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Jüdische Rundschau · 1932-04-12 · Heft 29 (12.4.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 29 (12.4.1932)
Date
1932-04-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 140 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 29, 12. IV. 1932 linarischer“ oder gar wegen seiner antisemitischer Tendenzen nicht anscliließen würde. Man versucht den Juden sogar ein- Zureden, daß eine von jüdischen Organisationen betriebene ״Brandmarkung“ der ״kulturschänderischen“ Haltung der Nationalsozialisten, wie sie sich etwa in den Schändungen jüdischer Friedhöfe und in den Exzessen einer ritualmordhetzerischen Provinzpresse manifestiert, die anständigen Deutsehen von Hitler abbringen werde, auch wenn sie im übrigen rechts orientiert sind. Diese Rechnung hat getrogen. Nichts lächerlicher, als wenn jüdische Organisationen heute so tun, als ob Hindenburgs Sieg im Grunde i h r Erfolg wäre. Auch aus vereinspatriotischer Reklamefreude sollte man sich selbst und die deutschen Juden nicht so betrügen dürfen. Gegen den Nationalsozialismus ist natürlich die gesamte Arbeiterschaft, ferner die große Mehrheit der katholischen Deutschen und darüber hinaus die Reste der den großen liberalen Traditionen des klassischen Deutschland treuen Splitter. Daß sich Wähler, auch wenn sie selbst nicht aktive Antisemiten sind, durch die Scheu vor Hitlers Antisemitismus von den National- Sozialisten abschrecken lassen, ist eine Illusion, die man endgültig aufgeben sollte. Ja man wird eher annehmen dürfen, daß die große Mehrzahl der Hitler-Wähler auch denjenigen Teil seines Programms, der gegen die Juden gerichtet ist, bewußt billigt. Denn der Judenpunkt ist im Nazi-Programm keineswegs ein Nebenpunkt, er ist eines der Fundamente der nationalsozialistischen Ideologie und ein Hauptmotiy ihres praktischen Programms. Im zweiten Wahlgang hat sich noch deutlicher dieselbe Erscheinung gezeigt, die schon im ersten Wahlgang zu bemerken war: Der Kampf wurde fast ausschließlich um die rechtsstehenden Zwischenschichten geführt. Die Argumente, die die gewichtigsten Sprecher Hindenburgs zu seinen Gunsten ins Treffen führten, waren fast ausschließlieh dem Gedanken- und Wortschatz der Rechtsparteien entlehnt. Hier versagte die Reichweite des Einflusses linksgerichteter Politiker, vor allem aber jüdischer Zeitungen und Publizisten. Die ironischen und höhnischen Bemerkungen, die die sogenannte ״Judenpresse“ gegen die von Hindenburg abgefallenen Konservativen und Stahlhelmer richtete, mußten ihr Ziel verfehlen. Sie wurden vielleicht von jüdischen Lesern der betreffenden Organe mit selbstgefälligem Schmunzeln gelesen, an ihre eigentliche Adresse sind sie aber nicht gelangt. Ja noch mehr: man kann ruhig annehmen, daß diese Art Wahlhilfe für Hindenburg viele Wähler eher auf seiten Hitlers getrieben hat. Es ist nun einmal so, daß manche Deutsche, besonders gebildeter Kreise, durch die Wahl Hitlers u. a. auch zum Ausdruck bringen wollen, daß sie sich von der ״Judenpresse“ nicht über Nationalismus belehren lassen. Und wenn eine Reihe von Konservativen, Militärs und Schriftsteller, für Hindenburg eingetreten sind, so taten sie es trotz der Wahlhiife der ״Judenpresse“. Dies zu erkennen, ist für uns Juden von elementarster Wichtigkeit. Was wir jetzt erleben, ist die Götterdämmerung eines der mächtigsten Instrumente des Assimilationsjudentums. Diese Presse, die vor Jahrzehnten bereits ihre Zusammenhänge mit dem Judentum besonders durch Ablehnung der jüdisch-nationalen Bestrebungen ״tarnen“ zu müssen glaubte, steht heute politisch völlig isoliert da. Denn nur wenn man rechtzeitig frage durchgeführt, nur wenn man mit einem Gefühl für Distanz und Würde wie in jüdischen, so auch in deutschen Angelegenheiten geurteilt hätte, wäre man dem Schicksal entgangen, heute als ״entlarvtes“ Mauerblümchen sitzen zu