Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 35 (3.5.1932)
- Date
- 1932-05-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 166 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 35, 3. V. 1932 unausgenützt; die an den Haiiran angrenzenden Gebiete könnten den besten Weizen der Welt liefern, so wie der Hauran selbst. Der Vortragende erörterte sodann die Zahlenverhältnisse der Bevölkerung und gab der Meinung Ausdruck, daß die Zahl der Juden in absehbarer Zeit die Zahl der Araber erreichen könnte, wenn eine entsprechende jiidische Volksvermehrung durch Geburten stattfindet. Im weiteren Verlauf des Vortrages gab der Vortragende sehr lebendige und zum Teil launige Schilderungen von dem Leben in den Kwuzoth, wo ihn besonders die gesunden und schönen Kinder entzückt haben, von der Entwicklung der hebräischen Sprache und einer großen Zahl von Einzelheiten, an denen man _ merkte, mit welcher tiefen Sympathie Prof. Rohrbach das jüdische Aufbauwerk in Palästina gesehen hat. Die Politik wurde nur im Schlußteil gestreift; England, so sagte der Redner, hat seine eigenen Interessen in diesem Teil der Welt, und die Juden täten gut, sich nicht allzu sehr auf England zu verlassen, sondern ein Einvernehmen mit den Arabern an zustreben, wogegen auch England nichts einzuwenden hätte. Der nächste Redner, Herr Dr. Michael Tranb schilderte die Bedeutung Palästinas für das osteuropäische Judentum. Dr. Traub, der kürzlich aus Polen zurückgekehrt ist, wo er im vergangenen Winter die K. H.-Aktion geleitet hat, gab eine instruktive und in ihrer Nüchternheit besonders erschotternde Darstellung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruches des polnischen Judentums, das aus seinen Wirt- Schaftspositionen verdrängt wird. Angesichts dieser Katastrophe richten sich die Blicke der osteuropäischen Juden auf Palästina. Gewiß sind auch die Bemühungen zu einer Produktivierung der jüdischen Massen an Ort und Stelle von größter Wichtigkeit, aber das Tempo der Zerstörung des jüdischen Wirtschaftslebens ist schneller als das Tempo des Aufbaus. Im Lichte des wirtschaftlichen und geistigen Entwurzelungsprozesses, den die Juden in allen Ländern Osteuropas durchmachen, ist Palästina die Hoffnung für die osteuropäische Judenheit. Den Abschluß des Abends bildete eine Ansprache Kart Blumenfelds über den Zusammenhang von Jugendfrage und Palästinaaufbau. Die Lebensverhältnisse der Westjuden haben sich seit dem Weltkriege grundlegend geändert und die Judenfrage hat heute In manchen Ländern eine Zuspitzung erfahren, die für viele überraschend kam. Den Juden wird heute von kommunistischer Seite eine neue Form der Eingliederung empfohlen, die aber zur Entjudung führt. Das Jüdische Nationalheim in Palästina ist nicht mehr Diskussionsobjekt, sondern eine zwangsläufige Notwendigkeit geworden, und daraus ergibt sich auch die Sicherheit, daß das Werk fortgesetzt werden wird, unabhängig von zahlreichen Schwierigkeiten, die von unbeteiligten Kritikern so gern hervorgehoben werden. Wer in den letzten Monaten in Palästina war, ist mit der Ueberzeugung zurückgekommen, daß dieses Werk unaufhaltsam vor- Wirts geht. Die Menschen, die dort leben, sind entschlossen, nicht zurückzuweichen, und dieser eiserne Wille ist die beste Garantie des Erfolges. Trotzdem wissen wir auch jede von außen kommende Hilfe und Sympathie dankbar zu würdigen, und Redner schließt daher mit Worten des Dankes an die Mitglieder des Pro Palästina-Komitees, die das jüdische Palästinawerk mit soviel Interesse begleiten. Gerandhett1>A1u1teQanA in Jerusalem. Was im Stadiön von Tel-Awiw, auf den Tennisplätzen von Rechoboth, in den Schwimmanlagen