Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 23-24 (23.3.1932)
- Date
- 1932-03-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 118 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 23/24, 23. III. 1932 ״Schidcsal und Leistung" ״Schicksal und Leistung“ nennt Felix A. Theilhaber sein (im Welt-Verlag) erschienenes (hier bereits kurz angezeigtes) Buch, das an Hand von Biographien den Anteil, den die Juden in der deutschen Forschung und Technik genommen haben, darstellt. Das ist seiner Natur nach ein rein apologetisches Thema. Wer das Gleiche etwa auf dem Gebiete der Kunst, der Literatur oder der Politik unternimmt, befindet sich als Apologetiker noch im Vorhof seines Bereichs, denn hier kommt alles darauf an, das Besondere der jüdischen Leistung darzutun, nach Möglichkeit herauszuarbeiten, was sie durch ihre spezifische Note der deutschen Kultur im Guten oder Bösen qualitativ hinzugetan hat. Auf Theilhabers Gebiet, sofern einer nicht im Phantastischen schweifen will, verbietet sich diese Methode. Eine ärztliche Erkenntnis oder die Erfindung einer technischen Neuerung fügt sich zwanglos in den übernationalen Bezirk des menschlichen Denkens. Wie wir alle dem gleichen Naturgesetz unterworfen sind, lassen auch die menschlichen Bemühungen zur technischen Beherrschung der Natur keine qualitativen Unterschiede von Gruppen erkennen; es läßt sich nur ihr quantitativer Anteil ermessen. Mit Recht also beschränkt sich Theilhabers Buch auf ein solches Unternehmen der Verteidigung. Er deutet wohl in der Einleitung an, daß der Jude weniger vom Ding an sich, weniger von der Sache als von der Vorstellung ausgeht, daß er die Dinge vorwiegend spekulativ als Forscher und Denker behandelt, aber in der Darstellung selbst finden sich ebenso viele Beispiele für wie gegen diese These, und Theilhaber tat bei diesem Thema gut daran, sich sein lebendiges Buch nicht durch ein leitendes Prinzip verkümmern zu lassen, das seine Darstellung ohne Gewinn hätte abstrakt und einseitig machen müssen. Nur bei Freud wäre vielleicht die Möglichkeit gewesen, weiter zu fehen, als er es getan hat. Hier ist jener Grenzfall gegeben, en der Mensch als ein aus Körper und Geist merkwürdig gemischtes Wesen bietet. Und hier wäre wohl ein wahrhaft bedeutender Anlaß gewesen, diese sonderbare und ganz einzigartige Verkettung von Rationalismus und Irrationalismus im jüdischen Wesen einer Betrachtung zu unterziehen. Aber wahrscheinlich hätte das den Rahmen des Buches gesprengt, das mit Entschiedenheit nur dies dartun will: wie bedeutend der Anteil der Juden an der schöpferischen Leistung unseres naturwissenschaftlichen Jahrhunderts ist. Das aber gelingt Theilhaber in vollem Maße. Er stellt in lebendigen und eindrucksvollen Bildern Leben und Leistung vieler bedeutender Forscher und Erfinder jüdischer Abstammung heraus. Und mehr oder weniger ist das Leben dieser Männer auch immer vom jüdischen Schicksal gezeichnet; sie haben wieder und immer wieder tausend Hemmnisse zu überwinden, um ihre Leistung möglich zu machen. Der Künstler braucht ein Publikum, das er sich schließlich durch seine Leistung selbst schaffen kann; der Naturwissenschaftler und der Techniker braucht mehr oder weniger Institute, Betriebe, Geld und Positionen, kurz einen ganzen Apparat, der sich dem Juden dann um so schwieriger erschließt, wenn er sich in der Hand des Staates befindet. Hier bedarf es schon immer der ganz überragenden Leistung, um sich in dieser realen Welt der rein äußeren Möglichkeiten durchsetzen zu können. Und von diesem Gesichtspunkt aus besagt die Zusammenfassung von Juden innerhalb der übernationalen Geisteswelt doch noch etwas anderes als bei jeder