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Jüdische Rundschau · 1932-04-26 · Heft 33-34 (26.4.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 33-34 (26.4.1932)
Date
1932-04-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33/34, 26, IV. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 161 Feste Grundlagen des Nationalheims ßrodeitkyt Palästina •Resümee Professsor Dr. Selig Brodetsky, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, der vor kurzem von einem mehrwöchigen Palästina-Besuch nach London zurikkgekchrt ist, gab g^nüber Vertretern der Presse ein Resümee seiner Palästina-Eindrücke, wobei er u. a. sagte: Das bisher aufgebaute Palästina ist auf solidem Grunde gebaut; die aufstrebende Entwicklung wirkt auf jeden von außerhalb Kommenden wie eine Offenbarung; denn nach den politischen Kämpfen der letzten zwei oder drei Jahre scheinen viele von uns vergessen /u haben, daß es bereits ein lebendiges und im Wachstum begriffenes jüdisches Palästina gibt, das, komme was wolle, leben und wachsen wird. Etwas über den Geist des Jischuw: ln politischer Hinsicht macht sich starke Unzufriedenheit geltend, keiner aber zweifelt auch nur im geringsten an der Solidität der bisher gelegten Grundlagen und an der Entschlossenheit, im Aufbau fortzuschreiten. Wenn überhaupt an etwas gezweifelt wird, so an der Haltung der J 11 d e n h e i t in der G a 1 u 111. ln den letzten zwei oder drei Jahren hat die Palästina- Judenheit infolge der unzureichenden finanziellen Unterstützung von auswärts immer weitere Lasten auf die eigenen Schultern nehmen müssen. Nach dieser Richtung hin hat die Palästina-Judenlieit gradezu Wunder vollbracht, der jischuw hat seine Kraft in einem Maße entfaltet, daß er bei einem Vergleich mit der Judenheit außerhalb Palästinas sehr günstig absclmcklet. Es ist endlich an der Zeit, daß die Juden außerhalb Palästinas sich über die fast unbegrenzten Möglichk eiten des Landes für sie selbst als jüdische Individuen wie für die jüdische Nation als Ganzes klar werden. Sowohl privates Kapital als auch nationale Hilfsquellen, wie sie im Keren El a j e s s o d und Keren K a j e in e t h repräsentiert sind, sind notwendig, um die vorhandenen Gelegenheiten voll ausnutzen zu können. Ich liebe es nicht, allgemeine politische Diagnosen zu stellen. Politik ist von Faktoren abhängig, die sich von Tag zu Tag ändern. Heute stehen wir vor der Tatsache, daß ein eminent positives Anzeichen einer Aenderung der Regierungspolitik in Palästina nicht vorliegt, und daß es uns noch große Anstrengungen kosten wird, bis sich ein solches klares Anzeichen zeigen wird. Ich kann aber sagen, daß ich auf Grund meiner Unterhaltungen mit dem High Commissioner zu der Ansicht neige, daß Möglichkeiten für eine Besserung in politischer Hins i c ht durchaus bestehen. Ich bin aber auch davon überzeugt, daß unsere Fähigkeit, sich diese politischen Möglichkeiten zunutze zu machen, in einem hohen Maße von unseren eigenen Anstrengungen im Lande abhängen wird. Die finanziellen Schwierigkeiten der Jewish Agency sind ein ernster und schwerwiegender Faktor, sowohl gegenüber dem Jischuw wie gegenüber der Regierung. Es ist dies keineswegs ein rein internes Problem, und die Bewegung wird diesen Punkt sorgsam im Auge behalten müssen. Schüsse in der Nacht Auf die jüdische Siedlung Ramath Rachel bei Jerusalern wurde in der Nacht zum 10. April eine Reihe von Schüssen abgegeben, die jedoch in der Wand stecken blieben. Nach Ansicht der Sachverständigen stammen die Kugeln aus deutschen Mausergewehren und kamen aus südwestlicher Richtung von der Straße nach Bethlehem. In der darauffolgenden Nacht wurden auf das Haus des arabischen Führers George Antonius, der früher Beamter des Erziehungs-Departements der Regierung war, eine Anzahl Schüsse von unbekannten Tätern abgegeben. Es wurde niemand verletzt, aber im Flause gewisser Schaden angcrichtet. Das Haus befindet sich oberhalb des Skopusberges, an der Straße, die zur Hebräischen Universität führt. Im ganzen wurden neun Schüsse durch das Fenster abgefeuert. