Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 11 (9.2.1932)
- Date
- 1932-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 52 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 11, 9.111932 Frieden im polnischen Zionismus Ergebnisse der Landeskonferenz in Warschau — Abgang Grflnbaums (Von unserem Korrespondenten.) -g. Warschau. 5. Februar. Die soeben geschlossene Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten Kongreßpolens und der Randgebiete, trat in einer ungünstigen Atmosphäre in der Bewegung zusammen und mit Unruhe sah man ihrem Verlaufe entgegen. Aber die Beratungen und Ergebnisse der Tagung gaben den Zweiflern und Pessimisten unrecht, und mit großer Zufriedenheit muß festge* stellt werden, daß diese 5. Landeskonferenz einen Wendepunkt in der Entwicklung des polnischen Zionismus bedeutet. Trotzdem manche Führer der ״Eth Liwnoth“ die Parole ausgaben, sich an dieser Konferenz nicht zu beteiligen, stellte sich heraus, daß die überwiegende Mehrzahl der ״Etil Liwnoth“-Gruppen diesem Rufe nicht Folge geleistet und sich an der Konferenz beteiligt haben. Entgegen anders lautenden Meldüngen sei darauf hingewiesen, daß diese Konferenz faktisch die gesamte Organisation der Allgemeinen Zionisten Kongreßpolens (mit Ausnahme der Revisionisten) vertreten hat. Es ist nur sehr zu bedauern, daß infolge der noch nicht durchgeführten Verbindung mit beiden Teilen Galiziens keine gesamtpolnische allgemein-zionistische Tagung zustande kommen konnte. Bald zu Beginn der Konferenz stellte sich deutlich heraus, daß eine überwiegende Mehrheit der Delegierten, insbesondere aus der Provinz, als Hauptaufgaben der Tagung die Durchführung der Konsolidierung im polnischen Allgemeinen Zionismus, und die Auflösung der noch bestehenden und keine Existenzberechtigung mehr besitzenden Fraktionen ״Eth Liwnoth“ und ״Al Hamischrnar“ betrachten. Diese Frage wurde dank der Initiative der Lo d z e r Delegation mit Dr. Brande an der Spitze zum Hauptgegenstand der Beratungen, und da in dieser Frage eine Einigung erzielt wurde — liegt darin die Hauptbedeutung dieser Tagung. Fast sämtliche Redner in der Generaldebatte, sämtliche Delegierte in den Kommissionen und in den Couloirs sprachen nur davon und eine starke Stimme wurde laut: ״Nieder mit der Fraktionszersplitterung! Wir wollen einen geeinigten Allgemeinen Zionismus.“ Als erster gab diesem Willen einen überzeugenden Ausdruck wohl der älteste organisierte Zionist in dieser Versammlung, Dr. Braude, welcher ein Bild der Verheerung zeichnete, die die unglückselige Zer- Splitterung für den polnischen Zionismus und für das polnische Judentum angerichtet hat. ln diesem Sinne sprachen auch ehemalige Führer der ״Eth Liwnoth“ wie Abg. Dr. Rosenblatt und andere. Auch bei den führenden Mitgliedern des ״Ai Hamischrnar“ wie Hartglas, Koerner kam deutlich der Wunsch zum Ausdruck, die Konsolidierung zu ermöglichen. Abg. Grünbaum hat zwar die Nützlichkeit der fraktionellen Gruppen, den Kampf der Anschauungen innerhalb der Organisation, weiterhin zu begründen versucht, hat aber auch seinerseits sich dem bekundeten starken Willen der Teilnehmer nicht entgegengestellt und viel dazu beigetragen, daß eine Einigung erzielt wurde. Die aus 35 Mitgliedern der Konferenz bestehende Gruppe der ״Eth Liwnoth“ erklärte, daß die Fraktion sich nunmehr a u f 1 ö s e. Dieser Beschluß ist zwar von den abwesenden Führern dieser Fraktion noch nicht ratifiziert worden, aber wir glauben und