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Jüdische Rundschau · 1932-02-23 · Heft 15 (23.2.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 15 (23.2.1932)
Date
1932-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 15, 23. 0.1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 73 Erklärungen und Praxis Gleichstellung der verschiedenen Richtungen in füdischen Institutionen Die schwere Wirtschaftskrise, von der die ganze Welt, Deutschland in verstärktem Maße und in Deutschland die jüdisehe Gemeinschaft und ihre Anstalten auf spezifische Art, betroffen sind, haben in fast allen jüdischen Anstalten und Verwaltungcn jüdischer Institutionen die Notwendigkeit zur Folge gehabt. Ersparnismaßnahmen zu treffen, was in vielen Fällen ohne eine Verringerung des Apparates und ohne Abbau ein- /einer Angestellter nicht zu bewerkstelligen war. Die nach dieser Richtung gehenden Maßnahmen der Berliner Jüdischen Gemeinde haben das stärkste Aufsehen erregt und Anlaß zu schweren Konflikten in der Gemeindeverwaltung zwischen der verantwortlichen liberalen Mehrheit und der oppositionellen Volkspartei gegeben. Bei dieser Gelegenheit ist von liberaler Seite immer betont wurden, daß diese Maßnahmen rein sachlicher Natur waren und daß bei deren Durchführung auch nur rein sachliche Grundsätze in Anwendung kommen sollen. Wir haben mehrmals Ausführungen unserer Freunde in der Gemeindeverwaltung registrieren können, insbesondere Erklärungen von Alfred Berger und Dr. Oscar Cohn, daß bei der Durchführung der Abbaumaßregeln, bei der Verklcincrung mancher Verwaltungszweige merkwürdigerweise Angestellte entlassen wurden, die entweder zionistischer Gesinnung verdächtigt waren, oder einer anderen als der herrsehenden liberalen Richtung angehörten. Diese Vorhaltungen der volkspartcilichcn Vertreter sind von den verantwortlichen liberalen Stellen immer entschieden zurückgewiesen worden, wobei die Vertreter der herrschenden Mehrheit stets mit besonderem Nachdruck erklärten, daß sic sich von einer Parteilichkeit bei der Durchführung der notwendigen Einschränkungen und Entlassungen fern wüßten. Leider stehen die Tatsachen zu diesen Behauptungen in einem nicht zu lösenden Widerspruch. Wenn man die Liste der Personen zur Hand nimmt, die in der Berliner Jüdischen Gemeinde und in den Büros des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden Preußens entlassen wurden, stößt man merkwürdigerweise auf eine überraschend große Anzahl von Namen, welche die Behauptungen der Volksparteilichen Vertreter als begründet erscheinen lassen. Aber nicht nur in den Körperschaften öffentlicheil Rechts, Gemeindeverwaltung und Landesverband, ist diese Praxis festzustellen. Sie erstreckt sich aut Organisationen und Institutioneu, die sich einer weitgehenden Unterstützung durch die jüdische Oeffentlichkeit und jüdische Gemeindcverwaltungen erfreuen und die stets Wert darauf gelegt haben, als jüdisch überparteilich zu gelten. Auch in jenen Institutionen hat sich die Notwendigkeit herausgcstellt, Einschränkungen vorzunehmen und abzubauen. Merkwürdigerweise werden von derartigen Maßnahmen wiederum in besonderem Grade Personen betroffen, die keine liberalen Parteigänger sind. Wenn man bedenkt, «laß in derartigen Organisationen an führender Stelle Persönlichkeiten sitzen, die in den meisten Fällen identisch sind mit liberalen Matadoren, so kann inan den Gcdanken nicht von sich weisen, daß die Entlassungs- und Abbaupraxis in den betreffenden Organisationen bewußt oder unbewußt von Tendenzen getragen werden, die kraß den liberalen Behauptungen von der Unterschiedslosen Behandlung