Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1932-02-16 · Heft 13 (16.2.1932) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 13 (16.2.1932)
Date
1932-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653348-2653369--22830-2681107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Nr. 13, 16. II. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 63 Presseschau Das Ereignis der ersten Promotionen an der Universität Jerusalem hat einen überaus starken Eindruck gemacht. Auch die englische Zeitschrift ״Ncar East and I n d i a“ beschäftigt sich aus diesem Anlaß ausführlich mit dem Wesen und heutigen Zustand der Universität, beschreibt ihre Gliederung in Fakultäten und wendet sich dann an die Araber mit der Bemerkung•, daß gerade die hcbräische Universität eine Institution sei, die über kurz oder lang auch den Arabern zugute kommen müsse. Freilich höre man auch in manchen Kreisen Zweifel an der Zweckmäßigkeit der Pflege geistiger Werte in einem Lande, das so viel manueller Arbeit bedürfe. Dr. Magnes habe in seiner Rede gezeigt, daß er diesem Problem nicht blind gegenübersfeht. Sollten nicht alle Studenten, die jetzt an der Universität studieren, später Arbeit in Palästina finden, dann werden sie, so schreibt ״Near East and India“, in die Welt hinausgehen, vielleicht nicht mit mehr Kenntnissen als Studenten anderer Hochschulen, aber mit einem Geist, der einzigartig sein muß, da er von der jüngsten Universität der Welt, die für das älteste Volk der Welt geschaffen wurde, erworben wurde. Immer, so schließt das Blatt, wird es einen Platz für den geistig Gebildeten geben, und vielleicht bei den Juden mehr als bei jedem anderen Volke. lieber die Promotionsfeier berichtet auch das Organ der Templer, die in Stuttgart erscheinende ״Warte des Tempels“, der wir folgenden Absatz entnehmen: ״Die jüdische Nationalhymne schloß die Feier, der man nicht ohne Anteilnahme beiwohnen konnte, wenn man daran dachte, was sie für das jüdische Volk bedeutet: Eine eigene Universität, die nun ihre ersten Jünger herangebildet hat und eine eigene Sprache! Kein Wunder, wurden die Promovierten so begeistert begrüßt und beglückwünscht, war das Ganze doch zugleich ein Beweis dafür, was man erreichen kann, wenn man ernstlieh will, den Glauben daran hat und zusammenh ä 1t.“ * Die ״Germania“ veröffentlicht am 11. d. M. eine ausführliehe Besprechung des Buches ״Judentum und Zionismus“ von Dr. Eugen Müller, das wir in der ״Jüdischen Rundschau“ als antizionistische Tendenzschrift kennzeichnen mußten. Der Verfasser der Besprechung in der ״Germania“ hält zwar dem Zionismus gegenüber eine gewisse Reserve ein, doch ist unverkennbar, daß er die einseitige Beurteilung Müllers verwirft und aus einer offenkundig gründlichen Kenntnis des Zionismus eine Reihe von Beleuchtungen Müllers richtigstellt. Entgegen der Behauptung Müllers, der Zionismus verpflanze sowjetistische Anschauungen nach Palästina, weist die Besprechung mit Recht auf die Eigenart der palästinensischen Arbeiterbewegung hin, wofür sie als aufschlußreichen Beweis das Buch von Ada Fishmann ״Die arbeitende Frau in Palästina“ anführt. Insbesondere tritt der Verfasser der Behauptung Müllers über einen Gegensatz zwischen Zionismus und Katholizismus entschieden entgegen und weist darauf hin, daß die Zionisten stets die Exterritorialität der Heiligen Stätten vorgeschlagen haben. Gerade die Katholiken müßten zu einer Schätzung des Zionismus kommen, der seinem Wesen nach geeignet sei, ״den zersetzenden Tendenzen innerhalb des Judentums wirksam Einhalt zu gebieten“. Demgemäß seien auch einige bedeutende katholische Persänlichkeiten dem Pro Palästina-Komitee beigetreten. Es ist besonders zu begrüßen, daß das führende katholische Blatt den Irrtümera dieser katholischen Publikation gegen den Zionismus entgegentritt. V 1 >v ־«׳.;.