anderen Gruppe. Sie schaffen nichts qualitativ anderes, aber sie schaffen es unter anderen Bedingungen. Der Zusammenhang zwischen Leben und Leistung, der sonst auf diesem Gebiet auch interessant sein mag, aber keine fruchtbare Erkenntnis bringt, ist hier von Bedeutung; er läßt vom Leben her um so helleres Licht auf das sachliche Resultat dieses Eebenr fallen. ׳ ־ '•׳־•׳ ־״״ ־ Dies in seinen Porträts dargestellt zu haben, ist Th eilhabers Verdienst. Wir lernen die großen jüdischen Forscher und Techniker kennen: wie sie lebten und was sie schufen, erscheint als eine Einheit. Neben den bekannten Namen treten solche auf, die dem Laien unbekannt sind und ihm zugleich mit der Person sachliches Neuland erschließen. Hinter allem aber steht jene Wahrheit, die dem jüdischen Menschen durch einfachen Tatsachenbericht einen mindestens gleichartigen Rang unter den schöpferischen Geistern der Völker zuvveist. Man wird Theilhabers Buch nicht ohne Gewinn aus der Hand legen. Gustav Krojanker. Aus den Gemeinden Worte und Taten Am 16. d. M. fand im Marmorsaal im Zoologischen Garten unter dem Motto: ״Die Gemeinde spricht“ ein Gemeindeabend statt, der von über 3000 Personen besucht war. Es referierten die Vorstandsmitglieder Direktor Kleemann, Wilhelm Graetz, Heinrich Stah! und Moritz Rosent h a I. Direktor Kleemann sprach über den Begriff der jüdischen Einheitsgemeinde und fand für den Gedanken der Zusammenfassung aller jüdischen Energien ausgezeichnete Worte. Während Wilhelm Graetz über Finanzfragen und Direktor Stahl über Wohlfahrtsfragen referierten, berührte Moritz Rosenthal wieder das Thema Einheitsgemeinde, wobei auch er betonte, daß sachliche EHfferenzen nicht zu einer Gefährdung der Gemeinschaft führen dürfen. — Diese schönen Worte hören sich in der Oeffentlichkeit sehr gut an. Leider sind sie kein Abbild der seit der Uebernahme der Geschäfte durch die liberale Mehrheit in der Gemeindeverwaltung geübten Taten. Es geht nicht an, daß man in der Oeffentlichkeit in schwungvollen Worten die Bedeutung der Einheitsgemeinde feiert und in der Praxis gegenüber einer so bedeutenden Minderheit wie der Wählerschaft der Jüdischen Volkspartei in rücksichtslosester Weise die Macht in der Gemeinde handhabt. Wenn man ernstlich die Einheitsgemeinde dem Wort und dem Sinne nach verlangt, dann muß man die Grundlinien verwirklichen, welche Direktor Kleemann in folgenden Worten präzisiert hat: ״Auch Gemeindepolitik will mit politischen Mitteln gemacht werden, und jede Politik, die das Ganze im Auge behält, erfordert Zugeständnisse, bedingt Rücksichtnähme auf den Andersdenkenden.“ Leider haben wir bisher in der Berliner Jüdischen Gemeinde von dieser Rücksichtnahme nur sehr wenig merken können. Jüdische Gemeinde Berlin. Ende September 1931 hat das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde Berlin den Versuch mit der Einrichtung einer Mittelklasse unternommen. Sie sollte solchen einheimischen Kranken, denen die Kosten für den Aufenthalt in der I. oder II. Klasse schwer erschwinglich sind, die aber doch auf gesonderte Unterbringung und pflegerische Betreuung außerhalb der größeren Krankensäle Wert legen, dienen. Daß eine solche Einrichtung den heutigen Bedürfnissen entsprach, lehrt die lebhafte Inanspruchnahme. Es sind täglich im Durchschnitt etwa 15 Patienten auf der Abteilung; im ganzen haben bis zum 1. März 1932 115 Kranke die Mittelklasse auf gesucht. Bochum. Nachdem der Regierungspräsident zu Arnsberg die Satzungen der jüdischen Gemeinden seines Bezirks beanstandet hat, weil sie modernen und demokratischen Grundsätzen nitht entsprächen, hat schon eine Anzahl Gemeinden Satzungskommissionen ernannt, darunter Bochum