bleiben. Vielleicht wäre bei einem großen Teil des deutschen Volkes die politische Urteilsbildung anders ausgefallen, wenn sie sich nicht unter dem Druck einer von ihnen nicht als legitim anerkannten Verwalterin der öffentlichen Meinung gefühlt hätten. Leider sind aber die, die es angeht, anscheinend weit davon entfernt, die Lehren zu ziehen. Das Pochen auf die intellektuelle Ueberlegenheit und die ironischen Bemerkungen gegen den Gegner gehen weiter, als ob die Wirklichkeit nicht existierte. Wir stehen jetzt vor den Preußenwahlen. Ein Studium der Wahlresultate vom letzten Sonntag zeigt, daß in den evangelischen Teilen Preußens Hitler nicht sehr weit hinter Hindenburg zurücksteht, ja in einzelnen Wahlkreisen (z. B. Pommern, Schleswig, Merseburg) hat Hitler mehr Stirnmen aufgebracht als Hindenburg. Wenn man nun bedenkt, daß die Hindenburg-Front keineswegs einheitlich ist, sondern daß ein Bruchteil konservativer Stimmen in Abzug gebracht werden muß, der eher einer Rechtsgruppierung in Preußen zugute kommen dürfte, dann ergibt sich ohne weiteres, wie bedrohlich die Lage in Preußen ist. Wenn der Preußische Landtag eine rechtsorientierte Mehrheit aufweist, dann werden in der nächsten preußischen Regierung die Nationalsozialisten einen maßgebenden Einfluß haben, und es braucht nicht ausgemalt zu werden, was ein solcher Zustand für die preußischen Juden bedeuten kann. Aber auch wenn keine klare Rechtsmehrheit zustande kommt, sind die Verhältnisse in Preußen im Spiegel der Ziffern vom 10. April genügend bedenklich. Es ist anzunehmen, daß der Wahlkampf in den näciisten zwei Wochen mit der größten Schärfe und Erbitterung geführt werden wird. Die preußischen Juden werden dabei im aktiven Kampf nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen können. Daß ihre Stimmen den nichtantisemitischen Parteien zugute kommen, ist so selbstverständlich, daß es sich erübrigt, einen Appell oder eine Mahnung in dieser Hinsicht an die Juden zu richten. Als Wähler wird jeder Einzelne gewiß das seine tun, um Preußen vor dem Schicksal eines Hitler-Regimes zu bewahren. Darüber hinaus ist der Einfluß der Juden überaus gering, und sie sind in der nicht beneidenswerten Lage von Zuschauern eines Kampfes, der auch über ihr künftiges Schicksal mitentscheidet. Wirtschaftlicher Informationsdienst. Wie wir bereits berichtet haben, wurde in Palästina von der Jewish Agency gemeinsam mit der Anglo Palestine Bank ein Informationsbüro für wirtschaftliche Auskünfte organisiert, das als eine besondere Abteilung dein Palestine Lloyd angegliedert ist. Durch Uebertragung des Auskunftsverkehrs an dieses Reisebüro wollte man verhüten, daß Interessenteneinflüsse oder Propaganda-Interessen maßgebend werden. Das Büro hat einen Beirat von Sachverständigen für alle Gebiete des Wirtschaftslebens gebildet. Die Stelle heißt: Wirtschaftlicher Informationsdienst des Palestine and Egypt Lloyd, Jerusalem, P. O. B. 307. Die Auskunftserteilung erfolgt gegen eine Gebühr von 1 Dollar (5 sh.), wenn es sich um eine Auskunft allgemeiner Natur handelt, und erhöht sich fallweise, wenn Spezialuntersuch ungen verlangt werden. Der Auszug derVoIkspartei ‘aus der Berliner Gemeinderepräsentanz Wie wir in der vorigen Nummer ganz kurz berichten konnten, hat die Fraktion der Jüdischen Volkspartei am 7. d. M. geschlossen die Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde verlassen. Zu diesem Schritte sah sie sich infolge des Verhaltens der Liberalen Mehrheit gezwungen, die ihrer bisherigen Methode, durch brutale Majorisierung der volksparteilichen Minderheit ihren Parteistandpunkt rücksichtslos durchzusetzen, dadurch die Krone aufsetzte, daß sie jede Aussprache über eine prinzipielle Frage verhinderte, welche tief in das Leben der jüdischen Gemeinschaft eingreift. Die Jüdische Volkspartei hatte vor einigen Wochen eine Anfrage an den Gemeinde vorstand gerichtet, ob er die