Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1932)
- Date
- 1932-03-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653348-2653375--22865-2681148- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 19, * HL 1932 beiterin rein äußerlich ansehen, wo sie lebt, man erkennt neben der Frau aus einer der Siedlungen den städtischen Typus und neben ihr die Arbeiterin aut einer Kolonie. Auf allen Ebenen wirkt die Differeniierung, 4. Der Orient. Die Konferenz ist ״westlich" in Ihrer gesamten Erscheinung■ Unter den Dutzenden Delegierten, den Hunderten von Gästen, kaum eine Sephardin, eine Jemenitin, überhaupt eine der orientalisehen Jüdinnen. Und gerade über diese wird jetzt viel gesprochen. Man beginnt zu fühlen, daß hier ein ebenso wichtiges wie schwieriges Problem steckt, das man noch kaum angefangen hat zu studieren. Schließlich, was hier auf der Konferenz vertreten ist, das ist noch nicht die eigentliche Schicht des Proletariats. Freilich, der Lebensstandard auch dieser ist niedrig, ihre wirtschaftlichen Sorgen schwer, ihre Lebensbedingungen bedürfen der Verbesserung. Aber sie bringen von Hause aus europäische Begriffe, Erziehung, Kenntnisse, Willen zum Kampf. Die große Masse der orientalischen Jüdinnen, ob sie aus Yemen stammt oder aus Persien oder aus Bagdad, muß ganz von vorn beginnen. Ihr Lebensstandard ist weit unter dem europäischen Minimum, ihre Erziehung ungenügend, ihre sozialen und religiösen Bindungen drückend, ihre Arbeitslast ungeheuer. Hier unter diesen Frauen aufzukläreti, zu erziehen, zu organisieren — das muß getan werden. Aber man weiß noch nicht recht wie. Man hat vielleicht dieses und jenes versucht, aber nicht mit genügend Schwung, nicht mit auskömmliehen Mitteln. Viel hat man nicht geändert. Aber die eine und die andere unter den Delegierten hier spricht bereits davon, daß diese Frauen erfaßt werden müssen, wie sie zu organisieren sind, wie auch ihre Kinder hineingezogen werden müssen in das Schulnetz der Arbeiterschaft. Manche gehen einen Schritt weiter und sprechen von der Aufklärung und Organisierung der Araberin. Sie zeichnen die Gefahr, die in dieser billigen Arbeitsreserve für den Standard sämtlicher Arbeiterinnen liegt, betonen die Pflicht der internationalen Solidarität. Die große Mehrheit will mit all dem nichts zu tun haben. Sie hat gewissermaßen genug an dem ״Orient", der noch im jüdisehen Lager zu erobern ist. Weiter will sie gar nicht erst denken. Und eine gemeinsame Gewerkschaft mit den Arabern ist ja heute auch auf den Männerkonferenzen noch heiß umstritten, wenn nicht geradezu Tabu. Jedenfalls liegt hier noch Stoft für Diskussionen und Arbeit auf Jahre und Jahrzehnte hinaus. Aber es wird einmal der Tag kommen, wo diese Fragen nicht gelegentlich auf der Tagesordnung erscheinen, sondern im Mittelpunkt der Beratungen stehen werden .. . 5. Ein mißlungener Versuch: Es ist noch nicht einmal ein Jahrzehnt her, da gab es nur ein Urteil unter den Arbeiterinnen: ״Wir wollen nicht als Hausgehilfinnen in die Häuser. Das ist ,unproduktiv‘, das ist beschämend, das ist uninteressant, das widerspricht unserer gesamten Tendenz. Man muß allen davon abraten, sich so ihr Brot zu verdienen. Jeder soll selbst für seine eigenen Bedürfnisse sorgen, jeder selbst mit sich fertig werden. Aber ,persönliche Ebenste‘, damit muß man aufräumen.