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Jüdische Rundschau · 1932-03-23 · Heft 23-24 (23.3.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 23-24 (23.3.1932)
Date
1932-03-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 114 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 23/24, 23. III. 1932 Paläsiinasirom aus Polen Besach Berl Lockert (Von unserem Korrespondenten.) ~-g. Warschau, 19. Märt. . Ei״« Palästinastimmung herrscht gegenwärtig in Polen, wie man sie schon seit einigen Jahren in solchem Ausmaß nicht gesehen hat. Ein Strom von Touristen nach Palästina, richtiger ״Olei-Regel“, ergießt sich seit einigen Tagen mit dem Ziel nicht nur, Peßach In Erez Israel zu verbringen, sondern um im Lande persönlich genaue Auskunft über Nieder* lassungsmöglichkeiten einzuholen. Die bittere Not hier und der Mangel jeder Hoffnung auf bessere Zeiten bewegt auch die skeptischesten Juden, den Blick nach Palästina zu richten, wäre die Verarmung nicht so stark, hätten jetzt Zehn* tausende polnische Juden die Reise nach Palästina unternommen. Es wird berechnet, daß 2000 polnische Juden sich m diesen Wochen nach Palästina begeben werden. Davon etwa 60 0/0 aus dem Mittelstände: Handwerker, Kaufleute, Industrielle. Die polnische Repräsentanz der Jewlsh Agency und die polmsch-palastinensische Handelskammer haben sich bemüht, eine nach sachlichen Gesichtspunkten zusammengesetzte Exkursion verschiedener jüdischer Wirtschaftsverbände und *gruppen zu organisieren. Die Aufgabe dieser in drei Kategorien eingeteiltcn Delegation wird es sein, in Palästina und den Nachbarländern im Einvernehmen mit den dortigen maßgebenden wirtschaftlichen Stellen genaues und zuverlässiges Matena! über Waren, Absatzmöglichkeiten, Industriegründungen und Plantationsinvestitionen für polnische Juden zu sammeln. Diese an Ort und Stelle von Fachleuten und interessierten Mitgliedern der Delegation gesammelten Matenahen sollen nach deren Rückkehr als sichere Basis dienen für die von der polnischen Repräsentanz der Jewish Agency iß Polen gegründete Informationsstelle, Weser zahlreichen Delegation haben sich aus allen Teilen Polens _ mehrere Hunderte Mittelstandsangehörige, sowie die Exkursion der Lemberger Zionistischen Exekutive mit Dr. Hingel und Dr. Schmorak an der Spitze, angeschlossen. , Ferner haben sich gegen 200 orthodoxe Juden zu einer Exkursion zusammengeschlossen. Der geistige Führer "«ז ^Sfudah in Polen, Rabbi Alter aus Kalvarienberg (Gerer Kebbe), ist bereits von seiner diesjährigen Palästinareise zi► rückgekehrt. Besondere Vorbereitungen traf der polnische Landesverband des Makkabi, um zur Makkabiah eine ausgewählte und repräsentative Mannschaft zu delegieren. Die polnische Abordnung zur Makkabiah besteht aus 60 Personen und setzt sich aus hervorragenden Vertretern des jüdischen Sports in Polen, allerlei Zweige, zusammen. Ihnen gesellen sich etwa 300 jüdische Sportler, die das Glück haben werden, bei der Makkabiah anwesend zu sein, um dann nach ihrer Rückkehr den Tausenden jüdischen Sportlern in Polen Kunde vom neuen jüdischen Leben in Palästina und von den Leistun* gen des jüdischen Sportes in der Welt zu bringen. Leider war es aus finanziellen Gründen, trotz den Erleichterungen der polnischen Regierung, unmöglich, sämtliche Anmeldungen der Turn- und Sportverbände zu berücksichtigen. Die Hechaiuz- und zionistischen Jugendorganisationen, deren Tausende Mitglieder bereits seit Jahren in der Hachscharah sich befinden und nicht die Möglichkeit haben, aus