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Jüdische Rundschau · 1932-03-01 · Heft 17 (1.3.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 17 (1.3.1932)
Date
1932-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 17, t. m. 1932 JÜDISCHE &UND5CHAU Seite 83 ״Judentum und Kommunismut'' Der kontradiktorische Abend der Freien jüdischen Volkshoe.hschule vom 22. d. M. wurde von Otto Heller und Dr, j. N. Steinberg bestritten. Otto Heller begann mit einer Definition von Kommunismus und Judentum. Nach seiner Meinung ist Kommunismus die vollendete klassenlose Gesellschaff, nach Ucberwindung der Klassengliederung und des Staates von heute. Diese Definition ist, wie Steinberg spater sagte, richtig, wenn man Kommunismus und Sozialismus gleichsetzt, sie ist falsch, wenn man in Betracht zieht, dal der empirische Kommunismus eine Bewegung mit ganz bestimmten Methoden, nämlich dem Terror einer Minderheit, ist. Was Heller unter Judentum versteht, nämlich die Summe jüdischer Individuen, die in der Warenzirkulation tätig sind, ist eine Definition, mit der man gar nichts anfangen kann. Die Hellersehen Definitionen mußten zunächst vom eigentlichen Thema weganstatt zu ihm hinführen. Wenn man eine fruchtbare Auseinandersetzung über das Thema ״Judentum und Kommunismus“ zu Wege zu bringen wünscht, so muß man zunächst den weltanschaulichen Inhalt von Judentum und Sozialismus miteinander in Beziehung bringen, gegeneinander abgrenzen oder feststellen, daß cs sich um Phänomene auf versehiedenen Begriffs-Sphären handelt. Hat man das getan, dann müßte man weiter die politische und soziale Bewegung des Kommunismus in ihrer Beziehung zur jüdischen Gemeinschaft untersuchen. Dies ist 111 der Auseinandersetzung zwischen Heller und Steinberg, welche etwa zweieinhalb Stunden dauerte, nur unzulänglich geschehen. Vielleicht wäre cs doch gelungen, nach dem einleitenden Wortgefecht zu einer gründliehen Analyse des Themas vorzudringen, wenn einige Voraussetzungen vorher gegeben oder geschaffen worden wären. Diese Voraussetzungen sind: die Fähigkeit und der Wille zu wahrhaftiger Erkenntnis, Wille zur Wahrheit; redliches Bemühen, alles Affektbetonte beiseite zu lassen, und eine vor der Veranstaltung vorgenommene Abgrenzung der einzelnen Verhandlungspunktc. Beim letzten kontradiktorischen Abend haben anscheinend diese Voraussetzungen gefehlt. Otto Heller ist ausschließlich Propagandist und politischer Agitator. Als Orthodoxer strengster Observanz kann und darf er keinerlei Umwand und keinerlei Tatsachen gelten lassen, die seinem Glauben widersprechen. Ferner-ist er wohl in der kommunistischeu Kampfliteratur versiert, nicht aber in Problemen, die mit Judentum und jüdischer Gemeinschaft: Zusammenhängen, wiewohl er ein dickes Buch über Judentum zusammengeschrieben hat. Dr. Steinberg• brachte zur Auseinandersetzung theoretisch, menschlich und jüdisch wertvollere Qualitäten und Kenntnisse mit. Aber da durch Hellers Einleitung die ganze Diskussion von vornherein auf ein Nebcngeleis verschoben war — auf die Frage: sind die Juden immer und nur Händler - - ,,kam Steinborg gar nicht dazu, all das in der Hauptsache zu sagen, was nur so nebenbei aus seinen Entgegnungen hervorleuchtete. So haben beide Diskussionsredner aneinander vorbeigeredet. Der Grund lag nicht nur in den verschiedenen theoretischen Ausgangspunkten, sondern vielmehr in dem differenten seelischen Verhalten zur diskutierten Materie. Schließlich sind Ideologien und Programme, auf das Individuum bezogen, Ueberbau der seelischen Haltung der Individuen. Steinberg als Vertreter erlebten und gelebten Judentums tritt dem Problem Judentum mit vericundia entgegen. Diese aber, eine der wesentlichsten Tugenden ernster Forschung, fehlt Otto Heller in bezug auf das Judentum ganz. Darum traf Steinberg im Laufe der Diskussion den Nagel auf den Kopf, als er zu Heller sagte: ״Ihre ganze Beweisführung vom Untergpg des Judentums ist nur ifie. Emanation der Tatsache, daß der von Juden abstammende Otto Heller als Jude untergehen pachte.