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Jüdische Rundschau · 1932-05-20 · Heft 39-40 (20.5.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 39-40 (20.5.1932)
Date
1932-05-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 188 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 39/40, 20. V. 1932 Rttdfkehr zur SadilidiKeif Nach den Festen Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl• Tel-Awiw, 3. Mal 1932. Wir stehen am Ende der großen Festzeit, deren Markstefne Purim, Makkabiah, Levante-Messe heißen, die belebt wurde durch den großen jüdischen Touristenstrom. Peßach, Nebi Musa und der 1. Mai — sind vorüber, der Strom der Besucher verläuft sich, Palästina kehrt zur täglichen Arbeit zurück. An diesem Zeitpunkt wollen wir einen Rückblick tun auf die vergangenen zwei Monate und versuchen, ihre Bilanz zu ziehen. I. Das größte, sogleich sich auswirkende und fühlbare Resultat der letzten Periode ist ein national-propagandistisches. Wir brauchen seinen Charakter heute nicht mehr im einzelnen zu untersuchen, da wir die steigende Stirnmung dieser Tage schon mehrmals geschildert haben und fast jeder, der heute aus Palästina zurückkommt, ein lebendiges Zeugnis dafür bildet. Was es für die Agitation bedeutet, daß heute Tausende von Palästinafahrern ins Oaluth kommen und die Eindrücke eines Aufstiegs, einer Expansion, einer Basicrung lebendig aus eigener Anschauung schildern — ohne daß sie dazu von einer offiziellen Stelle der Bewegung beauftragt wären! — das braucht keiner Erläuterung. Die vom Parteienkampf und von oft ungerechter und maßloser Kritik zerfleischte zionistische Welt hat heute diesen neuen Schwung, diese Begeisterung bitter nötig und sie wird sie sicher dankbar aufnehmen. Nur auf einen Punkt, der sowohl von finanzieller wie auch von ideologischer Wirkung ist, wollen wir hier besonders hinweiseh. Der größte Teil der Touristen hat einen besonders starken Eindruck von der Entwicklung der privaten Unternehmungen, sowohl auf dem Lande wie in der Stadt, bekommen. Hier sieht er nicht nur Bestehendes, sondern auch weite Perspektiven. Im scharfen Gegensatz dazu stehen die Fonds und mit ihnen die Finanzen der Agency. Trotz allem Abbau mit riesigen Verpflichtungen belastet, in dauernder Geldnot, mit der Liquidierung der Schulden vergangener Jahre beschäftigt, im Gegensatz zur Privatwirtschaft betroffen durch die Wirtschaftskrise der Welt, da die Spenden darunter leiden, kämpft die Agency einen bitteren Kampf, und diesen oftmals nicht einmal unterstützt durch weite Kreise, sondern allzu häufig in einer wenig glorreichen Isolierung. Es ist nur natürlich, daß viele unter diesem Eindruck geneigt sind, Fonds, Kolonisation aus nationalen Mitteln, das ganze Arsenal des traditionellen Zionismus zum alten Eisen zu werfen. Es wird oft vergessen, daß dieses heute geschmähte oder wenig beachtete ״nationale“ Kapital den Vormarsch des privaten erst ermöglicht oder erleichtert hat, daß es als Schrittmacher diente und daß die fortschreitende Unabhlngigkeit des Jischuw nicht gegen nationale Kolonisation spricht, sondern für ihre Ausbreitung, selbstverständlich unter dttreh di« Erfahrung von Jahrzehnten bedingten Korrektiven. Es ist gerade jetzt in der beginnenden Hochkonjunktur kapiia- Mischer Investitionen besonders nötig, sich diesen Grundsatz des Ausbaus und der Fortsetzung nationaler Siedlungstätigkeit ins Gedächtnis zurückzurufen. Sonst kann sich leicht die beginnende propalästinensische Stimmung in einer Auflösung privater Interessen verlieren. II. Was im Lande begreiflicherweise das stärkste Interesse erregt, ist die Frage nach den wirtschaftlichen Ergebnissen dieser Zeit. Wir stehen noch vor der eigentliehen Investitionsperiode. Nur von sehr wenigen größeren Käufen oder Unternehmungen