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Jüdische Rundschau · 1932-03-18 · Heft 22 (18.3.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 22 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 106 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 22, 18. Hl 1932 neben dem Wirtschaftsleben Palästinas, Die Pflanzer beteiligen sich nicht, der Einfluß der Industrien, der Banken, der größeren Unternehmungen ist nicht zu spüren. Das ist so zum Teil deswegen, weil diese Wirtschaftsfaktoren noch mangelhaft organisiert sind, zum Teil deshalb, weil sie von der Assefat Haniwcharim nicht viel zu erwarten haben. Ucberall, wo das Schicksal wirtschaftlicher Unterhehmungen beeinflußt oder entschieden wird — in den von der Regierung bestellten Kommissionen, bei den Verhandln* gen mit den einzelnen Departements usw. treten die Unternehmer oder ihre Organisationen auf den Plan. In der Assefat Haniwcharim sind sic auch innerhalb der bürgerlichen Parteien nur wenig spürbar. Hier präponderiert der Typus des Intellektuellen: Advokat, Journalist, Lehrer. Auch aus die« sem Grunde muß in einer primär wirtschaftlich und antipolitisch orientierten Zeit wie der heutigen eine gewisse Blässe die Verhandlungen kennzeichnen. Von den Debatten und Beschlüssen sollen hier nur die wichtigsten Punkte herausgegriffen werden. Auf politischera Gebiet ist wenig Neues zu verzeichnen. Das ausführliche Referat von Arlosoroff über die Tätigkeit der Agency zeigte in Details den Guerillakrieg mit der Administration und die Schwierigkeiten der täglichen Arbeit, zugleich aber die Tendenz, durch eben diese Kleinarbeit langsam eine Besserung der Verhältnisse herbeizuführen. Zur Araberfrage wurde ebenfalls nichts Neues gesagt und die Feststellung, daß ein Plan für praktische Kooperation nötig sei, beleuchtete nur noch stärker den Mangel, daß ein solcher Plan eben bis heute nicht vorhanden ist. Der einzige Beschluß der Assefat Haniwcharim zu diesem Punkt ist eine Wiederholung der vorjährigen Resolution, sich an keiner parlamentarischen Institution zu beteiligen, die ״den Aufbau unseres Landes hindern könnte“. Also ebenfalls ein Verharren auf demselben Punkte. Eine gewisse Verschiebung der Parteienverhältnisse läßt sich in bezug auf die Revisionisten erkennen. Es scheint, daß die extremistische Welle, die noch vor einem Jahre außerordentlich hoch zu gehen drohte, sich bereits überschlägt. Die reine Negation der revisionistischen Strategie, die in letzter Zeit immer deutlicher wurde, ist nicht ohne Folgen geblieben. Wenn weite Kreise sich früher von revisionistischer Taktik Erfolge versprachen, so ist man heute in dieser Hinsicht viel skeptischer geworden. Außerdem hat die hemmungslose Agitation dieser Gruppe, die in letzter Zeit im Lande ungemein abstoßende Formen angenommen hat, so manchen ihrem Lager entfremdet. Der Zwischenfall Bentwich und die dauernden rüden Angriffe auf einzelne mißliebige bzw. des Pazifismus ״verdächtige“ Personen haben ihre Popularität vermindert. Und im allgemeinen wird man des dauernden politischen Geschreis müde. Die geringe Reaktion des Jischuw auf die sogenannten Abbas Hilmi- Vorschläge liefern einen Beweis dafür. Neben Fragen, die einen lokalen Charakter tragen — wie zum Beispiel die Organisierung der Knesseth J Israel und die damit verbundenen Steuerprobleme Usw. — gibt es heute nur e i n zentrales Problem, und das lautet: was kann heute, in der Zeit der non־ lischen und materiellen Not, in einer Z<*it jl-ep Auflösung und Verzweiflung für die Jude«-.;:»14-ftT