Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 11 (9.2.1932)
- Date
- 1932-02-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11, 9. TI. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 53 Konvention gegen Antisemitismen Von Dozent Dr. Guido Tedeschi (Rom) _ Aus Italien kommt die Anregung zur Schaffung einer internationalen Konvention gegen den Antisemitismus unter den Auspizien des Völkerbundes. Alle der Konvention beitretenden Staaten sollen sich verpflichten, eine strenge Gesetzgebung gegen antisemitische Ausschreitungen lind alle Formen von Judenhaß zu schaffen. Den Gedanken einer solchen Konvention entwickelte als erster der im internationalen Rechtsleben bekannte Dozent an der Universität Rom Dr. Guido Tedeschi, ein Jude, Verfasser grundlegender Werke über Zivilrecht. Dr. Tedeschi veröffentlichte unter dem Titel ,,Für eine internatioaale Konvention gegen den Antisemitismus“ in der Monatsschrift ,.Israel“ (Florenz) einen Aufsatz, den er auch der ״J ü d. Rundscha u“ zur Verfügung gestellt hat. Tedeschis Ausführungen gipfeln in folgenden Anregungen: Die in den verschiedenen Ländern gegenwärtig geltenden Gesetze zur Bestrafung der Aufhetzung eines Teils der Bevölkerung gegen den anderen haben sich als durchaus ungenügend zur Abwehr der Angriffe auf Ehre, Leben und Eigen* tum der Juden erwiesen. Neben den objektiven Verhältnissen tragen an diesen Zuständen auch die Sentiments der Richter bei, die, wo es sich bei der angegriffenen Partei um Juden handelt, sich nicht entschließen können, die ganze Strenge des Gesetzes walten zu lassen. Diesen Uebeiständen kann nur eine spezifische Gesetzgebung begegnen, die in einer internationalen Konvention der Mächte einen Rückhalt hat. Eine solche spezielle Gesetzgebung bildet kein Novum in der Geschichte: In der Vergangenheit haben manche Päpste spezielle Gesetze gegen Judenverfolgung geschaffen, so z. B. Innocenz IV., der in verschiedenen seiner Bullen den Judenverfolgern mit Exkommunikation und Vermögens-Konfiskation gedroht hat; in ähnlichem Tone waren die diesbezüglichen Dekrete der Päpste Gregor X. und Paul 111. gehalten. Der polnische König Kasimir IV. hat in seinen ״Privilegien“ für die Juden auf Peinigung von Juden sogar die Todesstrafe gesetzt. Welche Meinung man auch über das Sowjetregime in Ruß- Und haben mag, eines muß man anerkennen, daß antisemitisehen Erscheinungen aller Art dort außerordentlich scharf zu Leibe gegangen wird. Ebenso wie dort antisemitische Ausschreitungen als ״antirevolutionärc Sabotage“ geahndet werden, müßten die übrigen Staaten mit Fug und Recht antisemitische Ausschreitungen als ״a nt i st a at li c 11 c“ Unternehmungen ahnden, denn in der Tat untergraben antisemitische Akte die Festigkeit des Staates nach innen und sein Ansehen nach außen. Vielen Staaten würde es aus innerpolitischen Ursachen schwer fallen, isoliert eine solche Gesetzgebung zu schaffen. Wird aber die Angelegenheit auf einen internationalen Boden gestellt, so wird es den einzelnen Staaten leichter fallen. Den Vorrang, einen Antrag zur Schaffung einer Internationalen Konvention gegen den Antisemitismus zu stellen, hätten die englischen Juden, die sich schon bisher ihrer in verschiedenen Ländern verfolgten Glaubensgenossen, mit großem Mut angenommen haben, über eine starke aktive und einflußreiche Organisation für Ehren- und Rechtsschutz der Juden verfügen und so hervorragende Persönlichkeiten wie den jetzigen Innenminister Sir Herbert Samuel in ihrer Mitte zählen. Viele Regierungen, die durch staatsschädigendc antisemitische