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Jüdische Rundschau · 1932-03-04 · Heft 18 (4.3.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 18 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 88 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 18, 4. Ul. 1932 Vor einer neuen Alijah Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl, Tcl-Awiw, 16. Februar 1932. Das Schlagwort des Tages heißt Mittetstandssiedtu n g. Die an der Wirtschaft des Landes interessierten Kreise beschäftigen sich damit, die ׳nomstische Presse des üaluth verlangt eine dahin zielende Aktion, der Kongreß hat sie bereits beschlossen, Palästina erwartet sie. Die Lage ist anders als vor Beginn der ״vierten Alijah“. Damals stand das Land »m Zeichen der Arbeitslosigkeit, und der auf der polnischen Judenheit lastende Druck beachte schließlich eine Einwanderung und damit auch die Erleichterung. Man hat es tausendmai wiederholt, daß die zuständigen Instanzen damals den einstromenden Kapital- und Menschenstrom nicht zu lenken verstanden, daß dadurch schwere Fehler gemacht und Geld verschwendet wurde. Man versprach sich, die nächste Einwanderungswelle besser auszunützen und die Fehler zu vermeiden. Heute nun sind wir wieder in dem Stadium, wo neue Investitionen zu erwarten sind. Und cs muß die Probe aufs Exempel gemacht werden; hat man in der Kolonisationsarbeit etwas zugelernt, ist man bereit, neue Kapitalien und Menschen aufzunehmen, weiß man, wohin sic zu lenken sind? Die gegenwärtige Lage ist in vieler Hinsicht günstiger als die vor sechs Jahren. Damals mußte zuerst einmal die Arbeitslosigkeit liquidiert werden, während heute die Situation Palästinas in dieser Hinsicht befriedigend ist und geradezu glänzend im Vergleich mit den meisten europäischen Ländern. Damals Wußte der Einwanderer nicht, welchem Wirtschaftszweig er sich mit Vertrauen zuwenden konnte. Ohne sichere Führung wurde dieses und jenes ausprobiert, bis es schließlich zu einem üründungsfieber und zu den gefährlichen Grundstücks-Spekulationen kam, die sich an vielen so schwer gerächt hat. Heute stehen die Dinge besser. In den letzten Jahren haben sich die jungen Industrien fast durchweg basiert; die Bautechnik hat sich stark vervollkommnet; die Zitrus- Pflanzungen sind gewaltig ausgebaut und auf eine feste Grundläge gestellt worden. Die jüdische Palästinawirtschaft ist sicher und balanciert und — was für Investitionen vielleicht noch bedeutsamer ist — sie ist erweiterungsfähig. Es ist charakteristisch für die jüdische Lage ira Lande, daß trotz politischer Schwierigkeiten und trotz der Finanznöte der Agency die jüdische Wirtschaft eine bemerkenswerte Stabilitat zeigt. Die Wirtschaftskatastrophe des Auslandes hat viele darüber belehrt, daß es absolute Sicherheiten für Anlagen nicht gibt und daß es in Palästina Investitionsmöglichkeiten gibt, die besser sind als anderswo; die allgemeine Krise ist nicht bis hierher gelangt. So kommen heute eine Menge Anfragen aus den verschiedenen Ländern, die sich auf Uebersiedlungs- und Investitionsmöglichkeiten beziehen. Und ein vorläufig noch zögernder, aber ansteigender Strom von Interessenten kommt ins Land. Die Beratung und Lenkung dieser Elemente ist heute notwendig. Wie soll sie durchgeführt werden? Unter normalen Verhältnissen wäre es die Aufgabe der Agency, hier einzugreifen. Die Exekutive der Agency im Lande leidet aber schwer unter ihren Finanzsorgen, ihre wenigen Mitglieder sind mit Arbeit überhäuft, haben sich durch das Gewirr der Politik und der Geldnöte durchzukämpfen. Das jüdische Publikum