aller Beamten und Angcstellten widersprechen. Wenn man z. B. hört, daß in. einer großen jüdischen SiedhmgsgcscHschaft. die bisher an wichtigen, Sachkenntnis und Hingabe verlangenden Posten stehenden Angestellten und Beamten die ersten Opfer der Entlassungen geworden sind, so kann man sich des Eindruckes pirtii Wer^ ein» V׳c r-«Trl'n g’-tUrg« fcldzug־ gegen Menseien ׳ geführt wird, deren ■ innerjMfsch politische Einstellung den liberalen Vorstandsmitgliedern nicht genehm ist. Wir wollen nicht behaupten, daß die Kündigungen und Entlassungen sich nicht sachlich begründen lassen, aber die f rage drängt sich doch auf, warum sich diese notwendigen Maßnahmen crsfaunlichenveisc hauptsächlich gegen Zionisten auswirken, die jahrelang zur Zufriedenheit der bisherigen Verwaltungen, deren personelle Zusammensetzung kaum eine Aenderung erfahren hat, gearbeitet haben. Es scheint, daß der Scharfmacherkurs, wie Dr. Oscar Cohn in der Berliner öemeinderepräsentanz dieses Vorgehen bezeichnefe, hauptsächlich Zionisten zum Ziele hat. Die bezeichnctcn Vorkommnisse können nicht bestritten werden. Sie sind Parallelerscheinungeil zu vielfachen Aeußerungen, die man leider in der letzten Zeit in sehr vielen Kreisen zu hören bekommt und die die intierjüdischen Gegensätze trotz der allgemeinen Not und der alle Juden unterschicdlos gefährdenden bedrohlichen politischen Situation verschärfen. Besonders in der Provinz lebt der Gegensatz zwischen ,.inländischen“ und ״ausländischen“ Juden aufs neue wieder auf. Mau kann es sich sonst nicht gut erklären, wieso in ein-?einen Großgemeinden Westdeutschlands Emissäre des ״Geserd“ bei Zirkelversammlungen, an. denen hauptsächlich Vertreter der wohlhabenderen liberal-assimilatorischen jüdischen Schichten teilnchmcn, soviel Anklang zu finden imstande sind durch ihre Vorschläge, mit Hilfe von Mitteln der inländischen Juden einen Teil der Ostjuden in die Sowjet-Union zu überführen. Außerdem hört man fast überall die alten, längst widerlegten und von uns für erledigt gehaltenen Argumente, daß die Situation der deutschen Juden gegenüber dem übermächtigen Antisemitismus durch die ausländischen Juden, wenn nicht verursacht, so doch sehr erschwert werde. Nebenbei erstreckt sich diese letzte Behauptung auch auf die Zionisten. Ah das sind Zersetzungserscheinungen, die einerseits aus der seelischen Struktur eines großen Teiles der deutsehen Juden, andererseits aus dem verschärften politischen und wirtschaftlichen Kampfe zu erklären sind. Aus diesen Gründen ist es nicht überflüssig, auf solche unerquicklichen Vorkommnisse und Aeußerungen hinzuweisen, und den Versuch zu unternehmen, einer weiteren Ausbreitung derartiger Methoden mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Konzert. Im Beethovensaal konzertierte der junge jüdische Pianist Eugen T a i z 1 i n. Das Programm stellte höchste geistige und physische Anforderungen an den Künstler. Es umfaßte u. a. Oipfelwerke der Klavierliteratur wie Bachs Chromatische Phantasie und Fuge, die selten gespielten Liszt- Variationen über ein Thema von Bach, Mussorgskis Bilder einer Ausstellung und Chopins Phantasie. Taizlin erwies sich als ein Künstler von Temperament und Empfindung. Die technischc Wiedergabe wurde allen klanglichen Feinheiten gerecht. Sein nuancenreicher Ton, sein herrliches piano Bezauberten das Publikum, das seine Begeisterung in Beifallsstürmen zum Ausdruck brachte. s. Luba Schirman und Max Janowski konzertierten im Theatersaal der Hochschule für Musik. Die Sängerin hat ein hervorragendes Material. Das ist zunächst die wichtigste Fest- Stellung. Daß sie auch im Vortrag