Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 8 (29.1.1932)
- Date
- 1932-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. a 29 11932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 37 Versuch einer Sinngebung (Josef Kastein ״Eine Geschichte der Juden1', Ernst Rowohlt- Verlag, Berlin W 50.) l!n far o s:eher /an alle, die chmares. Wet um varhlrlben a naier alnaharet, Wut er wet himrnel un erd iberkehren Geloibl Ut der un gebenscht soll der weren, Wo* Wet verebigen eire treten Heilige, zweitausendjährige treten. (Chaim IS'achman Bialik) Es ist kein Zufall, daß ein Unzünftiger über das Buch des nicht zur Zunft der Historiker gehörigen Josef Kastein referiert. ״E i n e“ Geschichte ist nicht ״d i e" Geschichte der Juden oder schlechthin Geschichte der Juden, sondern eine Geschichte, wie sie sich einem Menschen offenbart, der mit glühender Sehnsucht und wachen Sinnen versucht, sich in dem Ablauf von Schicksalen zurechtzufinden, von denen die Gemeinschaft, der er sich zugehörig fühlt, im Laufe von Jahrtausenden betroffen wurde. Daß ein solcher Versuch naturnotwendig subjektiver Art sein und nicht die objektive Wahrheit, sondern nur eine zeitgebundene subjektive zutage fördern kann, ist selbstverständlich. Es ist überhaupt fraglieh, ob es möglich ist, im Strom des Geschehens etwas Endgültiges über dieses Geschehen auszusagen. Auch über Vergangen es läßt sich nicht einwandfrei feststellen, welchen Sinn dieses Vergangene hatte. Denn auch das Gewesene ist nicht starr und einfach, sondern flüssig und vielfältig. Jede neue Zeit sieht das in den Zeiten Versunkene mit neuen Augen unter neuem Blickwinkel. Eine Erkenntnis der modernen Physik lautet, daß man innerhalb eines bewegten Systems, in welchem man sich befindet, über dieses System nicht aus- Zusagen vermag, wie und nach welcher Richtung es sich bewegt Historie ist keine Naturwissenschaft. Trotzdem läßt sich auch auf sie mit einer gewissen Berechtigung diese aus physikalischer Ueberlegung gewonnene Erkenntnis anwenden. Aber es kommt ja nicht darauf an, unbewegliche Felsblöcke vergangenen Geschehens aufeinanderzutürmen, sondern vielmehr darauf, aus Vorvergangenem, Vergangenem und Gegenwärtigem Impulse zu gewinnen zu neuer Orientierung. In dieser Hinsicht ist das zweite Werk Josef Kasteins (das erste behandelte Sabatai Zewi, den Messias von fsmir) eine der interessantesten und anregendsten Neuerscheinungen moderner Sinngebung der jüdischen Geschichte. Es sind, wenn man einen Begriff aus der musikalischen Produktion in diesem Zusammenhänge verwenden darf, Kompositionen um ein Grandthema: Das jüdische Volk. Eine Symphonie aus sechs Sätzen versucht die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft seit den Tagen Abrahams bis zur Wiedererrichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina einzufangen. Jeder Satz ist untergeteilt. Essay reiht sich an Essay und das ganze Werk mutet wie eine neuzeitliche Saga an, in der hinter Meditation und psychologischer Einfühlung ein begeistertes glühendes Herz Akkorde schlägt. Kastein ist in seinem Werke Partei. Das heißt, er liebt den Helden seines Epos mit leidenschaftlicher Glut. An keiner Stelle spricht er von seiner Liebesleidenschaft Er gefällt sich in der Rolle eines Deuters und Erklärers. Aber es ist die Liebe, die ihn die Geschichte seines Volkes so und nicht anders sehen ließ. Josef Kastein ist kein Zünftiger. Er hat mutmaßlich wenig Quellenstudium getrieben und hat in seinem Buch darauf verzichtet, eine lückenlose Chronologie der jüdischen Geschichte zu geben. Es kam dem Autor wohl nicht darauf an, an die vielen kurzgefaßten Leitfäden jüdischer Geschichte einer, neuen zu fügen. Er wollte, erkennbar in erster Linie für sich selbst, die Erfahrungen ordnen, die er aus der Lektüre jüdischer Geschichtswerke geschöpft hat. Er wollte für sich eine