Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1932)
- Date
- 1932-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10? JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 21, 15. IR. 1932 Eine Sensationsmeldung Und eine Lektion für deutsch-iadiiche Politiker Das ״Berliner Tageblatt“ bringt am 11. März unter der Ueberschrift ״Eine Sensationsmeldung“ folgende Notiz: ״Naeh^einer Meldung der Hugenbergschen Telegraphen-Union *״* ^•w York verbreitet dort ein Blatt die Nachricht, zahlreiche deutsche Juden hätten sich an die amerikanische Regierung gewandt mit der Bitte, sie gegen die Gefahren zu schützen, die ihnen nach ihrer Ansicht von Hitler drohten. Dr. Adler, der Präsident des amerikanischen Juden-Ausschusses, habe sich deshalb bereits mit Borah und andgrsn Mitgliedern des Kongresses in Verbindung gesetzt. W10 wir von unterrichteter Seite 116r0n, ist di® erwähnte Meldüng lediglich zurückzuführen auf die unverantwortliche Berichterslalfung eines vorübergehend in Berlin weilenden Journalisten. Dio deutschen Juden haben ihr Verhältnis zu ihrem Vaterlande stets als eine f rage betrachtet, die innerhalb Deutschlands selbst auigetragcn werden muß, und haben joden Einmischungaversueh von ausländischer Seite abgelehnt. Auch die erwähnte Sensation«- nachrieht ist bereit» gestern vom Zentralverein deutscher StaatsbOrger jüdischen Glaubens telcgrr.phiach als das bezeichnet worden, was sie ist, nämlich als eine unverantwortliche Tartarenmeldung. Dia New Vorher Stelle, die zuerst auf diese Falschmeldung herein gef allen war, hat, geitcrn bereits das Dementi des Zentral- Vereins verbreitet." Es entspricht den Tatsachen, daß eine solche Nachricht von einem Journalisten aus Berlin nach Amerika telegraphiert wurde. Wir selbst erhielten hiervon Kenntnis durch eine Rückfrage von amerikanisch-zionistischer Seite, da bezeichnenderweise gerade in zionistischen Journalistenkreisen Amerikas das Telegramm mit dem gebührenden Mißtrauen aufgenommen wurde. Wir konnten auf die Anfrage nur erwidern, daß wir nicht wissen, aus welchen Kreisen der betreffende Herr, der mit Zionisten nicht in Berührung kam, sich seine Informationen geholt hat. Wir glauben, daß ein dringendes Interesse daran besteht, dieser Sache weiter nachzugehen, um festzustellen, ob der betreffende Journalist ein Schwindler ist oder aber wer die sögenannten deutsch -jüdischen Führer sind, mit denen er gesprochen hat. Es scheint, daß es sich um Leute handelt, die in politischen Dingen sehr wenig Finger- Spitzengefühl und Geschicklichkeit besitzen und die *jedenfalls nicht wissen, wie man mit Journalisten umzugehen hat. Ist es doch leider eine allgemeine Erscheinung des heutigen politisehen Lebens, daß Journalisten bei ihrer Suche nach Sensationsmeldungen alle anderen Rücksichten vergessen. Wahrscheinlich haben die naiven Herren, als sie mit diesem Journalisten sprachen, nicht überblickt, welche Auswirkungen ihr Verhalten haben kann. Bismarck war einmal, als er einem Journalisten eine ״streng vertrauliche“ Mitteilung gemacht hatte, entrüstet, als dieser Journalist sie nicht publizierte. Journalisten betrachten in der Rege! ״vertrauliche“ Mitteilungen als Material für Ihre Tätigkeit, und es ist daher besonders bedenklich, die Formulierung ihrer Berichte nicht zu kontrollieren. Man kann nur annehmen, daß die betreffenden jüdischen Gewährsmänner vorwiegend innerpolitisch