*. * , . ־ ־, > ,־» i-k* tS.v. i.iÄi» Wo!. .1 Professor Einstein, der sich gegenwärtig In Amerika veröffentlicht, wie Stephen wise in ״Opimon“ mitin der letzten Nummer der Zeitschrift ״The Crisis“ eine Botschaft au die amerikanischen Neger. Stephen Wise weist darauf hin, daß hier aus den Lebenserfahrungen eines Juden brüderliche Worte an eine unterdrückte Rasse gerichtet werden. Einstein spricht die Warnung aus, Minoritäten könnten sich infolge des suggestiven Einflusses der Mehrheit mit dem ihnen entgegengebrachten Vorurteil abfinden und schließlich sich selbst a 1 s minderwertig betrachten. Dieser andere und wichtigere Aspekt des Uebels, so fährt Einstein fort, kann durch engereu Zusammenschluß und durch bewußte Erziehung und Aufklärung innerhalb der Minorität selbst bekämpft werden. So kann die Emanzipation der Seele der Minorität erreicht werden. -- Man wird Stephen Wise zustimmen müssen, wenn er seine Bewunderung dem Manne ausspricht, der in so mutiger Weise sich auf die Seite der Unterdrückten und Verachteten stellt. Das Buch von Bentwich ״England in Palcstine“ hat in der englischen Presse lebhafte Beachtung gefunden. Alle großen Tageszeitungen veröffentlichen ausführliche Besprechungen. Im ״Manchester Guardian“ war die Besprechung von Harry Sacher geschrieben. Sacher führt in seinem Artikei aus, daß Bentwich nicht eine Geschichte Palästinas geschrieben habe, sondern gewissermaßen die Geschichte des Regierungs-Apparates in Palästina. Dabei kommt Sacher auch auf die allgemeinen Fragen zu sprechen und erklärt, die Frage, ob England seine Reputation als verwaltende Kolonialmacht beibehalten hat, müsse nach den Erfahrungen in Palästina vern e i n t werden. Die palästinensische Bürokratie sei in ihrer Qualität durchaus unbefriedigend, das Kolonialamt habe häufig minderwertige Kräfte hingeschickt. Bei den Juden sei die Ueberzeugung allgemein, daß England seine Aufgabe in Palästina nicht erfüllt hat und denselben Standpunkt vertrete die Mandatskommission des Völkerbundes. * Professor Paul R o h r b a c h , der kürzlich aus Palästina zurückgekehrt ist, veröffentlicht in mehreren deutschen Zeitungen Reisebriefe über den Orient, worin er sich auch mit der Palästinafrage befaßt. Nach Meinung Rohrbachs versucht England, in Palästina eine möglichst national gemischte Bevölkerung zu haben, um das LandT dauernd beherrschen zu können. Aus diesem Grunde habe man auch den deutschen Templern nach dem Kriege ihren Besitz zurückgegeben. Vor allem aber sei dies der Hauptzweck der Politik des Jüdischen Nationalheims. Der letzte moslemische Kongreß sei ein geschickter Schachzug Englands gewesen, um seine Stellung in der Islamischen Welt zu stärken. Darum solle auch der jerusalemer Kongreß zu einer Dauerorganisation gemacht werden. Für die zionistische Siedlungsarbeit sei freilich von einer solchen Institution nichts Günstiges zu erwarten. Auf Grund persönlicher Anschauung betont Rohrbach, daß die zionistische Siedlung zweifellos einen großen moralischen Erfolg bedeutet, wenn er auch in materieller Beziehung noch gewisse Zweifel hak * Kürzlich veröffentlichte Leo Hirsch im ״Berliner Tageblatt“ eine Reihe interessanter Daten über die allmähliche Auflösung der Judenschaft in der Provinz Posen. 