hoffen, daß in den jetzt geänderten Verhältnissen und bei dieser Friedensstimmung der zionistischen Massen diese Führer ihren bisherigen intransigenten Standpunkt aufgeben und in der vereinigten Organisation mitarbeiten werden. Die ״AI Hamischmar“-uruppe, welche auf der Tagung etwa 120 Delegierte zählte, wollte formell jetzt noch nickt ihre Liquidierung beschließen. Es spielten dabei in erster Linie ״außen politische“ Gründe, nämlich Rücksicht auf die V e r - einigung Radikaler Zionisten, deren Hauptteil doch die polnische ״Al Hamischmar“-Gruppe bildet — die Hauptrolle. Aber bei der Formierung des neuen Zentralkomitees zeigte sich ״AI Hamischrnar“ nachgiebig und wirklich wurde eine Einigung, sowohl was die personelle Zusammen- Stellung als auch die Richtlinien der zukünftigen Arbeit anbelangt, erzielt. Die sogenannte ״f r a k t i o n s I o s e“ Gruppe, etwa 130 Delegierte stark, unter Führung von Braude, Hartglas und Rosenbiatt, und von den Vertretern aller Jugendgruppen sehr unterstützt, setzte die Einigung durch, die in folgender einstimmig von der Konferenz beschlossenen Resolution zum Ausdruck kam: ״Der Verlauf und die Resultate der Konferenz beweisen, daß eine Verständigung zwischen den verschiedenen Gruppen, aus welchen der polnische (allgemeine) Zionismus besteht, erreicht wurde. Die Streitfragen, welche Kämpfe innerhalb unserer Organisation hervorgerufen haben, sind gemildert. Die neugewählten höchsten Parteiinstanzen reprSsentieren sämtliche zionistischen Richtungen in Polen. Es wird wieder die Einheit unserer Organisation proklamiert.“ Die Verlautbarung dieses Beschlusses löste eine ungeheuere Begeisterung aus. Gleichzeitig erfuhr man, daß Abg. Grünbaum nicht mehr dem neuen Zentralkomiteeangehöre. Grünbaum verläßt nämlich in nächster Zeit aus persönlichen Ursachen Polen. Die Konferenz wählte ihn zum Ehrenvorsitzenden der Organisation und mehrere Redner haben in herzlichen längeren Ausführungen die Persönlichkeit Grünbaums und seine historischen Verdienste für das polnische Judentum gewürdigt. Das landespolitische Programm Grünbaums wurde auf der Tagung von mehreren Seiten angegriffen. Sehr scharf und eindrucksvoll tat es Dr. Braude, weicher zwar die von Grünbaum aufgestellte Diagnose der unerträglichen und schrecklichen Lage des polnischen Judentums akzeptierte, jedoch eine Revision der bisher gegenüber der polnischen Regierung und Gesellschaft geführten Politik verlangte. _ Die überwiegende Mehrheit der Delegierten hat sich aber dieser Meinung nicht angeschlossen und in den gefaßten Be- Schlüssen wurde die oppositionelle Haltung Grünbaums im Sejm gutgeheißen und ihm das Vertrauen ausgesprochen. In einer längeren Resolution wurde die t r a ־ gische Situation der polnischen Judenheit geschildert und festgestellt, daß die polnische Regierung bisher nichts für die Linderung der Not der Juden getan habe. In den ausführlichen Referaten über die politische und ökonomische Lage der Juden in Polen, über die Selbstverwaltungen und jüdischen Gemeinden bekam man ein schauderhaftes Bild der Katastrophe, in der die polnischen Juden sich bereits befinden. Viel Zeit und Aufmerksamkeit widmete die Tagung den zionistischen und Palästina-Problemen. Es wurden eingehende Referate gehalten über Keren Hajessod, Keren Kajemeth, Tozereth Haarez, Hechaluz, MittelstandsaÜjah, Tarbut und Jugendprobleme. Der Seliluß der Tagung stand unter dem Zeichen des AbfangesvonGrünbaum. Es wurden ihm große Ovationen