von Haifa in den Wettkämpfen an körperlieber Kraftentfaltung gezeigt wurde, das fand gleichsam seine theoretische Begründung und Fundierung in den wundervollen Räumen des Beth-Habriuth in Jerusalem, wo Dr. Ernst Simon (zu unterscheiden von Dr. Ernst Simon-Haifa) eine Ausstellung über das gesamte Gebiet der Körperpflege und Leibesübungen zeigte. Es war der erste Versuch, einem ungeschulten Publikum die Bedeutung der Körperpflege im weitesten Sinne für das Kind und den Erwachsenen zu zeigen. Mit Recht hat diese Ausstellung den Namen bekommen ״Der gesunde Körper“. Drei Unterabteilungen lehren, wie er zu erreichen und zu erhalten ist: durch Leibesübungen, durch allgemeine Hygiene, durch gesunde Ernährung. Besonders instruktiv, und zugleich besonders notwendig ist die klare, bildliche Darstellung der allgemeinen Hygiene des täglichen Lebens, natürlich unter besonderer Berücksichtigung der durch die klimatischen und sonstigen Lebensbedingungen von Erez Israel erforderlichen Maßnahmen. Bild und Text sind, wie in der ganzen Ausstellung, geschickt und ohne banal zu sein, primitiver Auffassungsfähigkeit angepaßt. Der Hauptteii der Ausstellung ist, wie alles im Lande in jenen Tagen im Zusammenhang mit der ״Makkabiah“ stand, dem Turnen und Sport gewidmet. Hier konnte man wirklich mehr als nur sehen, hier konnte man lernen. Außerordentlich interessant die Darstellung, welche Bedeutung die einzelnen, verschiedenen Arten des Turnens und des Sportes für die Muskeln des Körpers haben, welche Muskeln also jeweilig besonders trainiert und ausgearbeitet werden. Unschwer war aus den klaren Abbildungen zu ersehen, bei welcher Sportart Ergänzungsübungen notwendig sind, und wie sie beschaffen sein müssen, um eine möglichst gleichmäßige Durchirainierung des Körpers zu erreichen. Ebenso wurde im Bild deutlich, durch welche Uehungen Schäden ausgeglichen werden können, die im Berufsleben durch einseitige Beanspruchung einzelner Muskelpartien oder durch unvermeidliche, ungünstige Körperhaltung entstehen. Andere Tafeln zeigten den Wert der einzeinen Sportarten für das verschiedene Alter, ferner wie wichtig es ist, die Verschiedenheit des miinn’ichen und weihliehen Körpers bei der Auswahl der Uehungen genau zu beachten. Eine starke Belebung erhielt die Ausstellung durch einige Blätter, die die Entwicklung der Leibesübungen bis zur Antike zurück darstellten. Eine weitere Abteilung zeigt in Kurven und Zahlen die außerordentliche Entwicklung der Makkabi-Weltbewegung. Es ist geplant, die Ausstellung zu erweitern durch eine Darstellung der Geschichte der Leibes- Übungen bei den Juden. Es ist hierfür die Mitarbeit weitester Kreise erforderlich, und es sei hiermit auch an dieser Stelle dringend dazu aufgefordert. — Es ist unmöglich, aus dem Beth-Habriuth herauszugehen, ohne auch über die sonstige Bedeutung dieses Hauses zu berichten. Die Einrichtung ist überaus prächtig und erfüllt alle nur denkbaren Ansprüche, ja man darf wohl sagen, daß sie ein wenig über dem Standard des Landes steht. Es gibt eine Lehrkgche zum Anlernen von Hausfrauen für praktisches, zweckentsprechendes Kochen, Lehrgänge für diätetisches Kochen, vom Beth Habriuth aus werden durch Sozialarbeiterinnen Hausbesuche in den Wohmingen der orientalischen luden (Jemeniten, Kurden) gemacht. Schon jetzt werden 3600 Kinder von diesem Haus aus gespeist, 700 junge Mädchen und Frauen lernen in den Kursen. In den oberen Räumen finden während des ganzen Nachmittags für Kinder orthopädische und heilgymnastische Kurse statt, für die die Einrichtungen ebenfalls geradezu vorbildlich sind (spezielle Korkfußböden, Duschräume usw.). Dr. Ernst Simon, der Leiter