1847 gab es in der Provinz 770)0 Juden, IS3(1 noch 71 500, 1910 nur noch 25 500 und heute kaum noch '5050 Juden. 1847 gab es 172 Lehrer an den jüdischen Schulen Posens, 1910 kaum 50, und heute gibt es nur noch eine jüdische Schule in der ganzen Provinz und keinen Rabbiner mehr. Der Verfasser erwähnt ferner den Gegensatz zwischen den ehemals deutschen Juden und den jetzt aus Kongreßpolen zugewanderten, die großenteils Proletarier sind, währernl die deutschen Juden noch bürgerlich leben, freilich sei auch ihr künftiges Schicksal ungewiß. ♦ Die kommunistische ״Rote Fahne“ widmet dem Buch von Otto Heller ״Der Untergang des Judentums“ eine Kritik, die sich in manchen Punkten entschieden gegen Hellers Auffassung wendet. Es sei nicht richtig, dal durch den Sozialismus ״das Judentum“ verschwinde, es verschwinde lediglich die jüdische Bourgeoisie. Gerade nach der Lehre Lenins und Stalins wolle der Kommunismus die א ationali täten erhalten. Es sei auch falsch, wenn Heller die Juden als ״homogene Händlermasse“ bezeichne, ohne zu beachten, daß cs auch innerhalb der jüdischen Gcmeinschaft eine scharfe Klassendifferenzierung gebe. Interessant ist, daß dem Kritiker der ״Roten Fahne“, offenbar einem zionistischen Renegaten, die Haltung Hellers zu wenig antizionistisch ist. In aller Kürze Ain 1. März werden die Werkstätten der palästinensis chen Eisenbahn, die bisher in Kantara sich befanden, nach Haifa überführt. Die neuen Gebäude in Haifa sind bereits fcrtiggestellt. Angrenzend an die Eisenbahn-Werkstättcn wurde eine Fläche von 700 Dunam von der Regierung zur Errichtung des Zcntralflughafens Pa- I ä s t i n a s bestimmt. Die letzten Nachrichten aus Palästina besagen, daß in den letzten zwei Wochen in den verschiedenen Gegenden des Landes, darunter auch im Emck und im Jordantal ziemlich au sgiebige Mengen Regen gefallen sind. Diese sehnlichst erwarteten Regenfälle geben die Hoffnung, daß die gefürchtete Gefahr der Mißernten abgewendet wird. Dagegen sind beim Landwirtschafts-Departement in Jerusalem neue Alarmmeldun• gen über das massenhafte Auftreten von Feldmäusen eingelaufen und das Regierungs-Departement bereitet sich auf einen heftigen Abwehrkampf dagegen vor. Professor Einstein und Frau werden Ehrengäste bei einem vom Jüdischen Nationalfonds in Los Angeles für den 28. Februar angesagten Bankett sein. Lady Erleigh, die Tochter von Lord Melchett und Schwiegertochter von Lord Reading, und Colonel F. H. Kisch, der frühere politische Leiter der Zionistischen Exekutive in Palästina, sind am 11. Februar in Palästina eingetroffen. Lady Erleigh begab sich in die Villa Mond in Migdal. Emanuel Neu man, Mitglied der Exekutive der Jcwish Agency, traf am 10. Februar aus Amerika in Cherbourg ein und begab sich nach Paris, wo der Jüdische Nationalfonds ihm zu Ehren einen Empfang gab. Neuman wurde von Baron Edmund Rothschild zum Diner eingeladen und besprach mit ihm aktuelle Fragen Palästinas. Er besuchte u. a. auch den amerikanischen Botschafter in Frankreich und reiste am 14. d. M. nach London ab. Der ägyptische Ministerpräsident Sidki