“ Wie gesagt, es ist noch nicht lange her, daß diese Ansicht die herrschende war; damals mußte die Frau eines Arbeiterführers, die eine Reihe von Kindern hatte und mit ihnen und dem Haushalt nicht mehr allein fertig werden konnte, eine spezielle Erlaubnis von der Arbeiterorganisation einholen, damit man ihr eine Hilfe zubilligte. Heute klingt das schon wie ein Märchen aus der heroischen Zeit. Heute schätzt man, daß von den Arbeiterinnen der Stadt ungefähr fünfzig Prozent im Haushalt arbeiten. Heute ibt es keine Propaganda mehr gegen diese Arbeit. Man hat es art genug bewiesen bekommen, daß solche Propaganda nichts hilft. Wer keine Arbeit anderer Art finden kann, geht eben in einen Privathaushalt, ob es mit seinen Ansichten übereinstimmt oder nicht. Und solange nicht eine weitgehende Technisierung der Haushalte durchgeführt ist, kommt eine Frau mit mehreren Kindern oder mit Außenarbeit nicht ohne Hilfe aus. Das weiß man jetzt, läßt die Propaganda liegen und kümmert sich jetzt um die Arbeitsbedingungen. Man macht Erhebungen, versucht zu organisieren, schafft Arbeitsämter für Hausgehflfen und lernt nach und nach dieses wichtige Arbeitsgebiet kennen. Wenn auf irgendeinem Felde Organisation wichtig ist, so ist es hier. Vielfach hat man mit Kinderarbeit zu tun, mit schlechten Löhnen, langer Arbeitszeit. Die ״orientalische“ Konkurrenz spielt eine entscheidende Rolle. Und es ist sicher nicht leicht, die Bedingungen zu bessern. Aber immerhin — man geht bereite praktisch an die Dinge heran und läßt eine Theorie, die eben nur Theorie war, ruhig links liegen. ״Grau, lieber Freund . . 6. Die Mutter. Vielleicht war das der interessanteste Teil der Verhandlunfen: jener, der sich mit Arbeiterinnenschutz, Mutterschutz, inderpflege, sozialer Arbeit beschäftigte. Hier gab es eine Menge neuer Gesichtspunkte, neuer Vorschläge, vielleicht auch manche Rückkehr zum Alten. Zum ersten Male sprach man auf dieser Konferenz über Geburtenkontrolle, diskutierte den Plan von Kinderheimen mit Nachtdienst auch für die Stadt, ventilierte in großem Umfange das Problem der arbeitenden Mutter im allgemeinen. Auf früheren Konferenzen pflegte man nur über die gemeinsame Kinderaufzucht in den Siedlungen zu sprechen. Jetzt wird die Frage weiter gespannt. Auch in der Stadt muß die Frau, wenn sie arbeiten geht, ein Unterkommen für ihr Kind suchen, überall ist mit der wachsenden Kinderzahl auch das Interesse an Erziehungsproblemen gestiegen. Vielleicht wird hier auch manches zu breit angelegt und etwas übertrieben. Es erscheint manchmal so, als hätte Palästina gerade erst das ״Zeitalter des Kindes" entdeckt. Aber sei dem wie ihm wolle, hier stehen fraglos lebenswichtige Dinge zur Debatte und die Tendenzen, überall Kinderheime ein zu richten, um den Müttern Außenarbeit zu ermöglichen, gehen einen richtigen Weg. Es hat auch hier keinen Sinn, theoretisch zu sein. Wenn die Frau gezwungen ist, außerhalb zu arbeiten, so muß sie wenigstens über das Schicksal ihrer Kinder beruhigt sein. Auch diese Diskussionen sind anders als früher. Vor einem Jahrzehnt trug vieles in diesen Bestrebungen einen etwas Krampfartigen Charakter. Der Begriff der ״gleichen Rechte für die Frau“ wurde oft bis zu einer schablonenartigen Gleichmacherei ausgedehnt. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte man am liebsten die Männer in die Kinderpflege hineingenommen und die Frauen hinter den Pflug gestellt. Im Laufe der Zeit haben sich die Fragen geklärt, die Gegensätze zum Teil geglättet. Die wuchtigen Errungenschaften der ersten Jahre sind erhalten und ausgebaut worden, vor allem die Gemeinschafts־ erziehung, deren Bedeutung eher gewachsen als gesunken ist. Dagegen sind bestimmte Momenterscheinungen, die nicht zu halten waren, von selbst verschwunden, w׳ie zum Beispiel die Frauenarbeit beim Steinekiopfen und ähnliches, fine gewisse Ausgeglichenheit und natürliche Evolution kennzeichnet heute alles, was mit der Frage der Mutterschaft unter den arbeitenden Frauen zusammenhängt. In den Siedlungen, wo die Kinderzahl noch im Steigen ist, spielen die Frauen im Außenbetrieb eine geringere Rolle. Wo dagegen die Kinder bereits