ist zurzeit zu berichten. Dagegen ist das Interesse an Anlagen beträchtlich. Es wird untersucht, verschiedene Möglichkeiten erwogen, Verhandlungen angeknüpft, Pläne gemacht. So wie die jüdische Wirtschaftsläge anders ist als zu Beginn der vierten Alijah — Stabilisierung, keine Arbeitslosigkeit, Kenntnis einiger basierter Erwerbszweige wie Häuserbau und Plantagen — so ist auch die Psychologie der interessierten Kreise eine andere als damals. In den Jahren 1925/26 hatten wir es mit einer Art von Pionierkapital zu tun. Der Einwanderer, der ohnedies wenig Erfaßrangen vorfand, ging ohne viel Untersuchungen und ohne langes Ueberlegen auf eine Sache los, steckte Kapital und Arbeit hinein, und sofort machte sich die Wirkung fühlbar in einem Abflauen der Arbeitslosigkeit, aber auch in Spekulation, Ueberstürzung und dann später in dem Auseinanderbrechen verschiedener Unternehmungen. Diesmal gibt es bestimmte erprobte Zweige, und wenn jetzt fertige Pardessim in größerem Umfange zum Verkaufe stünden oder Häuser angeboten würden, ginge wahrscheinlich der investitionsprozeß sehr viel rascher vor sich. So wie die Dinge aber stehen, wo der Ankauf einer fertigen Pflanzung gar nicht so einfach ist, wo Bodenankauf und Pflanzung umfangreiche und langwierige Verhandlungen mit sich bringen, außerdem die Menge der damit befaßten Gesellschaften den Neuling leicht verwirrt, entschließt man sicli vielfach zum Abwarten. Und von der Erschließung neuer Arbeitsgebiete, von neuen Industrien zum Beispiel ist noch kaum etwas zu spüren. Es wird ein anderer und sicherer Weg eingeschlagen. Die Gelder, die zur Anlage bestimmt sind, werden erst einmal nach Palästina gebracht und hier in Banken niedergelegt. Man schätzt die Summe dieser Depositen heute auf ungefähr Ncukonstllulerung der Palästina-Exekutive Jerusalem, 13. Mai. (J. T. A.) Die Jewt'sh Agency in Palästina hat sich neu konstituiert. Die Funktionen wurden wie folgt verteilt: Dr. Arlosoroff behält das Ressort für Politik, Dr. Hext er übernimmt das Ressort für landwirtschaftiiche Kolonisation, Farbstein das für Handel, Industrie und Mittelstandssiedlung, Dr. Werner Senator verwaltet weiter das Schatzamt und übernimmt die Ressorts für Einwanderung und Arbeit, für Emanuel Neumann wurde ein neues Departement für Beratung in finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten eingerichtet. eine halbe Million Pfund. Diese Ziffer erhebt natürlich keinen Anspruch auf Genauigkeit, sie dürfte jedoch nicht weit von der Wahrheit entfernt sein. Für die jüdische Wirtschaft im Lande muß sich natürlich das Einsickern eines solchen Geld- Stromes befrachtend fühlbar machen und im Laufe des nachsien Jahres zu einer Expansion führen. Es werden dieses Jahr 17 000 Dunam neuer Zitruspflanzungen angelegt und Verhandlungen über Bildung neuer Pfianzungsgruppen, über Bodenkaufspläne und Erweiterung bestehender Gesellschäften sind an der Tagesordnung. Die Entwicklung scheint also diesesmal nicht so rapide vor sich zu gehen wie vor sechs Jahren, deutet jedoch auf eine überlegte, genau kalkuiierte und auf genügender finanzieller Basis ruhende Aufwärtsbewegung. III. Es gibt eine dritte relativ wenig beachtete Auswirkung der letzten Monate, das ist die politische, worunter nicht nur die Wirkung nach außen, sondern auch nach innen verstanden werden soll. Daß es in der gegenwärtigen Situation im Lande überhaupt kaum innerjüdische Entwicklungen gibt, besonders wenn sie noch mit der Frage der Einwanderung Zusammenhängen, die nicht auch nach außen, bei den Englindern, vor allem aber bei den Arabern wirksam werden, ist ja selbstverständlich. Was bei uns vorgeht, wird verfolgt, gewertet, glossiert und wenn irgend möglich im Dienste der national-arabischen Bewegung verwandt. Die Anteilnahme von tausenden