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Jüdische Rundschau · 1932-05-20 · Heft 39-40 (20.5.1932) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 39-40 (20.5.1932)
Date
1932-05-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39/40, 20. V. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 189 Palästina als Tatsache Bonne: Palästina, Land und Wirtschaft Je stärker Palästina in den Mittelpunkt des jüdischen Lebens und der jüdischen Interessen tritt, um so stärker wird das Bedürfnis nach einer genauen Kenntnis der Verhältnisse des Landes seiner natürlichen Bedingungen, seiner Wirtschaft und Entwicklungstendenzen. Während in den Anfangszeiten des Zionismus es vor allem darauf ankam, sich zu einer bestimmten Gesinnung in bezug auf die Judenfrage durchzuringen, steht heute jeder Zionist vor ganz anderen, viel umfassenderen und konkreteren Anforderungen. Viele Schwierigkeiten des Zionismus, insbesondere auch die Heftigkeit und Leidenschaft mancher innerzionistischer Diskussionen und das Aneinandervorbeireden beruhen häufig darauf, daß noch immer Fragen der Gesinnung mit Angelegenheiten der meßbaren und zählbaren Tatsachenweit konfundiert werden. Auch haben zahlreiche Zionisten gar nicht die Möglichkeit gehabt, sich über Palästina wirklich eingehend zu informieren. Es gab bisher neben der seriösen zionistischen Presse, die aber auch andere Aufgaben zu erfüllen hat, vor allem die ausgezeichnet geleitete Wiener Zeitschrift ״Palästina“, die laufend über die wichtigsten Fragen berichtet und das einschlägige Material sammelt. Eine zusammenfassende Darstellung aber gab es in deutscher Sprache noch nicht. Diese Lücke ist jetzt durch ein wichtiges und, wie wir gleich hinzufügen möchten, nach Anlage und Inhalt überaus gelungenes Werk ausgefüllt worden. Dieses Buch: ״Palästina, Land und Wirtschaft“ von Dr. Alfred Bonne (Deutsche Wissenschaft!. Buchhandlung, Leipzig 1932, Preis RM, 14.—) ist zwar kein Lehrbuch des Zionismus, aber — abgesehen von dem, was es außerdem noch ist — ein unentbehrliches Lehrbuch für Zionisten. Das kleine Palästina ist soziologisch eines der merkwürdigsten und interessantesten Länder der Welt, nicht nur für Zionisten, die ein spezielles praktisches Interesse an diesem Lande haben. Es wurde oft darauf hingewiesen, daß Palästina ein Land der dicht nebeneinander wohnenden Gegensätze ist, schon rein klimatisch, da man in kurzer Zeit einen radikalen Klimawechsel vornehmen kann. Um wieviel stärker wirken aber die Gegensätze im menschlichen Zusammenleben, wo wir Typen und Formen modernster Prägung neben lebendigen Bildern aus ältester Vergangenheit vor uns sehen. Dem Zionisten, der von der Erkenntnis der Judenfrage her und aus dem Bedürfnis einer Abhilfe durch konzentrierte Judensiedlung zu der Beschäftigung mit Palästina gelangt, stellen sich die Probleme des Landes begreiflicherweise in erster Linie als Erschließung von SiedlungsmögHchkeiten dar, und die einheimische Bevölkerung dient, unter propagandistischem Gesichtspunkt gesehen, vor allem als Folie für die Bewertung der jüdischen Leistung. Auch in den Schilderungen zahlreicher Reiseschriftsteller linden wir Bewunderung für ein Werk, das mitten in einem Gebiet größter wirtschaftlicher Rückständigkeit moderne Betriebe zu etablieren vermocht hat. Jahrtausende sind hier übersprangen worden. Dem Soziologen, der ein Gesamtbild des heutigen Palästina gewinnen will, stellen sich die Dinge in einem etwas anderen Lichte dar. Er sieht hier eine stürmisch einsetzende gewaltige Umwandlung, zugleich konstatiert er die bestehenden Kontraste, die bei aller Unvermeidlichkeit auch etwas Bedenkliches haben. Bonne ist in seinem Buche allen politischen und ideologischen Auseinandersetzungen