Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1932)
- Date
- 1932-03-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 97 Nr. 20, 11. TTT. 1932 Mch. Eine gesetzliche Neuregelung muß aufgetretene Streitfragen klären und die Entscheidungen für die Zukunft sicherstellen. Schlimmer als selbst eine falsche Lösung ist der Verzieht auf jegliche Regelung. Wir Juden insbesondere wollen mit den Fragen, die für die Existenz unserer Gemeinden lebenswichtig sind, nicht auf die Launen einer Verwaltung■®- praxis und auf die schwankende Rechtsprechung der Gerichte verwiesen sein, verlangen vielmehr von einem Gesetz, daß es klare VerD ,‘•risse schafft und Regelungen trifft. Die Entscheidung, die wir verlangen, muß dahin gehen, daß das Gesetz vom Jahre 1920 auch in seinen ersten drei Paragraphen auf das Judentum Anwendung findet. Wenn staatsrechtliche Bedenken bestellen sollen, ein preußisches Judentum als Körperschaft öffentlichen Rechts anrusehen, so müssen eben die rechtlichen Schwierigkeiten beseitigt werden. Die Beseitigung ist leicht zu bewirken, indem die Land«- verbände als solche anerkannt werden. Damit ist Rahmen und Inhalt für Körperschaften öffentlichen Rechts gegeben, die über eine Ortsgemeinde hinausgehen und Gemeinden im ganzen Lande umfassen. Wird diese Regelung getroffen, so sind zugleich die wichtigsten Wünsche hinsichtlich der Bedeutung der Landesverbände erfüllt. Dann wird auch eine Verstand!- gung mit der Austritts-Orthodoxie geschaffen sein. Der Widerspruch, der sich im Leitartikel des ״Israelit“ vom 3. März d. J. zeigt, beruht auf einem offensichtlichen Mißverständnis. Niernals ist es dem Preußischen Landesverband oder auch nur einer Fraktion in ihm eingefallen, ״Zwangspolitik“ zu treiben, und die Juden in Preußen in eine große Bekenntnisgemeinde pferchen zu wollen. Immer ist vielmehr von den Landesverbänden in der Mehrzahl die Rede, so daß nicht nur der Austritts-Orthodoxic ihr Recht werden soll, sondern auch die Möglichkeit für die Gründung weiterer Landesverbände offengehalten wird. Das ist eine tolerante Lösung, die bestimmt auch den tatsächlichen Verhältnissen in weitestem Umfange Rechnung trägt. Unsere Wünsche gingen dahin, daß die Ausfrittsmöglichkeiten bei den Juden wie bei anderen Reiigionsgemeinschaften mit dem Austritt aus dem Judentum erschöpft sein müssen. Wenn uns aber das privilegium odiosuni des Austritts auch aus der einzelnen Gemeinde nicht erspart werden soll, so muß für diesen Austritt jede Gefahr eines Mißbrauchs ausgeschaltet werden. Der Mißbrauch, der mit dem § 4 des Geset7.es von 1920 betrieben wird, liegt darin, daß oft und zumeist die Gründe des Austritts lediglich finanzieller Art sind, und nur die Steuerflucht zum Verlassen der Gemeinde führen. Hier hat der Preußische Landesverband wirksamc Vorschläge gemacht, die auch von der Austritts-Orthodoxie für berechtigt angesehen werden, über die aber der vorliegende Gesetzentwurf, ohne sich auch nur in der Begründung mit ihnen auseinanderzusetzen, einfach zur Tagesordnung übergegangen ist. Diese Vorschläge werden vom Landtag gründlichst zu prüfen sein. Der Landtag wird, wenn er überhaupt ein Gesetz ״über die Synagogengemeinden“ verabschieden will, dafür Sorge tragen müssen, daß die Rechte der Synagogengemeinden gewahrt und ihr Bestand gewährleistet wird. Wenn es bei den im Entwurf vorliegenden Be- Stimmungen verbleiben soll, so tragen die Synagogengemeinden die Gefahr des inneren und äußeren Zerfalles von vornherein in sich. Vom Landtag verlangen wir, daß er sich nicht ohne friedlichste Prüfung auf den Boden des Entwurfes des taatsministeriums