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet, konnte jedoch die Täter bisher nicht ausfindig machen. Auch die umfangreichen polizeilichen Untersuchungen zur Aufdeckung des rätselhaften Mordes an dem arabischen Chauffeur Asmi Arif, der einen Tag nach dem Selbstmord des jüdischen Touristen Israel Wolft tot aufgefunden wurde, sind bisher erfolg los verlaufen. Wie^lie arabischen Zeitungen mitteilen, hat die Engländerin, die den arabischen Torwächter beim Eintritt auf den Tempelplatz geohrfeigt hat (s. ״J. R.“ Nr. 30), den Beleidigten formell um Entschuldigung gebeten. Die arabische Zeitung ״Al Dschamia“ berichtet über die Vorbereitungen zur Nebi Musa-Prozession. Dabei wird auch erwähnt, daß der arabische Distriktskommissär von Ramleh die Vertreter der moslemischen jugendverbände der Städte Ramleh und Ludd zu sich geladen hat und ihnen erklärte, daß es ihnen dieses Jahr verboten sei, in eigenen Abteilungen mit eigenen Fahnen sich der Nebi Musa-Pro- Zession anzuschließen. Lediglich die drei Städte Jerusalem, Nablus und Hebron bekommen das Recht, ihre eigenen Fahnen zu tragen. Den anderen bleibt es anheim gestellt, sich einer dieser drei Gruppen anzuschließen. Zur Begründung dieses Fahnenverbotes wurde die allgemeine schlechte Wirtschaftslage im Lande, die Dürre usw. angeführt, die eine Ausnahmesituation schaffen. Außerdem fürchte die Regierung für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Die Vertreter der Jugendverbände protestierten gegen dieses Verbot und machten u. a. geltend, daß den Zionisten erlaubt worden sei, mit Fahnen und unter Absingung nationaler Lieder im ganzen Lande umherzuziehen. Die kommunistische Partei Palästinas hat anläßlich des Nebi Musa-Festes Flugblätter unter Fellachen verbreitet, worin sie aufgefordert werden, gegen die Regierung und den Zionismus zu rebellieren. Die Regierung hat eine große Zahl Flugblätter beschlagnahmt und einige Kommunisten verhaftet. Der angebliche Kantonlernngs - Plan Die Jewish Agency for Palestine hat vom Colonial Office die folgende vom Sekretär des Kolonienministers unterzeichnete Mitteilung erhalten: , Vom Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister bin ich beauftragt worden, auf Ihr Schreiben vom 7. März ein7.ufehen, in welchem Sie seine Aufmerksamkeit auf einen am 8. Februar im ״Rasswjet“ erschienenen Artikel lenken, ln diesem Artikel wird behauptet, daß im Herbst 1931 im Colonial Office und unter den englischen Beamten in Palästina ein vertrauliches Memorandum in Umlauf war, welches u. a. eine Erklärung enthielt, daß angesichts der an die jetzige Situation in Palästina sich knüpfenden Kritik irgendeine Aenderung der Situation notwendig geworden sei; daß diese Aenderung nicht in einer Weise stattfinden dürfe, daß eine einseifige Begünstigung der Juden Platz greift, und daß daher ein Plan der Teilung Palästinas zu erwägen wäre. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, daß das angebliche Dokument vom Colonial Office oder von der Regierung Palästinas erhalten worden ist. Der Staatssekretär Sir Philip Cunliffe-Lister hat weder Kenntnis von dem Bestehen eines solchen Dokumentes noch ist ihm irgend etwas davon bekannt, daß ein Versuch gemacht worden wäre, den angeblich bestehenden Plan zu verwirklichen.