Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 31-32 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653348-2653385--22937-2681230- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 154 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/32, 20. IV. 1932 Geschichtsschreibung ist kein bloßes Zusammentragen von Tatsachen; daraus kann mir Chronistik erwachsen. Gcschichts- Schreibung ist die persönliche Vision dessen, der Geschichte schreibt. Seine Arbeit ist am ehesten vergleichbar der konstruktiven Arbeit des Architekten, der aus den Trümmern eines Bauwerks, unter sorgfältiger Sichtung und Wertung der Trümmerstücke, den einstigen Tempel in seiner Ganzheit vor seinem geistigen Auge erstehen läßt und seine Vision für andere aufzeichnet. Es ist ebensosehr eine künstlerische wie eine wissenschaftliche Arbeit. Da es eine objektive Oe- Schichtsschreibung in dem Sinne, wie es eine mathematische oder physikalische Beschreibung von Tatbeständen gibt, schon wegen der irrationalen Natur der geistigen und seelischen Geschichtselemente nicht geben kann, ist es kein Vorwurf gegen eine Geschichtsdarstellung, wenn sie als subjektiv bezeichnet wird. Objektiv glaubt nur der zu sein, der als auf* nehmendes Subjekt schwach ist. Höchste dem Menschen erreichbare Objektivität ist: das angeschaute Objekt unter vollständiger und gleichmäßiger Würdigung aller seiner Eiemente, durch eine starke Subjektivität hindurchgehen zu lassen. Wer mehr glaubt geben zu können, täuscht sich und die anderen. Alles Vergangene ist tot. Um es wieder zum Leben zu erwecken, muß der Geschichtsschreiber den Geist der fernen Zeit, der aus den Zeugnissen und Ueberresten ihm entgegentritt, ganz als lebendigen in sich aufnehmen. Seine Darstellung muß den gegebenen Tatsachen gerecht werden, sie einheitlich schauen und zu einem Bilde formen, das durch sein inneres Leben Wahrheit verbürgt — soweit unsere halbblinden Augen Wahrheit zu sehen vermögen. Das will dieses Buch versuchen. Der ״Hechaiuz" fn Rußland. Eines dar denkwürdigsten Kapitel der verschlungenen zionistischen Geschichte der Nachkriegsperiode bildet der heldenhafte Kampf der zi o n i st isehen Jugend in Rußland. Man muß bedenken, welche verführerische Kraft für junge Menschen von der aufstrebenden kommunistischen Welt Rußlands ausging, um zu ermessen, was es bedeutet, daß die jüdische Jugend an ihrem zionistischen Ideal festhielt in dem Bewußtsein, daß die jüdische nationale und soziale Frage nur im Rahmen des jüdischen Volkes, d. h. durch den Zionismus gelöst werden kann. Die sogenannte ״Auslandsdelegation des illegalen russischen Hechaluz“ ver* öffentlicht jetzt ein sehr interessantes Buch ״Der Hechaluz in Rußland“ (״Hechaluz berussia“, Tel-Awiw 1932). Dieses Buch enthält die Geschichte des sogenannten ״illegalen“ (nationalen) Hechaluz, der sich abspaltete von einem vorübergehend von den russischen Behörden legalisierten kommunistischen Hecha* hiz. Man darf wohl sagen, daß die eigentlich zionistische Gruppe im ״illegalen Hechaluz“ verblieb. Das Buch gibt unseres Wissens zum ersten Male eine zusammenfassende Darstellung der Chaluzbewegung, die ja in Rußland in den letzten Kriegsjahren entstanden ist und von dort erst ihren Weg auch nach Europa genommen hat. Im ersten Kapitel werden das Entstehen dieser Idee, deren Hauptbannerträger bekanntlich Josef Trumpeldor war, sowie die ersten organisatorischen Maßnahmen und der allmähliche Aufschwung der Chaluzbewegung geschildert, bis schließlich die Bürgerkriege und das sowjetistisene Regime die ganze Situation