Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 46 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 10, 5. E 1932 Wir erinnern an die liberale Schulpolitik, an die Angelegenbeit des botanischen Lehrstuhles an der Universitat in Jerusalem, an die Beamtenkündigungen und Ent- Iassungen, bei denen sich in kleinlicher Weise die überalen Maßnahmen besonders gegen zionistische Angcstellte auswirkten, an die rücksichtslose Ausnützung der Mehrheit in der Repräsentanz, an die gewaltsamen Drosselungen der Diskussionen und zuletzt an die parteipolitische Hetze, die sich in das Gewand von Re- Visionen und Untersuchungs-Ausschüssen kleidete, deren Aufgabe nicht zuletzt darin von den Liberalen erblickt wurde, die vorangegangene Periode des Volksparteiliehen Regimes moralisch zu diskreditieren. Die Jüdische Volkspartei hat im Hinblick auf die Notzeit sehr oft mit dem Gefühle der Erbitterung und Emporung diese ״liberalen“ Methoden geduldet und sich der Hoffnung hingegeben, daß schließlich in den liberalen Kreisen die bessere Einsicht siegen und der Volkspartei die Möglichkeit zu einer loyalen Mitarbeit gegeben werden wird. Diese Hoffnungen haben sich leider nicht erfüllt. Gerade in den letzten Tagen sind von Führern und Sprechern der ״liberalen“ Mehrheit wiederholt Aeußefungen einer Unduldsamkeit gegenüber nichtliberalen, besonders volksparteilichen Anschauungen gefallen, die die Spannung zwischen der Mehrheit und der volksparteilichen Opposition auf ein bedenklich hohes Maß gebracht haben. In der Debatte wegen der Subvention für den Hechaluz haben die ״liberalen“ Sprecher noch viel schärfer und deutlicher als während der Diskussionen über die Oemeindezuwendung an die Hebräische Universität in Jerusalem ihre wahren Motive zum Ausdruck gebracht. Sachlich haben sie gegen die Bedeutung und den Wert der im Hechaluz geleisteten Arbeiten keine besonderen Einwendungen erhoben, sie lehnen aber die im Hechaluz herrschenden Anschauungen ab. Ein liberaler Sprecher erklärte rund heraus, daß sich seine Partei gegen den Hechaluz stelle, weil dieser auf Palästina orientiert sei und im Geiste des nationalen Judentums seine Aufgaben erfülle. Diese rücksichtslose Ablehnung von Bestrebungen, welche von zehntausenden Berliner Juden geteilt werden, ist ein Schlag gegen den Geist und den Sinn einer Einheitsgemeinde, deren Wesen doch darin bestehen muß, das gemeinsame Wohnhaus aller jüdischen Bestrebungen zu sein. Kein Mensch verlangt von den Liberalen, daß sie dem Hechaluz und zionistischen Bestrebungen Sympathie entgegenbringen. Wenn sie es mit ihren Anschauungen unvereinbar halten, sich für Tendenzen auszusprechen, wie sie im Hechaluz wirksam sind, so sollten sie bei Betonung ihres Standpunktes dennoch Rücksicht auf Gefühle von Zehntausenden von Gemeindemitgliedern nehmen, die in diesen Tendenzen jüdische und menschliche Werte erblicken, welche die Erhaltung und Verjüngung der jüdisChen Gesamtheit bezwecken. Die Liberalen haben ja auch gar nichts für rituelle Tauchbäder und für die Kaschruth-Angelegenheiten übrig gehabt Trotzdem haben sie schließlich einsehen gelernt, daß sie ihre Mehrheit nicht dazu mißbrauchen dürfen, um orthodoxen jüdischen Kreisen die Förderung ihrer Wünsche durch die Gemeinde zu versagen. Allerdings versuchen die Liberalen diese Haltung gegenüber religiös-orthodoxen Forderungen, denen sie einst so feindselig und ablehnend gegenüberstanden, jetzt damit zu erklären, daß sie gegenüber allen religiösen Richtungen duldsam sein müssen, während es sich bei den Zionisten um nationale Angelegenheiten handelt, welche sie absolut nicht zu tolerieren vermögen. Diese Argumentation beweist die Einsichtslosigkeit der liberalen Mehrheit gegenüber den Entwicklungen, die die jüdische Gesamtheit in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hat. Es