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Jüdische Rundschau · 1932-03-08 · Heft 19 (8.3.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 19 (8.3.1932)
Date
1932-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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{euici Ungewisses Deutschland JÜDISCHE Einzelnummer 0£5 Goldmark RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Aurfandaabonnementa werden in dar Währung der einzelnen Lander berechnet. Anzeigenpreis; 8 g@9p. Nonpareillezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigeh-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekeatr.10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Postscheck ■Konten : Berlin!7392, Basel V 9355, Belgrad 68032. Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, Strassburg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank ־ Kosten: Darmstädter- und Nationalbank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürst endamun 5Z Rumänisch® Kreditbank, Cernauti (Rumänien); Anglo Palestine Co, in Haifa, Jerusalem, Tel -Aviv Nummcr19 1»•«׳•»** Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. 1 ל׳ אדר תרצ״ב xxxvii. Jahrg. Der Zionismus •rstrobt för das jüdisch• Volk dlo Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Hallstlna. ״Baseler Programm.‘* Jcwish Agcncy-Kunüöebunö missen Emanuel Neumann in Berlin Emanuel Neumann, amerikanisches Mitglied der Zionist!- sehen Exekutive, ist auf seiner Reise nach Palästina in Berlin eingetroffen. Die deutschen Zionisten haben nicht nur die Freude, dieses Mitglied der Exekutive zum erstenmal in ihrer Mitte zu begrüBen, sondern auch die willkommene Gelegenheit, über die Fragen der zionistischen Arbeit sich mit ihm auszusprechen und auf diese Weise den persönlichen Kontakt mit der neuen Exekutive zu verstärken. Neumann gehört der jüngeren Generation des amerikanischen Zionismus an. Er hat in der amerikanischen Landesorganisation seit zwölf Jahren verschiedene Aemter bekleidet, zeitweise auch die Keren Hajessod-Arbeit geleitet, er ist dann infolge der bekannten inneren Kämpfe des amerikanischen Zionismus eine Zeitlang abselts gestanden und in der letzten Zeit als Vertreter derjenigen Gruppe hervorgetreten, die für eine radikalere Politik und für eine aut Geschäftsgrundsätzen aufgebaute Wirtschafts- Politik sich einsetzte. Nach seiner Wahl in die Exekutive hat sich Neumann zunächst zionistischen Aufgaben in Amerika gewidmet, darunter der Bildung des dortigen Pro Palästina- Komitees, und begibt sich jetzt nach Palästina, um innerhalb der Exekutive vor allem die Fürsorge für die Mittelstands-Kolonisation, die bisher leider verwaist war, zu organisieren. Gerade diese Tätigkeit wird auch in Deutschland mit großem Interesse verfolgt, da die Bedeutung entsprechender Erleichterungen für Mittelstands-Einwanderung heute klar zutage getreten ist. Es ist zu hoffen, daß sich aus der persönliehen Fühlungnahme mit Herrn Neumann auf diesem und anderen Gebieten die Anbahnung einer fruchtbaren praktischen Zusammenarbeit ergibt. Abbas Hilmi dementiert Die Vorschläge stammen nicht von ihm In einem aus Cannes datierten Schreiben an die J. T. A. m London nimmt der frühere Khedive von Aegypten, Abbas Hilmi Pascha, auf eine Anfrage zu den Gerüchten Stellung, als stünde er hinter den Vorschlägen zur Einberufung einer arabisch-jüdischen Round Table-Konferenz. Vor kurzem, schreibt Abbas Hilmi, befand ich mich auf der Durchreise in Palästina und traf dort selbstverständlich mit dem Jerusalemer Mufti, den Mitgliedern der Zionistischen Exekutive und den englischen Behörden zusammen. Alle meine Besuche bei diesen Herren aber waren nichts als Höflichkeitsakte. Wie erstaunt aber war kh, als ich hörte, daß Vorschläge über eine arabisch-jüdische Round Table-Konferenz mir zugeschrieben