ereitet und man sah allenthalben, wie stark die Bewegung in Polen an diesem Führer hängt. Grünbaum sprach tiefgerührt über die Liebe, die ihn mit dem polnischen Judentum und dem polnischen Zionismus verbindet. Es wurde der Wunsch ausfesprochen, daß Grünbaum auch weiterhin seine wertvollen räfte der Bewegung in Polen widmen möge. Beniwidis Lehrstuhl Judentum und Fxledentidee Norman Bentwich ist vergangene Woche nach Pajastina zurück gekehrt, um seine Tätigkeit als Professor der Hebräischen Universität Jerusalem (Inhaber des Weizmann-Lehrstuhls für internationales Friedensrecht) aufzunehmen. Seine erste Vorlesung in dem jetzigen Semester soll die ״Beziehung der Religion zur Frage des Nationalismus und Internationalismus“ zum Gegenstand haben. Er beabsichtigt, wie er einem Vertreter des ״Jewish Chronicle“ mitteilte, hierbei zunächst historisch die Beziehungen von Heidentum, Judentum, Christentum, Islam und den ostasiatischen Religionen zur Idee des Friedens darzustellen und zu prüfen, wieweit diese Einflüsse die intcrnationalen Beziehungen beeinflußt haben. Ferner wird er die Entwicklung des Problems der Religionsfreiheit untersuchen und inwiefern diese zum Frieden der Welt beigetragen hat. Das. größte Uebel unserer Tage, erklärte Bentwich, liege darin, daß heute der Nationalismus zu einer Religion geworden ist. Hier hat das Judentum eine große Mission zu erfüllen, indem es verkündet, daß sowohl das Nationaigefühl als auch die Religiositat auf universale Ziele gerichtet sein müssen; denn nirgends war Religion und Nation so eng verbunden wie 1m Judentum, und dennoch haben wir niemals unser ideal, dem Menschheitsgedanken zu dienen, aus dem Auge verloren. Bentwich erklärte, daß seine Vorlesungen öffentlich sein werden. Außerdem gedenke er, ein kleines Seminar für Studierende des internationalen Rechtes einzurichten. Die Vorlesungen werden selbstverständlich hebräisch gehalten werden. Aber falls sich das Bedürfnis ergeben sollte, so will Bentwich sie auch in englischer Sprache wiederholen. Die Antrittsvorlesung wird das Thema behandeln: ״Jerusalem als Stadt des Friedens.“ Bialik in Wien Offizielle Empfänge durch die Kulimgemeinde Die Woche des Aufenthaltes von Bialik in Wien gestaltete sich zu einem außerordentlichen Ereignis für die Wiener und damit auch für die ganze mitteleuropäische Judenheit. Mit Rücksicht auf die ungenügende Art und Weise, wie Bialiks Besuch in Berlin diesmal leider verlaufen ist, ist es vielleicht eine gewisse Genugtuung, daß wenigstens in einer großen Metropole des deutschsprachigen Westjudentums dem 'ichter ein gebührender Empfang zuteil wurde. Es fanden eine große Anzahj von Versammlungen und Veranstaltungen statt, in denen Bialik durch seine Persönlichkeit und durch seinen zündenden Appell an das Gefühl der Treue zum jüdisehen Geistesgut die Anwesenden hinriß. Mit besonderer Befriedigung muß hervorgehoben werden, daß auch die Wiener Israelitische Kultusgemeinde, in der bekanntlich die Zionisten ebenso wie in Berlin eine Minderheit sind, die^ Ehrenpflicht voll empfand, die Anwesenheit eines solchen Gastes, des bedeutendsten Vertreters des hebräischen Geistes in unserer Zeit nicht ohne gebührende Ehrungen vorbeigehen zu lassen. Die Gemeinde veranstaltete für inn einen feierlichen Empfang. Der Dichter besuchte auch den Freitagabend-Gottesdienst in der großer» Gemeindesynagoge in der Seitenstättengasse. Als Biafik in Begleitung des Kultuspräsidenten, Prof. Dr. Pick, den