Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1932)
- Date
- 1932-01-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 5, 19. T, 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 23 Innerzionistisches aus Polen Revisionistische Kommentare. — Die Haltung von ״Eth Uwnoth“. — Jahreskonferenz der Allgemeinen Zionisten Westgaliziens. Von unserem Korrespondenten —g. Warschau, 15. Januar Das zionistische Leben hier steht unter dem Zeichen der Beschlüsse der Revisionistentagung in Warschau und der Vorbereitungen zu der für den 31. d. M. zusammengerufenen Konferenz der Allgemeinen Zionisten Kongreßpolens. Die Revisionisten versuchen, den schlechten Eindruck zu verwischen, den ihre Beschlüsse unter ihren eigenen Mitgliedem, zumal in der Provinz, und in allen zionistischen Kreisen hervorgerufen haben. Die Warschauer Beschlüsse werden so interpretiert, daß sie gerade wegen des Friedenswillens in der Zionistischen Organisation Polens gefaßt wurden, um Reibungen mit anderen Gruppen zu vermeiden usw. Dabei wird aber in Polen zum ersten Male (ähnlich wie von Lichtheim in seiner letzten Zuschrift an die ״J. R.“) von revisionistischer Seite festgestellt, daß sie keine ״Allgemeine Zionisten“ sind; bisher haben sich die Revisionisten immer als Allgemeine Zio* nisten betrachtet und keinen Sonderverband gebildet. Jetzt erstreben sie einen Territorialverbaml, bzw. eine Arbeitsgemein- Schaft mit anderen zionistischen Föderationen und haben öffentlieh diese dazu eingeladen. Bisher hat nur die ״Hitachduth“ in Kongreßpolen In ihrem Organ ״Volk und Land“ diese Einladung zurückgewiesen mit der Begründung, daß sich zu einem gleichen vor Jahren gemachten Vorschlag der ״Hitachduth“ die Allgemeinen Zionisten, die Revisionisten inbegriffen, negativ verhalten haben; auch könne ״ein zionistischer Territorialverband nur durch solche Parteien und Gruppen geschaffen werden, welche ausschließlich dem zionistischen Kongreß und den durch ihn gewählten Organen unterstehen“, Jabotinsky, der soeben In einem Aufsatz im ״Haint“ die neugeschaffene Situation klarzumachen versucht, sieht in den revisionistischen Neubildungen keine Gefahr für die Organisation. Der Erklärung der Londoner Exekutive gegenüber beruft er sich auf die Statuten der Zionistischen Weltorganisation, die es der Exekutive unmöglich machen sollen, legal gegen die in der Organisation verbleibenden Revisionisten vorzugehen. Im übrigen grenzt sich Jabotinsky in diesem Aufsatz schart von der Zionistischen Weltorganisation ab; in einer Polemik mit der ״Jüd. Rundschau“ stellt er fest, daß die Ziele der Union nicht mit denen der Zionistischen Organisation identisch sind. — Die vor einigen Tagen in Krakau abgehaltene Tagung der Allgemeinen Zionisten Westgaliziens hat sowohl in den Referaten ihrer Führer, die ausdrücklich ihre Sympathie für die revisionistische Kritik (Dr. Thon) und für deren politisches Prof־amm (Dr. Schwarzbarth) bekundeten, als auch in den gefaßten esolutionen die Exekutive aufgefordert, alle Konsequenzen aus den Beschlüssen in Calais, gemäß der letzten Erklärung der Exekutive, zu ziehen. In den Reihen der revisionistischen Anhänger in Polen herrscht jetzt ein Chaos. Es gibt sehr viele Unzufriedene, aber nur die wenigsten, darunter einige, die zu den Gründern des Revisionistenverbandes in Polen gehören, haben ihren Austritt aus der Union vollzogen oder wenigstens ihrer Unzufriedenheit öffentlich Ausdruck gegeben. Wir glauben aber nicht fehlzufeiten, wenn wir annehmen, daß in Polen die überwiegende lehrheit der Revisionisten weiterhin Mitglieder der Zionistisehen Weltorganisation bleiben wollen. Nicht aber Mitglieder der Landesorganisation. Nach