veränderten. Von nun an hatte der Hechaluz unter sehr schwieriger! Verhältnissen zu arbeiten. Aber die Traditionen illegaler Arbeitsmethoden, die in Rußland noch vorhanden waren, erleichterten die Aufrechterhaltung des Zusammenhangs, und der russische Hechaluz konnte sogar in dieser schwierigen Zeit zu großen Werken übergehen. Es wurden eine Anzahl Kwuzoth, Lehrfarmen und anderer Ausbildungsplätze begründet, deren Arbeit in dem vorliegenden Buch im einzelnen geschildert wird. Sodann begann die Periode der Verfolgungen und der Alijah nach Palästina. Im ganzen sind in den Jahren 1924—1930 1034 Mitglieder des russischen Hechaluz nach Palästina gegangen. Es ist bekannt, daß diese Menschen zum größten Teil vorzüglich ausgebildet sind und ein ausgezeichnetes und auch national besonders wertvolles Menschenmaterial für den Aufbau des Landes stellen. Den letzten Teil des Buches schließlich bilden Auszüge aus Dokumenten, Memoiren und Tagebuchblättern, in ihrer Einfachheit erschütternde Dokumente eines heroischen Kampfes für das nationale Ideal. Angefügt sind ferner Protokolle verschiedener Konferenzen und Aufrufe des illegalen Hechaluz und sodann eine Reihe Nachrufe für die in der Arbeit verstorbenen Genossen. Alles in allem kann wohl gesagt werden, daß hier ein Ehrenbuch der nationalen Bewegung vorliegt, das von weiten Kreisen beachtet werden sollte. Zugleich ist es ein Beitrag zur Beleuchtung der geschichtlichen Kräftekonsteliation, in deren Rahmen sich der nationale Lebenswille des jüdischen Volkes durchzusetzen hat. Goethe Im Ghetto. Einen interessanten Beitrag zur Goethe- Literatur anläßlich des Goethe-Tages bietet Samuel Meis eis in einer kleinen Aufsatzsammlung ״Goethe im Ghetto“ (Verlag Die Neuzeit, Wien). Dabei wird u. a. auf die Tat- Sache hingewiesen, daß im östlichen Ghetto des 19. Jahrhunderts die Beziehungen Goethes zu Judentum und zu Juden gar keine Rolle spielten, ja nicht einmal beachtet wurden. Dagegen wurden Goethes Hauptwerke überaus eifrig gelesen und öfter auch ins Jiddische und Hebräische übersetzt. Eine interessante Anekdote wird aus dem gaiizischen Städtchen Zolkiew berichtet, wo 1832 der Rabbiner Hirsch Cßajes (ein Vorfahre unseres kürzlich verstorbenen zionistischen Führers Chajes) durch Goethes Tod so erschüttert wurde, daß sich in der ganzen Gemeinde die Nachricht verbreitete, ״Rabbi Goethe sei gestorben“. Im Jahre 1865 erschien eine hebräische ,,Faust״-Ueber- Setzung von Max Letterer unter dem Namen ״Ben Abuja“. Die hebräische literarische Wochenschrift ״Mosnajim“, Tel-Awiw, veröffentlicht eine Doppelnummer anläßlich des Goethe-Jubiläums. Diese hebräische Goethe-Festnummer ist sehr inhaltsreich und vermag sich den meisten Goethe-Festschriften europäischer Zeitschriften würdig an die Seite zu stellen. Außer den Aufsätzen von Fichmann, Klausner, Zemach, Jakob Rabinowitsch, Lachower, Dr. Walter Fischei u. a. interessieren vor allem eine Reihe gelungener Ueberset zungen Goethescher Werke ins Hebräische. So finden wir eine Uebersetzung der ersten Szene des ״Faust“ (bis einschließlich zum zweiten Monolog) von Jakob Kahan, ferner die Gedichte ״Der Sänger“, übersetzt von Schaul Tschernichovvsky, ״Beherzigung“ und Lied des Harfensängers ״Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ (übersetzt von Jizchak Lamdam), ״Meeresstille“ und ״Mohammeds Gesang“ (Lichtenbäum), ״Kennst du das Land“ (Jakob Fichmann). Im ״Archeion“ (Rom, Casa Editrice Leonardo Da Vinci), Band XIII, erschien eine Abhandlung über Amatus Lusitanus von Dr. H i r s c h R u d y. Es handelt sich