Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1932)
- Date
- 1932-03-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21, 15. Hl. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 103 Nicht Paläsiinafragc, sondern Judenfrage Von Ernst Hoffmann. Von seinen ersten Anfängen an betrachtete der Zionismus den Beistand der Völker als eine unerläßliche Voraussetzung seines Erfolges. Im Palästinamandat haben die Völker ihre Verpflichtung zur Mitarbeit auch anerkannt und ihren guten Willen bekundet. Durch die Uebernahme des Mandats hat England seine schon mit dem Uganda-Angebot und mit der Baifour-Deklaration ausgedrückte Bereitschaft im Dienste der zionistischen Sache wiederholt bestätigt. An dieser Entwicklung von Herzls Auftreten bis zum Inkraftsetzen des Mandats ist eine Art ״Wunder“. An dieses Wunder haben die Zionisten geglaubt, als man sie noch ihrer naiven Hoffnungen halber belächelte; mit ihrer Zuversicht haben sie es bewirkt: als aber das Wunder geschehen war, begännen sie daran zu zweifeln. Es setzte ein allgemeines Rätselraten ein, warum eigentlich England so warm für die Juden eintrete. Was will England in Palästina? Verfolgt es ideale Ziele, sind militärische Gründe für seine Haltung ausschlaggebend oder ist cs der schnöde Mammon? Als dann die Wendung in der englischen Mandatspolitik offenbar wurde, nahm das Rätselraten andere Formen an; die Unklarheit blieb. Diese Aenderung stand aber schon lange bevor und war eine notwendige Folge gerade dieser Unklarheit. Die zionistische Politik ist zwar von der richtigen Voraus- Setzung ausgegangen, daß ein einverständliches Vorgehen mit England nur auf Grund gemeinsamer idealer und realpolitischer Interessen möglich ist, doch spehte man diese Uebereinstimmungen an unrichtiger Stelle. Das ideale Interesse der Engländer sollte durch den Hinweis auf die geistige Bedeutung und auf die zivilisatorischen Leistungen des Aufbauwerkes wachgehalten werden. In dieser Art der Werbung lag aber eine große Gefahr. Es ist nicht unmittelbar einleuchtend, daß Kultur von der Anzahl ihrer Träger — in weitestem Sinne des Wortes — nicht unabhängig sein kann. So falsch auch der Gedanke sein mag, daß die jüdische Siedlung — innerlich gefestigt — schon in ihrer heutigen Größe ein geistiges Zentrum sein könnte, gerade den Nichtjuden, die geneigt sind, die spezifische Geistigkeit der Juden zu überschätzen, wird er naneliegen. Noch verhängnisvoller war der Weg, der realpolitisches Interesse am jüdischen Sicdlungswerke erwecken sollte. Es wurde bis zum ueberdruß betont, welche Vorteile England, die Araber, das Land Palästina von den Juden gezogen haben. Auch in den Berichten an den Völkerbund war den Interessen der Araber und des Landes Palästina breitester Raum gewidmet. In unglücklicher Weise wurde hier die Handhabe geboten, an zionistische Leistungen und Forderungen einen fremden Maßstab anzulegen. Was sollte denn geschehen, wenn einmal englisches und arabisches Interesse mit dem jüdischen nicht übereinstimmt oder wenn die Gemeinsamkeit der Interessen von Engländern und Arabern nicht erkannt wird? Es ist das gute Recht dieser Völker, ihre Interessen trotz jüdischer Belehrung zu verkennen und gegebenenfalls sogar ihrem eigenen Wohle zuwiderzuhandeln. Von ״palästinensischen“ Interessen aber kann erst gesprochen werden, wenn die einstweilen noch fehlende gemeinsame Plattform da sein wird. Will man mit dem Worte Palästina keine animistischen Vorstellungen verbinden, so steckt hinter ihm schließlich nichts als Handelsbilanz und Steuereinnahmen. Wo stets einerseits von arabischen und englischen Interessen, andererseits aber immer wieder von Hebräisch, Kultur und Zivilisation gesprochen wird; dort