wurden, Vorschläge, von denen ich zum ersten Male erst durch Ihren Brie! Kenntn!s erhielt. Diese Vorschläge, mit denen ich nie zu tun hatte, betreffen Palästina und sind eine Angelegenheit der Palästinenser. Ich, der ich ebenso volles Vertrauen zu dem Jerusalemer Mufti und den Mitgliedern der Arabischen Exekutive habe, wie ich die Klugheit der zionistischen Führer und der Mitglieder der Zionistischen Exekutive schätze, hege die feste Hoffnung, daß sich alles gut regeln wird, wenn eine Basis für ein gegenseitiges Uebereinkommen zum Wohle Palästinas und zum Glücke seiner Einwohner gefunden sein wird. * Das Dementi von Abbas Hilmi trägt alle Kennzeichen eines diplomatischen Dokumentes. Er lehnt die Autorschaft der Vorschlage ab, in seinen Schlußbemerkungen aber bekennt er sich durchaus zu dem Grundgedanken einer arabisch-jüdischen Verständigung, der die Vorschläge dienen sollten. Es ist selbstverständlich, daß er nicht offiziell sich zu einem Dokument bekennt, das bisher wenig positives Echo gefunden hat, aber er hält sich offenbar die Wege offen, während seine Freunde (insbesondere unter den indischen Muslim) die Kampagne zunächst weiterführen. Es handelt sich jedenfalls um eine Initiative, an der die zionistische Politik, die seit langer Zeit vergeblich Anknüpfungspunkte nach dem Orient suchte, nicht ohne weiteres vorübergehen sollte. Der Senat der Universität Jerusalem hat beschlossen, den wegen der Demonstration bei der Antrittsvor- Itsurig von Bentwich suspendierten Studenten zu erlauben, ihre Studien fortzusetzen, Aus Essen wird uns geschrieben: Am 21. Februar veranstaltete der Keren Haiessod im ״Haus der Technik“ eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung für die Anhänger der Jevvish Agency im Ruhrgebiet. Den Vorsitz führte Dr, h. c. Alfred Leonhard T i e t z , der Vorsitzende des Keren Hajessod-Komitees für Rheinland-Westfalen. Dr. Tiefz gab in seiner Begrüßungsrede einen kurzen Ueberblick über die gegenwärtige Situation in Palästina und stellte die Bedeutung des Keren Haejssod gerade in diesem Moment erhöhter wirtschaftlicher Privatinitiative im Lande dar. Der Vorstand der Gemeinde Essen begrüßte offiziell die Tagung durch seinen Vorsitzenden Herrn Dr. Georg Hirsch- 1 a n d. Rabbiner Dr. Sam u e I schilderte in seiner Ansprache, wie er durch seine jüngst erfolgte Palästina-Reise zu einem glühenden Anhänger des jüdischen Aufbauwerkes und zu einem Bewunderer der zionistischen Bewegung geworden sei. Kurt Blumenfeld sprach als erster Referent über ״Judenschicksal im Spiegel des Weltgeschehens“. Obwohl Blumenfeld auf alle Stimmungsmomente verzichtete und bemüht war, mit Ernst und Zurückhaltung die jüdische Situation der Gegenwart zu schildern, teilte sich der leidenschaftliche Optimismus für die zukünftige Entwicklung Palästinas, von dem seine sachliehen Darlegungen getragen waren, sichtlich allen Hörern mit. Die außerordentlich interessanten und gedankenreichen Ausführungen, die im Rahmen eines kurzen Berichtes leider nicht wiedergegeben werden können, riefen stärksten Beifall hervor und hinterließen eine nachhaltige׳ Wirkung. Als zweiter Hauptredner sprach Dr. Friedrich Brodnitz über ״Die Mitwirkung des deutschen Judentums am Palästina- Von der Tagung der Assefatb Niwcharim, die am 4 März geschlossen wurde, liegen noch keine genaueren Berichte vor. Nach den kurzen, von der J. T. A. übermittelten Telegrammen zu schließen, kann man annehmen, daß sich auf der Tagung eine ausgiebige politische Debatte entwickelt hat, die sich im wesentlichen auf den herkömmlichen Bahnen bewegte. Auch der äußere Verlauf war der für zionistische Kongresse und ähnliche Veranstaltungen bereits traditionell gewordene: Nach Diskussionen und Kommissionsverhandlungen wurde in einer Nachtsitzung, die bis 6 Uhr früh dauerte, eile Tagung