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Jüdische Rundschau · 1932-03-04 · Heft 18 (4.3.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 18 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 18, 4. nt 1932 JÜDISCHE RÜNDSCRA0 Seite 87 Die Reichspräsidenienwithl In zehn Tagen wird die Reichspräsidenten wähl stattfinden, von der niemand Voraussagen kann, ob sie endgültig sein, oder einen zweiten Wahlgang am 10. April erforderlich machen wird. Die Wahlbewegung ist bereits im vollen Schwung und vollzieht sich, obwohl vier von großen Gruppen getragene Kandidaten aufgestellt sind, nur zwischen den Lagern: hie Hind e n bu r g - 11 i c H i 11 c r. Die Nationalsozialisten entfalten als erprobte Propagandisten eine außerordentlich rege Tätigieit. Massenversammlungen, Flugzettelverteilungen, Hausbesuche, Zirkelaussprachcn und Agitation von Mund zu Mund kennzeichnen die Leidenschaftlichkeit des nationalsozialistischen Kampfes. Millionen Exemplare von Werbeschriften zum Ein« tritt in die S. A. und zur Popularisierung des nationalsozialistischen Programms werden durch tausend Kanäle in die Bevölkerung gepumpt, ln der Großstadt Berlin merkt man natürlich diese Tätigkeit viel weniger als in der Provinz und besonders auf dem flachen Lande. Die großen Zeitungen der nationalsozialistischen Partei versuchen, in einprägsamer schlagwortartiger Weise für ihren Kandidaten Stimmung zu machen, ffi er bei beschränken sich die Nationalsozialisten auf wenige Schlagworte. Die am meisten wiederholten sind: ״November- Verbrecher“, ״Das System“, ״Juden-Republik“ ״Judenpresse“ und ״jüdischer Marxismus“. Der Judenpunkt spielt also hl der Gesamtaufmachung der nationalsozialistischen Propaganda eine erhebliche Rolle. Dabei wird zutschen Juden und Juden kein Unterschied gemacht. Wohl liest man in längeren nationalsozialistischen Aufsätzen sehr oft die Worte ״Ostjude“ tmd ״Galizisrher Jude“ zur Kennzeichnung des Verabscheu- «mgswürdigsten und Verderblichsten, was auf Gottes Erdboden lebt, in der Großpropaganda aber heißt es ״Jude“ schlechthin. Außerdem sollen deutsche Juden ja nicht meinen, daß durch eine Beschränkung der Agitation auf ״Ostjuden“, in die manche Juden einzustimmen bereit zu sein scheinen, sie selbst sich *alvieren können. Denn in den Augen der Nazis ist auch das ״Berl. Tageblatt“ eine ״galizische“ Zeitung und der ״bodenständigste“, ostjudenfeindlichste Jude selbst ein ״Galizianer“. Nicht die örtliche Herkunft des einzelnen Juden interessiert die Nazis, sondern das Judentum schlechthin bekämpfen sie: es hilft keinem Juden, wenn er versucht, diese Solidarität los- »!werden. Die Juden als Juden sind angegriffen und müssen Sich verteidigen. Dies ist die Situation, der wir gegenüber1stehen. Daß es in der überhitzten Atmosphäre des Wahlkampfes zu vielerlei Anpöbelungen Andersgesinnter kommt, ist leider eine in Deutschland seit langem landesüblich gewordene Ersehe»- tnmg. Mit Vorliebe werden natürlich jüdisch aussehende Menschen überfallen. Das liegt im Wesen der nationalsozialistischen Kampfmethoden, die zuletzt von dem staatsparteilichen Abgeordneten Weber im Reichstag ausführlich geschildert wurden. Fast jedes Kampflied der Nationalsozialisten widmet mehrere Strophen oder den Refrain dem Rufe, Juden totzuschlagen und ihr Blut fließen zu lassen. Andererseits ist aber festzustellen, daß sich in verschie- Menen Organisationen und Bünden ein bisher kaum beobachteter energischer Widerstand und ein radikaler Kampf׳ wllle gegen den Nationalsozialismus äußern. Während noch im Herbst des vorigen Jahres eine allgemeine Apathie die nichtnationalsorialistischen Parteien erfaßt zu haben schien, ist gegenwärtig auf seiten der Hitler-Gegner ein unbedingter Abwehrwille festzustellen. In dem Ringen der zwei großen Lager spielen die Juden keine besonders hervor stechende aktive Rolle. Als Mittel zum Zweck allerdings ist Mas Judenproblem bei den Hitler-Leuten ein zentraler Gegen Stand der