Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1932)
- Date
- 1932-02-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14, 19, 1932 ,ח JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 67 32 ■unde iturig i e an rstuhl fkl וו fielt - istina war, Lady alver- >n zude״,. dem Mos- ו Mitr. Fcliehen 1 eine ich in t der- 1 dort Touat int enom- :h die 20 t ihre lühleit :r Er- : nach Syrien ill be- H ■W. ׳ der >egiinet eine 18 be- 1 B e ־ Dies'!1 (der rkeit.) Teil- I und i vom lassen, iältrigc 5 ohne lechtsin Ge- Juden 1 Paris ischuUhi iseMn-•* tat das ierung T, ermmen. :rtretcr rnamit. Diman- ־üherer rikaniieißtter stein Marde der : inter- ־ndver- 1d über :rhandin, daß fernten ■ Beob* 11er Dr. :Judenirs vor, , einer wno. iie Tatiah und ur Herengetan ceit der I zu bean die He Tenri ,.Der Weckloch ihr ad folgt!in Aufler Zeitic Werk iert, der wenigen liergeist )a$ Tote itdes ben“. Ein gerfeuer ‘ will zu stwerkes erzählt en,auch Abschluß!erichtet. Tendenz en wird, II gemäß ijnschen, : und da 8» k* Aus den Gemeinden Die Lage in der Berliner Gemeinde Die große I )chatte in der Berliner üemcindcrcpräscntanz am 11. d. M. hat in der jüdischen Öffentlichkeit ein sehr starkes Echo gefunden. Sogar das sonst in seiner Berichterstattung äußerst vorsichtige und in der Behandlung von Wcltanscnauungsfragen, zumal soweit diese sich in der Gemcindc auswirken, zurückhaltende ״Hamburger Israelitische Familienhlatt“ iibcrschrcibt seinen Bericht mit dem Alarmruf: .,Die Einheit der Gemeinde in Gefahr,“ Die ()Öffentlichkeit fühlt also instinktiv, daß durch die Vorgänge in der Berliner Indischen Gemeinde seit dem Antritt der neuen liberalen üemeindemehrheit der Geist und der Sinn der Einlicitsgemeinde erschüttert werden. Die prinzipielle Auseinandersetzung in der Gemeinderepräsentanz war ja mir die unerläßliche Folge einer politischen Methode, welche am Wesen des jüdischen Gemeindebegrifics schwer gesündigt hat. Aus Zuschriften, die wir von verschiedenen Seiten bekommen haben, geht auch hervor, daß man, sofern die Dinge in der Berliner Jüdischen Gemeinde den bisherigen Weg weitergehen, ernstlich befurchtet, daß, wenn auch nicht die Form der Einheitsgemeinde, doch ihr Sinn und ihr Inhalt unberechenbaren Schaden erleiden würden. Diese Auffassung entspricht den tatsächlieben Verhältnissen und der in weiten Kreisen der Berliner jüdischen Gemeinschaft herrschenden Stimmung. Wir haben bei unserer Behandlung dieser Angelegenheit klar zum Ausdruck gebracht, daß an ״Spaltung“, Austritt, Schisma und ahnliehe Dinge nicht zu denken ist. Aber auf den äußeren Ausdruck der unerquicklichen, durch die liberale Herrschsucht verschärften Gegensätze kommt es eigentlich nicht so sehr an wie aut die Tatsache, daß die jüdische Gemeinschaft durch all diese Vorkommnisse nicht nur in zwei gedanklich und weltanschaulich geschiedene, sondern geradezu verbittert gegnerische Lager gespalten wird. Darin liegt tatsächlich eine schwere Gefährdung des Gcmeindclebcns, und es ist kein Zweifel, daß jüdische Verantwortung nur mit tiefstem Bedauern diese Wendung der Dinge zu registrieren vermag. Andererseits aber kann, wie es so oft auch in richterlichen Urteilen ausgedrückt wird, den Vertretern der Jüdischen Volkspartei nicht zugemutet werden, daß sie in einer Atmosphäre der Diffamierung, in einem Gremium, in welchem die Grund- Prinzipien dieser