aus dem Wege gegangen. Es ist ein nüchtern und überlegt entworfenes beschreibendes Buch, das sich an Tatsachen und an Statistik hält. Da jedoch im Verlaufe der letzten zwei Jahre auch die exakten Daten Palästinas Gegenstand der politischen Diskussion geworden sind — man denke nur an den Streit um die Größe der besiedelbaren Bodenfläche im Anschluß an den Simpson-Bericht, der jetzt beim French-Bericht neu aufleben dürfte , muß der Verfasser natürlich aach diese Differenzen 'Wiedergehen. Er tut es mit vorbildlicher Objektivität, indem er z. B. die einzelnen Sachverständigen-Gutachten nebeneinander stellt und unter Bezugnahme auf die einschlägigen Dokumente auf die Fehler des Simpson-Berichtes hinweist. Im übrigen begnügt er sich mit dem Hinweis auf die politischen Vorau s s et z u n gen. Die gesamte Entwicklung Palästinas, so führt er aus, ist nicht denkbar ohne die Existenz des modernen Staates, dessen Aufbau mit dem Einzug der englischen Verwaltung begonnen hat. Unter dem Schutz der Mandatarmacht konnten sich auch die Juden durch Einwanderung und Bodenkauf entfalten. Bonne unterstreicht den prinzipiellen Unterschied zwischen der landläufigen europäischen Kolonisation und der jüdischen Siedlung in Palästina. Eine Betonung dieses Momentes ist um so wichtiger, wenn man bedenkt, daß das englische Kolonialamt seine Palästinapolitik vielfach von dem Schema seiner ostafrikanischen Kolonien ableitet. England selbst hat sich zwar in Palästina eine Reihe imperialistischer Stützpunkte gesichert, ist aber nicht unmittelbar als Kolonisator aufgetreten. ״Die eigentlichen Träger des staatlichen Lebens in Palästina sind heute Araber und Juden, und obwohl sich die beiden Nationen noch als politische und zum Teil auch wirtschaftliche Rivalen gegenüberstehen, ist es nicht ausgeschlossen, daß die beherrschende Stellung der Mandatarmacht gewisse Tendenzen zu einem gemeinsamen Vorgehen im Ringen um die Gestaltung des neuen Staates wachwerden läßt.“ Was nun die Wirtschaft betrifft, so stellt der Verfasser fest, daß ״die palästinensische Landwirtschaft sich im liebergang aus dem Stadium einer halbfeudalen statischen Agrar- Wirtschaft zu einer dynamisch bewegten, stellenweise hochkapitalistisch organisierten und international verflochtenen Volkswirtschaft befindet“. Was in Palästina heute vor sich geht, bezeichnet der Autor als eine Art ״Bauernbefreiung“. Neue Ideen dringen in den Nahen Orient ein und machen ihn immer stärker zu einem Bestandteil der europäischen Welt, obwohl nicht verkannt werden darf, daß starke Kräfte der Tradition dieser Angleichung hemmend entgegenstehen. Bonne hat alle einschlägigen Ziffern zusammengestellt und die Statistik in seinem Text geschickt verarbeitet, so daß der aufmerksame Leser ein klares Bild der wirtschaftlichen Verhältnisse bekommt. Es ist natürlich unmöglich, hier aut alle Einzelheiten einzugehen. Man kann sich aus dem Buche über die Menge der einzelnen erzeugten Fruchtarten und Kulturgewächse und ihren Wert orientieren, wobei die Vergleichs- Ziffern für mehrere Jahre stets nebeneinandergestellt sind. Ein besonders wichtiges Kapitel ist das über die Fellachen- Wirtschaft. Bonne schließt sich dabei eng an das ausgezeichnete Buch von Elazari-Volkani (Wiikansky) an, wohl die beste über diesen Gegenstand existierende Monographie, und behandelt dann die von der Regierung angestellten Untersuchungen, insbesondere den Bericht der Johnson-Crosbie- Kommission, deren Forderungen freilich von der Regierung far nicht oder nur zum genngeti Teil erfüllt wurden. Bei esprechung der zionistischen Siedlung (für die besser das Wort ״Kolonisation“ aus den von Bonne selbst erwähnten Gründen nicht gebraucht werden sollte), behandelt der Verfasser offen auch