dem Bekanntwerden der Beschlüsse der Warschauer Revisionistentagung hat das Zentralbüro der ״E t h L i w n ö t h“ Ihre Anhänger angewiesen, an der Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten, die Ende Januar stattfindet, sich nicht zu beteiligen. Dieser Sabotage-Beschluß hat Verwunderung und Empörung hervorgerufen. Die Provinzgruppen der ״Eth Liwneth“ haben erklärt, daß sie diese Anordnung nicht befolgen und an der Landeskonferenz doch teilnehmen werden. Auch in Warschau hat ein Teil der ״Eth Liwnoth“ revoltiert. Die Führer der ״Eth Liwnoth“ hatten gehofft, zusammen mit den Revisionisten die Mehrheit in der Organisation der Allgemeinen Zionisten zu bilden. Daher ihr Kokettieren mit dem Revisionismus, das nicht bedeuten soll, daß die ״Eth Liwnoth“ in Polen Anhänger der Revisionisten sind. Da nun die Revisionisten als Verbündete nicht mehr in Betracht kommen, wollten die ״Eth Liwnoth“ eine Niederlage bei den Wahlen (mit besonderen Listen) vermeiden, und so faßten sie ihren erwähnten Beschluß, der vielleicht zur Liquidation dieser Gruppe führen wird. Im Interesse des Zionismus läge es aber, daß sich beide Gruppen (Eth Liwnoth und AI Hamischmar) auf lösen oder aber wenigstens zu dieser Landeskonferenz gemeinsam auftreten und die Konsolidation der Bewegung zustande bringen. Denn die alten prinzipiellen Gegensätze bestehen nicht mehr oder sind in beiden Gruppen vorhanden. Hoffentlich wird der fesunde Instinkt und die bewährte Treue der zionistischen lassen in Polen dem politischen Spiel einiger Führer ein Ende bereiten. * Die am 5. u. 6. d. M. in Krakau abgehaltene Jahreskonferenz Allgemeiner Zionisten Westgaliziens, an der 180 Delegierte teilnahmen, hat in einigen Referaten und mehreren Resolutionen zu den aktuellen Problemen Stellung genommen. Die politische Haltung dieses Landesverbandes hat sich nicht wesentlieh geändert. Die Konferenz hat in den Referaten Dr. Thons und Dr. Schwarzbarths ihrer Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß der Zionismus wohl jetzt die s t ä r k s t e H o f f n u n g der jüdischen Massen bedeute, daß sich die objektive Daseinsberechtigung des Zionismus noch nie so stark erwiesen habe, und daß im Judentum eine ungeheure zionistische Energie auf gespeichert liege, daß wir aber infolge der materiellen und politischen Bedingungen in unserer Arbeit behindert werden. Eine starke Note kam in der Kritik der Mandatarmacht zum Ausdruck. Dr. Schwarzbarth, der auf dem letzten Kongresse bemüht war, die Allgemeinen Zionisten in der Weltbewegung zu organisieren, gab bekannt, daß im November v. J. der Weltverband der Allgemeinen Zionisten von der Exekutive legalisiert wurde, dieser Weltverband sich aber nicht als besondere Föderation konstituiert hat. Dr. Schwarzbarth bezeichnete, angesichts der letzten Beschlüsse der Revisionisten, als vornehmste Aufgabe dieses WeHverbaudes, der destruktiven Titigkeit der Revisionisten entgegenzuwirken. Dr. Schwarzbarth ist nach vierjähriger verdienstvoller Leitung der westgalizischen Organisation zurückgetreten, um sich vollständig den Angelegenheiten des Weltverbandes widmen zu können. Die Leitung der Exekutive (Vorsitzender der Organisation bleibt Abg. Dr. Thon) hat ein Präsidium übernommen (Leinkram, Mgr. Salpeter, Dr. I. Zimmermann), das diese wohldisziplimerte Landesorganisation weiter ausbauen wird. Nachrichten von der Levante-Messe, Die ägyptische Regierung hat beschlossen, einen eigenen Pavillon auf der Levante-Messe in Tel-Awiw zu eröffnen, um so offiziell einen Ueberblick über die ägyptischen wirtschaftlichen Verhältnisse und Interessen zu vermitteln. — Die Union der Sowjet- Republik verhandelt mit der Messe-Leitung über ihre offizielte Beteiligung an der Messe. Aus den nordischen Ländern Kopenhageiier Briet Vielversprechend wurde die Wintersaison eingeleitet mit einer Aktion zur Ablösung vor Rosch-Haschanah-Wunschen zugunsten der Baumspende, in Anbetracht dessen, daß eine derartige Aktion in Dänemark erstmalig erfolgte und früher unbekannt war, darf man mit dem Ergebnis von etwa Kr. 900 gleich £. 