Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1932)
- Date
- 1932-01-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7, 76.11932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 33 Zur Auseinandersetzung mit Kommunisten Von Dr. FritzLÖwenstein, Berlin. Die Propaganda des deutschen Zionismus hatte es bisher Im allgemeinen vor allem mit einem Gegner zu tun: dem jüdisehen Liberalen, dem Assimilanten, dem Centralvereinler. Bei dieser Auseinandersetzung hatten wir ein Ideal, ein Programm, einen festen Glauben an unsere Sache, kannten das Problem besser als der Gegner, waren für die Diskussion geschult. Der Gegner brachte nichts von alledem mit: seine messianischen, kosmopolitischen, gelegentlich auch deutsch-patriotischen Anschauungen waren so wenig fundiert, so wenig ernst gemeint, gehörten so wenig zu den Grundlagen seiner Persönlichkeit, daß die Widerlegung uns nicht schwer zu fallen schien. Vor allem waren wir vom Feuer unserer eigenen Ueberzeugung beflügelt und konnten die zweifelnde und skeptische Stimmung des Oegners häufig sofort überrennen. Wenn wir in vielen Fällen den Gegner nicht zu überzeugen vermochten, so wußten wir. daß er zu schwach und zu klein war, um unsere Idee aufzunenmen und sich ihr anzuvertrauen. Wir blieben die Sieger, auch wenn wir keinen äußeren Erfolg zu verzeichnen hatten. Ohne werten zu wollen, kann man sagen, daß der assimilantische Gegner uns nur in ganz seltenen Ausnahmefällen als ein kongenialer Gegner erschien, der wirklich fundierte Ueberzeugung gegen die unsere zu setzen vermochte. Wir hatten gelegentlich auch andere Gegner. Mit dem jüdischen Sozialdemokraten assimilatorischer Observanz war uns die Diskussion in den letzten Jahren immer leichter geworden. Stand und steht ja die 2. Internationale unserer Sache freundlich gegenüber, erkennt sie ja das Nationalitäten- Problem längst an. Die Diskussion verschob sich deshalb bald auf den wirklichen Kampfplatz, auf die Auseinandersetzung mit der Assimilation. Etwas anders lag es bei Auseinandersetzungen mit O r t h od o x e n. Hier haben die Zionisten, auch die der Tradition völlig entfremdeten, niemals verkannt, daß der orthodoxe Jude ein geschlossenes und konsequentes jüdisches Weltbild besitzt: daß es nicht darauf ankam, wie bei dem Assimilanten, ihn an Stelle seiner Ansichten unsere Ansichten übernehmen zu lassen, sondern darum, zu zeigen, daß die orthodoxe Ansicht konsequent die zionistische in sich aufnehmen mußte. Diese Diskussion konnte nicht von jedem Zionisten in gleich erfolgreicher Weise geführt werden, sondern es war natürlich, daß der Misrachist, er dia orthodoxe Grundlage mit dem Gegner gemeinsam hat, hier am besten die zionistische Sache führen konnte. ln den letzten Jahren steht die Propaganda des deutschen Zionismus vor einem neuen Problem. Wenn die deutschen Nichtjuden in Scharen die Mittelparteien verlassen und zu den Nationalsozialisten oder den Kommunisten übergehen, so blieb dem in dieser Entwicklung stehenden Juden nur der Weg zu den Kommunisten übrig. So haben wir die Tatsachc zu verzeichnen, daß weitere Teile der jüdischen Jugend in Deutschland von der kommunistischen Propaganda beeinflußt werden. Es sind Fälle zu verzeichnen, in denen junge Zionisten, Mitglieder zionistischer und sogar chaluzischer Jugendorganlsationen zum Kommunismus übergegangen sind. Dabei spricht außer der allgemeinen Zeitströmung sicher noch manches andere mit. Die Stagnation unseres Palästinawerkes, der Konflikt mit den Arabern, die geflissentlich verbreitete Behauptung, als stünden wir mit dem imperialistischen England gemeinsam im Kampf gegen den nationalen Unabhängigkeitskampf der Araber, haben viel dazu beigetragen. Es ist hier nicht der Ort zu untersuchen, wie weit wir selbst immer alles getan haben, um