Aktionen fortwährend beunruhigt werden, müßte eine internationale Konvention, die die Bekämpfung des Antisemitismus erleichtert, geradezu begrüßen. Alfred Mombert, der dieser Tage seinen 60. Geburtstag feiert, ist einer der eigenartigsten jüdischen Dichter in! ^deutscher Sprache. Er ist ein tief religiöser Künstler, dessen Gegenstand, wenn man bei einem visionären Ekstatiker dieser Art überhaupt von Gegenständlichkeit reden kann, das kosmische Universum ist. In der Art seines Erlebens und auch in der Formgewalt seiner Sprache ist Mombert als orientalischer Mensch in abendländischer Welt, als ein später Enkel der jüdischen Propheten gekennzeichnet. Gerade zur rechten Zeit, zum 60. Geburtstag, erschien ein großes Buch über Mombert von Friedrich Kurt Benndorf (Wolfgang Jeß - Verlag, Dresden), das in umfassender Weise das dichterische Gesamtwerk Momberts nicht nur darstellt und analysiert, sondern auch im einzelnen kommentiert. Da dieses Buch auch zahlreiche Zitate aus Momberts Dichtungen enthält, kann es wohl als beste Einführung in eine künstlerisch und geistig höchst bedeutsame Persönlichkeit, deren Wirkung aber ihrer Eigenart gemäß nur auf einen kleinen Kreis beschränkt sein muß, dienen. Den Zusammenhang Momberts mit jüdischen Urvorstcl'ungen hat Martin B u b e r hervorgehoben, der in dem Werk ״Die Juden in der deutschen Literatur“ (herausgegeben 1922 von Krojanker «im Weltverlag) den Aufsatz über Mombert beisteuerte. Um unseren Lesern einen Begriff von Mombert zu geben, können wir uns darauf beschränken, die Einleitungsworte Bubers zu dem genannten Aufsatz zu zitieren: ״Was Mombert zu einem Phänomen der Natur und des Geistes macht, ist, daß sich durch diesen ,späten‘ Menschen eine Urkonzeption echt ausspricht, nicht als überkommener, vorgestellter, geäußerter Inhalt, sondern als die Gewalt, die Leben und Werk dieses Menschen trägt, der Grund, aus dem er wächst und dem er gehorcht. Da Ist nicht Willkür und auch nicht Bekenntnis, da ist welthafte Not- Wendigkeit; nicht Wort, das man in den Mund nimmt, sondern Wort, dem man zum Munde dient. Dieser Dichter, der von dem Gesetz der dichterischen Ueberlieferung seines Schrifttums gelöst erscheint, ist nicht gesetzlos: er steht in dem Gesetz der Urkonzeption, die sich durch ihn ausspricht. ... Es ist die Urkonzeption der Welt als Schöpfung: die Konzeption, daß die Welt geschaffen ist und geschaffen wird, und daß ihr Geschaffensein und Geschaffenwerden den im Menschen lebendigen Geist unmittelbar angeht.“ Konzert Amram Benjamin!. Eine Voraufführung der Gedächtnisfeier zum 4. Todestag Joel Engels (am 13. Februar im Beth-Am Iwri) fand im Hause des Opernsängers Noval statt. Der Initiator ist der ausgezeichnete Sänger Ben ja mini — ein junger palästinensischer Maschinenbauer, dessen urwüchsige, kraftvolle Stimme vor einigen Jahren entdeckt und dann in Berlin unter der sorgsamen Pflege und guten Zucht Olga Eisners und Herrn Novals entwickelt wurde. Benjaniini sang eine Reihe der schönsten Lieder von Engel, an denen man wieder von neuem erkennen konnte, daß dieser Komponist in der Hauptsache ein melodisches Talent war. Dieses Faktum wurde auch durch die beiden Geigensolostücke bewiesen, die der sehr begabte junge Geiger J. B e r n s t e i n mit gesunder Musikalität vortrug. Zu guter Letzt hörte ich noch die Berliner Uraufführung des ״Adagio Misterioso“, eines Trios für Klavier, Violine und Cello — Mitwirkende: J. Bernstein (Violine), M. Chavivi (Cello) und R. Chavivi (Klavier). — Die Begleitung der Gesänge hatte der gewandte Pianist Leo Dem a n t übernommen. Das jugendliche Feuer, mit dem diese jungen Palästinenser zu Ehren des sympathischen Menschen und Künstlers musizierten, war so erfreulich, daß wir nach dieser ״Generalprobe“ ein besonders schönes jüdisches Konzert erwarten dürfen. A. J.