Erklärang finden, warum und wieso die Situation der jüdischen Gemeinschaft in der Gegenwart so ist, wie sie ist und wollte für sich selbst den Nachweis führen, daß er in seiner jüdisehen Entscheidung den Weg gegangen ist, der von den Tagen jüdischen Geschichtsanfangs dem jüdischen Volke vorgezeichnet ist. Interessant ist die Entwicklung, die der Autor im Verlaufe seiner Arbeit innerlich durchmacht. Er beginnt mit folgendem Geständnis: ״Wir können uns nicht dazu entschließen, ein persönliches göttliches Walten vorauszusetzen. Wir können nur aus dem Ablauf der Tatsachen einen Sinn abstrahieren, einen Sinn in seiner Bedeutung als: innerer Grund. Gott hat nicht dieses Volk und diesen Sinn des Volkes gewollt. Das Volk wollte diesen Gott und diesen Sinn.“ Und auf der letzten Seite seines Buches, der 633., heißt es in den Schlußworten: ״So stehen wir also da: Vielfach entartet und vielfach bemüht, vielfach geschwächt und vielfach vom übermäßigen Willen gespannt, vielfach befeindet und vielfach־ hoffend; mit unendlicher Vergangenheit, mit geringer Gegenwart und mit einer Zukunft, die nur in der Gestaltungskraft jüdischer Herzen eine Wirklichkeit hat. So vom Wunderbaren und vom Grauenhaften, so vom Notwendigen und Zufälligen, so vom Ewigen und vom Zeitlichen ist diese Geschichte eines Volkes erfüllt, daß man ihr nicht nahen kann, ohne über alles Dogma der Religion hinweg im tiefsten Sinne gläubig zu werden. So helfe Gott uns weiter.“ An diesen zwei Zitaten erkennt man, wie ergriffen der Autor von seinem Werk, vom Gegenstände, den er behandelt und von der Verpflichtung ist, sich der Gemeinschaft verhaftet zu fühlen, der er sich zuzählt. Es ist ein hohes Maß von darstellender Kunst, daß diese innere Ergriffenheit nicht expressis verbis im Flusse der Darstellung zum Ausdruck gelangt. Die Diktion ist konzentriert und ruhig, aber in jeder Zeile, ja fast hinter jedem Wort fühlt man die motorische Kraft, die Zeile und Wort belebt. Und dies ist der größte Reiz der Kastelnschen Komposition. Das Andante nennt sich ״Von der Entstehung der Theokratie bis zur Herrschaft des Gesetzes". Schon der zweite Satz ״Von der Begegnung mit Griechenland bis zur Begegnung mit dem Christentum“ ist Höhepunkt der Darstellung und des Gesamtwerks. Wie es kam, daß das Judentum Hellenismus und Christentum abgelehnt hat, um sich nicht selbst aufzugeben und zu verlieren und warum es als einziges im Altertum diesen Geschichtsphänomenen standhalten konnte, das arbeitet Josef Kastein so scharf und klar heraus, wie man es bisher wohl kaum so packend getan hat. Im dritten Teile ״Von der Vertreibung aus Palästina bis zur Besiedlung des Abendlandes“ sind die Abschnitte ״Das bewegliche Zentrum“ und ״Passive Geschichte“ glänzende Essays über zwei der wichtigsten Teil- Probleme jüdischer Historie. Der vierte Teil ״Von der spanischen Epoche bis zur Vertreibung aus dem Westen“ rückt in den Mittelpunkt das Wirken der jüdischen Geistesheroen der arabisch-jüdischen Symbiose. Ira fünften Teile ״Von der Be- Siedlung des Ostens bis zur Entstehung der Krise“ kommt Kastein auf sein Lieblingsthema, den Messianismus, zu sprechen. Was er im Abschnitt ״Herz und Gehirn“ des fünften Teiles über die Reaktion des jüdischen Westens und des jüdischen Ostens auf den erstarrten Rabbinismus zu sagen weiß, ist neuartig, wenn auch in manchen Details anfechtbar. So schematisch scheint uns diese Epoche nicht zu sein, wie Kastein sie auffaßt. Im letzten Teile ״Vom Kampf um die Gleichberechtigung bis zur Jüdischen Renaissance“ behandelt Kastein Probleme, die in die Gegenwart hineinragen und unseren jüdischen Alltag bestimmen. Die Kapitel über die Emanzipation, über Antisemitismus und schließlich die Darstellung der jüdischen Renaissance-Bewegung werden am leidenschaftliebsten bejaht und abgelehnt werden. Immerhin sind auch in diesen Kapiteln