derartige Eindrücke zu verhindern. Sicher ist, daß in den Reihen der Zionisten heute die Frage immer aktueller und akuter geworden ist: wie diskutiert man mit Kommunisten? Ebenso ist unverkennbar — und wir wollen hier wie immer der Wahrheit ruhig ins Auge sehen — daß diese Frage mit einem starken Unterton von Besorgnis gestellt wird. Man empfindet die eigenen, aus so vielen Auseinandersetzungen mit anderen gewonnenen Argumente hier als nicht recht durchschlagend. Es gibt in unseren eigenen Reihen Unsicherheit nicht nur über die richtigen Argumente, sondern Unsicherheit gegenüber dem Kommunismus als solchem. Es gibt ein Gefühl, als wenn wir eine kleine, bestenfalls partiell bedeutsame Bewegung sind, die gegenüber dem die Lösung aller Weltfragen erstrebenden Kommunismus nicht recht Aufkommen könne. Es kann nicht der Sinn dieses Aufsatzes sein, das Problem in allen seinen Teilen erschöpfend zu behandeln. Aber einiges soll gesagt werden. Was uns bei der Diskussion mit Kommunisten zunächst klar sein muß, ist die Tatsache, daß wir uns vielleicht zum ersten Male in der Geschichte des deutschen Zionismus (in Osteuropa liegt es anders) mit einer Bewegung auseinanderzusetzen haben, die keine bloßen Opportunitätsgesichtspunkte zu vertreten hat, wie die Assimilation. Der wirklich überzeugte Kommunist hat ein Ideal, an das er mit derselben Unbedingtheit glaubt, mit der wir an unser Ideal glauben. Weiterhin hat der Kommunist die Ueberzeugung, daß in Rußland heute die Verwirklichung des Kommunismus riesige Fortschritte gemacht hat und daß der Zusammenbruch des kapitalistischen Systems in der übrigen Welt über kurz oder lang zum kommunistischen Siege führen muß. Wir haben es also mit einem Gegner zu tun, der von einem großen ideal erfüllt ist und der dieses Ideal in einer Periode schneller Verwirklichung zu sehen glaubt. Schon hier stoßen wir auf eine Schwierigkeit. Die zionistische Bewegung befindet sich heute — etwa "im Gegensatz zu der Zeit vor 0—7 Jahren — in einem Stadium der Stagnation unter politisch ungünstigen, finanziell schlechten Verhältnissen. Wir sind gezwungen, heute wieder, wie so oft vor dem Kriege, zu betonen, daß die Wahrheit und Richtigkeit einer Idee nicht davon abhängig ist, ob diese Idee im Augenblick im Stadium der Verwirklichung ist oder mit großen äußeren Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Assimilation und Zionismus sind naturgegebene Gegensätze, sind nicht miteinander zu vereinbaren und können nur im Kampf gegeneinander ausgefochten werden. Bei Zionismus und Kornmunismus liegt es grundsätzlich anders. Die zionistische Bewegung als eine nationale Bewegungumla ß t aIle K Jass en des Volkes und demgemäß alle ideologischen Anschauungen. Es gibt Zionisten mit bürgerlichen und proletarischen Anschauungen und es muß und wird sie geben, und zwar innerhalb derselben Organisation, solange der nationale Unabhängigkeitskampf geht. Wir befinden uns in dieser Be- Ziehung in keiner anderen Situation als die vielen Völker außernalb Europas, die heute den Kampf um ihre nationale Unab- Bangigkeit führen. Dabei hat die kommunistische Internationaie es stets verstanden, daß der nationale Freiheitskampf dieser Völker ihrem sozialen Differenzierungsprozeß vorangehen muß und hat in einer großzügigen Art und Weise diesen sationalen Freiheitskampf unterstützt, obwohl sie sehr wohl wußte, daß der marxistischen Geschichtsauffassung entsprechend in diesen jung befreiten Völkern zunächst die bürgerlichen Klassen zur Herrschaft kommen und1 die proletarischen erst langsam für ihre Befreiung kämpfen mußten. In •China z. B. ist die chinesische Unabhängigkeitsbewegung von den Kommt!