kann mah es verstehen, wenn Engländer in der qualitativen Hebung und gleichzeitigen quantitativen Beschränkung der jüdischen Siedlung einen für die Juden tragbaren Ausgleich widerstrebender Wünsche erblicken. Wenn MacDonald die jüdische Siedlung lobt und zugleich ihrer Vergrößerung entgegenwirkt, so ist ihm dieser Weg ungewollt von zionistischer Seite gewiesen worden. Der Zionismus hat auf diese Weise sich selbst Boden entzogen, der einmal schon erkämpft war. Das Mandat will dem jüdischen Volke dienen. Der Völkerbund hat England mit der Wahrung jüdischer Interessen betraut, ohne ihm das Recht einzuräumen, seine eigene Sache der jüdischen voranzustellen. Auch hat der Völkerbund die Juden nicht nach Palästina geschickt, um den Arabern zu helfen oder die vorderasiatische Anbaufläche zu vergrößern. Er gab Palästina den Juden zurück, nicht umgekehrt. Es ist ein Unrecht, England heute anzuklagen. Das zionistische Rätselraten mußte England von dem Gedanken, durch dessen Wahrheit und Kraft es seinerzeit für die zionistische Sache gewonnen wurde, ablenken und an seinen ursprünglichen Absichten irre werden lassen. Im Mittelpunkt dieser Absichten stand aber nicht in erster Linie Palästina, sondern das jüdische Volk. Es ist unzweifelhaft, daß in den führenden Staatsmännern Englands und in den englischen Zionsfreunden uneigennützige, edle Beweggründe gewaltet haben und walten werden; Freiheitssinn, Gerechtigkeit, der Wunsch, das Unrecht der Jahrtausende gutzumachen und religiöse Momente waren und sind im Spiel. Nicht minder gewiß ist aber, daß diese Gedanken in den breiten Schichten des englischen Volkes keinen Anklang und daher in einem demokratischen Staate wie England auch keine Möglichkeit zur Verwirklichung gefunden hätten, würden nicht realpolitische Notwendigkeiten den gleichen Weg gewiesen haben. Das Uganda-Angebot ist wohl das beste Hilfsmittel zum Verständnis der englischen Politik. Es erfolgte zweifelsohne unabhängig von palästinensischen Interessen. England hat einfach die weltpolitische Bedeutung der Judenfrage erkannt und zugleich die Notwendigkeit ihrer Lösung. Man muß sich nur jene Zeit vergegenwärtigen, um dies zu verstehen. Nach jedem Pogrom in Rußland schnürten Zehntausende Juden ihr Bündel und wenige Wochen später tauchten in London einige Tausend bettelarme Juden auf und stellten das Land vor das peinliche Dilemma, entweder eine unerwünschte Einwanderung zu dulden oder heimatlosen Flüchtlingen — altem englischen Herkommen entgegen — das Gastrecht zu versagen und damit in die festgefugte Mauer des englischen Liberalismus eine gefährliche Bresche zu schlagen, ohne zugleich mit der Abschiebung dieser Mer sehen das Problem selbst gelo#* zu haben. Die Völker Europas konnten den jüdischen Fremdkörper nicht verdauen. In England begriff man das und darum fand HerzI Anklang. Man hoffte von seinem Projekt Entlastung von der Judenfrage für England und für ganz Europa. Den Schöpfern der Balfour-Deklaration und des Mandats lagen Berichte über Millionen vernichtete jüdische Existenzen im Osten vor; das Gespenst einer neuen Völkerwanderung nach Kriegsende schwebte drohend vor ihren Augen. Die Schwierigkeiten im Zusammenleben der Juden mit anderen Völkern sind seither nur gestiegen. Man spürt auch heute in London, was in Polen und Rußland vorgeht, nur ist man sich dessen weniger bewußt. Die ungeheuren Sorgen der Welt wirken sich abstumpfend aus und die unglückselige zionistische Geneigtheit, die Aufmerksamkeit der Völker von einem nahen Volk auf ein fernes Land zu lenk e n , haben ein Uebriges getan. Um so dringender ist die Besinnung. Der Zionismus vertritt nicht die Sache einer palästinensischen Minderheit und will nicht die