schaulustiger Araber beim Karneval, die Glossierung der Makkabiah in der arabischen Presse und der Protest der Arabischen Exekutive gegen die ״jüdischen Demonstrationen“, der Boykott der Levante-Messe nicht nur durch die arabischen Firmen, sondern auch durch einen großen Teil des arabischen Publikums sind neuerliche Beweise dafür. Dieses Leben und Arbeiten 1m Lichte — oft gegnerischer —- Scheinwerfer zwingt zu einer besonderen Vorsicht oder sollte zumindest dazu zwingen. De facto wird nicht immer damit gerechnet. Bei dem Schaukelcharakter der palästinensischen Entwicklung, von Arbeitslosigkeit zu Prosperität und wieder zurück, von Zeiten öffentlicher Sicherheit und Unruhen und wieder zurück, ist man gerade in Zeiten des Aufstiegs politischer Vorsicht weniger hold. Die in Zeiten der Not überanstrengten Nerven brauchen eine Entspannung, man wird es müde, sich immer wieder zu überlegen, wie eine Sache ״wirken“ mag, man will es sich auch einmal gut gehen lassen, was ja ganz verständlich ist. Auch beschäftigt man sich gegenwärtig nicht gerade gern mit Politik, denn Wirtschaft ist heute Trumpf, und wenn für eine Aktion wirtschaftliche und national - propagandistische Gründe sprechen, so werden eventuelle politische Gegengründe nicht schwer in die Waagschale fallen. Dazu kommt ein gewisser Umschwung in der Schätzung politischer Aktion überhaupt. Früher war man geneigt, sie sehr hoch zu werten, während man jetzt an politischer Uebersättigung leidet und ein gewisses Mißtrauen gegen politische Mittel hat, weil zuviel Enttäuschungen sich auf diesem Gebiete angesammelt haben. Ohnedies hat es in Palästina immer eine starke Richtung gegeben, die praktische Tätigkeit nicht nur an die erste Stelle setzte, sondern auch von ihr die Lösung politischer Schwierigkeiten erwartete. Naturgemäß ist eine Zeit der Prosperität wie die heutige dieser Richtung besonders günstig. Jedoch kann diese Ansicht ebenso zu Illusionen führen wie die gegenteilige, die von der Politik vieles oder alles, von der reinen Wirtschaft wenig oder nichts erhofft. Zudem besteht die Gefahr, daß man in der Freude des Vorwärtskommens auf einem Gebiet, nämlich der Wirtschaft, die schweren Probleme der Politik, sowohl der englischen wie der arabischen, vergißt oder bagatellisiert. Das gilt nicht nur für Palästina, sondern auch für das Ausland. Es ist ja kein Zufall, daß von der großen Mehrheit der Besucher Tel-Awiw heute als die Perle des Jischuw gepriesen wird und daß die meisten hier zu leben wünschen, nicht nur weil es leichte und komfortable Bedingungen bietet — wie weit liegen die heroisehen Jahre der Siedlung zurück! — sondern auch weil hier eine rein jüdische Atmosphäre herrscht. Tel-Awiw ist eben das Miniatur — oder sollte man sagen der Traum? — der Nationalen Heimstätte, es ist hier weit leichter als anderswo, die harte palästinensische ״Wirklichkeit“ mit detn Problem der Völkerverständigung zu übersehen oder sogar zu vergessen. Denn hier ist alles, wovon mail geträumt hatte: eine rein jüdische Umweit, Autonomie! hundertprozentige Sicherheit, die außerhalb der Stadtgrenzen nicht in diesem Maße zu finden sind. Man braucht wahrlich den Wert von Tel-Awiw nicht zu verkleinern, um zu erkennen, daß in dieser Einstellung die Gefahr eines gewissen Selbstbetruges liegt, der sich nicht nur persönlich, sondern auch politisch rächen kann. Vielleicht ist gerade der gegenwärtige Moment, wo die Stimmung im jüdischen Lager besser ist, wo die Wirtschaftssorgen nicht so drücken wie sonst und wo man auf einen Fortschritt hofft, der richtige Augenblick, um nochmals an die schweren Fragen der allgemeinen palästinensischen Politik heranzugehen, die heute nicht weniger aktuell sind als früher, wenn sie vielleicht auch nicht so stark in die Augen fallen. Schließlich wird durch