Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1932-05-18 · Heft 38 (18.5.1932) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 38 (18.5.1932)
Date
1932-05-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653348-2653390--22967-2681265
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr 38, 13. V. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 181 Kaleidoskop UnzussmmenhSngendes von der Levante-Messe Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 25. April 1932. I. Auf dem Versammlungsplatz der Levante-Messe berät man über die Verbreitung der Landesprodukte (Tozereth Haarez) im Oaluth. Der Raum ist gedrängt voll, wie all die zahllosen Versammlungen, Veranstaltungen, Vorführungen der letzten Zeit. (Ganz nebenbei: woher nehmen diese Hunderte und Tausende all die Zeit, Geduld und Kraft her? Das palästinensische Publikum ist in dieser Ausdauer wahrhaft einzigartig!) lieber die verschiedenen Reden, Vorschläge, Ideen, die man bei dieser Gelegenheit zu hören bekommt, ließe sich viel sagen, Positives und auch Negatives. Aber lassen wir für heute die Frage beiseite. Die Versammlung als solche nimmt gefangen. Da sitzen Menschen nicht nur aus den verschiedensten Orten, Kreisen und Schichten des Landes, sondern buchstäblich Juden aus aller Welt. Aus den Nachbarländern, aus Gegenden jenseits der Ozeane, aus verschiedensten Kulturkreisen. Die Zusammenkunft erscheint wie ein Symbol, wie eine Demonstration der ״Internationalität“ des Judentums. Nicht so sehr die Zerstreuung der einzelnen Glieder wird fühlbar — auch diese drängt sich natürlich ins Bewußtsein —, sondern das Weltumfassende dieses Volkes, seine Universalitat — um ein abgegriffenes Wort zu gebrauchen —, sein Kosmopolitismus. Welches andere Volk hat propagandistische und wirtschaftliche Zusammenkünfte dieser Art? Und gerade bei diesen ״internationalen“ Konferenzen, die jetzt eine nach der andern hier abgehalten werden (Arbeitendes Palästina und Tozereth Haarez und Studenten und viele andere) fühlt man noch etwas anderes: für dieses verbreitete und zerstreute Volk beginnt das Land Palästina mit seinem kleinen Jischuw schon heute eine Art Mittelpunkt zu werden. Es wird ein Treffpunkt, ein Sammelort. Heute noch klein, schwach, mit Fehlern und Sorgen — aber ein beginnender Fokus für Menschen und Kräfte. II. Zwischen den jüdischen Pavillons, die zeigen wollen, was die jüdische Wirtschaft heute zu schaffen vermag, und den ausländischen, die vor dem Blick des Beschauers die Waren fremder Länder ausbreiten, steht das Ausstellungsgebäude der Palästina-Regierung. Es gibt einen Einblick ins Land aus der Vogelperspektive. In den einzelnen Abteilungen stellt sich ein Mosaik aus der Wirtschaft und dem Leben des ganzen Palästina zusammen. Mit viel Liebe, Geschick und Geschmack zeigt jedes Department seine Bemühungen und Erfolge. Die Tendenz ist, aufzuzeigen, daß England in Palästina als zivilisierender Faktor wirkt. Und neben der propagandistischen Wirkung ergibt sich eine instruktive: die Pavillons sind eine Miniatur-Enzyklopädie des Landes, ln verborgenen Ecken entdeckt man interessante Details. Wer zum Beispiel — außer den Eingeweihten, für die man keine Ausstellungen zu machen pflegt und zu machen braucht — weiß, daß in der Versuchsstation in Akko Kaninckfett gezüchtet werden für Chinchilla-Felle