interessiert sind und in der Außenpolitik keine Versiertheit besitzen. Wir sind überzeugt, daß die Darstellung des Korrespondenten falsch ist. Natürlich kann es jedem passieren, daß gesprächsweise gemachte Bemerkungen verdreht oder mißbraucht werden; wir Zionisten, die in außenpolitischen Dingen eine dreißigjährige Erfahrung haben, sind in dieser Beziehung etwas vorsichtiger, und es mag kein Zufall sein, daß Sensationsjäger sich mit ihren Wünschen nicht an uns wenden. Jedenfalls glauben wir, daß weder durch das Telegramm des betriebsamen Journalisten, noch durch das Dementi des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdisehen Glaubens der jüdischen Sache genützt oder das jüdische Ansehen sehr gefördert worden ist. Die Mordlälie in Palästina London, 10. März. (J.T.A.) Im Unterhause richtete Colonel Wedgwood an den Staatssekretär für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister, die Frage, ob er dem Hause Informationen geben könne über die Ermordung von jüdischen Siedlern im Tale Esdraelon und die zur Erhöhung der Sicherheit in Palästina ergriffenen Maßnahmen. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: Ich habe vor kurzem in Zeitungen einen Bericht über die Ermordung eines jüdischen Siedlers und die Verwundung seiner Frau durch unerkannt gebliebene Personen in einer jüdischen Kolonie gelesen. Aus einem anderen Bericht erfuhr ich, daß die Polizei zehn Minuten, nachdem das Verbrechen geschehen war, an Ort und Stelle eintraf und daß die lokalen Detachements verstärkt worden sind. Ich bin überzeugt, daß die Regierung Palästinas auch weiterhin alles Mögliche tun wird, um weiteren Morden vorzubeugen und die Verbrecher dem Gericht zu überantworten. Schalom Asch int Londoner Pen-Klub. Der Londoner Pen-Klub veranstaltete zu Ehren von Schalom Asch einen Empfang. Schalom Asch sprach vor den englischen Schrift- Stellern über die besondere Form der durch Moral und Ethos geheiligten jüdischen Tradition, über das Spezifikum des jüdischen Lebens in den jüdischen Zentren Osteuropas, von dem schöpferische Männer wie J. L. Peretz, Schalom Aleichem, Bialik u. a. m. ihren Stempel erhalten haben. Der bekannte jüdisch-englische Schriftsteller Louis Goldin g, Autor des Romans ״Magnolia Street“, der die jetzige Buehsensation in England ist, führte den Vorsitz. Er erzählte, daß er selbst Kind von in England eingewanderten russischen Juden sei. Von seinen Eltern habe er noch das Jiddische gelernt, mit welchem er Schalom Asch begrüßen könne. Er befürchte aber, daß sein Jiddisch stark an das Hochdeutsche anklingt, das er vor einigen Jahren in Deutschland, wo er ״Magnolia Street“ schrieb, erlernt hatte. Dieses Hochdeutsch aber hielten die Hitlerleute offenbar für jiddisch, denn einmal, als er sich dessen in einem öffentlichen Lokal bediente, habe ihm ein Hitlcrmann ein Bierglas an den Kopf geworfen. Schaukat Alis Bekenntnis. Der Führer der indischen Moslems, Schaukat Ali, sprach sich in einem Interview mit dem J. T. A.