begibt. Auch der Landtag wird die Autonomie der Gemeinden, die die Reichsverfassung gewährleistet, respektieren müssen. Er wird deshalb nicht über den Willen der Vertretung der Juden durch den Preußischen Landesverband hinwegge'ren dürfen. Der Landtag wird eine eingehende staatsrechtliche Nachprüfung aller einschlägigen Vernältnisse vorzuneiynen haben und wird In keinem Falle eine Regelung, die auf Jahrzehnte zu wirken bestimmt ist, vornehmen dürfen, ohne sich mit allen in Frage kommenden staatsrechtlichen Problemen gründlich auseinanderzusetzen; er wird hierbei zu berücksichtigen haben, daß die Regelungen, die hier für die Jüdischen Gemeinden vorgenommen werden, auch ihre Auswirkungen quf die anderen Reiigionsgesellschaften nicht verfehlen können. Der Landtag wird schließlich dafür sorgen müssen, daß materiell ein Gesetz geschaffen wfrd, das die Freiheit der Verwaltung gewährt und die Gleichberechtigung aller Juden innerhalb der Gemeinde gewährleistet, und das den Gemeinden und ihren Verbänden weitmöglichst Bestand und Zukunft sichert. Kundgebung gegen den Antisemitismus in Paris. Unser Pariser Ag.-Korrespondeat berichtet: Von der ״Internationalen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus“ aufgerufen, versammelte sich Montag, den 29. Februar, eine vieltausendköpfige Menge, um gegen den Hitlerismus in Deutschland und die Judenverfolgungen in Rumänien zu protestieren. Sympathiekundgebungen namhafter Schriftsteller und führender Politiker, unter anderen von Barbusse, de Monzie und Painleve, wurden verlesen. Von den Rednern versicherten katholische Geistliche und protestantische Pastoren, daß es dem Geist dieser Religionen widerspricht, sich am Volke des Heilands zu vergreifen und daß sie bedingungslos den Antisemitismus verabscheuen. Jüdischen Ursprungs seien die Ideale der Freiheit, Gerechtigkeit und Meiischenverbrüderung, denen die ganze gesittete Menschheit huldigt, und Juden seien stets die Träger und Vorkämpfer dieser Ideen gewesen, deshalb wende sich gegen sie vor allem der Haß aller Gewalttätigen — erklärten gesinnungstreue Republikaner. Wem der Friede und die Kultur am Herzen liegen, müsse den anschwellenden Judenhaß als Alarmsignal empfinden, das zu angespannter I Abwehr mahnt, denn alles Böse ist miteinander verbunden; und wird dem Antisemitismus nicht gesteuert, dann bricht allgemeine Roheit und Barbarei heran — kündete Marc Sagnier, der Führer der Christlichen Sozialisten, ohne Zweifel der eindruckvollste Redner dieses Abends. Die Juden würden bestimmt am Ende siegen, da ja die Wahrheit schließlieh immer siegt, trösteten weltberühmte Gelehrte. Und der bekannte jüdisch-amerikanische Schriftsteller Ludwig L e w i - sohn erörterte die alte und ach, so aktuelle Frage, warum man uns so hasse. Wie dem auch sei, schloß er seine Er- Wägungen, es bleibt letzterdings den Hassern nichts anderes übrig, als entweder sich mit der Tatsache abzufinden, daß wir da sind und daß wir eben so sind wie wir sind, oder uns, in ihrem eigenen Interesse, zu einer menschenwürdigen Existenz außerhalb ihrer Vaterländer zu verhelfen. Gegen den Antisemitismus, der Unrecht zum Prinzip erhebt, also der Grundbedingung jeder menschlichen Gemeinschaft spottet, gegen diese ״brennende Schmach“ allerorten und mit allen Mitteln vorzugehen —־ war die endgültige Resolution, Gewiß, zu umfassend, um nicht blaß zu wirken in diesen Tagen unmittelbarer Gefährdung jüdischen Lebens. Doch zugleich unendlich wohltuend als Beweis, daß es im Meere des Hasses noch Inseln der Liebe und Achtung gibt. Da_ ״Manchester Guardian“ veröffentlicht einen ausführlichen Bericht