Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1932-01-29 · Heft 8 (29.1.1932) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 8 (29.1.1932)
Date
1932-01-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653348-2653364--22800-2681072
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 38 JÜDISCH E RUNDSCHAU Nr. 8, 29.1.1932 Der Landentwiddungsplan Gerüchte um den French •Bericht Bei der Inkraftsetzung des Landentwieklungsplanes für Palästina wurde bestimmt, daß der Landentrwicklungs-Kom• missar seinen «raten vorläufigen Bericht bis zum 31. Dezember der Regierung unterbreiten soll. In der Instruktion, die ln London und Jerusalem am 20. Juli 1931 amtlich verlautbart wurde, heißt es: ״Der Landentwicklungsdirektor wird Kostenvorannchläge sowie Vorschläge über durchzuführende Arbeiten nach ihrer Berücksichtigungswürdigkeit geordnet ausarbeiten und spätestens bis Dezember 1931 dem High Commissloner einen Bericht hierüber vorlegcn. Der High Commissloner wird diesen Bericht überpräfen und vor Erstatt un g von Vorschlägen an die Regierung die Jewisli Agency und die Arabische Exekutive einladen, Bemerkungen zu den praktischen Vorschlägen des Planes zu machen. Er wird innen ferner Gelegenheit geben, Vor* Stellungen bezüglich solcher Vorschläge zu erheben, über die zwischen dem jüdischen und dem arabischen Ratgeber des Landentwicklungsdirektors noch keine Uebereinstlmmung erzielt wurde. Der Bericht des Landentwicklungsdirektors wird vom High Commissioucr gleichzeitigmitdenetwaigen Vorstellungen der Jewish Agency oder der Arabischen Exekutive der britischen Regierung übermittelt werden, die entscheiden wird, ob die Vorschläge des Berichtes, resp. welche von ihnen, berücksichtigt werden sollen und in welcher Weise dies zu geschehen hat. Das Gesetz über die Garantie der Landentwicklungsanleihe wird erst, nachdem der Bericht des Landentwicklungsdirektors bei der Regierung eingetroffen und gemeinsam mit den von jüdischer oder arabischer Seite erhobenen Vorstellungen überprüft sein wird, erledigt werden.“ Bekanntlich sind inzwischen Ereignisse von einschneidender Bedeutung eingetreten, die den ursprünglichen Plan ins Wanken gebracht haben. Die Finanzkrise in England, die im September zu einem Verlassen der Goldwährung führte, hat die von der Regierung geplante Palästina-Anleihe von 2>/3 Millionen Pfund in Frage gestellt. Obwolil der Plan offiziell nicht fallen gelassen wurde, so zweifelt man doch, ob die Rogierung in ihrer jetzigen Lage ein Garantie-Gesetz für eine solche Anleihe im Parlament einbringen kann. Es ist daher mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der Landentwicklungsplan nicht in seiner ursprünglichen Form, die die Investierung eines großen Kapitals zwecks systematischer Erschließung, Intensivierung, Ausnutzung der Wasser- Vorräte usw. vorsah, zur Durchführung gelangen wird, sondem nur innerhalb gewisser durch die finanziellen Möglichkeiten gesetztenGrenzen. Mit Rücksicht darauf ist auf jüdischer Seite besonderer Nachdruck auf die Forderung gelegt worden, daß bei den Aufwendungen die jüdische Siedlung in gleicher Weise berücksichtigt wird wie die arabische. Da die erste Arbeit des Landentwicklangsdirektors French darin bestand, ein Verzeiehnis der ״landlosen Araber“, d. h. im Sinne des Mac Donald-Briefes: der durch jüdische Bodenkäufe landlos gewordenen und nicht anderweitig versorgten Araber, anzulegen, so besteht die Besorgnis, daß ganz automatisch die Maßnahmen sich zunächst auch lediglich auf diese Araher beziehen könnten, wodurch der jüdische Anspruch, der im MäcDonald-Brief ausdrücklich anerkannt und in der Instruktion vom 20. Juli eindeutig hervorgehoben wird, verkürzt würde. Es ist anzuuehmen, daß die Jewish Agency, für die der Landentwicklungsplan jetzt die zentrale politische Angelegeaheit ist, sowohl