Wahlagitation. Man hat es in einer jüdischen Zeitung nicht nötig, irgend welche Ratschläge zu erteilen, wie sich die jüdischen Wähler verhalten sollen. Es ist klar, daß man als ein Ueberfallener Mas natürliche Empfinden hat, mit allen Kräften die drohende Gefahr abzuwenden. Diese selbstverständliche Haltung wild Von den Juden, soweit sie überhaupt unter praktisch-politischen Gesichtspunkten eine Einheit darstellen, beobachtet. Ke Reichs■ Präsidentenwahl ist eine der bedeutsamsten politischen Ent Scheidungen_ für die deutsche Republik und auch für das gesamte politische Weltsystem. Durch die merkwürdigen Schick sale der jüdischen Gemeinschaft ist sie auch ein in die Ge Samtsituation der Juden einschneidend eingreifend«!* Ereig* jjs. Aus allmenschlichen, allgemein-politischen und auch aus jüdischen Gründen wünschen die Juden den Sieg jener Rieh fung, die eine möglichst gewaltlose Entwicklung verbürgt b. h. Eioe moderne und demokratische Regierung Von Harry Epstein Der Regierungspräsident zu Arnsberg hat von allen jümschea Gemeinden seines Bezirks, die sämtlich liberal verwaltet werden, die Satzungen eingefordert und den Gemeinden sodann *ine Frist gesetzt, in der sie die den modernen und demokratisehen Verhältnissen nicht mehr entsprechenden Bestimmungen andern sollen. Das begrüßenswerte Vorgehen des Regierungs- Präsidenten zu Arnsberg steht übrigens nicht vereinzelt da. Wiederholt haben Regierungen aus eigenem Antrieb jüdische Gemeinden in Preußen aufgefordert, das Dreiklassenwahlrecht, die Entrechtung der Ausländer, das Mehrheitswahlrecht, die Karenzzeit, den Zensus abzuschaffen und das Frauenwahlrecht *inzuführen. Das ist sogar schon in der Vorkriegszeit geschehen. Insoweit möchten wir allerdings dem Regierungs־ Präsidenten zu Arnsberg nicht folgen, als er, natürlich in guter Meinung, das vielfach anfechtbare Normalstatut des Preußisehen Landesverbandes zur Benutzung empfiehlt. Die Verfügung lautet: In aller Kürte Der Regierungs-Präsident. I Sta. I. Nr. 35. In einer gemeinsamen Beratung der Zionistischen Exefcutive mit dem Vorsitzenden des Aktions-Comites, Herrn Leo Motzkin, wurde, wie offiziell mitgeteilt wird, der Beschluß gefaßt, die jetzt fällige Sitzung des Aktions-Comites in Anbetracht der Abwesenheit des Präsidenten der Organisation und um die jetzt in vollem Gang befindliche Arbeit für die Fonds nicht zu stören, erst nach den Peßach -Feiertagen abzuhalten. Auf dem Weiauann-Bankett des Keren Hajcssod in Johann is bur g , das einen sehr eindrucksvollen Verlauf nahm, wunden, wie gemeldet wird, 13 500 Pfund (Goldpfund) für den Keren Hajcssod gezeichnet. Der ab 1. März in Großbritannien in Kraft getreten׳' zehnprozentige Einfuhrzoll gilt auch für alle aus Palästina eingeführter! Waren, da Palästina als Mandatsland formell nicht dem britischen Reich angehört. Man erwartet jedoch, daß die Regierung von der ihr zustehenden Befugnis, einzelne Länder auszunehmen, den Mandatsländem gegenüber Gebrauch machen wird. Feldmarschall Lord Phi mor, der zweite High Oommissioner Palästinas, ist in London schwer erkrankt. Er wird im März d. j. 75 Jahre alt. Der bisherige Privatsekretar des High Commissioner, Mr. Cust, ist als Hilfssekretär in das Staatsdepartement versetzt worden, während das Privatsekretariat des neuen High Commissioner, Mr. Eastwood, bisher Beamter des Kolonialamtes in London, übernommen hat. Der frühere Polizei-Kommandant von Nazareth, Mr. Brvant, der während der Unruhen von 1020 bei der Vortekügnng des Emek gegen die arabischen Angreifer sich ausgezeichnet hat, ist hei einem Autounfall in Damaskus tödlieh verunglückt In Paris fand unter dem Vorsitz von Justin Godarf eine große Palästina-Kundgebung statt, bei der der friiliere'Preniierminister Painleve und Godart selbst in längeren Reden das Interesse Frankreichs an den Palästinafragen und insbesondere an der Errichtung des Jüdischen Nationalheims, für die auch Frankreich sich verpflichtet habe, hervorhoben. Exkönig Al phons