des Beth-Habriuth, das noch nach vielen Richtungen ausgebaut werden soll, leistet hier im Stillen eine wenig beachtete, für das ganze Land ungeheuer wichtige Arbeit, die gelegentlich der Ausstellung erstmalig einem weiteren Kreis hoffentlich deutlich sichtbar geworden ist. _Dr. Edgar Marx, Presseschau Zar Parole ״Transfordanlett" Der palästinensische ״Dawar“ vom 17. April befaßt sich in längeren Ausführungen mit der Rede Sokolows in einer amerikanischen Zionisten-Konferenz, über die auch wir seinerzeit berichtet haben. Die Resolution dieser amerikanischen Zionisten-Konferenz forderte die Ocffnung Trans- Jordaniens für jüdische Ansiedlung, und die betreffende Nummer des offiziellen Organs ״New Palestine“ erschien mit der großen Ueberschrift ״Die Konferenz für Oeffnung Transjordaniens“. Dazu schreibt ״Dawar“: Der Präsident der Jewisn Agency, Nalium Sokolovv, hat es für seine Pflicht gehalten, in einer Sitzung der amerikanischen zionistischen Organisation in Philadelphia seine entschiedene Ablehnung des Kantonisierungsplanes zu proklamieren, und er hat hinzugefügt: ״Die jüdische Staatskunst in Palästina hat die Möglichkeit, in ganz Palästina zu arbeiten, einschließlich Trans- Jordanien s“. Und in der Erkenntnis, daß er etwas gesagt hat, was er lieber nicht hätte sagen sollen, fügte Sokolow hinzu: ״Natürlich ist es nicht nötig, dies auf allen Straßen auszurufen.“ Selbstverständlich: Eine Sitzung der Zionisten Amerikas ist keine ״Straße“, auch die ganze jüdische Presse Amerikas und der ״Jewish Chronicle“ vom 1. April ist keine ״Straße“ und auch nicht ״New Palestine“ vom 18. März mit der großen Ueberschrift ״Die Konferenz für Eröffnung Transjordaniens“, wo alle Proklamationen der 7ionistischen Redner zu diesem Thema veröffentlicht werden. All dies ist keine ״Straße“, und daher darf Sokolow sagen, was er gesagt hat. Mit allem Respekt vor diesem ehrwürdigen Führer drängen sich doch gewisse diplomatische Fragen auf. Wem nützt und wozu dient dieser ganze Lärm? Sind wirklich der Applaus in einer öffentlichen Versammlung oder die ״guten Beziehungen“ zu politischen Schwätzern in unserer eigenen Mitte wichtiger als die beschränkten realen Möglichkeiten zu konkreter Arbeit, die wir heute besitzen? Besteht wirklich die Notwendigkeit, diese Möglichkeiten zu zerstören? Oder vielleicht glaubt jemand, man könne durch Konferenzen und deplacierte Proklamationen über Transjordanien die unbesiedelten Böden, die wir noch in Westjordanien besitzen, vergessen machen? * In derselben Nummer des ״Dawar״ wird der Bericht des Landwirtschafts-Departments der Regierung über die drohende Mißernte zitiert, den wir auch in der ״Jüdischen Rundschau“ schon mehrfach erwähnt haben. Dazu bemerkt ״Dawar“: ״Wer in den Straßen von Tel-Awiw (auch vor den Festlichkeiten, der Touristenwelle und der Messe) spazieren geht und diese fröhliche Menge in ihren bunten Kleidern sieht, wird nicht glauben, daß die Gefahr einer schweren Mißernte über dem Lande schwebt. Als ob hier zwei Welten wären, zwischen denen es nicht die geringste Verbindung gibt. Und wer dann hört, wie zionistische Funktionäre sich in Versammlungen rechtfertigen, daß ihnen der böse Gedanke einer ״Landentwicklung“ völlig fernliege, wird nicht glauben, daß wirklich an vielen Teilen des Landes bereits die Viehherden auf die Getreidefelder getrieben werden und daß in den Zisternen nicht genügend Wasser bis zur nächsten Regenzeit vorhanden ist. Und dennoch ist die Lage sehr bedenklich. Alle Anstrengung der Kräfte des Bauers ist meist vergeblich. Verloren ist die Energie und das Kapital, welche in diesem Jahre in die Felder gesteckt wurden. Man muß sparen, und