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Jüdische Rundschau · 1932-02-23 · Heft 15 (23.2.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 15 (23.2.1932)
Date
1932-02-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Dm Untcrrtchtswesen Pal&slinm Einzelnummer 0,25 Goldmarli JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDienstagu.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AusUndsabonnemeata werden in der Währung der einzelnes Lander berechnet. AxuMdgettpreis: 8 fjesp. Nonpareiüezeile 0*50 G ־M. Stellengeauebe 0,25 G.׳M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H-,Berlin W15, Meinekestr.lO. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Poatachock - Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danzig 1973. Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155» Strassburg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank -Konten; Darmetadter * und Nationalbank, Depositen י Ka*»e Berlin, Kurfürstendamno 524 Rumänische Kreditbank, Ceroauti (Rumänien); Anglo Palestine Co, in Haifa, femsalem, Tel -Aviv Nummer 15 | Berlin, 23.1L 1932 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ט״ז אדר תרצ״ב | xxxvii. Jahr*. Dar Zionismus erstrebt für das lUdlsctie Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten HelmstBtte In PalSstlna. ״Baseler Programm.‘* In aller Kürze Dr. Ariosorolf hat in einer Pressekonferenz der Jewish Agency in Jerusalem erklärt, seines Wissens habe weder die britische Regierung, noch die Regierung Palästinas irgendwelche Kenntnis von Vorrchlägen, betreffend eine arabischjüdische Round T a b I e - K 0 n f e r c n z. Die sogenannten Abbas 1 lilmi-Vorschläge seien zweifellos eine Mystifikation. Ferner wird aus Palästina gemeldet, daß die Arabische Exekutive am 17. Februar eine Sitzung abgehalten hat, auf welcher eine Erklärung abgegeben wurde, daß die Arabische Exekutive von diesen Vorschlägen keine Kenntnis hat. Der ״Jewish C 11 r o n i e 1 e“, der bekanntlich vor einiger Zeit sensationelle Gerüchte iiber den F r e n c 11 - B c ri c h t veröffentlicht hat, läßt jetzt seinen Jerusalemer Korrespondenten erklären, daß French im Dezember seinen ursprünglichen Entwurf abgeändert und 15 Seiten, die sich besonders auf jüdische Einwanderung und Bodenkauf bezogen und antizionistisch waren, weggelassen hat. Auf diese Weise sei an das Kolonialamt der Bericht in einer neuen Fassung übergeben worden, die diese Teile nicht enthält. Bekanntlich hat sich das Kolonialamt und aie Zionistische Exekutive gegen die Veröffentlichung des ״J. Chr.“ gewandt und betont, daß alle unautorisierten Gerüchte aus der Luft gegriffen seien und die Veröffentlichung des wirklichen Berichtes im März erfolgen wird. Auf einem Bankett zu Ehren Dr. Weizmanns in Kap- Stadt teilte das Mitglied des südafrikanischen Parlaments, Dr. H. F. Meyer, mit, er habe die Initiative zur Gründung eines Pro Palästina-Komitees in der Südafrikanischen Union ergriffen. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten Charles Curtis und Senator Borah haben die Ehrenpräsidentschaft im ״American Palestine Committee•‘ übernommen. Der amerikanische Senator King hat an das American Palestine Committee eine Botschaft gerichtet, worin er nochmals das aktive >ntcre«se betont, das die Vereinigten Staaten an der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina besitzen und auf die vielen Beweise des Interesses der Vereinigten Staaten an dieser Sache in der Vergangenheit hinweist. Es gebe wenig Dinge, die in den Vereinigten Staaten so allgemeine Sympathien finden wie der Zionismus. Die Zionistische Föderation Australiens hat mit dem Jiidi-?dien Matte,»Bonds ein Abkommen getroffen, betreffend Pflati- Tn treuer Jude und Förderer des Palästinawerkes. Der