-Vertreter in Bombay über seine Differenzen mit dem Jerusalemer Mufti aus. Der Mufti, sagte Schaukat Ali, wünscht zu viel Macht und will die pan-islamische Bewegung zu einer Familien-Affäre machen. Im Oktober d. J., Fuhr Schaukat Ali fort, gehe ich nach Amerika und werde dort mit jüdischen Führern Zusammentreffen, im Juni werde ich wieder in Palästina sein. Ich bin ein Freund der Juden. Ich möchte aber, daß die jüdische Welt erfährt, daß es außer dem offiziellen Zionismus auch Zionisten gibt, die nicht nur ein jüdisches Heim schaffen wollen, sondern auch davon träumen, in Palästina einen jüdischen Staat zu errichten. Darum ist die englische öffentliche Meinung gegen die zionistische Bewegung erbittert, sie sieht sie als eine Gefahr für das Empire an. Wir Moslems werden bis zuin bitteren Ende kämpfen und nicht zulassen, daß irgendwer an einem solchen Plan weiterarbeitet. Eines Tages wird eine Erhebung stattfinden, die weder für die Juden noch für die Moslems gut sein wird. Zionismus und Kommunismus Von Dr. Ludwig Klein, Erfurt. Die Erörterung unserer Stellung zum Kommunismus hat eine unerfreuliche Wendung genommen. Die Erörterung nahm ihren Ausgang von der Tatsache, daß unter dem unerhörten Druck der Wirtschaftslage wertvolle Teile der jüdischen Jugend zum Kommunismus übergingen und damit eine ableimende Stellungnahme zum Zionismus verbanden. Es war also Aufgabe dieser Erörterung, so klar wie möglich zu zeigen, daß ein Gegensatz zwischen Zionismus und Kommunismus keineswegs im Wesen der beiden Bewegungen begründet sei, daß die Entscheidüng für Sozialismus oder Kommunismus die Entscheidung für oder gegen die Assimilation durchaus nicht vorwegnehme. Manche Aeußerungen von zionistischer Seite zeigen aber eine andere Tendenz (s. z. B. die letzten Veröffentlichungen von Dr. Krojanker). Wir hören staunend von einem unversöhnliehen Gegensatz zwischen Zionismus und Kommunismus, die einen finden den Gegensatz im Widerspruch zwischen kommunisfischer Praxis und Zionismus, die anderen halten gerade umgekehrt Zionismus und Marxismus, diesen als Bestandteil des kommunistischen Denkens gesehen, für ewig unvereinbar. Es mag verständlich sein, daß derartige Anschauungen bei den Zionisten auftauchen. Tatsächlich verfolgt ja die Sowjetmacht die Zionisten in ihrem Machtbereich, es kommt hinzu, daß der kommunistische Schriftsteller Otto Heller einen Angriff von beispielloser Heftigkeit gegen den Zionismus gerichtet hat, schließlich dürfte auch der Einfluß einiger russischer Emigranten bei dieser Wendung des Zionismus gegen den Kommunismus nicht ohne Bedeutung sein. Ich halte es für nötig, unsere Bewegung vor einer Wendüng gegen den Kommunismus mit aller erdenklichen Eindringlichkeit zu warnen. Genügen uns denn die politischen Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben, wirklich nicht? Es scheint, daß man nichts aus der Entwicklung der Araberfrage gelernt hat. Müssen wir uns wirklich in einen tieferen Gegensatz zur Sowjetmacht hineinmanövrieren? Ist es nicht vielmehr eine wichtige Aufgabe, alles zu versuchen, um den Gegensatz, der zwischen der Sowjetmacht und dem Zionismus gegenwärtig leider besteht, abzuschwächen, eine Verständigungspolitik gegenüber dem Kommunismus zu betreiben? Noch ist es Zeit, unsere Bewegung von einem Weg zurückzurufen, der uns in eine Kampfstellung zu einer großen Macht und zu unübersehbaren Massen führen würde. Bei aller Vorsicht in der Beurteilung russischer Zustände wird man doch sagen dürfen, daß die allgemeine Nationalitätenpolitik der Sowjetmacht im Gegensatz zur Politik vieler kapitalistischer Staaten der Existenz kleinerer Nationen keine Schwierigkeiten bereitet. Was kümmert es uns, daß in der kommunistischen Literatur gelegentlich die Anschauung vertreten wird, daß am Ende einer längeren sozia• listischen Entwicklung die Vernichtung der Nationen stehe! Lenin selbst hat auch ganz andere Anschauungen geäußert. Wesentlich ist doch vor allem, daß die allgemeine National!