ist eine leere Fiktion, heute allen Ernstes behaupten zu wollen, daß man die nationale Bewegung innerhalb des Judentums durch rücksichtslose Bekämpfung und Ablehnung in den Gemeindestuben abzudrosseln imstande wäre. Ist man jedoch dazu entschlossen, so beschwört man Kämpfe herauf, die in ihrem Verlaufe leicht dazu führen können, den Bestand der Einheitsgemeinden zu erschüttern. Man bringt durch derartige ״liberale“ Methoden, die im übrigen nicht auf Berlin beschränkt sind, —• in den letzten Tagen erlebte man ähnliches in Wiesbaden und anderen Gemeinden — beträchtliche Kreise der jüdischen Bevölkerung in Deutschland in eine Situation, die es in diesen Kreisen aus psychologischen Gründen geradezu unmöglich macht, in den jüdischen Gemeinden noch die Vertretungen zu erblicken, in denen eine Mitarbeit möglich ist. Die Jüdische Volkspartei hat mit Rücksicht auf die letzten Vorkommnisse in der Repräsentanz an den Gemeindevorstand, der ja in seiner Mehrheit auch liberal ist, die Anfrage gerichtet, ob er sich auf den unduldsamen Standpunkt der ״liberalen“ Sprecher in der Repräsentanz stellt und sich zum Vollzugsorgan dieser ״liberalen“ Anschauungen machen will. Bei der Besprechung dieser Interpellation wird sich Gelegenheit ergeben, das Problem der Einheitsgemeinde und der Zusammenarbeit aller Richtungen ausführlich zu behandeln. Das Ergebnis dieser Diskussion wird maßgebend für die weitere Haitung der Jüdischen Volkspartei werden. Schon heute läßt sich sagen, daß in der volksparteilichen Wählerschaft die größte Erbitterung gegenüber der ״liberalen“ Praxis in der Gemeindeverwaltung herrscht und daß diese Wähler mit der größten Entschiedenheit verlangen, daß die volksparteiliche Fraktion in der Gemeinde durch energische Maßnahmen der ״liberalen“ Mehrheit vor Augen führt, daß diese durch ihr Verhalten die Grundläge, auf der die Einheitsgemeinde errichtet ist, erschüttert und den Gegensatz zwischen ״liberalen“ und volksbewußten Juden in einem Maße verschärft, das die schwersten Kämpfe innerhalb der jüdischen Gemeinschaft unausweislich macht. s. n. Zur deutschen Judenfrage Zu Grabow*ky* neuer ״Politik" Dr. Adolf örabowsky, der bekannte Herausgeber der ״Zeitschrift für Politik“ und Dozent an der deutschen Hochschule für Politik in Berlin, hat soeben ein großangelegtes Werk ״Politik“ veröffentlicht, in welchem er eine Theorie und ein System der Politik entwickelt. (Verlag Späth & Linde, Berlin W 10, M. 5,20.) Dieses Werk, das die Grundprinzipien politischen Denkens und Handelns klarzustellen und gegenüber andersgearteten Lebensgebieten abzugrenzen versucht, kommt gerade in dieser Zeit eines gesteigerten politischen Interesses sehr gelegen und ist geeignet, zu einer Besinnung auf das Wesen der Politik beizutragen, bei der man heute häufig Dilettantismus und Unerfahrenheit, sowie Mangel an theoretischer Schulung geradezu für einen Vorzug hält. Auch wer Grabowskys Anschauungen nicht in allem teilt, wird anerkennen müssen, daß hier ein geschlossenes geistiges Gebäude vor uns steht, mit dem man sich auseinandersetzen muß. Grabowsky begnügt sich aber nicht mit einer Prinzipienlehre der Politik, sondern im zweiten Teil seines Buches, das offenbar als eine Art Lehrbuch gedacht ist und dementsprechend auch in dem Handbuch ״Die Beamten-Hochschule“ erschienen ist, behandelt er die aktuelle deutsche Politik. Als letztes Kapitel des Ab- Schnittes ״Innere Politik“ bespricht er hier die Judenfrage. Auf den knapp vier Seiten, die diesem Gegenstand gewidmet werden, kann Grabowsky natürlich nicht die gesamte Judenfrage in ihren Zusammenhängen und ihrem Wesen auf rollen, sondern er beschäftigt sich damit nur insofern, als hier ein Element der deutschen Politik vorliegt, das im heutigen Deutschland eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt. Da