englische Polizeirichfer von Jerusalem, Cressal, hat am IR. Februar die 32 ׳ Personen, die am 30. Januar wegen Teilnähme an einer angeblich kommunistischen Freiiuftversammjung verhaftet wurden, frei gesprochen. In der Urteilsbegründung wird das Vorgehen der Polizei außerordentlich scharf getadelt. Der Staatsanwalt des Appellationsgerichfes in Saloniki hat die offizielle Anklage gegen die Urheber der antisemitisehen Unruhen im Juli 1931 erhoben. Der Beginn des Prozesses wurde für den 2. April d. J. angesetzt. In der letzten Zeit wurden in der Slowakei eine Reihe von jüdischen Bürgern verhaftet, denen man vorwirft, während des ungarisch-tschechischslowakischen Grenzkneges 1010 als Offiziere oder Gendarme auf tschechische Plünderer geschossen zu haben. Unter der jüdischen Bevölkerung haben diese Verhaftungen und die damit verknüpften Beschuldigungen große Beunruhigung hervorgerufen. Die Verhandlung in dem slowakischen Ritualblutprozeß Sfeinberger-Liebermann wurde neuerlich vertagt. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage fallen lassen, die Privatkläger aber setzen den Prozeß.fort. Die spanische Regierung ernannte den jüdischen Historiker Prof. Ignacio Bauer zum Inspektor des jüdischen Schulwesens in Spanisch-Marokko. An dem Institut für orientalische Sprachen an der Lernb er per Universität wurde ein Lehrstuhl für hebrätsch eingerichtet, so daß vor! nun ab Magisterprüfungen für hebräisch abgelegt werden können. Nach den letzten statistischen Feststellungen wohnen in der südafrikanischen L/niort rund 80 000 jüdische Seelen, d. s. 1,3 0/0 der allgemeinen Bevölkerung. ln Cluj (Klausenburg) wurde die vom Jüdischen Nationalverband für Transsylvanien gegründete V olksuni versitat feierlich eröffnet. Ein großer Tag in Jerusalem Moderne Jeschiwotli. Der bekannte Historiker Dr. Marc Wisch nitzer hielt im Rahmen der Montagsvorlesungen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums einen Vortrag ״Moderne Entwicklungen in den osteuropäischen Jeschiwoth“, worin er auf Grund einer Studienreise überaus interessante Tatsachen über die gewaltigen Veränderungen mitteilte, die die religiösen Erziehungsanstalten des Ostens durchmachen. Das moderne Leben dringt auch in die Jeschiwall ein, die Studierenden (Bachurim) unterscheiden sich heute an vielen Orten in ihrem Aeußern nicht von Hörern weltlicher Hochschulen. Die frühere Einseitigkeit und Weltfremdheit ist heute vielseitiger Interessiertheit gewichen. Dies gilt in Litauen (Poniewesch, Telschi), und auch fürt־ Polen, wo die im Wilna er Verband vereinigten Anstalten die wichtigste Stätte des Talmudstudiums in Osteuropa bilden. Der Vortragende gab interessante Schilderungen von dem Aufbau und den Einrichtungen der einzelnen Jeschiwotli. Besonders wichtig ist auch die Talmud-Hochschule in Lublin, die in einem neuen Monumentalgebäude untergebracht ist. In der Slowakei und Marmarosch sowie in Siebenbürgen ist ,die interessante Tatsache einer Verbindung von Talmudunterricht mit manueller Arbeit, durch die teilweise auch der Lebensunterhalt der Schüler gewonnen wird, hervorzuheben. Im allgemeinen müsse gesagt werden, daß auch auf diesem lange Zeit unveränderlichen Gebiet des jüdischen Lebens gegenwärtig alles im Fluß ist. Eindrücke von der Feier der ersten Promotionen Von Mirjam Scliaar-Sehloessinger (Jerusalem) Der 25. Januar des Jahres 1932 wird stets ein großer Tag in der Geschichte des jüdischen Volkes bleiben. An diesem Tage wurden die ersten Graduierungen von einer Hebräischen Universität an 13 Studenten verliehen vor einem Auditorium, wie es in keiner anderen Stadt der Welt, außer Jerusalem, sich hätte versammeln können. Festliche Erregung erfüllte die Luft von ganz Jerusalem, bebende Erwartung durchzog die Herzen der vielen