- tätenpolitik der Sowjetmacht in der Gegenwart nicht in einem grundsätzlichen Gegensatz zu zionistischen Anschauungen steht, so daß die Möglichkeit einer Annäherung der Auffassungen gegeben erscheint. Selbst Heller äußert sich doch gelegentlich durchaus zustimmend über den Inhalt der zionistischen Arbeit (״Der Untergang des Judentums“, S. 157 unten). Sehen wir aber von der Nationalitätenpolitik ab, so geht uns die übrige Politik der Sowjetmacht gar nichts an. Es ist doch wahrhaftig nicht die Aufgabe des Zionismus, zwischen britischem und russischem Imperialismus zu entscheiden. Was aber den Marxismus in der kommunistischen Weltanschauung angeht, so ist der Marxismus doch keineswegs ein Monopol der Kommunisten. Nicht nur der überwiegende Teil der Sozialisten, auch weite bürgerliche Kreise bejahen die materialistische Geschichtsauffassung, das Kernstück des Marxismus. Es ist heute nicht mehr zulässig, grobe Vereinfachungen der Lehre von Karl Marx als Marxismus zu bezeichnen und dann den Kommunismus als angeblich alieinigen Vertreter eines solchen ״Marxismus“ zu bekämpfen. Auf ein solches Niveau darf sich die zionistische Diskussion nicht begeben. Wer einen Gegensatz zwischen Marxismus und Zionismus behauptet, soll dies durch eine eingehende Analyse des Ideengehalts dieser beiden Geistesrichtungen beweisen, Es besteht die außerordentliche Gefahr, daß wir die Brücken zwischen dem Zionismus und der sozialistisch denkenden Jugend, gewiß einem wertvollen Teil der Jugend, zerstören. Es besteht keine Aussicht, in irgend erheblichem Ausmaß jüdische Jugend, die unter der Wirtschaftsnot leidet, durch machtpolitische Gedanken oder durch einen nationalen Mythos zu gewinnen. Es mag bei anderen Nationen, für die Machtpolitik auch noch eher einen Sinn hat als für die jüdische Nation, für kürzere oder längere Zeit gelingen, die Jugend auf solche Weise von den richtigen Folgerungen aus ihrer wirtschaftlichen Lage abzubringen, sie zu verwirren. Wenn die zionistische Bewegung der wirtschaftlich bedrängten Jugend keine anderen Inhalte aufzeigen kann als die ungewisse Hoffnung auf staatliche Macht und einen nationalen Mythos, so wird es um den Zionismus in der nächsten Generation schlecht bestellt sein. Es ist keineswegs leicht zu nehmen, daß der Zionismus möglicherweise — vom Proletariat aus gesehen — ״jenseits der Barrikaden“ stehen wird. Kommt es zu Barrikaden, das heißt mit einfachen Worten zu einem Entscheidungskampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat in weicher Form immer, so dürfte alles davon abhängen, daß uns der Kampf auf der richtigen Seite der Barrikaden findet. Unser Platz ist in dieser Auseinandersetzung auf der Seite des Proletariats. Dorthin gehören wir, weil breite Massen des jüdischen Volks dem Proletariat angehören, aber auch deswegen, well der jüdische Geist vor Jahrtausenden wie auch im letzten Jahrhundert den Unterdrückten und Entrechteten geistige Waffen in ihrem Kampf gegen die Gewalt geliefert hat. * Zu demselben Gegenstand erhalten wir folgende Zuschrift: Berlin W15, den 24. Februar 1932־. Sehr verehrte Redaktion! In ihrer Nummer 15 bringt die ״J. R.