alle störenden Momente, deren wichtigstes wohl die Basierung auf ungesicherten Geldeinnahmen war, so daß häufig die notwendigsten Anschaffungen zur rechten Zeit unterbleiben mußten, wodurch sich die Kosten der Anlage unnatürlich vergrößerten. Auch sonst ergaben sich aus der Entstehungsgeschichte der jüdischen Siedlung mannigfache Fehler, gegen die frühzeitig im eigenen Lager die Kritik erwachte. Dennoch könne das bisherige wirtschaftliche Ergebnis der von der Jewish Agency betriebenen Siedlung als nicht unbefriedigend bezeichnet werden, ganz abgesehen davon, daß unter zionistischem Aspekt die erzwungene anfängliehe .Unwirtschaftlichkeit gegenüber dem nationalen Effekt nicht ins Gewicht fällt. Von einer besonderen Aktualität Ist das Kapitel über die Bodenfrage. Hier weist Bonne auch auf die Verflechtung mit propagandistischen Uebertreibungen hin, die auf die Notwendigkeit zurückzuführen sind, das Geld zum Bodenerwerb aus freiwilligen Spenden zu erhalten. Diese übertriebene Propaganda hat bei den Arabern starke Befürchtungen hervorgerufen, daß ihnen der Boden unter den Füßen weggekauft wird, und daraus ergab sich ihr Widerstand. Der Verfasser gibt dann, ohne eine eigene Meinung in der Sache auszusprechen, einen Ueberblick über die Oeschichte des Gedankens eines Pächterschutzes in Palästina, sowie eine Darstellung des von der Jewish Agency offiziell vertretenen Standpunktes in dieser Sache. Weitere Kapitel des Buches sind Industrie, Ge* werbe und Handel gewidmet, wobei auch Banken, Finanzinstitute und Genossenschaftswesen separat behandelt werden. Hier wird mancher Leser auch Material finden, das er für aktuelle praktische Zwecke einer Palästinabetätigung benötigt. Ein Abschnitt stellt das Verkehrswesen dar, wobei die bedeutende verkehrsgeographische Position Palästinas gewürdigt ist. In dem Abschnitt ״Berufsstände und wirtschaftliche Organisationen“ nimmt die Arbeiterschaft den breitesten Raum ein. Natürlich ist hier in erster Linie die jüdische Arbeiterbewegung geschildert, denn die arabische Arbeiterbewegung des Landes ist kaum über die ersten primitiven Anfänge hinausgekommen. Bonne wirft auch die Frage auf, warum bisher eine solidarische jüdisch-arabische Arbeiterbewegung nicht entstehen konnte und stellt fest, daß die nationalen Tendenzen der arabischen und jüdischen Arbeiter einander bisher unvereinbar gegenüberstanden, ganz abgesehen von den starken Unterschieden des Standards und der Bildung. Eine gemeinsame Organisation von Juden und Arabern sei schon aus politischen Gründen heute kaum durchführbar, weil die jüdischen Arbeiterführer gleichzeitig zionistische Führer sind und die Arbeiterbewegung ihr Gepräge durch eine Art nationalen Sozialismus erhält. Doch sei, so meint Bonne, seit 1929 eine gewisse Aenderung in der Haltung der jüdischen Arbeiter- Organisation eingetreten, die für die Zukunft eine gewerkschaftliche Annäherung der Arbeiter beider Nationen ermögliehen kannte, falls sich die nationalen Differenzpunkte ausgleichen lassen. In seiner Schlußzusammenfassung zeichnet Bonne nochmals die großen Perspektiven der in Umwandlung befindlichen palästinensischen Wirtschaft, die ihre Gestaltung als einheitliche Volkswirtschaft erst noch erhalten muß. Die zionistische Kolonisation bedeute einen außerordentlichen Anstoß zu einer Höherentwicklungdes Landes, und wenn im ersten Stadium ihres Vordringens wirklich knappe tausend Fellachen ihre Wirtschaften verloren haben, so kann eine solche Tatsache, die freilich politisch ausgewertet wird, im Rahmen des palästinensischen Agrarproblems keine Rolle spielen. ״Heute handelt es sich darum, die bestehenden großen Möglichkeiten für die sukzessive Neuansiedlung von Einwanderern mit den Maßnahmen zur Hebung des gesamten Bauernstandes zu kombinieren.