in aphoristischem Gewände Erkenntnisse verstreut, die man sonst in der Literatur über Judentum und in der jüdischen Publizistik nicht zu finden vermag. Die Entstehung des Antisemitismus, der Judenhaß als Problem der Nichtjuden, die große Illusion der Emanzipation und ihrer Folgeerscheinungen, all das verdient gelesen und noch einmal gelesen zu werden. Immer wieder leuchtet in Kasteins Buch die Bemühung des Autors durch, den Sinn der jüdischen Geschichte in einer Formel zu fassen. Ansitze zu einer derartigen Formulierung finden sich in allen Sätzen seiner Komposition. Im fünften Teile erst gibt Kastein folgende Quintessenz: , Die Konstituierung der indischen Gemeinschaft als eines Sondervolkes geschah im Begriff und Zeichen der Theokratie. Staat und Gemeinschaft dienten dem Versuch, dieses Ziel zu verwirklichen. Aul diesem Wege, auf dem das haltlose Tasten und die visionäre Zielstrebigkeit sich Wechselseltlg ablasen, wird schon sehr früh ein Gedanke von ungeheurer Fruchtbarkeit begriffen: Der Mensch ist imstande, Ideen aus sich zu entlassen, die so groß sind, daß das summierte und massierte Leben von vielen Generationen nicht ausreicht, um eine Wirklichkeit entsprechend dieser Idee zu formen. Mit einem Ziel ausgerüstet, das von seinem Entstehungspunkt her den Charakter des Religiösen, des Heiligen trägt, steht der Mensch aus der ständigen Verfangenheit in Unwilligkeit, Ichsucht, böser Vereinzelung und Not öfter Im Versagen als im Erfüllen, Ist sein Weg zur Erfüllung hin weit öfter ein Weg zur Auflösung. In dem Augenblick, in dem der Mensch begriffen hat, wie zwangsläufig auf allen Wegen des Bemühens das Versagen, das Zurückfallen, das Nlcht-volIkommener-Werden angetroffen wird, In diesem Augenblick wird der Begriff der Erlösung geboren. Nicht aus dem Gefühl der Verworfenheit und der Sünde, sondern aus der Demut, die darum weiß, daß die schöpferische Gewalt menschlicher Ideen größer, mehr und anderes Ist als die Summe seiner geistigen Fälligkeiten. So entläßt das Judentum aus sich den Erlösungsgedanken in dem Augenblick, ln dem der Staat, die Gemeinschaft ln der das Bemühen vor sich geht, zerbrach. Dieser Gedanke war national und universal zugleich, politisch und religiös In einem. Irdisch und himmlisch in zusammenfassender Konzeptlon.“ Kasteln steht seinem Volke und der Geschichte seines Volkes nicht objektiv gegenüber. D. h. er tut nicht so, als ob er objektiv wäre. Denn in Wahrheit gibt es bei der Analyse des eigenen Ich keine Objektivität. Wenn es möglich wäre, daß ein Anatom seinen eigenen Körper seziere, so hätte dieser Anatom ungefähr die seelische Haltung, die Kastein bei der Dar- Stellung seines Themas hat. Aus diesem Grande ist Kasteins Buch letzten Endes in gewissem Sinne eine Apologie des Judentums und des jüdischen Volkes. Doch ist diese Apologie keine ״Abwehr“, sondern ein Bekenntnis zur eigenen Art, zum eigenen Schicksal und der Ausdruck einer Verpflichtung gegenüber der eigenen Gemeinschaft. Kastein hütet sich, wie er an einer Stelle betont, allzu ausführlich auf die Martyriologie der jüdischen Geschichte einzugehen. Trotzdem konnte er nicht umhin, immer wieder von den schrecklichen Erlebnissen zu berichten, denen di« Juden, besonders im Laufe der letzten zwei Jahrtausende, ausgesetzt waren. Daß er hierbei immer wieder auf die Kirche zu sprechen kommt, die ״ein Schuldkonto anwachsen ließ, zu dessen Begleichung bis heute nichts geschehen ist“, ließ sich nicht und konnte er nicht vermeiden. Kasteins erstes Werk, Sabbatai Zewi, hatte einen großen buchhändlerischen Erfolg. Dieser wird zweifellos auch der zweiten großen Publikation aus Kasteins Feder beschieden sein. Schon heute geht das Buch von Hand zu Hand. Juden und Nichtjuden greifen danach, weil sie sich sehnen, eine Darstellung des Ursprunges, des Weges und Zieles einer Gemeinschaft