“ eine Zuschrift von Herrn L. Konblüth über ״Zionismus und Jewsekzianismus“, nachdem sich km vorher (in Nr. 7) Her? Dr, Fritz Löwenstein in einem langen Aufsatz mit dem Problem Zionismus — Kommunismus auseinandergesetzt hat. Gestatten Sie mir einige prinzipielle Bemerkungen dazu. Wenn von den genannten Herren betont wird, daß es eigentlich zwischen Zionismus und Kommunismus keine unvereinbaren Gegensätze gebe, so wäre das richtig, falls der heutige Kommunismus nur eine wirtschaftliche Lehre und Bewegung wäre. Dann würden Zionismus und Kommunismus auf verschiedenen Ebenen liegen und einander weder freundlieh noch feindlich berühren. Tatsächlich tritt uns aber der Kommunismus in einer ganz bestimmten historischen Ausprägung gegenüber, nämlich als Marxismus, dessen unlösbarer Bestandteil die materialistische Ge- Schichtsauffassung ist. Ein nicht-marxistischer Kommunismus existiert praktisch kaum. I n seiner marxistisehen Gestalt ist aber der Kommunismus notwendigerweise sozusagen a״priori, antizionis tisch, und nicht erst durch die Jewsekzia oder wegen unserer politischen Verbindung mit England. Unter diesen Umständen ist es vollkommen klar, daß wir den Kampf mit dem Kommunismus verlieren werden, wenn wir die bisherige Taktik beibchalten, auf die heftigen Angriffe der Kommunisten, die uns als reaktionäre Bewegung, als Knechte des Imperialismus usw. hinstellen, nur zu entgegnen, daß eigentlich gar keine unüberbrückbaren Gegensätze beständen und nur Zufälle und Mißverständnisse schuld seien. Vielmehr müssen wir endlich den Mut haben, das Wesen des Zionismus klar herauszustellen und den Kommunismus etwa nacli folgenden Richtlinien anzugreifen: 1. Zwischen einem weltanschaulich nicht festgelegten Kommunismus und uns bestände natürlich kein Gegensatz. Mit dem marxistischen Kommunismus aber verträgt sich der Zionismus wie Feuer und Wasser, da jener die materialistische Geschichtsauffassung zur Grundlage hat und seinem Wesen nach antireligiös und traditionsfeindlich ist. 2. Der Zionismus ist die lebendige Widerlegung der materialistischen Gesciiichtsauffassung, nach der bekanntlich ״die Idee sich immer blamierte, soweit sie vom Interesse unterschieden war“ (Marx). Der Zionismus ist das großartigste Beispiel für die Macht einer wesentlich religiös gefärbten nationalen Idee. 3. Der getaufte Jude Karl Marx war, wie sich heute mit Leichtigkeit einwandfrei nachweisen läßt, ein haßerfüllter Antisemit. Es ist sein Geist, der heute die Jewsekzia beseelt, und der bis zum Aeußersten bekämpft werden muß, wenn der Zionismus eine Zukunft haben soll. 4. Die gewaltige Stärke des russischen Antisemitismus, die nach den Berichten objektiver Nichtjuden augenblicklich noch sehr im Wachsen ist, liefert den Beweis, wie wenig der Bolschewismus bisher die Judenfrage hat lösen können. Auch gegenüber der ins Auge gefaßten ״Lösung“ in Biro*Bidjan sind — ganz abgesehen von der Bekämpfung der jüdischen Religion in Rußland! — stärkste Bedenken, vor allem aus geopolitischen Gründen, am Platze, rechnen doch die meisten Kenner Ostasiens mit einem immer stärkeren Vorrücken chinesischer Siedler in Sibirien! Nur mit Hilfe solcher Argumente können wir m. E. im Kampf mit dem Kommunismus Erfolg haben. Wenn Dr. Fritz Löwenstein schreibt: ״Wer grundsätzlicher Gegner des Kommunismus ist, mag sich mit dem Kommunismus auseinandersetzen, aber er mische diese soziale Auseinandersetzung nicht in das Problem ״Zionismus — Kommunismus“. Denn so wenig der Zionismus als Ganzes einer politischen Machtgruppe verschrieben ist, so wenig ist er einer bestimmten Klassen auf־ fassnng (sic!) verhaftet“, — so Ist unser Standpunkt genau entgegengesetzt: Ein Zionist, der selbst Mehr oder weniger in den Gedankengängen der materialistischen Geschichtsauffassung befangen ist, wird bei der Auseinandersetzung mit dem notwendigerweise antizionistischen Bolschewismus den Kürzeren ziehen. Nur wer die materialistische Geschichtsauffassung selbst angreift, kann hoffen, die Sache des Zionismus siegreich zu vertreten. Mit Zionsgruß Ihr ergebener A. Prinz. %• Wir bringen vorstehende Zuschrift zum Abdruck, so wie wir auch — in den von Dr. Prinz angefochtenen Beiträgen — dem entgegengesetzten Standpunkt Raum gaben. Im übrigen sind wir der Ansicht, daß die umstrittene Frage, über die im zionistischen Lager so stark divergierende Ansichten bestehen, nicht nur eine Frage der Taktik und der Diskussion, sondern vor allem auch des Lebens ist, und als solche vielleicht nicht alle Widersprüche restlos auflösen läßt. Jedenfalls wird noch eine weitere Klärung erforderlich sein. Red. Neuerliche Boden-Streitigkeiten Jerusalem, 11. März. (J. T. A.) Auf dem der ״Meschek“ gehörenden Kuskus-Tabun-Boden im Emek Jesreel kam es am 3. März zu einem Zusammenstoß zwischen arabischen und jüdischen Pflügern, in dessen Verlauf drei Juden verletzt und zwölf Araber und drei luden von der Polizei verhaftet wurden. Der Hergang war folgender: Arabische Siedler in der Nachbarschaft des Meschek-Bodens kündigten an, daß sie den Kuskus-Tabun-Boden für sich beanspruchen und ihn in Bearbeitung nehmen wollen. Jüdische Landarbeiter hatten schon früher mit dem Pflügen des Bodens begonnen. Als die Araber auf dem Boden erschienen, war dieser bereits von Juden gepflügt. Etwa 30 jüdische Landarbeiter mit ihren Gespannen befanden sich noch auf ihm. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen den Arabern und den Juden. Der Polizeiinspektor Harrington erschien an Ort und Stelle und befahl beiden streitenden Parteien, die Arbeit auf den Feldern einzustellen. Die verhafteten Araber und Juden wurden noch am selben Tage gegen Erlegung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt. Von jüdischer Seite wird mitgeteilt, daß auf dem 1925 von der ״Meschek“ gekauften Boden damals nur vier arabische Pächterfamilien angesiedelt waren. Bei allen anderen Arabern, die jetzt den Boden okkupieren wollten und dabei die jüdischen Pflüger angriffen, handelt es sich um Beduinen und Fellachen aus der Nachbarschaft, die niemals diesen Boden bearbeitet hatten. Der preußische Verbandstag Der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden teilt mit, daß gemäß Artikel 17 der Verfassung des Landesverbandes der Verbandstag auf Sonntag, den 3. April 1932, nachm. 2 Uhr, und folgende Tage nach dem Plenarsaal des ehemaligen Preußischen Herrenhauses, Berlin W 8, Leipziger Straße 3, einberufen wird. Die Tagesordnung, deren Ergänzung Vorbehalten bleibt, ist folgende: 1. Eröffnung, 2. Tätigkeitsbericht des Rates, 3. Rechnungsabschluß für das Jahr 1930/31, 4. Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1932/33 und Fest- Setzung der Umlage, 5. Aenderung der Verfassung des Landesverbandes, 6. Reichsverband, 7. Begründung einer Pensianskasse, 8. Berechnung von Verzugszinsen bei den Gemeindebeiträgen.