• nisten unterstützt worden und nach der Erreichung der nationalen Selbständigkeit und der Vertreibung detwnastie entwickelte sich dort eine bürgerliche Republik, die aufs schärfste ^egen den Kommunismus vorging. Trotzdem war die kommuaistische Politik von ihrem Standpunkt aus sicher richtig, denn nur in einem national geeinigten und politisch Wen China v<r heute kann ein sozialer Differenzierungsprozeß und eine soziale Revolution möglich sein. Es müßte an sich möglich sein, einem Kommunisten klarzumachen, daß auch das jüdische Volk sich in einem Stadium befindet, das vor der eigentlichen sozialen Differenzierung liegt. Es müßte möglich sein, klarzumachen, daß, wenn schon bei einem auf eigenem Boden zusammenlebenden Volke der prolefarische Freiheitskampf nicht nur ein bestimmtes Maß Wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung, sondern auch politische Unabhängigkeit voraussetzt, dann beim jüdischen Volk noch weit mehr Voraussetzungen erfüllt sein müssen, ehe die typische Klassenkampfsituation erreicht ist. Das Judenproblem, wie wir es gesehen haben, nicht das Problem des einzelnen jüdischen Menschen, sondern das Problem der jüdischen Massen bedeutet ihre Ueberführung in Produktionsverhältnisse, die den normalen Produktionsverhältnissen jedes anderen Volkes gleichen. Eine jüdische Massensiedlung in Palästina, ohne den Druck einer anders nationalen Umwelt und mit der normalen beruflichen Schichtung aller anderen Völker wird die Voraus- Setzungen geben, unter denen allein vom kommunistischen Standpunkt aus erfolgreich gearbeitet werden kann. Weshalb ist eine solche Auseinandersetzung gegenüber Kommunisten bisher erfolglos gewesen? Dafür dürften in der Hauptsache drei Oründe maßgebend sein: der erste Grund sind die aktuellen politischen Verhältnisse, durch die der Anschein entsteht, als ob der Zionismus auf Gedeih und Verderb mit dem britischen Imperium verbunden sei. Auf der anderen Seite haben wir oft den Eindruck, als ob der Kampf der Sowjets fegen den Zionismus nicht nur die Folge unserer gegenwärtigen eziehungen mit England, sondern die Folge einer naturnotwendigen Gegnerschaft zweier Weltanschauungen sei. Beides ist unrichtig. Die Juden haben ihren Anspruch auf Palästina niemals auf gegeben, ohne Rücksicht darauf, welche Macht gerade die Herrschaft in Palästina ausübte. Wir haben unter türkischer Herrschaft im Lande gearbeitet und wenn durch den Krieg das zaristische Rußland oder das wilhelminische Deutschland die Herrschaft über Palästina errungen hätte, hätten wir auch dann versucht, das Maximum des Erreichbaren in Palästina zu verwirklichen. England war die erste Macht, die unsere Bewegung anerkannt und ihr zu helfen versprochen hat. Da wir ein Recht auf dieses Land haben, dürfen wir die Hilfe jeder Macht in Anspruch nehmen, die sie uns gewähren will. Hält England sein Versprechen nicht, dürfen wir es daran mahnen und mit ihm kämpfen, damit es sein Versprechen hält. Aber das bedeutet für uns keine Identifizierung mit dem System des britischen Weltreichs. Man mag über die Möglichkeiten und Aussichten einer arabischen Föderation denken, wie man will: kein Zweifel, daß vom zionistischen Standpunkt aus nur Pesagt werden kann, daß wir auch gegenüber einer solchen Öderation die Verwirklichung unseres Zieles versuchen würden und daß dasselbe etwa gelten würde, wenn heute Palästina sowjetrussisch würde. Wir haben unser Werk in der Welt zu tun, ln der wir uns befinden, aber wir identifizieren uns nicht mit dieser Welt. Somit kann davon ausgegangen werden, daß die gegenwärtigen Komplikationen im Verhältnis der Sowjets zu uns nur akzidentieHer Natur sind und bei einer anderen politischen Situation vergehen können. Aber ein anderes Moment ist zu berücksichtigen. Wir wiesen oben darauf hin, daß ein der jüdisehen Tradition entfremdeter Zionist schwerlich imstande sein wird, die Auseinandersetzung mit orthodoxen Nichtzionisten