der Londoner Regierung als auch der Palästina-Regierung, die in dem neuen High Commissioner ein anscheinend unvoreingenommenes und energisches Oberhaupt erhalten hat, die jüdische Auffassung eingehend dargelegt hat. Die Instruktion spricht, wie auch aus dem oben zitierten Text hervorgeht, von einem jüdischen und arabischen ״Ratgeber“. Diese Aemter, für die die Regierung sogar Gehälter ausgesetzt hat, sind nicht besetzt worden. Die Araber haben die Mitarbeit an dem Plane abgelehnt, mit der Begründüng, er habe nur den Zweck, für jüdische Einwan• derer Platz zu schaffen. Innerhalb des arabischen Lagers bestand aber in dieser Frage keine Einheitlichkeit, vielmehr haben die Anhänger der Naschaschibi-Partei, die in scharfer Opposition zu der Arabischen Exekutive und der Mufti- Gruppe steht, sich für Teilnahme der Araber an dem Land« entwicklungsplan ausgesprochen. Die Oberhand hatte aber die Arabische Exekutive, und infolgedessen wurde kein arabischer Ratgeber ernannt Auf der anderen Seite hatte die Jewish Agency Bedenken, einen jüdischen Ratgeber zu ernennen, solange nicht die Frage der Bodenkaufs-Kontrolle endgültig entschieden war. Die Regierung hatte bekanntlich im August ein Gesetz vorbereitet, das sämtliche Bodentransaktionen unter scharfe Kontrolle stellt und künftige jüdische Bodenkäufe verhindert oder sehr erschwert hätte. Dieser Entwurf Lord Passfields wurde zwar nach dessen Rücktritt zunächst zur neuerlichen Beratung zurückgezogen, aber da über sein definitives Schicksal noch nichts bekannt ist, vermochte die Jewish Agency von ihrem einmal festgelegten Standpunkt, keinen Ratgeber zu ernennen, nicht abzugehen. Inzwischen hat der Landentwicklungsdirektor Mr. French seine Erhebungen durchgeführt. Zur juristischen Prüfung der angemeldeten Ansprüche der landlosen Araber ist der Richter W e b b ernannt worden. Es ist anzunehmen, daß auch der Jewish Agency Gelegenheit gegeben wird, sich zu denjenigen arabischen Ansprüchen, die sich aus jüdischen Bodenkäufen herleiten, zu äußern. Eine Sensation*-Meldung Ende Dezember sollte French seinen ersten provisorischen Bericht vorlegen. Ob dies geschehen ist, wurde offiziell nicht bekanntgegeben. Dagegen veröffentlichte am 22. Januar der Londoner ״Jewish Chronicle“ eine Sensationsme 1 dung, worin über den angeblichen Inhalt des French-Berichtes Mitteilungen gemacht werden. Der Gewährsmann der ״Jewish Chronicle“ behauptet, er habe aus besonders gut informierten Quellen erfahren, daß der Bericht Frenchs, der bereits beim Kolonialamt in London eingetroffen ist, eine überaus offene Sprache redet. Er werde, so meint der Schreiber, in offiziellen jüdischen und arabischen Kreisen, denen wohl in nächster Zeit Auszüge mitgeteilt werden dürften, peinliche Ueberraachung hervorrufen, da Herr French sich über den arabischen Feudalismus und die jüdisch-nationalen Aspirationen ungeschminkt äußert. Hauptthema seines Berichtes sei die angebliche Entsetzung arabischer Bauern und Pächter. Der Bericht enthalte einen ironischen Kommentar zum Thema Jüdisches Nationalheim und seine möglichen bösen Wirkungen auf den arabischen Bodenbesitz. Eine seiner Prämissen sei, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina eine ernste Drohung für die arabische Landwirtschaft bedeutet, weshalb die jüdische Einwanderung weiter beschränkt werden solle. French mache sich die Ansicht Sir John Hope Simpsons zu eigen, daß der für Kultivierung verfügbare Boden gering an Umfang sei, weshalb eine Verordnung betreffend Beschränkung der Bodenübertragung erlassen werden sollte, die noch über den vom Minister Thomas inhibierten Passfield-Entwurf hinausgehe. Der Bericht werde, wenn er in seiner jetzigen Form je das Licht der (Hoffentlichkeit erreichen sollte, eine noch größere Ueberraschung als der Simpson-Bericht hervorrufen. Ganz im