und Herne. Auch in Soest ist der Antrag auf Satzungsänderung gestellt worden. Chemnitz. Um der Öffentlichkeit Aufklärung über den Kampf ums Wahlrecht in den Gemeinden zu geben, veranstaltete die Jüdische Volkspartei am 6. März eine große Kundgebung, die außerordentlich stark besucht war. Nachdem Dr. Adler auf die Ungerechtigkeit und Unmöglichkeit des Chemnitzer Wahlrechts hingewiesen hatte, schilderte Dr. Sichel in beredten Worten, wie von seiten der Liberalen für ein positives Judentum keinerlei Interesse vorhanden ist und man sich nur auf reine Verwajtungszwecke beschränke. Dann sprach Herr Schwei ßheimer, der Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen im Verbände Jüdischer Jugendvereine Deutschlands. Er berichtete von den letzten Tagungen seines Verbandes, bei denen die Jugendlichen erklärt haben, sich jetzt nicht mehr länger von der Mitverwaltung jler Gemeinden ausschließen zu lassen, daß die Jugendlichen Forderungen an die Gemeinde* Körperschaften stellen, die es ermöglichen, der neuen Zeit gerecht zu werden und allen Juden gleiche Rechte gewährleisten. Er erklärte, daß er mit der Jüdischen Volkspart ei unter Gefolgschaft aller Jugendlichen den Kampf ums Recht führen werde. Dr. Kollenscher (Berlin) beleuchtete dann die Frage des gleichen Wahlrechts von allen Seiten. Ganz besonders hob er die historischen Zusammenhänge hervor, daß ja diejenigen, die jetzt als ״Ausländer“ behandelt würden, doch eigentlich die deutschen Juden des Mittelalters sind, und er richtete an die, wie immer, nicht erschienenen Liberalen die Frage, welche deutsehen Belange doch von den ״Ausländem“ bedroht sein können. Er richtete an die Versammlung die Frage, ob die Chemnitzer Gemeinde bisher etwa für Wohlfahrt, für kulturelle Institutionen und die sonstigen großen Aufgaben des Judentums gesorgt hätte, was verneint werden mußte. Er wies nach, daß, wenn das Wahlrecht ein gleiches werde, all diese Zwecke Berücksichtigung finden könnten, ohne daß die Interessen der Liberalen zu kurz kämen. — Der Niederschlag dieser Ausführungen war dann eine einstimmig angenommene Resolution, die wie folgt lautete: ״Die am 6. März versammelten Mitglieder und Wähler der Israelitischen Religionsgemeinde zu Chemnitz hören aus den Berichten, daß die liberalen Machthaber trotz der äußeren Bedrängnis, in der das Judentum sich jetzt befindet, eine friedliche Erledigung der Wahlrechtsfrage ablehnen. Die Versammlung nimmt ferner mit Entrüstung davon Kenntnis, daß die Liberalen den frei gewordenen Sitz im Vorstande wieder mit einem Liberalen besetzt haben. Die Versammlung billigt die Maßnahmen der Verordneten der Jüdischen Volkspartei und spricht den Verordneten ihr Vertrauen aus. Sie ermahnt die Partei, den Kampf ums Wahlrecht weiterzuführen, zu dem die Juden von Chemnitz Mitstreiter sein werden.“ Ortsgruppen (Teilweise wegen Raummangels verspätet.) Dresden. Das örtsgruppenjahr begann mit der ordentlichen Generalversammlung am 11. April 1931, bei der Herr Otto Lehmann zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Das vergangene Jahr stand im Zeichen intensiver zionistischer Arbeit, wobei besonders hervorzuheben ist, daß es seit Jahren zum ersten Male gelang, die zionistische Jugend straffer zu erfassen und mit der Zionistischen Ortsgruppe eng zu verbinden. Es bestehen in Dresden drei starke Jugendbünde: die Kadimah mit ca. 45 Mensehen, Zeire Misrachi mit ca. 100 Menschen, Brith Haolim mit ca. 20 Menschen. Die Bünde wurden finanziell laufend von der Ortsgruppe unterstützt und standen im dauernden engen Konnex mit dem Ortsgruppenvorstand. — An politischen Veranstaltungen fanden statt: 1. Vortrag Dr. Georg Landauer, Berlin (8. August 1931): ״Bericht über den 17. Zionistenkongreß“; 2. Vortrag Dr. S. Kanowitz, Berlin (29. November 1931): ״Weltkrise und Judenschicksal“; 3. Vortrag Frau Dr. Mirjam Scheuer, Teplitz (19. Dezbr. 