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Jüdische Rundschau · 1932-02-19 · Heft 14 (19.2.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 14 (19.2.1932)
Date
1932-02-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seife 66 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 19. D. 1932 Die Haltung der linksstehenden Zeitungen in der Frage von Hitlers Einbürgerung hat der nationalsozialistischen Presse, dem ,,Völkischen Beobachter‘׳, dem ״Angriff“ um. geradezu das Stichwort zu einer ungezügelten Judenhetze geliefert. Insbesondere ist in dieser Hinsicht ein Artikel des ״Völkischen Beobachters“ kennzeichnend, dessen Uebersehrift einfach lautet: ״Hall“. In ihm wird ausgeführt, daß die ״Judenpresse" und auch die unter ״jüdischer Führung“ oder Beeinflussung stehende Zentrumspresse in der Frage der Staats- Bürgerschaft Hitlers eine Stellung eingenommen haben, welche von der Mehrheit des deutschen Volkes entrüstet abgewehrt werden müsse, ln den verschiedenen Aufsätzen der vom ״Völkischen Beobachter“ pauschalier unter der Bezeichnung ״Judenpresse“ zusammengefaßten Publizistik sei die Staatsfremdheit Adolf Hitlers in hämischer und höhnischer Weise unterstrichen worden. Hergelaufene Galizier, schreibt der ״Völkische Beobachter*', erfrechen stell, in einer Angelegenheit Stellung zu nehmen und das deutsche Volk zu belehren, die diese Galizier gar nichts angchcn sollte. Dadurch haben sich die Juden und die Judenkn echte, schreibt der ״Völkische Bcobachter" weiter, restlos demaskiert. Sic haben gezeigt, daß sie gegenüber allen Deutschen ״von unversöhnlichem Hasse erfüllt“ sind, und wenn erst die Nationalsozialisten, was nach ihrer Meinung unausbleiblich ist, zur entscheidenden Stellung im Staate gelangt sein werden, dann werden sie den ״Juden“ für dieses Verhalten die Rechnung präsentieren. Die Nationalsozialisten werden dann den Juden die ״Rechte“ gewähren, die sie verdienen, d. h. in klares [Deutsch übersetzt: gar keine Rechte. Wieder einmal erleben wir also die Aufpeitscbung der antisemitischen Instinkte in einem Grade, der kaum mehr überboten werden kann. Der ״Völkische Beobachter“ erklärt, daß er und die nationalsozialistische Partei in den letzten Monaten wegen anderweitiger Inanspruchnahme sieh nur wenig mit den Juden beschäftigt haben. Angesichts des Verhaltens der ״Judenpresse" jedoch kündigt der ״Völkische Beobachter" an, daß er das zuletzt vernachlässigte Gebiet der Judenhetze um so stärker pflegen wird. Diese Ankündigung entspricht unserer Annahme, daß die Nationalsozialisten hei den kommenden Wahlen ihr stärkstes und zugkräftigstes Kampfmittel rücksichtslos zur Anwendung bringen werden. Da sie dazu von vornherein entschlossen sind, ist es eigentlich irrelevant, was sie gerade als aktuellen Anlaß bezeichnen, warum sie besonders energisch das antisemitische Stück ihres Repertoires spielen. Dem Radauantisemitismus gegenüber ist es praktisch ganz belanglos, wie sich Juden benehmen und wie sie sich betätigen. Es gibt keine Art jüdischen Verhaltens, die diesen auf Schlagworte festgelcgten Judenhassern genehm wäre. Sie brauchen den Antiscmitisraus als zugkräftiges Werbemittel und werden sich konsequent jeder Einsicht verschließen, die imstande wäre, ihr Verhalten zur jüdischen Gemeinschaft und zu Juden auf eine Ebene der Vernunft und Gerechtigkeit zu bringen. Aus diesem Grunde ist es auch kein ״A n b i e d c - rungsversuch“ und kein Appellieren an nationalsozialistisches Wohlwollen, wenn wir liier unseren Standpunkt mit aller Offenheit vertreten. Wir haben unsere Meinung in dieser Sache bereits ausgesprochen, bevor noch der ״Haß“-Artikel des ״Völkischen Beobachters" und andere ähnliche AeuBervmgen erschienen waren. Die Nationalsozialisten werden sich weder von uns überzeugen lassen, noch werden sie ihre antisemitische Propaganda einstellen oder mildern. Wir sprechen oficii» däe'n deü’tsch׳e‘n Juden. 