50 zufrieden sein. Mit der Aktion verbunden war eine Ehrung des im Sommer verstorbenen langjährigen, verdienstvollen Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Carl H. Melchior, auf dessen Namen die Pflanzung eines Haines begonnen wurde, — Auch die Notaktion des Keren Hajessod hatte einen relativ guten Erfolg. Die Kronen-Entwertung hat die Sammelarbeit für unsere Fonds neuerdings etwas erschwert. Der Schriftsteller Henri Nathansen, welcher als Ehrengast der Exekutive an den Baseler Tagungen teilgenommen hatte, erstattete einem vielhundertköpfigen Publikum einen dichterisch vollendeten Stimmungsbericht. Es war eine Freude, festzustellen, welchen tiefen und unverwischbaren Eindruck auf diesen dänischen geistigen Juden die erste Berührung mit lebendigem jüdischen Volkstum machte. Die freie Skizzierung der führenden Köpfe in und um den Kongreß und ihre treffsichere Charakterisierung waren hochkünstlerische Miniaturarbeit. Die Danmark-Loge UOBB, welche mit ihren populären Vortragsabenden zum Faktor im öffentlich-jüdischen Leben Kopenhagens zu werden verspricht, brachte als ersten Redner ihrer Wintersaison Dr. Nachum Goldmann mit dem für dänische Verhältnisse recht gewagten Thema ״Juden unter sich“. Goldmann führte vor etwa 300 Zuhörern aus, daß die geistig noch in Tradition, Geschichte und Ghetto verwurzelte Judenheit dringend eines wirksamen Gegengewichtes bedürfe durch Schaffung von Realitäten für die Gegenwart und Zukunft als Gemeinschaftsaufgäbe des lebenbejahenden Judentums. Der in seiner Durch- Führung und seinen Konsequenzen klare Vortrag fand starken und ehrlichen Beifall. Zwei Vorträge über ״Die Zukunft des Judentums“, welche Rabbiner Dr. Melchior (Reuthen), ein geborener Däne, in der Loge und im Jugendbund hielt, bilden gegenwärtig das Gesprächsthema im jüdischen Kopenhagen. Dr. Melchior, der klar und überzeugend unsere Richtung wies, hinterließ einen großen Eindruck bei weitesten Kreisen auch außerhalb unserer Reihen. Der Jüdische Jugendbund (Jödisk Ungdom) hat einen neuen Vorstand gewählt, dessen Vorsitzender den Verein nunmehr bewußt-jüdische Wege führt. Eine Vertiefung dieser Tendenz, welche unser Dr. Werner Bloch anläßlich seiner letzten Tournee wirkungsvoll förderte, ist von der Weihnachtskonferenz der skandinavischen jüdischen Jugend in Stockholm zu erwarten. Der Jüdische Sportverein ״Hakoah“ rüstet zur Makkabiah. Die sportlichen Voraussetzungen für einen vollen Erfolg seiner Teilnahme sind sicher erfüllt. Seine Mitglieder beteiligen sich an hebräischen Kursen. Die Danmark-Loge bewilligte Kr. 400 Reisebeitrag; weitere Unterstützung von anderen Seiten ist gesichert. Mitte Dezember findet die alljährliche Teil-Neuwahl zum Repräsentanten-KolIegium der Gemeinde statt. Für die Dauer der Gültigkeit des gegenwärtigen undemokratischen Wahlrechts (einfache Majoritätswahl durch nur dänische Staatsangehörige, also füntzehnjährige Karenzzeit für Zugezogene!) werden sich Zionisten der Wahl zu enthalten haben. Leopold Landau. Jagendkonlerenz ln Stockholm (Von unserem Stockholmer Korrespondenten.) Vom 25. bis 27. Dezember fand die diesjährige Konferenz des skandinavisch-jüdischen Jugendverbandes in Stockholm statt. Delegierte aus Dänemark, Schweden und Norwegen waren