“ In diesem Satz ist zweifellos das Hauptproblem, an das sich freilich bisher leider noch niemand praktisch herangewagt hat, richtig bezeichnet. Es sei noch erwähnt, daß dem Buche eine große Zahl sehr schöner und teilweise neuer Bilder als Anhang beigegeben sind. Man kann nur der Freude Ausdruck geben, daß ein sachliches und zuverlässiges Buch über Palästina jetzt vorliegt. Organisatorischer Umbaa Von unserem tschechoslowakischen Berichterstatter. . hl, Prag, 16. Mal 1932. Am 8. d. M. fand in Mähr.-Ostrau die Tagung des zionistischen Landesverbandes statt, die sich mit laufenden infernen tschechoslowakisch-zionistischen Fragen befaßte. Bei dieser Gelegenheit erklärten die Revisionisten, daß sie sich an den Wahlen für den kommenden Zionistentag — der am 5. und 6. Juli in Mähr.-Ostrau stattfinden wird, nicht mehr beteiligen, also den Landesverband verlassen. — Zur Schaffung eines Territoriaiverbandes aller zionistischen Gruppen und Fraktionen im Gebiete der tschechoslowakischen Republik wurde eine Kornmission eingesetzt, die bereits dem kommenden Zionistentag ihre Vorschläge unterbreiten wird. Die Schaffung eines soleben Sammelbeckens erscheint um so notwendiger, da nach dem in Kürze erfolgenden fchud der Poaie Zion mit den dem Landesverbände angehörenden sozialistischen Zionisten auch die letzteren wahrscheinlich den Landesverband verlassen dürften. Die Vereinigung aller sozialistisch-zionistischen Kräfte in einer Partei spielt sich in der Tschechoslowakei nicht wie in den übrigen Ländern in Form einer Vereinigung Hitachdut- Poaie Zion ab, da es hier keine Hitachdut gibt. Die nicht der P. Z. angehörenden sozialistischen Zionisten haben sich bereits vor Jahren zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, der auch die beiden großen Jugendorganisationen Techelet Lawan und Haschomer Hazair angehören. Von Interesse erscheint es in diesem Zusammenhänge, zu erwähnen, daß Dr. Hugo Herrmann, einer der bisherigen Führer der Allgemeinen Zionisten, der Poaie Zion beigetreten ist. Jfldlscher Rayon Kallnlndorl entvölkert Moskau, 13. Mai. (J.T. A.) Entschließungen der maßgebenden Sowjetkreise lassen erkennen, daß die Lage der autonomen jüdischen Siedlungsrayone Kalinindorf und Stalindorf unhaltbar geworden ist und daß die Existenz dieser Kolonien-Komplexe unmittelbar gefährdet ist. Aus einem soeben veröffentlichten Beschluß der kommunistischen Partei der Ukraine geht hervor, daß die Verwaltung des Kalinindorfer Rayons erwogen hat, den Rayon Kalinindorf infolge der Abwanderung des größten Teils der jüdischen Kolonisten seines Charakters als spezifisch jüdischen Rayon zu entkleiden. Die offiziellen Regierangsstellen mißbilligen entschieden diesen Plan. Die Zentralverwaltung von Komzet (Regierungskommission für jüdische Landansiedlung und Industrialisierung) hat beschlossen, eine radikale Aenderung ln der Führung des Kalinindorfer Rayons eintreten zu lassen. Im Beamtenstab des ukrainischen Komzet, dem die Schuld an den Zuständen zugeschrieben wird, die eine Massenabwanderung der jüdischen Kolonisten zur Folge hatten, sollen durchgreifende Aenderungen vor sich gehen. Eine von Komzet herausgegebene offizielle Information stellt fest, daß von 1916 jüdischen Familien, die noch im Jahre 1931 in Kalinindorf lebten (vorher waren es über 2000 jüdische Familien) heute nur noch 350 Familien auf ihrem Boden ausharren. Und selbst diese dürften ihre Felder verlassen, wenn ihnen nicht sofort Hilfe gebracht wird. Councilsitzung der Wlzo. Am 12. Juli 1932 wird ln B e r 1 i n die Councilsitzung der Wizo stattfinden. Die Palästina- und die Galuth-Exekutive der Wizo werden am Montag, dem 11. Juli, eine Vorkonferenz abhalten. Die