Ll«d.er•׳, Palästina für da* Oaluth bedeuten? Wie kann geholfen werden? Welche Mög- Hchkeiten bestehen, wenigstens einen Teil der Juden herüberzuretten, ehe es zu spät ist? Trotz den schweren Erfahrungen der letzten Jahre regt sich die Hoffnung in allen Herzen, daß Palästina in dem zerstörenden Sturm zu einer schützenden Insel werden könne. Und diese Hoffnung ist so umfassend, das Verhängnis des Galuth so drohend, daß alle Fragen neben dieser einen als nichtig erscheinen. Man hat sie auch in der Assefat Haniwcharim gestellt. Und man hat sie noch nicht zufriedenstellend beantworten können. Vielleicht gibt es überhaupt heute keine generelle Antwort dafür. Es gibt nur ein Empfinden für die Verbundenheit des Landes und des Galuth, ein Bewußtsein von der Notwendigkeit festeren Zusammenschlusses. Vielleicht noch nie ist das jüdische Palästina so auf die Probe gestellt worden wie heute, wo es ein Halt sein soll nicht nur für sich und den engeren Kreis des zionistischen Galuth, sondern für die Judenheit überall. Vielleicht noch nie hat Palästina eine solche Anziehungskraft auf das Galuth ausgeübt wie heute. Und vielleicht noch nie war die Verantwortung, die auf Palästina lastete, so groß wie in dieser Zeit, die für das Land ein besseres Los bereit hat als für die meisten Linder draußen. * Die Beschlüsse Die palästinensischen Zeitungen veröffentlichen ausführliehe Berichte über die Session der Assefath Niwcharim. Der Verlauf der Verhandlungen war ungefähr folgender: Zunächst wurde der Rechenschaftsberkht des Waad Leumi erstattet, sowie Spezialreferate über die Organisation der Gemeinden (Rabbi .Ostrowsky), über die soziale Fürsorerearbeit (Miß Szold) und über Budget und Besteuerung (Dr. Kaznelson). Es folgte das Referat von Arlosoroff über die politische Lage. Anschließend wurde die G e n e r a I d e b a 11 e über den Rechenschaftsbericht durchgeführt, in der Vertreter aller Parteien das Wort nahmen, sowie die politische Debatte, auf die dann Dr. Arlosoroff das Schlußwort erstattete. Unmittelbar vor Arlosoroffs Schlußwort hielt Ussischkin eine eindrucksvolle Rede. Die politische Debatte nahm fünf Sitzungen in Anspruch. In der sechsten Sitzung folgten zunächst die Abstimmungen über das Budget des Waad Leumi, dann das Referat von Supraski und das Korreferat von Harzfeld über Ein- Wanderung und Ansiedlung. Der Kolonist Schuchowitzky referierte über Arbeitsfragen und das Verhältnis der Kolonisten zu den Arbeitern. An diese Referate schloß sich eine ausführliehe Debatte. Die Schlußsitzung der Assefath Niwcharim fand, wie wir bereits gemeldet haben, in der Nacht vom 3. zum 4. März statt und bestand hauptsächlich aus der Verlesung der vom Permanenzausschuß vorgeschlagenen Resolutionen und deren Annahme. Den Vorsitz führte S p r i n z a k, der auch des verstorbenen Schriftstellers Ben Ami gedachte. Den Bericht des Permanenzausschusses erstattete dessen Vorsitzender Remtt Die linken Poale Zion hatten zu den meisten Anträgen Amendements eingebracht, die jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt wurden. In einzelnen Fällen stimmten auch die Revisionisten für die Abänderungsanträge der linken Poale Zion. Eine größere Bewegung entstand in der Versammlung nur bei der Abstimmung des Antrages über das Verhalten des Jischuw zu den Plänen einer Gesetzgebenden Versammlung. Es hat den Anschein, daß dieser Punkt von den Delegierten als die wichtigste Frage der Tagesordnung empfunden wurde. Dementsprechend wurde gerade diese Resolution, die auch unser palästinensischer