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Jüdische Rundschau · 1932-03-18 · Heft 22 (18.3.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 22 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22, 18. in. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 107 Gflmflge Arbdlslaöe in Palästina Zwei Tote Charles Gide Charles Gide, der soeben im Alter von SS Jahren verstorbene französische Nationalökonom, war seit Jahren ein war־ mer Freund der Idee des Jüdischen Nationalheims in Palästina. Gide hat sich für die zionistischen Probleme sehr interessiert und vor allem den Experimenten einer neuen sozialen Schichtung des jüdischen Volkes, sowie neuer Gemeinschafts- und Siedluugsformen lebhafte Aufmerksamkeit zugewandt. War er doch der unermüdliche Vorkämpfer des Genossenschaftsgedankens, der Idee der ״Cooperation“, in Frankreich, und in Palästina sah er besonders starke und eigenartige Ansätze zur Verwirk* lichung dieser Idee... Charles Gide hat auch über diese Fragen mehrmals Aufsätze und Abhandlungen veröffentlicht, die zum Teil in der Pariser ״Revue Juive“ und auch in der von Martin Ruber herausgegebenen Zeitschrift ״Der Jude“ erschienen sind. Wie vielen noch erinnerlich sein wird, hat Prof. Gide persönlich an der Eröffnungsfeier der Hebräischen Univ e r s i t ü t Jerusalem am 2. April 1925 teilgenommen. Die Erscheinung des greisen Gelehrten und seine hinreißende, von jugendlichem Feuer erfüllte französische Ansprache haben damals die grollte Begeisterung des Publikums ausgelöst. Gide hat in seiner Rede seiner Bewunderung für den Zionismus Ausdruck gegeben und dessen Bedeutung für die Verbindung von Ost und West geschildert. Die Universität Jerusalem, so sagte er, werde nicht nur für Palästina da sein, sondern sie sei ein Symbol für die ganze Welt und alle Völker: Ex Oriente lux — ex Oriente lex, so schloß er damals seine Rede. — Der Verstorbene war ein Onkel des großen französischen Dichters Andre Gide. Hermann Gunkel Hermann Gunkel ist, 70 Jahre alt, gestorben. Der Tod dieses Mannes, der bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1927 als ordentlicher Professor in Halle das Fach der alttestamentiichen Wissenschaft vertrat (vorher in Gießen und Berlin), lenkt den Blick auf die höchst bedeutsame Wandlung, die durch ihn und seine ״religionsgeschichtliche Schule“ die Erforschung des biblischen Geisteslebens erfuhr. Die philosophisch-literarkritischen Bemühungen um das biblische Schrifttum, die mit ihrem großen Führer Wellhausen. eine Generation früher überwiegend auf die Analyse der vorliegenden Texte eingestellt gewesen, wurden so überhöht durch das allseitige Interesse an der geistigen Kultur des Volkes der Bibel. Die Literatur erwuchs zum Ausdruck des nationalen Daseins überhaupt: die schriftlich vorliegende, mehr ein zufällig übriggebliebener Bestand denn abgeschlossenes Ganze, wies hin auf lange Zeiträume mündlicher Tradition. Es dehnte sich gleichsam hinter der sichtbaren Oberfläche ein gewaltiger Hintergrund, aus dessen Durchforschung das Aufgezeichncte erst Sinn und Zusammenhang erfuhr. So hat Gunkel die literarische Gattungsforschung eröffnet, ist aus Bruchstücken und Ueberbleibsein zu Sagen, Legenden und anderen Formen der Geisteshaltung Alt-Israels durchgestoßen und hat den Umfang dieses Lebens für uns entgrenzt. Dazu gehörte natürlich die Kraft liebevoller Einfühlung, hingebungsvolles Verständnis für einen Geist, in dem ein gut