Tagesordnung umfaßt Probleme der inneren Organisation, Finanz, Propaganda und externer Beziehungen, die sich 8*it der letzten Konferenz in Basel ergeben haben. Zur revisionistischen Campagne Von Kurt Blumenfeld. Die Berliner Ortsgruppe der Zionisten-Revisionisten ver• ichickt ein Flugblatt, in welchem gegen mich der Vorwurf «־hoben wird, daß ich ״laut eigenem Bekenntnis“ (feit gedruckt) veranlaßt habe, daß die ״Jüdische Rundschau“ die Aufnahme einer Ankündigung einer Versammlung mit Herrn Oberbaurat Stricker-Wien als Redner ablehnt. Aus diesem Grunde fordert das Flugblatt Zionisten zum Austritt aus der Z. V. f. D. auf und bezeichnet die ״Jüdische Rundschau“ als ״antizionistisch“. Die ״Jüdische Rundschau“ ist das Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Der deutsche Landesverband der ZionLsten-Revisionisten hat auf seiner letzten Landeskonferenz, den Beschluß gefaßt, seinen Mitgliedern den Austritt aus der Z. V. f. D. zu empfehlen. Ein beträchtlicher Teil der zionistisehen Betätigung der Revisionisten dient der Propaganda gegen die Z. V. f. D. Die Z, V. f. D. hat den Revisionisten, solange sie der Z. V. f. D. angehörten, alle Organe der Z. V. f. D. einschließlich der ״Jüdischen Rundschau“ für ihre Publikationen und Ankündigungen ebenso uneingeschränkt und kostenlos zur Verfügung gestellt wie allen anderen der Z. V. f. D. angcschlossenen Gruppen. Nach dem erwähnten Beschluß jedoch stellte sich der Geschäftsführende Ausschuß auf den eigentlich nur selbstverständlichen Standpunkt, daß man einer Gruppe, die den Austritt aus der Z. V. f. D. propagiert, hierzu nicht die Organe und Hilfsmittel der Z. V. f. D. zur Verfügung atellen kann. Von diesem Grundsatz im Falle Stricker eine Ausnähme zu machen, lag um so weniger ein Anlaß vor, als Stricker der Herausgeber einer revisionistischen Zeitung in Wien ist, die unausgesetzt gegen den deutschen Zionismus und die ״Jüdische Rundschau“ in einer nach unserer Meinung unzulässigen, das in einer Auseinandersetzung unter Gesinnungsgenoasen erlaubte Muß übersteigenden Form kämpft. Der deutsche Zionismus hat immer bewiesen, daß gerade er politische und ideologische Diskussionen wünscht und er ist der letzte, der durch formalistische Mittel solchen Diskussionen ausweichen möchte. Wenn aber im zionistischer» Lager ein Gegner aufsteht, der die Z. V. f. D. als ״antizionistisch“ bezeichnet, ihre Führer als nationale ״Verräter“ und der ״Jüdisehen Rundschau“ den Titel ״Berliner Ausgabe des arabischen Felestin“ zu geben beliebt, so wäre es nach unserer Meinung der Gipfel der Verkehrtheit, für Veranstaltungen, die durch diesen Stil charakterisiert sind, in irgendeiner Form in den Organen der Z. V. f. D. Propaganda zu machen. Die ״Jüdische Rundschau“ hat bisher den nach unserer, Meinung richtigen Grundsatz befolgt, auf die unsachlichen Beschimpfungen der revisionistischen Presse nicht zu reagieren, da wir den größten Wert darauf legen, der zionistischen Bewegung in Deutschland ein würdiges, nicht durch kleinlichea Parteigezänk und Breittrete*» interner Zwistigkeiten degradiertes Organ zu bewahren. In dieser Zeit, in der wir alle Kräfte im Kampf gegen den mächtigen äußeren Judenfeind und gegen die lähmende Macht der Assimilation benötigen, lassen wir lieber so manche demagogische Besudlung auf uns sitzen, als daß wir unsere Energie in einer Polemik verzetteln, die, wenn einmal begonnen, erfahrungsgemäß keine Grenzen kennt. Die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ — und besonders solche, die auch andere zionistische Zeitungen kennen — werden selbst beurteilen können, daß eine umfassende Behandlung der zionistischen Probleme und ein klares und starkes Eintreten für positive zionistische Ziele möglich ist, auch