kennenzulernen, die im Mittelpunkte des Interesses, der Bekämpfung und aller geistigen Auseinandersetzungen steht. Auf die Fragenkomplexe jüdisches Volk und Judentum wirft Kasteins ״Eine jüdische Geschichte“ helles Licht. Es ist nicht das natürliehe Licht eines Himmelskörpers, aber gleich einer Jupiterlampe rückt es die Bühne, auf der das jüdische Volk wandelte, litt und jetzt strebt, scharf in das Gesichtsfeld des Beschauers, m. w. Soeben erschien: nr. 61er ״smiMte 1er JMscten Rundschau־־ ir.iittiilriiiaur: Zum Problem des neuen deutschen flationeiismus Ein« zionistische Orientierung gegenüber den netlonallstlschen Strömungen unserer Zeit■ ★ Preis 0.80 RM. zuzüglich 0.10 RM. für Porto. Zu beziehen gegen Voreinsendung des Betrages durch: ״Jüdische R and sc hau" Berlin W IS / Meinekestraße 10 Postscheck - Konto: Berlin Nr. 17392 Die ersten Graduierungen in Jerusalem Ein Ehrentag der Universität Jerusalem — Der Glückwunsch des High Commlssioners Am 25. Januar fanden, wie die JTA. aus Jerusalem meldet, an der Hebräischen Universität zu Jerusalem die ersten akademischen Graduierungen statt. Dreizehn Studierende, unter ihnen zwei Frauen, erhielten an der geisteswissenschaftlichen Fakultät den Magistergrad. Die Graduierung vollzog sich in einer feierlichen Zeremonle, der der High Commlssloner Sir Arthur Wauehope, der Chef des Justizdepartements der Regierung, die Professoren- Und Dozentenschaft der Universität, 50 Angehörige des Konsularkorps, Vertreter der akademischen Körperschäften, wissenschaftlichen Gesellschaften und Kirchen u. v. a. beiwohnten. Der Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät, Professor Dr. Samuel Klein, geleitete die zu Graduierenden in den Saal, woraufhin der Kanzler der Universität, Dr. J. L. M a gne s, die Graduierungen vornahm und die Zeremonie mit einer Ansprache an die Graduierten abschloß, in der er u. a. auf die traurige Lage jener jüdischen Studenten hinwies, die an den Universitäten vieler Länder Zurücksetzung und Verfolgung zu erdulden haben, nur zu oft den Angriffen der Bestie bn Menschen ausgesetzt sind, und denen die Hebräische Universität, soweit es in Ihren Kräften steht, gerne Zuflucht sein möchte. Der HighCommissioner hielt eine Ansprache,in der er ausführte, die Studierenden, die heute die Universität mit dem akademischen Grad verlassen, können stolz darauf sein, die ersten zu sein, die zwar von einer der jüngsten Universitäten der Welt geehrt wurden, einer Universität aber, die von einem Volke errichtet wurde, dessen Kultur auf die ältesten Zeiten zurückreicht. Der High Commissioner erinnerte Im weiteren Verlauf seiner Rede an die Zeremonie der Baumpflanzung am Cbamischa assar b’schwat, der er beigewohnt hatte, und verglich die Zeremonie der Gradulerang mit der Pflanzung junger Bäume. ¥ Leider hatte diese schöne Feier auch ein politisches Zwischenspiel. Die Universitätsleitung hat zu dieser Feier neben allen anderen staatlichen und sonstigen Würdenträgern selbstverständlich auch den Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb BeyNaschaschibi, eingeladen. Daraufhin veröffentlichten am Tage vor der Zeremonie die revisionistischen Studenten einen scharfen Protest gegen die Einladung Naschaschibis und erklärten, diese Einladung beweise einen ״Mangel an nationaler Selbstachtung“ seitens der Universitätsleitung, da Naschaschibi seinerzeit Mitglied der arabischen Delegation war, die in London die arabische Version über die palästinensischen Unruhen im Herbst 1929 darlegen sollte. — Ist es schon an sich anormal, daß ein Bürgermeister mit der Mehrheit der Bewohner der von ihm verwalteten Stadt auf dem Kriegsfuß lebt, so ist es besonders zu bedauern, daß durch diese vorlaute Demonstration wieder einmal die, jüdische Seite ins Unrecht gesetzt wurde. Der Bürgermeister, der zu der Feier nicht erschienen ist, kann nun die