-L. Der traditionell gesetzestreue und der orthodoxe Rabbinerverband haben ״im Hinblick auf den besonderen Emst der Zeit“ für Sonntag, den 7. Adar (14. Februar), einen Fasttag ausgeschrieben. Oie Tragödie von Soroca In der letzten Sitzung der rumänischen Kammer wurden die Interpellationen des sozialistischen Deputierten Mi res cu und des jüdischen Deputierten Michael Landau über die Ermordung von fünf jüdischen jungen Leuten und ihrem rumänischen Begleiter an der beßarabisch-russischen Grenze bei Soroca in Behandlung gezogen. Die Reden Mirescus und Landaus wurden durch judenhetzerische Zwischenrufe der antisemitischen Deputierten unaufhörlich gestört, es kam zeitweilig zu außerordentlich stürmischen Szenen. Mirescu, dessen Rede auch vom Ministerpräsidenten Jorga unterbrochen wurde, kritisierte auch heftig die von General Marcovlci durchgeführte Untersuchung und legte dem Präsidium ein Memorandum vor, in welchem die Einleitung einer parlamentarischen Untersuchung gefordert wird. Staatssekretär für Inneres Ottescu erklärte, die Erhebungen hätten das Vorgehen der Grenzwache gerechtfertigt, so daß sich eine weitere Untersuchung erübrige. Die Grenzsoldaten hätten nichts als ihre Pflichtgetan. Hierauf kam es zu erneutem Lärm. Auch die rumänische Gesandtschaft in Washington hat der Vereinigung rumänischer Juden in Amerika als Antwort auf eine Frage eine Erklärung zugehen lassen, in der die gleiche Auskunft gegeben wird wie von der Regierung. Es werden in dieser Angelegenheit noch weitere Schritte ergriffen werden. Soeben erschien: Nr. 6 der jMenreihe der jOdischen Rundschau״ Dp.GusiavKPOjanKep: Zum Problem des neuen deutschen nattonansmus Eine zionistisch• Orientierung gegenüber den nationalistischen Strömungen unserer Zeit, ★ Preis 0.80 RM. zuzüglich 0.10 RM. für Porto, Zu beziehen gegen Voreinsendung des Betrages durch; ״Jüdische Rundschau*1 Berlin W VS / Meinekestrafie 10 Postscheck - Konto: Berlin Nr. 17392 Jewish Agency-Veranstaltung in Breslau. Die Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency in Breslau trat am 13. Januar mit einer ausgezeichnet gut besuchten Veranstaltung, die von Herrn Rechtsanwalt Dr. Dienstfertig geleitet wurde, zum erstenmal in dieser Arbeitssaison an die Oeffentlichkeit. Herr Berl Locker, der sich bereiterklärt hatte das Hauptreferat zu übernehmen, konnte krankheitshalber nient kommen. Der Vorsitzende verlas ein ausführliches Schreiben von ihm, in welchem die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Situation der Jewish Agency dargelegt wird. An seiner Stelle referierten die Herren Dr. Max Soloweitschik und Dr. Martin Rosenblüth. Dr. Soloweitschik gab eine interessante und aufschlußreiche Analyse des modernen Antisemitismus und sprach eingehend über die Bedeutung der jüdischen Arbeit in Palästina für die Judenheit und die Zukunft des Judentums unter besonderer Hervorhebung der Arbeiten und der Leistungen des Keren Hajessod; Dr. Rosenblüth schilderte die Entwicklung der jüdisehen Situation in der Welt (Osteuropa, Mittel- und westeuropa, Amerika) von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart und gab im Kontrast dazu ein Bild der zukunftverheißenden jüdischen Entwicklung in Palästina, Die Versammlung dankte beiden Rednern mit reichem Beifall. Brit Iwrit damit. Man schreibt