Hunderte, welche den Hang zum Skopus-Berge emporstiegen und verstärkte sich, als sie den Symonds-Saal in dem schönen neuen Gebäude der Wolffsohti-Bibliofhek betraten, wo die ersten Promotionen der Hebräischen Universität vorgenommen werden sollten. Jeder war sich dessen bewußt, daß diese Zeremonie sich unterscheiden müßte von den üblichen Promotionen, an die wir Westler gewöhnt sind. Fast alle diese vielen Besucher waren in dieses kleine fremdartige Land im Vorderen Orient einmal mit einem Ideal, in einer Mission oder mit einer Hoffnung gekommen, und eine geheimnisvolle Stimme schien jetzt zu ihnen in dieser Umgebung zu sprechen und ihnen Trost für manche Enttäuschungen zu sagen. Es war* fast, als ob diese Feier ein Beweis und ein Symbol wäre von verborgenen Kräften, welche zu ihnen sagten: ״Wenn es uns gelungen ist, diese Etappe heute zu erreichen, so könnt auch Ihr auf weiteren Fortschritt hoffen. Wenn wir über verschiedene Schwierigkeiten gesiegt haben, so könnt Ihr die Hoffnung hegen, Eure vielfaltigen Schwierigkeiten zu überwinden. Es war ein harter Weg, den wir gehen mußten — wir und Ihr — aber der endliehe Sieg wird noch glorreicher für Euch sein als er es heute für uns ist.“ Hier in Jerusalem, in diesem Lande der Bibel, ist es sehr schwer, sich solcher geheimnisvollen Stimme zu versagen. Sogar die Steine sprechen hier mächtig in einer doppelten Sprache, in einer der realen Vergangenheit und in einer anderen Ver-!hjuLdie nur in dem Oedanken und in den Erwartungen ־. ־־■ ‘ “־..'.׳ ‘ ״ “ ,, gegangen sind, ISclianlä erhärt hier einen Schimmer von Heiligkeit. Die Bibel ist ein Bestandteil der Seele — sie ist auf dem Boden entstanden, auf dem wir stehen. Man kann in Palästina nicht ohne diesen bedeutendsten Führer durch das Land und zu den Herzen und dem Dasein des Orients leben. Es bereitet darum Genugtuung, daß diese erste Verleihung von akademischen Graden an Studenten erfolgte, von denen mehrere die Palästinakunde, zu ihrem Spezialfach gemacht haben. Keine Universität in der Welt wäre heute imstande, ihnen jene Unterweisung zu geben, die sie in dieser kleinen neuen, bescheiden ausgestatteten Anstalt erhalten haben durch den Vorzug, daß diese Institution in dem Lande gelegen ist, wo die Bibel entstand. In keinem anderen Lande der Welt wäre man imstande gewesen, sich die Sitten und Gedanken, die Träume und die Gesänge der biblischen Zeit so lebendig vor Augen zu führen, wie gerade hier, wo so mancher biblische Brauch sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Wenn man in den Symonds-Saal tritt, mit seinen großen Bogenfenstern und den prunkvollen alten gestickten Vorhängen aus Bucharia an den Wänden, wenn man über die weichen prachtvollen persischen Teppiche schreitet, wenn man die leicht erhöhte Estrade betrachtet und das Grün der sie schmückenden jungen Bäume sicht, dann jubelt das Herz, weil man weiß, daß etwas Unvergleichliches, Einzigartiges, etwas tief Bezeichnendes für ein weit verstreutes Volk sich jetzt abspielt. Das Auditorium selbst war ein Abbild dessen, was das alte, was das neue Jerusalem zu bieten hat. Viele englische Beamte waren gekommen; der Oberkommissär, der Ober-Richter, die Leiter der Departements für Erziehung und Einwanderung und anderer Regierungsstellen, Vertreter der amerikanischen und britischen archäologischen Anstalten, die weißgekleideten Dominikaner- Patres mit Pere Vincent, einem der größten Autoritäten der Archäologie Palästinas, die Konsulen verschiedener Länder mit ihren malerischen Kawassen, Priester, kirchliche Würdenträger, Richter, — und schließlich Juden aus allen Gegenden der Erde, hochgestellte und ganz einfache, einige durch ihre Trachten zeigend, daß sie aus dem Jemen, aus Buchara, aus dem Kaukastis, aus Mossul gekommen