Import von Kapital und Menschen, durch Siedlung und Städtebau nur das Kräfteverhältnis verschoben; das Grundproblem, die Schaffung eines Modus vivendi zwischen den beiden im Lande lebenden Völkern unter Beachtung des dritten (englischen) Faktors, bleibt weiter bestehen. Prof. Wilhelm Kahl, der soeben verstorbene berühmte Jurist, war ein Freund des Gedankens eines jüdischen Nationalheims und Mitglied des Deutschen Komitees Pro Palästina. Graf Bernstorf{ hat im Namen des Deutschen Komitees Pro Pa* lästina folgendes Beileidstelegramm an Frau Geheimrat Kahl gerichtet: ״Das Präsidium des Deutschen Komitees Pro Palästina beklagt aufs tiefste den Heimgang seines hochverehrten Mitgliedes und spricht Ihnen die herzlichste Anteilnahme aus. Unser Komitee wird dem Verstorbenen, der unsere Bestrebungen seit vielen Jahren gefördert hat, ein treues Gedenken bewahren. Der Vorsitzende: Graf Bernstorff.“ Ende eines A-Mand&tcst Die AntnalmebelUigiingen Iraks ta den Völkerbund Von unserem Genfer Mitarbeiter. K-y, Genf, 17. Mai. Nachdem sich der Völkerbundrat im Januar I. J. mit der von der britischen Regierung beantragten Aufhebung des Mandates über den Irak grundsätzlich einverstanden erklärt hat, beauffragte er einen Sonderausschuß, den Entwurf einer Erklärung auszuarbeiten, die vom Irak anläßlich der Anerkennung seiner Unabhängigkeit und seiner Aufnahme in den Völkerbund zu unterzeichnen wäre. Nach zwei ziemlich mühevollen Tagungen, deren letzte erst vor wenigen Tagen beendet wurde, nahm der Sonderausschuß einstimmig einen Erklärungsentwurf an, den der Vertreter Jugoslawiens in seiner Eigenschaft als Berichterstatter dem Völkerbundrat im Laufe dieser Woche vorlegen wird. Der Entwurf besteht aus sechzehn Artikeln und zerfällt in zwei Teile. Der erste, weitaus umfangreichere Teil, bezieht sich auf den Minderheitenschutz und enthält Be- Stimmungen, die nur wenig von den allgemeinen in alle Minderheitenverträge der europäischen Staaten aufgenommenen Be- Stimmungen abweichen. Als Vorbild diente die Erklärung Albaniens, eines ebenfalls überwiegend muselmanischen Staates. Sie umfassen, bloß zwei Sonderklauseln. Die eine bezieht sich auf die nicht muselmanisch e n Minderheiten und verpflichtet die Regierung Iraks, alle Fragen, die den Personen- und Familienrechtsstand dieser Minderheiten betreffen, emäb den in ihren Gemeinschaften herrschenden Rechtsrauchen zu regeln. Die zweite ist zugunsten der k u r d i - sehen Minderheiten eingeführt und sieht insbesondere die Anerkennung der kurdischen Sprache in den von Kurden überwiegend bewohnten Landesteilen als offizielle Landesspräche vor. Der zweite Teil der Erklärung beschäftigt sich mit den Fragen der Meistbegünstigungsklausel für die Völkerbundsmitglieder, der Rechtsstellung der Ausländer, der internationalen Abkommen, der durch die Mandatarmacht für Irak erworbenen Rechte und eingegangenen finanziellen Verpflichtungen, der Gewissensfreiheit und der Tätigkeit der religiösen Missionen. Besonders hervorzuheben wären die Bestimmungen bezüglich der Meistbegünstigungsklausel, deren Begründung in dem für alle Mandatsgebiete festgesetzten Grundsatz der wirtschaftlichen Gleichberechtigung aller Mitglieder des Völkerbundes zu suchen ist. Entgegen den Wünschen Großbritanniens, das die Verpflichtung Iraks zur Gewährung der Meistbegünstigungsklausel auf bloß zwei Jahre, von seinem Eintritt in den Völkerbund an gerechnet, beschränken wollte, hat der Sonderausschuß diese Verpflichtung Iraks für die Dauer von zehn Jahren festgesetzt. Irak verpflichtet sich demnach, allen Völkerbundsmitgliedern, unter Vorbehalt der Gegenseitigkeit, Meistbegünstigung für die Dauer von zehn Jahren zu gewähren. Die OelrStirenleitung durch Palästina Jerusalem, 10. Mai. (J.T, A.) Die arabische Zeitung ״Felestin“ bringt ein Interview mit dem Ingenieur Lang, Direktor der Palästina-Abteilung der Oelröhrenleitung vom Irak nach Haifa, in dem Lang mitteilt, daß die Röhren den Jordan sechs Kilometer südlich der Ruthenberg-Station in einer Untertunnelung kreuzen werden. Bei der Herstellung der Oelröhrenleitung werden 3000 Arbeiter aus Palästina und 5000 Arbeiter aus Transjordanien beschäftigt werden. Gemäß einem mit dem Emir Abdullah von Transjordanien getroffenen Uebereinkommen werden bei der Herstellung des transjordanisehen Teils der Röhrenieitung Juden nicht beschattigt. Das Werk, das einen Kostenaufwand von 10 bis 15 Millionen erfordern wird, soll spätestens zu Beginn des Jahre 1935 vollendet sein. Palästina-Vortrag Vanäerveldes ln Gen! Genf, 17. Mai. (J.T. A.) Der sozialistische Führer und frühere belgische Außenminister Emile Vandervelde und Frau Vandervelde sprachen in einer in Genf abgehaltenen öffentlichen Versammlung über ״Lage und Zukunft des Jüdischen Nationalheims“. Vandervelde wies darauf hin, daß der jetzige Präsident der Abrüstungskonferenz, Arthur Henderson, stets tiefes Verständnis für die zionistischen Ziele gezeigt hat und als englischer Außenminister diese Ziele nach Kräften gefördert hat. Demgegenüber sei die Haltung des früheren Kolonialministers Passfield bedauernswert, die Haltung des jetztgen Premierministers MacDonald ״nuanciert“. Den Shaw- Bericht könne man ais in der Form neutral und im Inhalt parteiisch charakterisieren. Vandervelde polemisierte gegen die zionistische Konzeption der Revisionisten, deren Idee der Gewalt dem Wesen des Zionismus widerspreche. Die Einwände der jüdischen Arbeiterorganisation ״Bund“ gegen den Zionismus bezeichnete Vandervelde als grundlos. Eine Lösung der arabisch-jüdischen Frage könne nur durch Frieden und Verständnisbereitschaft angebahnt werden. Der Weg wird beschritten werden, so dornenvoll er auch ist. Zum Schluß sprach Vandervelde von der moralisch-geistigen Größe des jüdischen Volkes, das sich durch die tausendjährigen geschichtlichen Erlebnisse nicht hat zerbrechen lassen. Frau Vandervelde berichtete über Frauenbewegung und Frauenarbeit in Palästina. Die Ansprachen des Ehepaares Vandervelde machten tiefen Eindruck auf die zahlreichen Anwesenden, unter denen man das Mitglied der Mandatskommission, Prof. William Rappard, ferner Prof. Ferrero, den belgisch-sozialistischen Führer de Broukhere, Prof. Victor Basch, Dr. Victor Jacobson u. a. m. bemerkte. Zu Ehren des Ehepaares Vandervelde fand ein Empfang statt, auf dem Prof. Rappard in einer Ansprache seiner tiefen Bewunderung für das Palästinawerk Ausdruck gab und der Nationalfondskommissar Dr. Kleymann die Mitteilung machte, daß die Genfer Zionisten beschlossen haben, Herrn und Frau Vandervelde in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen zu lassen. Ende eines Hotel-Konzerns Wie aus Palästina gemeldet wird, hat eines der größten al äs tinensischen Hot eiunternehmen, die Firma arsky, der u. a. das Palast-Hotel und das Palatine-Hotel in Tel-Awiw gehört, seine Zahlungen eingestellt. Barsky war früher Besitzer des Allenby-Hotels in Jerusalem, das vor einiger Zeit in andere Hände überging und jetzt unter deutscher Leitung steht. Man nimmt an, daß der Zusammenbruch Barskys auf eine übermäßige Expansion seines Unternehmens zurückzuführen ist, der er finanziell nicht gewachsen war. In gewisser Beziehung hat auch die Konkurrenz des neuen großen King David-Hotels in Jerusalem die Position der Barsky-Hoteis verschlechtert. Die Passiven sollen sich auf über eine Million Mark belaufen. Unter den Gläubigern befindet sich außer jüdischen Geldgebern und Banken auch die mohammedanische Wakf-Verwaltung als Besitzerin des Jerusalemer Grundstückes. .....

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