Ausgezeichnetes leisten kann, bewies ihr ״Belsazar“. Der Pianist J. ist eine romantische Natur durch und durch. Seine Vertiefung in die Poesie eines Stückes läßt die Technik ganz vergessen. Der Erfolg des Abends, zu welchem die ausgezeichnete Pianistin Sara witt c n b e r g (als Begleiterin) das Ihre beitrug, war groß. Arno Nadel. Frauen ״Arbeit Mannheim. Anitta Müller-Cohen sprach über ״Die jüdische Frau von gestern und heute“ im Verband jüdischer Frauen für Palästinaarbeit (Wizo). Der Inhalt der Rede gipfelte darin, daß die Jüdin der Antike und des Mittelalters große jüdisehe Kultur in sich gehabt und um sich verbreitet hat, daß aber diese persönliche und Volkskultur durch die ״Errungenschatten“ der modernen Zivilisation verloren gegangen ist. An Hand eines von Otto Abeies herausgegebenen biographischen Büchleins ״Zehn Jüdinnen“ charakterisiert sie die ungeheure seelische Größe jener Frauen, deren bekannteste Olückel von Hameln ist, zeigt sie den Abfall von Fanny von Arnstein und Rahe! Varnhagen, der bedeutendsten Frau der Romantik, deren Sünde und Tragik war, das Judentum als Geburtsfehler, als Strafe des Schicksals zu empfinden. Die jüdische Frau des 19. Jahrhunderts, Vorkämpferin für alle Dinge, nur nicht für die jüdische Sache, hört allmählich auf, Jüdin zu sein. Diesen verschütteten Weg zum Judentum können wir nur durch Palästina wieder finden. Im zweiten Teil ihres Vortrags erzählt Anitta Müller-Cohen, wie sie selbst den Weg zum jüdischen Volke und zu seinem Lande gefunden hat. Erschütternd ihre Erlcbnissc mit den Pogromwaisen, denen sie neue Heimat bereiten muß, da ihr klar wird, daß die Judenfrage in der Diaspora nicht zu lösen ist, befreiend ihr Suchen nach Palästina, und schließlich Bereicherung und Erfüllung durch Erez Israel. Sie, die davon spricht, daß die Frau immer praktische Idealistin ist, daß mit Ideologien nichts getan ist, ruft auch die Frauen der Wizo zur Mithilfe bei der Erstellung Palästinas auf. Eine Reihe neuer Mitglieder wurde dem Verband gewonnen. E. B. Mlsrachi-Frauengruppe Berlin. Am 2. Februar fand im Misrachiheim der diesmonatliehe Klubabend der Misrachi- Frauengruppe statt, an dem Herr Lazarus Barth über eine Reise durch Palästina berichtete. Er gab eine Schilderung von Land und Leuten, Wirtschaft und Kultur. Ganz besonders intcressierten seine Ausführungen durch die Vergleiche, die der Reisende von 1924 zur Gegenwart ziehen und dabei feststellen konnte, welch große Fortschritte überall erzielt wurden trotz der schweren Störungen, die der Jischuw und der Aufbau durch politische und wirtschaftliche Krisen erfahren mußte. In diesem Zusammenhang weist Redner auf das Werk der Misrachifraucn, das Iwdihcim, hin, das nun seiner Bestimmung zugeführt würde, diese aber nur erfüllen könne, wenn auch ferner alle Kräfte sich für diese Arbeit einsetzen würden. Hamburg-Altona. (Misrachi-Fraucngr u p p <") Am 17. Januar hielt Herr Oberrabbiner Dr. Carle Bach, Altona, im Gemeindehaus für die Misrachi-Frauengruppc und eine große Schar von Gästen ein geistvolles Referat über die Ribelüber- Setzung von Buber-Roscnzweig. In großzügigen Auseinander- Setzungen wurden die philosophische Grundhaltung der Verfasser, ihre Stellung zum Judentum, Einmaligkeit der Sprache und der ungeheure Ernst der Aufgabe: der Glaubenserweckung unserer vielfach ungläubigen Zeit — aufgezeigt. Das Ziel, dem modernen Menschen ein Gottbegegnen, die Sprache einer anderen Welt und eine neue Gläubigkeit zu geben, konnte nach Meinung des Redners bisher nicht erreicht werden. Wohl aber wurden die Hörer von dem großen Wollen und Können der Ueberscfzer, dank