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Jüdische Rundschau · 1932-01-19 · Heft 5 (19.1.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 5 (19.1.1932)
Date
1932-01-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 22 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 5, 19.11932 (Pr»ii• 1» pul. Hund) 1. Parzellierung und Plan der Gebäude 15 Installation, Wasserbassin u. Rohrleitung 32 17 2. Gebäude: Wohnhaus 150 Stall, Hühnerstall und Speicher 50 Zaun 10 210 3. Lebendes Inventar: 1 Kuh 20 30 Hühner (eierlegende) 6 26 4. Bewässerbarer Boden außer Orangen: 5 Dunam tiefgepflügt 5 Pflanzung verschiedener Fruchtbäume 10 Viehfutter und Gemüse 5 20 5. Verschiedenes: Arbeitsgeräte, Inventar für Stall u. Hühner 15 15 Alllage der gesamten Wirtschaft 318 10 Dunam Orangen und Wasserversorgung 620 Hauswirtschaft 318 Unvorhergesehene Ausgaben 62 £P 1 OM (zirka 14 700 RM.; Bedingungen der Ansiedlung a) Der Boden ist Eigentum des Keren Kajemeth Lejisrael und wird dem Ansiedler in Erbpacht gegeben. Bis zum fünften Jahr betragt der Pachtzins, den der Siedler an den KKL. zu zahlen hat, 1 Pfund pro fahr pro Parzelle (20 Dunam). Vom sechsten Jahre an una weiter beträgt der Pachtzins 2—2*4 Pfund pro Jahr pro Parzelle. b) Der KKL., sowie andere nationale Institutionen, übernehmen keine Verantwortung für den Aufbau der Wirtschaft des Siedlers. Die Errichtung der Wirtschaft geschieht auf die alleinige finanzielle Verantwortung des Siedlers selbst. c) Die Anlage von 10 Dunam Orangen wird der Gesellschaft ,Jachin" übergeben, die laut besonderem Vertrag mit dem Siedler verpflichtet ist, diese Fläche im Laufe von fünf Jahren bis zum Fruchtertrag zu bearbeiten. ä) Der vollständige Ausbau der Wirtschaft wird, nachdem der Eigentümer das Land besetzt hat, entweder durch den Sied- 1er selbst, oder gemäß besonderem Vertrag von der Gesellschaft ״Jachin״ durchgeführt. Dieser Siedlungsplan biefet eine Gelegenheit, billig und sicher eine Existenz für eine einigermaßen bemittelte Familie in Erez Israel zu begründen. Der obige Plan zeigt, daß selbst bei weniger günstigen Verhältnissen und Schwierigkeiten der Uebersiedlung die Anlagekosten und Zahlungsbedingungen dieser in weitestem Maße Rechnung trägt. Mosche Brachmann (Giwath Brenner). * Die aoulrUtenen Böden Vor einiger Zeit wurde eine Nachricht verbreitet, daß die Palästina-Regierung einen Teil des Nationalfonds- Bodens vom Wadi Chawarith pachten will, am darauf landlose Araber anzusfedeln. Diese Nachricht hat begreiflicherweise in der Jüdischen Oeftentlichkeit Befremden hervorgerufen. Die Palästina-Regierung teilt Jetzt, wie die JTA* aus Palästbii meldet, in einem Comimmlqud mit, daß sie in der Tat an den Keren Kajemeth mit dem Vorschlag herangetreten Ist, Ihr einen Teil des Wadi Chawarith-Bodens, der nicht bebaut wird, pachtweise zu überlassen, damit auf demselben vorübergehend die (andlosen Araber angesiedelt werden können, die sich Jetzt auf dem Boden befinden und sich weigern, ihn zu verlassen. Es handle sich, wie verlautet, um eine Flüche von 3000 Dunam. Die Frage der Räumung der Wadi Chawarith- Böden ist bereits seit drei Jahren Gegenstand der Erörterung. Die Boden wurden vom Jüdischen Nationalfonds in Öffenllieber Zwangsversteigerung, die von arabischer Seite gegen den Eigentümer eingeleitet worden war, erworben. Bei der Uebernähme der Böden ergaben sich Schwierigkeiten mit einer Anzahl von arabischen Pächtern, die sich weigerten, den Boden zu verlassen. Es wurde auch eine Reihe von Besitz-Prozessen angestrengt, die zum Teil heute noch vor dem Boden-Gerichtshof Palästinas schweben. Ein Teil der Prozesse hat bereits mit dem Obsiegen des Jüdischen Nationalfonds geendet Juristisch ist also das Recht des Nationalfonds unbestritten, aber politisch wurde der Fall von Wadi Chawarith zur Agitation gegen jüdischen Bodenerwerb ausgebeutet. Den Kennern der Palästina-Geschichte der letzten drei Jahre ist bekannt, daß die Frage von Wadi Chawarith eine erhebliche Rolle bei den Erwägungen der Shaw-Kammission gespielt hat, die zur Untersuchung der Unruhen von 1929 eingesetzt worden war. Da es gerade während der Verhandlungen der Shaw-Konimissten zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen Polizei und Arabern in Wadi Chawarith kam, benutzte die Shaw-Kommission den Fall als einen Beweis dafür, daß durch jüdische Landkäufe eine ״Klasse landloser Araber“ entsteht, für die kein anderer Siedlungsboden beschafft werden könne. Nach den Informattenen des Jüdischer Nationalfonds handelt es sich bei den Beduinen, die jetzt auf den Boden sind, keineswegs um Siedler, die früher Pachtrechte an den Böden besaßen, sondern