Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur deuisdien Judenfrage Einzelnummer OßS Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreisbei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. AtwsIand^aHot1n«m©ntg werden in der Währung der einzelnen Lander berechnet Anzeigenpreis: 8 gesp. NcmpareilWeÜe 0.50 Ck-M. Stellengesuche 0,25 G-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. h. H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Postscheck - Konten : Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 680 32, Brüse»! 39433, Budapest 69693, Danzig 1973, Haag J40470, Prag 59410, Riga 4155, Strasburg, 164 30, Warschau 190708. Wien 156030. Bank ־Konten: Dartnstädter- und Nationalhank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfiirstendatmri 52: Rumänische Kreditbank, Cemauri (Rumänien); Angln Palestine Co. m Haifa, Jerusalem, Tel -Aviv Nummer 10 | Berlin, 5.11.1932 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ח שבם תרצ״ב | xxxvii. Jahrg. Dar Zionismus arslrabt für das Jüdische Volk die Schaffung einer üffentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Ilm die EfiUielfsäemeinde Makkabiah Tel-Awiw 1932 Der Makkabiah entgegen Von Dr. Hermann Leiewer. Die jüdische Welt ist um eine neue Institution reicher geworden. Dieses Jahr zum ersten Male soll, vom Mikkabi-Weltverband organisiert, in Palästina ein jüdisches Weltsportfest, ״Makkabiah“ genannt, stattfinden. Aus fast allen Ländern der Welt werden sich in den letzten Tagen des März jüdische Sportler und Turnerin Tcl-Awiw zusammenfinden, um im friedlichen Wettkampf ihre Kräfte zu messen. Die höchsten sportlichen Makkabi-Ehren sollen in Zukunft in Palästina erworben werden. Die Hauptwesensseite der geplanten Veranstaltung ist nicht allein nach turnerischen und sportlichen Gesichtspunkten, sandern nach zionistischen zu werten. Die Makkabiah wird von zionistischer Gesinnung getragen. Sie bedeutet ein neues zionistisches Fest und damit einen Schritt weiter in unserem Bestreben, neue Formen und neue gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Ob die Makkabiah ein Erfolg wird, hängt deshalb im wesentlichen davon ab, ob die Makkabibewegung in aller Welt dieser Aufgabe zionistisch gewachsen ist. Seitdem die Zentrale des Makkabi-Weltverbandes vor drei Jahren nach Berlin verlegt wurde, hat diese bewußt die zionistische Einstellung der Bewegung unterstrichen. Während man bis zu dem großen Turntag in Mährisch^Ostrau 1029 kaum — von einigen Ausnahmen abgesehen — von einer zionistischen Entwicklung innerhalb des Makkabi sprechen konnte und keinerlei festgefügte Organisation vorhanden war, hat das im Jahre 1929 nach Berlin verlegte Präsidium sich mit aller Konsequenz die Durchführung eines ״Dreijahresplanes“ zur Aufgabe gestellt, als dessen Schlußstein die erste Makkabiah in Palästina gesetzt war. Der dahinführende Weg wurde planmäßig beschriften. Auf Mährisch-Ostrau folgte Antwerpen. Auf Antwerpen London. Auf London wird die Makkabiah folgen. Natürlich werden die politischen und wirtschaftlichen ErseMitteningen auch auf■ die Makkabiah stark■ ׳sbfärbea. Sie wirdtrotz der unablässigen Vorarbeit, die in der Stille gelastet wurde, in viel kleinerem Rahmen vor sich gehen, als man ihn sich für die erste Makkabiah unter anderen Zeitverhältnissen erträumt hatte. Dennoch übersteigt die Teilnehmerzahl, trotz der ungcheuerlichen allgemeinen und im besonderen spezifisch jüdischen wirtschaftlichen Not, voraussichtlich alle Erw׳artungcn. Allein an Fußballmannschaften haben außer Palästina Amerika, England, Australien, Polen, Rumänien, Litauen, Syrien und Aegypten Jewish Agency und Kolonialamt Wie die J.T.A. berichtet, besuchte Dr. Brodetsky am 2. Februar in Begleitung des Präsidenten des Councils der Jewish Agency, D’A vigaorGoldsmid, den Staatssekretär für die Kolonien, Sir Philipp Cunlif f e-Lister, um mit ihm die Probleme Palästinas zu besprechen. Der Unterhaltung wohnten der ständige Unterstaatssekretär für die Kolonien, Sir Samuel Wilson und der Leiter des Ostdepartments des Kolonialamtes, A.C.C. Parkinson, bei• Zunächst wurde zu den