beendet. Ein bemerkenswertes Novum ist aber, daß sich in den entscheidenden politischen Fragen eine Uebereinstimmung ־zwischen allen Fraktioneu (einschließlich der Revisionisten, die bei der vorigen Session sezediert waren) herstellen ließ. Dieser einmütig gefaßte Beschluß bestätigt zunächst die frühere Resolution der Assefath Niwcharim, in welcher ausgesprochen wird, ״der Jischuw werde keinerlei palästinensische Institution anerkennen, bzw. an ihr teilnehmen, die die Tendenz ver- Aus der Arbeiterinnen -Bewegung Streiflichter am der letzten Konferenz Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl, Tei-Awiw, 23. Februar 1932. 1. Alte Klänge in neuer Tonart. Die vierte Arbeiterinnenkonferenz. Eine numerisch sehr eindrucksvolle Zusammenkunft. Der große Saal ist voll, Mädchen und Frauen dicht gedrängt in den Sitzreihen, in den Gängen, auf dem Podium. So verschieden die einzelnen sind, haben sie doch alle einen verbindenden Zug. Alle kommen aus der Arbeit, jene aus den Siedlungen, diese aus den Kolonien, andere aus den Städten. Alle haben um das tägliche Brot zu kämpfen, mit schwierigen Arbeitsbedingungen, noch unbekannten Verhältnissen, ungelösten Problemen. Der ungeheure Andrang zu der Konferenz ist etwas Neues. Die Organisation ist im Wachsen. 1921 hatte man auf der ersten Konferenz 480 organisierte jüdische Arbeiterinnen; 1922 waren es 600; 1926 : 6000. Und dieses Mal kommen hier die Vertreter von 12 000 arbeitenden Frauen zusammen. ״Arbeitende Frauen“ — denn es handelt sich hier nicht nur um solche, die selbst auf Verdienst ausgehen, sondern auch um die Frauen der Arbeiter, Mitglieder der allgemeinen Arbeiterorganisation. Es ist nur natürlich, daß man sie mitzählt, denn sie gehören in diesen Rahmen, waren gestern vielleicht selbst in irgendeinem Betrieb und können morgen wieder dorthin zurückkehren. Was auf der Konferenz verhandelt wird, berührt sie eng. Nicht so umwälzend wie diese Zahlen wirken die Reden der ersten Tage. Man spricht über K 01 o n i s a t i o n. Die alten Führerinnen, seit vielen Jahren ״im Dienst“, spielen hier die entscheidende Rolle, und was sie sagen, klingt bekannt. Es ist eine Wiederholung der alten Ideologie und der alten Schwierigkeiten,wie man sie seit zwei Jahrzehnten erörtert, eine Mischung von Frauenbewegung in ihren ersten Stadien und von Kolonisationswillen aus der ״Heroischen Zeit“ der Siedlung. Daneben klingen die Parteikämpfe an, die aus den Konferenzen der Männer geläufig sind. Da ist der große Block der führenden Partei, da ist die Opposition der Linken. Dieselben Argumente hier wie dort. Dieselbe Gegnerschaft. Und um das Bild zu vervollständigen, gibt es auch eine organisierte Obstruktion der kleinen Minorität, Kommunislengruppe, die keinen Vertreter auf der Konferenz hat, daran anschließend ein wildes Durchein- Aufbau“. In einer sehr klaren, fein durchdachten und straff gegliederten Rede stellte er dar, warum die N i c h 11 i o n i s t e n das Recht und die Pflicht hätten, als gleichberechtigte Partner am Palästina-Aufbau mitzuwirken. Sein Appell um tatkräftige Unterstützung des Palästinawerkes ergab sich organisch aus der Darstellung der problematischen inneren Situation, in der sich die jüdische Welt heute befindet, in der der deutsche Jude einen starken realen Rückhalt nicht entbehren kann, ln seinen Ausführungen über Deutschtum und Judentum, in denen er mit rückhaltloser Ehrlichkeit allen Anforderungen des jüdischen Lebens gerecht zu werden versuchte, wurde klar, wie auch nichtzionistische Gedankengänge geradezu zwingend zu einem Ein- Schluß von Erez Israel in das jüdische Leben des deutschen luden führen. Auf die Referate antwortete Herr Rabbiner Dr. Hahn. Dr. Hahn leitete seine Rede hebräisch ein und legte eine Treuebekenntnis zur Jewish Agency und zum Keren Hajessod