und Angora-Wolle? Wer kennt sich aus in der Fülle der palästinensischen Stein arten, vom hellgrünen Marmor bis zum grauschwarzen Basalt? Wer kennt alle die verschiedenen Amulette, die man gegen den ״bösen Blick“ verwendet? Im Kaleidoskop der Ausstellung gibt der Regierungspavillon für einen Moment einen Ausblick auf das ״Gesamtpalästina“, in seiner ganzen Buntfarbigkeit, Verschiedenheit, seinen Kontrasten. III. Kontraste. Phantastisch anmutende Unterschiede in Begriffen, Lebenshaltung, Standard. Wer kritisch und geduldig durch die Ausstellung geht, findet sie auf Schritt und Tritt. Man sieht die Ziffern und Bilder der Hadassah, ihre Krankenhäuser, Kinderstationen, Schulspeisungen, die soziale und Lehrtätigkeit der Wizo, die Mütter- und Kinderinstitutionen der Arbeiter, die Lungenkrankenfürsorge — man könnte die Reihe der sozialen Werke noch lange fortsetzen. Und dann entdeckt man in einer Ecke des Regierungspavillons die zerrissenen und schmutzigen Fetzen, die einer der sozialen Arbeiter der Regierung aus der Wiege eines vermutlich arabischen Hauses genommen hat, wo sie als Windeln dienten. Daneben liegen die Utensilien der üblichen arabischen Hebamme — eine rostige Schere, ein wenig schmutziges Oel, eine Rolle Faden. Es liegt alles dicht nebeneinander, die hellen Kinderstationen von Tel-Awiw und die Häuser der Fellachendörfer, aus denen diese Utensilien kommen und wo die wenigen Beratungsstafionen der Regierung heute noch kaum etwas vermögen gegen die gewaltige Kindersterblichkeit. Gewiß, es gibt eine Modernisierung des ganzen Landes. Aber wie gewaltig sind noch heute die Kontraste, wie groß das Feld für eine soziale Tätigkeit außerhalb der jüdischen Inseln! IV. Und ein anderer Gegensatz, dieses Mal innerhalb der jüdischen Siedlung. Wieder sehen wir vor uns das gewaltige Netz der sozialen Arbeit, das gespeist wird aus öffentlichen und privaten Fonds, aus dem Inlande und aus dem Auslande. Es ergibt sich eine im Verhältnis zur Größe und Entwicklung des Jischmv kolossale Leistung, eine beträchtliche Expansion auf alle Schichten und in alle Gebiete, eine gewaltige Geldsumme, die jährlich dafür aufgebracht und ausgegeben wird. Und dann ein Blick in ein anderes Feld, das das zentrale Feld der Tätigkeit ist oder sein sollte: in die Siedlungsarbeit. Seit Jahren steht das Werk still; seit Jahren ist von der Zionistischen Organisation kein Arbeiter mehr seßhaft gemacht worden. Seit Jahren kämpfen die Siedlungen um die berühmte ״Konsolidierung“. Man weist gewissermaßen als Ersatz hin auf die sprunghafte Entwicklung der Privatinitiative, auf die Plantagenwirtschaft, die Industrie, das Gewerbe. Aber das ist ein Komplement, kein Ersatz. Man weist hin auf die Vermehrung und die Verbesserung der Produkte aus den nationalen Siedlungen. Sie besteht, sie besteht in hohem Maße. Ein Blick in den Pavillon der ״Tnuvah" beweist es. Aber diese Entwicklung unter den schweren Bedingungen zeigt nur, was unter günstigen hätte gemacht werden können. Der Kontrast zwischen den sozialen Diensten und den eigentlichen Siedlungsarbciten bleibt. Er läßt sich erklären. Entschuldigen läßt er sich nicht. V. Immer wieder und in allen Ecken des Ausstellungsgeländes spielt sich dasselbe Gespräch ab. Auf der einen Seite der Tourist, der schon nach den ersten Tagen in einen Palästinarausch