sind, — sie alle tragen bei zu dem vielfarbigen Bild, das Jerusalem heißt. Pünktlich zur angesetzten Zeit, um 31,4 Uhr nachmittags, begannen die Studenten, welche im Hintergründe der Halle saßen, den Eröffnungschoral zu singen, Beethovens machtvolle Musik zu Psalm 19, und während sie noch sangen, traten die Graduierten, geführt vom Oberkommissär, Sir Arthur Wauchope, dem Kanzler Dr. Magnes, den in Jerusalem wohnenden Mitgliedern des Direktoriums und den Dekanen der zwei Fakultaten in die Halle, empfangen von einem Applaus, der als Anerkennung für die vollbrachte Leistung gemeint war. Als der Kanzler der Universität, Dr. Juda Leo Magnes, seine Ansprache mit dem traditionellen ״Scheliechejanu“ begann, sprach er all das aus, was alle Anwesenden, Juden und Nichtjuden, fühlten. Und es erschien ganz selbstverständlich, daß er eine bildliche Ausdrucksweise anwandte im Lande der Bibel, um zu den Zuhörern in einer Form zu sprechen, die sie am besten das Gesagte nachfühlen ließ. Für sie ist das ״Neujahrs- Fest der Bäume“, auf welches Magnes anspielte, keine leere Phrase. Als er die Graduierten als die erste Schar von Jüngern, die aufgezogen worden waren, bezeichnete und ihnen sagte, daß nun die leuchtende Fackel in ihre Hand gegeben sei, uni Boten guter Nachrichten zu sein und daß jeder Einzelne ein Leuchtfeuer aut der Bergeshöhe anzünden möge — so wußte man in diesem Lande der Bibel und in dieser einfachen Sprache der Bibel, daß dies nicht leere Worte waren. Jeder anwesende Student, jeder Promotions-Kandidat gelobte sich, als er die Mahnung des Kanzlers hörte, daß von nun an ״das Zepter des Studiums nicht weichen soll von luda und das Licht in Israel nicht erlöschen wird“ » - ׳ Es ist das Vorrecht und die Pflicht dieser jungen hebräischen Universität gewesen, ihren modernen und neuartigen, durch keine erstarrte Lrtirtraditinn beeinträchtigten, Ausblick denen ihrer Schüler mitzugeben, die nun die Freiheit haben, ihre Lehren weiterzutragen. Aber im gleichen Grade mußte diesen Männern und Frauen sich ein tiefer Respekt ein flößen für eine lange, gelehrte Vergangenheit, für eine an Leiden reiche und an Freuden — außer an Büchern - arme Geschichte. Sic mußte in sie Liebe und Verständnis pflanzen für dies ihr eigenes altes Land, Liebe und Achtung für seine Armut, Liebe und Achtung für seine Möglichkeiten, Liebe und Achtung für alle Einwohner des Landes, wie verschieden auch ihre Geschichte und Glaubcnsformcii sein mögen. Das allein wäre ein ausreichender Grund für den Bestand der Hebräischen Universität. Die geisteswissenschaftliche Fakultät war bestrebt, diesen Richtlinien zu folgen bei den 13 Promovierten des heutigen Tages. Aber wenn inan diese 2 Frauen und 11 Männer betrachtet, sieht man auf ihren Gesichtern bereits die Spuren durchgemachter Sorgen. Sie sind reifer als Studenten anderswo, einer hat schon graues Haar. Wie man hört, war keiner von ihnen in der Studienzeit frei von Geldsorgen. Einige haben während ihres Studiums Berufe in der Stadt ausgeübt, da sie für Frau und Kinder zu sorgen hatten. Andere waren von dea kleinen Stipendien, die die Universität bisher besonders begab* ten Studenten verlieh, abhängig; einige wieder erhielten kleine Gehälter für Dienstleistungen an der Bibliothek oder als Assistenten. Einer von den Studenten ernährte sich eine Zeitlang als ungelernter Arbeiter. Alle waren mit ihren Lebensansprüchen überaus bescheiden; einige von ihnen bestritten ihren Lebensunterhalt mit 36 Pfund (720 M.) jährlich. Der höchste Betrag, den einer der Studenten zur Verfügung hatte, der auch eine Frau zu erhalten hatte, war 12t) Pfund. Da die meisten dieser Studenten von Anfang an auf der Universität waren, und daher vom Kollegiengeld befreit waren, dienten diese Beträge nur für ihren Unterhalt; trotzdem ist es schwer zu verstehen, wie sie damit ausgekommen sind. Gewiß hat für sie ,,die Weisheit ihr Haus gebaut und hieb sieben Säulen, Sie mischte ihren Wein und bereitete ihren Tisch, .. Sie rief, von den Höhen der Stadt: Wer unwissend ist, der wende steh hierher, Kommt, eßt von meinem Brot und trinket den Wein, dea ich schenke.