der kongenialen Einfühlungsfähigkeit des sprach- und begriffsschöpferischen Redners restlos überzeugt. — Die Misrachi-Frauengruppe veranstaltete am 7. Februar eine musikalische Matinee im Hause von Herrn Bistritzki. Frau Dr. Marlene Jacobscn sprach über ״Der musikalische Charakter des jüdischen Volksliedes“. Alles dem gebildeten Laien Zugängliche wurde in klar formuliertem gründlichen Vortrag enhvickeit und an Hand von Beispielen erläutert. ״Her nor .di schaut Maidele“ wurde mit des ״Goldschmieds Töchterlein“ verglichen, ״Jtime, Jume“ mit dem deutschen Volkslied ״Mutter ich will ein Ding hart“ in Parallele gebracht u. v. a. tn. Die Lieder wurden von Frau Böninger mustergültig vorgetragen und an ihnen das Jüdisch-Charakteristische nachgewiesen. So kristallisierte sich die Erkenntnis heraus, daß dem jüdischen Volkslied eine stärkere Betonung des Rhythmus, des Dramatischen, eine Bevorzugung des Rezitativgemäßen, die Klangfärbe von Pauke, Flöte oder Geige und vor allein die starke Betonung des Religiösen eignet. Der Vortrag stellte eine wirklieh produktive Leistung dar. Hamburg. Der ״Verband jüdischer Frauen für Palästina- Arbeit“ (Wizo) Hamburg hatte am W. Dezember v. J. seine Mitglieder zu einem Fest ins ״Hotel Esplanade“ geladen, das überaus gelungen verlief. Frau Betty Hertz begrüßte die über Erwarten zahlreich erschienenen Gäste mit einem Prolog, in welchem der Zweck der Veranstaltung — die Feier des dreißigjährigen Bestehens des KKL. - - zum Ausdruck gebracht wurde. Es folgten hebräische Lieder, gesungen vom Bar Kochba-Chor, unter der Leitung des Herrn Lasowsky, dann sang Frl. Edith Goldschmidt jiddische Lieder, begleitet am Klavier von Frl. Fanni Lewie. Als Krönung des Ganzen tolgte dann eine humorvolle Revue, verfaßt von Dr. Kupferberg und gespielt von Mitgliedern des ״Bar Kochba“ — ״Der blauweiße Circus“. Alle Darbietungen fanden stürmischen Beifall. Der Abend brachte auch einen ansehnlichen Gewinn. — Am 24. Januar d. J. veranstaltete die Wizo anläßlich Chamischoh- Ossor ein Kinderfest bei .,Sagebiel“. Ueber 300 kleine Gäste labten sich an Schokolade, Kuchen und Obst und folgten in andächtiger Aufmerksamkeit und glänzenden Augen der Aufführung einer biblischen Pantomime, die von Frau Dr. Zuntz verfaßt und von Kindern der Wizo-Mitglieder gespielt, Szenen aus der Bibel vorführten, wozu Frau Dr. Zuntz in Versen den erläuternden Text vorlas. Reicher Beifall lohnte sowohl Autorin als auch Mitwirkende. Hierauf hielt Lehrer Mever eine Ansprache, worin er die Bedeutung des Festes erklärte. A. Spitz. Nürnberg. Am 22. Januar hielt Herr Dr. G e ß n e r in der Wizo-Gruppe Nürnberg einen sehr gut besuchten Vortrag mit Lichtbildern über das ״Jüdische Rom“, das der Referent selbst gesehen und studiert hat. Das Publikum hat den fesselnden Vortrag mit großem dankbaren Interesse aufgenommen. — Am Sonntag, dem 16. Schwath, veranstaltete Frau Martha Farntrog, die früher als Lehrerin in Palästina tätig gewesen ist, in ihrem Hause für eine große Zahl von Kindern eine Chamischa-Assar-Bischwat-Feier. Nebst der Bewirtung mit Obst (18 Früchte) erzählte Frau Farntrog in plastischer Weise, wie in Palästina dieser Tag gefeiert wird. Die Kinder erlebten ein Stück lebendiges Palästina. ANLÄSSLICH DER 30 JAHR-FEIER DES KEREN KAJEMETH Martin Buber ״Wolk yundl Laind“ Bachsaal, 27. il. Ortsgruppen (Teilweise wegen Raummangel verspätet.) Cottbus, ln einer gut besuchten Veranstaltung der Zionistischcn Ortsgruppe sprach am 27. Januar Herr Dipl.