“ Wilna und Saloniki Da* Ende der Pogrom Proreise — Die Jaden sind schuld! - Unglaubliche Urteile Wilna, 19. April. (J.T. A.) Nach mehrtägiger Verhandlung hat das Wilnaer Gericht das Urteil gegen drei jüdisch«! junge Leute gesprochen, die der Mitschuld an dem Tode des nationaldemokratischen Studenten Waclawskl angeklagt waren. Der 23jährige Handelsangestellte Leib Zalklnd und der 23jährige Schlosser Baruch Ogus wurden vom Gericht freifesprochen. Dagegen wurde der Student Samuel Wulfin wegen eilnahme an dem Exzeß, bei dem Wadawski getötet worden ist, zu zwei Monaten Kerkers verurteilt. in der Begründung des Urteils heißt es u. a.: Der Angeklagte Wulf in hat in seiner Verteidigungsrede betont, daß die polnischen Juden keinerlei Rassenhaß gegen die Polen hegen und hegen können, er belegte diese Behauptung mit einer Reihe historischer Tatsachen, die die menschlichen Beziehungen zwischen Polen und Juden kennzeichnen sollen. Demgegenüber sei festzustellen, daß unter den Juden nicht mir ein Wider- Wille, sondern sogar ein Haß g e g c n d i e P o I c n herrscht; denn wie anders könnte man sich die Haltung der jüdischen Menge erklären, die Steine schleuderte auf die Droschke, in der der schwerverwundete Wadawski in das Hospital geführt worden war; wie anders kann man es sich erklären, daß durch die jüdischen Viertel marschierende polnische Akademiker von jüdischen Gruppen angegriffen wurden. Vielleicht ist dieser Haß gegen die Polen bloß ein Reflex des Hasses der Juden gegen die christlichen Völker überhaupt (!), ein Haß, der in der jüdischen Seele verwurzelt ist seit undenklichen Zeiten bis auf den heutigen Tag und der auf die Scheiterhaufen und anderen Torturen der früheren Jahrhunderte zurückzuführen ist. Gegen diesen Haß gibt es anscheinend keine Medizin, obwohl man sich denken könnte, daß in den jahrhundertealten menschlichen Beziehungen zwischen Polen und Juden die Haßkrankheit hätte geheilt werden können. Das Heraustreten eines Teils der polnischen akademischen Jugend gegen die jüdischen Studenten an der Wilnaer Universität war eben nur eine Reaktion auf diesen jüdischen Haß (!!). Es wäre natürlich gewesen, wenn die jüdischen Studenten in der Universität seihst sich zur Wehr gesetzt hätten. Aber nein, der jüdische Haß explodierte und löste sich in Exzessen in den Straßen der Stadt Wilna. Es war ein Pogrom von Juden gegen Nichtjuden. Die Verteidigung hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Wulfin wurde gegen Hinterlegung einer Kaution aus der Haft entlassen. Saloniki, 19. April. (J. T. A.) Nach mehrstündiger Beratung sprach das Schwurgericht in Verria, das gegen die An- Stifter des Pogroms in Saloniki im Juli v. J. zu urteilen hatte, das Verdikt: Der Vorsitzende der Geschworenen teilte mit, daß die Mehrheit der Geschworenen bei acht der Angeklagten eine Schuld für nicht erwiesen erachtete und nur drei der Angeklagten der direkten Teilnahme an der Brandstiftung, durch die das jüdische Wohnviertel Campbell in Flammen aufging, für schuldig befunden habe. Daraufhin zog sich das Gericht zur Beratung zurück und verkündete in den Morgenstunden den Freispruch samtlicher elfAngeklagter, auch der drei direkt der Brand- Stiftung überführten. In Saloniki und in ganz Griechenland hat das Urteil des Gerichtes, das sich während des ganzen Prozesses sehr loyal verhielt und dessen Vorsitzender bei verschiedenen Gelegenheiten