'Üik auch zu diesen nicht, um ihnen Vorhaltungen zu machen, sondern weil wir glauben, daß die Richtigkeit unserer Analyse heute mehr oder weniger jedem Juden einleuchten muß und daß dies mithelfen kann, das Bewußtsein von dem Wesen der Judenfrage, der tragischen Stellung des jüdischen Volkes und der Notwendigkeit einer durchgreifenden, befreienden Aenderung, zu wecken. Dieses Bewußtsein von der Unerträglichkeit und Aenderungsbcdürftigkeit der Lage aber ist die Vorbedingung jedes Willens zur befreienden Tat durch die eigenen organisierten Kräfte des jüdischen Volkes. Der Schneesturin in Palästina Der heftige Sturm, der zwischen dem 7. und 12. Februar in Palästina tobte, hat dem dortigen Lebern für mehrere Tage das Gepräge gegeben, was auch in den Zeitungen zum Ausdruck kommt. Einige Einzelheiten verdienen Erwähnung. So z. B. hat der neu gebaute und noch un voll ende Hafen in Haifa zum ersten Male seine schützende Funktion erfüllt, indem er ein großes Schiff innerhalb seiner Wellenbrecher aufnahm und auf diese Weise vor dem Sturm bewahrte, und zwar den vielen Palästina-Reisenden bekannten l loyd-Dampter ״Vienna“. Ferner wird gemeldet, daß eine Anzahl von englischen Militär-Flugzeugen auf ihrem Weg von Bagdad nach Kairo zu einer Notlandung gezwungen waren, wobei drei Flugzeuge verloren gegangen bzw. verunglückt zu sein scheinen. Große Genugtuung hat natürlich der ausgiebige Regenfall hervorgerufen, ln Jeru- -.11cm, um dessen Wasserversorgung für den kommenden Sommer man ernstliche Sorgen hatte, hatte der Regen bereits am 10. Februar ungetähr den Stand des Vorjahres erreicht. Fin besonderes Ereignis war der Schneesturm. Ganz Jerusalem ist von einer Schneedecke von mindestens 5 cm Höhe bedeckt. Seit dem Winter 1919/20 gab es nicht mehr so viel Schnee in der Stadt. Dies ist natürlich für Palästina eine Sehenswürdigkeit. Es wird berichtet, daß viele Ausfiügler speziell nach Hebron fuhren, um den Schnee zu sehen, der dort in besonders großen Mengen gefallen sein soll. Wenn man von Haifa mit dem Auto nach Jerusalem fährt, ist die Landschaft bis etwa Nablus vollständig grün, von da an verwandelt sie sich in eine Winterlandschaft mit leuchtender Schneedecke. Die Jerusalemer Jugend vergnügt sich ausgiebig mit Schneeballschlachten, ein seltenes Ver* gnügen, das man so sehr ausnützte, daß, wie die Blätter me!- den, die Polizei sogar einige Verhaftungen vornehmen mußte, weil die ״Kämpfe“ schließlich zu wild wurden. Für viele Kinder in Jerusalem war der Schnee ein völlig neues, bisher nur aus Büchern bekanntes Phänomen. Es wird aber hervorgehoben, daß die einzigartige Landschaft Jerusalems in ihrem weißen Gewand einen besonders schönen Anblick bot. Freilieh bringt angesichts des Umstandes, daß es in den meisten Häusern keineHeizanlagen gibt, diese Kälte viele Llnannehmlichkeiten mit sich. Besonders die ärmeren Schichten der Bevölkerung haben schwer zu leiden. Der Kälteschaden in den Pflanzungen, die durchwegs im Tale Hegen, soll jedoch gering sein. Poststempel mit dem Abzeichen der Levante-Messe. Von der Post Tel-Awiw wird jetzt ein besonderer Stempel