Pascha Ist am 12. Februar in Beiruth als Gast des Hochkommissars Ponsot eingetroffen und hat sich am 13. Februar von dort wieder nach ,lalästtaf begeben, vcp wo• er nach Aegybte» Einem Telegramm der ״Times“ zufolge wurde in Jerusalem die Leiche eines erschossenen britischen Polizisten namens Paterson aufgefunden, der zur Leibgarde des High Commissioners gehörte. Der Tote hielt einen Revolver in der linken Hand. Chacham Dr. Moses Gast er, der hervorragende jüdische Gelehrte und frühere Rabbiner der spanisch-portugiesischen Gemeinde in London, vollendete in diesen Tagen sein 75. Lebensjahr und war aus diesem Anlaß Gegenstand herzlicher Ehrungen seitens zahlreicher jüdischer Organisationen Englands und des Auslands. Gaster war bekanntlich in früheren Jahren einer der aktivsten zionistischen Führer. Auf eine Anfrage von Col. Wedgwood im englischen Unterhaus antwortete der Kolonienminister, die vorläufigen Ausgaben des Landentwicklungsplanes für Palästina wurden aus den allgemeinen Palästina-Einkünften gedeckt, während über den endgültigen Plan noch keine Angaben gemacht werden könnten. Auf eine weitere Frage Wedgwoods, ob nicht im Falte der Nichtverwirklichung der Entwicklung«- Anleihe das für die Untersuchung ausgegebene Geld vergeudet sei, antwortete der Minister, er sei nicht dieser Meinung. Das Zentralkomitee der polnischen Allgemeinen Zionisten hat an Stelle des zurückgetretenen Präsidenten Grünbaum ein dreigliedriges Präsidium, bestehend aus Dr. Klumel, Abg. Rosenblatt und Davidsohn, gewählt. Bei den Haifaer Hafenarbeiten wurde ein arabischer Arbeiter durch einen Kran getötet. Unter den 23 Kränzen, die an seinem Grabe niedergelegt wurden, waren mehrere Von der arabisch-jüdischen Hafenarbeiter-Organisation. In der Nacht vom 7. auf den 8. Februar wurde ein sehr großer Teil des jüdischen Städtchens Moinesti bei Bacau durch Feuer vernichtet. Es besteht der Verdacht, daß der Brand von verbrecherischer Hand angelegt wurde. Der ״Angriff“ behauptete kürzlich, Max Liebermann habe in einer französischen Zeitung geäußert, die Franzosen mögen, wenn Hitler die Macht ergreift, das Rheinland wieder besetzen. Diese absurde Behauptung wurde jetzt von Max Liebermann richtiggestellt: Die Nachricht sei von Anfang bis zu Ende frei erfunden. Ob der ״Angriff“ die Anstandspflicht erfüllen wird, die Verunglimpfung des S3jä!1rigen Künstlers wieder gutzumachen, ist abzuwarten. Der erste Abend des neuen Studenten-Rabbinats. Am 9. Februar sprach Rabbiner Dr. Max Wiener, der neuernannte Studenten-Rabbiner der Berliner Universität, vor einem aus den verschiedensten studentischen Gruppen sich zusammensetzenden Kreis von Zuhörern über die Möglichkeit praktischen Zusammenwirkens der Studentenschaft aller politischen und religiösen Richtungen auf all den Gebieten, die. gegenwärtig, auch mit Rücksicht auf die wiederholten Unruhen an den Universitäten, aktuell sind. Er ging in längerer ideologischer Auscinandersetzung auf die strukturellen Gegensätze, die heute, ebenso wie im Judentum überhaupt, auch in den akademischen Kreisen vorhanden sind, ein, leitete aber gerade aus diesen Differenzierungen eine einheitliche Linie her, von der alle Riehtungen seines Erachtens heute ihren Anfang nehmen und die auch als eine Grundlage praktischer Zusammenarbeit durchaus brauchbar wäre. Seine Ausführungen, die den lebhaften Beifall der Studenten fanden, ergaben