seines Jerusalemer Korrespondenten über die Hebräische Universität Jerusalem, wobei, ausgehend von der Feier der ersten Promotionen, die Entwicklung der Anstalt, sowie ihre bauliche schrittweise Erweiterung geschildert werden. Bilder der neuen Gebäude, Einstein-Institut, Bibliothek usw., sind beigegeben. In aller Kürze Die Arabische Exekutive faßte in ihrer letzten Sitzung einen als endgültig bczeichneten Beschluß, von der Ernennung eines arabischen Beraters für den Landentwicklungsdirektor Louis French abzusehen. Zugleich wurde bcschlossen, einen arabischen ״Nationaffonds“ zu bilden; in die Exekutive des Fonds wurden vier Personen, unter ihnen Georg Antonius und der Deutsche Alfred Roch, gewählt. 150 amerikanische Juden haben am 5. März an Bord der ״Aquitania“ die Reise nach Palästina angetreten, um sich dort dauernd als Farmer niederzulassen. Wie schon mitgeteilt, hatten sich am 14. Februar d. J. in New York 200 amerikanische Juden nach Palästina eingescliifft. Der seit langem sich hin/iehendc Streitfall betreffend der Infiat-ßöden bei der jüdischen Kolonie Chederah ist nun endlich zugunsten der jüdischen Kolonisten entschieden worden. Das oberste Gericht Palästinas hat die Berufung der auf die Böifen Anspruch erhebenden Araber gegen das Urteil des Erstgerichts, das die Böden den Chederah-Kolonisten zugesprochen hat, verworfen. Die Fraktion der Nationaldemokraten im polnischen Sejm brachte i!1 die Volksbildungskommission des Sejm den Antrag auf Einführung eines Numerus clausus für jiidische Studierende an allen polnischen Hochschulen ein. Der Vertreter der Regierung widersprach dem Antrag. Es wurde beschlossen, darüber zur Tagesordnung überzugehen. Professor Albert Einstein, der in Pasadena einige Monate lang seine Forschungsarbeiten fortsetzte, hat am 4. März mit seiner Gattin die Rückreise nach Deutschland angetreten. Der palästinensische Misrachi veranstaltete ein Begnlßungsbankett für Herrn F arbstein in Jerusalem unter dem Vorsitz von Rabbi Fischmann, dem als Redner Rabbi Kuk, Ussischkin, Dr. Arlosoroff, der polnische Generalkonsul und andere folgten. Arnold Zweig befindet sich gegenwärtig in Palästina. Im Hause Dr. Arlosoroffs in Jerusalem fand zu seiner Begrüßung ein Empfang statt. Der bekannte arabische Arzt und Folklore-Forscher, Dr. Th. Canaan in Jerusalem, gab anläßlich der Anwesenheit von Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld am 1. d. M. einen Empfang, bei dem zahlreiche jüdische, mohammedanische und christliche Aerzte und Gelehrte anwesend waren. Dr. Magnus Hirschfefd hielt in Jerusalem einen öffentliehen Vortrag über ״Die sexuelle Frage unserer Zeit“, der von Dr. Berachjahu ins Hebräische übersetzt wurde. Bei der Levante-Messe, deren Eröffnung am 7. April in Tef-Awiw stattfindet, wird auch ein spezieller WIZO- Pavillon errichtet, in dem die Institutionen der WIZO ausstellen werden. Eugen Landau 80 Jahre. Generalkonsul Eugen Landau vollendet am 17. Marz sein 80. Lebensjahr. Was Landau im industriellen und finanziellen Leben Berlins und in der Berliner Gesellschaft seit Jahrzehnten für eine Rolle spielt, dies darzulegen, ist hier nicht der Ort. Landau hat sich aber auch stets für jüdische Angelegenheiten eingesetzt und beklcidet eine Reihe von Ehrenämtern in jüdischen philanthropischen und gemeinnützigen Institutionen. Er gehört auch zu den Gründern des Hilfsvereins der deutschen Juden. Landau, dessen Interesse seit langem dem jüdischen Palästinawerk gehört, ist Vizevorsitzender des deutschen Keren Hajessod, ferner Mitglied des Efirenausschusses des deutschen Komitees Pro Palästina und Mitglied des