Stück von der Macht instinktiv empfunden wurde, die den Einfühlenden selber geformt hatte. Das Gewesene erwachte so zu neuem Leben. Man darf sagen, daß gerade dieser lebendige herzliche Anteil, den Gunkel an den Helden und am seelischen Dasein des biblischen Volkes nahm, seinen Werken, so Wissenschaft* lieh solide und sorgsam bedacht sie sind, ihre anziehende Lebendigkeit ‘gegebewf'vhatr 1» ־ Eifttelnen Mi׳• Heine•'Mühe» besonders der Mythen- und Sagenforschung (״Schöpfung und Chaos“: Kommentar zur Genesis: ״Die Sagen der Genesis״), der hebräischen Erzählungskunst, dem Märchen im Alten Testament. Besonders bekannt geworden ist — neben dem Genesis-Kommentar — sein Psalmenkommentar, der ebenso wie seine Publikationen über die Propheten feinstes Eindringen in die altisraelitische Frömmigkeit zeigt. — Die Ueberzeugtmg von der universajen Bedeutung des biblischen Geistes war das Fundament seines eigenen persönlichen Lebep. Max Wiener. Amerikanische und deutsche Juden Erregung in Amerika über die nationalsozialistische Bedrohung Die amerikanisch-jüdische Wochenzeitung ״Opinjon“ äußert sich in einem redaktionellen Artikel über die Beziehung des amerikanischen Judentums zur Lage in Deutschland. Das Blatt hebt hervor, daß die Lageder Juden in Deutschland sehr bedrohlich ist, weil nach der militärischen, politischen und ökonomischen Katastrophe, die das deutsche Volk durchgernacht hat, ein Jahrzehnt lang systematisch dem Volke eingeredet wurde, daß die Juden an allem Unglück schuld sind. Es scheine, daß diese Giftsaat irgendwelche Früchte treiben müsse. Aus diesem Grunde nimmt, so schreibt das Blatt, das amerikanische Judentum stärksten Anteil an der Lage der deutsehen Juden. Wenn Deutschlands Aerger über seine Glaubiger dazu führen sollte, daß Hitler zur Macht kommt und wenn er sein tolles Judenprogramm verwirklicht, dann werden die amerikanischen Juden, sowie die übrigen Juden der Welt zu stärkstem Protest genötigt sein. Die amerikanischen Juden wünschen, es möge sowohl in Amerika als auch in Deutsch* land bekannt werden, daß sie ihre ganze Macht für die bedrohten Rechte ihrer auswärtigen Stammesgenossen ein setzen werden. Der Nationalsozialismus erscheint nicht nur den 4ג' י Millionen Juden Amerikas, sondern dem ganzen amerikanischen Volke als mittelalterliche Barbarei, und es wäre zu bedauern, wenn als Folge der Durchführung eines solchen Programms eine antideutsche Stimmung in Amerika entstünde. Sollte es zu Ausschreitungen gegen die Juden kommen,wie sie jetzt häufig von nationalsozialistischer Seite angekündigt werden, dann ist zu befürchten, daß in Amerika eine organisierte Deutschenfeindschaft um sich greift, die die Schwierigkeiten Deutschlands nur vermehren würde. Im Anschluß an diesen Artikel veröffentlicht das darauffolgende Heft der Zeitschrift ״Opinion“ Aeußerungen verschiedener jüdischamerikanisch er Führer über die Lage der deutschen Juden. Zwölf verschiedene Persönlichkeiten, die alle Kreise des amerikanischen Judentums repräsentieren, geben ihrer lebhaften Besorgnis über die Situation der deutschen Juden Ausdruck. Oie Nachrichten über die skrupellose fanatische nationalsozialistische Agitation sind begreiflicherweise auch nach Amerika gelangt und haben bei den dortigen Juden eine immer steigende Erregung hervorgerufen. In den Zuschriften, die ״Opinion“ veröffentlicht, tritt klar zutage, daß die amerikanischen Juden eine entschiedene Aktivität zugunsten der