größer sind und die Geburtenrate im Stillstand ist, kehren die Frauen wie selbstverständlich zur Teilnahme an allen Arbeiten wieder zurück. All diese Fragen und Aktionen, gemeinsame Kinderhäuser, Säuglingsheime, Beratungsstellen für Mütter, Geburtenkontrolle, Schwangerschaftshilfe — all das ist heute noch eine interne Angelegenheit der europäisch-jüdischen Kreise. Um diese Insel herum lebt die große Mehrheit der Landesbevölkerung, tragen die Frauen die Last einer unbeschränkten Kinderzahl, einer erschreckenden Kindersterblichkeit,, den Mangel jeder sozialen Hilfe. Die Konferenz hat sich an die Regierung gewandt mit Forderungen um eine halbwegs moderne Gesetzgebung. Das ist der eine Weg zur Besserung der Verhältnisse. Er ist, wie die Erfahrung zeigt, außerordentlich langsam. Aber er muß gegangen werden. Es ist sicher sehr ,,interessant“, daß man in demselben Land eine Reise durch die Jahrhunderte mit ihren verschiedenen Bräuchen machen kann, von den patriarchalischen Sitten eines Beduinenstammes bis zu den Gemeinschaftshäusern von Beth-Alpha und Dagania. Aber es ist nicht genug, daß es interessant ist. Die Mütter, deren Kinder in diesen Heimen aufwachsen, werden sich über kurz oder lang für alle Frauen im Lande verantwortlich fühlen müssen, lind diese Aufgabe von morgen ist vielleicht ebenso interessant wie die Mannigfaltigkeit der Sitten von heute. Pressefdiau Praktische Arbeit statt Politisieren! _ In der palästinensischen Wochenschrift ״Baust e na i“ bespricht Mosche S m i 1 a n s k y die durch die Veröffentlichung der sogenannten Abbas Hilmi-Vorschläge erzeugte ״Sensation‘1 und wendet sich scharf dagegen, daß aus politischer Schaum- Schlägerei derartige Gerüchte breitgetreten werden, ohne daß man sich um ihren Wahrheitsgehalt kümmert. Im Anschluß daran schreibt Smilansky: Freilich ist auch in diesem Märchen aus Tausendundeine Nacht ein Punkt, aus dem wir etwas lernen können. Es wird vorgeschlagen, daß alle überwiegend von Juden besiedelten Gebiete in die jüdische autonome Zone einbezogen werden. Man sieht hier, daß auch bei Phantasiegebilden das Tatsächliche eine Rolle spielt. Den Norden des oberen Galiläas hat die kühne Tat eines Beamten des Barons gerettet, der dort in der Nachbarschaft der Drusen eine jüdische Kolonie gründete. Das Ostjordanland haben wir verloren, weil weder der Baron, noch die Chowewe-Zion über kühne Menschen verfügten, die aut dem dem Baron dort gehörigen Boden Kolonien gegründet hätten. Hätten wir dort nur fünf Kolonien gehabt — und auf dem Boden des Barons ist Platz für mehrere Kolonien — dann hätten wir vielleicht nicht die Abtrennung dieses Landesteils erlebt. Dies bestätigt die erste und alte Methode unserer Siedlung, die Methode der Chibbath-Zion: Nicht politische Kombinationen sind die Hauptsache, nicht die Gnade Kaiser Wilhelms und nicht einmal die Gnade Balfours, nicht ein Schwert aus Papier und Spieß aus Holz, sondern Spaten und Pflug, Handel und lndustrie des Siedlers. Hätten wir nicht 15 volle Jahre vom ersten Baseler Kongreß bis zum Kriegsausbruch über alle möglichen Theorien philosophiert, sondern hätten wir Boden erworben und Siedlungen gegründet; hätten wir nicht zehn volle Jahre seit der Balfour-Dekiaration bis zum Passfield-Weißbuch krankhaften Phantasien nachgejagt und hätten wir statt dessen — und wieviele Möglichkeiten gab es! — Boden gekauft, Siedlungen nach Siedlungen gegriindet, Handelshäuser und Industrien aufgebaut; hätten wir uns in diesen zwei Generationen einer wirklich schaffenden Arbeit gewidmet, ohne viel Lärm und ohne Proklamationen über ״Eroberung“ — vielleicht hätten wir heute schon einen Zustand, den kein Sturm erschüttern könnte.... Und außerdem hätten wir noch den Vorteil, daß wir an Stelle