Betsaal betrat, wurde ihm eine spontane Ovation durch Erheben der ganzen Gemeinde von ihren Sitzen zuteil. Der amtierende Oberrabbiner Dr. F e u c h tw a n g hielt eine Rede, in der er Bialiks Bedeutung für das hebräische Schrifttum charakterisiert?. Bei einem 'offiziellen Empfang des zionistischen Parteirates hielt Bialik eine Rede, die vor allem dem Andenken des verstorbenen Oberrabbiners Prof. Chajes gewidmet war, dessen Bild den Versammlungsraum der Wiener Zionisten schmückt. Bialik bezeiclmete Chajes als die größte Persönlichkeit, die wir im Zionismus hatten und bedauerte tief, daß diesem Manne nicht die Möglichkeit eines großzügigen Wirkens geboten war. bei dem er seine beispiellosen geistigen Fähigkeiten in den Dienst des ganzen Volkes hätte stellen kffnnen. Aus der Reihe der übrigen Veranstaltungen erwähnen wir nur noch den Besuch Bialiks im Wiener Chajes-Realgymnasium, wo er vom Direktor dieser Anstalt, Dr. Victor Kellner, den Kindern erst der Unterklassen und dann der Oberklassen vorgestellt wurde, wobei Lehrer und Schüler und schließlich der Dichter selbst Ansprachen hielten. Außerdem sprach Bialik noch in einem großen Jugend meeting, wo er als Antwort auf die Ansprachen verschiedener Redner sich gegen jeden Personenkultus wandte und darauf hinwies, daß die wichtigsten Werke der hebräischen L iteratur von unbekannten Autoren herrühren. Das jüdische Volk hat sich niemals für die biographischen E)aten der Autoren interessiert, sondern immer nur für ihr Werk. So soll es auch jetzt sein. Der Dichter sprach den Wunsch aus, daß die jüdische Jugend das hebräische Geistesgut um seiner selbst willen pflegen und aus dieser Beschäftigung die Elemente eines neuen lebenskräftigen Judentums gewinnen möge. Bialik ist am 3. d. M. von Triest nach Palästina abgereist. Das Präsidium des KJV. beim Rektor im Zusammenhang mit den jüngsten judenfeindliehen Ausschreitungen an der Berliner Universität erschienen drei Vertreter des Präsidiums des Karteils jüdischer Verbindungen (K. J. V.), nämlich Heinz Gerii n g, Hans Klee und Franz Br ü I f, beim Rektor und legten ihm die Auffassung der zionistischen Studentenschaft dar. Sie überreichten dem Rektor eine Entschließung des K. J. V., die folgenden Wortlaut hat: ״Wieder ist es in den letzten Tagen zu antisemitischen Ausschreitungen an der Berliner Universität gekommen. Jüdische Studenten, Angehörige eines Volkes, dem Lehre und Studium in den Jahrtausenden seiner Geschichte Lebensinhalt gewesen sind und das seine Kämpfe mit geistigen Waffen auszutragen gelernt hat, können durch Beschimpfungen dieser Art in ihrer Ehre nicht getroffen werden. Wir verwahren uns jedoch gegen diese Angriffe, die unsere Sicherheit und damit unsere Lernf reih eit, aie ungestörte Vorbereitung auf unseren akademischen Beruf, bedrohen. Wir verlangen mit aller Entschiedenheit Schutz unserer Rechte von dem Kulturstaat, dessen Bürger wir sind, und von der Universität, deren geistiges Leben Juden lehrend und lernend gefördert haben und fördern.