deutschen Juden entfalten wollen. Es wird darauf hingewiesen, daß eine Gruppe von fast fünf Millionen Menschen, die das amerikanische Judentum darstellt, eine erhebliche politische und Wirtschaftliehe Kraft ist. Das Schicksal der deutschen Juden sei nicht eine deutsche Angelegenheit allein, denn das Schicksal der emanzipierten Juden in allen Ländern stehe gleichzeitig dabei auf dem Spiel. Darum müßten die amerikanischen Juden sich ihrerseits an die Mächte der Welt wenden, um sie au! die hier drohenden Gefahren aufmerksam zu machen. Mangel an Arbeitskräften Alle Berichte aus Palästina stimmen darin überein, daß die Lage auf dem Arbeitsmarkt sich in der letzten Zeit außerordentlich verbessert hat. Es ist ein deut-!!eher Mangel an jüdischen Arbeitern fühlbar, sowohl in den Kolonien, wo jetzt während der Saisonarbeit alle bisher arbeitslosen jüdischen Arbeiter absorbiert sind, als auch in dem Städten, wo allein in Tcl-Awiw, wie uns berichtet wird, in den letzten Wochen 500 neue Arbeiter in den industriellen Betrieben eingestellt wurden. Auch die Bautätigkeit, die sofort nach dem Pfundsturz einsetzte, ist noch weiter sehr lebhaft und beschäftigt viele Arbeiter. In Tcl-Awiw fand Anfang März eine von Vertretern verschiedener lokaler jüdischer Arbeitergruppen beschickte Sitzung der Arbeiterorganisation statt( worin festgestellt wurde, daß es in Palästina höchstens 800 jüdische Arbeitslose gibt und diese vor allem in den Städten. An manchen Orten zeigt sich eine deutliche Knappheit an Arbeitskräften, so daß von den Unternehmern ein Steigen der Löhne befürchtet wurde. Die Konferenz kam zu dem Ergebnis, daß eine sofortige größere jüdische Arbeitereinwanderung möglich und notwendig sei. Insbesondere wenn man bedenkt, daß in der nächsten Zeit 17 000 Dunam für Orangennflanzungen in Bearbeitung kommen sollen, muß man die Dringlichkeit In aller Kürze Der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, hat sich bereit erklärt, am 7. April die Levante-Messe in Tel- Awiw offiziell einzuweihen. Der ägyptische Premier Sidki Pascha und der Gouverneur von Cypern werden dem Einweihungsakt beiwohnen. Ebenso werden auch die Regierungen Polen, Rumänien, Schweiz und Lettland offiziell vertreten sein. Dr. Arlosoroff und der politische Sekretär der Exekutive, Shertock, begaben sich nach Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, zu einem offiziellen Besuch des Emirs Abdullah. Dort werden sie mit dem High Commissioner Wauchope Zusammentreffen, der sich am 11. März mittels Flugzeugs zu einem dreitägigen Aufenthalt nach Transjordanien begab. Emir Abdallah von Transjordanien veröffentlicht ein Dementi, wonach es nicht richtig sei, daß er mit seinem Bruder Feisal politische Besprechungen gehabt habe und daß er auf den transjordanischen Thron zugunsten des syrischen Thrones zu verzichten gedenke. Die palästinensische Regierung verlautbart verschiedene administrative Veränderungen, die im Zusammenhang mit den Sparmaßnahmen getroffen wurden. Demnach ist die Zahl der stellvertretenden Distriktskommissare in den Verwaltungsbezirken von II auf 6 vermindert worden. Der Ministerpräsident von Irak, Nuri Pascha, besuchte Anfang März Kairo, wo er mit dem König und mit dem Primeminister Unterredungen hatte, die nach ägyptischen״ Blättermeldungen die Frage 4er panarabisehen Union betrafen. Prälat Dr. Seipel, der frühere österreichische Bundeskan zier, hat soeben eine Mittelmeerreise angetreten, die