-Ing. Edgar Heinemann aus Hamburg über ״Krisis und Judennot“. An den Vortrag, der beifällig aufgenommen wurde, schloß sich eine sehr lebhafte Aussprache, in der alle Richtungen zu Worte kamen. Dresden (Poalc Zion). Die Ortsgruppe der Poale Zion entfaltet eine rege Tätigkeit. Am 2. Januar fand ein Rezitations- Abend statt. Fräulein Frieda Neumann las aus Werken von Krauß, Heine, Werfel, Percz. und Briefe der Rosa Luxemburg. Das gut gewählte Programm und der künstlerisch vollendete Vortrag ernteten großen Beifall. Am 17. Januar sprach Chawerah Salkin über ihre Eindrücke in Palästina. Den intcrcssantcn Ausführungen schloß sich eine anregende Aussprache an. Am 30. Januar referierte Stadtrat Dr. Freund über ,,Anlage und Umwelt“. Ueber 100 Mitglieder und Gäste folgten mit großem Interesse den Ausführungen des Referenten. Am 13. Februar fand der erste Abend eines marxistischen Kursus statt. Genosse Kurt Schäfer verstand es, die Probleme so populär zu gestalten, daß alle mit großem Interesse daran teilnahinen. Am 27. Februar spricht Dr. Leo Winter über ״Messianismus und Zionismus“. Am 5. März findet ein literarischer Abend statt, am 13. März: Fortsetzung des marxistischen Kursus (Kurt Schäfer); am 19. März: Buchbesprechung des neuen Buches von Otto Heller ,,Der Untergang des Judentums“ durch Dr. Cohn-Vossen, Dresden. Erfurt. Am 10. Januar wurde in der Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe der bisiierigc Vorstand wiedergewählt und durch einige Beisitzer ergänzt. Der vorliegende Jahresbericht ergab als schmerzliches Moment einen Rückgang der KKL- und der KH-Einnahmcn, zeigte aber sonst, daß die Ortsgruppenarbeit beute reger ist denn je. Die 1 .!tägigen Zusammenkünfte waren außerordentlich gut von Zionisten und Jugendlichen besucht. Außer einzelnen Vorträgen fanden verschiedene Vortragsreihen statt: ״Judentum und nachchristliehe Kultur“, sehr eingehend und äußerst interessant von den Herren Dr. Peritz (Waltershauscn), Dr. Noack (Gotha), Rabb. Dr. Schüftan und Herrn Potcschmaim behandelt, und ״Sozialismus und Zionismus“ (Potcschmaim und Dr. Klein). In Aussprachen über die Fragenkomplexe ״Sozialismus, Zionismus, Nationalismus, Kommunismus“, wird versucht, Klarheit in den Kreisen unserer jugendlichen sozialistisch gesinnten Mitglieder zu schatten. Die sehr lebhaften Diskussionen zeigen die Notwendigkeit dieser geistigen Auseinandersetzung. Von auswärtigen Rednern sprachen Redakteur Waldmann über ״Krawalle am Kurfürstcndamm“, Mosche Brachmann über ״Awodah Sch’tekah“, Dr. Georg Landauer über ״Weltkrise — Juden- Schicksal“. — Die Tarbuth-Arbeit hat unser hebräischer Lehrer Poteschmann in Händen. In einem Chug iwri treffen sich jede Woche eine Anzahl Zionisten und Nichtzionisten. Wir hatten auch eine Chaluzgruppe von 25 Leuten hier, wobei uns sowohl die Gemeinde als auch die Erfurt-Loge mit beträchtlichen Geldmittein in dankenswerter Weise unterstützten. Außerdem halfen uns Zionisten und Nichtzionisten durch regelmäßige Beiträge. Wir danken auch an dieser Stelle allen denjenigen, die helfen, junge Menschen in befriedigende produktive Arbeit überzuführen. Nürnberg-Fürth. Am 4. Februar sprach in unserer Ortsgruppe Herr Schriftsteller J. Margosches (Tel-Awiw) über: ״Das jüdische Leben in Sowjetrußland“. Herr Margosches behandelte aus eigenem Erleben und auch-offenbar auf Grund eingehenden Studiums das von ihm gewählte Thema in sehr interessanter und anschaulicher Weise. Die Diskussion gestaitete sich infolge der heftigen Angriffe, die seitens eines Kommunisten gegen den Redner gerichtet wurden, teilweise sehr lebhaft. Von zionistischer Seite sprachen die Herren Ing. Hillmann, R.