hier um die erste wissenschaftliche Monographie einer für die Geschichte der Medizin und Naturwissenschaft wichtigen Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts, die als Maranne aufwuchs und auch zu jüdisch-wissenschaftlichen Kreisen Beziehungen unterhielt. Die nächste Nummer der Jüdischen Rundschau erscheint wegen der Feiertage am 26. April 1932 Berliner Empfang für die Makkabiah -Teilnehmer Am 16. d, M. fand im Lehrervereinshaus ein festlicher Empfang für die Teilnehmer an der Makkabiah statt. Die Berliner Zionistische Vereinigung und das Empfangs-Komitee fbestehend aus Vertretern des Bar Kochba-Hakoah, der Jüdischen Vclkspartei, des K. J.V., der Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina und des KKL) konnten über 1500 Teilnehmer, darunter hauptsächlich Jugendliche, begrüßen. Zunächst schilderten Dr. Alfred Ra bau und Dr. Werner Bloch ihre Eindrücke. Während Dr. Ra bau hauptsächlich über den Verlauf der Makkabiah in begeisternden Worten berichtete, gab Dr. Werner Bloch ein packendes Bild von dem gegenwärtigen Stand des Palästina-Aufbaus. Dr. Blochs Ausführungen hinterließen einen nachhaltigen Eindruck, und der Beifall nach seinen Schlußworten, daß der weitere Fortschritt unseres Werkes in der Hauptsache von den Juden selbst abhängig sei, bewies die innige Verbundenheit der Anwesenden mit dem werdenden jüdischen Palästina. Namens der Z. V. f. D. begrüßte Kurt B1 u m e n f e Id die Teilnehmer der Makkabiah und wies darauf hin, daß diese gelungene Veranstaltung erst dann ihre volle Bedeutung erlangen werde, wenn sie einen neuen Antrieb zu intensiver zionistischer Erziehungsarbeit in dem Welt-Makkabi geben werde. Direktor Kareski erklärte, daß der Erfolg der Makkabiah das Ergebnis einer mühevollen intensiven Arbeit gewesen sei, deren treibende Kraft Dr. Hermann Leiewer ist. Nach den Festtagen der Makkabiah beginne jetzt der Werktag der stillen Arbeit innerhalb der Jugend und in den Gemeinden. Dr. Alfred Klee schilderte, wie aus einem kleinen Kreise, der vor 40 Jahren in Berlin sich im ״Jung-Israel“ zusammengefunden hatte, im Laufe der Zeit eine große Bewegung geworden ist. Auch Dr. Klee forderte die Makkabim auf, wie bisher in stetiger Arbeit zur Stärkung des jüdischen Volkstums und des Aufbaus von Erez Israels mit aller Energie beizutragen. Nach einer Vorführung von Lichtbildern, welche einzelne Szenen der Makkabiah zeigten, überreichte Dr. Ernst Mechaer namens des K. K. L. dem Präsidenten des Welt-Makkabi, Dr. Hermann Leiewer, das Diplom seiner Eintragung in das Goldene Buch. Dr. Hermann Leiewer hielt die Schlußansprache, in der er namens des von ihm geleiteten Verbandes erneut ein Bekenntnis zu zionistischer Lebensführung ablegte. Der Welt-Makkabi wird durch die Inspiration, die er auf der Makkabiah in Palästina empfangen hat, in seiner zionistischen Erziehungs- und hebräisehen Kulturarbeit nach wie vor eine der Haupttätigkeiten erblicken. Dr. Leiewer sprach von den Außenwirkungen der Makkabiah. Es fand keine politische Beunruhigung statt. Friedlich haben wir unser historisches Recht auf Erez- Israel proklamiert, mit disziplinierten Menschen. Das übte auf Bialik starken Eindruck. Lady Erleigh sagte, es waren die drei schönsten Tage ihres Lebens, die Engländer waren enthusiasmiert, die Palästina-Regierung förderte das Werk. Aber nicht auf Kraftausbrüche kommt es an und nicht auf militärisches Schauspiel, sondern auf echte Arbeit. Dr. Leiewer schloß mit einem dreifachen: Am Israel chaj! Die Veranstaltung, ein großes festliches Ereignis des