Sache einer palästinensischen Mehrheit vertreten. Er vertritt die Sache einer allweltlichen, namentlich aber einer europäischen Minderheit, Palästina ist keine asiatische. sondern eine europäische und amerikanische Angelegenheit. Die Völker können keine unbefangenen Richter sein zwischen Arabern und Juden. Sie sind in diesem Prozeß selber Parteien; auf unserer Seite in ihrem eigenen Interesse. Ermöglichen sie uns eine großzügige Lenkung der Judenwanderung, so erweisen sie sich selber einen Dienst. Diese Einsicht muß von zionistischer Seite ausgehen und verkündet werden. Kart Wein: ״Die Bfirgschatt“ (Städtische Oper). Es steht außer Frage: dieses Werk konnte nur ein Jude geselirieben haben; ein Jude unserer Zeit, für den Kunst nicht etwas Außenstehendes, Aesthetisches ist, sondern der von der schreienden, hcrunterzerrenden, grundspaltenden Krisenzeit bis in seine innersten Musiknerven so erschüttert ist, daß er das alles faktisch zum klingenden Ausdruck werden lassen kann. Es versteht sich von selbst, daß Weil! für das Proletariat und gegen den Krieg ist; daß er das Stück in der pessimistischen Erkenntnis ausklingen läßt, daß das oberste Gesetz die Macht, die Macht aber das Geld sei; es versteht sich von selbst, daß der Hauptkonflikt sich um Geld dreht (gibt es heute noch andere Kunstinhalte?). Weills jüdische Musikalität ist natürlich ebenso schwierig herauszuanalysieren wie die bei den anderen Komponisten jtklisehen Geblüts. Aehnlich wie bei Ottenbach und Mahler, in der chassidischen Musik und in der ostjüdischen Operette ist bei ihm von der selbstpersiflierenden Sentimentalität bis zum Gassenhauer nur ein Schritt; echt-jüdisch, daß der Jazz als Ausdruck für Tragisches verwandt wird, daß die Molltonart — die bevorzugt wird — jedoch gerade Untragisches bedeutet. Wer wird beim Nigun der philosophierenden Wegelagerer nicht an die Reise Benjamins des Dritten erinnert und wer anders als ein Jude bringt den Sprung von dem Tempo-Erfolg der Dreigroschenoper zu einem ganz breit und melancholisch angelegten Cantus fertig, dessen Zentralabsicht das Rezitativ ist, also die Akzentuierung des Wortinhalts und die bewußte Neglegierung von effektvollen Einfällen. Wer anders als ein Jude wagt diese graue Monotonie einem Publikum vorzusetzen, das gerade das Entgegengesetzte erwartet? Kurt Weill ist mit diesem Werk wieder zur Oper zurückgekehrt — freilich zu einer ganz unopemhaften Oper, deren ideologische Grundlage das, was den Menschen unserer Zeit bewegt und was sein Schicksal ausmacht, mit dem gleichen Ernst behandelt, wie es das Theater ohne Musik heute tut. Die Oper wird zum Tribunal, die Musik selber drückt mit ihren ureigensten Mitteln das Drama der heutigen Welt aus. Es ist mehr Musikepos als Musikdrama, der Song aus der ״Dreigroschenoper“ wird zur didaktischen Arie; viel wichtiger ist aber das ״oratorische“ Rezitativ, das geeignet ist, dem Lehrhaften zu besonderem Nachdruck zu verhelfen. Der Chor spielt etwa die Rolle wie im antiken Schicksalsdrang, jedoch sind seine Funktionen erweitert: er stellt die ״Masse“ dar und vermittelt zwischen Publikum und Werk. Die Struktur des Chorsatzes klingt manchmal an Mussorgsky an, jedoch spielen der Sopran und die Bässe in der Instrumentalbegleitung eine besonders expressive Rolle. (Schreie der Frauen und stampfende Truppen.) Auch in den Chören herrscht das rezitativische Parlando vor, während das Orchester seine rhythmische Aufgabe noch stark jazzmäßig bewältigt, jedoch ist der Jazz hier ins Ernsthafte, Drohende, Tragische transformiert, ebenst» wie der Bäqkelgesane, Die musikalische. Qesetzmäßigkeif, die sich In obstinaten rhythmischen Motiven äußert, symboiisiert die Gesetzmäßigkeit des