1931) (gemeinsam mit der Wizo): ״Sentimentale und praktische Elemente in der jüdischen Volksbewegung“; 4. Die Gesprochene Zeitung (10. Januar 1932), Leihing: Dr. Ullmann, Karlsbad; 5. Vortrag Dr. E. Margulies, Leitmeritz (14. Febr. 1932): ״Jüdische Politik im Galuth“; 6. Keren Hajessod-Kundgebung (5. März 1932), Prof. Bernhard und Salman Schocken: ״Aktuelle jüdische Fragen“. Weiter fanden statt: 6 Heimabende, in denen zionistische Theorie und Tagesfragen behandelt wurden. An geselligen Veranstaltungen hatten wir: zweimal das Kabarett ״Kaftan“, einen literarischen Abend mit Sammy Gronemann und einen Chanukkah-Ball. Samtliehe Veranstaltungen waren außerordentlich gut besucht. Gleiwitz. Am 2. März fand hier die Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe statt, in welcher Herr Dr. Werner den Tätigkeitsbericht und Frau Rose Lachmann den Kassenbericht gab. Nach Entlastung des Vorstandes fand die Wiederwahl des gesamten Vorstandes und der Kommissionen in der bisherigen Zusammensetzung statt. Die Ver- Sammlung war außerordentlich schwach besucht, und Herr R.-A. Ehrlich betonte die Notwendigkeit einer stärkeren Propaganda. Mit einer Aussprache über das zurzeit in unserer Gemeinde aktuelle Problem des Frauenwahlrechts schloß die Versammlung. Dr. E. H. Harburg-Wilhelmsburg. Die zionistische Ortsgruppe Harburg-Wilhelmsburg hat unter ihrem 1. Vorsitzenden Herrn Rechtsanwalt Dr. Aschenberg am 24. Februar ihre erste ordentliehe Generalversammlung abgehalten. Der Arbeitsbericht zeugte von der intensiven zionistischen Arbeit, die seit Gründung der Ortsgruppe im Mai 1931 geleistet wurde; durch Veranstaltung von Vortragsabenden über die verschiedensten zionistischen Gebiete, durch enge Zusammenarbeit mit der Hamburger Ortsgruppe sowie durch die Veranstaltung wöchentlicher Arbeitsgemeinschaften der zionistischen Junggruppe unter Führung der Herren Kurt Horwitz und Werner Mannheim hat sich in der relativ kleinen jüdischen Gemeinde eine nationaljüdische Tätigkeit entfaltet, die bei dem Arbeitseifer aller Ortsgruppen- Mitglieder, insbesondere der Jugend, eine gedeihliche Entwicklung erhoffen läßt. Der jungzionistische Geschichtskursus auf der Grundlage des Kasteinschen Buches ״Eine Geschichte der Juden“ ist durch ein persönliches, mit außerordentlicher Begeisterung aufgenommenes Anschreiben des Verfassers in unserer Junggruppe eingeleitet worden. Neben der Förderung der Palästina-Arbeit sowie der Erwerbung und Vertiefung der Kenntnisse über zionistische Tagesfragen soll aut besonderen Beschluß der Mitgliederversammlung die Gemeindearbeit künftig in den Vordergrund der Ortsgruppentätigkeit gestellt werden. Insterburg. Am 16. Februar fand in der hiesigen Ortsgruppe ein Vortrag statt, den Herr Dr. Hugo K o n n aus Palästina (z. Zt. in Insterburg) hielt. Dr. Konn sprach über das werdende Palästina. Er erörterte die politischen Verhältnisse und die wirtschaftliche Lage, die wesentlich günstiger liege als in der übrigen Welt. Die zahlreiche Zuhörerschaft dankte dem Redner mit reichem Beifall. An diesen Vortrag schloß sich die Vorführung eines Palästina-Films 30״ Jahre Keren Kajemeth“, die dem Redner Gelegenheit gab, ergänzende Ausführungen zu machen und so Palästina noch lebendiger vor den Zuhörern erstehen zu lassen. Leipzig. Als erste der deutschen Gruppen feierte die Leipziger•Zionistische Vereinigung Sonntag, den 21. Februar, die 30. Wiederkehr des Gründungstages des Keren Kajemeth Lejisrael. Sowohl äußerer Rahmen wie