wendet sich auch nur in relativ wenigen Fällen an die Exekutive um Auskunft. Man sucht raschere Wege. Es charakterisiert die Lage, daß die verschiedenen Kreise Palästinas jeder für sich versuchen, das wirtschaftliche fnformatioaswesen zu organisieren. Die deutschen Palästinenser haben vor kurzem zu diesem Zwecke eine Vereinigung gefrundet (״Hitachduth Oie Germania“) und sie wird schon eute von Interessenten aus Deutschland in Anspruch genommen. Die Amerikaner hier sind dabei, ein spezielles Büro zu gründen. Die Polen versuchen ebenfalls wirtschaftliche informationen zu geben. Man kann es beklagen, daß eine solche Einzelarbeit in jedem Kreise notwendig ist. Aber wenn es sich um rein wirtschaftliche Aktionen handelt und eine separatistische Politik, die nach ,,Landsmannschaftentum“ schmeckt, ausgeschaltet wird, so können derartige Organisationen von Nutzen sein. Es ist sicher besser, eine solche Kapitalsberatung wird in einzelnen Kreisen gemacht als überhaupt nicht. Jedoch ist mit der Erteilung von Auskünften nur der erste Schritt getan. Darüber hinaus muß jedem, der Geld im Land investieren will, der praktische Weg dazu gezeigt werden, sei es, daß es sich um Leute handelt, die nur ihr Geld hier anlegen, sei es, daß sie hier auch leben wollen. Es gibt drei hauptsächliche Anlagefelder für Gelder: Zitruspflanzungen, Industrieunternehmungen und Häuser. Die Plantagen sind bei weitem das anziehendste und wichtigste Kaufobjekt. Man hat es mit einer Sache zu tun, die erprobt ist, für die bis zu einem gewissen Grade ein sicherer Markt besteht und die vor allem hohe Gewinne liefert. Auch wenn man annimmt, daß die ungewöhnlich gute gegenwärtige Verzinsung mit dem vergrößerten Angebot stark reduziert wird, so bleibt doch immer ein guter und sicherer Verdienst zurück. Nun ist es jedoch heute nicht ganz einfach, Pflanzungen im Lande zu kaufen. Wenn man die Möglichkeit hat, sich an eine der großen Pfianzungsgesellschaften zu wenden, die Plantagen anlegen und bis zur Reife bearbeiten (wie Tel-Mond, Jaffa Plantations, Gan Chajim oder Jachin und Hanotea), ist die Sache ziemlich glatt. Dieser Weg kommt jedoch nur für Leute in Frage, die das Geld für einige Jahre investieren können ohne Ertrag zu er* warten. Will dagegen jemand mit seinem Geld eine fertige Pflanzung kaufen, so dauert es oft sehr lange, bis man das richtige findet. Ebenso kompliziert ist es häufig, wenn jemand eine Pflanzung anlegen lassen will. Bodenkäufe, Kreditbc- Schaffung sind oft langwierig und schwierig. Schließlich gibt es viele, die sich nicht an ein Objekt binden wollen, sondern eher geneigt wären, sich an einem Unternehmen oder einer Gesellschaft durch Kauf von Aktien zu beteiligen. Auch hierfür sind die Möglichkeiten heute beschränkt. Es läge daher nahe, eine GeseUschaftzu gründen, die die verschiedenen hier genannten Bedürfnisse befriedigen könnte. Sie müßte imstande sein, sowohl einer Nachfrage nach Papieren wie auch nach Sachwerten nachzukommen, also sowohl Anteile wie Pflanzungen abzugeben. Dabei müßten Parzellen der verschiedenen Größen vorhanden sein, sowohl tragende wie auch erst in Vorbereitung befindliche Plantagen, oder auch nur Boden zura Verkauf stehen, damit die verseniedenen Wünsche der Käufer berücksichtigt werden können. Es käme also auf die Gründung einer kapitalkräftigen Ge* Seilschaft hinaus, die Sachwerte verkauft und Anteile ausgibt. Eine bestimmte Verzinsung der Papiere müßte ermöglicht werden. Dazu wäre es nötig, daß ein Stock tragender Pflanzungen vorhanden ist, der bereits Gewinn abwirft. Ein solches