“ Der Rektor erklärte seine entschiedene Abiehn u n g gegen Kampfmethoden dieser Art, betonte, daß die ״Deutsche Studentenschaft“, wie die Asta-Wahlen bewiesen haben, nur eine Minderheit der Studenten vertrete, und daß er die Forderungen der jüdischen Studentenschaft dem Senat der Universität übermitteln werde. Als unparteiischer Leiter lege er großen Wert darauf, mit allen Kreisen der Studentenschaft in lebendiger Fühlung zu bleiben. Ende Januar fanden in Palästina die Jahreskonferenz des Landwirte-Verbandes (Pflanzungskoionisten) und die Konferenz der Arbeiterinnen-Organisation statt. Um die Einheiisgemeinde Die in unserem Artikel in der vorigen Nummer der ״Jüdisehen Rundschau“ erwähnte Interpellation der Jüdisehen Volkspartei an den Vorstand der Berliner Jüdisehen Gemeinde hat folgenden Wortlaut: In einer Repräsentanten-Versammlung hat ein Mitglied der Liberalen Fraktion bei der Beratung einer alsdann abgelehnten Vorlage des Gemeinde-Vorstandes, durch die dem Hechaluz entsprechend einer langjährigen tjebung der Gemeinde eine Subvention von 2000 RM. wieder bewilligt werden sollte, folgendes ausgeführt: Er lehne die jüdischnationale Idee aufs schärfste ab, weil sie im Widerspruch zu seiner religiösen Auffassung stehe, und ihre Unterstützung sei für ihn eine ebenso schwere Sünde wie der Genuß verbotener Speisen für die Orthodoxen. Die Austrittsgemeinde der Adass-Jisroel stehe ihm näher als die zionistischen Einrichtungen. Seine religiöse Ueberzeugung gebiete ihm, ausnahmslos gegen die Unterstützung jüdisch-nationaler, zionistischer Bestrebungen zu stimmen. Wie eine Reihe von Abstimmungen der derzeitigen Rcpräsentanten-Versammlung bewiesen hat, teilt die Mehrheit der liberalen Fraktion diese Sinnesart. Hierdurch ist der Bestand der Gemeinde aufs sch werstegefährdet, denn sobald die skizzierte Ein- Stellung als offiziell empfunden wird, müssen die Anhänger der nationalen Auffassung des Judentums, ohne Unterschied des religiösen Standpunktes, den Schluß ziehen, daß für die jüdisch-nationale Weltanschauung und damit auch für deren Anhänger in der Jüdischen Gemeinde kein Raum mehr sein soll; dann wird es für sie unerträglich werden, der einzigen Organisation, der alle Berliner Juden von selbst angehören, noch Interesse entgegenzubringen. Die Anhänger der herrschenden Auffassung dagegen wer- ״den zu einer fanatischen Intoleranz erzogen werden und deshalb ihrerseits der Gemeinde den Rücken kehren, sobald die jetzige Minderheit einmal als Mehrheit der eigenen Auffassung die gebührende Anerkennung und Unterstützung erzwingt. Die Einheitsgemeinde kann eben nur von Bestand sein, wenn alle ihre Mitglieder stets das begründete Gefühl haben, bei ihr für ihre jüdische Auffassung soviel Entgegenkommen zu finden, wie es die liberale Mehrheit, durch die schlechten Erfahrungen früherer Jahrzehnte gewitzigt, nunmehr ohne religiöse Bedenken dem orthodoxen Judentum beweist. Wir ersuchen daher den Gemeindevorstand, seine ganze Autorität für die Bekämpfung der eingangs wiedergegebenen Einstellung einzusetzen. Berlin, den 4. Februar 1932. Fraktion der Jüdischen Volkspartei. In aller Kürze im palästinensischen Schulkonffikt ist eine Einigung auch in der vergangenen Woche nicht erfolgt, so daß die Schulen der Jewish Agency weiter geschlossen bleiben. Dr. Werner Senator, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, ist aus Palästina in Berlin eingetroffen. Nach kurzem Aufenthalt in Europa, wo er Fragen des zionistischen Finanzwesens zu regeln hat, wird er Anfang März wieder nach Palästina zurückkehren. Emanuei Ncuman, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, ist am 3. Februar von New York nach London abgereist. 