zu dieser Konferenz erschienen, und zum erstenmal hatten die jüdischen Jugendvereine Finnlands Vertreter entsandt, um sich dem Verband anzuschließen. Die Verhandlungen begannen unter dem Vorsitz von L. Altermann (Kopenhagen) mit einer Begrüßungsansprache von Oberrabbiner Dr. M, Ehrenpreis. Dozent H. Valentin (Stockholm) stellte in seinem Referat die Forderung eines Zusammenschlusses samtlicher in Skandinavien bestehenden positiv-jüdischen Vereine aut. Die Konferenz beschloß dann, daß zunächst ein Zusammenschluß aller jüdischen Jugendvereine in Skandinavien erfolge. Das neu gewählte Präsidium unter dem Vorsitz von Daniel Brick (Stockholm) soll mit den zionistischen und anderen positiv-jüdischen Vereinen die Verbindung zu einer gemeinsamen Arbeit aufnehmen. Dadurch soll es u. a. ermögficht werden, Vortragsreisen jüdischer Persönlichkeiten des Auslandes für die skandinavischen Länder zu arrangieren. Der skandinavisch-jüdische Jugendverband stellt sich für die Arbeit des Keren Kajemeth und Keren Hajessod zur Verfügung und fühlt sich als ein Teil der Jewish Agency. Rabbiner J. Samuel (Oslo) hielt ein Referat ״Jüdische Welt- Probleme von heute“. Aus den zahlreichen Begrüßungen sei der Brief von Dr. Werner Bloch erwähnt, der Richtlinien für die Arbeit zu geben bemüht war. Den Abschluß der wirkungsvollen Tagung bildete ein großer Festball zugunsten des Keren Kajemeth. Dr. J. Zacharias (Stockholm), der Vorsitzende der KKL-Kommission, gab ein Bild von der Entwicklung des KKL in den 30 Jahren seines Bestehens. Es ist anzunehmen, daß das finanzielle Ergebnis ein gutes sein wird. _ H. Ritter. Katholizismus und Palästina. Wir haben in der vorigen Nummer die Broschüre eines katholischen Autors, Dr. Eugen Müller, ״Judentum undZionismus“ besprochen, die gegen den Zionismus Partei nimmt. Es ist dies nicht die erste Katholische Stimme antizionistischer Prägung. Ebenso wie es unter den Katholiken besonders in Deutschland, Amerika und anderen Ländern aufrichtige Freunde des Zionismus fibt, sind in den letzten zehn Jahren auch häufig katholische timmen gegen den Zionismus laut geworden und haben eine offene Parteinahme zugunsten der Araber bekundet. Nach den August-Unruhen von 1929 waren auffallenderweise gerade die christlichen Stimmen, die eine Verurteilung der arabischen Mordtaten aussprachen, sehr selten. In diesem Zusammenhang ist nun der Bericht interessant, den der Jerusalemer Korrespondent der katholischen Wiener ״Reichspost“, Dr. M o m b e 11 i, seiner Zeitung über den moslemischen Kongreß sandte. In diesem Bericht wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die Aufpeitschung des moslemischen Fanatismus sich auch gegen die christlichen Missionen und Kirchen wenden könnte. Der Berichterstatter verzeichnet sehr mißbilligend den Beschluß der Einsetzung eines ständigen moslemischen Aus- Schusses mit dem Sitz in Jerusalem und läßt durchblicken, daß Englands Duldung dieser ״religiösen und politischen Reaktion des Islam gegen den christlichen Westen“ höchst unerwünscht sei. Angesichts der erfundenen und phantastischen Behauptungen, daß von einer jüdischen Siedlung den christlichen Stätten und Institutionen in Palästina Gefahr drohe, ist das Zeugnis eines dem Vatikan nahestehenden katholischen Journalisten bemerkenswert, dem plötzlich ein Licht darüber aufgeht, daß der bisher nur gegen die Juden aufgepeitschte Fanatlsmus, den manche Christen ganz wohlwollend zu betrachten schienen, sich auch gegen andere wenden könnte. Herrn Dr. Müller, dem Verfasser des erwähnten Buches, und dem ״Deutsehen Verein vom Heiligen Lande“, der eine ganze Schriftenreihe herausgibt, müßte dieser Bericht der Wiener ״Reich»• pos*“ zu denken geben. Von der Entwicklung des Brüh Haolim (Anläßlich seiner Winterlager vom 23. bis 31. Dezember 1931.) In den letzten Monaten konnte der ״Brith Haolim“ einen erfreulichen inneren und äußeren Aufschwung verzeichnen. Be- Stehende Gruppen verstärkten sich, neue entstanden an vielen Orter), einzelne wie auch ehedem selbständige Gruppen schlossen sich dem Bunde an. Diese Erfolge der Bundesarbeit sind keineswegs Ergebnis einer günstigen Konjunktur. Wir wissen zu gut, unter welchen Schwierigkeiten sich heute die zionistische lugend in den sie umgebenden Parolen des Tages ihren Weg zu bahnen hat. Wenn dennoch heute jüdische Jugend in nicht geringer Zahl den Weg zu einem Bunde findet, für den Palästina schon seit vielen Jahren im Mittelpunkt seines Lebens und Strebens steht, ist dies als ein um so erfreulicheres Anzeichen zu werten. Der Gedanke einer Regeneration des jüdischen Volkes, wenn er sich mit den Vorstellungen einer sozialen Erneuerung zu einem sinnvollen Ganzen verbindet, findet auch heute noch willige Hörer, findet Jugend, die bereit ist, diesen Gedanken mit letzter persönlicher Konsequenz zu verwirklichen. Allerdings ist es gerade bei der Gewinnung jugendlicher Kreise nicht mit einer oberflächlichen Propaganda-Tätigkeit getan. Nur planmäßige erzieherische Arbeit, deren Ziel es ist, den ganzen Menschen zu erfassen, kann einen Menschenkreis formen und festigen. Und nur ein solcher Menschenkreis wird in sich die Kräfte finden, die neue Menschen an ziehen und ihnen nicht nur einen Ideenextrakt, sondern das Bild einer durch ihre Idee geprägten Gemeinschaft zeigen können. Hieraut kommt es an, nicht darauf, eine logisch schlüssige Ideologie vormtragen, die wohlgeordnete Argumente gegen unsere Widersacner von rechts bis links enthält. In diesem Sinne befaßte sich der Brith Haolim in den letzten Monaten mit pädagogischen Fragen praktischer und theoretischer Natur. An vielen Orten wurden ״Jüngeren-Führerschäften“ geschaffen, regelmäßig zusammenkommende Kreise, in denen sich die Führer der Jüngeren-Schicht (der Bund ist dem Altersaufbau nach in eine Jüngeren-, Mittleren- und Aelteren-Schicht geteilt), der 10—13jährigen, über die Probleme ihrer Arbeit unterhalten. Im Aeltemblatt des Bundes werden fortlaufend pädagogische Fragen behandelt. Die hebri- Ische Arbeit im Bunde hat gleichfalls eine Verstärkung erfahren. Das laufende Jahr ist zum ״Schanah-Iwrith“ des Bundes bestimmt worden. Das erste hebräische Lager Deutschlands, von dem Hebräischen Jugendrat veranstaltet, war zum größten Teil von Menschen des Brith Haolim besucht. Giwath Brenner bei Rechowoth, die Kwuzah, in der die größte Zahl der Chawerim des Bundes konzentriert ist, ist in ihrer Bedeutung für den Bund ständig gewachsen. Es hat Beträchtliches zur Verbindung unserer Menschen mit Erez Israel beigetragen. Damit geht zusammen das Bestreben, die etwa 250 Menschen, die der Brith Haolim nach Palästina sandte, in starker Verbindung mit dem Bunde zu halten. Zu diesem Zwecke schuf man eine palästinensische Abteilung der Bundesleitung, die vor kurzem die erste Nummer eines Infonnationsblattes des Brith Haolim in Erez Israel — hebräisch — herausgab. Der Brith Haolim zählt heute insgesamt 1600 Menschen in 30 Ortsbünden (Agudoth). Eng zusammenliegende Agudoth sind in Gaue zusammengefaßt, deren es vier gibt Von der Gesamtzahl der Chawerim befinden sich 250 in Erez Israel, 272 in der fachlichen Vorbereitung für Palästina (60 »fo aller Chawerim des deutschen Hechaluz). In der jüngsten Entwicklung des Bund« werden die Winter- Iager, an deren Ende wir jetzt stehen, ohne Zweifel von hoher Bedeutung sein. Wir gingen davon