Projekt könnte auf die verschiedenste Weise erweitert werden. Eine Verwertungsgesellschaft der Abfallfruchte beim Orangenexport ließe sich anschließen. Schließlieh ist auch die Einbeziehung eines Teiles der Industrie nicht ohne Aussichten. Es ergäbe sich dann ein Investment-Trust, der aut bereits bestehenden Unternehmungen aufbaut und zu ihrem Zusammenschluß führt. Daß hier auch eine zentrale In* formationsstelle entstehen würde, braucht keine Erläuterung. Die Vorbedingungen für das Gelingen eines derartigen Planes ist sofortige und rasche Ausführung. Man muß sich darüber klar sein, daß das gegenwärtige Interesse für Kapital* Investitionen einer Konjunktur zu verdanken ist. Von der Zio* nistischeu Organisation sollte nur moralische Hilfe verlangt werden, wenn sie überhaupt nötig ist. Die PalustiaawirtscbaU ist heute so weit entwickelt, daß sic auch ohne nationale Gelder eine solche Sache ins Werk setzen kann. Es ist hier nur über Kapitaleinwanderung gesprochen worden. Von chaluziselier Einwanderung war nicht die Rede. Es liegt aber auf der Hand, daß gleichzeitig mit elnströmendem Kapital auch eine neue und verstärkte Immigration von Chaluzim einsetzen muß, und die Regierung genötigt sein wird, wieder die Tore des Landes zu öffnen. Berufs* und Wirtsdiaftsberaiung (Hitschdufh Olel Germania) In Palästina machen sich die Vorboten einer neuen Mittel־ Stands- und kleinkapitalistischen Einwanderung aus allen Län* dern bemerkbar, die gerade heute, wo die Chaluz-Einwanderung aus finanziellen und politischen Gründen gehemmt ist, besondere Bedeutung besitzt. Täglich laufen hier eine Fülle von Anfragen, auch aus Deutschland ein; Touristen, die sich wirtschaftlich informieren wollen, kommen Ins Land und werden im Zusammen* hang mit der Makkabia und der Levante-Messe bald in noch größerer Zahl hier cintreffen. Angesichts dieser Tatsachen und auf Grund der Erfahrungen, die man bei der unorganisierten überstürzten Einwanderung der Jahre 1925/26 hier gemacht hat. ist aus verschiedenen Kreisen spontan die Anregung laut geworden, diesmal rechtzeitig Vorsorge zu treffen, um den Ein- Wanderern und sonstigen Interessenten Mißerfolge zu ersparen. Es hat sich heransgesfellt, daß in den Zeiten erhöhter Ein* Wanderung die öffentlichen Instanzen nicht in der Lage sind, die Fragesteller so individuell zu beraten, wie es für den Einzelnen erforderlich ist. Um diese Lücke auszufüllen, müssen private Kreise Hand in Hand mit den zionistischen Beratungsstellen sich dieser Arbeit widmen. Hauptsächlich aus diesem Grunde wurde die Hitachduth Olei Germania begründet. Ihr Aufgabenkreis ist folgender: Objektive wirtschaftliche Beratung von neuen Einwanderem und von solchen Personen, die Uebersiedlung oder Kapitalinvestierung beabsichtigen; Förderung von Palästinareisen zu wirtschaftlichen Zwecken, Beratung der Besucher während ihres Aufenthalts im Lande, Berufs- und Hachscharahberatung. Man könnte die Frage aufwerfen, warum sich gerade die deutschen Zionisten in Palästina zu ein$r solchen, doch allgemein zionistischen Aufgabe zusammenschließet!. Dies hat rein praktische Gründe. Es ist nicht mehr wie natürlich, schon aus Spracligründen, daß sich Neueinwanderer und Fragesteller aus Deutschland stets in erster Linie an die ihnen schon von dorther bekannten Persönlichkeiten in Palästina wenden. Die mit solchen Auskünften verbundene Arbeit und Verantwortung übersteigt jedoch oft das, was der Einzelne auf sich nehmen kann. Es liegt daher sowohl im Interesse der hier Ansässigen wie auch der Ratsuchenden, die Auskunftserteilung auf eine