nach kurzer Diskussion die Einsetzung einer aus allen Gruppen und namentlich auch freistudentischen Kreisen gebildeten Kommission, die mit Dr. Wiener zusammen die Interessen der Studentenschaft wahr- »elimen und die Lösung der im Augenblick wichtigsten Aufgaben übernehmen soll. 1fr 1■ — ■*■artin Diivisr ״Wölk MMd Laond“ Bachsaal, 27■ 11■ j^Max^LcwitJ We Jüdische Volkspartei hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Unser langjähriger Freund und Mitkämpfer Max Lewit ist uns viel zu früh entrissen worden. Er ist am Freitag, dem 5. Februar, gestorben und am Montag, dem 8. Fcbruar,. in Weißensee zur ewigen Ruhe bestattet worden. Eine zahlreiche Schar von Freunden und Verehrern gab ihm das letzte Geleit. Max Lewit gehörte zu den ersten vier Männern, welche die Jüdische Volkspartei in die Repräsentantenversamralung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin entsandte. Er war in dem litauischen Städtchen Ponjewesch geboren, hat hier das Cheder besucht und später auf der Jeschiwa dem Talmudstudium abgelegen. Die dort erworbenen Kenntnisse und die gründliehe Art scharfsinnigen Denkens, die aus dem Talmudstudium hervorgehen, hat Lewit niemals verloren. Wenig mehr als 15 Jahre alt kam er mit seinem Bruder nach Warschau. Schon dort zeigte sich sein großes Interesse an allen jüdisehen Dingen. Wir wissen sehr gut, wie schwer es gerade in Warschau und in Polen überhaupt war, der jüdisch-nationalen Idee Eingang zu verschaffen. Um Schau! Pinchas Rabbinowicz und um Rechtsanwalt Jasinowski bildete sich ein kleiner Kreis der Chowewe-Zion. Dort schloß sich Max Lewit, damals erst 18jährig, bewußt der jüdisch-nationalen Palästinabewegung der Chowewe-Zion an. Als Lewit zwei Jahre später erstmalig nach Berlin kam, fand er sehr bald den Weg zu den ersten zionistischen Kreisen, die sich um den Russisch-jüdisch-wissenschaftlichen Verein und um den Jüdisch-nationalen Verein Jung-israel zu bilden begannen. Er war ein eleganter, weltgewandter junger Mann, der in allen Kreisen, in die er kam, gern gesehen wurde, und es ist kein Wunder, wenn er, jung und schön, sich mit einer jungen und schönen deutschen Jüdin im Herzen zusammenfand. Er ging dann aus wirtschaftlichen Gründen nach Rußland und wollte eben nach Berlin zurückkehren, als die Pogrome in Kischinew und Hornel jedes jüdische Herz erschlitterten. Die tiefe Empörung, die jeden aufrechten Juden erfüllte, ergriff auch Lewit, und er verließ Rußland, wo er damals in Tula eine Heimat gefunden hatte, mit dem stillen Gelöbnis für sich, daß er niemals wieder die Grenzen Rußlands überschreiten wollte. Max Lewit wurde ein Berliner Jude, ohne jemals aufzuhören, dem heimischen Judentume die Treue zu bewahren. Er hat hier für die Erhaltung alten j identums und für die Bereitung neuen Aufbaues bewußt urd klug gewirkt Ais Repräsentant der Jüdischen Gemeinde hat er die Interessen der Volkspartei und des Zionismus mit starker Energie und unbeugsamem Willen, zugleich aber mit kluger Mäßigung und persönlicher Verbindlichkeit vertreten, .. ... Er war auf Verlangen unserer ostjüdischen Brüder in die Repräsentanz gewählt worden. Sie sahen in ihm ihren best« Vertrauensmann. Er hatte den von Josef Lin angeregten ״Verband der Ostjuden“ mit gegründet und war sofort einstimmig zum ersten Vorsitzenden gewählt worden Während des Krieges war es eine seiner Hauptarbeiten gewesen, sich der aus