Mangel an Zertifikaten einzvwandern, haben für einen Ted ihrer Mitglieder ebenfalls Touristenfahrten zur Makkabiah organisiert. ff ah tfehefl, die ׳mit itiit der viert«! vorwiegend Ökonemische Ursachen gemeinsam haben wird, jedoch nach den Erfahrungen und Lehren der Jahre 1925—1929 dürfte sie besser vorbereitet vor sich gehen. Die soeben vom Palastinaamt in Warschau erhaltene Nachricht, daß für die Einreise nach Palästina nunmehr nur 500 Pfund notwendig sein werden, wird sicherlich viel dazu beitragen, polnischen Juden, die noch über ein gewisses Kapital verfügen, die Auswan• derung und Niederlassung in Palästina zu ermöglichen. Es wird auch von der Exekutive erwartet, daß sie diesen Mittel* Standsimmigranten mit Rat und Tat behilflich sein wird. Der zehntägige Aufenthalt Berl Lockers in Polen hat viel dazu beigetragen, den Kontakt der polnischen Zionisten mit der Londoner Exekutive zu stärken. Locker besuchte Warschau, Lodz, Krakau und Lemberg und hat überall in engeren Beratungen der Vertreter der zionistischen Verbände, in Pressekonferenzen und öffentlichen Versammlungen, die sehr zahlreich besucht waren, die gegenwärtige Situation im Zionismus klargelegt und sich insbesondere scharf der von den Revisionisten in Polen verbreiteten hysterischen Panikstimmung entgegengestellt. Hervorzuheben sind noch die interessanten Auseinandersetzungen Lockers mit den Bundisten und Kommunisten. Locker, der hier die Bedingungen sehr gut kennt, hat unzweifelhaft während seines kurzen Besuches in Polen auch starken Eindruck gewannen von der traurigen Lage der iuden und den starken zionistischen Stimmungen der jüdischen lasse und insbesondere der jüdischen Jugend, deren Tragödie unbeschreiblich ist. Makkabiah and Levante-Messe Ende dieses Monats werden verschiedene Schiffe die Häfen Haifa und Jaffa an laufen und zirka 1200—1500 Gäste zur Makkabiah und zur Levante-Messe bringen. _ Es sind angemeldet für den 26. März das Schiff ״Zar Ferdinand“ aus Warna, mit Touristen aus Bulgarien; 28. März das Schiff ״Dacia“ aus Konstanza, mit Reisenden aus Polen, Bulgarien und Rumänien; 28. März das Schiff ״Attika“ aus Triest, mit Reisenden aus Deutschland, Tschechoslowakei und der Schweiz; 28. März das Schiff ״Theophile Gautier“ aus Marseille, mit Reisenden aus Zentraleuropa; 28. März das Schiff ״Adria“ aus Triest, mit Reisenden aus verschiedenen Ländern. Im Rahmen der Levante-Ausstellung JnTei- Awiw werden folgende Veranstaltungen stattfinden: Am 8. April beginnen die großen Schachmeisterschafts-Wettkämpfe; am 17. April beginnt die Weltkonferenz der jüdischen Studenten; der 21. April wurde als der Tag der Palästina-Arbeiterschaft proklamiert; am 24. April findet aus Anlaß der 50jährigen Ar* beit M. M. Ussischkins in der zionistischen Bewegung eine Ussischkin-Feier statt; am 25. April beginnt die Tozereth-Haarez-Konferenz, die über Wege und Mittel zur Propagierung des Absatzes von Palästina-Produkten in den verschiedenen Ländern der Welt beraten wird. Die Berliner Zeitung ״Industrie und Handel“ veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 19. März in Form einer Beilage eine Uebersicht über die Verschiebungen in der deutsehen Ausfuhr nach Palästina. Die Tabelle umfaßt zwei Seiten und ist mit sehr ausführlichen Angaben über Mengen und wertmäßige Steigerung oder Minderung der Ausfuhr bei den einzelnen genau angegebenen Warengattungen versehen. Wir glauben, daß Interessenten aus dieser Zusammenstellung manches Wissenswerte entnehmen werden. Preiie״ und Zeiisdiriftensdiaii