hunderter ״Führer“ und politischer Schwätzer und tausender seelisch kranker jungen Leute, die uns die ״politische Erziehung“ von zwei Generationen gebracht hat, — daß wir dann als Frucht der Erziehung der wirklichen Siedlung hunderte Sachverständige, Führer für die praktische Arbeit und tausende junge Landwirte, Handwerker, Arbeiter mit starken Muskeln und gesunden Seelen hätten, die die große Auferstehungsarbeit weiterzutragen fähig wären. * Die palästinensische linksbürgerüche Tageszeitung ״H a a ־ retz“ druckt in ihrer Nummer vom 21. Februar die seinerzeit in der ״J. R.“ veröffentlichte Erklärung des ״Blocks politischer Zionisten“ in Deutschland unter der Ueberschrift ״Von vorgestern“ ab, und in der Nummer vom 22. Februar äußert sich Dr. M. Glückson, der auf dem XVII. Kongreß der Gruppe B der Allgemeinen Zionisten angehörte, unter der Ueberschrift ״Eine unzeitgemäße Angelegenheit“ zu dieser Sache. Es scheint, so schreibt er u. a., daß die Unterzeichner der Erklärung die politische Polemik innerhalb des Zionismus verewigen und zu einem Selbstzweck der Bewegung machen wollen. Auf dem XVII. Kongreß richtete sich der Kampf gegen Person und System Dr. Weizmanns. Der Standpunkt der Mehrheit war klar: Das System Dr. Weizmanns ist falsch, es ist eine Verzichtpolitik und Verkleinerung des Zionismus, Dr. Weizmann versteht nicht zu fordern und zu drängen. Diese Anschauung siegte, Dr. Weizmann ging und beschäftigt sich heute nicht mehr mit Politik, sondern widmet sich den so gering geschätzten kleinen Dingen, sorgt für die Finanzen zur Aufrechterhaltung des zionistischen Werkes, reist von Land zu Land und schützt die neue Exekutive vor finanziellem Zusammenbruch. Er hindert niemanden, die großen politischen Forderungen aufzustellen und die großen Hoffnungen zu verwirklichen. Gegen wen wollen also die neuen politischen Zionisten ihren Kampf heute führen? Gewiß nicht gegen die neue Exekutive, als deren Stütze sie sich ja bezeichnen. Aber auch nicht zum Kampfe gegen feindliche Mächte der Außenwelt bildete sich dieser Block, sondern er will die innere zionistische Polemik erneuern. Als ob wir noch nicht genug der inneren Kämpfe hätten, als ob nicht die Revisionisten mit ihren ״Bomben“ genügten, als ob unsere politische Wirklichkeit in den letzten Monaten nicht gezeigt hätte, daß nicht in einem System unser Unglück liegt und nicht durch Proklamationen unsere Rettung kommen kann. Im zweiten Teil des Artikels betont Glückson, daß die Gruppe, die jetzt den ״Block politischer Zionisten“ gebildet hat, nicht nur für die Wahl der neuen Exekutive verantwortlich ist, sondern auch für andere Beschlüsse des Kongresses, über die Aufbauarbeit, über das Budget, über Mittelstands-Kolonisation, und stellt die Frage, was die verantwortlichen Leute dieser Gruppe bisher in den sieben Monaten getan haben, um dieses ihr vom Kongreß akzeptierte Programm nun auch tatsächlich durchzuführen. Dr. Weizmanns Memoiren. Der jüdische Journalist William Zukerman, Londoner Vertreter verschiedener Blätter, veröffentlicht in amerikanischen Zeitungen einen ausführlichen Berieht über ein Interview, das ihm Dr. Weizmann vor seiner Abreise nach Südafrika gewährt hat. Dabei hat ihm Dr. Weizmann mitgeteilt, daß er gegenwärtig mit der Abfassung seiner Memoiren beschäftigt ist. Jeden Tag, so heißt es darin, schreibt er an diesem Werk, und er scheint sich für die Sache sehr erwärmt zu haben. Die Memoiren beginnen mit dem Jahre 1902 und behandeln die damalige zionistische Situation, die erfüllt war von dem Kampf der ״demokratischen Fraktion“ und dem beginnenden Uganda-Konflikt. Bis jetzt hat Weizmann bereits die Abschnitte bis nach der russischen Revolution von 1905 beendet und nähert sich der Darstellung seiner