breitere Basis zu stellen. Durch Organisierung von Fachgruppen will der Verein die zahlreichen Einzelerfahrungen zusammenfassen und einem weiteren Kreise zugänglich machen. Wir lioften dadurch, dem Auskunftsuchenden eine wirklich saehgemäße objektive Beratung zu gewährleisten. — Der Verein, der noch in Organisierung begriffen ist und sich über das ganze Land erstrecken soll, umfaßt in Te’-Awiw bereits die Mehrheit der deutschen Zionisten, und zwar Angehörige aller Berufe, sowohl aus dem bürgerlichen Lager als aus den Kreisen der Arbeiterschaft. Die Betätigung auf politischem, religiösem und öffentlich-kulturellem Gebiet fällt nicht in den Aufgabenbereich de#V#efns. Die gesamte Arbeit erfolgt ehrenamtlich. Die Hitachduth Olel Germania hat ihre Tätigkeit bereits begonnen und hofft, daß Interessenten aus Deutschland, soweit es sich um ernsthafte Anfragen beruflicher oder wirtschaftlicher Natur handelt, von dieser neugeschaffenen Möglichkeit Gebrauch machen werden. Briefe sind zu richten an: Hitachduth Olei Germania, Tel-Awiw, P. O. B. 225. Der Vorstand: Dr. Theodor Zlocisti, Vorsitzender. Dr. L. P i n n e r. Dr. E. L e w y. Dr. W. R 0 s o! i o. H. B 0 s s. Dr. H. Oppenheim. H. Zerkovski. * Herr Julius Berger ist, wie uns mH geteilt wird, nach Beendigung seiner Werbearbeit für die Jaffa Plantations Lid., Hedera, und die Levant Fair in Tel-Awiw nach Palästina zu- ’ rückgekehrt. Er beabsichtigt, die von ihm so erfolgreich be- ן triebene Werbeaktion für die Kapitalsinvestierung in palästinen-; sische Unternehmen von Palästina aus in verstärkiem Umfange auf geschäftlicher Grundlage fortzusetzen. Damit wird dem stark empfundenen Bedürfnis nach einer unabhängigen vert r a u e n s wü r d i ge n Beratungsstelle für privatwirtschaftliche Anlagen, die die Kenntnis des Landes und seiner Möglichkeiten mit der Vertrautheit mit den Bedingungen der Judenheit der Golah verbindet, erfüllt. Anfragen sind zu richten an POB 101, Jerusalem. * Der Palestine * Egypt Lloyd hat eine neue Abteilung unter dem Namen ״Wirtschaftlicher Informations- Dienst“ gegründet. Experten aus den verschiedensten Gebieten wirtschaftlicher Betätigung wie Landwirtschaft, Plantagenbau, Bauwesen, städtischer und ländlicher Immobilienbesitz, Industrie, Handel. Recht und Geldwesen werden dieser Abteilung beistehen. Die Abteilung will keine Ratschläge erteilen, sondern nur Auskünfte liefern, die, unbeeinflußt von privaten und propagandistischen Gesichtspunkten, ein gesundes Urteil in geschäftlicher Hinsicht ermöglichen und Kapitalisten vor vermeidbaren Fehlern bewahren. Es sollen daher nur solche Anfragen behandelt werden, die sich aut ein konkret umschriebenes Gebiet beziehen. Zur Deckung ihrer Spesen wird die Abteilung eine mäßige Gebühr erheben. Auskünfte werden nur auf Grund eines Formulars erteilt, das von der Abteilung direkt zu beziehen ist Der Wirtschaftliche Informations-Dienst steht unter der Aufsicht eines Arbeitsausschusses, dem die folgenden Herren angehören: N. D. Kaplan, Vorsitzender, Anwalt, Chicago-Tel-Awiw; H. Margulies, 2, Vorsitzender, Anglo-Palestine Bank, Ltd., Jaffa; Dr. W. Senator, Jewish Agency for Palestine, Jerusalem; J. Schapiro, Palestine Electric Corporation, Tel- Awiw; S. Tolkowsky, Jaffa Fruit Company, Tel-Awiw, Der Maler und Bildhauer Jakob Epstein, der in England wegen seiner expressionistischen Kunstwerke sehr umstritten ist, aber als einer der ersten Künstler Englands gilt, veranstaltet fegenwirtig, wie wir englischen Zeitungen entnehmen, in Lonon eine Ausstellung von Zeichnungen zum Alten Testament