mit dem Abzeichen der Ausstellung, dem fliegenden Kamel, und der Ein* ladung, die Ausstellung in Palästina zu besuchen, benutzt. Der Stempel ist in hebräisch, englisch und arabisch gehalten. Die Post in Jerusalem und Haifa wird demnächst gleichfalls alle Post mit einem solchen Stempel stempeln. Jabotinsky und Bialik ln Palästina 11,1t ein Artikel Jabotinskys in der New Yorker Zeitung ״Jewisb Moming Journal“, worin er Blalik wegen seines letzten Gedichtes (vgl. ״Jüdische Rundschau" Nr. 92 v. J.), angegriffen hat, lebhaftes Aufsehen erregt. Jaboiinsky spricht hier von dem großen nationalen Dichter, den er einst selbst verherrlicht (und ins Russische übersetzt) hat, in, einem Tone bitterer Verachtung und Ironie. Das Gedicht Bialiks, das dem Gefühl des Entsetzens über die Veräußer- 1icht1ng der nationalen Bewegung, wie sie sich ihm in den politischen Streitereien und dem überspitzten Parteifanattsmus des Kongresses enthüllt hat, Ausdruck gibt, wird von Jabotinsky als Beleidigung der Revisionisten bezeichnet, obwohl Bialik die Revisionisten nicht nennt und auch keineswegs mir sie, sondern etwas viel weiter Verbreitetes gemeint hat. ״Herr" Bialik bedient sich, so schreibt Jabotinsky, seines Ruhmes als Dichter zum Zwecke politischer Polemik. Wenn aber ein Mann auf einem Gebiet bedeutend ist, so besage das noch nicht, daß er es auch auf einem anderen ist. Jeder soll bei seinem Leisten bleiben. Aber Jabotinsky begnügt sich nicht mit dieser Einwendung, über die sich (wenn sic auch gerade in dem vorliegenden Fall nicht zutrifft), reden ließe, sondern verunglimpft die Person Bialiks in der hemmungslosesten Weise. Bialik sei ein ganz gewöhnlicher Mensch, der nichts dreinzureden hat, außerdem ein ״gewesener Dichter“. (Dieses Wort wird immer wiederholt.) Einst sei er der Verkünder des revolutionären Kampfprinzips im Judentum gewesen; heute aber ist er entrüstet, daß eine zionistische Gruppe auf dem Kongreß die Proklaniierung des Judenstaates verlangt. Damit habe er seine Unehrlichkeit enthüllt. Man könne Bialik nichts Besseres antun, als ihn zu vergessen, sowohl seine frühereu Gedichte als auch seine letzte politische Acußerung. Seitsam ist, wie weit Jabotinsky Auslassungen, ganz abgesehen von dem Nicht-Verstehen dessen, was der Dichter wirklich gesagt hat und was für jeden Einsichtigen in vollem Einklang mit seinen früheren ״national-revolutionären“ Gedichten steht, sich von den Affekten hinreißen lassen. Es ist für uns in!Deutschland eine geradezu erschütternde Analogie, zu sehen, wie hier eine fanatische Gruppe, die einen Mann, der geradezu als symbolische Gestaltdcr nationalen Wiedergebürt angesehen werden muß, früher verehrt und für sich reklamiert hat, ihm in dem Augenblick, wo er ihr politisch nicht paßt, den Kampf ansagt. Besonders grotesk ist es aber, wenn dies nicht mit einem Politiker geschieht, der sich zu einer Wahl stellt, sondern mit einem Dichter, der keine politischen Ambitionen hat, und nicht durch ein politisches Votum zu beseitigen ist. Der Dichter, der zugleich als Lehrer und als legitimer Verwalter der nationalen Kulturgüter verehrt wird, hat das Recht und sogar die Pflicht, das Gebaren des Volkes und der nationalen Bewegung unter sittliehen und menschheitlichen Aspekten zu beurteilen und zu kritisieren. Dies ist gerade sein Beruf. Hier von ״unzulässiger Einmischung in die Politik" zu sprechen, bezeugt eine parteipolitische Enge, die man aufrichtig bedauern muß. Es ist daher begreiflich, daß sich in hebräischen