zukunftsgläubigen, selbstvertrauenden Teiles der Berliner Judenheit, schloß kurz vor Mitternacht. # Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Mayer Dizengoff, richtete ein Schreiben an den Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Hermann Leiewer, worin es heißt: ״Es ist mir eine angenehpe Pflicht, Ihnen, bevor Sie Tel- Awiw verlassen, zu sagen, wie schwer uns der Abschied vom Makkabi ist und daß wir noch lange Zeit uns seb»ett-<we«tjra: nach der wunderbaren Jugend Ihrer Organisation. Das Erscheinen des Welt-Makkabi und sein Aufenthalt in unserer Mitte, seine Ordnung, seine Spiele, seine Gliederung und seine Aufzüge haben in unsere ganze Umgebung Leben und Bewegung, Stolz und Hoffnung, das Vertrauen auf die Kraft unseres Volkes und den Glauben an das Gelingen unseres Werkes hineingetragen. Die Ta 2 der ersten Makkabiah in Tel-Awiw haben einen mächtigen Eindruck auf unsere gesamte Jugend und alle diejenigen gemacht, die dereinst berufen sein werden, den Kampf für unser Volk und unsere Idee zu führen. In der Stunde, da wir uns von Ihnen trennen, kann ich Ihnen versichern, daß Sie Gefühle der Brüderlichkeit und Liebe begleiten und die herzlichsten Wünsche, daß Ihr zu uns bald zur zweiten Makkabiah zurückkommen werdet.“ Salomon Dyk« der Fünfzigjährige Am 28. April wird Herr Güterdirektor Salomon Dyk 50 Jahre alt. Geboren am 28. April 1882 in Buczacz (Galizien), kam Dyk als Dreizehnjähriger in die Israelitische Gartenbauschule zu Ahlem, wurde später Lehrer in einer staatlichen Ackerbauschule in Oesterreich und dann Fachlehrer in Ahlem. Franz Oppenheimer fand an dem jungen intelligenten Menschen, der aus eigener Kraft und mit eisernem Fleiß sich eine eigene große Bildung und insbesondere landwirtschaftliehe Kenntnisse erworben hatte, Gefallen und auf seine Empfehlung erhielt Dyk eine Inspektorenstellung auf einem großen Rittergut in Schlesien. Als die Zionistische Organisation Oppenheimer beauftragte, die erste genossenschaftliche Siedlung Merchawja zu gründen, übertrug er Dyk die Leitung des Versuches. 1910 bis 1914 war Dyk unter den schwierigsten Verhältnissen in Merchawja, in dem damals noch völlig wüsten Einfck Jesreel, tätig. Nach Ausbruch des Weltkrieges kam Dyk nach Deutsch-!and zurück, und er, ein Ostjude, wurde noch in der Kaiserzeit Königlich-Preußischer Administrator einer Domäne in Holstein. Später verwaltete er auch das Hirsehsche Gut in Messingwerk. Als Oppenheimer im Jahre 1920 die Gemeinnützige Siedlungs- Treuhand-Gesellschaft m. b. H. gründete, um seine Siedlungsmethode in Deutschland durchzuführen, wurde Dyk Geschäftsführer der Gesellschaft. Dyk war es, der hier Oppenheimers Siedlungsmethode zu der Bedeutung und Anerkennung verhalf, die sie heute genießt. Heute verwaltet Dyk neben Bärenklau fünf große Siedlungsgüter von über 13 000 Morgen. Es lag nahe, daß Dyk auch dem Gedanken der Umschichtung jüdischer Menschen in landwirtschaftliche Berufe in Deutschland seine Kraft widmete. Er war 1928 Mitbegründer der ״Jüdischen Landarbeit G. m. b. H.