von Spanien ist am 29. Februar inkognito in Beiruth eingetroffen und hat sich von hier zunächst nach Damaskus begeben, von wo er nach Palästina weiterreist. Auf Intervention der Vertreter der Jüdischen Partei in der Tschechoslowakei, Abg. Goldstein und Dr. Margulies, erklärte der Innenminister, daß keine weiteren Vcrhaftungen in derSlowakei wegen angeblicher Vergehe!! in den Ümsturztagen erfolgen werden. Die jetzt schwebenden Angelegenheiten sollen einer raschen Liquidierung zugeführt werden. Die Regierung versprach, eigenmächtige Verhaftungen seitens der Gendarmerie in Zukunft zu verhindern. Dr. Arthur Hanike besuchte dieser Tage Rumänien und hielt in mehreren Städten Vorträge und Versammlungen zugunsten des Keren Hajessod ab. In Bukarest veranstaltete Direktor Adolf Bernhard einen Empfang, bei dem die Führer des rumänischen Judentums vertreten waren und sowohl dem Gaste, als auch der Palästina-Sache warme Ansprachen widmeten. In W ’arschau fand auf Veranlassung der polnischen Sektion der Jevvish Agency eine Besprechung statt, die der Frage einer Auswanderung des jüdischen Mittelstandes nach Palästina gewidmet war. Es wurde festgestellt, daß für eine solche Auswanderung große Möglichkeiten bestehen und eine neungliedrige Kommission eingesetzt, die eine wirtschaftiiche Exkursion nach Palästina zu organisieren hat. Zehn Beduinen wurden unter der Beschuldigung, den das Besitztum des kanadischen Juden Pierre bei Tel Mond umgebenden Zaun niedergerissen, die jüdischen Arbeiter belästigt und auf dem Anwesen Zelte errichtet zu haben, verhaftet. Auf dem dem Keren Kajcmeth gehörenden Boden in der Haifahucht wurden von bisher unbekannten Tätern 800 Eukalyptusbäume herausgerissen. Das Jerusalemer Gericht verurteilte den früheren Pollz ist en Said Kabra zu drei Jahren Gefängnis wegen Irre• fiihrung der Polizei und Hcrauslockung von Geld unter falschen Vorspiegelungen. Said Kabra hat nach der Mordtat bei Jadschur der Polizei gegen Belohnung Informationen gegeben, auf deren Basis mehrere Beduinen verhaftet wurden. Die Informationen haben sich als falsch erwiesen, woraufhin die Ver■ hafteten freigelassen wurden. Am 28. Februar wurde in Haifa das neuerbaute Heim für Ch aluzot h feierlich eröffnet. Die Kosten von 6000 Pfund wurden von der Pro Palestine League jüdischer Frauen in Amerika aufgebracht. Den Bauplatz stellte die Pica zur Ver■ fügung. Nach einer zwei Tage dauernden Aussprache nahm der polnische Sejm das von den Deputierten des Jüdischen Klubs scharf bekämpfte Gesetz über Reformierung des Mittel- und Privatschulwesens an. Jascha Cheif et z hat in der neuen Edison Hall zu Jeru• saiem ein Konzert gegeben. Die Halle war überfüllt. Dem Konzert wohnte auch der High Commissioner General Sir Arthur Wauchopc bei. Arnsberg, den 13. Februar 32 Bei Durchsicht der auf Grund meiner Rundverfügung vom M. Dezember 1931 — i St. I. 1625 — eingereichten Satzungen der Synagogengemeinden habe ich festgestellt, daß diese infolge Ueberalterung in wesentlichen Punkten modernen und demokratischen Verhältnissen nicht mehr entsprechen. Ich ersuche daher, alsbald mit den Sy nagogengemeinde-Vertretungen zwecks Neuaufstellung der fraglichen Satzungen in Verbindung zu treten. Bei dieser Gelegenheit verweise ich auf das in Nr. 6 des Vcrwaltungsblattes des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden vom 10. August 1931 abgedruckte Normalstatut hin. Zum 1. Oktober d. J. ersuche ich mir über den Erfolg Ihrer Bemühungen zu berichten. Die eingesandten Statuten folgen anbei zurück. Im Aufträge gez. Dr. J o r d a n s, Beglau bigt: gez. Schulte, Reg.