Schriflstcllerkreiscn, aber auch weit über diesen Kreis hinaus eine scharfe Abwehr dieses Vorstoßes Jabotinskys bemerkbar macht. In der Zeitschrift des Schriftstellerverbandes »•©■“ .wsmäetsieb du ifamt&ttoteJitJL «lcImm» * r,,. an leitender Stelle gegen Jabotinskys Artikel. Laehower führt ganz allgemein aus, daß man dagegen protestieren müsse, wenn die Politiker heute den Dichter als eine Art untergeordnetes Werkzeug betrachten, der dieser oder jener Politik zu dienen hat. Solange er sich politisch verwerten läßt, werde er als größter Mann gepriesen, sobald er aber für die politische Propaganda nicht mehr so bequem zu verwenden sei, werde er bagatellisiert und herabgesetzt, wie es Jabotinsky jetzt mit Bialik tut, den er (ebenso wie übrigens z. B. auch Einstein) in sein literarisches bzw. wissenschaftliches Spezialgebiet zurück verweisen will. Nach Jabotinsky haben gerade diese Männer, weil sie geistigen Ruhm haben, kein Recht, ihre menschlichen Gedanken auszusprechen und zu verkünden.!Dies sei eine merkwürdige Ueberheblichkeit seitens des Politikers, gegen die man auf das schärfste protestieren müsse. Auch die Politiker müssen ihre eigenen Grenzen kennen und vor dem Geist Respekt haben. Auch die Kolonisten-Zeitschrift ״B o u s t e n a i“ wendet sich entschieden gegen den Artikel Jabotinskys, sie schließt ihre Betrachtung über dieses Thema folgendermaßen: ״Der Zorn Jabotinskys beweist nur neuerlieh die Größe Bialiks. Bialiks Freunde haben ihn gewarnt, daß er riskiert, verfemt zu werden, und dennoch hat er sein Prophetenwort nicht zurückgehalten. Andernfalls wäre er auch nicht, was er in Wahrheit ist." Zionistische Privat-Initiative in Amerika Geheimnisvolle Andeutungen Neumanns Uber ״politische Wendungen". Das amerikanische Mitglied der Exekutive Emanuel Neumann äußerte sich nach seiner Ankunft in London der J. T. A. gegenüber über seine Tätigkeit in Amerika, die Gründung des dortigen Pro Palästina-Komitees, die Sokolow-Karapagne u. a. Dabei machte er auch folgende Mitteilungen: ״Das gemäß Brodies Plan gegründete ,American Economic Information Bureau׳ funktioniert bereits, auch in Palästina werden wir ein Economic Bureau unter sachverständiger Leitung errichten. Durch diese beiden Büros wird dieser Zweig zionistischer Tätigkeit, die Förderung der Privatinitiative, einen Ansporn erhalten, besonders in den Vereinigten Staaten, wo viele Einzelpersonen und Familien mit Mitteln nach Palästina gehen wollen. Es bilden sich jetzt in Amerika Palestine ,Savings Groups‘ (Palästina-Spargrupppen), von denen mehrere bereits in voller Tätigkeit sind. Wenn sich die Zahl dieser Gruppen vervielfacht, werden sie eine neue und ununterbrochene Quelle des Kapitalzuflusses in palästinensische Unternehmungen sein.“ Etwas seltsam klingen die Schlußbemerkungeu Neumanns, die auf die politische Lage hinweben und dabei geheimnisvolle, wenn auch wenig sagende Andeutungen machen. Es heißt darin: ״Es wird bald eine Zeit kommen, in der unser zionistischer Glaube und unser Mut auf die Probe gestellt sein werden. Wir leben in einer Welt, die sich wirtschaftUch, politisch, sozial und in vieler anderer Beziehung in Fluß befindet. Besonders in der politischen Sphäre ist alles fließend. Es ist gut, daß der zionistische Gedanke nicht starr, sondern lebendig und biegsam ist. Ich glaube an das wachsende politische Verständnis unseres Volkes; bei entsprechender Vorbereitung werden wir jeder etwa eintretenden Notlage zu begegnen wissen. Dazu ist eine einheitliche Front unentbehrlich.