ab. Seine frischen und kraftvollen Ausführungen wurden von der Versammlung lebhaft akklamiert. Alfred T i et z schloß die Ver- Sammlung mit einem nochmaligen Aufruf für verstärkte Keren Hajessod-Arbeit. Die Tatsache, daß die beiden Referenten in ihren auf einen ganz verschiedenen Ton gestimmten Reden rückhaltlos und kompromißlos ihre Grundauffassungen vertraten und gleichzeitig in der Frage der Tatgemeinschaft für den Palästina-Aufbau zu der nämlichen Forderung kamen, war ein bedeutsames Ergebnis dieser für den ganzen Ruhrbezirk wichtigen Veranstaltung. felgt, dis BotwicUung des Jüdischen Nationalheims zu hemmen“, und fügt hinzu; ״Die politische Situation rechtfertigt keinerlei Aenderung an dieser Haltung, sondern im Gegenteil; sie bekräftigt sie.“ Einmütig faßte die Assefah auch eine Entschließung über den Landentwicklungsplan, in der erklärt wird, die palästinensische Judenheit werde sich jedem Plan widersetzen, der die jüdische Entwicklung ignoriert und darauf hinausgeht, jüdische Einwanderung und jüdischen Bodenkauf zu beschränken. Der neugewählte Waad Leumi setzt sich aus 10 Vertretern der Arbeiterschaft, 5 Revisionisten, 2 Allgemeinen Zionisten, 2 Misrachisten, je einem Vertreter der sephardischen Juden und der Jemeniten und einer Vertreterin der Frauen zusammen. ander im Saal und schließlich einen recht brutalen ״Abtransport“ der Störenfriede. Vor einem Jahrzehnt wäre das undenkbar gewesen. Da war die Politik nicht stark genug, Gegensätze auf einer Zusammenkunft von Arbeiterinnen zu schaffen. Heute klafft die Kluft zwischen den einzelnen Lagern schon tief auf, es wiederholt sich die Entwicklung, die im männlichen Lager schon früher abgeschlossen war. Die Parteibrille scheint auch den Gegensatz zwischen den Geschlechtern auszugleichen. . . . 2. Alt und Jung. Es dauert nicht lange und die Konferenz enthüllt noch einen andersgearteten Gegensatz: einen Kampf zwischen den Generationen. Die alten Führerinnen, die ursprüngliehen Schöpfer der Bewegung, sitzen auch heute noch fest im Sattei. Sie ziehen die Drähte hinter den Kulissen, sie treten am sichtbarsten auf, sie haben eine große Sicherheit in der Führung der Debatten und Geschäfte. Aber auch neue Töne werden laut. Neue Gesichter sind da, neue Forderungen werden gestellt, neue Gesichtspunkte hervorgehoben. Ein junges Geschlecht drängt nach, hat manche Frage, die noch die alten in weitem Maße beschäftigte, längst überwunden. Für diese Frauen handelt es sich nicht einfach um ״Gleichberechtigung“, einen Terminus, der sonst immer eine so große Rolle gespielt hat. Sie sehen die Dinge vom Klassenstandpunkt, von der sozialen Not aus. Besonders die linken Elemente sprechen eine ganz andere Sprache, fordern schärfere Gewerkschaftsorganisation, Aufklärung über Klassenkampf, gemeinsame Organisation mit der arabischen Arbeiterin, Dinge, die in dieser Form von der großen Mehrheit abgelehnt werden. Aber auch die Jungen dieser Mehrheit zeigen neue Aspekte und neue Ambitionen. Es ist bereits eine zweite Generation auf den Plan getreten. 3. Dorf und Stadt. Ein dritter Gegensatz, uralt auf der ganzen Welt, neu in diesem Rahmen: der Gegensatz zwischen Dorf und Stadt. Heute ist er noch nicht ausgeprägt. Viele der Frauen, die gestern auf dem Lande arbeiteten, sind heute in der Stadt, und umgekehrt. Die älteren unter den Delegierten sind durch gemeinsame Kämpfe miteinander verbunden und sehen den aufsteigenden Gegensatz, höchstens als theoretisch. Aber er ist bereits im Entstehen, er verschärft sich, je mehr auch der Arbeiter im Lande seßhaft wird, je mehr der Landwirt andere Interessen zu vertreten hat als der Städter, Heute schon kann man der Ar- Einigung in der nssntaih niwcharim Ablehnung konstitutioneller Reformen für Palästina .......

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