versinkt und alles durch die rosige — oder wenn man will blauweiße — Brille sicht, und dein Einheimischen, der trotz aller Feste noch kritisch sieht. Auf die Begeistcrungsausbrüche des einen antwortete der andere, daß cs im Lande nicht immer so sei. Daß auch hier — war es nicht erst gestern? — Zeiten der Stagnation, der Sorge, der Unsicherheit, des Kampfes mit solchen des Aufstiegs, der Freude, der Zuversicht abwcchseln. Erst vor ein paar Tagen hat Ben-Gtirion in der Konferenz des Arbeitenden Palästina die Gäste gewarnt, nicht mir das Gute und Erreichte zu sehen, sondern auch das Schlechte und Fehlende. Immer haben wir Palästina vor der Kritik des Gallith verteidigen müssen. Heute verteidigen wir es vor seiner überschäumenden Begeisterung.... VI. Es gibt viele, die sich entrüsten: Was soll das eigentlich sein? Ist das nun eine Ausstellung oder ein Vergniigungspark? Sind wir hierhergekommen, um Waren zu verkaufen und zu zeigen, was wir geleistet haben, oder uns unsere schwer verdienten Piaster im ״Lunapark“ aus der Tasche ziehen zu lassen? Ist das die Art Vergnügen und die Erziehung, die wir unseren Kindern bieten sollen? Die Entrüstung hilft nicht viel. Die Hauptattraktion der Aus- Stellung für die große Menge I s t der ״Lunapark“. Für die Kinder und für viele Erwachsene ist dieser bunte Budenpark etwas noch nie Dagewesenes. Riesenrad, Karussell, Zirkus, Würfelbude und alles was drum und dran hängt — es ist zu verlockend. An warmen Abenden kommt man nicht durch den Luna-Park hindurch. Vor den Buden steht man an, reißt sich um die Eintrittskarten. Und schließlich, wo gab es schon jemals hebräische Jahrmarktsausrufer? Einzelne Szenen wirken geradezu grotesk in ihrer Ungereimtheit. Da ermunfort eine sehr blond gefärbte Dame vor ihrer Bude das Publikum zum Bällewerfen. Dicht vor der Rampe steht ein alter Jcmenite, mit Bart und Peies in langer orientalischer Kleidung. Er hat dunkelbraune Haut und ein Profil wie aus einem pharaonischcn Siegel. In reinstem Berliner Dialekt sucht sie ihn zu locken: ״Na, Herr Sauerkohl, noch das allerletzte!“ Auf der runden Bahn, wo man auf elektrischen Autos fahren kann, ist der Andrang groß. Ein halbwüchsiger Bursche mit Kaftan und Peies, blassem Gesicht und großen schwarzen Augen, schlägt sich mit verbissener Leidenschaftlichkeit um einen Platz. Vielleicht ist das sein erster Ausgang aus der ״Jeschiwah“. . . Und so zieht Tel-Awiw Abend für Abend auf den Platz. Aus Jerusalem, aus Haifa, aus dem Emek kommen Extrazüge. Das Schimpfen hilft nicht viel. Wer A sagt, muß auch B sagen. Und wenn ein Karussell da ist, so dreht es sich eben... ״Religiöse" Palästina-Freunde? Wie wir dpm Berliner Gemeindeblatt entnehmen, fand am 15. April in Berlin eine Versammlung des Vereins ״E s r a“, Verein zur Förderung, jüdischer Ansiedhing in Palästina E. V., unter dem Vorsitz des Herrn Siegfried Hirsch statt. Die Herren Dr. E. Biebcrfeld und Prof. W a r b 11 r g Schilderten die Entwicklung des Vereins, der auf den Prinzipien der Chibbath Zion beruht, wenn er sich auch niemals mit den russischen Chowewe Zion an Bedeutung vergleichen konnte. Prof. Warburg zeichnete eine Reihe von Aufgaben, die der Verein Esra in Palästina erfüllen könnte, um aut diese Weise das Werk der großen von der Jewish Agency verwalteten Fonds, vor allem des Keren Hajessod, auf