Initiativ-Komitees für die Er- Weiterung der Jewish Agency in Deutschland. Häufig hat er sein Haus für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt, die jüdisch-palästinensischen Zwecken dienten. Dem Jubilar wenden sich auch in zionistischen Kreisen die lierzlicnsten Glückwünsche zu. Prof. David Baumgardt sprach in der Reihe der Montags- Vorlesungen der ״Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ über ״Spinozas Bild im deutschen und jüdischen Denken“, in einem groß angelegten Ueberblick ging er den Spuren nach, die Spinoza bei den führenden Geistern seiner Nachwelt hinterlassen hat und zeigte, wie dieser Philosoph zunächst verkannt und abgeleimt wurde, bis er im 19. Jahrhundert eine Art Auferstehung feierte. Hier waren es besonders die deutschen klassischen Denker, voran Goethe und Herder, die sich von der Gedankenwelt Spinozas angezogen fühlten. Auch die Romantiker sind stark von Spinoza beeinflußt. Erst Kant tritt ais scharfer Gegner Spinozas auf, aber auch er erklärt, wenn man die Grundposition der kritischen Philosophie, die Idealität von Raum und Zeit im kantischen Sinne nicht annimmt, dann bleibe nur der Spinozismus übrig, in der nachkantischen Philosophie beobachten wir wieder den Einbruch Spinozas, von Fichte, Schleiermacher, Schefling und Hegel bis schließlich zu Friedrich Nietzsche. Im Gegensatz zu dieser großen Roüe Spinozas in der europäischen und besonders deutsehen Geisteswelt haben die Juden sich stets sehr kühl zu ihm verhalten. Wenn ein Antisemit einmal schrieb, Spinoza verdanke seinen Ruhm der jüdischen Reklame, so ist genau das Gegenteil richtig. Baumgardt charakterisierte die ablehnende Haltung der bedeutendsten jüdischen Denker des 19. Jahrhunderts zu Spinoza von Mendelssohn bis Hermann Cohen, der in Spinoza geradezu den bösen Dämon des Judentums sieht. An dieser GrundeinsteHung ändert auch nichts die Neutralität von Lazarus, die Spinoza-Verehrung Constantin Brunners, sowie die Versuche einer Einordnung Spinozas in den nationalen Zusammen■• hang des Judentums (schon bei Heine und Moses Heß, heute bei Buber und Margarete Sußmann). Wir haben, so resümierte der Vortragende, noch keinen Weg gefunden, wie Spinoza hineingestellt werden kam! in das ewige Leben des jüdischen Geistes. Und doch sind die tiefen Zusammenhänge zwischen ihm und dem Judentum nicht zu lösen, bei aller gegenseitigen Gegnerschaft. Hat doch jüdische Ethik, wie sie sich im alten Judentum offenbart, nichts mit den christlichen Idealen der Lebensverneinung und Askese gemein, sondern das Judentum hat stets die Erdverbundenheit des Menschen mit all ihrer Dämonie bejaht, die jüdische Ethik will das Gefährliche, Amoralische, Triebhafte im Menschen nicht leugnen, sondern läutern und zur Reinheit steigern. Hier kann Spinoza heute noch Vorbild bleiben, der dem Problem der Macht nicht aus dem Wege gegangen ist. Auch wir stehen in der uralten jüdischen Probiematik von Macht und Recht, Kraft und Güte. In unserem Aufbauwerk in Palästina ebenso wie in dem erbarmungslosen sozialen Kampf der Gegenwart, in diesen Dingen des Lebens gilt cs nicht, sich in Wolken von Idealen zu hüllen oder auf alte Humanitätsparolen zu pochen, sondern die Bewältigung dieser irdischen Welt müssen wir als unsere wahrhafte Aufgabe empfinden wie Spinoza es tat. Spinoza hat besser als Kant erfaßt, wie tief der Trieb nach Macht im Menschen sitzt; nur auf dem Boden dieser dunklen natürlichen Triebe kann wirkliche Sittlichkeit erwachsen. So führte der überaus anziehend und mit großer geistiger Klarheit konzipierte Vortrag in packender Weise in die aktuelle Problematik unserer