-A. Feilchenfeld, Dr. Liebstaedter, Reiner Hirsch, Dr. Bamberger und Josef Schiksteliski. — Die besonders gut besuchte Versammlung wurde von Herrn Dr. Liebstaedter geleitet. — Am 13. Februar veranstalteten wir im überfüllten großen Saale des Künstlerhauses einen öffentlichen Vortrag. Professor Dr. Theodor L e s s i n g (Hannover) sprach über: ״Das Kräftespiel in Palästina, eine Reise durch Erez Jisracl“. (S. Bericht ״J. R.“ vom 5. Januar.) Auf unseren besonderen Wunsch fand im Anschluß au den Vortrag eine Diskussion über ״Jüdischen Sclbsthaß“, in Anlehnung au das bekannte Buch Lcssings, statt. Wir hoffen, daß diese Ausspräche dazu beigetragen hat, weitere Kreise zur Lektüre dieses ausgezeichneten Werkes, das leider vom Jüdischen Verlag viel zu teuer verkauft wird, anzuregen. Wir glauben, daß der Vortragsabend für unsere Propagandaarbeit von wesentlicher Bedeutung sein wird. Königsberg. Am Sonntag, dem 7. Februar, fand in An- Wesenheit des Vorsitzenden der Z. V. f. D., Herrn Kurt Binm e n f e I d , die diesjährige Bezirksverbandstagung des Bezirks Ostpreußen statt. Mit außerordentlicher Aktivität hat Blumenfehl die Tage seines Königsberger Aufenthalts dazu benutzt, um in den verschiedensten zionistischen Kreisen die grundsätzliehen und aktuellen zionistischen Fragen durchzusprechcii. So fand am Sonnabend eine große Jugendversammlung statt, die von sämtlichen zionistischen Jugendbünden besucht war. Hier wurde die Frage des jüdischen Nationalismus und seine Be- Ziehungen zu anderen Bewegungen diskutiert. Die Resonanz der Ausführungen war außerordentlich stark, so daß die hierbei angeschnittenen Fragen heute auf Heimabenden und anderen Veranstaltungen lebhaft besprochen werden, ein Beweis, daß Blumenfeid es verstanden hat, mit sicherem Griff die am stärksten aktuellen Probleme herauszugreifen. Am Abend hielt Blumenfeid einen Vortrag in einer Bezirkstagung des K. J. V. Bei der Bezirksverbandstagung hielt Blumenfeid am Vormittag das Hauptreferat ״Zionistische Arbeit und Orientierung“, in dem er in außerordentlich wirkungsvoller Weise die wirtschaftliche Lage Palästinas, die politische Situation der Weltorganisation sowie die besonderen Probleme des deutschen Zionismus, insbesondere die Frage der Propaganda, darstellte. Am Nachmittag fand das Referat von Herrn Max Laaser (Tilsit) über: ״Arbeitsmöglichkeiten in der ostpreußischen Provinz“ statt, in dem der Referent einen von erfreulichem Optimismus getragenen konkreten Plan der Reorganisation der Provinzarbeit entwickelte. In der Diskussion nahmen die Vertreter von Insterbürg, Tilsit, Elbing, Marienwerder das Wort. Zur organisatorisehen Leitung der Provinzarbeit wurde Dr. Ginsburg (Königsberg) und Max Laaser (Tilsit) gewählt, ln der Aussprache kam unter anderem der Wunsch des Bezirksverbandes zum Ausdruck, den diesjährigen deutschen Delegiertentag möglichst zu Pfingsten in Mitteldeutschland, am besten in Dresden, stattfinden zu lassen. 11t einem großen Schlußwort nahm Blumenfeid nochmals unter starkem Beifall der Versammlung die Gelegenheit wahr, seine zionistisch-politischen Anschauungen in außerordentlicher Klarheit darzustellen. Eine Besprechung der Ortsgruppen- Vertreter der Provinz schloß sich der öffentlichen Tagung an. —■ Die Anwesenheit Blumenfelds ln Königsberg bedeutete für uns ein großes Erlebnis. Es Ist nicht übertrieben zu sagen, daß keine Bezirksverbandstagung der letzten Jahre einen solchen Eindruck hervorgebracht und so sehr zur Intensivierung des zionistischen Lebens beigetragen hat wie diese. Wir hotten, Herrn Blumenfeid in kürzester Zeit wieder bei uns begrüßen 2« können, Kurt Winter.

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