Partei, wie Dr. Wolfsberg richtig ausführte, geradezu als ״illegal“ betrachtet werden, auch fernerhin mitarbeiten und so die Verantwortung für eine Verwaltungsarbeit tragen sollen, die grundsätzlich verkennt, worin in der gegenwärtigen Zeit und in der gegenwärtigen Situation der jüdischen Geschichte Sinn und Bedeutung einer jüdischen Gemeinde liegen. In diesem Zusammenhänge muß auch auf die programmatische Erklärung des ersten Gemeindevorsitzenden Dr, Klee mann in der letzten Nummer des Berliner Jüdisehen Gemeindeblattes hiagewiesen werden. Diese wohlüberlegten Ausführungen, gegen deren Inhalt man im großen ganzer! wenig einwenden könnte, engen den Aufgabenkreis der Gemeinde programmatisch in einer Welse ein, die mit den Tatsachen, wie sie wirklich sind, im Widerspruche steht. Die Jüdische Gemeinde soll natürlich alle religiösen und soziakn Interessen der Gemeinschaft wahrnehmen. Aber meint inan ernstlich, daß man durch reine Verwaltungstätigkeit und Konscrvierungsarbeit des noch bestellenden jüdischen Lebensinhalfes genug getan hat? Verlangt nicht vielmehr die gegenwattige geistige, moralische, politische und wirtschaftliche Lage der jüdischen Gemeinschaft nach hundertjährigen Etnanzipationserlebnisseii eine viel breitere Auffassung von den Aufgaben des letzten Instrumentes, das der jüdischen Gemeinschaft geblieben ist, um sich zu formen und umzugestalten 3 Kann man wirklich an den Aufgaben rechtlicher, kuMbr eil e r, e r z i e h e r i s c h e ז u n d al 1 g e mein jüdischer Art in der größten Gemeinde der deutschen Judenheit achtlos Vorbeigehen und erklären, daß alle diese Dinge nicht in den Rahmen der Gemeindeverwaltung gehören? Und in der Tat: Zwingt nicht der unerbittliche Ablauf der Ereignisse die jüdischen Gemeinden immer wieder, ihr Interesse und alle ihre Kräfte Aufgaben zuzuwenden, die den Rahmen, wie ihn Dr. Kleemann Umrissen hat, sprengen? Es sind nicht nur kleine aktuelle Vorkommnisse, die die Jüdische Volkspartei in der Berliner Gemeinde zu dieser scharfen prinzipiellen Auseinandersetzung gezwungen haben. Es sind vielmehr Lebensfragen der jüdischen Gcmeinschaft und Grundprinzipien des Judentums, die ihren Ausdruck in dem Kampfe finden, der jetzt in der Berliner Gemeindestube ausgefochten wird. Der Streit kann nicht ohne weiteres beigelegt erscheinen. Auf die Dauer wird sich die gegenwärtig herrschende Mehrheit Einsichten nicht zu verschließen vermögen, die in dem überwiegenden Teile der ludenheit in der ganzen Welt bereits restlos gesiegt haben. In der gegebenen Situation hängt zunächst sehr vieles von der Stellungnahme des Gemeindevorstandes ab, der die Abgäbe von Erklärungen für die nächste Zeit in Aussicht gestellt hat. Die verbindende Kraft gemeinsamen Schicksals, gemeinsanier Vergangenheit und der immanente Wille, die Erhaltung und den Ausbau der jüdischen Gemeinschaft zu gewährleisten, werden nach allen Kämpfen und Zwischenfällen doch den Sieg davontragen, — unabhängig davon, ob die nächsten Ercignissc dazu zwingen sollten, sinnfällig zum Ausdruck zu bringen, daß die Verantwortung für das Ergebnis der bisherigen Entwicklung ganz zu Lasten der herrschenden liberalen Mehrheit in der Berliner Gemeinde geht. s. Der Etat der Münchener Kultusgemeinde. In der letzten bitzung der Repräsentanz der Israelitischen Kultusgemeinde München wurde der Haushaltsplan für 1932 verabschiedet. Der