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Jüdische Rundschau · 1932-02-23 · Heft 15 (23.2.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 15 (23.2.1932)
Date
1932-02-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 72 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 15, 23. E 1932 Das Unferriditswesen in Palästina Von Dr. Fritz Simon Der soeben beendete Lehrerstreik in Palästina hat mit grausamer Deutlichkeit gezeigt, welche schweren Kämpfe das Schulwesen der Jewish Agency durchzumachen hat. Im Zusammenhang mit der auf diesem Gebiet durchgeführten Reorganisation gewinnt die Gesamtregelung des Unterrichtswesens in Palästina erhöhtes Interesse. Vor mehreren Monaten nun hat die Palästina-Regierung einen ausführlichen Bericht über das palästinensische Erziehungswesen veröffentlicht. Die, Erziehungspolitik der Regierung ist vielfach Gegenstand öffentlicher Auseinanderselzungen, insbesondere richten sich die Angriffe der Araber gegen die von ihnen behauptete Untätigkeit der Regierung auf diesem, Gebiet. Es wurde dem Schulreferenten Bowman vorgeworferf, daß er aus Sympathie für die Juden das arabische Erzichungswcsen des Ijondrs vernachlässige. Der nachfolgende interessante Aufsatz, der die Probleme der palästinensischen Erziehung behandelt, ist. unabhängig von dieser Kontroverse noch vor dem Erscheinen des Regierungsberichles geschrieben worden, konnte jedoch aus Raummangel bisher nicht veröffentlicht werden. Red. I. Historischer Rückblick Die Entwicklung eines modernen Unterrichtswescns in Palästina datiert im wesentlichen erst seit der Eroberung des Landes durch die Engländer. Im ehemaligen türkischen Reich existierte ja Palästina als administrative Einheit überhaupt nicht, das heutige Mandatsgebiet war aufgeteilt in den autonomen Sandschak Jerusalem, während die übrigen Kreise zum Viiayet Beirut gehörten. Die Volksbildung unterstand dem Kultusministerium in Konstantinopel, das zwar gute und moderne Gesetze (meist nach französischem Muster) ausarbeitete, aber, wie überall in der Türkei, nicht die Macht hatte, sie auch zur Durchführung zu bringen. So sah /.war das Unterrichtsgesetz von 1869 und die Novelle von 1912 die allgemeine Schulpflicht und kostenlosen Unterricht in den Volksschulen vor, in Wirklichkeit waren aber die letzten nur überaus dünn gesät und von einem Niveau, das nur wenig über dem der alten Koranschulen (den mohammedanischen ״chadarim“) lag. Regierungsmittelschulen gab es im Vorkriegs-Palästina nur drei, und zwar in Jerusalem, Nablus und Akko. Der Hauptfehler der Mittelschulen lag darin begründet, daß die Unterrichtssprache türkisch war und daß die Mutterspräche der Kinder — arabisch - nur als Fremdsprache gelehrt wurde. Während des Krieges sah sich allerdings die türkische Regierung gezwungen, um dem jäh aufflammenden arabischen Nationalismus entgegenzukommen, in Jerusalem eine Mittelschule mit arabischer Unterrichtssprache zu eröffnen, die aber infolge des Rückzuges der Türken wieder geschlossen wurde. Vor allem diesem Umstande ist es zuzuschreiben, daß die arabische Erziehung auch heute noch an ut durchgebildeten Lehrkräften Mangel leidet, zumal die eiden Lehrerseminare der Regierung jährlich nur etwa 25 neue Kandidaten für den Schuldienst bereitstellen. Die Aufabe, der sich die Mandatsregierung nach der Eroberung es Landes gegenübergestellt sah, war also eine gewaltige. Hieß es doch, eine beinahe völlig an alphabetische Bevölkerung mit den Segnungen einer modernen Er- Ziehung vertraut zu machen, wobei zu beachten ist, daß die für diesen Zweck zur Verfügung stehenden Mittel infolge der Armut des Landes natürlich nur beschränkt sein