Schicksals. Der Inhalt greift intensiv in Gegenwartsprobleme hinein, die Tendenz ist sozialistisch-pazifistisch: angeregt durch eine Parabel von Herder wird die Geschichte des Johann Mathes vorgeführt, der Haus und Geld verspielt hat. Sein Freund bürgt für ihn und wartet auf die Rückgabe des Geldes. Wegelagerer hatten aber erfahren, daß Mathes einen Acker für das Geld kaufen wollte und versuchen eine Erpressung. Der ״Gesang der Erpresser“ ist musikalisch hervorragend eindrucksvoll. Ebenso die orchestrale Untermalung der Verzweiflung: in einem wunderbaren, ganz neuartigen Chorparlando, begleitet von bebenden Orchesterrhythmen, wird die ganze Hilflosigkeit des Opfers Klang. — Mathes will zu seinem Freund, um ihm das Geld zurückzubringen, die Wegelagerer sind aber fast ebenso schnell dort. Der Freund bringt den Freund zum Richter. Der aber — ein Symbol der großen Mächte — stiftet nicht Frieden, sondern Krieg mit Hunger und Not. Bedeutungsvoll als Musik sind hier: der ״Truppeneinzugsmarsch der großen Mächte“ und das Klagelied der Mutter um Ihre verlorene Tochter. — Mathes und Orth betätigen sich kriegsgewinnlerisch. Die Atmosphäre wird durch einen barbarischen Marsch verdeutlicht, der die Illusion von Maschinengewehrgeknatter erweckt und die vor Hunger gähnenden Mägen des Volkes hört man förmlich in dem ״Hungerchor“. Vor der Wut der Masse flieht Mathes zu David Orth, der ihn aber an das Volk verrät, das ihn zertritt. Der musikalisch-deklamatorische Darstellungsteil der Aufführung entsprach dem Inhalt und Charakter des Werkes: das Sprachliche steht im Vordergrund, die Musik soll nur verstärken und nie Selbstzweck sein. — Der Text von CasperNeher ist nicht im konventionellen Sinne ״Dichtung“, sondern sehr im mythischen Sinne ״Sage“. Die musikalische Leitung lag in den Händen des für Derartiges prädestinierten Dr. Fritz Stiedry, die Inszenierung besorgte der Intendant Carl Ebert. Die Hauptdarsteller waren: Hans Reimar und Wilhelm Rode. Die Chorleitung hatte Hermann Lüddeke. A. J.-L. Frauen-Arbeltsgemeinschaft für Palästina. Der alljährliehe Werbetee der Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina (Berliner Gruppe der Wizo), der am 8. März einen großen Kreis von Frauen in den Räumen des Brüdervereinshauses zusammenführte, ist schon Tradition geworden. Große politische Werbeversammlungen gehören nicht in das Aufgabengebiet der Wizo. Neben der kleinen persönlichen Werbearbdt des Einzelnen aber Ist diese Veranstaltung in hohem Maße geeignet, einem größeren Kreise Kenntnis ihrer Arbeit und ihrer Ziele zu vermitteln, um neue Menschen zu gewinnen. Nach Begrüßung durch die Vorsitzende, Frau Jenny Blumenfeld, sprach Herr Dr. Werner Bloch über ״Jüdische Würde in antisemitischer Gefahr“ — ein brennend aktuelles Problem, das der Redner durch klare und sachliche Betrachtung der Qegenwartssituation zu eindringlicher Darstellung brachte. Die speziellen Aufgaben der Frau in dieser Situation sah Frau Jettka Levy-Stein in der Erfüllung der Pflichten dem Aufbau Palästinas gegenüber, der für unser Leben hier Mittelpunkt und Zukunftshoffnung sei. Die Wizo als Organisation aller am Palästina-Aufbau interessierten Frauen sei der gegebene Rahmen für diese Arbeit. Den stärksten Eindruck hinterließ die Vorführung der Truppe Barak ״Die einzige Lösung“. In einfachen, starken Worten, in Sprechchor und Gesang zeigten hier junge Juden Judennot und Judenschicksal. Und als einzige — wirklich •einzige Lösung — die Arbeit am Aufbau des Landes Erez Israel. Es war eine gute eindrucksvolle Veranstaltung, die ein gutes Omen für die Weiterarbeit sein mag. Eine große Anzahl Frauen schrieben sich als Mitglieder eia. 4« L> St . Ortsgruppen (Teilweise wegen