zwar auf Kosten des Essens, denn sonst ist ja nichts mehr zu ersparen. Außerdem besteht die Not- Wendigkeit, die Wachtposten zu vermehren, bei den Jude« und besonders bei den Arbeitersiedlungen. Und auch bei den Arabern gibt es entsprechende Begleiterscheinungen. Sie kommen aus weiter Ferne, sogar aus Transjordanien, mit ihren Herden, auch mit Kamelen, sie betreten fremden Boden, es gibt Diebstähle, Steinwürfe, oft auch deutsche Gewehre, die aus dem Weltkrieg übriggeblieben sind. Jeder Mensch ist besorgt um sein eigenes Leben. Wem es willkommen ist, das Land als arm hinstellen zu können, nicht einmal ausreichend für seine jetzigen Bewohner, der preist in seinem Herzen diese Himmelsgabe, die einen so schlagenden Beweis für seine trügerischen Angaben bringt. ¥ Juden und Araber In der amerikanischen Wochenschrift ״O p i n i o n“, die unter dem starken Einfluß von Stephen Wise vielfach eine radikale Palästinapolitik befürwortet, finden wir in der Nummer vom 18. April einen interessanten Beitrag von Lord Sn eil ״Juden und Araber in Palästina“. Lord (damals Mr.) Snell war bekanntlich Mitglied der Shaw-Kommission und hat gegenüber dem antizionistischen Mehrheitsbericht ein Minderheitsvotum abgegeben, das in zahlreichen Punkten zugunsten der Juden von dem Mehrheitsbericht abweicht, ln dem Artikel charakterisiert Snell die Stellung von Juden und Arabern und ihre beiderseitigen Ansprüche auf das Land. Er unterstreicht das jüdisehe R e c h t auf eine Heimstätte, auf eine nationale Erneuerung und betont den Wert, den ein Wiedereintritt der Juden als Nation in die Völkergemeinschaft für die ganze Menschheit haben könnte. Auf der anderen Seite haben die Araber Anspräche, die nicht geringgeschätzt werden dürfen, sowohl durch ihr jahrhundertelanges Leben im Lande, als auch durch die Versprechungen, die ihnen während des Krieges gemacht wurden. Das Mandat, so schreibt Snell, ist eine der verworren sten offiziellen Dokumente der Geschichte, da es die widersprechendsten Bestimmungen nebeneinanderstellt. Daher müsse man das Mandat mit einem gesunden Gefülil für Proportionen interpretieren. Das Wort ״Nationalheitn“ bedeute jedenfalls eine gesicherte Existenz, wo man sein eigenes Leben ungestört führen kann. Im übrigen müsse man erkennen, daß das jüdische Volk in dem letzten 15 Jahren einen größeren Fortschritt in der Richtung auf Nationsbildung vollbracht hat als in irgendeiner anderen Periode seiner Geschichte. Und was sind 15 kurze Jahre in der langen Geschichte des jüdischen Volkes! Die Ungeduldigen, die mit ihren eigenen Augen alle Hoffnungen des Zionismus verwirklicht sehen wollen, müssen eingedenk sein, daß ein Pionier nur selten die Verwirklichung seines Werkes selbst erlebt. Alles wird davon abhängen, ob das jüdische Volk den un zerstörbaren Glauben, die Ruhe und den unerschütterlichen Willen besitzt, trotz Mißerfolgen und Rückschlägen bis zum Ende auszuhalten. Der Verfasser bespricht dann die Frage der Einwanderung und des Landerwerbs, sowie schließlich die geistige Seite des Zionismus, und die Leistungen der Chaluzim. Die unmittelbarste und oberste Notwendigkeit Palästinas, so sagte er, ist eine Verbesserung der Beziehungen zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung in persönlicher, wirtschaftlicher und politischer Be- Ziehung. Da mit Rücksicht auf die finanzielle We"krise die ökonomische Entwicklung vielleicht in der nächsten Zeit etwas langsamer vorwärtsgehen wird, sollte man diese Zwischenzeit zu einer Entwicklung der sozialen und geistigen Seite der Sache ausnützen. Die Juden haben es in ihrer Macht, den Arabern die Furcht vor einer ihnen drohenden Expropriation