“, die den Zweck hat, jüdische Menschen als Bauern oder Gärtner zur Ansiedlung zu bringen. Dyk war ein treuer Berater einer großen Anzahl jüdischer landwirtschaftlicher Beamten und Gärtnergehilfen, die er nicht nur in ihrer Ausbildung, sondern auch weiter in ihrem Fortkommen betreute. So sind viele jüdische Landwirte und Gärtner In Palästina und anderswo in der Welt seine Schüler gewesen. An den Palästina-Fragen nahm Dyk seit seinem Verlassen des Landes 1914 als Zionist stets innersten Anteil, wenn er auch leider keine Gelegenheit zu aktiver Betätigung im Lande fand. 1926 erstattete er ein ausführliches Gutachten über zionistische Siedlungsmethoden, und auch sonst ist er mit Rat und Tat stets bereit, wenn die Bewegung oder einzelne Ratsuchende ihn brauchen. Möge es ihm vergönnt sein, noch viele Jahre für die jüdische Sache mit voller Kraft und dem ihm eigenen Elan zu wirken, Martin Ooetz, _ In aller Kürze Am 15. April, morgens, starb fn Jerusalem nach einem schweren Asthma-Anfall der als Tourist hier zu Besuch weilende amerikanische Zionist Philip Wattenberg. Am Grabe sprachen Emanuel Neumann und Frau Archibald Silvermann. Wattenberg hat 1925 100 000 Dollar zur Errichtung eines Gebäudes für das Institut für Physik und Mathematik an der Hebräischen Universität Jerusalem, das den Namen Einstein-Balfour-lnstitut führt, gespendet. Anläßlich der Anwesenheit des Präsidenten des Weltverbandes für Sabbat-Schutz Schomre Schabbos, Dr. Samuel Grünberg, Berlin, wurden in Palästina verschiedene Besprechungen mit Vertretern der Sportvereine ״Hapoel“ und ״Makkabi“, betreffend Vermeidung der Wettspiele am Sabbatnachmittag abgehalten. An den Besprechungen nahmen zahlreiche führende Persönlichkeiten des Jischuw und auch der Präsident des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Leiewer, teil. Es wurde schließlich ein Komitee eingesetzt, das die Aufgabe hat, die Frage einer befriedigenden Lösung zuzuführen, indem ein anderer Wochentagsnachmittag durch Uebereinkunft mit Schulen, Arbeitgebern und Institutionen als Freinachmittag erklärt und für sportliche Veranstaltungen und Spiele freigegeben wird. Wie aus Haifa gemeldet wird, sind die ersten Sendungen von Baumaterial zum Bau der Oelleitung Mossul- Haifa dort eingetroffen, und es wird in nächster Zeit mit dem Bau des ersten Abschnittes der Leitung begonnen werden. Als Nachspiel zu den antisemitischen Ausschreitungen an der Universität Wilna, in deren Verlauf bekanntlich auch ein christlicher Student durch einen Steinwurf getötet wurde, fand in Wilna eine Pr oze ß ve r h a n dl u n g gegen zwei der Ermordung angeklagte jüdische Studenten statt. Da die Beweisaufnahme den völligen Zusammenbruch der Anklage erwies, zog der Staatsanwalt jedoch die Anklage zurück. Außer dem Prozeß schweben noch einige andere Prozesse gegen die Juden wegen angeblicher Vergehen bei den erwähnten Unruhen. Es ist charakteristisch, daß nach einer aggressiven antisemitischen Demonstration der Nationaldemokraten lediglich Juden vor Gericht gestellt werden. In dem in Verria stattlindenden Prozeß gegen die Urheber des Pogroms in Saloniki im Juli 1931 hat der Staatsan&alt, obwohl er während des ganzen Prozesses und auch im ersten Teil seines Anklage-Plädoyers eine sehr strenge Haltung gegen die Angeklagten einnahm und sie der Verbreitung lügenhafter Legenden und der Befolgung mittelalterlicher barbarischer Methoden gegen die jüdischen Mitbürger beschuldigte, nur für vier Monate Gefängnis für die ״moralischen Urheber des Pogroms“ beantragt und für Freisprechung des Präsidenten der Hellenistischen National-Union Cosmidis und fünf anderer Angeklagter plädiert. Anläßlich der bevorstehenden Palästinafahrt von ungefähr 100 rumänischen Deputierten wurde in der rutnänischen Kammer auf Anregung des Jüdischen Parlamentsklubs eine Palästina-Informations- und Propagandastelle errichtet. Am 10. April wurde in B u k a r e s t die unter der Aegide des Keren Kajemeth arrangierte Ausstellung palästinensischer Produkte in Anwesenheit behördlicher Vertreter und der Repräsentanten rumänischer Wirtschaftskorporationen feierlich eröffnet. Die geplante drahtlose Telephonverbindung zwischen Aegypten und England konnte bisher noch nicht zufriedcnstellend hergestellt werden, so daß auch die Radio- Uebertragung Jerusalem—Kairo—London am 17. d. M. unterbleiben mußte. •־• ׳■■■ Der -!