den Pogrom und die Brandstiftung scharf verurteilte, tiefes Befremden hervorgerufen. Man erklärt sich das frei* sprechende Urteil nur dadurch, daß sich das Gericht der Auflassung der Verteidigung anschloß, wonach nur ein vollständiger Freispruch eine Versöhnung zwischen dem jüdisehen und dem griechischen Element in Saloniki anbahnen könne. In aller Kürze Die arabische Opposition innerhalb der arabischen Exekutive fordert Einberufung des achten palästinensisch-ara bischen Kongresses und Ausschreibung von Neuwahlen. Auch der Präsident der Exekutive Musa Kasim befürwortet diesen Antrag, während die Mufti-Partei, die bei den Wahlen eine Schwächung erwartet, scharf dagegen ist. In Palästina erhielten vergangene Woche 14 Schüler der juristenschuie das Advokatendiplom, davon 10 Juden. Außerdem wurden von 18 auswärtigen Rechtsanwälten, die sich der palästinerSischen Advokatenprüfung unterzogen, 9 approbiert, davon 7 Juden. Dieser Tage starb in London Sir Patrick Ged des, der berühmte Naturwissenschaftler. Soziologe und Städtebauer, von dem bekanntlich der erste Entwurf für das Gebäude der Hebräischen Universität Jerusalem herrührt. Reverend G. F. Graham-Brown, Oxford, ist vom Erzbischof von Canterbury zum anglikanischen Bischof von Jerusalem als Nachfolger des im Dezember 1931 verstorbenen Bischofs Rennie Maclnnes ernannt worden. Bischof Graham Brown war als Führer der Studenten von Wycliffe-Hall in Oxford während der Unruhen im Herbst 1929 in Jerusalem. Ende März wurde die Auflösung des Kinderdorfes bei Ba 1 f ou r j a , das eine Zeitlang von der südafrikanischen Judenheit finanziert worden war, beendet. Die letzten noch dort befindlichen Kinder wurden in das Jugenddorf Ben Schemen überführt. Das weitere Schicksal des Dorfes ist noch unbestimmt. Etwa 400 jüdische Schriftsteller, Journalisten und Kulturfunktionäre versammelten sich am 10. ApriPabends im Hotel ״Astor“ in New York, um das 50jährige Jubiläum der ן üd i s c h en Presse in Amerika zu feiern. Nach den soeben veröffentlichten Ergebnissen der letzten amerikanischen Volkszählung haben 1 220 658 Juden in den U. S. A., davon allein 636 466 in New York, 68264 in New Jersey und 22503 in Connecticut, Jiddisch als ihre Muttersprache angegeben. In Böhmen haben sich, wie das Statistische Staatsamt mitteilt, 28 Personen römisch-katholischer Konfession zur jüdischen Nationalität bekannt. In Munkacz begannen die ersten Prüfungen (Abituriumsexamen) an dem einzigen hebräischen Gymnasium in der Tschechoslowakei. Die Themen der ersten Maturaarbeit waren: 1. Der hebräische Dichter Feierberg und sein Leben. 2. Die Entstehung der tschechoslowakischen Republik. 3. Die Bedeutung von Radio, Flugzeug usw. für die Entwicklung der menschlichen Kultur unseres Jahrhunderts. Am 15. Mai finden in allen bulgarischen Gemeinden die Delegiertenwahlen zur zweiten Rcpräscntantenver- Sammlung der' bulgarischen Judenheit statt. Es stehen sich zwei Parteien gegenüber: Zionisten und Nichtzionisten, deren Unterschiede aber gering sind, da auch die NichtzionisU-.1 das Palästina-Programm anerkennen. Die kleine Gruppe jüdischer Sozialdemokraten und die etwas stärkere Gruppe der jüdischen Kommunisten konnten bis jetzt nirgends Mandate erlangen. Pressesd1au Der letzte Leitartikel der englischen Wochenschrift ״The Near East and 1 n d ia“ ist Palästina gewidmet. Es werden darin zum Teil recht beachtliche Gesichtspunkte, zum Teil auch absonderliche Gedankengänge entwickelt, die wir jedoch als charakteristische englische Acußcrung wiedergeben. Zunächst wird hervorgehoben, daß es der Regierung