Gebieten zu ergänzen, denen der Keren Hajessod sicji nicht widmen kann. Interessant waren bei der Versammlung die Ansprachen der Herren Dr. Alfred Wiener, Syndikus des C. V., und Dr. Kurt Fleischer, Führer der Liberalen Fraktion der Berliner Gemeinde. Beide Herren hielten es für richtig, ihre Sympathie für eine sogenannte ״unpolitische“ jüdische Siedlungsarbeit in Palästina zum Ausdruck zu bringen. Wenn Dr. Wiener, dessen Interesse an Palästinadingen bekannt ist, darauf hinwies, daß ganz unabhängig von der politischen Tatsache der Balfour-Dcklaration ״die Zeitströmung eine verständliche Rückschau nach dem Lande hervorgerufen, das die Heimat der Religion und der Religionen und der Schauplatz einer gewaltigen jüdischen Geschichte gewesen ist“ und wenn er hinzufügt, eine solche Rückschau sei ״ganz unabhängig von irgendwelchen zionistischen Gedankengängen“, so ist in diesem verschämten Eingeständnis des Zusammenbanges zwischen ״Z e i t s t r ö m u n g“ (was wohl bedeuten soll: Akutwerden der Judenfrage) und Palästinabewegung eben jene Tatsache berührt, die zu zionistischen Gedankengärigen hinführt, wofern man nicht aus parteimäßiger Voreingenommenheit sich dieser Konsequenz verschließen muß. Der Zionismus Ist eben nichts Künstliches, sondern eine elementare jüdische Volksbewegung, entstanden aus der Erkenntnis der Judenfrage, und wenn Herr Dr. Wiener für eine ״abgeschlossene“ Gründung des Esra in Palästina eintritt, so muß man mir hinzufügen, daß so ein Werk, was immer es sei, nicht isoliert existieren kann, sondern innerhalb des jüdischen Gcsamtlebens Palästinas, das durch den Zionismus (was etwas viel Größeres und Umfassenderes bedeutet als die Zionistische Organisation) geschaffen worden ist. Besonders eigentümlich berühren die Erklärungen des Herrn Dr. Kurt Fleischer, der seiner Sympathie für eine ״parteilose religiöse Palästinaarbeit“ Ausdruck gab. Unter ״religiöser“ Palästinaarbeit ist bei diesem liberalen Führer wohl kaum die Gründung von Jeschiwoth und Synagogen zu verstehen, sondern er will damit sagen, daß die Motive, die zur ״Förderung des Siedlungsgedankens in der Urheimat unseres Glaubens“ führen, nicht politisch, sondern ״ausschließlieh religiös“ sein müßten. Diese Darlegung, man verzeihe uns diese offene Kritik, ist nichts anderes als ein Spiel mit Worten, in denen niemand einen Sinn finden kann. Denn wenn, getrieben von der Not und erfüllt von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, ein Jude heute nach Palästina geht, wird es sehr schwer sein zu entscheiden, ob dabei ״politische“ oder nur ״religiöse“ Motive mitspielen. Im übrigen hat man nicht viel davon gehört, daß die Riehtung, in deren Namen Dr. Fleischer seine Sympathickundgebung abgab, sei es auch aus religiösen Motiven, bisher viel für Palästina getan hat. Die Vermutung liegt nahe, daß bei dieser religiösen Erklärung ״politische“ Motive mitgespielt haben, und daß es den Herren mehr auf eine politische Wirkung ankommt als auf konkrete Palästina-Arbeit. Das aber mögen alle die Redner bedenken, die den Verein Esra gegen den Zionismus ausspielen wollen: mit leeren Worten wurde noch niemals etwas aufgebaut, die Taten aber müssen erst noch kommen. Nationalsozialismus, Zionismus und England Seltsame Theorien des ״,Völkischen Beobachters* Der Nationalsozialismus hat schon öfter