“ Als diese jungen Leute, die heute zwischen 28 und 42 Jahre alt sind, als Studenten bei der Eröffnung der Universität eintrafen, hatten sie keine Hoffnung, jemals einen akademischen Grad zu erlangen. Damals gab es noch keine Fakultäten und nur Anfänge von Forschungsanstalfen. Wie Jakob sieben Jahre um Rahel diente, so dienten diese Studenten ganze sieben Jahre, und die Liebe zur Wissenschaft war ihr einziges Ziel. Und erst vor wenigen Monaten hat das Direktorium und der Aka• dänische Rat den Beschluß mitgeteilt, daß diese 13 Studenten für den Grad eines M. A. (Magister Artium) würdig befunden wurden. Prof. Klein, der Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät, nannte feierlich ihre Namen, seltsame Namen, die ihren Ursprung in Palästina wie von anderen Ländern der Diaspora zeigen. Dann erhielten sie ihre Diplome aus der Hand des Kanzlers, die ersten Diplome in hebräischer und lateinischer Sprache, die jemals von einer Universität verliehen worden sind. Nach den Glückwünschen des Kanzlers sprach der High Commissioner, der eine von warmem Verständnis getragene englische Ansprache hielt, die Satz für Satz ins Hebräische übertragen wurde und durch ihren einfachen maischliehen Ton gefiel Von der hebräischen Eröffnungsrede von Dr. Magnes war eine englische Uebersetzung den nur englisch verstehenden Teilnehmern der Versammlung verteilt worden. Aber als Dr. Magnes’ sonore Stimme in ihrer Ergriffenheit ausdrucksvoll erklang, da konnte mau bemerken, daß die meisten anwesenden Engländer vergaßen, auf die englische Uebersetzung zu schauen, lieber das gespannte Antlitz des Redners bet rachteten, und dabei die Schönheit und Wahrheit der hebräischen Worte empfanden. Seine Mahnung an die Promovierten wird für diese ihr ganzes Leben lang eine Richtschnur sein. Diese Worte fielen auch nicht auf unfruchtbaren Boden, wenn sie zu den Herzen vieler anderer Hörer drangen. Denn dies ist, was er sagte: ״Ihr müßt Euer wissenschaftliches Gewissen bis zum äußersten Grade schärfen und stärken, nicht nur leidenschaftliehe Wahrheitsfreunde sein, sondern zugleich Hasser der Selbstsucht, selbstlos, weitherzig im Urteil, zurückhaltend, diszipliniert, ehrfurchtsvoll für die kleinste Einzelheit.“ Auf diese edle Mahnung folgte würdig der Segensspruch, den der Kanzler aus dem Talmud zitierte: Dein Herz soll sinnen nach Weisheit, Dein Mund soll sprechen mit Verstand Und deine Zunge sage Freudensprüche, Deine Augen sollen erleuchtet sein vom Lichte der Thora Und dein Antlitz soll Widerscheinen vom Glanze des Himmels. Neue Mosik Perspektiven ״The Near East and India“ widmet einem in London erschienenen Buch ״HebräischeGesänge Palästinas“, herausgegeben von M. Bannister, eine überaus freundliche Besprechung. Wenn auch, so schreibt das Blatt, die meisten der hier veröffentlichten Musikstücke Anklänge an ursprüngliche Heimatländer der Juden, wie Ukraine, Rumänien, Jemen, enthalten, so ist doch ein origineller Zug unverkennbar. Die künftige jüdische Musik in Palästina dürfte sich mehr nach der orientalischen Richtung hin entwickeln, und die Zeitschrift verspricht sich gerade von solchen Einflüssen, die sich zum Teil bereits in den vorliegenden Stücken zeigen, große Möglichkeiten einer neuen musikalischen Einwirkung auch für den Westen, wofür freilich Auch ein neues System der Notation gefunden werden müßte׳

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