konnten. Allerdings besaßen auch schon vor dem Krieg die religiösen und ethnischen Minderheiten — Juden und Christen — verhältnismäßig neuzeitliche Schulsysteme: die Christen in der Gestalt von Missionsschulen, die von den verschiedensten Konfessionen und Nationen unterhalten wurden, und demgemäß natürlich auch keine rein-arabische Erziehung vermittelten, während den Juden die Schulen der Alliance Israelite Universeile, des Hilfsvereins der Deutschen Juden, der Anglo- Jewish Association und zahlreiche Chadarim, Talmud-Thora- Schulen und Jeschiwoth (mit französischer, deutscher, englischer und jiddischer Unterrichtssprache), sowie die 40 hebräischen, von der Zionistischen Organisation kontrollierten Anstalten zur Verfügung standen. So war die Lage im Jahre 1920, als die Militärverwaltung durch eine Zivilregierung abgelöst wurde und Sir Herbert Samuel das Oberkommissariat übernahm. Unseren ״kontinentaleu“ Anschauungen von den Aufgaben des modernen Staates gemäß, wäre es Aufgabe der Regierung gewesen, das gesamte schon vorhandene Schulwesen in ihrer Hand zu vereinigen, zu verstaatlichen und dann organisch auszubauen. Nicht so die Engländer. Von Hause aus gewöhnt, die Regicrungsmaschinc nur dort in Bewegung zu setzen, wo die Privatinitiative versagt (in England selbst wurde die allgemeine Schulpflicht erst 1870 eingeführt und noch heute ruht fast das ganze mittlere und hohe Schulwesen in privater Hand) glaubten sic auch in Palästina die Doktrinen dieses kulturellen ״Manchestertums“ in Amvendiuig bringen zu dürfen und vorerst nur für die völlig brachliegende Er- Ziehung der mohammedanischen Bevölkerung von Staats wegen sorgen zu müssen, da sie die jüdische und christliche Er- Ziehung in guten Händen wußten. So sah der von Samuel inaugurierte s c h u 1 p o 1 i t i s c 11 e ״F ü n f j a h r e p I a n“ die Gründung von jährlich 75 arabischen Dorfschulen durch die Regierung vor. Christlicherseits hatte mau nichts dagegen, im Gegenteil: die Missionen sind nur zu eifrig darauf bedacht, daß sich keine fremde Macht in ihre Tätigkeit einmischt, das Mißtrauen der katholischen Missionen geht sogar so weit, daß sic ihre Schulen nicht einmal bei der Regierung registrieren lassen, so daß diese nicht in der offiziellen Schulstatistik erscheinen. Auch auf jüdischer Seite wünschte man so wenig wie möglich mit der Regierung zu tun zu haben, verlangte aber, im Gegensatz zu den Missionen, eine erhebliche materielle Unterstützung für das ״autonom“ zu gestaltende jüdische Schulwesen. Psychologisch war diese Haltung allerdings verständlich: wollte mau docli in Palästina aus eigener Kraft eine hundertprozentig hebräisch-jüdische Kultur entwickeln. Politisch wurde hier allerdings unseres Erachtens ein schwerer Fehler gemacht, indem man die Aufgaben einer M i 11 d e r h e i t s n a t i o 11, wie sie die Juden in Osteuropa darstellen, mit denen der Staatsnation, zu der sic sich in Palästina entwickeln sollen, verwechselte. Die Angst vor der kulturellen Ucberfremdung durch die ״goijim“, die in Polen oder Litauen berechtigt sein mag, führte in Palästina dazu, daß man jede Kontrolle seitens der Regierung ablehnte, trotzdem aber von ihr Geld verlangte. Abgesehen davon, daß es keine Regierung und überhaupt keine Institution in der Welt gibt (auch der niditzionistische Partner der Jewish Agency nicht), der bereit ist, Mitte! ohne Kontrollrecht zur Verfügung zu stellen, hätte man wissen können, daß es der englischen Kolonialtradition durchaus widerspricht, kulturelle Assimilation zu treiben. Aut der im Jahre 1927 abgehaltenen Konferenz aller Erziehungsabtcilungen des Imperiums wurde ausdrücklich festgestellt, daß, im