In ״Petit Parisien" vom 7. März veröffentlicht Elle Fau re, einer der repräsentativen Denker des zeitgenössischen Frankreich, unter dem Titel ״Palästina, der geistige Gipfel der Menschheit“ einen begeisterten Artikel, der aus Jerusalem, vom 22. Januar 1932 datiert Ist. In schwungvollen Worten faßt Faure die Bedeutung der Ideen zusammen, die ihren Weg aus Palästina in die Welt genommen und das ethische Bild der Kultur entscheidend mitgeformt haben. Er erwähnt die Tätigkeit der neuen jüdischen Siedler und preist begeistert die ewige Energie, die sich in dem Aufbauwilien des jüdisehen Genius ausdrücke. Die Wiederbelebung der hebräischen Sprache ist ein charakteristisches Kennzeichen dieser jüdisehen Renaissance. Die jüdischen Siedler knüpfen auts neue ein Band mit den Völkern der Erde und ihre Antwort nach dem Sinn ihrer Arbeit ist: Wir opfern uns, um in unserer oder in den kommenden Generationen ein Werkzeug zu schmieden, und dann erst werden wir davon reden können, daß wir mit den anderen Völkern auf gleichem Fuße stehen. Wenn das jüdische Ziel erreicht ist, dann, schließt Faure, wird man nicht mehr nötig haben, die Klagemauer mit jüdischen Tränen zu netzen und man wird in harter Anstrengung und fruchtbarer Arbeit den materiellen und geistigen Bedarf der Gemeinschaft erwerben. * In ״The New Judaea" veröffentlicht Leonard Stein anläßlich des ersten Jahrestages des MacDonald- Briefes an Dr. Weizmann (der vom 13. Februar 1931 datiert ist) eine rückblickende Würdigung dieses Dokumentes. Zunächst wendet er sich gegen die Geringschätzung der Bedeutung des MacDonald-Briefes. Man muß sich vor Augen halten, was gewesen wäre, wenn das Weißbuch von Oktober 1930 ungeschmälert in Kraft geblieben wäre. Der MacDonald-Brief hat verhindert, daß die Auffassung von Wesen und Ziel des Man* dates, die in jenem Weißbuch gegeben wird, authentische Geltung erhalten hat. Die praktischen Richtlinien des Mac Donald-Briefes sind freilich bisher zum großen Teil unerfüllt geblieben. Der den Landentwicklungsplan betreffende Teil ist nicht in seiner ursprünglichen Absicht verwirklicht worden, und die Bestimmungen über Arbeitereinwanderung und jüdische Beteiliguitg an öffentlichen Arbeiten sind gleichfalls bei der letzten Zertifikatszuteilung unberücksichtigt geblieben. Dennoch, so schließt Stein, muß man, insbesondere nach dem Amtsantritt des neuen High Commissioner, dessen aufrichtiges Bemühen zur gerechten Behandlung der jüdischen Beschwerden anerkannt wird, hoffen, daß der Geist des MacDonald-Briefes sich doch auch in der praktischen Palästina-Verwaltung noch durchsetzt. * Die englische ״Contemporary Review" bringt in ihrer Märznummer einen wertvollen Aufsatz von Josiah Edwards ״Von der panarabischen zur panisiamitfschen Bewegung". Nach historischen Erörterungen über die arabischen Unabhängigkeitsbestrebungen kommt Edwards zu dem Resultat, daß zwar über den genauen Inhalt der englischen Kriegsversprechungen so lange Unklarheit herrschen werde, bis das Foreign Office die McMahon-Korrespondenz veröffentliche, aber daß jedenfalls die damaligen arabischen Unterhändler höchstens die Bevölkerung des Hedschas hätten repräsentieren können, nicht aber die zivilisierteren arabischen Gemeinwesen wie Syrien, Palästinausw. Daß Palästina nicht in die Versprechungen McMahons einbezogen ge« ei;r ftag«־ Balfour-Deklaration hervor. Lfeberhaupt sei der Traum eitles arabischen Reiches ״vom Euphrat bis zum Nil“ erst nach dem Waffenstillstand entstanden! Dann habe natürlich die