Referent Justizrat Dr. Elias Straus wies auf den Rückgang der Steuereingänge in den letzten Jahren hin. 1930 betrugen sie bei 7 0476000 ״ RM., 1931 bei 8 #0 bzw. 9 «;« nur 320 000 RM. für 1932 ist bei einem Umlagesatz von 12 p/0 mit einem Eingang \on 320 000 RM. zu rechnen. Da aus dem Vorjahr ein Fehlbetrag von 50 800 RM. war, mußten an allen Posten Abstriche gemacht werden. Da Einsparungen an den gemeindlichen Anstaltcn unci Einrichtungen nur in geringem Maße möglich sind, mußte an den Positionen für kulturelle und allgemein jüdische Zwecke gespart werden. So ist u. a. im Haushaltsplan weder eine Zuwendung an den Keren Hajessod noch an den Centralverein vorgesehen. Der Etat schließt mit einem Fehlbetrag von 50 800 RM. ab. Der Haushaltsplan wurde einstimmig angenommen und der Umlagesatz auf 12 #/« fcstgelegt. — Zum Dun kt ״Wahlen und Verfassungsänderung“ gab der Gemeinde- Vorsitzende Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer bekannt, daß aui seine Anregung die Parteien mit Rücksicht aut die gegenwärtigen Verhältnisse übereingekommen sind, für die ׳um 13. März bereits ausgeschriebenen Neuwahlen eine Einhcitslistc cinzureichen; man einigte sich aber dahin, im IX'ege einer Verfassungsänderung die nächste Wahlperiode von füm Jahren auf drei Jahre abzukürzen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Hechaluz. Das Februar-Informationsblatt des ״Hechaluz“ enthält u. a.: Das Agrarproblem der Fellachenwirtschaft: D. Hurwitz; Rußland: Illusion und Wirklichkeit: Herzl Berger; Zur Problematik unserer Arbeit in den Pflanzungskolonien: Enzo Sereni; Presse-Umschau: Die ökonomische Judenfrage: Chaim Hoffmann; Zur Begründung unserer Stellung in der liolah: Rawitzki. Preis OpO M., Bestellungen an. den Hechaluz, C.-V. und jüdische Renaissance Za einem ״Schlußwort" der ״C.-V.-Zeitung״ Die ,,C.-V.-Zeitung“ widmete ihren Veröffentlichungen über das jüdische Kind in der Schule noch ein kurzes Schlußwort, worin sic sich mit den Acußcrungen der ״Jüdischen Rundschau“ zu diesem Thema auseinandersetzt. Zunächst wirft uns die ״C.-V.-Zeitung“ vor, daß wir durch den Abdruck des Artikels von Dr. Krojanker ,.Das C.-V.-Kind in der Schule“ ״in ein gewissermaßen noch schwebendes Verfahren“ eingcgriffen hätten. Dazu ist nur zu sagen, daß die Veröffentlichung in der ״C.-V.-Zeitung“ am 25. Dezember ohne jeden Vorbehalt erfolgte, ja daß die Redaktion zu den Einsendungen der Schulkinder eine Vorbemerkung hinzufügte, worin es heißt, diese Zuschriften ״geben glücklicherweise ein nicht so trübes Bild“ wie das Romankapitei von Frank. Niemand konnte daraus entnehmen, daß die ״C.-V.-Zeitung“ selbst sich gegen die in den Zuschriften zutage getretene geistige Haltung zu wenden gedenkt. Die ״C.-V.-Zeitung“ glaubt aber der ״Jüdischen Rundschau" weiterhin Vorhaltungen machen zu müssen, weil wir unsere weitgehende Zustimmung zu ihrem bcii'iißartikel, der vom Gedanken der Assimilation abriiekt, au ■yy׳: prochci! haben. Sie meint, uns sei diese Zustimmung ״boom! cs schwer gefallen“, weil wir den Hinweis auf die Sünden der Eltern in bezug auf mangelhaft« Erziehung zu jüdischem Selbstbewußtsein“ als eine Ablehnung der Ansichten der älteren C-V.-Generatiou gedeutet haben. Es wird bestritten, daß der C.-V. jemals assimilatorisch war, ja er sei es gewesen, der lange vor der Gründung des Zionismus dem Auflösungsprozeß planmäßig e n t g e g e n g e w i r k t habe und darum von den wirklichen Assimilantcn entschieden abgeichnt worden sei. Der C.