zu führen. Dieser Gedanke ist auch hier anzuwenden. Wer grundsfitzlicher Gegner des Kommunismus ist, mag sich mit dem Kommunismus auseinandersetzen; aber er mische diese soziale Auseinandersetzung nicht in das Problem ״Zionismus — Kommunismus“. Denn so wenig der Zionismus als Ganz« einer politischen Machtgruppe verschrieben ist, so wenig ist er einer bestimmten Klassenauffassung verhaftet. Der Zionismus hat die Voraussetzungen für ein jüdisches Volksleben zu schaffen und die Bewegung als Ganzes kann sich 90 wenig mit kapitalistischen wie mit kommunistischen Gedankengängen identifixieren. Die zionistische Bewegung hat in sich einen starken Arbeiterflügel, der in den letzten zehn Jahren einen großen Einfluß auf die Bewegung ausgeübt hat und auch jetzt ausübt. Das Werk dieser Arbeiterschaft in Palästina ist konstruktiver Sozialismus im besten Sinne des Wortes, und Palästina ist heute wohl der einzige Piatz in der Welt außerhalb Sowjetrußlands, wo es sozialistischen Aufbau gibt. Es ist klar, daß diejenigen Zionisten, die sich diesem Flügel zurechnen, allein imstande sind, die Auseinandersetzung mit den Kommunisten zu führen. Denn bei dieser Auseinandersetzung handelt es sich nicht darum, den Kommunisten von seinem Kommunismus abzubringen, sondern ihm zu zeigen, daß die Lösung des J u d e n - Problems im zionistischen Sinne nicht nur für die Juden unter allen Umständen eine Notwendigkeit bleibt, sondern auch dem Kommunismus erwünscht sein muß, weil sie allein die Schaffung eines großen bewußten Proletariats zu ermöglichen vermag. Diese Gedankengänge müssen einem Kommunisten klarzumachen sein, wenn ein sozialistischer Zionist mit ihm spricht und wenn der Kommunist — das ist freilich die Voraus- Setzung — nicht in Wahrheit ein Assimilant alter S c h ul e ist, dem der Kommunismus ein bequemer Vorwand zur Ablehnung des Zionismus ist, sondern wenn er ein wirklich überzeugter und kämpfender Kommunist ist. Es gibt noch eine dritte Voraussetzung für das Gelingen der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus: die Stärke der zionistischen Ueberzeugung, die der kommunistischen gegen- Übertritt, darf nicht schwächer sein, und hier berühren wir vielleicht den wundesten Punkt der ganzen Frage. Zionisten, die durch die Entwicklung der letzten zwei Jahre irre geworden sind, die dicht mehr wissen, für welches Endziel sie eigentlich kämpfen und sogar Zweifel daran haben, ob die zionistische Sache noch zu verwirklichen ist und die gegenüber arabischen Ansprüchen das Gefühl haben, vielleicht eine nicht ganz ebenso berechtigte Sache zu vertreten, sollten nicht als Vorkämpfer des Zionismus gegenüber dem Kommunismus erscheinen. Wir haben von vorneherein bei dieser Auseinandersetzung ein Minus, die unleugbaren Schwierigkeiten, in denen sich unsere Bewegung befindet und aller Voraussicht nach noch eine gewisse Zeit befinden wird. Das braucht kein großes Hindernis zu sein, wenn der Glaube an unser Recht und der Glaube an die Verwirklichung unserer Sache bei uns stark ist. Ohne das kann man überhaupt keine Propaganda machen und ganz gewiß nicht gegenüber einem so begeisterten und so überzeugten Gegner wie einem Kommunisten. Letzten Endes entscheiden bei Diskussionen nicht Argumente, sondern die überzeugte Persönlichkeit und das Gesamtbild der zukünftigen Entwicklung, das sie vorzuzaubern versteht. Es gibt 100 Einwände gegen den Kommunismus, wie gegen den Äonismus, die auf logischem Wege nicht zu widerlegen sind. Der Kommunist wirkt durch das Ziel der klassenlosen Gesellschaft und durdt das Beispiel der Verwirklichung in Rußland. Der Zionismus kann nur wirken durch das Bild der gelösten Judenfrage durch den Aufbau Palästinas. Man pflegt zu sagen, daß Ueberzeugen dem Ueberzeugten nicht schwer fällt. Sind beide Teile