Seine Darstflung der Figuren des Alten Testaments, 60 schjeibt der ,,Observer“, wird alle diejenigen verblüffen, die an die ver* westlichte Darstellung dieser Gestalten bei den großen Meistern der christlichen Kunst gewöhnt sind, Epsteins alttestamentlichen Figuren atmen eben «fen hebräischen Geiste sein Gott ist der echte hebräische Gott, seine Patriarchen sind die großen starken Führer einer primitiven Rasse, und erst aus seinen Bildern tritt zum ersten Male der wahre Geist der Bibel in sein«־ mdiuttenidcn Herbheit und Größe vor uns hin. Tagung der Asselath Nlweharim Die Assefath Niwcharim (Jüdische Delegierten-Versanimlung Palästinas) trat am 29. Februar in Tel-AwW zu ihrer zweiten Session seit den letzten Wahlen zusammen. Ben Z w i charakterisierte in seiner Eröffnungsrede die gegenwärtige Lage und verlas ein Begrüßungsschreiben des High Commessioner. Nach Reden von Farbstein, Dizengoff und Rabbi Meir wurden Referate über die Tätigkeit des Waad Leumi auf dem Gebiete der Gemeindeorganisation (Rabbi Ostrowsky) und der sozialen Fürsorge (Miß Szold) gehalten. Dr. Arlosorofr erstattete ein zweistündiges Referat über die politische Lage, worin er sich insbesondere für eine engere Zusammenarbeit mit England und der britischen Administration einsetzte, die die Voraussetzung für alle weiteren politischen Entwicklungen bilde. Von der Exekutive Am 29. Februar fand im Sitzungssaal der Zionistischen Organisation in London unter Vorsitz von Locker eine von der Exekutive der Jewish Agency einberufene Pressekonferenz statt, bei der die Herren Dr. Brodetsky, Emanuel Neumann und Beri Locker über die Tätigkeit der Exekutive referierten. Dr. Brodetsky gab bei dieser Gelegenheit unter Hinweis auf die Gerüchte über die a 11 g e b i i c h e n a r a ־ bischen Verständigungsvorschläge Erklärungen ab, die sich in der Hauptsache mit den von uns bereits ver* öffentlichten Erklärungen Dr. Arlosoroffs in Jerusalem decken. Dr. Brodetsky dementierte kategorisch alle anderen von verschiedenen Stellen in Umlauf gebrachten Gerüchte und betonte, daß nur die obersten Instanzen der Bewegung berufen wären, über irgendwelche von arabischer Seite kommenden Vorschlage, falls solche voneiner beachtenswerten Stelle vorgebracht würden, zu entscheiden. Brodetsky berichtete ferner, daß er demnächst nach Palästina fährt, um bei den Entscheidungen hinsichtlich der L a n d e n t w i c k I u n g $ p o I i t i k im Lande anwesend zu sein. Beri Locker begibt sich am 2. März d. J. auf eine kurze Informationsreise nach Polen. Emanuel Neumann verläßt London am 2. März und beabsichtigt, Holland, Deutschland und Oesterreich zu besuchen und sich am 14. März nach Palästina einzuschiffen. Aus der Berliner jüdischen Zeitungswelt. Die 1״ ü d i s c h - liberale Zeitung“, Organ der Vereinigung für das liberale Judentum, hat seit einiger Zeit ihr Erscheinen eingestellt. Die ״Berliner Jüdische Zeitun g“, ein Blatt nationaljüdischer Tendenz und vorzugsweise Tokaier gemeindepolitischen Interessen, das einige Monate von privater Seite herausgegeben wurde, hat zu erscheinen aufgehört. Ueberfälle auf jüdische Schüler. Wir erhalten aus Leserkreisen folgende Zuschrift: ln letzter Zeit belästigen natio* nalsozialistische Kolonnen wie andere Gegenden Berlins auch die Umgebung des Tiergartens und verüben dort grobe Gewalttätigkeiten. Insbesondere werden jüdisch aus* sehende Besucher der Eisbahn am Neuen See von solchen Trupps attackiert. Am letzten Sonntag gestaltete sich diese Tätigkeit zu einer offenbar systematischen und vorbereiteten Kampagne. Ein lQjähriger