Stile dieser Mitteilung berichtet der Gewähremann des ״Jewish Chronicle“ weiter, er habe aus dem Brsief eines Freundes (!) erfahren, daß in den Jerusalemer Cafähäusern (!) Gerüchte im Umlauf seien, wonach Frenchs Mitarbeiter Kitching noch schärfere Einschränkungen der jüdischen Einwanderung Vorschlägen wollte. Da French die Vorschläge Kitchings nicht annahm, sei es zum Rücktritt Kitchings gekommen. (In Wahrheit ist Kitching einer der Beamten, die auf Grund der Sparmaßnahmen der Regierung abgebaut worden sind. Dies ist um so begreiflicher, wenn man bedenkt, daß bei der Ernennung von French und Kitching an den großen Entwicklungsplan auf Grund der 21/3 Millionen-Anleihe gedacht war, während man wohl der Meinung ist, daß für die gegenwärtig verbliebenen Aufgaben ein leitender Beamter genügt.) Es ist natürlich sehr schwierig, sich zu derartigen Gerüchten wie dieser Veröffentlichung des ״Jewish Chronicle“ zu äußern, denn so sehr die Tatsachen hier auch verzerrt erscheinen, so pflegt gewöhnlich doch ein Körnchen Wahrheit in solchen Nachrichten zu sein. Wir waren bereits vor Ent- Sendung der unglückseligen Shaw-Kommission, die damals von der Jewish Agency und der zionistischen Welt so stürmisch gefordert wurde, der Meinung, daß das System der Kommissionen und Untersuchungen und des immerwährenden Appells an dritte Instanzen zu keinem fruchtbaren Ergehnis führen kann, daß vielmehr nur eine direkte jüdisch-arabische Verständigung über die aktueilen Hauptfragen, wie Einwanderung und Bodenverteilung, eine erfolgreiche Fortsetzung der jüdischen Aufbauarbeit auf die Dauer verbürgen kann. Ob, wie wir damals meinten, eine solche Verständigung im Jahre 1929 ganz oder teilweise m ö g lieh gewesen wäre, wird sich niemals feststellen lassen. Heute sind freilich die Chancen ungünstiger, schon weil — durch den Shaw-Bericht, den Simpson-Bericht und andere Dokumente — der arabische Widerstand außerordentlich bestärkt wurde. Ob sich auch der French-Bericht nunmehr zu diesen Dokumenten gesellt, wissen wir noch nicht. Daß er aber der jüdischen Maximalthese in bezug auf verfügbaren Boden in Palästina nicht beitreten wird, kann ohne weiteres angenommen werden. Durch die Veröffentlichung des ״Jewish Chronicle“ ist freilieh eine gewisse Unruhe in weiten zionistischen Kreisen erzeugt worden. Das Kolonialamt hat eine offizielle Mitteilung veröffentlicht, die folgendes besagt: ״Der Bericht des Herrn French ist vorläufigen und all• gemeinen Charakters; French wird In Kürze einen zweiten Berieht fertigstellen, der spezifizierte Vor- Schläge enthalten wird. Sobald der zweite Bericht vorliegt, werden beide Berichte durch den High Commissloner der Jewish Agency und der Arabischen Exekutive in Palästina unterbreitet werden, damit diese Körperschaf• ten — gemäß der in der Regierungsdepesche betreffend den Landentwicklungsplan festgelegten Prozedur — Gelegenheit erhalten, ihre Bemerkungen zu dem Bericht zu machen. Die Regierung wird keinerlei Beschloß fassen, bevor nicht die beiden Berichte des Herrn French zusammen mit den erwähnten Bemerkungen und ferner den Empfehlungen des High Commlssioners in eingehende Erwägung gezogen worden sind. Bis dahin müssen alle Mitteilungen über den angeblichen Inhalt des Berichtes des Herrn French als reine Spekulation und als gänzlich unaatoris i e r t angesehen werden.