״ In alter Kürze Wie die J. T. A. erfährt, befassen sich Londoner Freunde Dr. Weizmanns mit dem Plan, einen Fonds für Errichtung eines Lehrstuhls für landwirtschaftliche Chemie an der Universität Jerusalem zu schaffen, und diesen Lehrstuhl Dr. Wcizmann anzubieten. Dr. Weizmann soll sich bereit erklärt haben, eine derartige Professur anzunehmen. Für die Einrithtung sjnd 1500 Pfund erforderlich. Lord Reading, der auf der Rückreise von Palästina nach England vor mehreren Wochen in Luxor erkrankt war. ist nun wieder hergestellt und tritt in Begleitung von Lady Reading in diesen Tagen die Rückreise nach England an. Die Asscfath Haniwcharlm (Jüdische Nationaler- Sammlung in Palästina) soll am 22. Februar zu einer Session zusammentreten. Im Jahre 1931 kamen, wie jetzt!nitgeteilt wird, 4075 J 11 d e 11,. 1245 Christen und 1211 Moslems nach Palästina. In dem gleichen Jahre verließen 666 Juden, 573 Christen und 107 Moslern5 das Land. Wie J. T. A. meldet, haben die in Palästina wohnhaften Mitglieder des Zionistischen A k t i o n s - G o m i t c s am 17. Februar. auf Einladung von Dr. Arlosoroff über die angeblichen Vorschläge des Ex-Khediven Abbas Hilmi betreffend eine arabisch-jüdische Zusammenarbeit beraten. Zweihundert amerikanische Juden haben sich in diesen Tagen nach Palästina eingeschifft. Die Mehrheit derselben wird sich dauernd in Palästina niederlassen, um dort Orangenplantagen anzulegen, während die übrigen nur als Touristen reisen. Die jüdische Industrie in Palästina hat im letzten Jahre einen gewaltigen Aufschwung genommen. Nach den letzten statistischen Mitteilungen hat sich die Produktion der Oelfabrik ״Schemen" im Jahre 1931 um 20 ׳״« gegen 1930 vergrößert. Die Zementfabrik ״Nescher" hat ihre Produktion um 10 0/0 gesteigert und die Haifaer Mühlen (״Grands Moulins“) um 15— 20 ׳״« gegen 1930. Trotz der Errichtung einer Zementfabrik in Tripolis hat die Nachfrage nach palästinensischem Zement wegen dessen Qualität in Syrien nicht nachgelassen. ln der Debatte anläßlich der zweiten Lesung der Bill betreffend Import-Zölle im englischen Unterhaus führte H .W. Williams u. a. aus: Palästina figuriert unter der Klasse A der Mandatsländer, auf welche die Reichsmeistbegünstigungsklausel keine Anwendung finden soll. Das bedeutet eine einseitige Interpretierung der Klausel; Redner hoffe, daß beschlossen worden sei, Palästina als einen integrierenden B c - standteil des British Empire zu behandeln. Dies würde wohl auch den Innenminister Sir Herbert Samuel (der bekanntlich ein Gegner der Zölle ist) aussöhnen. (Heiterkeit.) Von den fünf Beduinen, die unter der Schuld der Teilnehmerschaft an der Ermordung von Jochanan Stahl und Salja Sohar seinerzeit verhaftet wurden, wurden drei vom Untersuchungsrichter wegen mangelnder Beweise freigelassen, während zwei, nämlich Rashid Abusulman und der 70jährige Khani Abusulman, sich vor Gericht wegen Doppelmordes ohne Vorbedacht zu verantworten haben werden. Präsident Hoover ernannte den berühmten jüdischen Rechtsgelehrten Benjamin Card ozo zum Richter am Obersten Gerieht der Vereinigten Staaten. Dieses zählt nunmehr zwei Juden zu Mitgliedern: Louis D. Brandeis und Cardozo. Ferdinand B u i s s 0 n, der im Alter von 91 Jahren in Paris gestorben ist, stand seinerzeit in dem Kampfe um die Unschuld■• des Hä1q>tma0ns Dreyfus als Präsident der Liga für Mensehen-•* rechte in der vordersten Reihe. Das Zentral-Exekutivkomitee der S o w j e t u n i o n hat das neue Präsidium der Regierungskommission für