Gegensatz zu Frankreich, das in seinen Kolonien versucht, die Eingeboreneu zu möglichst hundertprozentigen ״Franzosen“ zu machen, es wohl wünschenswert sei, daß die Schüler englisch als Fremdsprache gut beherrschen, daß im übrigen aber jedes Volk in seiner eigenen Kultur zu erziehen sei. Diese weise Politik, auf der die Fortexistenz des Empire beruht, wird nicht nur in Ostafrika befolgt (dort schützt das Colonial Office die Neger vor den englischen Siedlern), sic wird auch in Palästina den Arabern gegenüber in Anwendung gebracht (mit Recht konnte der Leiter des Erziehungsdepartements einem Interviewer gegenüber fcststelien, die Erziehung in den Regierungsschulen sei arabisch-national) und sie wäre in demselben Maße den Juden zugute gekommen, wenn diese nur gewollt hätten. So war bis zum Jahre 1926 das jüdische Schuhve&en völlig auf eigene Mittel angewiesen. Erst seit diesem Jahre beteiligt sich die Regierung mit £ 20 000 jährlieh (20 (',0 des Regierungsbudgets für Erziehung, entsprechend dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung, nicht dem der jüdischen Schülerzahl, der weit höher ist) an dem zionistischen Unterrichtsetat, natürlich mit verstärkten Kontrollbefugnissen, die durch drei jüdische Regierungsinspektoren ausgeübt werden. Auch im Waad Hachinuch fiat sich die Regierung Sitz und Stimme gesichert. II. Die gegenwärtige Lage Die Entwicklung des palästinensischen Unterrichtswesens in den zehn Jahren der englischen Verwaltung wird am besten durch die untenstehende*) Aufstellung veranschaulicht. Es ergibt sich also, daß relativ die Regierung die größten Fortschritte zu verzeichnen hat, konnte sie doch die Zahl ihrer Schüler verdoppeln, die der Schulen und Lehrer um mehr als 80 סיף vermehren. Jedoch darf nicht außer Acht gelassen werden, daß der Samuclsche Fünfjahreplan aus Mangel an Geldmittein nicht zur Ausführung kam und daß seit 1923 die Zahl der Regicrungsschulen mit rund 300 und die der Schüler mit rund 20 000 konstant geblieben ist, so daß bei der ungeheureti arabischen Bevölkerungsvermehrung die Zahl .der Analphabeten im Lande stets zunimmt. Prozentual haben sich die Nicht-Regierungsschulen zwar nicht so entwickelt, doch bleiben sie absolut durchaus führend (16 000 Schüler mehr gegenüber nur 10 000 Regierungsschülern). Auf die verschiedenen Schulorgane verteilt,, zeigt sich heilte .afeoJcdggldfjfrJB^«, Schalgattung Schulen Lehrer Sobüler in Prozent Reeierune 310 750 21 636 30,9 Mission Mohammed. 162 1023 15 139 21,7 Privatschulen 75 195 4 710 6.7 Nichtjüdischc 547 1968 41485 59,3 Juden 311 1409 28426 40,7 Zusammen 858 3377 69 911 100,0 Deutlich heben sich in dieser Statistik die drei für das Unterrichtswesen maßgebenden Faktoren ab: Juden, Regierung und Mission, wobei es für kontinentale Begriffe auffällig ist, daß die Regierung nur für 30 °/0 der Gesamtschülerzahl sorgt, während die Juden, obwohl nur 18 «/o der Bevölkerung, einen Prozentanteil von 40 <y0. autzuweisen haben, eine Leistung, die in einem Lande ohne allgemeinen Schulzwang um so bedeutender wirkt. a) Jüdische Schulen. Ueber das jüdische Schulwesen soll hier im einzelnen nicht gesprochen werden, da seine Kenntnis in deu Grundlagen bei den Lesern vorausgesetzt werden kann. Bemerkenswert ist, daß von den 28 500 jüdischen Kindern, die jüdische Schulen besuchen, 18 700 — 65 °/0 der Zionistischen Exekutive direkt unterstehen, während sich der Rest von rund 10 000 Schülern aut die Alliance, Evelina de Rothschild-Schule, Wizo, verschiedene Waiseninstitute, Agudath-israel, private Talmud-Thora- und sonstige Privatschulen verteilt. Doch ist der zionistische Einfluß weit größer und erstreckt