“ Demnach ist also bis zur endgültigen Bekanntmachung des Berichtes und zur Beschlußfassung der Regierung noch ein weiter Weg. Erst muß noch der High Commissioner seine Meinung sagen und die Aeußerungen der jüdischen und arabischen Instanzen müssen geprüft werden, wodurch freilich wieder die Gefahr der Ausnutzung zu politischer Prop a g a n d a besteht Die Regierung darf sich aber diesmal nicht dem Vorwurf aussetzen, daß sie statt konstruktiver ״Landentwicklung“ ein politisches Spiel mit Lavieren nach zwei Seiten entwickelt Bis zur Veröffentlichung authentischer Nachrichten müssen wir uns jedenfalls einer definitiven Beurteilung enthalten. * S01,0:0w Ober die French• Gerüchte Montreal, 26. Januar. (J. T. A.) Nahum Sokolow ist zur Eröffnung; der 23. Jahresversammlung der kanadisch enZionisten am 25. Januar in Montreal eingetroffen und hielt, von rauschendem Beifall der aus ganz Kanada eingetroffenen Delegierten und sehr zahlreicher Gäste begrüßt, in der Eröffnungssitzung eine Ansprache über die gegenwärtige politische Lage des Zionismus. Sokolow kam im Verlauf seiner Rede auch auf die in der Presse erschienene Mitteilung über angeblich vom Landentwicklungsdirektor French in Palästina vorgeschlagene antijüdische Maßnahmen zu sprechen und führte dazu aus: Die Jewish Agency weiß nichts von solchen angeblichen Vorschlägen und mißt ihnen, wenn sie gemacht sein sollten, keine besondere Bedeutung zu, da solche Absichten Großbritanniens Verpilichtungen, die Ihm Im Palästina-Mandat international auferlegt wurden, dem Buchstaben wie dem Geiste nach widersprechen. Die statistischen Ergebnisse der Untersuchungen des Herrn French hinsichtlich der Zahl depossedierter Araber werden sorgfältig geprüft und als Material bei der Durchführung des Landentwicklungsplans in Uebereinstlmmung mit den legitimen Interessen des Jüdischen Nationalheims und dem Wohl der arabischen Bevölkerung verwendet werden. Vorschläge gegen die jüdische Einwanderung, wenn sie wirklich von Einzelpersonen gemacht worden sein sollten, würden auf den stärksten und unnachgiebigen Widerstand der Jewish Agency und der Weltjudenheit stoßen; sie würden aber auch von der britischen Regierung im Zusammenhang mit dem Entwicklungsplan nicht in Erwägung gezogen werden. Sokolow wies auf die kürzlich vom englischen Kolonienminister Sir Philip C u n 1 i f f e ־ L i s t e r anläßlich der New Yorker National Conference on Palestine gesandte Erklärung als auf den alleinigen authentischen Ausdruck des Palästina- Programms der englischen Regierung hin, eines Programms, das solche Vorschläge, wie sie French unterstellt werden, als undenkbar erscheinen lasse. Es ist bedauerlich, daß zu. einer Zeit, in der die Jewish Agency mit der englischen Regierung zusammenarbeitet lind bemüht ist, das Vertrauen Großbritanniens zur jüdischen Arbeit zum Resten des Jüdischen Nationalheims, dessen Bedeutung der Kolonienminister soeben unterstrichen hat, zu erneuern und zu stärken, solche Andeutungen gemacht worden sein sollen oder, wenn sie nicht gemacht worden sind, solche Gerüchte in Umlauf gebracht werden. Der Kampf am das orthodoxe Patriarchat Wie aus Jerusalem telegraphiert wird, hat der Oberste palästinensische Gerichtshof die für den 23. d. M. an ge« setzten Wahlen zur Neubesetzung des ort ho - dosen Patriarchats annulliert. Die Wahlen finden nicht statt. Damit ist zunächst den arabischen nationalen Kreisen recht gegeben worden, und der Kampf um das Patriarchat, der nun bereits fast ein halbes Jahr dauert und mit großer Leidenschaft geführt wird, dürft״ weitergehen. Der entscheidende Streitpunkt ist der Anspruch des fast nur aus Arabern bestehenden Laien-Elementes, bei den Wahlen ein ausschlaggebendes Votum zu haben, während das ganz veraltete Gesetz von 1875 nur den kirchlichen Würdenträgern, die Griechen sind, Vorrechte einräumt. Der von der Regierung veranlaßte Bertram Young-Bericht von 1925 hat eine Anzahl einschneidender Reformen, u. a. auch Reform des Wahlrechtes, vorgeschlagen und die Araber fordern nun, daß diese Reformen noch vor Durchführung der Wahl, die durch den am 14. August erfolgten Tod des Patriarchen notwendig geworden ist, verwirklicht werden, während die Regierung auf dem Standpunkt stand, daß erst nach Wahl eines neuen Patriarchen Reformen stattfinden können. Nunmehr