Aufteiiung der arabischen Länder in Mandatsgebiete sehr enttäuscht — Für die Abschaffung der Mandate liege aber Überhaupt kein triftiger Grund vor, denn ungeachtet aller arabischen Klagen müsse jeder unbefangene Beobachter feststellen, daß die Mandate den Einheimischen recht gut getan hätten; sei doch die Sterblichkeit vermindert, das Erziehungswesen verbessert, der Lebensstandard sehr gehoben worden, und nicht zuletzt habe man endlich mit den ewigen Beduineneinfällen, dem früheren Schreckgespenst der zivilisierteren Gebiete, Schluß gemacht. Auch mit den traditionellen Fehden der arabischen Stämme untereinander habe man erst aufräumen müssen. Da die Exfstenz nur eines unabhängigen Staates im Herzen Arabiens dem arabischen Nationalismus nicht genüge, sei die panarabische Idee, wenigstens als Schlagwort, als Kampfmittel gegen Engländer, Zionisten, Franzosen usw., lebendig geblieben, aber in letzter Zeit habe man, da dieses Schlagwort für Parteiprogramtne nicht mehr recht paßte, einen guten Ersatz in der panisiamitischen Propaganda gefunden. Diese habe vor langer Zeit einmal bestanden, um dann wieder völlig zu verschwinden, um erst im Frühjahr 1930, bei dem Triumphzug des indischen Mohammedanerführers Schaukat Ali plötzlich wiederaufzuleben. ״Aber selbst die Väter dieser neuen Bewegung sind sicher nicht naiv genug, an ihren vollen Erfolg zu glauben.“ Die Bewegung sei viel zu chauvinistisch; einseitig und utopistisch, und rechne nicht mit den harten Realitäten. Denn der Islam selbst sei heute in einer ganz anderen Position als früher, er sei sehr fortgeschritten und realistischen Lebensanschauungen näher gekommen. Wichtige Reformbewegungen hätten auf revolutionäre Gebote in Lehre und Leben verzichtet, und diese großen Gruppen hätten keinerlei Interesse an der Erneuerung einer aggressiven mohammedanischen Propaganda nach außen hin, sondern wenn sie überhaupt panislamitische Bestrebungen hätten, so richte sich ihr Ehrgeiz höchstens auf die Erneuerung und Veredelung der Kulturwerte des Islam. W ״The Near East and India“ spricht in seiner letzten Nummer die Hoffnung aus, daß durch den Bericht des Landentwicklungsdirektors French, der jetzt ungeduldig erwartet wird, Palästina das erhalten möge, was es am drinendsten braucht, nämlich eine permanente Politik. Man önne über den Inhalt des Berichtes noch nichts Voraussagen, doch, so schreibt das Blatt, dürfe man gespannt sein, welche Vorschläge French für die Versorgung des arabischen Geburten- Überschusses, der jährlich 25 000 beträgt, machen werde. Die Steigerung der Ertragsfähigkeit des Bodens müsse geradezu in wunderbarer Weise netrieben werden, wenn Palästina außer dieser Vermehrung der Bevölkerung noch eine nennenswerte jüdische Einwanderung aufnehmen soll. Die Frage sei keine politische, sondern eine rein ökonomische. Die Zionisten, so meint das Blatt, müßten gewisse politische Ambitionen vermindern, nicht weil die Mandatarmacht, wie man behauptet, ״feindlich“ sei, sondern wegen der erwähnten Tatsachen. Eine auf die Realitäten gegründete dauerhafte Politik sei das dringendste Erfordernis. * Im Anschluß an das Attentat auf den deutschen Botschaftsrat in Moskau, Twardowsky, weist der Korrespondent des ״Berliner BÖrsen-Courier“, Nikolaus Basseches, darauf hin, daß die meisten Attentate auf Sowjet-Person- 1 i c h k e i t e n und andere politische Attentate der Sowjetunion von Jüdischen Personen ausgingen, Diese Tatsache wird von dem Korrespondenten als ein Beweis für die Unrichtigkeit der Behauptung, daß