Haltung der liberalen Mehrheit, besonders aber einzelne Rede-Exzesse liberaler Wortführer in der Gemeinde billigt und wie er sich die Zusammenarbeit aller Richtungen in der Einheitsgemeinde vorstellt. Es ist bekannt, daß diese Anfrage im Gemeindevorstand Gegenstand von Erörterungen gewesen ist, die mehrere Sitzungen ausfüllten. Die volksparteilichen Vorstandsmitglieder unterbreiteten dem Gemeindevorstande Anträge, welche darauf hinzielten, den Gemeindevorstand zu einer maßvollen, für keine Richtung in der Gemeinde kränkenden Stellungnahme zu bewegen. Zeugnis davon legt die Erklärung Dr. Köllenschers ab, die im nachfolgenden Sitzungsbericht wiedergegeben ist. Diese Erklärung ist in einem Tone der Versöhnlichk e i t und derart maßvoll abgefaßt, daß man sich die Frage vorlegen muß, ob ihre Ablehnung durch die Vorstandsmehrheit nicht geradezu eine beabsichtigte Provokation der Volkspartei ist. Die Ablehnung der Erklärung Kollenschers durch die Vorstandsmehrheit ist auf den Druck der Liberalen Fraktion in der Repräsentanz erfolgt. Die Antwort des ersten Vorsitzenden, Direktor Kleemann, in der Gemeinderepräsentanz, hat durch ihre Kürze und ihren Wortlaut geradezu wie ein Hohn auf die berechtigten Beschwerden der V'olkspartei gelautet. Dr. Kollenscher wollte nun seinen Antrag noch einmal in aller Oeffentlichkeit unterbreiten, um zum letzten Male den Versuch einer friedlichen Beilegung zu machen. Diesen Vorschlag lehnte die Liberale Fraktion brüsk ab und Dr. Fleischer stellte den Antrag, die Debatte noch vor ihrer Eröffnung über die Erklärungen Kleemanns und Kollenschers zu schließen, mit der Begründung, daß über diese Meinungs- Verschiedenheiten schon genug gesprochen worden sei. (Ein im Sitzungsbericht der J. T. A. veröffentlichter Wortlaut der Begründung Dr. Fleischers zu seinem Anträge auf Schluß der Debatte ist wohl nachträglich abgefaßt worden, um den Eindruck der von Fleischer in der Repräsentanz gemachten Ausführungen zu mildern. — Red.) Dr. Klee machte die Liberale Mehrheit ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die Annahme des Antrages Fleischer den Exodus der Volkswerde. Trotzdem stimmten alle liberalen Repräsentanten geschlossen dafür, daß die Debatte über die Vorstandserklärung nicht eröffnet werde. Unter diesen Umständen blieb den Volksparteilern nichts anderes übrig, als die Sitzung zu verlassen. Es ist trotz der Schwere und Bedeutung dieses Schrittes, der ein weithin sichtbares Zeichen der unerträglichen Situation in der Berliner Jüdischen Gemeinde darstellt, gut, daß diese unvermeidbare Entwicklung sich aus Anlaß der Erörterung einer prinzipiellen Frage ergeben hat. Die Jüdische Volkspartei mußte seit vielen Monaten die Rücksichtslosigkeiten einer unter dem Diktat von einigen Scharfmachern stehenden liberalen Mehrheit über sich ergehen lassen. Mit Empörung sah sie zu, wie alle Institutionen der Gemeinde, die über das rein Verwaltungsmäßige hinausgehen, einem rücksichtslosen Abbau verfielen. Die liberale Praxis beim Beamtenabbau, die Vernichtung des jüdischen Schul- Werkes, die feindselige Stellungnahme zu allen der Volkspartei am Herzen liegenden Fragen, die Entseelung der Jüdischcn Gemeinde, all das wurde von der liberalen Mehrheit geradezu mechanisch im Sinne eines engherzigen Parteistandpunktes ohne Anhörung irgendwelcher Argumente getrieben. Schließlich gingen die Liberalen dazu über, die zionistische Richtung innerhalb der Gemeinde zu diffamieren, sie als einen schädlichen und nicht in die Gemeinde gehörenden Fremdkörper zu stigmatisieren. Diese Praxis wurde von den liberalen Wortführern auch im preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden fortgesetzt. Auf breiter Front entfaltete dort die assimilatorische Richtung des deutschen Judentums — der C.