hat der Oberste Gerichtshof entschieden, daß bei dem ersten Wahlgang Formfehler vorgekommen sind und daß er daher ungültig ist. Der Urteilsspruch greift die Regierang an, weil sie bisher den Young-Bericht ignoriert hat. Der Stell- Vertreter des Patriarchen hatte die Kompetenz des Gerichtes überhaupt bestritten. Die Angelegenheit ist auch außerhalb der rein kirchlichen Interessenten von Bedeutung, weil, es sich hier um ein charakteristisches Beispiel des Vordringens des arabischen nationalen Einflusses in alle Machtpositionen handelt. Kleine Nadiridiien ln dem dem Keren Kajemeth gehörenden Walde in der Nähe von N a h a 1 a 1 wurden 2500־ junge Bäume entwurzelt und die zur Einzäunung des Waldes eingesetzten Pfähle herausgerissen und mitgeschleppt. Mehrere Beduinen wurden als der Tat verdächtig verhaftet, aber wieder freigelassen. (JTA.) Auf der Jaffa-Straße in Jerusalem wurde am 24. Januar eine Bombe gefunden, die, wie man annimmt, irgendeinem Anschlag hätte dienen sollen. Die Bombe wurde von der Polizei entfernt. ״Manchester Guardian“ widmet der Tatsache der Bildung des American Palestine C o m m itt e e einen Leitartikel, in welchem betont wird, daß Präsident Hoover in seiner Sympathie-Botschaft an die Gründungsversammlung des Committee gleich seinen Vorgängern im Präsidentenamt ein starkes Interesse für das jüdische Werk in Palästina zum Ausdruck gebracht hat. Die Zeitung erinnert dann an die Teilnahine, die die Vereinigten Staaten stets an der Palästina- Sache nahmen und die in mehreren Akten (Resolution des Kongresses 1922 usw.) zum Ausdruck kam. Die Zündholzfabrik ״Nur“ in Acco erklärt, daß die laut Regierungsverordnung von 1929 am 1. Januar 1932 in Palästina eingeführte Steuer für Herstellung und Verkauf von Zundhölzern so hoch ist, daß sich die Fabrikation nicht mehr rentiert und daß die Fabrik wahrscheinlich wird geschlossen werden müssen. In verschiedenen Teilen Polens wird seit kurzem die antijüdische Bovkottpropaganda mittels Flugzeugen geführt. Am 23. d. M. hat ein Aeroplan massenhaft Flugblätter mit Aufrufen der ״Liga vom Grünen Band“ auf die Straßen Krakaus geworfen. Auch die Städte Lublin und Biala-Podloska wurden mit Boykottaufrufen von Flugzeugen aus überschwemmt. Der bekannte jüdische Gelehrte und Professor an der Moskauer Universität Miron W o l f s o n , der noch vor einem Jahre von der Sowjetregierang durch Verleihung des Titels ״Verdienstvoller Arbeiter der Wissenschaft“ geehrt worden ist, ist aus der kommunistischen Partei wegen angeblicher Verbreitung menschewistischer Theorien ausgeschlossen worden. Auch wurde er der Posten eines Direktors des Staatsverlags und eines Direktors des Bibliographischen Instituts enthoben. Es wurde ihm verboten, seine Vorlesungen fortzusetzen. Gleichzeitig wurden zwei jüdische Professoren der Odessaer Universität, der unparteiische Prof. K o g a n und das Mitglied der kommunistischen Partei Prof. Weinstein, wegen Nichteinhaltung der Sowjetlinie in ihrer wissenschaftlichen und Lehrtätigkeit von ihren Posten entfernt. Dr. Saul Tsch ernichowsky, der Mediziner ist, hat es unternommen, das vom verstorbenen Jerusalemer Arzt Dr. Mazia begonnene hebräische medizinische Lexikon zu vollenden. Das Lexikon wird die Erläuterung von etwa 50 000 medizinischen Ausdrücken bringen. Am 6. Februar 1932 begeht Seminar-Rabbiner Professor Dr. Michael Guttmann, der hervorragende Talmud- und Midrasch-Forscher, seinen 60. Geburtstag. Sein Hauptwerk ist ״Mafteach hatalmud“ (Schlüssel zum Talmud), eine auf etwa 12 Bände berechnete Realenzyklopädie zum talmudisch-midraschischen Schrifttum, von der die ersten vier Bände erschienen sind. 1924 bis 1925 hielt Prof. Guttmann an der Hebräischen Universität zu Jerusalem Gastvorlesungen. Zahlt und sammelt den Schekel!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.