“ Tatsächlich scheiden sich bei all diesen Diskussionen die Geister in dem Punkt: ob man den Wunsch und den Willen hat, das Judentum zu erhalten oder ob einem das Judentum gleichgültig־ ist. Aus dieser Grundeinstellung folgt alles andere. Otto Heller hat nur ein Streben: die Verwirklichung und den restlosen Sieg seines politischen Wullens, des Kommunismus. Diesem Wunsche gegenüber ist alles unterordnet und belanglos. Theoretisch wird dieses aphoristische Wollen damit begründet, daß in der Verwirküchung des Kommunismus schon die Lösung aller übrigen etwa noch vorhandenen Probleme auf der Welt gegeben sein wird. Steinbergs Stellung zum Judentum, das er als die Lebensauffassung und die Lebensform einer historisch gewordenen bis heute existierenden Gemeinschaft definiert, ist von vornherein eine andere. Als Selbstverständlichkeits-Jude will er das Judentum historisch-kontinuierlich erhalten sehen und vermag nicht /uzugeben, daß im Zeitalter eines verwirklichten Sozialismus Judentum zwangsläufig die Existenzmöglichkeit verlieren muß. Was Heller zur Schilderung der bolschewistischen Maßnahmen in der Behandlung von Judentum und jüdischer Gemeinschaft 1:1 Rußland verteidigend vorzubringen hatte und was Steinberg dem bolschewistischen Regime in dieser Hinsicht anklagend vorwarf, bot nur wenig Unbekanntes, bewies jedoch, daß auch im russischen Judentum die Tendenzen Judentums-Bejahung und Gleichgültigkeit gegenüber dem Judentum, wenn auch in abgewandelter Form, genau so wirksam sind, wie in anderen jüdisehen Gemeinschaften außerhalb der Sowjetunion. Otto Heller sagte gelegentlich, er könne unter keiner Bedingung zugeben, daß Judentum, wie es von volksbewußten Juden aufgefaßt wird, also das bisherige Judentum, mit kommunistischer Gesellschafts- Ordnung vereinbart werden könne. Diese Bemerkung beleuchtet am schärfsten die ganze Situation. Würden Heller und seine Gesinnungsfreunde diese Vereinbarkeit anerkennen, so flösse daraus für so manchen in den Kommunismus geflüchteten Juden die Verpflichtung zu einer Revision seiner eigenen Stellung zum Judentum. Und dagegen sträuben sich Otto Heller und seine Gefolgschaft. Das konnte man auch auf dem letzten kontradiktorischen Abend der jüdischen Volkshochschule noch einmal fest- 8teilen. S. n. Verwertung der Tiberias-Quellen. Der amerikanische Zionist Bernara Rosenblatt hat namens der vor einigen Jahren zu diesem Zweck gegründeten Gesellschaft mit dem Bürgermeister von Tibcrias einen Vertrag über Verwertung der Heißen Quellen von Tiberias abgeschlossen. Rosen- Matt erhält für fünf Jahre eine Heiße Quellen-Konzession von der Stadt Tiberias, wobei er sich verpflichtet, sofort an die moderne Ausgestaltung der Bäder heranzugehen. Von der Regierung von Palästina erhielt die Gesellschaft eine für weitere W Jahre geltende Konzession, nach der eine ״Hot Springs Company“ mit einem Kapital von 40000 Pfd. Sterl. gegründet wird. Die neue Konzessionsgesellschaft übernimmt die Bäder schon am 28. Februar d. J. Der Abschluß des Konzessionsverträges fand im Regierungshause von Haifa bei Anwesenheit des Gouverneurs des nordpalästinensiscben Distrikts, Major Keith- Roach statt. Sterbefall. Wir erhalten folgende Mitteilung: Am 21. Februar ist in Danzig unser Chawer Bubi Berlin nach langem Leiden gestorben. Seit fünf Jahren gehörte er ununterbrochen der zionistischen Jugendbewegung Danzigs an. Obwohl er noch so jung war — erst in wenigen Monaten würde sich sein 