- Kanzlei- Assistent. Ein neues Herzl-Buch Von Emil Bernhard Cohn. In einer Zeit, die für die zionistische Bewegung in mehr als einem Sinne entscheidungs- und beinahe schicksalsvoll geworden ist, beschert uns Manfred Georg, seines Zeichens Journalist und führender Theaterkritiker Berlins, ein HerzJ-Bueh (Verlag Ralp A. Höger, Wien), von dem von vornherein gesagt sein soll, daß es ein ganz ausgezeichnetes Werk von erstaunlicher Frische, Lebendigkeit und Warmherzigkeit ist. Der alte Kampfgenosse der ersten Jahre ®unserer Bewegung sieht vor sich die großen Tage der zionistischen Frühzeit erstehen und stellt mit innerer Bewegung fest, wie jung und lebendig alles geblieben ist, wie stark die Freude und wie tief der Schmer•/ um diesen großen Menschen, der wie ein Meteor durch die Atmosphäre der jüdischen Welt drang, ihr ein kurzes Leuchten bescherte, um schließlich im All zu versinken. Aber nicht bloß für uns, die den Menschen miterlebt und in sein Tun und Handeln mit hineingerissen waren, sondern auch für das Geschlecht unserer Zeit scheint mir, kommt dieses Buch zur rechten Zeit. Zwar haben wir alten Kämpen oft und mit traurigem Kopfschütteln festgesiellt, wie von Jahr zu Jahr Name und Gestalt des großen Führers in den Augen der Nachgeborenen verblaßte und immer weniger in der Öffentlichkeit genannt worden ist. f>ie großen Tage der Balfour-Deklaration, die der Bewegung stärksten Auftrieb gaben, haben natürlich den Schöpfer des Ganzen zurücktreten lassen, und während früher der ״große Führer“ nicht bloß Phrase, sondern stärkstes Argument in allen Versammlungen und Artikeln war, hat man ihn allmählich zwar nicht vergessen, aber doch ein bißeben zu den Klischees gelegt, um ihn zur alljährlichen Herzf-Feier hervorzuholen und dem Volke zu präsentieren. Und trotzdem ist er — und das zeigt Manfred Georgs Buch auf das deutlichste — eine lebendige Kraft gehlieben, und gerade heute könnte dieses neue Buch für die zionistische Gegenwart und vor allem für ihre Jugend eine wahrhafte Erweckung werden. Wir sind heute alle so von der Weltkrise geschüttelt und so bis zum Rande mit dem Bewußtsein der Ohnmacht und des Lfmgeschwungenseins angefüllt, daß wir mit Trostlosigkeit und manchmal geradezu mit Schrecken die allgemeine Faulheit und Zagheit auf der einen Seite und auf der anderen die Verknöcherung der zionistischen Jungweit festzustellen haben. Unter diesen Umständen ist es wirklich an der Zeit gewesen, das Bild des wundersamen Menschen neu zu gestalten, der in der engen Sabbat-Woche von sieben Jahren das zusammengepreßte Leben eines Menschen führte, der an seinem eigenen Feuer verbrannt ist. Die einzelnen Etappen dieses Lebens sind in ihrem Ablauf zu bekannt, um hier wiederholt zu werden. Aber die Darstellung, die Manfred Georg an seine Aufgabe wagte und vermochte, ist so ausgezeichnet, daß man das Buch als eine zionistische Leistung ersten Ranges bezeichneu darf. Ob wir den suchenden journalistisch und literarisch irrlichtelieremJen Herzl sehen, der sich noch nicht gefunden haf, ob wir den Blitzschlag erleben, der aus heiterem Himmel in seine jüdische Seele fuhr, ob wir die Besessenheit des Menschen sehen, der durch Dick und Dünn seiner Idee maitresse folgt oder schließlich sehen, wie diese weite Seele die fernsten Menschen einzufangen, zu umfangen und zu bezaubern versteht, —■ das alles ist klar, volkstümlich und st» dramatisch gestaltet, daß man das Ganze mit atemloser Spannung liest, und wenn man es miterlebt hat, mit tiefer Rührung seine Jugend wiederholen darf, im Einzelnen ist zu loben, daß der Verfasser mit dem Tode Herzls nicht aufhört, dem tragischen Widerspiel seines Sohnes ein treffendes Kapitel weiht und auch noch im Kielwasser seines Helden fahrend die Leistung der Erben weiterzuführen und zu würdigen versteht. Alles in allein eine Leistung, fiir die wir Manfred Georg Dank wissen müssen und die vor allem in einer Zeit, wo die jüdische Jugend und auch die zionistische fasziniert nach dem Osten blickt und in den kollektivistischen Lösungen vielfach das Heil zu erblicken vermeint, sehr zur rechten Zeit gekommen ist. Es geht heute nicht mehr nur darum, daß wir nach Geld, Geld, Geld schreien, um mit äußersten Kraftanstrengungen das Schifflcin den Leinpfad stromaufwärts zu ziehen suchen, sondern, was wir wieder haben müssen, Ist die