntagvormittag bei ״Potsdam—Berlin“! Dr. Alfred Ra bau. Das jüdische Jugend- und Sportheim am Keilberg im Erzgebirge, über dessen bevorstehende Errichtung wir bereits mehrfach berichtet haben, wird am 29. d. M. seine Grundsteinlegung feiern. Die Gründung dieses Heimes verdient weit über die Kreise der jüdischen Sportler hinaus das Interesse der jüdischen Öffentlichkeit. Eine Gruppe von begeisterten Menschen, die sich die Durchführung der Sache zum Ziele gesetzt haben, ist rastlos tätig, um die letzten Schwierigkeiten zu überwinden. Was von einem solchen Heim, das eine wirkliehe Sammelstätte der jüdischen Jugend werden und darüber hinaus Gelegenheit zu vielfachen Zusammenkünften und Veranstaltungen bieten könnte, zu erwarten ist, schildern mit beredten Worten eine Reihe von führenden Mitgliedern des neugegründeten Vereins in einer Broschüre, die durch Dr. Paul Holzer, Chemnitz, Kronenstr. 1, von Interessenten zu beziehen ist. Das sehr wirkungsvolle Heft enthält Artikel von Dr. Leiewer, Dr. Holzer, Robert Heller (Komotau), Dr. Franz Kohn er (Brüx), Architekt Otto Löbl (Karlsbad). Die Landschaft, die sportlichen Möglichkeiten, die Architektur und schließlich die wirtschaftliche Fundierung des Heimes wer* den ernst und eingehend dargelegt. Alles Wissenswerte wird zum Schluß noch in einem kontradiktorischen Dialog zusammengefaßt, wo alle Gründe für und gegen die Errichtung dieses Heimes dargelegt werden. Tennisklub Bar Kochba. Der Tennisklub Bar Kochba hat beide Verbandsspiele siegreich bestanden. Das nächste Verbandsspiel findet am kommenden Sonntag auf dem Tennisplatz Leibnizstraße, am Kurfürstendamm, statt.