ohne sich dem Gassenton einer Polemik anzupassen, die ihr Vorbild offenbar außerhalb des jüdischen Lagers hat. Wir werden dies auch in Zukunft so halten, und man kann uns nicht zumuten, daß wi* Gruppen, die sich von uns lossagen, noch fördern sollen, Das Wiener Organ des Herrn Strick«* hat übrigens Über Strickers Reise in Deutschland einen Bericht veröffentlicht, der wieder von unqualifizierbaren Anwürfen gegen die Z. V. f. D. erfüllt ist. Ohne hierauf einzugehen, möchte ich aber unseren Freunden einige Stellen aus diesem Bericht zur Kenntnis bringen, damit weitere zionistische Kreise diesen Stil bombastischer Selbstbeweihräucherung, der für die revisionistische Publizistik charakteristisch ist, kennenlernen. Diesem Stil begegnen wir übrigens auch in anderen Berichten aus Deutschfand, z. B. in dem palästinensischen Revisionisten-Organ, das fortgesetzt über irgendwelche Heldentaten der revisionistisehen Jugend Deutschlands zu berichten weiß. Ueber die Berliner Stricker-Versammlung berichtet das Revisionistenblatt mit folgender Einleitung: ״Nachstehend der Bericht über die Berliner Versammlung, welche die größte jüdische oder zionistische Versammlung war, welche Berlin seit der Protestversal»mlung gegen die Pogrome in Palästina 1929 gesehen hat. Der riesige Sophiensaal war überfüllt und mußte polizeilich gesperrt werden. Ueber 1200 Personen waren im Saal, viele Hunderte mußten abziehen.“ Es folgt dann der eigentliche Bericht, von dem ich nach* stehend nur den ersten Absatz kommentarlos wiedergebe: ״Auf seiner Deutschland-Tournee weilte Oberbaurat Robert Stricker vorn 5. bis 8. Mai d. J. in Berlin. Gleich am 5. vormittags begab er sich in Begleitung von Dir. K a - r e 8 k i und Dr. Rabinowicz ins Lager des Berliner Brith Trumpeidor, der seine wehrsportlichen Uebungen außerhalb Berlins abhielt. Etwa 220 Betarim marschierten zur Begrüßung auf, die der Mefaked ha-Ken, Hans E g e r, sprach. Das ״Betar, Betar“-Lied erklang, worauf die Mittagspause eintrat. Die eigene Küche der Betariot sorgte um die Ausfüllung dieser Pause. Erst am Nachmittag fanden die militärischen Uebungen statt. Oberbaurat Stricker konnte mit Befriedigung die Stärke und die ausgezeichneten Leistungen des Betac unter der Oberleitung von Alex Reiter konstatieren.“ Abschließend möchte ich nur sagen: Die Z. V. f. D. hat seit der formellen Loslösung der Revisionisten nicht den geringsten Einfluß darauf, was im revisionistischen Lager vorgeht und trägt dafür keine Verantwortung. Der deutsche Zionismus wird selbstverständlich mit allen politischen und geistigen Strömungen im Zionismus und im Judentum sich auseinandersetzen; wir bedauern, daß, soweit der Revisionismus in Betracht kommt, diese Auseinandersetzung nicht innerhalb des Rahmens der Z. V. f. D. vor sich geht. Nicht wir sind es, die den organisatorischen Bruch vollzogen haben. Wenn man aber schon eine solche Loslösung vollzieht, und daraus die weitestgehenden Freiheiten für das eigene Verhalten ebleitet, dann sollte man nicht an die Organe der Z. V. I. D. mit dem Verlangen um eine organisatorische Unterstützung herantreten, und am allerwenigsten sollte man ein solches Verlangen mit dem beschämenden Argument stützen, daß man dafür ״zahlen“ wollte. ׳Jerusalem, 16. Mai (J. T. A.). Aus Damaskus hier einlaufende Berichte erzählen wiederum von einer starken anti jüdischen Strömung in Damaskus. Flugblätter mit der Aufforderung, die Juden zu boykottieren, werden verbreitet, wodurch eine erregte Stimmung gegen die jüdische Bevölkerung geschaffen wird. Drei Juden wurden auf der Straße schwer mißhandelt. Nach dem jüdischen Viertel wurden Polizeiverstärkungen zum Schütze der Bevölkerung SBtsaüdt

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