-V. habe also an der jüdischen Renaissance starken Anteil gehabt. Wir erwähnen diese Bemerkungen der ״C.-V.-Zeitung“, nicht um dagegen zu polemisieren. Was sich dazu sagen läßt, liegt ja auf der Haiul. Aber polemische Kleinlichkeit liegt uns fern. Hingegen scheint es uns wichtig und erfreulich, daß der C.-V. es offenbar für das Kriterium jüdischen Wertes hält, zur jüdischen! Renaissance beigetragen und dem jüdisehen Auflösungsprozeß entgegengewirkt zu haben. Ob dies faktisch der Fall war, ist eine sekundäre Frage gegenüber der Ziel- und Wertsetzung, die aus dieser neuen Stellungnahme hervorgeht. Wenn wir nämlich erst so weit sind, daß anerkannt wird, die jüdische Renaissance sei da< Ziel aller jüdischen Gemeinschaftsbestrebungcn, und alles, was den jüdischen Auflösungsprozeß fördert, sei abzulelrien, dann erst sind wir aut einer Diskussionsebene, auf der eine weitere Auseinandersetzung fruchtbar sein kann. Bisher wurde die innerjüdische Diskussion so überaus erschwert, weil Elemente aus einer anderen Sphäre hineingetragen wurden. Wenn nur jüdische Kriterien maßgebend sind, dann stehen wir vor einer neuen Situation. Freilieh der ganze Zusammenhang, in dem liier das Wort ״jüdischc Renaissance“ gebraucht wird, vermag Zweifel daran zu erregen, ob tatsächlich eine neue jüdische Erfülltheit gemeint ist. Die Tätigkeit des C.-V. war doch eingestandenermaßen im besten Falle den Fragen der äußeren Rechtsstellung der Juden im Staate nsw. gewidmet, niemals aber der Beschäftigung mit positiven jüdischen Werten. Wenn wir sagten, die Vcrfehlungen in bezug auf jüdische Erziehung seien die Sünden der C.-V.-Oeneration, dann ist dies nicht kränkend gemeint, denn auch unsere eigenen Väter haben doch mehr oder weniger dieser Generation angehört: es ist eine geschichtliche Feststellung. Die Irrtümcr dieser durch ihre Situation bedingten und aus ihr zu verstellenden Generation sind heute erkannt. Wir stehen in einer ganz anders gearteten Welt. Und darum ist heute auch eine jüdische Aktivität ganz anderer Art erforderlich als die des C.-V. Eine entscheidende Tat und eine neue Erziehung kann nur dort vor sich gehen, wo ein jüdisches Ideal gesetzt wird, dem die Menschfcn ihr Leben widmen können. Es geht hier um größere Dinge als um Vereinsempfindlichkeiten. Eine Palästina-Zeitschrift amerikanischer Nichtjuden. Die Pro Palestine Federation in Chicago, eine Abteilung der Pro Palcstine Federation of America, hat mit der Herausgabe einer Zeitschrift, ״Pro Palestine Hcrald“, begonnen. Das erste Heft der Zeitschrift enthält Beiträge über Zionismus, Araber und Palästiuamandat, Antisemitismus in Europa u. a. m. Als Herausgeber zeichnen Charles Edward Russell, George L.Scherzcr, John Haynes Holmes, Fred. B. Zimmertnan und A. B. Elias. Das Programm der Pro Palestine Federation of America enthält folgende vier Hauptpunkte: 1. Pflege des Geistes des gegenseitigen Wohlwollens und der Achtung zwischen Juden und Nicht Juden: 2. Bekämpfung jener reaktionären und in Vorurteilen befangenen Nichtjuden, die zum Nachteil des ameriiranischen und des allgemein menschlichen Fortschritts religiöse und rassische Streitfragen aufwerfen; 3. Förderung eines bessereu Verständnisses der historischen Probleme der unter den Nichtjuden lebenden jüdischen Bevölkerung; 4. Mitwirkung an der Verteidigung der Balfour-Dekiaration in der Weise, daß darauf bestanden wird, daß das Palästina-Mandat von der Mandat-maebt England geist- und huchstabengemäß durcligefiihrt wird. Die Mitglieder der Pro Palestine Federation of America sind alle N i c h t j 1t d e n. Keren Hajessod in Belgien. Zu unserem Bericht in Nr. 12 der ״J. R.