-V. war mit bei diesem Kampf gegen die Zionisten —- ihren Angriff gegen die zionistische Richtung. Die Zustände sind durch diese sture, unversöhnliche, dem Sinn jeder Einheit im Judentum widersprechende Haltung der Liberalen unerträglieh geworden. Das Ergebnis war der Auszug der Jüdischen Volkspartei aus der Gemeinderepräsentanz. Nun wird der Kampf in der Oeffentlichkeit weitergehen. Es gibt eine Instanz, die über den Verwaltungskörpern in der Gemcindestube und im Landesverband steht. Das ist die jüdische Bevölkerung in Berlin und in Preußen, und diese soll nun in öffentlichen Versammlungen ihr Urteil über eine Entwicklung sprechen, die, durch die liberalen Scharfmacher verschuldet, zu einer Zertrümmerung und Zerschlagung der jüdischen Einheits- Institutionen in Berlin und in Preußen führen muß. * Der Verlauf der Sitzung Nach Erledigung einer Reihe von Punkten der Tages- Ordnung kam es bei dem Antrag derVoIkspartei wegen ״Einrichtung von Klassen für Lernanfänger an den drei Volksschulen der Gemeinde zu einer lebhaften Aussprache. Der Antrag der Volkspartei lautete dahin, den Vorstand zu ersuchen, noch zu Beginn des neuen Schuljahres an den drei Volksschulen der Gemeinde für Lernanfänger so viel Klassen einzurichten, wie nach Maßgabe der staatlichen Bestimmungen erforderlich sind, um alle gemeldeten Kinder aufzunehmen. Dr. Lewin (liberal) beantragt im Namen des Aus- Schusses Ablehnung des Antrages. Die Frage sei nicht aktuell, da das Schuljahr bereits begonnen hat. Im kommenden Jahre wird man sich die Erfahrungen dieses Jahres zunutze machen und vornehmlich darauf sehen, daß die Kinder von Staatenlosen, die durch den Abbau an den Gemeindeschulen in eine unangenehme Lage geraten sind, in den Schulen der Gemeinde Unterkunft finden. Professor Pick (Volks- Partei) weist darauf hin, daß es nicht nur um die gefährdeten 56 Kinder von Staatenlosen geht, sondern daß etwa 450 jüdische Kinder vergeblich an den Toren der Gemeindeschulen gepocht haben. Diese Frage müsse aus den Parteikonflikten herausgenommen werden. Dr. Wolfsberg (Volkspartei) wirft der liberalen Vorstandsmehrheit vor, daß sie durch den Klassenabbau an den jüdischen Schulen ihre oberste jüdische Aufgabe vernachlässigt. Die Gemeinde müßte sogar eine Propaganda für den Besuch der jüdischen Schulen treiben, um für gutes jüdisches Wissen und jüdische Erziehung zu wirken; das jüdische Kind soll zur jüdischen Persönlichkeit erzogen werden. Dr. Kollenscher gibt im Namen der Vorstandsminderheit eine Erklärung ab. Der Standpunkt der Vorstandsmehrheit sei der, daß Staat und Stadt für Schulen zu sorgen haben. Die Vorstandsminderheit sei hingegen der Ueberzeugung, daß die Schaffung der jüdischen Schule vornehmste Aufgabe der Gemeinde sei. Abbau der jüdischen Schule heißt jüdischer Abbau schlechthin. Direktor Alexander (Mitglied der Vorstandsmehrheit und Schuldezernent) rekapituliert die Vorgänge in der Vorstandssitzung und wendet sich gegen Kollenscher. Der Antrag der Volkspartei wird schließlich abgelehnt. Es gelangt nun der Punkt Stellungnahme des Gemeindevorstandes gegenüber der füdisch - nationalen Idee zur Behandlung. Die betreffende Anfrage der Volkspartei lautete: ״In einer Repräsentantenversammlung hat ein Mitglied der Liberalen Fraktion bei einer Beratung einer alsdann abgelehnten Vorlage des Gemeindevorstandes, durch die dem H e c h a i u z entsprechend einer langjährigen Uebung der Gemeinde eine Subvention von 2000 Mk. wieder bewilligt werden sollte, folgendes ausgeführt: Eine Unter- Stützung der jüdisch-nationalen Idee sei für ihn eine ebenso schwere Sünde wie der Genuß verbotener Speisen für den Orthodoxen. Seine religiöse Ueberzeugung gebiete ihm, ausnahmslos gegen die Unterstützung zionistischer Bestrebungen zu stimmen. Wie eine Reihe von Abstimmungen der derzeitigen Repräsentantenversammlung bewiesen hat, billigt die Mehrheit der Liberalen Fraktion diese Gesinnungsart. Hierdurch ist der Bestand der Gemeinde aufs schwerste gefährdet, denn sobald die