Raummangels verspätet.) Bamberg. Am 1. Februar hatten wir die große Freude, einen Palästinenser hier begrüßen zu können. Herr Fritz L 1 c n - tenstein - Meschek Jadschur gab uns in internem Kreise einen äußerst interessanten Bericht über den Aufbau einer Kwuzah und ihr Leben. —■ Am 24. Februar trat der seit einiger Zeit hier bestehende ״J u n g 7 i o n i s t i s c h e K r e 1 s zum ersten Male mit einem Ausspracheabend an die OeftentlichkeH. Die Versammlung, zu der auch nichtzionistische Jugend erschienen war, wurde von Herrn Egon Krieger geeitet. Als Redner hatte sich der Vorsitzende der Z.U. U., Herr R.-A. Dr. S. Weichselbaum, zur Verfügung gestellt. Das Thema lautete: ״Wesen und Geschichte des Nationaljudentums“. Der Referent behandelte zunächst die Wirkungen der Emanzipation auf die Juden und gab dann einen Ueberbhck über die Entstehung und Entwicklung des modernen Zionismus. An den Vortrag schloß sich eine Diskussion an. Beuthen, O.-S. Am 13. Februar hielt Herr Rabbiner Dr. Victor in der Zionistischen Ortsgruppe einen Vortrag über: ״Rcligions- oder Volksgemeinde?“ Der Vortragende hatte ein reiches wissenschaftliches Material vor uns. ausgebreitet unu Grundlegendes in bezug auf die Ideologie dieses interessanten Problems gefunden und zum Vortrag gebracht. Das Referat gan zu einer fruchtbaren Diskussion Anlaß. Das zahlreich _ erschienene Publikum wird den Vortragsabend als einen gewinn- Chemnitz. Am 7. Januar sprach Enzio Sereni über ״Jüdiselie Jugend, jüdische Zukunft“. Der sehr lebendig gestaltete Vortrag beleuchtete allseitig die ganze Problematik der judischen Jugend und zeigte, daß eine wirkliche Losung nur durch eine Konzentration in Palästina gefunden werden kann. ־ Chamischah Assar b’Schwat wurde durch eine Feier begangen, die von hebräischen Gesängen der nationaljüdischen Jugendverbände umrahmt war. Herr Alter Indmann hielt eine hebräische Ansprache über die Bedeutung des Festes. Herr Dr. Holzer führte einen Filmstreifen 25״ Jahre Keren Kajemeth vor. — Am darauffolgenden Sonntagnachmittag hatte der Verband judischer Frauen für Palästina-Arbeit die Kinder zu einem Palästina-Nachniittag als Feier des Festes eingeladen. Durch Spiele, Lieder, Erzählungen und Erfrischungen (bestehend aus palästinensischen Früchten) versuchte man, den Kindern einen Begriff des Festes zu geben. — Am 28. Januar sprach Schriftsteiler Hans Rosenkranz (Berlin) über: ״Jüdische Hoffnung der Gegenwart“. Der Redner zeigte in sehr gewählter Sprache, von der jüdischen Geschichte ausgehend, wie unsicher die Lage der Juden in allen Ländern auch noch heute ist. Nur das in Palästina an jüdischen Werten Geschaffene sei unwiderruflich. — Am 6. Februar sprach Dr. Emil Margulles (Leitmeritz) über: ״Jüdische Politik im Galuth“. Die Balfour-De• klaration habe nicht nur dem jüdischen Volke das Anrecht auf ein Jüdischnationales Heim gegeben, sondern auch den Arabern das Recht auf nationale Unverletzlichkeit und den Juden in allen Ländern das Recht der nationalen Minderheit. An Hand der Politik der jüdischen Partei in der Tschecho- Slowakei konnte er zeigen, wie man ehrlich und klar in der Politik für jüdische Interessen nur unter jüdischer Flagge eintreten kann. — ״Jüdische Wirtschaftspolitik im Galuth“ war das Thema des am 13. Februar stattgefundenen Vortrages von Dr. Heinrich Fleiß. Der Redner gab zunächst eine Schilderung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage der Juden und zeigte dann an Hand der Leitsätze des jüdischen Wirtschaftsdezernats in Berlin, welche Mittel .uns zur .Verfügung stehen, diese wirtschaftliche Lage zu beeinflussen. —- Am 18. Februar erschien unter der Redaktion von Dr. Alfred Fleiß die zweite Nummer der gesprochenen