sich heute auf sicher vier Fünftel aller jüdischen Schulen im Lande. Das zionistische Erziehungsbudget betrug im letzten Jahre rund £ 160 000, von denen £ 60 000 durch den Keren Hajessod und £ 20 000 durch die Regierung beigesteuert wurden. Neben der Pica beteiligt sich der Jischuw selbst durch Schulgelder usw. mit ebenfalls £ 60 000, auch dies ein erfreulicher Fortschritt gegenüber früheren Jahren. b) Regierungsschulen. Der Schuletat der Palästina-Regierung stieg von £ 78000 im Jahre 1920 auf £ 144 000 im Jahre 1929 oder 6,6 0/0 des Gesaintbudgets, hat sich also, entsprechend der allgemeinen Entwicklung des Regierungsschulsystcms, auch beinahe verdoppelt. £ 22 000 gehen davon allerdings als Unterstützungen an Nicht-Regierungsschulen, so daß dem Department für seine eigenen Anstalten nur £ 122 000 bleiben. Allerdings kostet ein Regierungsschüler durchschnittlich nur £ 5,5 jährlich gegenüber £ 9,1 für den zionistischen Schüler, was vor allem daran liegt, daß die Lehrergehälter bei der Regierung geringer sind (Anfangsgehalt eines Regierungs-Volksschullehrers nur £ 5 gegenüber £ 8 bei den Juden), daß die Regierungs-Volksschulen aut dem Laude nur vier, in der Stadt nur sechs Klassen gegenüber je acht Klassen in den zionistischen Schulen haben, und ר Jahr Regieruagasch uien A n dere Schul Insgesamt Schule□ Lehrer Schüler Schulen Lehrer Sdhüler Schulen Lehrer Schüler 1920 171 408 10662 371 1847 32139 542 2 255 42 797 1929 310 750 21636 548 2 627 48 275 858 3377 69 911 Zunahme, absolut + 139 + 342 + 10974 + 177 + 780 + 16 136 316 ¬ו¬ + 1122 + 27 113 in % + 81,3% + 83,8% ״/103 + + 47,6% + 42,4% + 50,4 % »׳? 58,5 + + 49,6% + 63,4% daß die Regierung außer in den beiden Lehrerseminaren für Männer und Frauen und zwei zusätzlichen Mittelschulklasscn in neun Städten überhaupt keine höhere Schulcrziehung vermittelt, während jüdischerseits vier Lehrerseminare, vier höhere Schnlen und sieben Handels- und technische Anstalten erhalten werden. Auch ein Vergleich der Stundenpläne ist von Interesse: in richtiger Weise unterscheidet die Regierung zwischen den verschiedenen pädagogischen Aufgaben, die Dorf- und Stadtschulen zu erfüllen haben (im Dorf stärkere Betonmig des handwerklichen und landwirtschaftlichen Unterrichts, in der Stadt hingegen mehr cng’Nch), während jüdischerseits kein großer Unterschied bestellt. Außer deu allgemeinen Schul- Inspektoren beschäftigt die Regierung drei Sonderbeamte für Jugendpflege, Handfertigkeit und Leibesübungen, auch hierin moderner als die Zionistische Exekutive, die dem nichts Aehn- Iiches entgegenzusetzeu hat. Die Schwierigkeiten der Regierung sind allerdings immer noch ungeheure. Der seit 1923 herrschende zahlenmäßige Stillstand (qualitativ hat sich der Unterricht sehr gebessert) ist nicht nur eine Folge von Geldmangel, die Ursachen liegen noch mehr in dem niedrigen Kulturniveau der Elterngeneration begründet. Obwohl die Regierung kein Schulgeld erhebt und in den Dörfern nur den Bau und die Erhaltung der ganz primitiven Schulgebäude verlangt, hat man immer wieder Schulen schließen müssen, da die Eltern ihre Kinder einfach nicht hinschickten. Von durchschnittlich 100 arabischen Schulkindern laufen so nur 8 bis zur letzten Klasse durch, während jiidischerseits das Verhältnis wie 100 zu 50 ist. Ein weiterer Hinderungsgrund ist auch der Mangel an arabischen Lehrkräften, zumal gebildete städtische Lehrer auch nur ungern in den primitiven dörflichen Verhältnissen leben wollen. Die religiöse Verteilung der Regierungsschüler ist wie folgt: Religion Zahl der Sdhüler in Prozent Bevollcerungsanteii in Prozent Mohammedaner 18 772 86,8 72,4 Christen 2 380 11,0 8,6 