innere Ausgestaltung waren dazu angetan, um diesen Festakt zu einem besonders feierlichen sich auswirken zu lassen. Etwa 1000 Personen füllten den großen Theatersaal des Krystall-Palastes, in dem die Feier vor sich ging. Die Festrede hielt einer unserer ältesten deutschen Zionisten, Prof. Heinrich Loewe (Berlin). Ausgehend von der Gründung der Chowewe Zion-Bewegung, die in diesen Tagen auf ihr SOjähriges Bestehen blicken darf, ging der Redner in tiefgefühlten Ausführungen auf die Verbundenheit von Volk und Land ein und folgerte aus dieser unaufhebbaren Verknüpfung die Verpflichtung für alle Juden, sich für den Keren Kajemeth einzusetzen. Das mit Spannung erwartete Kernstück des Abends bildete die Aufführung der Truppe Barak aus Berlin, die das Propagandawerk ״Die einzige Lösung“ mit unerhärter Wirkung zur Darstellung brachte. Umrahmt wurde die Feier von einer durch Fräulein Hönigsberg wirkungsvoll vorgetragenen musikalischen Einführung, sowie von einer KKL- Sammelaktion, die, begleitet von einem Sprechchor von 30 symbolisch dargestellten Keren Kajemeth-Büchsen, mit einem günstien Ergebnis durchgeführt wurde. Diese Keren Kajemeth-Feier at alle zionistischen Kreise tief gepackt. München. Am 17. Februar 1932 sprach in einer Veranstaltung der Zionistischen Ortsgruppe Herr Kurt Blumenfeld vor einem zahlreichen interessierten Publikum über ״Zionismus und neudeutscher Nationalismus“. Die interessante und eistesgeschichtlich bedeutsame Darstellung der gegenwärtigen eutschen und jüdischen Situation, die Blumenfeld gab und an einer Fülle von Beispielen belegte, fesselte alle seine Zu* hörer; sie dankten ihm durch großen Beifall. In der Diskussion sprach der Syndikus des C.-V., Dr. W. Cahnmann. Seine Rede bewegte sich völlig in den Bahnen einer altvertrauten antizionistischen Polemik, deren antiquierter Charakter in Blumen* felds Schlußwort überzeugend dargestellt wurde. Nürnberg-Fürth. Am 2. März veranstalteten wir im Künstlerhaus einen Vortrag des Herrn Prof. Dr. A. Fraenkel (Kiel-Jerusalem) über das Thema: ״Zwei Jahre als Professor in Palästina.“ In äußerst fesselnder Weise und in einer besonders sympathischen Art des Sprechens ging der Redner auf die Gliederung und den Geist der Hebräischen Universität auf dem Scopus ein, sprach in diesem Zusammenhang über das Unterrichtswesen Palästinas, das noch mehr als bisher von der Universität beeinflußt werden müßte. Be* sonders bemerkenswert war der Vorschlag eines Studenten- Austausches zwischen palästinensischen und deutsch-jüdischen Studenten. In finanzieller Hinsicht sowohl, als auch was die Fortbildung der Studenten anbelangt, ist nach seinen Erfahrungen dieser Weg durchaus gangbar und — wie nicht näher dargelegt zu werden braucht — für das Land und für die Studentenschaft von kaum zu überschätzender Bedeutung. Für Anfragen von Interessenten steht Prof. Dr. Fraenkel jederzeit zur Verfügung. Im Anschluß hieran behandelte der Redner auch wichtige politische und wirtschaftliche Fragen des Palästinaaufbaus in knapper, dafür aber um so eindrucksvollerer Weise. Tilsit. Am 14. März sprach auf einer außerordentlich gut besuchten Versammlung der Ortsgruppe Tilsit Frau Rabbiner Dr. Freier, Berlin, über das Thema ״Die jüdische Frau und die Gegenwart“, Die Ausführungen der Rednerin, die sich hauptsächlich über die Arbeit und die Aufgaben der Wizo verbreitete, wurden von den Zuhörern, besonders den zahlreich erschienenen weiblichen, mit dem größten Interesse entgegengenommen. An das Referat schloß sich eine lebhafte und fruchtbare Diskussion. Als unmittelbares Resultat dieser Veranstaltung dürfen wir die Gründung einer durch die Initiative von Frau Dr. Freier ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft zionistischer Frauen und Mädchen in Tilsit verzeichnen, die in Kontakt mit der Wizo bleiben soll und sich mit allen Fragen der zionistischen Frauenarbeit beschäftigen wird. Leipzig. (Gründung einer Misrachi-Frauen* gruppe.) Am 25. Februar d. J. sprachen im Hause von Frau Margot Hepner vor einem geladenen Kreise Frau Grete Barth und Frau Lotte Buttenwieser aus Berlin als Vertreterinnen der Misrachi-Frauengruppe über die Bedeutung der Frauenarbeit für den religiösen Aufbau Palästinas. Am Beispiel des Iwidheimes in Palästina zeigten die Rednerinnen, welcher Wert gerade dieser nur auf das Praktische gerichteten, jeder Politik abholden Arbeit für Palästina zukommt. Das lwdiheim soll den nach Palästina kommenden religiösen Frauen und Mädchen Wohnung, Arbeit und Ausbildung verschaffen. Die Ausführungen der Berliner Damen machten aut alle Anwesenden solch großen Eindruck, daß spontan am gleichen Nachmittag eine Misrachi-Frauengruppe in Leipzig gegründet wurde. Samtliehe anwesenden Damen erklärten, tätig bei diesem Werke mithelfen zu wollen. Es wurde ein Ausschuß für die weitere Organisation und Arbeit in Leipzig gebildet und es steht zu erwarten, daß nunmehr auch in Leipzig eine tatkräftige und intensive Arbeit der religiösen Frauen für Palästina einsetzen wird. Nürnberg. (Wizo.) Am 10. Februar hielt in der hiesigen Ortsgruppe des Bundes Jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit Frau Hillmann einen sehr fein durchgearbeiteten Vortrag über die arbeitende Frau in Erez Israel. Unter Zugrundelegung des Buches von Ada Fishmann schilderte die Rednerin m fesselnder Weise den Kampf der eingewanderten jüdischen Frauen seit 50 Jahren und das Recht auf produktive Arbeit, um teilnehmen zu können am Aufbau Palästinas. Den fesselnden Ausführungen folgte eine rege Diskussion über die verschiedensten Frauenprobleme. Chemnitz. Der B r i t h - H a o 1 i m , Agudah Chemnitz, versammelte am Montag, dem 22. Februar, abends, etwa 300 Tennehmer, Eltern und die anderen Jugendbünde, zu einer Tel- Chai-Feier. Nach einer kurzen Begrüßung durch Martin Seligmann hörten die Erschienenen stehend ״Jiskor“ an. Fritz Lichtenstein (Japur) sprach dann von der Bedeutung des Gedenktages und gelobte, daß die Jugend das Werk Trumpeldors und der Anderen in deren Sinne weiterführen werde. Rezitationen, Gesangs- und Sprechchöre, sowie lebende Bilder folgten. Alles in allem ein voller Erfolg. Schallplatten vom Berge Ararat. Dr. Nikolaus Feinberg führte in seinem zweiten Radiovortrag Aufnahmen aus dem russischen Orient vor, die in der Tat weit mehr Orient als russisches Wesen enthielten. Besonders interessant waren armenische Aufnahmen vom Berge Ararat, auf dem bekanntlich nach der Ueberlieferung die Arche Noah während der Sintflut gelandet sein soll. Die Melodik ist orientalisch-monoman, die Rhythmik klingt slawisch an. Ferner hörte man noch Chor-, Einzel- und lnstrumentallieder aus Daghestan, Tibet, aus dem Altai-Gebirge und aus der Krim, die den kulturellen Reichtum mancher aussterbender Rassen dokumentierten. Auch hier gibt es schon abendländische Einflüsse, aber im großen ganzen hat sich dort überall noch die ungebrochene Elementarkraft primitiver Gebirgsvölker erhalten. Das exotischste Lied — zugleich die neueste Aufnahme der russischen Staatsproduktion, die sich um derlei verdient macht — war ein usbekischer Marsch, in den Solorezitative eingeschaltet waren. Auch die Coda mit vielen Wiederholungen einer immer wieder abrupt abgebrochenen Phrase zeugte von ganz phantastischen Formvorstellungen, von denen der europäische Musiker und Laie noch unendlich viel lernen kann. A. J.-L.