Zeitung. Sie umfaßte folgende Artikel: ״Zwei Welten“ von Dr. A. Fleiß; ״Die jüdische Seele“ von Dr. Malbin; ״Verschiedene Purim“ von Dr. Friedmann; ״Lokales“ von Rudolf Weißkopf; ״Die Aufgabe des Tages“ von Dr. Holzer. Im literarischen Teil sprach Herr Birnbaum eine Szene aus dem Stück ״In alle Winde zerstreut“ von Scholem Alechem. Inserate, Ankündigungen, politische Nachrichten, ein offener Brief, Briefkastenanfragen vervollständigten die auch diesmal wieder reichhaltige Ausgabe der gesprochenen Zeitung. Düsseldorf. Am 3. Februar sprach in einer Mitgliederver- Sammlung der Ortsgruppe Dr. Erwin Mansbach, Essen, über ״Nationalismus und Imperialismus im vorderen Orient“. Er legte historisch dar, welche nationale Entwicklung die Völker des Orients in den Nachkriegsjahren durchgemacht haben. Hieran ankniipfend zeigte er, wie wichtig für uns die Kenntnis dieser Dinge und wie verfehlt es ist, über diese Tatsachen beim Aufbau Palästinas hinwegzusehen. Frankfurt a. M. Am 20. Februar hielt Dr. Eugen Mayer einen Vortrag über ״Die Gemeinde als Abbild der Gemeinschaft“. Dr. Mayer analysierte ihre Veränderungen, wies die Schwerpunktverlagerung in den Gemeindeaufgaben vom Religiösen zum Sozialen hin auf, vermied aber, in eine Diskussion der .von ihm nicht anerkannten Alternative Religions- oder Volksgemeinde einzutreten. — In einer öffentlichen Versammlung des Misrachi am 21. Februar behandelte Rabbiner Dr. Hoffmann das Problem ״Unsere Jugend in unserer Zeit“. Die Stellung der jüdischen Jugend zur roten Assimilation wurde vom orthodoxen Standpunkt aus beurteilt und als Ausweg aus der Zeit die soziale Gesetzgebung der Thora betont. Die eigentliche Ueberbrückung der gesellschaftlichen _ Kluft könne nur in Erez Israel, im Bezirk einer autonomen jüdischen Kultur erfolgen. — Am gleichen Abend sprach Dr. Oskar Wolfsberg (Berlin). Die ״Krisis des Judentums“ erfuhr eine geistvolle Darstellung. Der Redner faßte die heutige Situation als eine konstruktive auf, die jedem Juden das Gebot auferlege, an einer besseren Zukunft mitzuarbeiten. — Dr. Josef Cohn (Berlin) brachte am 23. Februar eine geschlossene Schilderung der ״Aera Weizmann“. Die Palästinapolitik Englands und der übrigen Großmächte wurde in ihren Details zu erklären versucht. Gleichzeitig verdeutlichte so der Redner fachmännisch einen bedeutsamen Abschnitt zionistischer Geschichte. — Ein Bild der kulturellen Entwicklung Erez Israels entrollte am 28. Februar Prof. Dr. Adolf F r a e n k e 1 (Kiel), der gemeinsam von der Zionistischen Vereinigung und der Misrachi-Ortsgruppe zu einem Vortrag über das Thema ״Zwei Jahre in Palästina“ eingeladen worden war. In recht interessanter Weise schilderte der Redner seine Erfahrungen, die er als Lehrer an der Jerusalemer Universität gewann. Das aufschlußreiche Referat wurde durch eine rege Diskussion noch vertieft. Ph. R. Glogau. Am 1. März hielt Herr R.-A. Dr. Lux aus Breslau auf Einladung■ des hiesigen Literaturvereins und der Salomon- Munk Loge einen Vortrag über das Thema ״Die wirtschaftliche und politische Lage der deutschen Juden“. Der deutsche Jude als Angehöriger des Mittelstandes werde mit diesem zerrieben und habe beim Aufbau einer Existenz nachher weit größere Schwierigkeiten zu überwinden als die Nichtiuden. Da Lux machte dann im einzelnen Vorschläge zur Abhilfe der Judennotj mit dem besonderen Hinweis auf die Bedeutung eines jüdischen Zentrums in Palästina. Seine Ausführungen fanden ungeteilte Aufmerksamkeit und reichen Beifall. Herr R.-A. Dr. Go Idstein als Leiter des Vortragsabends sprach dem Redner den besonderen Dank der Zuhörer aus. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion, die die Erschienenen noch lange zusammenhielt.