Situation hinein. — Man hätte vielleicht noch gewünscht, daß der Vortragende sich mit Bubers bedeutungsvollem letzten Spinoza-Aufsatz, der am unmittelbarsten zum zweiten Teil des Themas gehört, auseinandergesetzt hätte. h. Neuer Mord In Palästina Jerusalem, 7. März. (J. T. A.) ln der Nacht des 6. Mär. gegen Mitternacht wurde in der Emek-Kolonie Kfar Chassidin־ der jüdische Siedler Samuel Gutermanhof in seinen־ Hause erschossen. Die Mörder gaben von draußen durch da; Fenster drei Schüsse ab, deren einer Gutermanhof tödlich traf Bevor es noch möglich wurde, eine Verfolgung der Mordet aufzunehmen, konnten diese spurlos entkommen. Es Ist dies innerhalb von sieben Wochen im Tale Jesreel der zweite Fall, daß ein jüdischer Siedler um Mitternacht ermordet wird. Am!7. Januar wurde bekanntlich um Witternacht in Balfouria der Farmer Josef Burstein in seinem Hause erschossen. Die Täfer hat man bis jetzt noch nicht ermittelt. Die Bestattung von Samuel Gutermanhof fand unter großer Beteiligung der Siedler statt. Die Trauerrede hielt Rabbi Kantel aus Haifa, der über den Mangel an Sicherheit im Lande klagte. Die jüdische Gemeinde in Haifa sprach beim Polizeichcf von Haifa vor, der der Meinung Ausdruck gab, daß diese Mörder einer organisierten Rande angeboren. Er versprach, das Möglichste zur Aufdeckung des Mordfalte zu tun, damit die Täter der Bestrafung zugeführt werden können. Gutermanhof wanderte 1926 aus Warschau in Palästina ein. Er stand im 29. Lebensjahre und!unterläßt eine Witwe. Von den Kolonisten des Emck wurden Wächtert r u p p s gebildet, die abwechselnd Patrouillen-Dienst tun und alle Vorstädte von Haifa und die Kolonien im Haifa-Distrikt bewachen. Der Poli/eikommandant Spiee r erklärte der Exekufive der Jewish Agency, er habe hervorragende Detektive mit der Führung der Untersuchung betreffend die beiden letzten Morde im Emek betraut. Emanael Neamann in Berlin In den Räumen der Zionistischen Vereinigung für Deutsch■ fand fand am 8. März d. M. eine interne zionistische Begrußung für das in Berlin weilende Mitglied der Exekutive, Emamje! Neumami, statt. Außer den Mitgliedern des Geschäftsführenden Ausschusses waren Vertreter aller der Z. V. f. D. angehörigen Gruppen erschienen. Die Aussprache, die in Vertretung des abwesenden Präsidenten der Z. V. f. D., Kurt Blumenfeld, der sich auf einer zionistischen Propagandareise in Schweden befindet, von Herrn Alfred Berger geleitüt wurde, gab Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch über die politischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Probleme der Bewegung. Herr Neu mann schilderte insbesondere die letzten Entwicklungen in Amerika und gab Aufklärungen über das geplante Büro zur Förderung der Privatinitiative, das der Exekutive nicht offiziell angeschlossen ist, sondern aus privaten Mitteln in Palästina errichtet wird. Weiter wurde hervorgehoben, daß die Aktionsfähigkeit der Exekutive durch die aus früheren Jahren stammende Schuldenlast beengt ist. Bei den bevorstehenden Sitzungen in Palästina, wo Ende dieses Monats fast alle Mitglieder der Exckutive anwesend sein werden, sollen Richtlinien für die weitere Haltung der Bewegung ausgearbeitet werden. Heir Berger konnte in seinem Schlußwort hervorheben, daß die Z. V. f. U. über die Möglichkeit des Zusammmenseins mit Neumami sehr erfreut war und auch weiterhin einen engen persönlichen Kontakt mit der Exekutive in der gemeinsamen Arbeit autrechtzuerhalten wünscht. Die Kosten der Palästina-Verteidigung. Auf eine Anfrage von Captain Hope (konservativ) im Unterhaus teilte der Kolonienminister Sir Philip Cuniiffe-Lister mit, die