16. Lebensjahr vollendet haben war er immer einer der Aktivsten. Seit 2>/;׳ Jahren stand er in der Arbeit unseres Bundes, in diesem Frühjahr sollte er nach Erez-Israel übersiedeln. Sein Tod hat uns tief getroffen. — Dlt Bundesleitung des ״Britb-HaoBm“ Eine Schilderung des BeiUwich-Skandals In der letzten Nummer des ״R o u s t c 11 a i“ äußert sich Mosche S m i I a 11 s k y über die Skandal-Szenen bei der A 11 tritts Vorlesung von Be nt wich. Die Haltung dieser Demonstranten, so führt er aus, schändet nicht mir sie selbst, sondern uns alle, denn auf unserem Br>de11, mitten unter uns sind diese Leute herangewachsen, unter uns wurden sie erzogen. Ls muß da, so schreibt Smilansky, in unserer Mitte und in unserer Erziehung irgendein Gift sein, das diese Schande hnvorhringt. ״Vielleicht laufe ich Gefahr, als Dorfmciisch bezeichnet zu werden, wenn ich sage, daß dies die erste Gelegenheit in meinem Leben war, Auge, im Auge zu sehen, wie Menschen aus unserem Jischuw und nicht etwa Wüstenwilde, gebildete Kulturmenschen und nicht dunkles Gesindel, sich hinstellen und die Richtigkeit ihrer Anschauungen und Forderungen ,beweisen‘ durch wildes Schreien: Schande, Verräter, Geh zum Mufti, und durch — Stinkbomben. Aber diese Schimpfwörter und dieser Geruch besagen noch nicht alles fiir den, der nicht mit seinen eigenen Ohren diese tollen hysterischen Aus b r ü c h e gehört und nicht mit seinen Augen die Schrejer gesehen hat, die sich in wenigen Augenblicken in Geschöpfe verwandelten, aus denen das Ebenbild des Menschen entwichen war. Manche von ihnen warfen sich der l änge nach auf den Boden, strecken die Hände und Füße aus, um die Polizei zu zwingen, sie mit Gewalt zu entfernen. Ls schien, daß sie sich danach sehnen, zwangsweise entfernt zu werden. . . . Man sage, was man wolle, hier ist nicht ein einzelner Skandalfall vor uns, nicht, eine zufällige Fpisode. Ich fürchte, daß wir hier vor einer traurigen Wirklichkeit stehen, nämlich vor einer neuen Generation, die seelisch krank ist. . . . Und wer weiß, ob nicht hier erst, die Blüten vor uns stehen, während uns die Früchte noch für eine nahe Zukunft aufbewahrt sind." Der Verfasser des Artikels zeigt dann die Sinnlosigkeit der ganzen Deinonstration, sowohl was die Person Bentwichs, als auch den Gcgenstand des Vortrags anbetrifft, und wendet sich im weiteren Verlauf des Artikels gegen den Geist der Unduldsamkeit und Gewalt, der auch in arideren Kreisen des Jisclmw um sich greift und sich z. B. auch in Kreisen der Linken bei verschiedenen Anlässen gezeigt habe. Die britischen Streitkräftc in Palästina. In Beantwortung einer Anfrage von General Spears über Zusammensetzung der britischen Streitkräfte in Palästina erklärte der Unterstaats- Sekretär für Luftwesen, Sir Philip Sassoon, im Unterhäuser Palästina und Transjordanien bilden einen Militärbezirk zu Vertcidigungs/wccken. Die britischen Streitkräfte in diesem Bezirk bestehen aus zwei Schwadronen der Luftstreitkräfte, einer Panzcrauto-Kompagnic und zwei britischen Infanterie-Batailloncn. Die Panzcrauto-Kompagnic bestellt aus Hauptquartier und vier Sektionen Panzerautos. Als Verteidigungsmacht ist ferner anerkannt eine Kompagnie der transjordanischen Grenztruppe, die sich lokal rekrutiert. Der kommandierende Offizier für Luftwesen kommandiert faktisch alle militärischen Operationen in den beiden Ländern. Die Panzcrauto-Kompagnie ist der Luftverteidigungskraft unterstellt. Konsolidierungskommlssion der Jewish Agency. Die Lxekutive der Jewish Agency hat die Einsetzung einer Kommission beschlossen, welche die Lage in den noch nicht konsolidierten landwirtschaftlichen Kolonien studieren und darüber berichten soll. Die Kommission soll gleichzeitig ein Programm der Konsolidierung unterbreiten, in