ihn auch nach Palästina führen wird, wo er um die Osterzeit zehn Tage verbringen wird. Durch eine Regierungsordnung, die im palästinensischen Regierungsanzeiger veröffentlicht wird, wurde die städtisehe Gebäudesteuer ab 1. März auf 12 0/0 erhöht. Bei der Vorführung des englischen Kriegsfilms ״Teil England“, der die Kämpfe bei Gaiipoli darstellt, kam es in Jerusalem am 14. März zu einer starken antieng fischen Kundgebung arabischer Kinobesucher, die zischten, wenn die englischen Soldaten auftraten, dafür den Türken applaudierten. Als sich die Kundgebungen bei der zweiten Vorführung wiederholten, verfügte der palästinensische Filmzensor die Absetzung des Films. Auch in Bagd a d mußte der Film wegen antienglischer Kundgebungen der Zuschauer abgesetzt werden. Der Landwirtschaftsminister der südafrikanischen Union, Herr Grober, bekannte sich bei einem Empfang in P r ä t o r i a zu Ehren von Weizmann und Alexander Goldstein als Freund der zionistischen Bewegung. Am Abend des gleichen Tages fand ein Bankett statt, bei dem für den Keren Hajessod 2000 Pfund aufgebracht wurden. Ern weiterer Fäll widerrechtlicher Boden- Okkupation durch Beduinen ereignete sich am 13. März In der Nähe der jüdischen Arbeitersiedlung Jadschur, wo arabische Hirten mit ihrem Vieh sich auf jüdischem Boden niederließen. Ein arabischer Polizist, der sie hindern wollte, wurde von ihnen mißhandelt. Die palästinensische Polizei hat eine Belohnung von 250 Pfund für Angaben, die zur Ermittlung des Mörders des jüdischen Kolonisten Guterman in Kfar Chassidim führen könnten, ausgesetzt, ln Haifa wurden zwei arabische Benzin- Verkäufer als verdächtig verhaftet. In ihrem Besitz wurden große Mengen Munition gefunden. Die für den 15. März angesetzf gewesenen Wahlen zum Stadtrat von Tel-Awiw wurden durch Verfügung des Obersten Gerichts Palästinas verschoben, auf Grund einer Beschwerde von drei Arbeitern, die erklärten, sie hätten ihre Steuern an den Magistrat entrichtet, aber kein Stimmrecht erhalten. Die drei Arbeiter werden von den Rechtsanwälten Horowitz und Smoira vertreten. Am 13. März reiste eine Gruppe von mehr als 200 polnischen Juden aus Warschau nach Palästina ab. ln Lemberg gesellten sich dieser Gruppe weitere 180 Personen zu. Die Bahnhöfe in Warschau und in Lemberg waren von vielen Hunderten Menschen belagert, die die Palästina- Reisenden enthusiastisch begrüßten. Die Reise war durch die polnisch-palästinensische Handelskammer organisiert worden. Lord Plumer, der frühere High Commissioner für Palästina, beging am 13. März seinen 75. Geburtstag. Er mußte sich vor kurzem einer Operation unterziehen, befindet sich aber jetzt auf dem Wege der Besserung. Der amerikanische Araberfreund Charles Cr a n c , bekannt insbesondere durch den 1919 an Wilson erstatteten King-Crane- Bericht, ist Anfang März in Jerusalem eingetroffen und hat mit den arabischen Führern Fühlung genommen. Die Völkerbundskommission zum Studium des M ä d c h e n- und Kinderhandels, bestehend aus einem Amerikaner, einem Polen und einer schwedischen Dame, ist im Verlaufe ihrer Arbeiten vergangene Wache auch in Palästina gewesen. Nach einem Aufenthalt von 5>/2 Wochen hat der G e re r Rebbe mit seiner Begleitung am 8. März Palästina wieder verlassen. einer jüdischen Arbeitereinwanderung betonen. ״Dawar“ berichtet z. B. am Ch ed erah, daß dort, obwohl dort 400 arabische Arbeiter beschäftigt sind, auch die gesamten jüdischen Arbeiter Beschäftigung