der Verfasser trotzdem Wert darauf legt, den tieferen Ursachen dieses Problems nachzugehen, ergibt sich notwendigerweise ein etwas fragmentarischer Charakter seiner Ausführungen. Ohne sich auf die Erörterung der ״Rassenfrage“ einzulassen, stellt Grabowsky fest, daß es eine bestimmte jüdische Mentalität gibt, die er folgendermaßen charakterisiert: ״Der Jude ist betont diesseitig und unmetaphysisch. . . . Die jüdische Lebensauffassung ist optimistisch, tragischem Heroismus und überhaupt der Tragik nähert sich der Jude ungern. . . . Dazu kommt, daß sein langes Fernsein vom Staatserlebnis ihn überhaupt unempfänglich gemacht hat für Kollektivitäten, ausgenommen diejenigen, die ihn unmittelbar angehen, wie die Familic oder die Religionsgemeinschaft. So ist er der typische liberale Fortschrittler geworden. . . . Angesichts dieser Eigenschäften kann man den Juden kaum einen typischen Orientalen nennen, und schon hieraus sollte man ersehen, wie vorsichtig man mit den Rassentheorien sein muß.“ Nicht nur mit den Rassentheorien, sondern auch mit Völker- Psychologien dieser Art sollte man unseres Erachtens vorsichtig sein. .Die׳Charakteristik von, Grabowsky bewegt sich airfden Bahnen einer hergebrachten Meinung, gegen die oft genug die Gegenbeweise erbracht worden sind. Wichtiger aber als diese Einleitung sind seine Darlegungen über das Verhältnis der verschiedenen jüdischen Typen in Deutschland zum deutschen Staatsgedanken. Entsprechend seiner grundsätzlichen konservativen Einstellung verwirft Grabowsky den Typus des jüdischliberalen Assimilanten, als dessen bezeichnendste Erscheinungen er auf der einen Seite den modernen ״anarchistetaden Literaten“, auf der anderen Seite den philiströs-bürgerlichen Juden sieht. Diesem liberalen Juden steht der Zionist gegenüber, der mit den geschichtlichen Gewalten und gesellschaftlichen Kräften stärker vertraut ist und einen größeren Enthusiasmus besitzt. Nach Grabowskys Meinung sind die Zionisten nicht geschichtsschaffend genug, um ein neues Gemeinwesen einrichten zu können und ״haben aus diesem Grunde in Palästina versagt“. Aber im Vergleich zum liberalen, losgelösten Judentum sind sie als viel positivere Kräfte anzusprechen und könnten daher auch in Deutschland zu den staatsaufbauenden Elementen zählen, wenn sie, wie Grabowsky meint, eben nicht Zionisten wären. Es ist interessant zu beobachten, wie ein Schriftsteller, der Politik nicht auf Grund abstrakter Deduktionen, sondern auf dem Boden der Geschichte, mit voller Berücksichtigung der als Realitäten vorhandenen geschichtlichen Kräfte, gemacht wissen will, bei der Beurteilung konkreter Fragen, hier der Judenfrage, doch in jene Geisteshaltung hineingerät, die er selbst in andern Fällen verwirft. Denn seine Theorie, wonach der zionistische Jude als aktiver deutscher Staatsbürger zu bejahen wäre, wenn er — nicht Zionist wäre, gibt keine Aussicht auf eine Lösung der Frage, sondern ist nur eine neue geistreiche Fiktion. In Wahrheit ist eben auf Grund der jüdischen Geschichte, die diese bestimmten Teile der Juden nach Deutschland geführt und hier dem deutschen Leben eingefügt hat, der Jude eindeutig determiniert, und er kann kein anderes Geschichtsbewußtsein haben, als das s e i n e r Geschichte, also ein jüdisches, wenn dies Bewußtsein echt sein soll. Grabowsky glaubt — im Gegensatz zu seiner sonstigen Anschauung — gerade bei Juden, daß es ihnen möglich ist, eine aus der ״Erkenntnis“ einer Notwendigkeit, aus ״Vernunft“ und Ueberlegung konstruierte Position nun auch wirklich einzunehmen. Warum versagt gerade hier Grabowskys Sinn für die Digftität des Historischen und Volkhaften? Die Aufgabe des schöpferischen Politikers, der an die Judenfrage herangeht, ist nicht die, ein Wunschge bilde aufzu steilen, nämlich das eines geschichtsbewußten Juden, der nun