dem die Mittel und Wege zur Aufbringung der erforderlichen Mittel aufgezeigt werden sollen. Das Mitglied *dtt Exekutive, Dr- M. B. Hext er, ׳wurde־ zum Vorsitzenden dieser Kommission ernannt, der außerdem die folgenden Herren augehören: M. Smilansky, Vorsitzender des Pflanzer-Verbandes; H. Viteles, Direktor der Zentral- Bank für genossenschaftliche Institute in Palästina; E. Volk a 11 y , Leiter der landwirtschaftlichen Versuchsstation der Jewish Agency; L. Schkolnik, Mitglied des landwirtschaftliehen Zentralkomitees der jüdischen Arbeiterföderation; L. Bawly, Leiter der Abteilung für landwirtschaftliche An- Siedlung der Jewish Agency. _L Martin Buber sprach vergangene Woche an mehreren Abenden in Berlin. Am Sonnabend, dem 27., hielt er die Hauptrede bei der großen Veranstaltung des Keren Kajemetli, über die wir noch berichten werden. Die Veranstaltung, die unter dem Vorsitz von Kurt Blumcnfeld stattfand, war eine der iänzendsten, die der Berliner Zionismus seit langer Zeit erlebt at. Der große Bach-Saal war überfüllt, die große Anteilnahme der Jugend ist als ein erfreuliches Moment liervor/ubcben. — Den Freitagabend verbrachte Buber in der ״Schule der J u g e n d“, wo er vor einem großen Auditorium, das die Schüler, dieser ernst arbeitenden Anstalt und darüber hinaus Angehörige von Jugendgruppen umfaßte, über drei Prophetenstellen sprach, die in ihrer Beleuchtung der Fragen des Nationalen, des Sozialen und der Diaspora unmittelbare Beziehung zu unserer Gegenwart haben. — Am Donnerstag hielt Buber im Jüdischen Literatur-Verein einen Vortrag ״Die jüdische Gemeinschaftsidee“. Die biblische Gemeinschaftsidee, so führte er aus, ist eine an das jüdische Volk gerichtete Botschaft. Die Vollendung der Menschheit, ihre Wandlung zum Reiche Gottes, kann nach jüdischen Vorstellungen nicht anders beginnen als mit einem Volk, in dem sich die Gemeinschaft verwirklicht. Dieser Beruf ist der Sinn der Erwählung Israels, der spezifische Sinn des hebräischen Wortes ״Am“, im Gegensatz zu dem Naturbegriff des Volkes ״Goj“. Eine große Gemeinschaft kann sich nur aus kleinen Gemeinschaften aufbauen: Von der Familie zur Gemeinde, von der Gemeinde zur Volksgemeinschaff, vom Volke zur Menschheit. Die Bibel weiß aber, daß die echte Gemeinschaft zwischen Mensch und Mensch unmöglich wird, wenn tiefe Unterschiede wirtschaftlicher Natur /wischen den Menschen einreißen. Dies zu verhindern, ist der Sinn der sozialen Gesetzgebung der Bibel, die durch das Jubeljahr, durch das Gebot der Freilassung der Knechte im siebenten Jahr, durch die Schuld- und Wuchergesetze und schließlich durch die Gleich- Stellung aller am Sabbat und int Sabbatjahr, die im Verlaufe des Lebens entstehenden Unterschiede wieder ausgleiehen will. Jüdisches Recht ist eine Sicherung des Ungesicherten, das römische Recht eine Sicherung des Gesicherten. Die abendländische Welt hat zwar ihre ״Ethik“ aus der Thora übernommen, aber auf dem Gebiete des Rechtes hat sic das römische Recht eingeführt. So entstand jener Dualismus, in den auch die Juden hineingeraten sind, das Sicbeinrichtej! mit einer Grenz- Ziehung zwischen der Verwirklichung Gottes und dem anderen. Die jüdische Gemeinschaft, so faßte Buber zusammen, ist keine Idee, sondern ein Gebot In diesem Sinne gedenkt der Vortragende der Versuche eines neuen Gemeinschaftslebens in Pa - lästina, deren Bedeutung und Tragweite wir noch gar nicht abzuschätzen imstande sind. Buber schloß seinen anderthalbständigen, mit atemloser Aufmerksamkeit angehörten, aufwühlenden Vortrag mit der Mahnung, daß zwischen dem, was dort geschieht una zwischen denen, die hier etwas von jüdischer Gemeinschaft zu leben versuchen wollen, ein immer stärkeres Bündnis der Erfüllung entstehe. Alexander