Drusen u. a. 435 2,0 0,9 Juden 49 0,2 18,1 Insgesamt 21636 100,0 100,0 Den Löwenanteil behaupten also die Mohammedaner, für die das Regierungsschulwesen ja eigentlich gedacht ist, während cs für die Bildungsfreudigkeit der christlichen Bevölkerung spricht, daß sie, obwohl mit einem eigenen Schuinetz versehen, sich an den Regierungsschulen mit einem größeren Prozentsatz, als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht, beteiligt. Das Verhältnis von Knaben zu Mädchen in den Regierungsschulen ist wie 80 ״/ס zu 20 0/0 (gegenüber 52 °/0 zu 48 0/0 in den jüdischen Schulen), zeigt also, daß die Mädchcncrziehung noch im argen liegt. Die mohammedanischen Privatschuien, 75 mit 4700 Schülern, meist vom moslemischen Oberrat unterhalten, spielen zwar zahlenmäßig nur eine geringe Rolle, doch gibt "es unter ihnen einige gut geleitete Anstalten, so das Waisenhaus in Jerusalem, das moderne handwerkliche Er- Ziehung vermittelt. c) Christliche Schulen. Die Christen besitzen 162 Schulen mit 15 139 Schülern, die sich konfessionell wie folgt verteilen: Koafeatloa Schulen Sdhüler fö6& ■ - '•«־ ׳ - 4 022 Griechisch Orthodox > 24 ״ 2 083 Verschieden 3 77 Insgesamt 162 15139 Hier zeigt sich ganz kraß das Wirken der ausländischer! Missionen: obwohl 80 0/0 der arabischen Christen griechischorthodox sind, sind die christlichen Schulen des Landes in der überwiegenden Mehrzahl katholisch und protestantisch, die ihrerseits nun wieder national unterschieden sind (französisch, englisch, amerikanisch, italienisch, deutsch usw.). Welche Anziehungskraft die christlichen Schulen auf Nicht- Christen ausüben, ergibt sich aus der folgenden Aufstellung: Religion Schüler in Prozent luden 622 4,2 Mohammedaner 1 820 12,1 Drusen u. a. 165 U Nicht - Christen 2607 17,4 Christen 12 532 82,6 Insgesamt 15139 100,0 17,4 °/0 nichtchristliche Schüler besuchen also christliche Schulen, woran die Mohammedaner mit 1820 Schülern oder 7,3 0/0 überhaupt aller mohammedanischen Schulkinder führend beteiligt sind. Doch auch die Zahl von 622 jüdischen Kindern (2,10/0 aller jüdischen Schüler), die dort eine unjüdische und oft ausgesprochen antijüdische Erziehung erhalten, ist erschreckend groß. Die Methoden der Missionen sind ja bekannt: Seelenfang unter Ausnutzung wirtschaftlicher Schwierigkeiten durch Beistellung freien Unterrichtes, kostenloser Kleidung und Nahrung und Aussicht auf gutes Fortkommen bei Taute. d) Zusammenfassung. Haben wir bisher das Erziehungswesen hinsichtlich seiner Unterstellung unter die verschiedenen Schulorganisationen betrachtet, so soll zusammenfassend jetzt ein Bild der Gesamt- Schülerschaft, wie sie sich auf die verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen verteilt, ohne Berücksichtigung ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Schulgruppen, gegeben werden. Es ergibt sich dann folgendes: Schü'er in Prozent Bevölkerung in Prozent Prozent der Schüler in der Bevölkerung Mohammedaner 25 277 36,1 675 744 72,4 3,7 Christen 14 935 21,4 80139 8,6 18,7 Drusen u. a. 626 0,9 9050 0,9 7,0 Nicht- Juden 40&38 58,4 764 933 81,9 5,3 Juden 29073 41,6 168 209 18,1 17,3 Insgesamt 69 911 100,0 933 142 100,0 7,5 Von rund 70 000 Kindern, die in Palästina überhaupt die Schule besuchen, sind also fast 30 000 oder 41,6 0/0 Juden, obwohl diese nur 18,1 °/0 der Gesamtbevölkerung bilden. Die Mohammedaner, die 72 0/0 der Schülerschaft stellen müßten, haben dagegen nur die Hälfte, während die Christen, trotz ihres geringen Bevölkerungsanteils, sogar besser als die Juden dastehen. Welche Folgerungen ergeben sich nun für die Zukunft? (Schluß folgt.)

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