über• zeugt, so wird der Kampf häufig unentschieden verlaufen. Aber es ist auch nicht in erster Linie unsere Aufgabe, bereits völlig überzeugte Kommunisten zu uns herüberzuaehen, so erfreulich das Im einzelnen Falle sein würde, sondern die große Mittel- Schicht, die heute unentschieden zwischen beiden Lagern pendelt. Sie kann nur gewonnen werden, wenn sie auf zionistischer Seite keine geringere Ueberzeugungskraft erblickt als aut der kommunistischen. Leib Jaffe In England Wie man uns aus London berichtet, hat Herr L. Jaffe seine zweimonatliche Tour in England soeben beendet. Jaffe hat einige der größten Provinzstädte besucht und überall Resultate erzielt, welche die letzten Jahre der Keren Hajessod- Arbeit übersteigen. In London wurde anläßlich seiner Anwesenheit ein Empfang unter Vorsitz von Sir Myer Spielman veranstaltet. Prof. Brodetsky und Berl Locker sprachen im Namen der Exekutive, Rev. Goldbloom, Mr. Lawrence und Dr. Olsvanger im Namen der English Zionist Federation und des Keren Hajessod. Zuerst besuchte Herr Jaffe zusammen mit Mr. D’Avigdor Goldsmith, dem Vorsitzenden des Administrative Committee der Jewish Agency, Dublin, wo verschiedene Veranstaltungen und Empfänge sta'tfanden. Dublin brachte für den Keren Hajessod eine Summe von £ 403, während die Einnahme des vorigen Jahres £ 277 betragen hat. In Belfast, wo gleichfalls mehrere Empfänge und Versammlungen abgehalten wurden, wurde Herrn jaffe ein Scheck über £ 500 überreicht. Das Resultat des Vorjahres in Belfast, wo 250 jüdische Familien ansässig sind, hatte £ 273 betragen. In Glasgow fand eine Volksversammlung statt, in der Mrs, Sieff und Herr Jaffe sprachen, sowie zwei Jugendversammlungen und eine Frauenversammlung. Das Resultat befrag £ 1000. Vor seiner Abfahrt überreichte man Herrn Jane einen Scheck über £ 750. Das Vorjahr hatte in Glasgow £ 520 erbracht. In Edinburgh fand eine Volksversamnt- Hing unter Vorsitz von Rabbi Dr. Salli Daiches statt. Herr Jaffe und Prof. Brodetsky sprachen. Es wurden £ 300 erzielt §' . Sieff und ׳Herr Jaffe die Hauptredner. Die Aktion erbrachte £ 1000, wovon Jaffe £ 778 in bar überreicht erhielt. Das Vorjahr hatte £ 286 ergeben. Newcastle hat eine jüdische Bevölkerung von 500 Familien. Herr Jaffe verbrachte einige Stunden in Sunderland und sprach dort bei einem Empfang und in einer Volksversammlung, bei der Rabbiner Rabino* witsch die Schlußrede hielt. Es wurden £ 200, davon £ 00 in bar aufgebracht. Den Abschluß der Reise bildete Liverpool. Auf einem Bankett sprachen Lord Melehett, Sir Boyd Merryman und Herr Jaffe. Herr Jaffe hatte ferner Ge* legenheit, in mehreren anderen Versammlungen zu sprechest. Er erhielt einen Scheck über £ 1000. Das vorige Jahr hatte £ 931 erbracht. Das Gesamtresultat der sieben Provinzstädte betrug £ 4300, davon in bar £ 3400. Die Arbeit war nicht nur eine Geldsammlung, sie war überall zionistisch-erzieherische und organisatorische Tätigkeit. Die lokale englische Presse hat dem Besuch Herrn Jaffes viel Aufmerksamkeit gewidmet, Interviews veröffentlicht und ausführliche Artikel über Palästina gebracht. Das erste hebräische Lager in Deutschland. Vom 1. bis 3. Januar d- J. fand in Rüdersdorf bei Berlin, vom ״Rat für hebräische Arbeit unter der Jugend“ veranstaltet, das erste hebräische Lager in Deutschland statt. Vorbereitet und geleitet wurde es von Nachum L e w i n, der für die inhaltliche Ausgestaltung sorgte, in Zusammenarbeit mit der Bundesleitung des Brith-Haolun, die die technische Durchführung des Lagers übernommen hatte. Das Lager sollte Zeugnis dafür ablegen, wie weit in den letzten Jahren nicht nur hebräische Worte, sondern auch hebräische Atmosphäre in die Kreise der jüdischnationalen Jugend eingedrungen seien. Trotz mancher Fehler und Enttäuschungen hat der Versuch sich selbst