zitierte Einstellung als offiziell empfunden wird, müssen die Anhänger der nationalen Auffassung des Judentums ohne Unterschied des religiösen Standpunktes den Schluß ziehen, daß für sie in der jüdisehen Gemeinde kein Raum mehr ist. Die Anhänger der herrschenden Auffassung dagegen werden zu einer fanatischen Intoleranz erzogen und werden deshalb ihrerseits der Gemeinde den Rücken kehren, sobald die jetzige Minder-; heit einmal als Mehrheit ־der eigenen Auffassung die ge- Bflnreftde ArterkCnnüiig utid Unterstützung erzwingt, ote Einheitsgemeinde kaftn eben nur Von Bestand sein, wenn alle ihre Mitglieder stets das begründete Gefühl haben, bei ihr für ihre jüdische Auffassung Entgegenkommen zu finden. Wir ersuchen daher den Gemeindevorstand, seine ganze Autorität für eine Bekämpfung der eingangs wiedergegebenen Einstellung einzusetzen.“ Namens des Gemeindevorstandes gab der erste Vorsitzende, Direktor Kleemann, auf diese Anfrage folgende lakonische Antwort: ״Der Gemeindevorstand sieht in seiner Mehrheit keinen Anlaß, im beantragten Sinne auf die Repräsentanten-Ver- Sammlung einzuwirken.“ Dr. Kollenscher verlas darauf die folgende Erklärung, die er in der Vorstandssitzung als den Standpunkt der Minderheit im Vorstand formuliert hatte: ״Die Berliner Jüdische Gemeinde stellt Im Sinne des Gesetzes von 1847 die Zusammenfassung aller innerhalb ihres Bezirkes wohnenden Juden dar. Wie deshalb kein Jude sich der Gemeinde entziehen soll, so erkennt die Gemeinde die Verpflichtung an, um das jüdische Leben aller ihrer Mitglieder besorgt zu sein. Ais Einheitsgemeinde setzt sie sich aus Juden zusammen, die in ihrer religiösen Auffassung und Weltanschauung nicht einig sind. Sie alle sollen in der Einheitsgemeinde zusammengehalten werden, indem die Gemeinde jeder Ricntung, die durch ihre historische Entwicklung und durch die Zahl ihrer Anhänger die Gewähr der Dauer bietet, Autorität leiht und Unterstützung gewährt, die ihr die Führung eines jüdischen Lebens in ihrem Sinne ermöglichen.“ In einer Erläuterung zu dieser Formulierung erklärt Dr. Kollenscher, es sei wohl ein Wechsel in der Führung der Gemeinde eingetreten — man werde wohl später wiederum einen Wechsel erleben, aber ein Wechsel dürfe sich nicht so einschneidend auswirken, daß das Gesicht der Einheitsgemeinde dadurch verwischt wird. Nehmen Sie (zu den Liberalen gewendet) diese Debatte nicht leicht! Die Lage ist ungeheuer ernst. Es geht darum, ob in Berlin und in Deutschland die Einheitsgemeinde bestehen bleiben soll. Der Führer der Liberalen Fraktion, Dr. Kurt FI e i - scher, stellte nach Kollenschers eindrucksvollen Ausführungen den Antrag auf ״Schluß dieser D e b a 11 e“. Dr. Alfred Klee setzte sich für Ablehnung des Antrags auf Schluß der Debatte ein, da er und seine Freunde sonst sich genötigt sehen werden, die Sitzung zu v e rlassen. Ais dann der Antrag Fleischer mit den liberalen Stimmen angenommen wird, verließen die Mitglieder der volksparteiliehen Fraktion unter Führung von Dr. Klee den Sitzung«- saal, während die Mehrheit der Galeriebesucher Beifall klatschte. Nachdem der Exodus beendet war, ging auf der Galerie ein ungeheurer Sturm los. Die volksparteilichen Repräsentanten Alfred Berger, Prof. Löwe und Dr. Oskar Wolfsberg hielten von der Galerie aus Ansprachen. Schließlich verließen auch die liberalen Abgeordneten den Saal. Das Licht wurde abgedreht und die Galerie geräumt, wobei die Galeriebesucher ״H a t i k - w a h“ anstimmten. Eine Erklärung der Jüdischen Volkspariei Die Mitglieder der Fraktion der Jüdischen Volkspartei und die »mit ihnen aus der Gemeindestube ausgezogenen volksparteilichen Vorsteher hielten eine Sitzung ab und beschlossen, folgende Erklärung zu veröffentlichen: ״Die Jüdische Volksparte! hat in tiefer Besorgnis um die Aufrechterhaltung der Einheitsgemeinde erneut Vermittlungs-

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