Fragen des Landentwickiungsplanes und der Bodenprobleme Palästinas der Standpunkt der Agency grundlegend dargelegt. Weiter wurden die noch unverwfrklichten Telle des MacDonald-Briefes erörtert, besonders die Frage des jüdischen Anteils an den öffentlichen Arbeiten und ihre Wirkung auf die Höhe der Arbeitereinwanderung. Wie die J. T. A. erfährt, hatte die mehr als einstündige Unterredung positive Ergebnisse. Dieser Unterredung schloß sich eine auf Einzelheiten eingehende Unterhaltung mit den ständigen Beamten des Kolonialamtes über kleinere Angelegenheiten an. Dr. Brodetsky hatte am 2. Februar auch Besprechungen mit dem Vorsitzenden des Parlamentarischen Palästina-Komitees, Cot. Buchan, über die künftige Tätigkeit des Komitees. Jüdische Reichsvertreiung. Der Pieuß. Landesverband Jüdischer Gemeinden teilt mit: Die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände des Deutschen Reiches trat am 31. Januar in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Um auch an der zentralsten Stelle, von der den etwa kommenden Ereignissen am wirkungsvollsten entgegengetreten werden kann, ein besonderes Organ zu besitzen, das hierzu berufen und legitimiert ist, hat die Reichsarbeitsgemeinschaft den Beschluß gefaßt, zur Vertretung der jüdischen allgemeinen Interessen bei den öffentlichen Stellen im Reiche eine Reichs Vertretung zu schaffen, in diese soll der Preußische Landesverband 6, die süddeutsche Arbeits- .Gemeinschaft 4 und die übrigen Landesverbände 3 Mitglieder abordnen, auch sollen ihr 2 Rabbiner angehören. Diese Reichs- Vertretung soll in geeigneten Fällen mit anderen sich über das Reich erstreckenden jüdischen Organisationen, insbesondere mit dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Zusammenwirken. — Diese Reichsvertretung kann natürlich nur eine provisorische Regelung des Problems ״Reichsverband der deutschen Juden“ bedeuten. Durch die Konstituiemng der Reichs Vertretung ist die Voraussetzung geschaffen, daß die in der Gegenwart brennend« Frage des jüdischen Rechtschutzes von einer zentralen, wirklich legitimierten Stelle wahrgenommen wird. Die Entwicklung der Verhältnisse hat dazu geführt, daß im Sinne der seit jeher von uns vertretenen Forderungen sich die gewählten Führer der einzelnen Landesverbände dazu entschließen mußten, in Anbetracht der politischen Lage einen Aufgabenkreis zu übernehmen, dem sie bisher ängstlich aus dem Wege gegangen sind. gemeldet. Aus Deutschland werden vor allem Hockey-, Handball- und Leichtathletikmannschaften teilnehmen. Die Belebung der Palästinatouristik tritt schon jetzt in Erscheinting. Wie jedes Sportfest im allgemeinen, übt diese Veranstaltung im besonderen einen außerordentlichen Reiz auf weiteste Kreise aus. Ebenso wie zur Einweihung der Universität 1925 wird ein Strom von ״Schlachtenbummlern“ in das Land kommen. Die Einwirkung auf den Makkabi und seine Arbeit in den nächsten Jahren ist unabsehbar. Die Makkabiah, als neue zionistische Institution, macht die in unserer Epoche überaus populäre Sportidee für die zionistische Erziehung propagandistisch nutzbar. Es wird eine persönliche Verbindung der Makkabim und Makkabioth mit Palästina hergestellt und damit das echte Band jüdischen Gemeinschaftsgefühls geknüpft. All die Hunderte, die das Land, seine Menschen und den Erfolg eiserner Arbeit gesehen haben, werden hoffentlich in Zukunft den Vortrupp der zionistischen Arbeiter bilden. Wichtiger als alles Reden ist der Anschauungsunterricht. Er knüpft das persönlichste Band zwischen dem Galuthmenschen und dem Palästinenser und schafft erst den wirklichen praktischen Antrieb zu aufopfernder, hingebender Kleinarbeit. Erfreulicherweise hat die Palästina-Regierung außerordentliehe Erleichterungen zur Durchführung der transporttechnischen Aufgaben gewährt. So tritt für alle Teilnehmer eine 50׳״oigc Eisenbahnermäßigung auf den palästinensischen Eisenbahnen ein. Dankbar registriert sei auch die moralische Unterstützung der Exekutive der Jewish Agency. Hoffentlich werden unter dem Eindruck der geeinten Sportfront der Galuth auch die Gegensätze zwischen ״Makkabi“ und ״Poel“ verschwinden. Unsere Menschen kommen nicht nach Palästina, um berausfordernd ihre Geschlossenheit zu demonstrieren. Sie demonstrieren den Frieden. Sie laden alle Bevölkerungsteile Palästinas mit altjüdischer Freundschaftsgeste in ihre ״Zelte“. So werden Mandatarmacht, Gesamtbevölkerung und die ganz? Welt der impoai&endmi׳ ■Wirkung dfc*lplW#tcr jüdischer Messeben ,*us fast allen Teilen der Welt teilhaftig werden. Von dieser Makkabiah kann ein Neuaufbruch der gesamten zionistischen Jugend ausgehen. Die Makkabim kommen ins Land, um den Chaluzim in brüderlicher Gesinnung die Hand zu drücken. So schafft die Makkabiah hoffentlich ein echtes Bundnis zwischen Makkabim und Chaluzim. (Weitere Makkabiah-Nachrichten im Innern der heutigen Ausgabe der ״J. R.“> Die Bedeutung des American Palestine Committee ״New York Times“ veröffentlicht Aeußerungen von Dr. Seren Andrews, der amerikanischen Autorität für Mandatsfragen, der — anknüpfend an die jüngst erfolgte Bildung des American Palestine Committee und die Pressemeldungen über den Inhalt des Berichtes des Palästinalandentwicklungsdirektors French, der angeblich eine Befürwortung des Verbots der Bodenerwerbung durch Juden enthält das besondere Interesse der Vereinigten Staaten an der Durchführung des Mandats und der Erfüllung des Versprechens hinsichtlich der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina hervorhebt. Dr. Seren Andrews schreibt u. a.: ״Indem wir dem Afandat Englands über Palästina unsere spezielle Zustimmung gegeben haben, erhielten wir das Recht, auch über die Art, in der dieses Mandat zur Durchführung elangt, etwas zu sagen. Diese unsere Autorität haben wir ereits zum Ausdruck gebracht und spezifiziert in der vom Repräsentantenhaus und dem Senat der Vereinigten Staaten im Jahre 1922 angenommenen Palästina-Resolution, in der besonders von der Errichtung des Jüdischen Nationalheiins in Palästina die Rede ist. Diese Politik der Vereinigten Staaten erhielt zuletzt einen bestimmteren Umriß durch die Gründung des American Palestine Committee, die offiziell vom Präsidenten Hoover, dem Vizepräsidenten Curtis und dem Richter beim obersten Gerichtshof Stone gutgeheißen wurde. Die Vereinigten Staaten haben sich somit bereits zweimal auf eine Politik festgelegt, die auf eine Begünstigung der zionistischen Ziele hinausläuft: die Vereinigten Staaten wollen auf der Durchführung dieser Politik bestehen. Im Lichte dieser Situation kommt der am 17. Januar in Washington veranstalteten Aussprache über das Jüdische Nationalheim erhöhte Bedeutung zu. Das jetzt aktuelle palästinensische Bodenproblem, schließt Andrews, beansprucht in diesem Zusammenhang erhöhte Aufmerksamkeit.“ Berlin—New York. Der Vorsitzende des Deutschen Komitees Pro Palästina, Graf Bernstorff, hat an das kürzlich in Amerika gegründete American Palestine Committee eia Begrüßungsschreiben gerichtet, worin der Genugtuung über die erfolgte Gründung dieses Komitees Ausdruck gegeben wird. Graf Bernstorff informiert das amerikanische Komitee über Aufbau und Ziele des deutschen Komitees und spricht den Wunsch aus, daß die beiden Organisationen in Kontakt bleiben und gemeinsam an der Erreichung des gemeinschaftlichen Zieles, der Förderung des Jüdischen Nationalheims in Palästina, arbeiten. _ High Commissioncr Wauchopc traf am 1. Februar in Kairo ein und wurde von König Fuad empfangen. Am Abend des 1. Februar fand zu Ehren Wauchopes ein Dinner statt, dem prominente ägyptische Politiker und eng- Hsche Persönlichkeiten beiwohnten. Am 2. Februar kehrte Wauchope im Flugzeug nach Jerusalem zurück. Seit den erbitterten Kämpfen zwischen der liberalen und orthodoxen Richtung in den Gemeindestuben Deutschlands, als deren Folge ein Teil der Orthodoxen sich von den Einheitsgemeinden löste und in Trennungsgemeinden organisierte, sind viele Jahre verstrichen. Die durch liberale Unduldsamkeit hervorgerufene Spaltung war für die überwiegende Mehrheit der deutschen Juden eine Warnung und eine Lehre, und der Gedanke der Einheitsgcmeinde wurde ein iti jüdischen Kreisen allgemein hochgehaltener Begriff, an dem zu rütteln sich keine Richtung