und damit die Tätigkeit des ״Hebräischen Jugendrates“ gerechtfertigt. — Die Oesamtteilnehmerzahl belief sich auf 74 Chawerim, von denen 34 dem Brith-Haolim, 7 dem Esra, 6 dem Haschomer Haztir, 2 dem Kadimah, 2 dem Bar Kochba, 2 dem Noar Aved, 3 dem Zeire Misrachi und 2 dem Hechaluz angehörten, während der Rest sich aus nichtorganisierten Jugendlichen (9) und aus in Deutschland befindlichen Palästinensern (8) zusammensetzte. Wichtig ist auch die Tatsache, daß von den Teilnehmern 31 Jugendliche erst seit 2 Jahren (teils noch weniger) hebräisch lernen, was — sofern man von der Beteiligung der PalSstinenser absieht — den erfreulich hohen Prozentsatz von nahezu 50 0/0 ausmacht. — Nachum L e w i n eröffnete das Lager. Seine ersten Worte widmete er dem Gedenken unseres veretorbenen Freundes Walter Mecklenburg, dessen große Verdienste auch gerade um die Förderung der hebräischen Sprachbewe* gung in Berlin er hervorhob. Sodann utnriß er in klaren Worten den Zweck des Lagers, der vor allem nicht im Anhören und Besprechen hebräischer Referate, sondern in der Verwirklichung hebräischen Lebens bestehen solle. Demgemäß verwies N. l. auf die Notwendigkeit, gerade die Pausen zwischen den Referaten mit wichtiger hebräischer Arbeit, mit der Abhaltung von Ssichoth, der Lektüre von Zeitungen u. a. auszufüllen. Es ist schon gesagt worden, daß in dieser Beziehung nicht wenig geleistet wurde, wenn auch noch oft Deutscnsprechende entdeckt werden konnten. Einen lOOo/oig hebräischen Teil des Lagers stellten die Referate und die sich ihnen anschließenden Diskussionen dar. Es referierten Nachum Lewin über ״Amos; das soziale Moment im T’nach“, Jehuda Schertok über ״Rachel“ und ״Die neuere hebräische Dichtung‘‘, Dr. Rawidowicz über ״Die Aufklärungsbewegung“, Dr. Outmann über ״Die Zeit des Bar Kochba-Auf- Standes“ und Braslawski über ״Die Geschichte des Jischuw bis zur Zeit der Bilu“. Nicht vergessen werden dürfen die belebenden Neschafim, die an den Abenden stattfanden, und das Singen aller teilnehmenden Chawerim, das — unter der Leitung von Jehuda Schertok —■ dem ganzen Lager einen bestimmten, lebensvollen Charakterzug beigab. — Das hebräische Lager in Rüdersdorf war ein erster Versuch. Er ist gelungen. Es wird nunmehr darauf ankommen, die auf ihm gesammelten Erfahrungen zu verwerten und auf ihnen aufzubauen, damit das nächste hebräische Lager noch mehr als dieses dazu dient, hebräisches Leben in die Kreise der jüdisehen Jugend Deutschlands hineinzutragen. ______ Georg Pape. Olga und Bruno Elsner musizierten zugunsten des Beth- Am Iwri im Hause Grüngard. Das Programm war auf Ro mantik eingestellt: Bruno Eisner spielte Schubert und Chopin, Frau Olga sang Schubert und internationale Volkslieder. Großzügige Plastik der pianistischen Interpretation verband sich erfreulich mit verinnerlichter Liedgestaltung (״Denn wo das Strenge mit dem Zarten ... da gibt es einen guten Klang“). Unter den Volksliedern waren auch zwei jüdische (״Klip klap“ und ״Amul is gewen a Masse“). Das eine davon sang Frau Eisner mit liebevoller Mühe in hebräischer Sprache, die den ostjüdischen Liedern, in denen die sprachlichen und melodtsehen Elemente aufs Intimste verwachsen sind, keineswegs ansteht. Die Bearbeitungen taten das ihre dazu, diese Volksweisen ihr« Ursprungscharakters völlig zu entkleiden. — Der dritte, mehr gastronomische Teil der Veranstaltung war im Programm nicht vorher vermerkt worden; er wurde gewürzt durch launige Tischreden der Herren Grüngard und Ra widowicz. An all dem ergötzte sich eine auserlesene und aufmerksame Hörerschar. —« A.J.-L. Dieser Tage begeht der Vorsitzende der Jüdischen Partei Rumäniens, Dr. Theodor Fischer, seinen 50. Geburtstag. Die nationaljüdischen Organisationen aller Provinzen bereiten fihntogen für. den Jubilar voc.