deutsches Geschichtsbewußtsein hätte, Sondem aus dem nun einmal gegebenen Material das beste auch für den deutschen Staat nützlichste zu machen. Dies besteht aber augenscheinlich darin, das Staafegefuhl, das Verständnis für geschichtliche Kräfte, das im Juden, und zwar gerade im zionistischen Juden, auf Grund seiner Verbundenheit mit der jüdischen Geschichte und den jüdischen Hoffnungen vorhanden ist, auch für das deutsche Gemeinwesen nutzbar zu machen. Ein in seiner Vergangenheit und in der Treue zu seiner Blutgemeinschaft wurzelnder Jude wird auch in dem Staat, dem er angehört, ein nützlicher und wertvoller Bürger sein. Man wird dann bei dem Juden, dem dieses Verhältnis gleichfalls besondere, nicht immer verstandene Pflichten auferlegt, neue staatsbejahende Kräfte!wecken und das Verhältnis von Juden und Nichtjuden könnte durch das erlösende Gefühl einer nicht diffamierenden Wahrhaftigkeit entgiftet werden. Abei־ man wird dieser spezifischen Situation nur dann gerecht werden, wenn man sie eben in ihrer unvergleichlichen Eigenart erkennt und würdigt. Daß dies ein Abweichen von der allgemeinen Schablone fordert, ist nicht zu leugnen; aber gerade dies kann man sich im Falle des Judentums nicht ersparen. Gewiß müssen Deutschtum und Judentum, wie Örabowsky betont, zu einer wahren Symbiose gelangen. Wenn aber Örabowsky meint, der Zionismus habe ״die Aufgeschlossenheit des deutschen Judentums für das Deutschtum“, sein ״Verständnis für das deutsche Wesen“ vermindert, so spricht er hier einen offenkundigen Irrtum aus. Der Zionismus hat deutsche Juden, die Zionisten wurden, zu einem Verständnis des deutschen Wesens und der deutschen Geschichte befähigt, das vorher nicht vorhanden war. Während assimilatorische Juden alle deutschen Aeußerungen nur unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses zu ihnen selbst, also gewissermaßen opportunistisch betrachten mußten, weil sie darauf angewiesen waren, eine bestimmte Art Deutschtums, die sich nach ihrer Meinung mit ihrem Assimilations-Judentum vertrug, zu proklamieren, hat erst der postassimilatorische zionistische Jude das Deutschtum mltvollerUnbefangenheit aufzunehmen vermocht. So z. B. haben Zionisten schon vor 25 Jahren die Werke der großen nationalen deutschen Denker und Schriftsteller ״entdeckt“. Man hat aus Fichtes Reden, aus Lagardes Deutschen Schriften ,aus Ulrich von Hutten, ja aus den deutschen Mystikern Verständnis für Volkstum, für charakterliche Haltung, für die geheimnisvollen Mächte der Verbundenheit und nationaler SchöpferiscKkeit geschöpft. Wir haben also hier in einem gewissen Sinne das umgekehrte Verhältnis wie das von Grabowsky gewünschte: Aus deutschen Quellen wurde jüdischer Nationalismus gespeist, und wir glauben, daß dies die einzige anständige und wertvolle Beziehung zwischen deutschem und jüdischem Nationalismus sein kann, weil sie von der Affektbelastung der assimilatorischen Position befreit ist. Aus einer solchen Beziehung kann echtes Verständnis erwachsen, und es ist trotz der ungeheuren Erschwerungen, die der deutsche Antisemitismus mit sich bringt, auch heute bei zionistischen Juden zumindest in demselben Maße vorhanden wie bei den von Örabowsky sogenannten ״deutsch-empflndenden“ Juden. Die Meinung, daß der geschäftliche Niedergang des deutschen Judentums darauf zurückzuführen wäre, daß die deutschen Juden infolge des Zionismus sich in geschäftlichen Dingen zu wenig auf deutsche Bedürfnisse einstellten, zeugt von einer Naivität gegenüber ökonomischen Vorgängen, die wahrscheinlieh auf die einseitig politische Denkungsart Grabowskys zurückzuführen ist. Die Diskussion der deutschen Judenfrage ist durch Grabowskys diesem Thema gewidmetes Kapitel nicht entscheidend gefördert worden, obwohl er vielleicht der Mann wäre, auch diese Frage mit entdeckerischem Elan anzupacken und unter prinzipiell neuem Aspekt zu behandeln. Er hat die Gelegenheit versäumt, in den deutschen Kreisen, die sein Buch studieren werden, Verständnis für die spezifische Eigenart des Juden- Problems zu erwecken. Dies ist um so mehr zu bedauern, als er nahe daran war, den fruchtbaren Gedanken der Notwendigkeit der Anerkennung eines jüdisch-geschichtlichen Sonderbewußtseins zu verwerten. Aber da er mitten auf diesem Wege stecken blieb, ist für die Klärung des Problems nur wenig geleistet worden. . .!»