“ wird uns noch mitgeteilt, daß die Leitung der Keren Hajessod-Arbeit in Belgien nach wie vor in den Händen des bewährten K. H.-Komitees liegt, dem der bisherige Generalsekretär der Belgischen Zionistischen Föderation, Herr Boris Aisenbud als Sekretär beigegeben wurde. Dieser hat mit der Re- Organisierung der Arbeit in Brüssel bereits begonnen. Im übrigen war der Erfolg der letzten Keren Hajessod-Aktion naturgemäß durch die ungünstigen Wirtschaffsverhältnisse beeinflufSt. Keren Hajessod in Luxemburg. Dem Delegierten des Jerusalemer Direktoriums des Keren Hajessod Dr. Otto A b e 1 e s gelang es, in Luxemburg, das nur eine jüdische Bevölkerung von 200 Familien umfaßt, mit tatkräftiger Unterstützung des dortigen Jewish Agency-Komitees beachtliche Resultate zu erzielen. Dr. Abeies sprach in zwei großen Versammlungen in Luxemburg und Esch, außerdem fanden mehrere Veranstaltungen in privaten Zirkeln statt. Bei den öffentlichen Versammlungen sprachen mit Dr. Otto Abeies der Präsident der Jewish Agency in Luxemburg Emile Godchaux, Rabbiner Dr. Cerebrenik, Anitta Müller-Cohen und Dr. Maier. Im Hause des Herrn Direktor Ackermann, der die Aktion intensiv unterstützte, fand ein Emfang statt. Die Aktion brachte in Luxemburg eine große Anzahl neuer Zeichner. Kosmisch-religiöse Gedichte. Friedrich Andreas bat eien Mut, in unserer Zeit der Reportage, des Kino und Radio, Gedichte zu schreiben, die ganz fern von aller Zeit nach innen sich wenden und das Ringen des Menschen um ewige Einheit darstellcn. Visionen eines Ekstatikers, wie sie etwa ähnlich freilich wohl mit stärkerem Atem — Mombert vor uns ausbreitete. Eugen Albu brachte im Breitkopf-Saal mit seiner bekannten, hier vielleicht ein wenig zu gefühlsbetonten Vortragskunst einige dieser innigen Gedichte, die hie und da wie abgerissene Töne einer unsichtbaren Musik klingen, einer stark ergriffenen Zuhörerschaft 7.u Gehör. Daneben las er einige eindringlich erfaßte Prosaskizzen des gleichen Autors, wohl Früchte einer Reise nach Erez Israel, ״Das Höhlenbad von Jerusalem“, ״Das Mädchen von Jemen“ u. a., die in ähnlich farbig glühender Sprache zeigen, wie dieser Inncnmensch die malerische Umweit und Vorwelt des Orients auf sich einwirken ließ. B. H Ausstellung Menkes Der Maler Zvgmunt Menkes, der gegenwärtig in Berlin in der Kunsthandlung Viktor Hartberg, Sehüneberger Ufer ■II, eine Ausstellung seiner Werke veranstaltet, ist sicherlich eine der verblüffendsten Begabungen, die inan seit langer Zeit kenncri gelernt hat. Der etwa 33jäiuige Künstler stammt aus feinberg und verleugnet in nichts seine o s t jüdisch e Ah* I< u n f t, wenn er auch Technik und malerischen Elan i1׳ Paris gelernt hat. Seine Bilder sind von einer packenden Dynamik, alles ist Bewegung 11ml Ausdruck; Natur umJ Gcgenstände, Landschaft und Menschen sind eigentümlich beseelt. Menkes erfüllt den wahren Beruf des Künstlers, die Dinge am, ihrer Gegenständlichkeit emporzuheben in eine Sphäre der Allgemeingültigkeit, wo (las in ihnen verborgene Wesen sielitbar und fühlbar wird. So bildhaft, farbenfmidi״. sinnlich seine Gestalten sind, man bückt zugleich in die Tiefen des Seins und der Unendlichkeit. Dies gilt von seinen Landschaften, die die Welt als belebtes innerlich bewegtes Wesen offenbaren; es sind teils typisch osteuropäische Dörfer, wie wir sie auch von den Werken anderer ostjiidischer Maler her kennen: das Dorf, gesehen mit dem Blick des ost jüdischen Menschen: teils Gärten und Wiesen einer freundlicheren westlichen Welt, in die Menkes etwas von der Maßlosigkeit des Ostenhineiusicht. Wenn Menkes eine Weckeruhr in seltsamem Kontrast neben das Barches stellt, so ist die Uhr nicht mehr bloß ein Gegenstand, sondern geradezu das Wesen der ״Zeit“, so svmbolhaft mul doch körperlich steht sie da. Ein einfaches Holzkreuz, nein׳:! anderen Gegenständen auf dem Nachttisch stehend, ragt irgendwie in die überirdische Sphäre hinein. Die Menschen Menkes’ haben einen ekstatischen, sehnsuchtsvollen Zug, die Leidenschaft des Suehens prägt sich in ihnen aus. Von ausgesprochen jüdischen Typen wäre besonders der ״itirige Rabbi“ zu erwähnen, der voll Verzückung die Thora utnklammert, eine Art Chaiian aus dem ״Dybbuk“. Uraltes Wissen von der [ iiclkeit des Irdischen verkörpert der ,,Rabbiner“, 'ein Kopf von abgeklärter Weisheit, dessen Augen gewissermaßen ins Nichts entschwinden. Der ״Talmudist״ zeigt eine weltabgcwandte, fnrt komödiantenhafte Unwirklichkeit. Im ״Seihstportrat‘־ lernen wir den Maler selbst als typischen jungen Juden kennen, mit dem schmerzvoll melancholischen Zug um Augen und Lippen, und mit der Sehnsucht, das Rätsel der Welt in seinem Werk zu bändigen. Im Gegensatz dazu ist der junge Bauer mit seiner Geige voll erdhafter Abgeklärtheit, aber doch ist auch in seinem Gesicht etwas vom ״Talmudisten“, ein Blick in die Weiten der Ewigkeit. Eis ist unmöglich, die einzelnen Bilder hier näher zu beschreiben. Erwähnt seien nur noch vor! jüdischen Motiven die zwei Potiphar-Bilder und eine grandiose Salome, die ninnadenhnft fleischig, von gespanntem Leben durchbebt, den grausigen Triumph des sinnlichen Chaos über den Geist verkörpert. Und wie das alles gemalt ist, welche Kunst der Farhcnkontrasticrung und des Zusammenklangs! F)aß Menkes auch die Bindung der Kraft durch Form und Maß zu gcstalten vermag, zeigen einige Bilder (z. B. Blumenstücke), die zu den besten gehören. Unter den graphischen Blättern sind eine ganze Reihe jüdischer Motive, eine Thora-Vorlesung, ein Lulcw-Rentsclien, mehrere Abraham-Bilder, auch ein Jesils unter den Rabbinern usw. Es ist jedenfalls dringend zu empfehlen, daß man sich die Gelegenheit, diese Ausstellung zu sehen, nicht entgehen lä ß t. Sie ist noch bis zum 23. Februar geöffnet. — Bei diesem Anlaß sei noch auf ein Werk von Menkes hingewiesen, das nicht in der Ausstellung bei Hartberg enthalten ist. F.s handelt sich um ein Monn ment algemälde ״Die Thora“, das sicher eines der außerordentlichsten Bilder jüdischen Inhalts ist. Die Thora steht hier wie ein dreiteiliger Turm in der Mitte, umdrängt von jüdischen Gestalten, die sich an sie klammern. Die Köpfe dieser Juden in ihrer Gottestrunkenheit und Leidensfülle, der Rembrandtsche Lichtglanz auf der Krone, die großartig:• Komposition des Bildes mit dem Knaben im Vordergrund, erinnern an die größten Vorbilder der klassischen Malerei. Dieses