gefunden haben und noch mindestens 150 Mann weiterhin erforderlich wären. Der Anfsehwaog des Scharon Der Ausschuß der neuen Kolonien des Scharon (der Küstenebene nördlich von Tel-Awiw), wo seit 1924 die Orangenpflanzungen einen großen Aufschwung genommen haben, veranstaltete eine Rundfahrt der palästinensischen Journalisten durch das neue Pflanzungsgebiet. Der Kolonist Schuchowitzky (Magdiel) gab eine eingehende Schilderung der Entwicklung des Gebietes: Es umfaßt 60000 Dunam, wovon 15 000 von jüdischer Arbeit in Kultur genommen wurden. Von den Kolonisten sind 80 ״/# Selbstarbeiter. Das ganze Gebiet zählt heute 5200 jüdische Seelen, darunter 1500 Arbeiter. In vier Jahren werden anderthalb Millionen Kisten Orangen von hier abgesandt werden. Das betreffende Gebiet kann jedoch noch eine dreimal größere Bevölkerung absorbieren. Der Vortragende schloß mit einem starken Appell an die Juden des Galuth, nach Palästina zu kommen und sich im Scharon an zu siedeln. Sonderpolitik der Revisionisten Die revisionistische Union hat soeben eine große p o 1 i tische Propaganda-Aktion begonnen, um ihre Auffassung der politischen Lage des Jüdischen Nationalheims in Palästina bekanntzumachen. Die Exekutive der Revisionisten veröffentlicht einen Aufruf ״An die jüdische Oeffentlichkeit“, worin festgestellt wird, das letzte Experiment, mit England als Mandatarmacht zu kooperieren, sei ergebnislos geblieben, und die Revisionisten müßten daher ״vor aller Welt die Anklage gegen die britische Mandatarmacht erheben“. Die Juden münten ״neue Methoden politischer Aktionen suchen, um der antizionistischen Politik der Mandatsverwaltung entgegenzuwirken“. Im Sinne dieses Aufrufs haben die Revisionisten ihre Aktion damit begonnen, daß sie, wie J. T. A. aus revisionistischer Quelle berichtet, in verschiedenen Hauptstädten den dortigen Regierungen, Parlamentariern und den Gesandten aller Staaten ein Memorandum überreichten, worin England formell der Verletzung des Mandates und des Wortbruches beschuldigt wird. Diese Aktion sei angeblich in allen Ländern der Welt gleichzeitig erfolgt (was wir nicht kontrollieren können, da bisher nur aus Wien Berichte vorliegen). Auclt die deutschen Revisionisten beabsichtigen, wieJ.T.A. weiter mitteilt, diese Erklärung den deutschen amtlichen Stellen, sowie den deutschen Parlamentariern zu übermitteln, ln G e n f hat Dr. S o s k i n dem Völkerbund ein derartiges Memorandum überreicht und auch der Presse übergeben, worüber z. B. das ״Berliner Tageblatt“ berichtet hat, freilich mit einer irreführenden Ueberschrift, die den Anschein erwecken könnte, es handle sich um eine Aktion der Zionistischen Organisation. Üie'Re^sionls'len fahren auch "ln ihrer II! ri erzitfhfsffsehen Pressekampagne fort. Ueber die sogenannten ״Pressekonferenzen“, die Herr Großmann dauernd in Londoti veranstaltet, werden klingende Communiques an die ganze Presse versandt. In einem dieser letzten Communiques wird die Behauptung aufgestellt, daß die Vorschläge für eine jüdischarabische Verständigung, deren Vorhandensein von der Zionistischen Exekutive auf das entschiedenste dementiert wurde, doch behandelt wurden, und daß von der Palästina-Regierung beabsichtigt war, sie am 8. Februar in Jerusalem offiziell zu publizieren; dies sei durch die revisionistische Veröftenflichung verhindert worden. Anläßlich der letzten An- Wesenheit von Locker in Berlin richtete der Vertreter der deutschen Revisionisten an