aus, daß den meisten unserer Menschen eine tiefe Verbundenheit mit jüdischer Geschichte und jüdischer Vergangenheit fehlt. Unter bewußtem Verzicht auf die aktuellen Fragen stellten wir also Geschichte — und zwar die Epochen des Chassidismus, der Aufklärung und der Emanzipation — in den Mittelpunkt unserer Lagerarbeit. So fanden, nach einem einheitlichen Plan vorbereitet und durchgeführt, vom 23. bis 31. Dezember 1931 (an einigen Punkten etwas kürzere Zeit) acht Lager in den verschiedenen Gegenden Deutschlands statt, an denen sich insgesamt 450 Mensehen beteiligten. Die Lager sind nach den vorliegenden Berichten als ein voller Erfolg anzusehen. Eine starke Anregung, sich in der Selbstarbeit wie auch in der Gruppe in stärkerem Maße mit jüdischen Dingen zu beschäftigen, ging von ihnen aus. — Das besonders gelungene Berliner Lager, an dem sich 120 Menschen beteiligten, widmete einen Tag dem 30jährigen Jubiläum des Keren Kajemeth. Herr Pollak (Berlin )vermochte durch seine Ausführungen den Hörern ein lebendiges Bild der Palästina-Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten nahezubringen. Nach den Lagern hat an allen Orten wieder die Gruppenarbeit eingesetzt. Das kommende Frühjahr wird durch Ver- Stärkung unserer Werbearbeit in der jüdischen Jugend bestimmt sein. Seew Orbach. Winterlager der Jüdischen Pfadfinderbundes Deutschlands. Der Jüdische Pfadfinderbund im Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands hielt in den Weihnachtstagen in Zwingenberg an der Bergstraße ein Führerlager ab, das von 90 Führern der südwestdeutschen Gaue besucht war. Das Programm des Lagers galt der Erkenntnis der Situation des Judentums und der Aufgaben des Bundes in dieser Situation. Aufbauend auf einem Referat über ״Die geschichtlich gewordene Situation der Juden in Deutschland“ und einem Referat über ״Die Lage der Juden in Europa im allgemeinen und in Deutschland im besonderen“ sprach Kurt London, der Bundesleiter des I. P. D., über ״Aufgaben, Ziele und Wege des LP.D.“ Der Darlegung wichtiger Einzelprobleme des heutigen Judentums galten Referate über: ״Die Lage der Juden in Palästina“ und ״Jüdische Sozialpolitik“. Eine Arbeitsgemeinschaft über ״Gesetz und Verpflichtung“ wies die Grundlagen der Pfadfindererziehung. Die auf dem Lager versammelten Führer zeigten den festen Willen, den I. P. D. als den größten Bund der jüdischen Jugendbewegung Deutschlands einzusetzen zur Aktivierung und Einigung des deutschen und des Gesamtjudentums. — Außer diesem Lager fanden Wintersportlager des LP. D. statt in Jachenau für die Gruppen Nürnberg und München, auf der Wülzburg für Nürnberg, im Riesengebirge für Teile der Berliner Gruppe, in der Nähe Berlins für Teile der Berliner Gruppe und im Sauerland für die westdeutschen Gruppen. Streik 18 elaern Spital Im Spital Bikkur Cholim in Jerusalem ist ein Streik der Krankenschwestern und Hilfsschwestern ausgebrochen, da die Leitung des Spitals sich weigerte, von den rückständigen acht Monatsgehältern zwei auszuzahlen. Bei den Verhandlungen versuchte die Leitung des Spitals die Zustimmung der Angestellten zu erlangen, daß Entlassungen von Angestellten in Zukunft dem freien Ermessen der Leitung anheimgestellt sein möge. Da keirie Einigung erzielt wurde, brach der Streik aus. Die Krankenschwestern haben lediglich bei vier Schwerkranken, deren Transport in ein anderes Spital unmöglieh war, die Arbeit fortgesetzt. Alle Vermittlungsversuche nationaler Institutionen sind bisher gescheitert. Auch Polizei wurde gelegentlich in die Sache herci!gezogen. Nach etwa einer Woche wurde der Streik beendet, indem d;n Forderungen der Angestellten Rechnung getragen wurde.