*ährcr-der-^eagksshei». Atfterf|&wte;’M;nfI ,.Zionistengegner Colonel Howard Bury, Trüheres Mitglied dfcs Unterhauses, war eine Woche lang in Palästina. Er besuchte u. a. Dr. Arlosoroff, hat aber keine jüdische Siedlung besichtigt. Auf Anordnung des High Commissioners hat sich unter dem Vorsitz des Distriktskommissars Keith-Roach ein Komitee gebildet, das sich die Restaurierung der Zitadelle, eines der ältesten Jerusalemer Baudenkmäler, zum Ziele gesetzt hat. Es wurde ein Aufruf an die Oeffentlichkeit erlassen, zu dem Restaurierungs-Fonds, der 4500 Pfund betragen wird, beizusteuern. Das jüdische Rettungskomitee in Warschau veröffentlicht einen Tätigkeitsbericht, dem zu entnehmen ist, daß sich rund 100000 Warschauer Juden (das ist ein Drittel der Warschauer jüdischen Bevölkerung) an das Komitee um Hilfe gewandt haben. Für die Peßach-Hilfe in diesem Jahre sind 100000 hilfsbedürftige Juden registriert worden. PresseSebau Der Londoner ״Jewish Chronicle“ beschäftigt sich im Leitartikel seiner Nummer vom 15. April mit den jüngsten politischen Kundgebungen der Revisionisten. Das Blatt meint, daß die Weltfremdheit der revisionistischen Propaganda von Tag zu Tag deutlicher wird, so daß man von nun an ihren Ausbrüchen kaum mehr Aufmerksamkeit schenken svird. Die Torheit der Kampagne gegen die alästinensische Volkszählung, die Sensationsaffäre des Exhediven von Aegypten, die Seifenblase des Manifestes, das die ״jüdische Anklage gegen die Mandatarmacht vor die ganze Welt bringen“ will, zeigen, daß die revisionistischen Führer Kinder sind, die mit Politik spielen. Wenn man noch mehr Beweise hierfür braucht, fährt das Blatt fort, muß man nur Jabotinsky selbst zitieren. Er scheint jeden Zusammenhang mit der Wirklichkeit verloren zu haben, wenn man nach seinen letzten Artikeln in der jüdisehen Auslandspresse schließen soll. Seine eigenen Worte sind: ״Abenteurergeist gegen das Gebot staatsmännisclier Ueberlegung — das ist heute meine Parole.“ Kurz gesagt, er hat jede Besonnenheit fahren lassen und widmet sich der unergiebigen und schmerzvollen Beschäftigung, mit dem Kopf gegen eine Steinwand zu rennen. Die Aufgabe, nachzudenken, mit welchen Mitteln die Hindernisse überwunden werden können, überläßt er anderen. Alles, was er vorzuschlagen hat, ist die Bildung einer Organisation von Chaluz- Schmugglern, die heimlich Juden in das Jüdische Nationalheim bringen. ״All Heil, so ruft er, für Abba Achimeir, diesen kulturell hochstehenden jungen Mann und tiefen Denker“, der in Tei-Awiw die Demonstration gegen Dr. Drummond Shiels angeführt hat, der für seine Teilnahme an den gegen die Volkszählung gerichteten Unruhen verhaftet wurde und gegenwärtig wegen seiner Teilnahme an dem zu Ehren von Norman Bentwich in Szene gesetzten ״Abenteuer“ iin Gefängnis sitzt. ״Heute, so sagt Jabotinskv, ist jede Umgehung der britischen Gesetze ethisch gut und zu empfehlen.“ Dies, so schließt ״Jewish Chronicle“, ist leeres Gerede. Es mag vielleicht auf haltlose und ungezügelte Mensehen eine Wirkung üben, aber es kann zu keinem Ziel führen. Auf der Revisionistenkonferenz in Paris hat Jabotinsky erklärt, er werde bald eine neue Mandatarmacht vorschlagen. Wenn er dies tut, wird wenigstens der Bankrott seines politischen Denkens völlig klar zutage liegen. ,