die Juden alle Kommunisten seien, angeführt. In Rußland sei gerade der jüdische kleine Mittelstand durch das Sowjetregime sehr hart betroffen, und daher rekrutieren sich aus diesen jüdischen Kreisen die Gegner des Sowjetregime*. Besonders für die jüdische Jugend dieser Kreise sei die Zukunft perspektivlos. Zu dieser Schicht des Kleinbürgertums gehöre zum großen Teil auch das zionistische Judentum. — Das Attentat auf Twardowsky scheint uns bis* her noch viel zu wenig aufgeklärt, als daß man daraus irgendwelche Konsequenzen in bezug auf die Motive des Täters ziehen könnte. Das Bestreben liberaler Blätter, den von antisemitischer Seite dauernd erhobenen Vorwurf des jüdischen Kommunismus abzuwehren, scheint uns zu weit zu gehen, wenn der Beweis durch die Behauptung, die Juden seien zu konterrevolutionären Attentaten besonders prädestiniert, geführt wer* den soll, * Im ״Tagebuch“ berichtet der christliche Schriftsteller Oskar Maria Graf unter der Ueberschrift pWarum so wichtig“ über seine Erfahrungen mit dem Antisemitismus. Er schildert die Zustände unter den bayerischen Bauern vor dem Krieg, wo der jüdische Viehhändler weit beliebter war aLs die christlichen und auch besser mit den Bauern umzugehen verstand. Interessant ist aus der anekdotischen Dar- Stellung Graf* zu ersehen, wie menschlich besser sich die Be- Ziehungen zwischen Juden und Nichtjuden auch in solchen Einzelßllen gestalten, wenn keine Verschleierung des Judentums versucht wird, wie sie in städtischen Kreisen üblich geworden ist. Graf scheint etwas von dieser Konsequenz zu ahnen, wenn er zum Schluß selbst schreibt: ״Ich glaube, der Antisemitismus ist zum größten Teil das Werk ,dummer Juden' (um die grandiose Feststellung eines meiner Freunde anzuwenden, der einmal sagte: ,In Bayern sind sogar die Juden dumm'). Dies, glaube ich, läßt sich auch auf den typisch deutschen Juden an wenden. Er hat all seinen Humor und Witz verloren, nur um deutscher zu sein als wir. ־ Mit Gewalt sucht er sich ein anderes Gesicht zu geben, nimmt sich ernst und wichtig und ist’s doch so wenig wie irgendeine andere Art oder Rasse.“ — Gewiß kann eine Besserung des Verhältnisses nur durch Zusammenarbeit von Juden und Nichtjuden herbeigeführt werden, aber diese Zusammen* arbeit erfordert eine Gleichstellung des Wertbewußtseins, die heute nicht gegeben ist und erst gegeben sein wird, wenn der Jude seine innere Befreiung von dem Vorurteil der Assi* milation durchgeführt hat. * Das ״Buchener Volks blatt“ veröffentlichte am 10. März einen ausführlichen Bericht über die Vorführung des Films ״Frühling in Palästina“, wobei mit begeisterten Worten die Bewunderung für die jüdische Arbeit ausgesprochen wird. Es wird in diesem Zusammenhang hervorgehoben, daß von einer bedeutenden Firma des Bezirks Zement-Mischmaschinen nach Palästina geliefert wurden. Die Zeitung spricht dem Lehrer Wertheimer aus Buchen für seine Bemühungen um das Zustandekommen der Filmvorführung einen besonderen Dank aus. Die in Alexandrien (Aegypten) erscheinende jüdisch-zio* nlstische Monatsschrift ״L’lllustratlon Juive“, begründet und geleitet von unserem Oesinnungsgenossen Oberrabbfner Dr. David Prato, tritt gegenwärtig in ihren dritten Jahrgang ein. Di« Zeitschrift hat sich durch ihr hohes Niveau und durch die einen ehrenvollen Platz .in**rh§fc der zionistischen Publizistik erworben. Es ist besondere ertreulich, daß eine derartige Zeitschrift, die in französischer Sprache erscheint, u. a. auch bemüht ist, ihren Lesern von dem Wirken jüdischer