uns: Das Tätigkeitsgebiet der Brit Iwrit Olamit hat während der letzten Monate sehr an Umfang gewonnen. Der Snif der B. 1. O. in Polen ist zurzeit mit der Einleitung einer großen Sela-Aktion beschäftigt. Der Monat Adar soll als ״Monat der Brit“ der Durchführung dieser, zugunsten der hebräischen Schul- und Unterrichts-Institutionen unternommenen Aktion dienen. Neue Snifim sind in Ungarn, in Kairo, in Südafrika, in Kanada, Argentinien u. a. Ländern begründet worden. In New York fand mit Unterstützung des dort weilenden Mitgliedes der Zentral-Exekutive der B. I.O., Dr. A. Rosenfeld, im Januar d. J. eine große Konferenz statt, auf der die Gründung des amerikanischen SNIF proklamiert wurde. Im Rahmen einer von den litauischen Freunden der B. I. O. unternommenen Aktion zugunsten des hebräischen Schulwerkes besuchte das Mitglied der Zentral-Exekutive, Dr. M. Soloweitschik, vor kurzem Litauen. Besonders wirkungsvoll gestaltete sich die von mehreren Tausenden besuchte öffentliche Kundgebung In der großen Kownoer Synagoge, auf der Dr. Soloweitschik in einem ausführlichen Referat die Aufgaben und Bestrebungen der B. I. O. darlegte. Begrüßenswert ist die Resolution der Revisionisten-Konlerenz in Warschau, auf der der bekannte hebräische Dichter Jacob Kahan seine Parteigenossen zur Unter- Stützung des hebräischen Kulturwerks durch den Erwerb des Sela aufrief. Die Konferenz faßte dementsprechend einen Be- Schluß, der jeden Revisionisten dazu verpflichtet, durch den Erwerb des Sela Mitglied der Brit Ivrit Olamit zu werden und sich an allen ihren Aktionen aktiv zu beteiligen. Der in Berlin gefründete Snif der B. I. O. hat für seine Tätigkeit unter der erliner Judenheit, insbesondere der Jugend, ein umfangreiches Programm ausgearbeitet und geht nun, unter Mitwirkung der B. Z. V. und der einzelnen Bezirksgruppen, an seine Verwirklichung. Es ist sehr bedauerlich, daß sowohl unsere, wie auch die durch die Z. V. f. D. ergangene Aufforderung an die zionistisehen Ortsgruppen zur Gründung von Orts-Snifim der Brit nur in wenigen Städten Deutschlands Gehör gefunden hat. Es ergeht daher nochmals der Mahnruf, die Initiative zur Gründung von Snifim zu ergreifen. Dr. Gottfried Frankel hat sich mit einer Arbeit über die Nervenphysiognomie der Insekten an der Universität Frankfurt am Main als Privatdozent habilitiert. Dr. Frankel hatte vorher anderthalb Jahre an der Universität in Jerusalem gearbeitet. Er ist der Sohn unseres bekannten Gesinnungsgenossen Justizrat Dr. Frankel (München). Eine Herzl-Biographie. Wir erhalten folgende Mitteilung: In diesen Tagen erscheint im Verlag Ralph A. Höger (Wien) ein Buch: ״Theodor Herzl. Sein Leben und sein Vermächtnis“ von Manfred Georg. Das mit zahlreichen Bildern versehene Buch schildert auf psychologisch fundierter Grundlage vom Blickpunkt der Gegenwart aus Mann und Werk und schließt mit einer Uebersicnt über die heutige zionistische Bewegung, ln einem Vorwort sind Gespräche mit Albert Einstein und Thomas Mann wiedergegeben. Das ״Berliner Tageblatt“ veröffentlicht in seinem Reiseblatt vom 5. Februar einen Aufsatz von Dr. A. Reifenberg ״Frühling in Palästina“, Ortsgruppen (Teilweise wegen Raummangel verspätet.) Beuthen (O.-S.) Am 18. Januar fand im Saale des ״Hamburger Hofs“ eine sehr gut besuchte Veranstaltung der Zionistischen Ortsgruppe statt, in welcher Herr Rabbiner Dr. Melchior einen Vortrag über das Thema hielt: ״Ist das Judentum dazu bestimmt, Weltreligion zu werden?