gelungen ist, Gesetz und Ordnung aufrechizucrhalten und insbesondere zu verhindern, daß Araber und Juden auf Grund angeblieber aber unbewiesener Provokationen von beiden Seiten, einander an die Gurgel springe n. Die Atempause der letzten Monate habe die Lage so verbessert, daß Dr. Brodetsky, der noch im Januar sich sehr verzweifelt über das englisch-jüdische Verhältnis ausgesprochen habe, nach seiner Rückkehr aus Palästina wieder an die Möglichkeit der Zusammeuarbeit glaube. Jabotinsky, der bisher vergeblich seine Revisionisten aus der Zionistischen Organisation herausziehen wollte, spielt mit seinen letzten Acußerungen nur in die^ Hände der arabischen Extremisten, die zeigen werden, daß sie hinter niemanden an Intransigenz zurückstehcn. Im weiteren Verlauf des Artikels wendet sieh das Blatt gegen die Meinung der Araber, sie könnten unbeschränkt aus den reichen Kassen der Regierung Unterstützung beziehen, wobei sie nicht verstehen, daß die Regierung nur über solche Gelder verfügt, die sie von der Bevölkerung vereinnahmt. Schließlich ermahnt «las Blatt sowohl Juden wie Araber zu mehr Selbst ver• trauen, ln Anbetracht der großen Leistungen, die die Juden in Palästina sowohl für sich selbst als auch für das ganze Land vollbracht haben, ist es seltsam, daß sie dauernd über das Versagen E n g 1 a n d s klagen, was letzten Endes auf eine Wortklauberei darüber hinausläuft, was unter dein Versprechen zu verstehen ist, ״die besten Bemühungen eiimiset/en um zu erleichtern“ eine Sache, die andere Leute ausführen. Ob es eine Rechtfertigung für die Annahme gibt, daß die Half mir-Deklaration den Juden einen National• Staat in Palästina versprochen hat, dies zu untersuchen wäre heute müßig; denn Mißverständnisse, die etwa über diesen Punkt bestanden haben, sind bereits weggeräumt worden. Man hat aber kostbare Zeit verloren, indem man verabsäumte, einen brauchbaren Plan für ein Nationalheim, das nicht gegen die Wirklichkeiten Palästinas anrennt, zu entwickem. Die Pflicht, einen solchen Plan zu formulieren und zu verwirklichen, obliegt letzten Endes den Juden, und die Palästina-Regierung hat lediglich zu erklären, ob der Plan ihr durchführbar erscheint oder nicht. Es ist zu hoffen, daß dieses Stadium der g e g e n s e i ־ tigen Kooperation mit der Jewish Agency jetzt erreicht ist. Dieser neue Geist wird gefördert durch die Intransigenz der Revisionisten auf der einen Seite und eines großen Teiles der Araber auf der anderen Seite. Für die Araber mit ihrer politischen Unerfahrenheit und Unwissenheit kann man noch eine Entschuldigung finden, für die jüdischen Führer aber nicht. Nicht zuletzt, so fährt das Blatt fort, sehen wir ein hoffnungsvolles Zeichen der neupj Ordnung der Dinge in dem glänzenden Erfolg der Makkabiah, der in Tel-Awiw abgehaltenen jüdischen olympischen Spiele. Der jüdische nationale Geist, der, wenn er sich von Politik freimacht, zu so glänzenden konstruktiven Leistungen wie das Elektrifizierungs-Unternehmen oder die Ausbeutung des Toten Meeres fähig ist, hat sich hier vielleicht zum ersten Male von einer nur auf die Vergangenheit gerichteten Orientierung befreit und sich einem hauptsächlich der Zukunft dienenden Ideal zugewandt Denn aus gesundem Körper kommt ein gesunder Geist, und kein Geist kann als gesund bezeichnet werden, der von seinen Nachbarn nur übel denkt. Es ist vielleicht nicht möglich, ein friedliches und zufriedenes Palästina an einem Tag aufzubauen; aber das Ziel wird schließlich erreicht werden, wenn die Führer der Juden und der Araber, ohne die Wachsam• keit für ihre eigenen