zu nehmen und ihnen die Sicherheit zu geben, daß er als ״w i 11 k 0 m - mener Partner bei der Entwicklung eines binationalen Staats“ betrachtet wird. Eine solche Haitung wäre in striktem Einklang mit den jüdisehen Deklarationen, Wenn dies geschieht, dann wird das jüdische Volk imstande sein, die Verzweiflung vieler Generationen wieder gutzumachen. * Vor kurzem ging die Nachricht durch die Presse, daß die französische Regierung Jabotinsky, der bekanntlich in Paris lebt, die Einreisebewilligung nach Tunis verweigert habe, weil die dortigen Moslems gegen seine Einreise protestiert haben. Zu dieser Nachricht, deren Richtigkeit wir nicht kontrollieren konnten, schreibt das Tel-Awiwer Arbeiterblatt ״Dawar“, es sei absurd, Jabotinsky als einen ״Feind des Islam“ zu behandeln und ihm die zionistische Propaganda in einem vorwiegend islamischen Lande zu verwehren. Das Blatt fügt hinzu, daß an dieser lächerlichen Maßnahme indirekt auch die Palästina-Regierung die Schuld trage, indem sic Jabotinsky dauernd die Einreise verweigere. Die Sache habe jedoch noch eine andere Seite. Jabotinsky ist in letzter Zeit immer für eine Neuorientierung der zionistischen Politik eingetreten, wobei er auf die Möglichkeit hindeutete, daß Frankreich an Stelle Englands das Palästina-Mandat übernehmen solle. Von Frankreich verspricht er sich eine energischere Parteinahme für die Juden. Die Affäre des Tunis-Visums hat aber gezeigt, daß auch F rankreich offenbar auf moslemische Interventionen und Proteste Rücksicht nimmt. Möge in Palästina wer immer Mandatarmacht sein, immer wird die Mandatarmacht eine Waage in der Hand halten und beide Waagschalen in Betracht ziehen. Nicht die Hand, die die Waagschale hält, sei ausschlaggebend, sondern das Gewicht, das auf der Waagschale liegt. * Makkabiah und ״nationale( Zentrum" Die hebräische Monatsschrift des ״Brith Schalom“, ״Scheifotenu“ (Jerusalem), tritt mit dem soeben (Nissan 5692) erschienenen ersten Heft in ihren dritten Jahrgang. Die Zeitschrift, die die wichtigsten Ereignisse des palästinensischen Lebens und andere zionistische Probleme ständig in interessanter Weise unter dem Gesichtspunkt der auf jüdisch-arabische Ver• ständigung gerichteten Bestrebungen des ״Brith Schalom“ glossiert, hat sich eine beachtete, wenn auch im allgemeinen׳ scharf bekämpfte Position in Palästina errungen. In dem vorliegenden Heft interessiert dieStellungnanmezurMakk abiah. Die Zeitschrift begrüßt die Veranstaltung der Makkabiah und sieht darin einen Beweis für die zentrale Stellung, die sich Palästina bereits heute im jüdischen Leben erworben hat. Damit ist eine Prophezeiung Achad Haams von vor 40 Jahren realisiert. Wenn auch, so schreibt ״Scheifotenu“, der Stil der Zeit sich geändert hat und heute Sportler, an die Achad Haam nicht in erster Linie gedacht hat, ins Land kommen, so zeigt sich doch auch bei einer derartigen Veranstaltung die Funktion des ״nationalen Zentrums“. Kürzlieh, so schreibt das Blatt, hat Dr. Krojanker in einem Aufsatz darauf hingewiesen, daß der Zionismus nicht die materielle Judennot, sondern die Judentumsnot lösen könne. Dies zeigt sich in beschränktem Maße schon _ heute. Palästina ist das Kraftzentrum des Volkes, die Triebkraft des Nationalgefühls. Wir müssen auch bedenken, daß selbst bei Verwirklichung der Träume unserer Maximalisten stets die furchtbare materielle Judennot im Galuth bestehen bleiben wird. Es gibt keine Meinungsverschiedenheit darüber, daß wir alle Möglichkeiten zur Vergrößerung der Alijah und zur Vermehrung unserer Zahl im Lande ausnützen müssen. Aber trotzdem muß man sich klar werden über die Rolle, die Palästina im Leben des ganzen Volkes