Bild ist in einem ausgezeichneten Druck von der Kunsthandlung Hanfstaenge! in München herausgegeben worden und dadurch in Reproduktion jedem zugänglich geworden. Mi. Ucbcr Franz Rosenzweig. In der ״Schule der Jüdischen Jugend“ sprach Rabbiner Dr. Ignatz May bäum vor einem kleinen Kreise ernsthaft denkender junger Menschen über ״Franz Rosenzweig und die jüdischen Positionen des 19. Jahrhunderts״. Aus seinen scharf gliedernden und beschwingten Worten stieg die unvergessene Gestalt des allzu früh Vollendeten — aber eben doch: Vollendeten — wieder auf und cs ergab sich, wie unendlich viel dieser Einzige unserer Jugend zu sagen hat —- gerade durch seine nicht immer leicht durchschaubare Stellung zu den jüdischen Positionen seiner Umwelt. Wenn er die Orthodoxie theoretisch ablehnt, das Gesetz, das den Juden vom Juden trennt, so hat er doch eben dies Gesetz seihst praktisch zu verwirklichen gesucht — das Gesetz, dem wir nur entlaufen, das wir aber nicht ändern können. Wenn er sich vom Liberalismus schied, dem er entstammte, so hat er ihn! doch seine Bedeutung und seinen Weg im 19. Jahrhundert zugewiesen. Und wenn er zionistischen Theorien sich nicht auscliließcu konnte, wenn er die ״geliebte Gefährdung“ seines Judentums durch das Deutschtum nicht missen mochte, so strömte doch seines Herzens heißester Quell dem reichen jüdischen 1 eben entgegen, das der Zionismus im fast erstarrten Juden des neunzehnten Jahrhunderts entfachte: unter den Zionisten fand ja dieser ״Nicht-Zionist“, wie bekannt, die ״besseren Juden“, und den Zionismus des Siddur und des Machsor — den hat er nie vergessen. Besonderer Gewinn des Abends war die Diskussion, die sich hinterher in engerem Kreise noch stundenlang forfsetzte und wesentliche Punkte der schon beginnenden ,.Rosenzweig- Philologie“ zur Sprache brachte. Noch größerer Gewinn aber wäre es, wenn der Wunsch des Redners Wahrheit würde: Mir alle hoffen, daß die von seiner Frau vorbereitete Ausgabe von Franz Rosenzweigs Briefen bald ans Licht gelangt — und dadurch die denkerische und menschliche Entwicklung dieses einzigen Menschen, dessen heldenhaftes Leben und Sterben unserer jüdischen Jugend heut schon fast zum Symbol ward, in ihrer ganzen Lebensfülle aufs neue vor uns auferstellt. B a t 11 1 1 i I 1 c I. Ein Sabbatai-Zewi-Drama (Benseef Liber, ״Volk im Taumel“). Den gewaltigen Stoff des ״falschen Messias“', der unserer Zeit ganz besonders nahezuliegen scheint (ich erinnere an Kasteins überreiches Buch und die novellistische Darstellung von Poljakoff) hat hier ein jüdischer Dichter unserer Tage Crgriffen und eine Reihe von packenden Bildern daraus geformt. Epische Breiten, die der ersten Fassung des noch ungedruckten Dramas anhaften, ließen sich sicherlich mit leichter Mühe bei der Vorbereitung zur Bühne ausmerzen. Aber das Thema selbst -יder Held, der kein Held ist, auf dem Hintergründe einer aufgewühlten Zeit: Versuchung, Fall und Sühne einer schwankenden Mensclienseele — ist mit Kraft erfaßt und durchgeführt. Es ist bei dem Mangel unserer Bühne an wirklich jüdischen Dramen sehr zu hoffen, daß sich hervorragende schauspielerische Kräfte — jeder denkt vor allem an die Habima — dieser zukunftsreichen Aufgabe annehmen; zumal da eine Reihe von jüdischen wie nichtjüdischen Fachleuten sich bereits mit Anerkennung und Bewunderung über das Drama ausgesprochen haben. -tr-