Interessen zu verkleinern, dafür sorgen, daß sie und ihre Presse nichts zur weiteren Verschärfung der Beziehungen der beiden Völker tun. Das Wirtschaftsarchiv für den Vorderen Orient wurde im April 1931 auf Initiative von Herrn Dr. h. c. Max Warburg (Hamburg) errichtet. Der Aufbau und die Arbeit des Archives erfolgt ungefähr in den Linien, die auch für das Hamburger Weltwirtschaftsarchiv (früher Hainburgisches Koloniahnstitut) maßgebend sind. Leiter des Archivs ist Dr. Alfred Bonne. Das Wirtschaftsarchiv bestellt aus folgenden Sektionen: 1. A u ss c h n i 11 a r c h i v. Die Sammlungen umfassen Material aus allen Gebieten der Wirtschaft, Politik und des sozialen Lebens m den Ländern des Vorderen Orients (Palästina, Transjordanien, Aegypten, Arabien, Syrien, Irak, Persien, Türkei, Bulgarien־ und Cyprus). Gegenwärtig dürfte das Archiv etwa 20 000 Ausschnitte enthalten. 2. H a n d b i b 1 i o 111 e k. Sie enthalt gegenwärtig etwa 600 Bände und Publikationen, von denen über die Hälfte wirtschaftliche und soziale Fragen des Vorderen Orients und der Rest Wirtschaftsproblcme anderer Lander und weltwirtschaftliche Fragen behandeln. 3. Informationen. Das Wirtschaftsarchiv׳ gibt jedem ernsthaften Interessenten der Wissenschaft und Praxis auf Anfrage Auskunft. Die Inanspruchnähme war bis her nicht unbefriedigend. Sie wird mit dem steigenden Umfang der Sammlungen und ihrem Bekanntwerden in der Oeffentlichkeit weiter wachsen. Ein modernes Strandbad in Palästina. Zwischen der Stadt- Verwaltung von Haifa und einem jüdischen Konsortium ist ein Vertrag zur Errichtung eines modernen Badestrandes an der Küste des Haifaer Vororts B a t h G a 1 i m abgeschlossen worden. Die Gesellschaft enthält einen ungefähr 1200 m langen Küstenstreifen zur Errichtung von Badegelegenheiten, eines Kasinos, Vcrgnügungsctablissemcnts, Radioempfängern usw. für die Dauer von zehn Jahren unter der Bedingung, daß die 1m Plan vorgesehenen Gebäude und Einrichtungen bis zum Frühjahr 1933' fertiggestellt sein müssen. Man schätzt den für die Ausführung des Programms nötigen Betrag auf etwa 20 000 Pfund. Nach Ablauf von zehn Jahren gehen die Anlagen in den Besitz der Stadtverwaltung unter dem Vorbehalt über, daß die Konzessionäre die Priorität für die Fortführung der Pacht zu einem dann festzusetzenden Satz erhalten. Keren Hajessod in Memel. In Memel ist in den letzten paar Wochen eine große Keren Hajessod-Aktion erfolgreich durchgeführt worden. Es ist jetzt gelungen, die Keren Hajessod-Bciträgc, im Vergleich zu den Eingängen der letzten Monate, um zirka 50 ס/יי zu erhöhen, so daß sich der Keren Hajessod in Memel trotz der verschlechterten Wirtschaftslage voraussichtlich auf der Durclischnittshöhe des Vorjahres, die eine besonders hohe war, wird halten können. Die Aktion ist durch eine Palästina-Kundgebung eingeleitet worden, die in einem der größten Säle der Stadt stattfand und zu der Hunderte von Zuhörern erschienen waren. Die Redner des eindrucksvollen Abends, vor allem Dr. Grigarij W o 1 f f (Kovvno), Mitglied des Administrativ-Komitecs der Jewish Agency und der Vertreter des Hauptbüros des Keren Hajessod Jerusalem, der unermiidliche L. Taubmann, haben durch ihren Einfluß und in hingebungsvoller Arbeit, unterstützt von den Mitgliedern des Memeler Keren Hajessod-Komitees, den Erfolg der zwei Wochen währenden Aktion herbeigeführt. Wie tief mul zukunftssicher die Palästina-Idee im Herzen der jüdischen Masse verankert ist, ist hier jetzt besonders stark und erhebend zum Ausdruck gekommen. S. S.

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