Korrespondent ia seinem Bericht als einzige hervorhebt, in den ersten telegraphischen Berichten erwähnt, die wir in unserer Nummer vom 8. März wiedergegeben haben. Der damals von der JTA. übermittelte Text ist nicht völlig zutreffend, wenn auch dem Sinne nach richtig. Der wirkliche Wortlaut des Beschlusses, wie er jetzt in der palästinensischen Presse abgedruckt ist, lautet folgendermaßen: . »,Mit Rücksicht auf dje gespannte politische Lage, in der 1m Verlaufe des letzten Jahres keine Besserungen, sondern Verschlechterungen eingetreten sind, bestätigt die zweite Session der Assefath Niwcharim von neuem den in der vor* hergehenden Session angenommenen Beschluß bezüglich einer Gesetzgebenden Versammlung, welcher besagt: Wir werden uns an keiner parlamentarischen Institution, die geeignet Ist, den Aufbau unseres Landes zu beeinträchtigen, beteiligen und werden sie auch nicht anerkennen. Die Assefath Niwcharim erklärt, daß der jüdische Jischuw über- Haupt nicht an irgendeiner Aenderung der Regierungsform des Landes mitwirken wird, zu welcher nicht die Zustimmung der Assefath Niwcharim erfolgt ist.“ Die Berichte der Zeitungen erwähnen, daß sofort nach Ver* lesung dieses Antrages durch den Vorsitzenden des Permanenz* ausschusses eine kleine Gruppe des Publikums aufstand und die Ha t i k wah zu singen begann, worauf sich der größte Teil der Versammlung dem Gesang anschloß. Eine kleine Gruppe der Arbeiterdelegierten protestierte heftig gegen diese Demonstration eines Teiles der Galerie und blieb zum Zeichen des Protestes sitzen. Darauf ertönten aus dem Publikum Schmährufe gegen die Arbeiterpartei, die von den beleidigten Delegierten erwidert wurden. Die Ordner stellten jedoch die Ruhe bald wieder her, und der Vorsitzende richtete eine dringende Warnung an die Gäste, sich nicht in die Verhandlungen einzumischen, widrigenfalls er die Galerie räumen lassen müßte. Man dürfe die Assefath Niwcharim nicht zu einer Volksversammlung machen und es sei hier auch kein Ort zu Demonstrationen. Ein von Dr. Wa sc hi tz (Revisionist) elngebrachter Zusatzantrag, dar sich auf die Angelegenheit der Wadi Cbawa- , rith-Böden und andere politische Fragen bezog und mit dem Antrag des Abbruches der Zusammenarbeit mit der Regierung schloß, wurde mit 35 gegen 14 Stimmen bei 2 Stimmenthaltun gen von der Tagesordnung ab gesetzt. Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich bei der Einbringung des Antrages über die S a b b a t r u h e. Die Situation wurde sehr erregt, und schließlich forderte der Vorsitzende die Delegierten Ben Gurion (Arbeiterpartei) und Rabbi Ostrowsky (Misraehi) auf, zu einer Besprechung zusammenzutreten und den Versuch einer Einigung zu machen. Nach kurzer Zeit wurde mitgeteilt, daß eine Einigung erfolgt ist, und der nun abgeänderte Text des Antrages wurde einstimmig angenommen. Die meisten Wirtschaftsanträge wurden dem Waad Leumi überwiesen. Nach einer kurzen Pause folgten dann die Wahlen des Waad Leumi, der aus 23 Mitgliedern besteht. Die Beschlüsse der Assefath Niwcharim betreffen fofgende Angelegenheiten: Zur Frage der Einwanderung wird gegen die bestehenden Einwanderungsbeschränkungen protestiert, eine Reform des Einwanderungswesens gefordert, die Freigabe von Einwanderungszertifikaten gemäß dem fühlbaren Arbeitsbedürfnis des Landes und eine Herabsetzung der Kapitalgrenze für bemittelte Einwanderer verlangt. Der zweite Beschluß betrifft den Anteif der Juden a n d e n ö ff entliehen Arbeite n der Regierung* wobei festgestelJt wird,, daß die;i»׳ BrMfhdi»: PMmminisiibfiautiÖr. ז Weizminn gegebenen Zusicherungen bisher nicht crfOßHvwäU«. ■ Der dritte Beschluß gilt der Frage des Landentwfckfungs planes. Hierbei wird erklärt, daß nach den langen Erfahrungen des Jischuw in Palästina gewaltige Möglichkeiten einer weiteren landwirtschaftlichen und industriellen Entwickiung und demgemäß auch einer Vergrößerung der Bevölkerung und der Absorption jüdischer Einwanderermassen gegeben sind. Diese Möglichkeiten werden aber von keinem Landentwicklungsplan erschöpft werden, wenn man die freie Initiative beschneidet und das wichtigste Element der Entwicklung, nämlich׳ die jüdische Einwanderung, ausschaltet. Der Jischuw werde jedem Landentwicktungsplan, der diese Elemente nicht berücksichtigt, der jüdischen Arbeit und dem Bodenkauf Schwierigkeiten bereitet, sowie der Ausbreitung der jüdischen Ansiedlung in der Pflanzungszone Grenzen auferlegen will, schärfsten widerstand leisten. Dagegen wird die Knesseth Jisraef jeden Plan der Regierung begrüßen, der die Entfaltungsmöglichkeiten der jüdischen Siedlung vergrößert und dem Aufschwung der arabischen Landwirtschaft hilft, ohne dabei die jüdische Ein- Wanderung zu behindern. Die Knesseth Jisraei wird jeden Pan, welcher unter der Maske der Landentwicklung und unter dem Vorwand, den arabischen Landarbeiter zu schützen, den jüdisehen Jischuw zum Stillstand bringen will, schärfstens bekämpfen. Der vierte Beschluß ist ein Protest gegen die Gleichgültigkeit der Regierung angesichts der antijüdischen Agitation der moslemischen Konferenz. Den fünften Beschluß, betreffend Gesetzgebenden Rat, haben wir bereits oben erwähnt. Der sechste Beschluß bezieht sich auf die Organisation der Gemeinden und appelliert an alle jüdischen Siedlungspunkte, sich endlich ab Gemeinden zu organisieren. Der siebente Beschluß bezieht sich auf die Organisation der Stadtverwaltung Tel-Awiw, der achte auf die Sabbatruhe, worin den lokalen jüdischen Gemeinden aufgetragen wird, eine zwangsweise Sabbatruhe auf allen Gebieten des Geschäftslebens durch zuführen, sowie die Regierung aufgefordert wird, dieses Gesetz zu bestätigen. Ferner wird die Regierung aufgefordert, die jüdischen Arbeiter und Beamten in den Regierungsbetrieben an den jüdischen Feiertagen vom Dienst zu befreien. Der neunte Beschluß bezieht sich auf die wichtige Frage des Erziehungswesens. Die Assefath Niwcharim beauftragt den Waad Leumi, eine Spezialkommission, die aus allen am Erziehungswesen interessierten Kreisen zusammengesetzt sein, soll, zur Vorbereitung einer Neuordnung des Erziehungswesens vom Beginn des nächsten Schuljahres an einzusetzen. Die Kommission soll dem Waad Leumi spätestens in zwei Monaten berichten. Zum Vorsitzenden der Kommission wird Ussischkin gewählt. Von den weiteren Beschlüssen, die das Jubiläum der Chibbath Zion, die Lage der russischen Zionisten, die Levante-Messe und ähnliches betreffen, seien hier nur noch die Beschlüsse zu Wirtschaftsfragen erwähnt, wonach der bereits früher beschlossene Wirtschaftsbeirat, sowie ein Komitee zur Propaganda von Landesprodukten in Aktion treten sollen. Die Regierung wird aufgefordert, in ihrer Zoll- und Handelspolitik auf die Jnteressen der Industrie Rücksicht zu nehmen. Auf eine Anfrage im Unterhause erwiderte der Unterstaats- Sekretär für das Luftfahrtwesen Sir Philip Sassoon: Die Oesamtstärke der Streitkräfte in Palästina und Transjordanien ist ungefähr 3500 Mann, davon gehören 1940 den britischen Armee-Einheiten, 610 den Luftverteidigungskräften und 950 der Transjordanischen