Fälligkeit zur letzten Hingabe an die Idee, einer Hingabe, wie sie Theodor Flerzl uns einmalig und groß gezeigt und verwirklicht hat. Wenn irgendeine Gestalt unserer Geschichte beweist, daß ein Volk ohne Helden nicht leben kann, so Ist es seine Gestalt, und die Jugend von heute mag in schwerer Zeit von ihm lernen und erkennen, daß eine Bewegung und ein Endziel wie das zionistische ohne die alte ״Messirat ncfesch“ nicht vorangebracht werden kann. Dem Autor aber, der uns das Buch beschert, gebührt der volle Dank nicht bloß der Zurückschauendenauf das, was sic miterlebt, sondern auch der Vorschauenden auf das, was sie noch erleben wollen. Presseschan Der ״J e w i $ h C h r o n i c 1 e“ wendet sich in seinem letzten Leitartikel an die englische Regierung mit der Aufforderung, die letzte Erklärung des Kolonialministers, daß England das Mandat dem Wortlaut und dem Geiste nach erfüllen wird, durch genauere Angaben zu spezialisieren, damit das Vertrauen im jüdischen Volk wieder hergestellt werde. Das Blatt stützt sich dabei auf eine Zuschrift von Jakob De Haas, der geschildert hatte, wie stark das Vertrauen zu England als Mandatarmacht bei den amerikanisehen Juden in den letzten drei Jahren erschüttert worden ist. Gerade der jetzige Moment, so erklärt ״Jewish Chronicle“ wäre geeignet, um durch eine erkennbare Wandlung in der englischen Politik eine neue Aera einzuleiten. ln der von Friedrich Wilhelm Foerster herausgegebenen Zeitschrift ״Die Zeit“ (Berlin-Baumschulenweg) ist im zweiten Februarheft ein Aufsatz von Kart Loewy (Haifa), ״Perspektiven deutsch-französischer Kolonialpolitik“ enthalten, worin der Verfasser empfiehlt, im Rahmen einer deutsch-französischen Verständigung eine deutsche Immigration nach Syrien zu organisieren. Bei seinen Vorschlägen für die Ansiedlung der Immigranten stützt sich Loewy auf das palästinensische VorSiki. Die Versuche in Palästina hätten gezeigt, daß auch auf bisher verseuchten Sumpfgebieta! eine Kolonisation großen Stils möglich sei. Der Herausgeber, Prof. Foerster, tritt der offenkundig utopischen Konstruktion mit einer skeptischen Nachbemerkung entgegen. Auffallendcrwcise erwähnen weder der Verfasser noch der Herausgeber, daß Syrien nicht (ranzösischcs Kolonialgebiet, sondern Mandatsgebiet ist und daß die Syrer selbst auch existieren. Das Preußische Judengesetz. Der Preußische Staatsrat hat am 1. März den von der Preußischen Regierung verfaßten Entwurf, der die Rechtsverhältnisse der Synagogengemeinden in Preußen einer Neuregelung unterzieht, nach Vornähme einer weiteren, die Austrittsfrsge betreffenden unwesentliehen Modifizierung verabschiedet, so daß jetzt der Entwurf dem Plenum des Preußischen Landtags zur endgültigen Verabschiedung zugeleitet werden wird. Der Entwurf wird von der preußischen Judenheit abgelehnt, vgl. Artikel von Dr. Kol- Ienscher in ״J. R.“ Nr. 16. Verfassungsentwurf für den Reichsverband. Der zur Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfs für die zu schaffende Ge- Samtorganisation der deutschen Juden eingesetzte Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat am vergangenen Sonntag einen solchen Entwurf einstimmig an- . noch nicht zu erzielen war. Kommission für Organisation und Propaganda. Die Zionistische Exekutive teilt mit: Der 17. Kongreß hat bekanntlieh e.ine Ständige Kommission für Angelegenheiten der Organisation und Propaganda einzusetzen beschlossen und die Evekutive beauftragt, im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aktions-Comites die Ernennung der Kommissionsmitgljeder vorzunehmen. Die Kommission wurde wie folgt zusammenesetzt: Dr. Simon Federbusch (Helsingfors): Dr. Georg lalpern (Berlin); Dr. Max Kollcnscher (Berlin); Richard Lichtheim (Berlin); m, Neustadt (Warschau); Dr. Oskar Rabinowicz (Brünn); Dr. Martin Rosenblüth (Berlin); Josef Sprinzak (Tel- Awiw); Dr. Arje Tartakower (Lodz) und Dr. Naehum Goldmann (Berlin). %

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