spielen wird: Nicht indem alle Fragen durch eine Massen- ״«liwaflalrurtg Hith ״PMtetI«1 gelöst ׳wttdeiTkönuen, dadurch, daß der Zusammenhang mit Palästina dem jüdischen Volk in allen seinen Wohnsitzen die Kraft jzibt, seinen schweren Existenzkampf in würdiger Form und mit aufrechter Haltung zu führen, ein jüdisches Leben zu führen und eine jüdische Kultur zu pflegen. — Im weiteren Verlauf weist der Artikel darauf hin, wie seltsam für den palästinensischen Juden es war, zu sehen, daß beim Aufzug der Makkabiah jede Ländergruppe mit der Fahne ihres Vaterlandes erschien. Es steckt darin eine gewisse Tragik unseres Schicksals, aber man müsse daraus auch Lehren ziehen. Es sei auch erfreulich, daß bei dieser turnerischen Veranstaltung trotz der großen Zahl der Teilnehmer keine chauvinistischen Ausbrüche vorkamen. Besonders verzeichnet das Blatt die ehrliche Freude und Begeisterung, mit der ein Sportsieg des mohammedanischen Aegypters Mohammed Zaid vom Publikum begrüßt wurde; um so mehr ist zu bedauern, daß die arabischen Spoitklubs Palästinas unter dem Druck der arabischchauvinistischen Presse sich fernhielten. Palästina-Fragen vor dem Unterhaus London, 28. April. (J.T.A.) Im Unterhause richtete David Adams (Arbeiterpartei) an den Staatssekretär für die Kolonien die Frage, ob er über die in Palästina zur An- Wendung gelangenden Methoden zur Feststellung der Zahl der Arbeitslosen etwas mitteilen könne und ob geplant sei, eine Prozedur zwecks Erzielung zuverlässiger Arbeitslosen• zahlen in Palästina einzuführen. Der K o 1 o n i e n m i n 1 s t e r erwiderte, daß für die Sammlung von Arbeitslosenstatistiken in den kleineren Städten und in den Dörfern die Distrikts• beamten, in Jerusalem, Haifa, Jaffa und Tel-Awiw die Einwanderungsbeamten verantwortlich sind. Es wird geplant, den Distriktsbeamten zur Unterstützung in dieser Arbeit Beamte der Departements für Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Forstwesen und Unterricht, die in einem engeren Kontakt mit der Oeffentlichkeit stehen, zur Seite zu stellen. Kürzlich wurde dem Einwanderungsdepartement _ ein Beamter heigegeben, der jene Beamte beraten soll, die mit der Sammlurig von Nachrichtenmaterial über die Arbeitslage betraut sind. Dieser Beamte wird für die Zusammenfassung aller einladenden destillierten Berichte verantwortlich sein. David Grenfeil (Arbeiterpartei) richtete an den Staats- Sekretär für die Kolonien die Frage, was die Regierung zu tun gedenke, um den Touristenverkehr in Palästina zu fördern. Unterstaatssekretär Sir Robert Hamilton erwiderte: Ich bin nicht informiert, ob ein neuer Plan zur Förderung des Touristenverkehrs in Palästina besteht, aber ich bin dessen vollkommen sicher, daß die Palästina-Regierung die Bedeutung des Touristenverkehrs für das Land voll zu würdigen weiß und daß man von ihr erwarten könne, daß sie alles dem Touristenverkehr Dienende tun wird. Auf Grenfells weitere Frage, wann die Wahlen in den Jerusalemer Stadtrat stattlinden werden und welche Maßnahmen geplant sind, um ein Wahlrecht auf breitester demokratischer Basis zu sichern, erwiderte Sir Robert Hamilton: Eine definitive Antwort kann ich darauf nicht geben. Als die Angelegenheit vor einiger Zeit zur Sprache gebracht wurde, bestand die Absicht, die Wahlen zu den Stadträten bis nach Inkrafttreten einer neuen RegierungsVerordnung über die Lokalverwaltung zu verschieben. Der Entwurf einer solchen Verordnung wird in Kürze den Munizipalräten in Palästina zur Aeußerung unterbreitet werden. Am 15. Mai findet in der Tschechoslowakei die Vereiniungskonferenz der tschechoslowakischen Landesverbände der oats Zioa und Hitachduth statt,