Kosten für die Erhaltung der britischen Streitkrifte in Palästina und Transjordanien würden von der britischen Regiertmg getragen. Der Kostenanschlag für das Jahr 1931/32 beträgt 650000 Pfund, d. s. 170000 Pfund mehr als Streitkräfte in gleichem Umfang an gewöhnlichen Stationspunkten Die Palästina-Regierung trägt zu diesen Kosten 55 000 Pfund hei außerdem trägt sie Kosten in Höhe von schätzungs- Wieder eine Geserd-Versammiung. Am letzten Montag hatte die ״Geserd“ zu einer Versammlung mit freier Aussprache in die Spichernsäle eingeladen. Als sie mit großer Verspätung eröffnet wurde, blieben zwei Drittel des Saales leer und auf den weiten Rängen war keine Menschenseele. Entsprechend lustlos“ war die Stimmung der Redner. Zuerst sprach der Redakteur der ״Welt am Abend“, Dr. Frei, dessen Ausfuhrungen leider ein bedauerlich geringes Niveau hatten. Besonders bezeichnend und widerwärtig war die Tatsache, daß Frei, der einzige jüdische Referent, den Zionismus am meisten als rückschrittlich“, ״konterrevolutionär“ usw. beschimpfte, wahrend die beiden Nichtjuden, frei von den Minderwcrtigkeitskomplexen des Assimilattten, sich in dieser Hinsicht senr mäßigten. Dann sprach Hans Jäger (vom Marx-Engcls-Archiv), der einen unendlich langen Vortrag über die jüdische Oeschichte von Uranbeginn bis zur Gegenwart hielt - ein fader Aufguß von Hellers ״Untergang des Judentums“. Zum Beweis für die Freundschaft Hitlers für die jüdischen Kapitalisten wurde unter anderem der Unsinn verzapft, daß der englische Presselord Rothermere Jude sei und daß ״Wiener Zionistenführer den Heimwehren Geld geben“. Bevor dem letzten und anständigsten Referenten, Dr. W i 11 v o g e 1, das Wort erteilt wurde, verlangte man die Wortmeldungen zur Diskussion, und als sich wirklich neben einem Kommunisten auch ein Zionist gemeldet hatte, ließ man den bedauernswerten Wittvogei endlos reden, um dann ״wegen der vorgerückten Zeit“ — er war glücklich fast 11 Uhr geworden — den Diskussionsrednern nur zehn Minuten Redezeit zu geben! Unser Gesinmingsgenosse Dr. A. Prinz benutzte diese Zeit vor allem, um die Hoffnung auf ״Lösung der Judenfrage durch den Kommunismus“ für die neueste und gefährlichste Illusion zu erklären und auf den nach dem Zeugnis nichtjüdischer Beobachter wachsenden Antisemitismus in Sowjetrußland hinzuweisen. Die Lösung der Judenfrage, die man früher vergehlieh vom ״Fortschritt“ oder von der ״Demokratie“ erwartet habe, sei in der Diaspora überhaupt unmöglich. Wenn die Bolschewisten die russischen Juden in produktivere Berufe und teilweise auch in geschlossene Siedlungen zu überführen suchten, so könne man ihnen vom zionistischen Standpunkt eigentlich nur viel Glück wünschen. Aber warum dann die wüste bolschewistische Hetze gegen Palästina, dessen jüdischer Aufbau eine ganze Welt, Menschen aus allen Nationen und allen Klassen, zur Bewunderung hingerissen habe? Gewiß sei Palästina heute noch keine Lösung der Judenfrage, aber es habe sie schon auf ein ganz anderes Niveau gehoben, und sei der Anfang der wirklichen Lösung. Der Beifall, der diesen Ausführungen folgte, bewies die Anwesenheit zahlreicher Zjonisten. Zum Schluß erhielt Wittvogel das Wort zu einer mindestens doppelt so langen, in der Form übrigens anständigen Entgegnung, in der er wenigstens den großartigen Idealismus der Chaluz.im anerkannte. Die hitzigen Diskussionen, in die mehrere der anwesenden Zionisten noch nach Schluß der Versammlung verwickelt wurden, zeigen, wie notwendig es ist, den Agitatoren der ״Geserd“ möglichst überall entgegenzutreten und den Kampf um jeden einzelnen Anhänger aufzunelunen. l'i־ ■Ri