Verantwortung für diese Unhöflichkeit auf die jüdische Seite abwälzen. Der Präsident des tschechoslowakischen Senate über Patästina. Die Prager ״Selbstwehr“ veröffentlicht Ende dieser Woche eine Sonderausgabe über das Werk des Keren Hajessod, die unter zahlreichen Kundgebungen führender jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten der Tschechoslowakei auch eine Kundgebung des Präsidenten des tschechoslowakischen Senats und führenden Mitgliedes der tschechoslowakischen Sozialdemokratie Dr. FranzSoukup enthält. Soukup schreibt: ״Wir in der Tschechoslowakei verfolgen mit dem höchsten Interesse die Entwicklung der Kolonisationsarbeit in Palästina und wünsehen dem großen Werk der Regeneration aus ganzem Herzen volles Gelingen. Denn mit Erstaunen und Bewunderung sehen wir heute auf all das, was in den letzten zehn Jahren in Palästina geschehen ist, und es erscheint uns wie ein modernes Wunder. Es wächst ein neues Palästina jüdischer Bauernarbeit als wichtige Etappe in den internationalen Weltbeziehungen. Ein Palästina, das auch den versklavten arabischen Fellachen Freiheit bringt, ein Land des Friedens, der Arbeit, der sozialen Gerechtigkeit. Die bisherigen Erfolge sind ein Beweis dafür, daß diese Arbeit nicht nur gerecht, sondern auch erfolgreich geführt werden wird, und wir sind eins mit der Kulturmensenheit in der Hoffnung, daß die neue gesunde, bewundernswürdige und heroische junge Generation des jüdischen Volkes in Palästina in ihrer Entwicklung gesichert werden und für immer ein Pfeiler sein wird, der die Weltzivilisation im Kampf um eine neue bessere Gesellschaft und wahre Humanität stützen wird.“ Wauchope im Rotary-Club. Der High Com missioner Sir Arthur Wauchope, der selbst ein Mitglied der Rotary- Gesellschaft ist, wurde vom Jerusalemer Rotary-aub zum Ehrenmitglied ernannt und hat, wie die Zeitungen berichten, dieser Tage an dem ersten gemeinsamen Mittagessen teilgenomraen. (Die Mitglieder dieser über die ganze Welt zerstreuten, dem Gedanken der Humanität dienenden Gesellschaft versammeln sich regelmäßig zu gemeinsamen Mittagessen, auf denen kurze Reden gehalten werden.) Der Vorsitzende des Jerusalemer Klubs betonte, daß innerhalb des Klubs kein Unterschied zwischen Arabern und Juden gemacht wird. Sowohl entschiedene Zionisten, als auch arabische Nationalisten gehören zu seinen Mitgliedern und wollen hier alle zusammen wirken im Dienste des Ganzen. Der High Commissioner erklärte in seiner Ansprache, er habe den Eindruck, die Elemente dieses Landes seien zwar verschieden, aber nicht feindlich. Palästina bedürfe der Männer, die den Dienst am Ganzen vor Eigennutz setzen. Biallk-Woche In Wien. Der Besuch Bialiks in Wien gestattete sich, wie uns berichtet wird, zu einem großen Ereignis für das Wiener Judentum. Der Dichter wurde am Bahnhof von den Präsidien der Wiener Kultusgemeinde, der Bnei Brith-Logen und zahlreichen Delegationen jüdischer Kultur- und anderer Institutionen Oesterreichs empfangen. Fast die gesanfte Tagespresse Wiens berichtete ausführlich über den Empfang Bialiks und widmete dem Dichter und seinem Werk spaltenlange Aufsätze. In Interviews an die Vertreter der Inlands- und Auslandspresse berichtete Bialik über den Erfolg seiner europäischen Reise zur Propagierung des hebräischen Buches, die auch den Zweck seines einwöchigen Aufenthaltes in Wien bilde, wo ein großzügiges Arbeitsprogramm zu absolvieren ist. Von Wien wird Bialik am 2. Februar nach Palästina zurückkehren. Julius Levln 70 Jahre. Am 21. Januar vollendete der Berliner Schriftsteller, Arzt und Geigenbauer Julius Lev in sein 70. Lebensjahr. Sein jüdischer Roman ״Zweie und der liebe Gott“ (1919), der die religiöse Verwirrung eines jüdischen Kaufmanns in einem deutsch-polnischen Landstadtchen schildert, gehört zu den schönsten Büchern jüdischen lnhal*° in deutscher Sprache.