mehr getraute. Die tiefgreifenden Gegensätze innerhalb der deutschen Judenheit haben sich seit der Zeit des liberal-orthodoxen Streites inhaltlich grundsätzlich gewandelt. Die Scheidung der jüdischen Geister vollzieht sich jetzt nicht mehr nach dem Gesichtspunkt ״liberal“ oder ״orthodox“, sondern nach der Stellungnahme zu bewußtem jüdischen Volkstum. Diese zieht sich quer durch religiös-liberale und religiös-orthodoxe Schattierungen des deutschen Judentums. Die Schärfe des Gegensatzes ist jedoch nicht geringer als ehemals die Spannung zwischen Liberalen und Orthodoxen. Die gegenwärtige Mehrheit der Berliner Jüdischen Gemeinde hat nach dem kurzen Intermezzo des unter volksparteilicher Führung stehenden Regimes eines Blockes aus Zionisten, Mittelparteilern und Konservativen ihre Herrschaft in einer Zeit schwerer Gefährdungen politischer und wirtschaftlicher Art angetreten, die sich besonders stark auf die jüdische Gemeinschaft auswirken. Die jüdische Schicksalsgemeinschaft ist durch den Druck der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung eine Notgemeinschaft geworden. Diese Sachlage verlangt von der Führung der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands, die vorbildlich für alle übrigen Gemeinden im Reiche ist} ein besonders hohes Maß von Verantw׳ortfichkÄ^efftM־.’,**Dift ist die größte Einheitsgemeitlde im Reiche und limmW alle innerhalb der deutschen Judenheit vorhandenen jüdisch-politischen Richtungen. Die liberale Richtung verfügt über eine starke Mehrheit, und es ist begreiflich, daß sie diese Gegebenheit im Sinne ihrer Anschauungen zu nützen bestrebt ist. Man kann es also verstehen, daß die Liberalen sich bemühen, alle Tendenzen zu fördern, die ihren Anschauungen entsprechen, und man muß sich mit der Tatsache abfinden, daß die liberale Mehrheit im Vorstand und in der Repräsentanz für Bestrebungen, die den liberalen Auffassungen nicht entsprechen, keine Sympathie aufbringt. Es wäre naiv, zu verlangen und zu erwarten, daß die unter liberaler Führung stehende Gemeindeverwaltung die Interessen der nichtliberalen Riehtungen in der Gemeinde mit der gleichen Liebe behandein und ebenso fördern würde, wie ihre eigenen Be- Strebungen. Was man aber innerhalb einer Einheitsgemeinde zu fordern berechtigt ist, kann in nachstehender Formel ausgedrückt werden: Rücksichtnahme auf positiv jüdische Bestrebungen aller Rieht u ngen, auc h wenn sie nicht in d a s ״liberale“ Parteiprogramm 11 i n c i n p a s s e n. ln der schweren Lage, in der sich die Judenheit in Deutschland und ihre Gemeinden befinden, muß der Gesichtspunkt der reinen Parteiherrschaft hinter der Einsicht zurückt reten, daß es sich darum handelt, alle, vom jüdischen Standpunkte aus gesehen, erhaltender! und aufbauenden jüdischen Tendenzen zusammenzufassen und zu gemeinsamer Arbeit zu verbinden. Wohl ist die Struktur der Jüdischen Gemeinden in Deutschland nicht eine freiwillige. Im Grunde genommen aber ist die Anteilnahme an der Gemeindearbeit für die einzel- 11 en Richtungen nur in den Fällen selbstverständlich und möglich, wenn diese Richtungen die Empfindung haben, daß sie innerhalb des Gesamtrahmens die Voraus- Setzungen für diese gemeinsame Mitwirkung besitzen. Dies ist jedoch nur dann der Fall, wenn die grundlegenden Programmpunkte dieser Richtungen Duldung und Berücksichtigung erfahren und nichts seitens der Gemeindeverwaltungen unternommen wird, was diesen Richtungen die Freude an der Mitarbeit restlos vergällt. Vom Standpunkte der Jüdischen Volkspartei aus konnte man nach dem Wahlsiege der Liberalen in Berlin nicht erwarten, daß die neue Mehrheit volksbewußte jüdische Bestrebungen in der Gemeinde fördern wird. Was man aber für selbstverständlich halten mußte, war, daß diese neue Mehrheit gewisse Angelegenheiten, die einem großen Teile der jüdischen Bevölkerung wesentlieh und teuer sind, respektieren werde. -Diese. Erwartungen sind jedoch in keiner Weise erfüllt worden. Seitdem die liberale Mehrheit am Ruder ist, hat sie sehr oft überflüssiger,weise und geradezu provokatorisch! die Empfindungen der Jüdischen Volkspartet brüskiert.