englischen Zeit. Zukerman meint, daß nach den Andeutungen Weizmanns zu schließen, diese Selbstbiographie eines der packendsten Bücher unserer Zeit sein wird, PalSsUna and englische Zölle Protest der Orengenptlanzer Der Ausschluß Palästinas aus der den Gliedstaaten des britischen Reiches gewährten Vorzugsstellung gegenüber den neuen englischen Zöllen hat in Palästina mit Recht starken Unwillen hervorgerufen. Insbesondere ist durch diese Maßnahme die Orangen Industrie getroffen, da der Hauptabsatzmarkt für palästinensische Orangen und sonstige Citrusfrüchte England ist. Von nun an unterliegen auch palästinensische Sendungen dem einheitlichen ־zehnprozentigen Wertzoll. Die Organisation der Orangenpflanzer ist bei der Regierung mehrfach vorstellig geworden und hat sich nun durch die englische Presse auch direkt an die Öffentlichkeit gewandt. Das aus Juden und Arabern bestehende Komitee, das die gemeinsamen Interessen aller jüdischen und arabischen Pflanzer vertritt, sandte an die großen Londoner Tageszeitun• gen telegraphische Appelle, dahin zu wirken, daß Palästina als britisches Mandatsterritorium der Vergünstigung der. Einbeziehung in das Imperial Preference Scheme und damit der Befreiung von Importzöllen für in England eingeführte Waren teilhaftig werde. Insbesondere wird darauf hingewiesen, daß Palästina die mit der Pfundentwertung verbundenen Nachteile zu tragen hatte und daß viele Palästinenser dadurch einen Teil ihres Vermögens verloren haben. Es wäre in der Tat eine böse Ironie des Mandatssystems, wenn das Mandatsland nur an allen Nachteilen seiner Zugehörigkeit zum Verwaltungssystem der Mandatartnacht Anteil hätte, von den Vorteilen aber ausgeschlossen wäre. Sokolow 11 Amerika Die Kampagne für Palästina, die gegenwärtig unter Führung von Na hum Sokolow geführt wird, erlebte (wie wir einem uns zugekommenen Bericht entnehmen) in der Woche, in welcher Nahum Sokolow sich im Staate Massachusetts aufhielt, ihren Höhepunkt. Sokolow war von den Führern des Palästina- Drive begleitet und bildete in B o s t on , der größten Stadt des Staates, und in den Nachbarstädten Gegenstand besonderer Ehrungen und Feiern. Senat und Repräsentantenversammlung des Staates bereiteten Sokolow und seinem Gefolge einen offiziehen Empfang und auch der Gouverneur des Staates nahm an den repräsentativen Empfängen teil, die Sokolow bereitet wurden. Ansprachen von Sokolow und Prof. Frankfurter aus New York wurden in der gesamten Presse wiedergegeben und übten auf die Tausende, welche erschienen waren, um Sokolow zu hören, einen starken Eindruck. Entsprechend dieser Aufnähme des Präsidenten der Jewish Agency waren auch die bisherigen Ergebnisse der Aktion für den Keren Hajessod in Boston und in den anderen Städten weit größer als im Vorjahre, obwohl sich wie überall in der Welt die wirtschaftlichen Verliältnisse in den letzten Monaten auch in jener Gegend verschlechtert haben. Nach der Berliner Zionistischen Stadtkonferenz. Von der B. Z. V. wird uns geschrieben: Die Bezirksgruppenarbeit der B. Z. V. wurde nach dem guten Ergebnis der Zionistischen Stadtkonferenz mit größerer Intensität in Angriff genommen. Die bisherige Bezirksgruppeneinteilung wurde aufgegeben und eine Neuorganisierung lokaler Bezirksgruppen in Berlin vorgenommen, wonach Groß-Berlin in 25 Bezirksgruppen eingeteilt werden soll. Heute arbeiten bereits 12 Gruppen: Nordring, Friedrichshain, Hackescher Markt, Tempelhof, Süd, Reiniekendorf, Hansa-Platz, Wittenbergplatz, Bayerischer Plitz, Schmargendorf, Savignyplatz, Lehniner Platz. " Die Veranstaltungen dieser Bezirksgruppen werden regelmäßig im Berliner Kalender angezeigt. Die Arbeit der Bezirksgruppen erschöpft sich aber nicht in der Veranstaltung von Vorträgen, sondern die