“ Der Redner gab einen umfassenden und hochinteressanten Ueberblick über die Einstellung des Judentums und im Verhältnis zu den eschatologischen Vorstellungen der anderen Religionsgemeinschaften. An den Vortrag schloß sich eine ergiebige Diskussion. Die aufgeworfenen Fragen behandelte der Referent in einem Schluß* wort, welches in einen begeisternden Weckruf zur Pflege des jüdischen Gedankens mündete. — Am 24. Januar hielt die Wizo in den Räumen der Mamreh-Loge ihr Chamischoh ossor b'schwat-Fest ab. Den Kern der Festlichkeit bildete ein Vortrag des Herrn Direktor Isaak Pleßner aus Breslau über: ״Synagogale Melodien“. Der Vortragende behandelte die Entwicklung des Synagogengesanges und charakterisierte durch kantorale Darbietungen und durch miigebrachte Schallplatten die einzelnen Perioden. Das zahlreich erschienene Publikum ist bcgierig, von Herrn Pleßner in nicht zu langer Zeit die Fort- Setzung seiner Ausführungen und musikalischen Darbietungen entgegenzunehmen. Dortmund. Am 16. Januar sprach Herr Dr. Benjamin, Essen, vor 150 Personen über das Thema: ״Jude und Soaalisnrus“. Der Redner gab zunächst eine theoretische Darstellung des Sozialismus und dessen Entwicklung von Marx bis zum Sozialismus des 20. Jahrhunderts und schilderte dann die jüdischsozialistischen Parteien, vom ״Bund“ bis ״Hapoel Hazair״, um sich dann noch mit dem ״Geserd“ auseinanderzusetzen. In der Diskussion traten lediglich ״Geserd“-Mitg!ieder auf. Es zeigte sich in dieser Versammlung wiederum, daß diese die lokale Geserd-Propaganda möglichst harmlos betreiben möchte; die antizionistische Tendenz der Geserd-Propaganda mußte erst von unserer Seite deutlich gemacht werden. Die Versammlung hinterließ einen starken zionistischen Eindruck auf alle Teilnehmer. Duisburg. Am 21. Januar fand dieGcueralversamm- 1 u n g der Zionistischen Vereinigung statt. Herr R.-A. S i in o n , der Vorsitzende der Ortsgruppe, berichtete über die in der Berichtsperiode geleistete Gemeindearbeit, Herr Edmund Le vv über die allgemeine zionistische Arbeit. Man bemühte sien besonders um die Förderung der Jugendarbeit. Bar Kochba und ostjüdischer Jugendverein stehen unter der Leitung bewahrter Zionisten. ״Mit niclitzionistischcr Jugend wurden in einigen Privatzirkeln Aussprachen veranstaltet, die Herren Dr. Georg Landauer und Studienrat Levy Wolff hielten die einleitenden Referate. Die Ortsgruppe veranstaltete einige größere Vorträge, die alle gut besucht waren. Die Mitgliedsbeiträge wurden herabgesetzt, wie bisher ist in den Mitgliedsbeiträgen das Abonnement der ״Jüdischen Rundschau“ mit einbegriffen mit Ausnahme der Beiträge für Jugendliche. Der bisherige Vorsitzende R.-A. Simon wurde wiedergewählt, 2. Vorsitzender und Kassierer Herr Edmund Levy, 1. Schriftführerin Frau Anna Lcvy, 2. Schriftführerin Frl. Alice Löwe, Beisitzer die Herren J. Brodinger, Jul. Meyer, Jos. Waitz, M. Windmann, KKL. Frl. Kläre Rosenbaum, K. H. Dr. Harry Epstein. Die Ortsgruppenmitglieder werden regelmäßig lttägig zusammenkommen. — Am 28. Januar sprach Dr. K. Benjamin (Essen) über: ״Sozialismus und Zionismus“. Die Zusammenkünfte finden im Gemeindehaus, Junkernstr. 