״..״. -a*׳b« Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten Polens Am 31. Januar wurde im großen Saal des Theaters Nowoszci in Warschau die 10. Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten des ehemaligen Kongreßpolens in Anwesenheit von 334 Delegierten unter dem Vorsitz vdn J. Grünbäum eröffnet. Es handelt sich eigentlich nur um eine Rumpfkonferenz, da sowohl die Revisionisten als auch die Partei ״Eth Liwnoth“ beschlossen haben, sich nicht daran zu beteiligen, so daß im wesentlichen nur die Anhänger der herrschenden Gruppe ״Al Hamischmar“ (Grünbaum- Gruppe) vertreten waren. Doch hob Grünbaum in seiner Eröffnungsrede mit Befriedigung hervor, daß auch mehrere ״Eth Liwnoth“-Gruppen trotz des Beschlusses ihres Zentralbüros an der Konferenz teilnehmen. Die Konferenz repräsentiert also nicht, wie z. ß. der Delegiertentag in Deutschland, den gesamten Zionismus Polens, sondern nur einen Teil der Allgemeinen Zionisten, da die Sonderverbände (Misrachi und Arbeiterparteien) ohnedies nicht organisatorisch mit dem Landesverband verbunden sind. Außerdem handelt es sich auch geographisch nur um einen Teil Polens, nämlich das ehemalige Kongreßpoien, während die neuhinzugekommenen Landesteile, vor allem Ostgalizien und Westgalizien, wo starke zionistische Organisationen noch aus der österreichischen Zeit bestehen, selbständige Verbände bilden. Eine Vereinigung dieser geographisch getrennten Gruppen war, wie auch Grünbaum in seiner Eröffnungsrede wieder betonte, vor allem wegen der Meinungsverschiedenheiten in Fragen der polnischen Landespolitik unmöglich. Die Zionistische Exekutive hat an die Konferenz ein Begrüßungsschreiben gesandt, worin sie sich über die gegenwärtigen aktuellen politischen Probleme äußert und einen Appell an die polnischen Zionisten richtet, der zionistischen Arbeit treu zu bleiben. Nach dem Bericht der Wahlkommission haben sich 18644 Wähler in 318 Städten an den Wahlen zur Konferenz beteiligt. Grünbaum hielt ein großangelegtes Referat über die politische und wirtschaftliche Lage der Juden in Polen, worin er dafür eintrat, daß der jüdische Sejm-Klub eine scharfe oppositionelle Haltung gegenüber der Regierung einnehme. _ In einem zweiten Referat äußerte sich Grünbaum zu den zionistischen Fragen, worin er für eine verstärkte politische Arbeit auch in den arabischen Ländern eintrat Offizielles Commn11!qa£ Ober deo Freoch -Bericht Jerusalem, 2. Februar. (J-T. A.) Die Palästina-Regienmg veröffentlicht ein Communiquc betreffend den French- Bericht, das — ähnlich dem bereits mitgeteilten Communique des Colonial Office in London — oie Mitteilung enthält, daß French bereife einen einleitenden Bericht dem High Commissioner unterbreitet hat und daß ein detaillierter Berieht von French, der sich mit den unmittelbaren Problemen der Landentwicklung befassen wird, im Verlauf des Monats März zu erwarten ist. Beide Berichte würden dann der Exekutive der Jewish Agency und der Arabischen Exekutive übergeben werden, damit diese Gelegenheit erhalten, ihre Bemerkungen zu den Vorschlägen zu machte, bevor die englische Regierung ihn zum Gegenstand einer Beschlußfassung macht Diese Information, heißt es in dem Communiqud, hat der High Commissioner kürzlich der Exekutive der Jewish Agency und der Arabischen Exekutive gegeben.