Eingliederung der Juden in die Produktion Sowjetrußlands, KOMZET, ernannt; es setzt sich aus 13 Juden und 9 Nichtjuden zusammen. Vorsitzender ist wie bisher Smidowitsch, zum Stellvertreter wurde, an Stelle Merechins, Agronom Boris Trotzki ernannt. Der Kommission gehören ferner von jüdischer Seite an Dimanstein, Rachmiel Weinstein, M. Litwakow, Jankel Lewin (früherer Chefsekretär von OZET), M. Kotei, L. Abraham u. a. m. Gcdaliah Bublik hat die Präsidentschaft der amerikanisehen Misrachi-Organisation niedergelegt. Der tschechoslowakische Justizminisfer Dr. A. Meißner empfing den jüdischen Abgeordneten Dr. Angela Goldstein und den Vorsitzenden der Jüdischen Partei Dr. Emil Margulies. In der mehr als einstündigen Audienz wurde der Minister über die ״Judenprozesse״ der jüngeren Zeit interpelliert, und zwar den ״Ritualmordprozeß“, dessen Endverhandlung am 16. Februar in Velka Berezna stattfand, und über den Fall Weißberger, der am 22. Februar zur ersten Vcrhandlung in Kaschau gelangt. Das Smithsonian Institute in Washington kündigt an, daß es auf dem 12 Meilen von dem Berge Sinai entfernten Gipfel des Mount St. Catherine, ein Observatorium zur Beobachtung der Sonne errichten wird. Am 28. Februar vollendet Landes- und Oberrabbiner Dr. I. Nicmirowcr sein 60. Lebensjahr. Die rumänische Judenheit bereitet für diesen Tag große Ehrungen des Jubilars vor. In Tel-Awiw starb Rabbi Noah Schklower, einer der Leiter der berühmten Jcschiwah in Slobodka bei Kowno. Neue Jugendzeitschrift. Man schreibt uns: Schon die Tatsache, daß zwei große zionistische Jugendbünde, Kadimah und Brith Haolim, die ihrer Tendenz nach differieren, sich zur Herausgabe einer gemeinsamen Jugendzeitschrift zusammengetan haben, ist als Zeichen der empfundenen Gemeinsamkeit der inneren und äußeren Situation der zionistischen Jugend zu begrüßen. Die neue Zeitschrift ״Gal gal“ wendet sich an die ״Mittleren“, an die Jugendlichen von 10—15 Jahren. Die Tendenz der neuen Zeitschrift wird deutlich im Leitartikel ״Der Ruf der Makkabäer“. Noch hat, so wird gezeigt, der Weckruf der Makkabäer nicht alle Verstreuten erreicht; doch ihr Ruf schallt weiter — verschließt nicht Eure Ohren und folgt ihm. In die unmittelbare Gegenwart Palästinas führt ein Aufsatz ״Am Ufer des Toten Meeres“ (aus ״Bamaaleh“, der Zeitschrift des Noar Haowed). Hier wird das schöpferische Werk der jüdischen Arbeiter, der jüdischen Jugend geschildert, der Bau einer Straße am Ufer des Toten Meeres. Vor wenigen Jahren war hier alles tot und wüst. Heute ist der Pioniergeist des Jischuw auch bis zu dieser Wüste vorgedrungen. ״Das Tote Meer wird zur Lebensquelle“. Aus dem Leben des Bundes berichtet ein ״Besuch im Jüngerenlager des Brith Haolim“. Ein Tag mit Spiel und Arbeit, vom Wecken bis zum Lagerfeuer zieht an uns vorüber. Die Rubrik ״Theater und Film“ will zu verständnisvollem, kritischem Miterleben eines Kunstwerkes erziehen. Die Rubrik ״Weißt Du schon, daß . . .“ erzählt viele interessante Einzelheiten aus Palästina, die zu wissen, auch für ״Erwachsene“ recht nützlich sein dürfte. Den Abschluß bildet ein Bilderanhang, der vom Werk des KKL berichtet. Wenn die Zeitschrift hält, was hier im ersten Heft als Tendenz spürbar wird und was in der Einleitung versprochen wird, dann haben wir einen Grund, ״Galgal“ seinem Namen gemäß einen großen Leserkreis und viele Geburtstage zu wünschen, auch wenn man vielleicht beim ersten Heft noch hie und da etwas auszusetzen hat* 8. k.

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