'Er will sich nunmehr vor allem der Förderung des privatwirtschaftlichen Unternehmertums in Palästina widmen. Der Bürgermeister von Jerusalem, Raghib Bey Nasc'has c h i b i, überreichte im Namen der oppositionellen Moslems (Mufti-Gegner) dem Obersten Gericht in Palästina zwei P e - titionen, worin erklärt wird, daß der Mufti kein Recht auf die Präsidentschaft im Moslemischen Obersten Rat habe, da er ein Gehalt als Mufti bezieht, und weiter gefordert wird, daß der Moslemische Rat unverzüglich eine Rechnungs- 1 e g u n g über die in der moslemischen Welt auf Anregung des Mufti gesammelten Gelder veröffentlicht. Wie wir erfahren, soll ab 1. Juni die englisch-jüdische Zeitschrift ״J e w i s h R e v i e w“ wieder erscheinen, und zwar unter der gemeinsamen Redaktion von Norman Bentwich und Harry Sacher. Sie wird die Form einer Viertel jahresschrift haben und soll eine freie Diskussionstribüne für alle geistigen, politischen und literarischen Fragen des Judentums sein. Vergangene Woche wurde im Gebäude der Ruthenbergsehen Elektrizitätsgesellschaft in Jaffa eine Mitteiiung folgenden Inhalts angeschlagen: Die Leitung freut sich, allen ihren Mitarbeitern mitteileu zu können, daß arn 21. Januar die Turbinen der Jordan-Station in Bewegung gesetzt wurden. In einigen Tagen wird man die Austrocknung der Generatoren beginnen. Am 2. Februar fanden in Jerusalem die Wahlen zum Waad Hair (Rat der Jüdischen Gemeinde) statt. Von den 31 Sitzen des Rates entfielen auf die Arbeiterpartei 11, auf die Toschavv-Partei (Gruppe der alteingesessenen Bürger), die eine Loslösung der Juden von der bisherigen Stadtverwaltung erstrebt) 8, auf den Misrachi 4, Jemeniten 3, Allgemeine Zionisten 2, Verband orientalischer Gemeinden 2 Sitze, die Frauenpartei erhielt 1 Sitz. Auf Einladung des Instituts für höhere internationale Studien in Genf wird der frühere Oberstaatsanwalt Palästinas, Norman Bentwich, Mitte 1932 in Genf eine Serie Vorlesungen über das Thema ״Die Entwicklung der ottomanischen Kapitulationen in der Türkei, Palästina und Aegypten“ halten. Eine in Jerusalem zwischen Rechawiah und der griechischen Kolonie Katamon abgehaltene kommunistische Versammlung wurde von der Polizei auseinandergetrieben, wobei 32 jüdische Teilnehmer, 21 Männer und 11 Mädchen, verhaftet wurden. Abram Mereschin, Mitglied des Kollegiums der Sowjet- Regierungskommission für jüdische Aufbauarbeit ״Komzet“, der als der geistige Initiator des gesamten Komzet-Werkes seit der Gründung des Komzet im Jahre 1924 gilt, ist nunmehr zusammen mit dem Agronom Golde und dem früheren Sekretär der Jewsekzia Tschemeriski aus dem Komzet-Kollegium aus■; getreten. Man macht Mereschin, Golde und Tschemeriski für gewisse Mißerfolge in der Komzet-Arbeit, besonders auf dem Gebiete der Landansiedlung, verantwortlich. An Stelle von Mereschin wurde der Agronom Boris Trotzki zum Mitglied des Komzet-Kollegiums ernannt. Steigende Keren Hajessod-Eingänge. Das Hauptbüro des Keren Hajessod teilt mit, daß an Spenden im Monat Dezember 1931 £ 21 647 gegen £ 18351 im November und 16 205 im Oktober eingeflossen sind. An den Gesamteinnahmen des ersten Quartals des laufenden Budgetjahres in Höhe von £ 56 204• sind die Vereinigten Staaten mit £ 16 628, England mit £ 10 753, Südafrika mit £ 8729 und Polen mit £ 4002 beteiligt. Die Vergleichsziffern für das Quartal Oktober-Dezember 1930 und 1929 betragen £ 43091 bzw. £ 59116. Die Eingänge sind also erheblich höher als im letzten Jahre. Das Hauptbüro hat an sämtliche Komitees und an alle seine Delegierte die Mahnung gerichtet, in den kommenden Monaten die Aktionen auch dort, wo sie bisher aufgeschoben werden mußten, unter Einsatz aller Kräfte durchzuführea.