Beweise einer bedauerliclicn außenpolitischen Uninformiertheit an den Tag gelegt. Wie sehr das agitatorische Bedürfnis von der Partei über alle anderen Interessen gestellt wird, erhellt aber am deutlichsten aus Publikationen, die mit jüdische n Dingen zusammenhängen. Wir können nicht beurteilen, ob cs U n informiertheit oder bewußte Entstellung ist, was solche Veröffcntliehungen veranlaßt. Aber eine der kuriosesten Aus- Fassungen finden wir im ״Völkischen Beobachter“ vom 10. Mai auf der ersten Seite in Fettdruck. Wir geben die Meldung iin folgenden mit Ueberschrift wieder: ״System-Außenpolitik stößt England vor den Kopf: Glückwünsche des Ausw. Amts an den Zionismus (DniliÜH'richt unseres Londoner Vertreters.) Dr. Th. I/mdon, 9. Mai. Nach einer Londoner Meldung (,soll wolil heißen: Berliner Meldung; aurli so kann der ,ALB.“ sich irren! — A. d. R. ״J, B.“) der ..News (throniele” fand dort, am ,'!0. Marz die Jalircivers n rn m 1 1111 f des P a 1 ii s l i n a - K o m 1 t e e 5 der ״deutschen“ Zio- 1! i st eil stall, in der Paul Itohrhach iihor das jüdisrhe Siedlungsergebnis sprach. Diu־ demokratisch־jüdische Staatssekretär a. D. Dcmburg hraehte die Grüße und Lrfolgswimsche des Auswärtigen Amtes. K3 ist wirklich unergründlich, wie das Auswärtige Amt dam kommt, sich durch den Mund eines ,außer Dienst gestellten Prominenteii in eine Sache zu mischen, die es ganz und gar nichts anging. Mau dürfte (!11־•״ auch schon in der Wilhelmstraßo gehört haben, daß sich die jüdischen llerrsrlmflsgelüste in Palästina und die britischen Interessen im britischen Manflalsgebiet wie Feuer und Wasser gegenüberstellen, und daß eine offizielle Einmischung Deutschlands, wie sie zweifellos in diesen ״G r 0 - IS 11 מ“ u n d ״K r f o 1 g s w ii n s c h c 11“ besteht, unsere Bezieh 11 11 g e n z 11 m britischen Imperium, wenn auch vielleicht niclit u n m ittelbar, so doch in späterer Zeit recht nachteilig beeinflussen kann. Bei weiteren ütroitfiillen zwischen Großbritannien und Zionisten können sich letztere stets auf die offiziellen deutschen Kundgebungen berufen. Geht das Entgegenkommen gegenüber den Juden in der Wilhelm- Straße so weit, daß man es dort auf einen zweiten Fall Kröger- Telegramm aiilomnien lassen will? Welche deutschen Interessen machen eine solche Einmischung nötig?“ (Sperrungen wie im Original. — lh'tl. ״J.R.“) ־ Es ist wirklich interessant, daß gerade der Nationalsozialismus außenpolitisch so ungeheuer vorsichtig geworden ist. Er vergleicht das Deutsche Komitee Pro Palästina, das sich die Förderung einer unter britisches Mandat gestellten Völkerbundssache zum Ziel gesetzt hat, mit der Krüger-Depcsche Kaiser Wilhelms II., die durch eine überflüssige Sympathiekundgebung für Englands Kriegsgegner die Engländer provozierte. Was wird nun der ״Völkische Beobachter“ sagen, wenn sich herausstellen sollte, daß England eine deutsche Unter- Stützung dieser Sache absolut nicht als Feindschaft, sondern als einen freundlichen Akt und als ein Zeichen, daß repräsentative Kreise Deutschlands sich den gemeinsamen durch den Völkerbund gesetzten Aufgaben nicht entziehen wollen, betrachtet? Wird der ״Völkische Beobachter“ dann um der guten Beziehungen zu England willen dafür eintreten, daß Deutschland und die deutsche öffentliche Meinung die Sache des Jüdischen Nationalheims