Asro und Sonja Aloinis, die Mitglieder und Begründer des Wilnaer Theaters, gastieren gegenwärtig in der Schweiz. Sie traten vor allem in Bern, Zürich» BaselTLuzem» Genf und wiederum in Bern mit großem Erfolg auf. Aus den Gemeinden Wirtschaftsfragen Im Landesverband. Die Arheitsge- 111 ein schalt für Wirtschaftsfragen der Juden in Deutschland ist am 24. Februar zum /.w׳citentual zusainmengetreten. Der unter Leitung von Staatssekretär Prof. Dr. J. Hirsch stehende Ausschuß zur Vorbereitung einer Fühlungnahme mit Vertretern der verschiedenen W i r t s c h a 11 s / w e i g c hat eine Umfrage veranstaltet, deren Ergebnisse für die Maßnahmen zur Linderung der jüdischen Wirtschaftsnot von Wichtigkeit sind. Line größere Aussprache fand über die Frage des Ausbaus des Arbeit« nachweiswesens und der Erwerbs- und Arbeitsbeschaffung in den kleinen und mittleren Städten statt. Syndikus Dr. Be r- Jak berichtete über die von ihm mit den studentischen Vertreturigen geführten Verhandlungen, eine weitgehende Zusammenarbc.it zwischen den verschiedenen jüdischen akademisehen Stellennachweisen zu schaffen. Dr. Kreutzberger erstattete den Bericht über die Sitzungen des Unterausschusses für den Ausbau des Arbeitsnachweiswesens und die Arbeitsbeschaftung. Als letzter Punkt der Tagesordnung wurden die Möglichkeiten einer Bekämpfung des antisemitischen Wirts c h a f t s b o y k o 11 s erörtert. R.-A. Dr. Hans l.azarus hielt ein Referat über die bisherige gerichtliche Bekämpfung des Het/boykotts durch den C.-V. ln der sich anschließenden Aussprache wurde besonders die Frage erörtert, in welchem Umfange es möglich ist, neben gerichtlich-juristischen Gegenmaßnahmen auch eine wirtschaftliche Bekämpfung des Boykotts, insbesondere auch des Boyk o 11 s jüdischer Angestellter und Akademiker - durchzuführen. Ls wurde beschlossen, eine Kommission aus den Herren Adler- Rudel, Prof. Hirsch, Dr. Moscs und Woyda zu bilden, die diese Frage gemeinsam mit Vertretern des C.-V. studieren und Vorschläge ausarbeiten soll. Ferner wurden die Herren Adler-Rudel und Graetz gebeten, ,sich wegen der aus der Ncuorga!1isicru11g der Großbanken ergebenden besonderen Verhältnisse mit Vertretern der Banken in Verbindung zu setzen. Die nächste Plenarsit/ung der Arbeitsgemeinschaft wird am Donnerstag, den 21. März, stattfinden. Dortmund. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hatte zum 21. Februar die jüdischen Vereine cingeladcn, um Mittel zur Bekämpfung der Austrittsgcfahr zu suchen, ln den letzten Jahren traten 70 (icnieimlemitglkder aus, fast ausschließlich Liberale, nach Angabe des Gemcindevorsitzcmleir, um die Steuern zu sparen. Mit Recht meinte der Vorsitzende Jacoby, die Juden müßten von solchen Elementen abrücken. Das Vor- Standsmitglied Flörsheim forderte, die Gemeinde dürfe nicht nur Verwaltungsarbeit leisten, sondern müsse das gesamte jüdische Leben fördern. Der Vertreter der Zionisten, Dr. Berl, versicherte, die Zionisten würden niemals die Gemeinde verlassen trotz allen Unrechts, das ihnen zugefügt würde. Der Grundsatz Jacobys, von den Austrittlern abzurücken, werde keineswegs überall befolgt, z. B. nicht bei den Bnc-Brith-Logen. Zur Hebung der Gemeindefreudigkeit werde wenig getan. Die Schaffung rückständiger Statuten mit hohem Wahlalter, nurnerus clausus für Frauen, langer Karenzzeit zu ungunsten der Ostjuden schüfen Verbitterung. Dem Vorsitzenden paßte cs nicht, daß Dr. Berl diese wunde Stelle berührte, und er entzog ihm das Wort. Darauf verließen die Zionisten, aber auch zwei Vertreter des Neutralen Jugendbundes und sogar einige Libcrale die Sitzung. Nach einer Kontroverse zwischen den Herren Jacoby und Flörsheim wurde eine nichtssagende Resolution an* genommen, die sicherlich an den: Zuständen in der Dortmunder Gemeinde nichts ändern wird- , . . Köln. Der Ausschuß des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden befaßte sich am 14. Februar in einem Referat des Herrn Rabbiner Dr. Uschclbacher (Düsseldorf) mit dem preußischen Judengesetzentwurf. Nach längeren Lrörtcrungen wurde eine Resolution angenommen. Der Provinzialverband schloß sich der Stellungnahme des Preußischen l andesverbandes an. Fr wich jedoch insofern von den Beschlüssen des Landesverbandes, des Lehrerverbandes, des östjudenverbandes und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ab, als er den Entwurf als eine geeignete Vcrhandlungsbasis ansall, wenn die Grundsätze des Landesverbandsentwurfs in der Frage der Austrittsgesetzgebung, des Wahlrechts der Ausländer und der Gemeindeverbände in den Regierungsentwurf aufgenommen würden. Damit ist der Provinzialverband den zentralen jüdischcn Instanzen in den Rücken gefallen. Er ist also 11. U. bereit, auf das gleiche und geheime Verhältniswahlrecht, die Abschaffung des Zensus, die Beschränkung der Karenzzeit, die Zulassung von Ausländern als Rabbiner, Religionsldim, Gcmemdevorsteher, Vorsitzende von Landesverbänden u. a. zu verzichten. Damit ist allen Wünschen reaktionärer Gemeinden Genüge getan. Diese Beschlüsse widersprechen der Ansicht der überwältigenden Mehrheit der rheinischen Juden, auch den Beschlüssen vieler rheinischer Gemeinden. Danzig. Die Gemeindeliberalen scheinen allmählich die Gefahr zu erkennen, die sic durch den Mißbrauch ihrer auf geringer Majorität beruhenden Macht über die Einheitsgemeinde heraufbeschwören. Es ist aber ein ungeeignetes Mittel zur Einigung, wenn ein maßgebender Teil der Liberalen die früher schon einmal geplante Entrechtung der ausländischen Juden in der Gemeinde einführen will. Die Jüdische Volkspartei wird diese Versuche vereiteln. Sie wird, zur Mehrheit gelangt, die jetzige liberale Machtpolitik nicht nachalimen. ■ Nahum Sokolow über Brit Iwrit Olamit• An der am 30. und 31. Januar d. J. abgehaltenen Hebräischen Konferenz in U. S. A-, die zum Zwecke der Gründung des amerikanischen ״Snif“ der Brit Iwrit Olamit eiiiberufcn worden war, nahmen unter anderen prominenten amerikanischen Zionisten auch Nahum Sokolow׳. der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, und der Führer des Misrachi, Mcir Berlin, teil. Sokolow׳, der von der Konferenz enthusiastisch begrüßt wurde, führte in einem einstündigen Referat unter anderem folgendes aus: Die Brit Iwrit Olamit ist mehr als eine Organisation - sie ist eine große Bewegung. Sie scheint mir die sicherste Gewähr für die Erhaltung und Fortentwicklung des Zionismus in den breiten Kreisen unseres Volkes, insbesondere unserer Jugend, zu bieten. Während wir in den Fragen unserer zionistischen Politik von objektiven, äußeren Mächten abhängig sind, ist uns auf dem Gebiete der hebräischen Erziehung und Kultur volle Freiheit gelassen. Nicht durch eingerostete Statuten werden wir Herr der Lage werden, nur durch eine lebendige, weckende Bewegung, und ich sehe es als eine große Tat an, daß gerade in diesem Augenblicke die Brit Iwrit Olamit ins leben gerufen worden ist Widmen wir uns mit aller Energie der Werbung für ihre Bestrebungen, so können wir hoffen, einmal unser Ziel: die Befreiung des jüdischen Geistes, verwirklicht zu sehen. Lassen wir diese unsere Hoffnung nicht durch Skeptizismus, Ironie und Mangel an Ernst beeinträchtigen — jenen schlechten Eigenschaften, die uns der ״Golus“ aufgezwungen hat, und die nur der Zerstörung, nicht aber dem Aufbau dienen.“ — In einer längeren Rede sprach sich auch Professor Chaim Tschernowitz für die Förderung der Bestrebungen der Brit Iwrit Olamit aus.

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