Denker, deren Originalwerke deutsch sind, ein Bild zu geben. Die Adresse der Zeitschrift ist: Alexandrien, B. P. 240. Chancellor spricht für das arabische Kind. Die ״Near and Middle East Association" in London hat ihre fetzte Ver* anstaitung einer Aktion für das arabische Kind in Palästina gewidmet, über die die Zeitschrift ״Near East and India“ berichtet. Den Vorsitz führte Sir Arnold Wilson, der in seiner Eröffnungsansprache auf die gewaltigen Veranderungen hinwies, die Palästina unter britischer Herrschaft durchgemacht hat. Als Wilson dem Hauptredner des Abends, Sir John Chancellor, das Wort erteilte, sagte er, wenn die Nebel der widersprechenden Leidenschaften sich verzogen haben werden, würde man erkennen, daß ״Chancellor mehr als alle anderen bisherigen Oberkommissare dazu beigetragen hat, die wahren Interessen von Arabern und Juden zu fördern“. Sir John Chancellor begann seine Ansprache mit einer Beschreibung der jüdischen medizinischen Einrichtungen in Palästina, denen er die höchste Anerkennung zollte. Die Spitäler der Hadassah, das Nathan Straus-Gesundheitszentrum, die Arbeiterkrankenkasse usw. seien mustergültige Anstalten, und sie stünden prmzipiell den Angehörigen aller Bekenntnisse und Nationalitäten offen. Aber die Araber könnten von dieser Möglichkeit wegen Schwierigkeiten der Sprache, der Religion und des Volkstums nur sehr geringen Gebrauch machen. Die Sterblichkeitsziffer unter den Juden betrage 9,6 von tausend, unter den Moslems 27,9. Die palästinensischen Araber seien ein intelligentes, lebhaftes und begabtes Volk. Ihr Leben hat sich insofern geändert, als unter türkischer Herrschaft die Bevölkerungsziffer stationär blieb, während Unter dem britischen Mandat sich die Araber jährlich um 25000 vermehren. Die Absorption dieser natürlichen Vermehrung in einem so kleinen Land wie Palästina bilde ein schweres politisches und ökonomisches Problem. Zum Schluß sprach der Vortragende über den Zweck der Versammlung, nämlich die Ausdehnung der Tätigkeit des ״Kinderschutz-Fonds“ auf Palästina. Die Palästina-Rejierung könne für das arabische Kind nicht die medizinische Fürsorge schaffen, die die Juden sich selbst organi- Sieren. Daher müsse das englische Publikum, da England die Verantwortung für Palästina trägt, durch private Aktionen einspringen. — Nach Sir John sprachen noch ein Legationsrat der irakischen Gesandtschaft in London, der besonders die bedauernswerte Lage der arabischen Dorfkinder schilderte, und Mrs. Bryan, bis vor kurzem Leiterin des St. Lucas-Spitals in Hebron, die die Notwendigkeit einer hygienischen Volksaufklärung in Palästina betonte, sowie mehrere andere Damen. Zum Schluß wurde eine Sammlung für den veranstaltenden Fonds vorgenommen. Die Bodenfrage. David Adams (Arbeiterpartei) richtete im Unterhause an den Kolonialminister die Frage, welche Schritte ergriffen worden sind, um die in dem Briefe des Premierministers MacDonald an Dr. Weizmann vom 13. Februar 1931 gegebene Erklärung, daß die Regierung sobald wie möglich eine Untersuchung einleiten wird, welche Staats- und anderen Böden in Palästina für baldige Besiedelung durch Juden verfügbar seien oder verfügbar gemacht werden könnten, durchzuführen. Der Unterstaafssekretär für die Kolonien, Sir Robert Ha m i it on, erwiderte: Ich hoffe, es werde bald möglich sein, die in Aussicht gestellte Untersuchung vorzunehmen; ich bin heute nicht in der Lage, eine weitere Erklärung nach dieser Richtung abzugeben.

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