Grenzmacht an. Die Stärke der der Luftstreitmacht unterstellten Panzerauto-Kompagnie ist 210, die der Luft-Einheiten 240 Mann. Die Stärke dieser Streitkräfte wird jährlich überprüft. Berl Locker ta Berlin Kurz nach der Anwesenheit von Emanuel Neumann hatten die deutschen Zionisten Gelegenheit, wieder mit einem Mitglied der Exekutive zusammenzutreffen. Herr Berl Locker, der aus Polen nach London zurüekkehrt, benützte seine Durchreise durch Berlin zu einer Fühlungnahme mit den leitenden Kreisen der Z. V. f. D,, und es wurde am 15. d. M. eine Zusammenkpnft improvisiert, bei der Locker im Kreise der in Berlin anwesenden Mitglieder des Landesvorstandes unter dem Vorsitz von Kurt Blumenfeld einen ausführlichen Bericht über die Lage der Zionistischen Organisation, sowie über die Tätigkeit der Londoner Exekutive erstattete. Herr Locker charakterisierte die politische Lage und die Verhandlungen, die Im Zusammenhang mit dem Landentwicktungsplan, den jüdischen Einwandernngsbedingungen, der Teilnahme an öffentlichen Arbeiten usw. mit der Regierung geführt wurden. Mit allem Nachdruck wiederholte Herr Locker die bereits bei früheren Gelegenheiten vcj Exekutivmitgliedern in London und Jerusalem abgegebene Erklärung, daß die von den Revisionisten seinerzeit der Oeffentlichkeit In entstellter Form übergebenen, von einem indische« Journalisten stammenden Vorschläge für eine jüaisch-arabische Verständigung weder der Exekutive, noch der englischen Regierung offiziell zugegangen sind, von keiner verantwortlichen Stelle stammen und offenbar ein privates Machwerk eines Journalisten darstellen, das keine Beachtung verdiene. Es sei bedauerlich, daß in einem großen Teil der zionistischen Oeffentlichkeit und Presse immer wieder Zweifel darüber ausgedrückt werden, ob diese Erklärungen der Exekutive richtig sind und ob nicht doch etwas hinter der Sache steckt. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen schilderte Herr Locker die überaus großen Schwierigkeiten, die sich für die gesamte Arbeit der Exekutive durch die fortwährenden F i - nanzsorgen ergeben haben und verbreitete sich dann über verschiedene organisatorische Fragen, wobei er u. a. auch auf die Stellung der Revisionisten und deren Beschlüsse von Calais zu sprechen kam. Herr Locker betonte, daß die gesamte Exekutive darin einig ist, daß den Revisionisten sämtliche zionistischen Rechte und, falls sie es beanspruchen, auch die vollen Rechte eines Sonderverbaodes gewährt werden sollen, nicht aber könne ihnen eine Ausna hmestellung eingeräumt werden, bei der sie die volle Unabhängigkeit für selbständige politische Tätigkeit in Anspruch nehmen. Diese Frage werde auf der nächsten A.-C.-Sitzung eine Klärung erfahren müssen. An die mehr als einstündigen Ausführungen Lockers schlossen sich eine Reihe von Anfragen aus dem Kreise der Versammelten, auf die Herr Locker in seinem Schlußwort antwortete. Palästina and ״Imperial Preference" Der Kampf der palästinensischen Produzenten um die Einbeziehung Palästinas in die zoilpofitfsche Vorzugs* Stellung innerhalb des englischen Weltreiches wird unvermindert fortgeführt. Auch die englische Presse beschäftigt sich mit dieser Frage. ״Manchester Guardian“ unterstützt die Forderungen der palästinensischen Orangenpflanzer als berechtigt. Auen ״The Near East and India“ erklärt, daß es ungerecht sei, Palästina von den Vorteilen der Verbindung mit dem britischen Weltreich auszuschließen, da das Land ja mit der Sterlingvaluta verbunden ist. Zwar sei Palästina formell kein Bestandteil des englischen Weltreiches, da aber Großbrltannien für Palästina finanziell verantwortlich ist, so werde ,.Ifj^en ,EplesÄj di«s.lgaeW#U<Mfn«• Ve«sgWec|* «rtmg.fler paJästi1!enswchen Wirtschaftsverhllfnisse zu tragen naben. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß auch Irak dieselbe Forderung gestellt hat. ״The Near East and India“ meint, daß zumindest bis zum Erlöschen des Mandates int nächsten September auch Irak in die Vorzugsbehandlung eingeschlossen werden sollte. Der konservative ״Even in g Standard“ dagegen schreibt, Palästina habe kein Recht, die Vorzugsbehandlung zu fordern, solange das gegenwärtige Mandatssystem besteht. Palästina müßte erst in eine englische Kolonie umgewandelt werden und wenn die Palästinenser das wollen, dann sollen sie es sagen. Auf eine vom Arbeiterparteller David Adams im Unterhause gestellte Frage, ob die Regierung beabsichtige, eine Verordnung zu erlassen, laut der das Mandatsland Palästina in die Reichs-Vorzugsstellung eingeschlossen und Palästina-Waren in England zollfrei sein sollen, erwiderte der Parlamentssekretär für Ueberseehandel, Major D. J. Colville, diese Angelegenheit befinde sich jetzt im Stadium der Erwägung. Die erste Sendung von Palästina-Orangen, die nach Errichtung der Zollmauer in Liverpool eintraf, wurde, wie die früheren, zu einem Preis von 141/9 bis 16 sh. (also einem relativ guten Preis) verkauft. Der zehnprozentige Zoll wird auf den Preis nicht aufgeschlagen, so daß die Verkauf er den Zoll zu tragen haben. Deutschlands Zoll aut Orangen Die Zeitungen berichten über den neuen deutschen Zolltarif, der als Obertarif im Reichsgesetzblatt verkündet und mit sofortiger Wirkung in Kraft gesetzt wurde. Danach werden die Potential-Zollsätze für Südfrüchte auf das Vierfache erhöht. Diese Bestimmung interessiert natürlich Palästina, das nach Deutschland Orangen und Grape Fruit importiert. Der neue Tarif bedeutet jedoch keineswegs eine allgemeine Heraufsetzung der Zollsätze, sondern lediglich die Ermächtigung der Reichsregierung, in einzelnen Fällen bestimmten Ländern gegenüber einen solchen Tarif anzuwenden, bzw. bei den handelspolitischen Verhandlangen in Aussicht zu stellen. Es ist nicht an zun ehmen, daß Deutschland Palästina gegenüber von dieser Möglichkeit Gebrauch machen wird, da Deutschland einer der wichtigsten Importeure von Industrieartikeln nach Palästina ist und kein Interesse daran haben dürfte, die handelspolitischen! Beziehungen mit Palästina zu erschweren. Einstein-Bankett tflr den Keren Kajemeth New York, 10. März. (J. T. A.) Professor Albert Einstein wohnte am 4. März abends, knapp vor Antritt seiner Rückreise nach Deutschland, in Los Angeles einem vom Jüdischen Nationalfonds ihm zu Ehren gegebenen Bankett bei und hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er dafür eintrat, daß die zionistische Politik in einer Weise geführt werde, die dazu beiträgt, daßJudenundAraberinPalistina in Frieden und Freundschaft nebeneinander leben können. Es war die einzige jüdische Veranstaltung, der Prof. Einstein während seines jetzigen Aufenthaltes fn Amerika beiwohnte. Mit dieser Veranstaltung, an der über tausend Personen teilnahmen, wurde die Aktion für den von Ussischkin entworfenen Fünf-Jahresplan zum Ankauf von Palästina-Böden durch den N.-F. eingeleitet. Auf dem Bankett wurde Einstein, der am 14. März seinen 53. Geburtstag feierte, ein Zertifikat über die Pflanzung von 2000 Bäumen im Einstein* Wald in Palästina überreicht.

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