Oberprimaner wurde, als er um 8 Uhr abends zur Polizeiwache gehen wollte, von 5 bis 6 erwachsenen Nationalsozialisten umringt und heftig mißhandelt und geschlagen, so daß er tiefe Kopfwunden davontrug und blutüberströmt nach Hause kam. Ungefähr eine halbe Stunde später wurde wieder eine Reihe jüdischer Schüler angegriffen, wobei ein Oberprimaner auf der Eisbahn selbst von etwa 20 Burschen umstellt, hingeworfen und verletzt wurde. Es Ist dringend notwendig, daß diesem organisierten Treiben nationalsozialistischer Horden ein Ende gemacht wird. Die amerikanischen Touristen fahren zur Makkabiah mit dem Cunard-Riesenschiff ״Aquitania“ (47 000 tons), dem größten Dampfer, der je im Mittelmeer war. Auch viele deutsche Touristen benutzen diese seltene Gelegenheit, um von Nizza nach Palästina zu reisen, da der billige Pfundpreis in Reichsmark zum Tageskurs bezahlt wird. Der Dampfer verläßt Nizza am 15. März und landet in Port Said schon am 18. März. Auch für die Rückfahrt von Port Said kann die ״Aquitania“ benutzt werden, die in Rhodos, Athen und Neapel unterwegs halt. Die Zeitschrift ״Palästina“, redigiert (in E. A.) von Adolf Böhm, Wien, tritt mit der soeben erschienenen Doppel• nummer 1/2 in ihren XV. Jahrgang. Das neue Heft bnngi für jeden Palästinafreund wichtiges Material. David Horowitz, Tei-Aw*w, behandelt das wichtige und heute aktuelle Thema der ״Agrarfrage“, wobei er besonders die arabische Wirtschafts־ tendenz analysiert. Michael Assaf schreibt über ״Muselmanische Konferenz und Panislamismus“. Er vertritt die Ansicht, daß der Panislamismus heute keine wirkende Macht mehr sei, daß aber die islamischen Völker zu politischem Leben erwacht sind. Dr. Walter Preuss berichtet über ״Drei Zäh* lungen der Jewish Agency“ (Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe, Arbeiterschaft), aus denen interessante Schlüsse gezogen werden. — Weiter wird eine Publikation über ״Die Ernährung der Bevölkerung Palästinas“ im Auszug wiedergegeben. Daran schließen sich noch andere Beiträge, Berichte und Nachrichten. Jahresbezugsgebühr 2 Dollar. — Verlag Josef Hayek’s Nachf., Wien XVII., Kalvarienberggasse 32. Briete an die Redaktion Einladung an Palästina-Fahrer Sehr geehrte Redaktion! Die Siedlung ״Giwath Brenner“ dürfte in Kreisen des deutschen Zionismus bekannt sein, im Laufe der 4jährigen Existenz dieser Siedlung des deutschen Hechaluz wuiden wir von vielen Touristen aus Deutschland besucht. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß ein Wiedersehen mit unseren Freunden in Palästina für beide Teile von großer Bedeutung war. Zu unserer großen Enttäuschung mußten wir feststelkn, daß ira offiziellen Plan des Landausfluges der Makkabiah der Besuch von Giwath Brenner fehlt Wir gestatten uns nun, auf diesem Wege allen unseren Freunden und Gesinnungsgenossen der zionistischen Bewegung in Deutschland, welche mit der Makkabiah nach Erez Israel kommen, zu sagen, daß die Siedlung Giwath Brenner alle Vorbereitungen für die Aufnahme der Gäste getroffen hat. Der Weg zu uns führt von Tel-Awiw mit dem Autobus ״Darom Jehuda“ über Rischon—Neß-Zionah—Rechoboth. Man kann aber auch mit dem Autobus, welcher nach Gedcrah führt, zu uns kommen, wenn man den Chauffeur darauf aufmerksam macht, daß man iq, der Nähe der Plugah abstelgen will. Der Weg ist dann nicht mehr weit. Wir hoffen, zahlreichen Besuchern alle Einzelheiten unseres Werkes zeigen und sie mit unseren Hoffnungen vertraut machen zu können. Seid willkommen! Siedlung; Giwath Brenner (Rechoboth).

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