2, statt. Frankfurt a. M. ln einer Veranstaltung der Zionistischen Vereinigung sprach am 23. Januar Dr. Georg Landauer, Berlin, über das Thema: Zionismus — Sozialismus — Marxismus. — Die Arbeitsgemeinschaft für sozialistischen Zionismus (Poale Zlon-Hapoel Hazair) hielt am 24. Januar als Auftakt zur regelmäßigen Tätigkeit ihre erste (konstituierende) Mitglieder- Versammlung unter dem Vorsitz von Phil Rochwerg ab. Die Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft legte Kurt Loewenstein dar. Eine größere Anzahl von Gesinnungsgenossen, auch solcher, die vordem noch keiner der beiden sozialistisch-zionistischen Parteien angehörten, schlossen sich der neuen Organisation an. Das Komitee der Arbeitsgemeinschaft besteht aus Abraham Friedmann, Dr. Karl Guggenheim, Kurt Loewenstein, Dr. Hans Ponteranz, cand. phil. Phil Rochwerg. — Im Anschluß an die Konstituierung referierte Dr. Georg Landauer, Berlin, sehr eindrucksvoll über ״Die Lage der deutschen Juden im Gesellschaftskämpf der Gegenwart“. Ph. R. Guben. Am 28. Januar 1932 hielt Herr Diplom-Ingenieur Edgar Heinemann aus Hamburg auf seiner Tournee auch in Guben einen Propaganda-Vortrag über ״Krisis und Judennot״. Den Anwesenden brachte der logisch aufgebaute, glänzende Vortrag reiche Anregung und fand auch bei den Nichtzionisten reges Interesse. L. Kassel. Am 9. Januar fand hier ein Werbeabend des Brit b Ha01 im statt, auf welchem Fritz Kugel ein Referat hielt, woran sich Sprechchöre und Volkslieder anschlossen. Starken Eindruck hinterließ eine szenische Darstellung ״Die Kette der Tänze“ aus dem Werke ״Massada“ von [izehak Lamdan und die Schlußszene von ״Jeremias“ von Stefan Zweig. Kassel. Am 18., 19. und 20. Januar sprach auf drei von der Zionistischen Ortsgruppe für die gesamte jüdische Jugend Kassels veranstalteten Vortragsabenden Herr Dr. Georg Land a u e r, Berlin, über folgende Themen: ״Die geistige Situation der jüdischen Jugend in der gegenwärtigeil Krise“ — ״Politische und wirtschaftliche Probleme des Palästinaaufbaus“ — ״Zionismus — Kommunismus“. Die Ausführungen des Referenten, an die sich lebhafte Diskussionen anschlossen, fanden großen Beifall. Die Leitung der Abende hatte der Vorsitzende der Ortsgruppe, Dr. Kugelmann, übernommen. Leipzig. Nachdem von kommunistischer Seite im Laufe des letzten Jahres eine Reihe Veranstaltungen zugunsten der Geserd abgehalten worden waren, in denen die Versuche der Sowjetregierung zur Besserung der schrecklichen ökonomischen Lage der Juden allzu unkritisch dargesidlt wurden, dienten die beiden Veranstaltungen der Zionistischen Vereinigung und der Nationaljüdischen Arbeitsgemeinschaft mit Dr. Herzl Berger dazu, den entgegengesetzten Standpunkt von zionistischer und zionistisch-sozialistischer Seite in sachlicher Form der jüdischen Jugend darzustellen. 111 der öffentlichen Versammlung am 1. Dezember, die gut besucht war und mit Ausnahme eines kleinen Zwischenfalles in Ordnung und Disziplin verlief, schilderte Dr. Berger, selbst aus dem ehemaligen Rußland gebürtig, die Art, mit der sämtliche Argumente des zionistischen Sozialismus, den man vorher bekämpft hatte, von kommunistischer Seite aus übernommen worden waren, bis auf Palästina. Aut die jüdische Not außerhalb Rußlands gebe der Kommunismus die Antwort: Untergang des Judentums und Weltrevolution, während der Zionismus die Interterritorialität der jüdischen Frage begriffen habe und zu jeder Zeit und in jedem Lande für Produktivierung und kollektive Kolonisation arbeite. —■ In der Diskussion sprachen von kommunistischer Seite die Herren Hurwitz und Litwak (Geserd), von poalezionistischer und zionistischer Seite E. Schachter und Dr. Markowicz. — Der zweite interne Abend unter Leitung von Dr. Markowicz brachte viel wichtiges Material und eine rege Aussprache, an der sich besonders Vertreter des J. J.W.B., des Zeire-Misrachi und der Poale-Zion beteiligten. Mannheim. Die hiesige Ortsgruppe hat, unter erfolgreicher Mitwirkung des Herrn Jonas (Berlin) eine Keren Hajessod- Aktion durchgeführt, die trotz der Ungunst der .Wirtschaftslage