ihn die Anfrage, ob diese Behaupfung Großmanns richtig sei, worauf Locker mit einer entschiedenen Verneinung antwortete und zugleich darauf hinwies, daß die kuriosesten Kombinationen und Verdrehungen völlig harmloser Vorfälle in das zionistische Publikum getragen werden, um die öffentliche Meinung zu verwirren. Die Aktion der Revisionisten hat eine formelle und eine materielle Seite. Was zunächst das Materielle betrifft, so ist gewiß gegen die Mandatarmacht viel begründete Kritik vorzubringen, und die große Mehrheit der Zionisten hat ihre Unzufriedenheit häufig genug zum Ausdruck gebracht. Ob man aber der jüdischen Sache nützt, wenn man die berechtigten Beschwerden in überspitzte Schlagworte verwandelt, muß dahingestellt bleiben. Es ist eine Frage, welches Ergebnis man sich von dieser politischen Methode verspricht. Die f o r - melle Seite der Sache aber bedarf noch einer besonderen Erörterung. Daß ein Teil eines Volkes, der nicht im Besitz der legitimierenden Machtposition ist, auf eigene Faust Außenpolitik zu treiben und an das Ausland Erklärungen abzugeben beginnt, ist in unserer Zeit — besonders für uns in Deutschland, wo ja anscheinend die Vorbilder sitzen — nichts Neues. Die allgemeine Oeffentlichkeit, die die Konstitution der Jewish Agency nicht kennt und überhaupt in interne jüdische Dinge nicht eingeweiht ist, mag dadurch in Verwirrung gebracht werden, aber die maßgebenden politischen Stellen kennen sehr genau den Unterschied zwischen offiziellen Instanzen der jewish Agency und privaten Vereinigungen. Ob es besonders klug ist, durch derartige Extratouren die Jewish Agency, die die Last der offiziellen Verantwortung zu tragen hat, zu einer D i s t a n - z i e r u n g zu zwingen, die dann wie eine Approbierung der englischen Mandatsverwaltung gedeutet werden kann, ist gleichfalls traglich. Die revisionistische Union betrachtet sich als unabhängige, weder mit der Zionistischen Organisation noch mit der Jewish Agency verbundene Körperschaft, obwohl die Mehrheit ihrer Mitglieder der Zionistischen Organisation angchört und sie in deren obersten Gremien vertreten sind. Zwar kontrollieren sie auf diese Weise die Politik der Zionistischen Organisation, nicht aber besteht dieselbe. Möglichkeit umgckehrt. Diese formelle Seite der Sache wird zweifellos die ztonistischen Instanzen, vor allem das Aktions-Comite bei seiner nächsten Sitzung beschäftigen. Die archäologische Expedition der Görres-Gesell- Schaft unter der Leitung von Dr. Everest Mader entdeckte in der Nähe von Kapemaum die Ueberreste einer Basilika aus dem vierten Jahrhundert. Die Ausgrabungen finden auf einem Gebiet statt, das dem deutschen katholischen Palästina-Komitee (mit dem Sitz in Köln) gehört. Die ausgegrabene Basilika, die am Fuße des Berges der Bergpredigt liegt, soll den Platz von Beth-Saida bezeichnen, wo nach der christlichen Ueberliefcrung Jesus das Wunder der Vermehrung der Brotlaibe vollbrachte. Vor der Apsis der entdeckten Basilika befindet sich der Stein, auf welchen Christus die Brotlaibe gelegt haben soll. llllllllllll!l)llllllllllllllllllll1n1lllllllllllllllllllllll1m1IIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIII1n1llllll|[|lll)[|lllllllllll1lllllllllllllllllll!llll[lllllllllllll!lllllllll)lll)llliBHIIIIIIIIIIIIIII(ll(ll[lll!ln1llllltlHIIMIIIIIIIIIIIII1llllllllllll1IIIIIIIIIIIIHIIIHIIIIIIMIIIHIHIIIIIIIIIIIIIIHIHHIUIIIII[l

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