einzelne Bezirksgruppe übernimmt wieder zionistische Arbeitsgebiete, so daß die Zionisten Berlins zu tätiger Anteilnähme an der zionistischen Arbeit angeregt werden. Die einzelne Bezirksgrumje soll für sich das Gefühl haben, daß sie in ihrem Bezirk für Schekelaktion, für KKL, für Keren Hajessod, für die hebräische Arbeit und Kulturfragen und für andere zionistische Sachgebiete verantwortlich ist. Das Büro der B. Z. V. soll nach Möglichkeit nur anregend, lenkend und organisierend Einfluß nehmen, während die Zionisten Berlins durch ihre eigene Arbeit die Schekelaktion, die Beiträge für Keren Hajessod und KKL usw. zu besseren Ergebnissen führen. So oft hört man merkwürdigerweise von Zionisten die Klage, daß man sich als Zionist nicht zionistisch betätigen kann. Der Tätigkeitsgebiete sind sehr viele. In den neuen Bezirkspruppen ist Raum für jede geistige Anregung und für praktische zionistische Arbeit. Für diese zentrale Aufgabe der B, Z. V., die Bezirksgruppenarbeit zu erneuern und zu intensivieren, haben wir das Verständnis vieler zionistischer Gruppen gefunden. Die einzelnen zionistischen Verbände und auch die Parteien wollen an dieser Arbeit mitwirken. So stehen wir in Berlin vor einer neuen konstruktiven Zusammenfassung von Zionisten und vor der Möglichkeit einer Werbung neuer Menschen für unsere Organisation. Denn, wenn es gelingt, im Rahmen der 25 Bezirksgruppen die zionistischen Sachgebiete sorgfältig bearbeiten zu lassen, und wenn es gelingt, starkes zionistisches Leben durch die Anteilnahme von Zionisten der verschiedensten Gruppen und Parteien in den Bezirksgruppe!! zusammenzuführen, so gibt es in Berlin 25 kleine Ortsgruppen mit einem eigenen zionistischen Leben und mit einer gegenseitigen Anregung und Beflügelung zu einer besseren Tätigkeit. Für die zionistischen Sachgebiete wird es in jeder Bczirksgruppe einen Vertrauensmann geben, und die einzelnen Vertrauensleute jeder Bezirksgruppe bilden für ihr Arbeitsgebiet eine eigene Kommission, die nun spezielle Pläne für die Arbeiten ihres Sachgebietes ausarbeitet. So wird in Zukunft für die Schekelaktion, für Mitgliederwerbung, für KKL, für Keren Hajessod usw. jede Bezirksgruppe einen verantwortlichen Vertrauensmann in die jeweilige Kommission entsenden, und dann werden die Vertrauensleute in ihre 25 Gruppen zurückkehren und die Arbeit anregen, leiten und durchführen. W. B. Hebräischer Kulturfonds der Brit Iwrit Olamit. Das Zentral- Komitee der Brit Iwrit Olamit ist — im Einvernehmen mit den aktiven Führern der hebräischen Bewegung in Polen, Litauen, Rumänien und U. S. A. — an die Verwirklichung des auf der Hebräischen Weltkonferenz in Berlin gefaßten Beschlusses über die Gründung des Keren Tarbuth-iwrith (Hebräischer Kultur-Fonds) herangetreten. Zweck dieses Fonds soll in erster Reihe die Erhaltung und Förderung des hebräischen Unterrichts- und Erziehungswesen sein; ferner die Veröffentlichung und Verbreitung hebräischer Literaturwerke und wissenschaftUcher Schriften sowie die ideelle und materielle Förderung hebräischer Geistesarbeiter (durch Erteilung von Subventionen, Stipendien und Prämien). Entsprechend dem Be- Schlüsse des fetzten Zionistischen Kongresses in Basel, der einen Monat im Jahr als Werbemonat für die hebräische Kultur vorsieht, wurde, im Einverständnis mit der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, der Monat Nissan zum ״Monat der hebräischen Kultur“ proklamiert. An alle Freunde der hebräischen Bewegung ergeht hiermit der Ruf, sich für die Werbearbeit des Keren Tarbuth Iwrit bereitzuhalten und sich, um mit den Vorbereitungsarbeiten beginnen zu können, schon jetzt mit der Brit Iwrit Olamit, Berlin W 15, Kurfürstendamm 61; Tel.: J 1, Bismarck 1789, in Verbindung zu setzen.