unterstützt? Pro Palästina-Komitees dieser Art, unter Teilnahme hervorragender Staatsminner, gibt es auch in den Vereinigten Saaten und in Frankreich. Bisher haben alle Aeußerungen aller englischen Regierungen und der maßgebenden englischen Staatsmänner darin übereingestimmt, daß England die Durchführung des Palästinamandates und der Jüdischen Heimstätte als bindende Verpflichtung betrachtet, ungeachtet der Frage, ob sich bei der Durchführung über einzelne Punkte oder Methoden Meinungsverschiedenheiten zwischen Engländern und Zionisten ergeben. Wir können jedenfalls den ״Völkischen Beobachter“ und seine Leser dahin beruhigen, daß sie wegen des Zionism us keine außenpolitische Verwicklungen mit England zu befürchten haben. Die Herren, die so um die öffentliche Meinung in England besorgt sind, sollten aber in maßgebenden englischen Kreisen ein bißchen herumhören, wie dort die nationalsozialistische Auffassung der deutschen Judenfrage wirkt. Vielleicht ergeben sich in diesem Punkt gewisse Nutzanwendüngen. Die Genügsamen Der ״Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“ )rtsgrunne München, hat an das ״Jüd. Echo eine Zuschrift :erichtet, in der folgender klassische Satz vorkommt, der teben dem schon offenkundigen tatsächlichen nun auch den e e 1 i s c h e n Bankrott des für die wahren Zusammenhänge ,öllig blinden Assimilantentums enthüllt. Es heißt da: ״Wenn heute nicht noch weit größere Teile der deutsehen Bevölkerung dem Judenhaß verfallen sind, so ist dies in hohem Maße der aufklärenden Tätigkeit des K. j. r. Mit Recht bemerkt hierzu das ״Jüd. Echo“: ״Wir müssen zugeben daß es gewiß noch mehr als 13 Millionen Hitlerstimmen hätte geben können, aber man sollte doch nicht so stolz von einer ״aufklärenden 1 ätigkeit“ sprechen, die nicht hat verhindern können, daß in einem noch nicht dagewesenen Umfang und über alle bisherigen Begriffe hinaus der Antisemitismus zugenommen hat. Ganz abgesehen von der beschämenden Selbstzufriedenheit, die aus dieser Aeußerung hervorgeht, verrät sie eine merkwürdige Auffassung vom LIrsnrung und vom Wachstum des Antisemitismus und den Möglichkeiten seiner Bekämpfung...“ Man hätte noch hinzufügen können, daß ja gerade die Kreise, in deren Sprache die Frontbund-Propaganda spricht und an die sie sich also wendet, durchaus antisemitisch und von dieser Abwehrpropaganda völlig unbeeinflußt sind. Aber im Gründe ist ja au diese ״Aufklärungs“literatur nur für Juden, für die Vereinsmitgiieder selbst geschrieben, die sich daran erbauen. Und diese konstante Selbsttäuschung, die von jüdischer Selbstbcsiimnng abhält, ist das Allertraurigste. Zehn jüdische Konsuln in Palästina. Der Leiter des 1 alästinensisch-Bulgarischen Instituts, Moses Schelousch, wurde zum bulgarischen Konsul in Palästina mit dem Sitz m Tel- Awiw ernannt. Zehn Juden vertreten als Konsuln auswärtige Länder in Palästina: M. Dizengoff ist belgischer, Dr. S1rnon Rosenbaum litauischer, Rokach rumänischer, Tadros norwegischer, Litvinski estnischer und jetzt Schelousch bulgarischer Konsul in Tel-Awiw, ferner ist Van Vriesland holländischer Konsul in Jerusalem und A. Rosenfeld belgischer Konsul in Haifa. Außerdem fungiert der frühere Sejmdeputierte Bernhard Hausner als polnischer Handelsattache für Palästina und den Nahen Osten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.