dem Osten hierher gebrachten jüdisehen Munitionsarbeiter anzunehmen, und nachher hat er sein früher beträchtliches Vermögen in weitherziger Weise dazu benutzt, der Not unter den leidenden Bewohnern der Berliner Judengassen zu steuern. In seinem Hause hat im Beisein von Einstein die erste Sitzung stattgefunden, die der Joint mit hiesigen Juden abgehalten hat, um wirksame Maßregeln zur Bekämpfung der Not in der Nachkriegszeit zu beraten. Lewit hat selber aus Eigenem immer in hohem Maße dazu beigesteuert. Vor einigen Jahren mußte er aus Gesundheitsrücksichten darauf verzichten, sich als Repräsentant wieder wählen zu lassen. Aber bis zu allerletzt hat er an allem und jedem, was die Gemeinde, die Volkspartei, den Zionismus und das Judentum überhaupt anging, lebendigen und ungeteilten Anteil genommen. Max Lewit wird in unserem Kreise unvergessen bleiben. Als Freund aus seiner ersten Berliner Jugend sprach Rabbiner Dr. Malwin Warschauer, und ein Repräsentant, der mit ihm zusammengearbeitet hatte, als Vertreter der Jüdischen Volkspartei, an seinem Grabe. Beider tief empfundenen Worte gipfelten darin: Max Lewit war ein echter Jude. H einrich Locwe. Jüdische Gegenwartsabende und Zeitaussprachen. Im Rahmen seiner bekannten Abende sprach Rabbiner Emil Bernhard Cohn am 1. Februar in der Aula der MädchenmitteLschule, Kaiserstraße, über das Thema ״Zivilisation und Luxti s“. Vom Jüdischen ausgehend, behandelte er den Luxus zunächst als eine historische Erscheinung selbst der jüdischen Antike, zeigte dann an der jüdischen Geschichte, wie die mittelalterliche Welt durch ihre schikanösen Kleiderordnungen der Juden den Luxus ihrer Männer und vor allem ihrer Frauen verhindert hat, und wandte sich dann unserer Zeit zu. Heute, in der Welt der Zivilisation, das heißt des Fortschrittes und der Technik, ist der Luxus Klassenreservat geworden, und zwar Reservat der Bürgerklasse, wobei häufig nicht mir ein Aufwand über das Notwendige hinaus getrieben würde, sondern vor aller Welt das Schauspiel sich abrolle, daß eben die Bemittelten und nur sie in den Mitteln wühlen. Der quantitative Luxus mit seiner Vergeudung und der qualitative mit seinem Raffinement vereinigten sich zu dem schmählichsten Bilde der Zeit. Bezeichnend dabei sei die Rolle des Weibes und die erotisierende Tendenz des Luxus, gleich, ob er sich auf Kleider, den Körper oder das Wohnen bezieht. Das Geltungsbedürfnis des Weibchens und die Ucberheblichkeit der Männer seien die Wurzeln des Uebels, an dem Iragischerweise das Judentum der Oberschicht einen verhängnisvolien Anteil nehme. Angesichts des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und der ebenso tollen wie haltlosen Zeit mit ihrer Erschütterung aller geltenden Werte müßte als einzige Parole der jüdischen Welt eingehämmert werden: ״Nicht Gelten wollen, sondern sein!“ Eine angeregte Diskussion, die bis . in die Nachtstunden währte, hielt den übervollen Saal noch lange beisammen. — Der nächste Abend findet mit dem Thema ״Staat und Einzelmensch“ am Montag, dem 29. Februar, abends 8*/t Uhr, wieder in der Aula Kaiserstr. 29/30 statt. Studenten, die Boykottaufrufe verteilten, überfielen in Wilna jüdische Passanten. Es sind an einem Tage 15 Juden, davon einige schwer, verletzt worden. Der Jüdische Parlamentsklub wird wegen dieser Vorfälle im Sejm urterpslUeretb

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.