zumindest teilweise um zugezogene Beduinen, die den geschilderten politischen Sachverhalt sich zunutze machten. Vielfach werden auch Weiderechte geltend gemacht, die durch die letzte Pächterschutzverordnung der Regierung gleichfalls geschützt sind. Ganz abgesehen von der juristischen Frage, ob solche Rechte wirklich bestehen, wurde vom Jüdischen Nationalfonds der wirtschaftliche Gesichtspunkt betont, daß man es mit den Ökonomischen und kulturellen Interessen Palästinas nicht vereinbaren könne, einen Boden, der für h 0 c h - wertigen Orangenbau und daher für dichte Be- Siedlung geeignet ist, als Weideland für Beduinen brachhegen zu lassen. Im vorigen Monat haben nun Beduinen, die früher nur ihr Vieh auf Chawarith-Böden trieben, auch ihre Zelte dort aufgeschlagen. Es entspannen sich langwierige Verhandlungen zwischen der Regierung und der Jewish Agency, um einen Ausweg aus der geschaffenen Situation zu finden. Die Regierung wünschte vor allem, der Notwendigkeit enthoben zu sein, die Beduinen mit Polizeigewalt von dem Boden zu vertreiben. Sie hat daher den eingangs erwähnten Vorschlag gemacht, daß sie einen Teil des Bodens vom Jüdisehen Nationalfonds in Pacht nimmt und die Beduinen vorderhand für einen begrenzten Zeitraum auf dem Boden beläßt. Die Jewish Agency war bemüht, bei einer vermittelnden Lösung dieser Angelegenheit mitzuhelfen. Es liegt jedoch auf der Hand, daß weitgehende Garantien gefordert werden müssen, damit hier nicht ein Präzedenzfall geschaffen wird, dessen Wiederholung in Zukunft der jüdischen Siedlung große Schwierigkeiten machen könnte. Die Regierung ist offenbar der Ansicht, daß im Verlaufe der Tätigkeit des Landentwicklungs-Kommissärs, dem ja auch die Ansiedlung von durch jüdische Bodenkäufe landlos gewordenen Arabern obliegt, eine Lösung der Frage der .Wadi Chawarith-Beduiaen gefunden wer• den wird. Zum Teil gewinnt man auch den Eindruck, daß es der Regierung darum zu tun ist, Zeit zu gewinnen. Auf der anderen Seite muß der Jüdische Nationalfonds darauf bestehen, daß nach Ablauf der Pachtzeit der Boden von der Regie* rung dem Nationalfonds zurückgegeben wird und daß nicht in der Zwischenzeit, z. B. durch die Art der Bodenbearbdtung, neue Ansprüche der arabischen Unterpächter entstehen. Da vielfach mißverständliche Auffassungen im Umlaufe sind, muß jedoch darauf hingewiesen werden, daß es sich bei dieser Angelegenheit nur um einen kleinen Bruchteil des Wadi Chawarith-Bodens handelt. Auf dem größten Teil des Bodens geht die Besitznahme durch den Nstfonalfonds und die Vorbereitung für die jüdische Siedlung ungestört vor sich. Das G-V.*Kind in der Schule Eftae Aets$enmg dar C.-V.־ Zeitung In Nr. 3 der ״Jüdischen Rundschau“ hat Dr. Krojanker eine Reihe von Aeußerungen behandelt, die in der ״C. - V.- Zeitung“ als Ergebnis einer in C.-V.-Kreisen veranstalteten Enquete über das jüdische Kind in der Schule veröffentlicht waren. Die ״C.-V.-Zeitung“ vom 15. d. M. weist demgegenüber darauf hin, daß diese Aeußerungen nur die persönlichen Mdnungelt der Schreiber zum Ausdruck brachten; die Meinung der Schriftleitung sei erst in einer Schlußbetrachtung enthalten, die nunmehr mitgetdlt wird. Wir stehen nicht an, von dieser Erklärung des C.-V. loyalerweise auch unseren Lesern Kenntnis zu geben. Die Schlußbetrachtung selbst ist in gewissem Sinne als erfreuliches Zeichen der Zeit zu werten. Es wird zunächst berichtet, daß der ״C.-V.-Zeitung“ auf ihre Veröffentlichung eine Reihe von (offenbar protestierenden) Zu- Schriften zugegangen sind. Dann heißt es weiter (Sperrungen von uns): . . Was J. M. Frank uns in seinem Roman schildert, sind viel weniger die Folgen einer persönlichen Weichheit und Feigheit des Jakob Rosenbaum, als vielmehr die traurigen Resultate einer unjüdischen Erziehung im Elternhaus, die es versäumt hat, den jungen Juden über die Grundtatsachen seines eigenen Lebens als Jude aufzuklären, die ihm keinen Stolz auf sein Judesein an erzogen hat und ihm damit das Gefühl des Selbstbewußtseins genommen hat, das den modernen Juden seelisch in den Stand setzt, auf sein Recht als Jude zu pochen, man möchte fast mit den Worten eines der Einsender sagen: ,Gegebenen Falles sogar unter Konflikt mit den schulgesetzlichen Bestimmungen‘ (wenn sie nämlich von antisemitischen Vertretern in judenfeindlicher Form ausgelegt werden sollten!). Eine solche Einstellung des Elternhauses aber erinnert uns deutlich an denjenigen Typ jüdischer Eltern, die es immer nur darauf abgesehen haben, um Himmels willen nicht aus dem Rahmen zu fallen, sich um jeden Preis zu assimilieren, auch dann, wenn diese Scheinassimilation mit den Minderwertigkeitsgefühien ihrer Kinder und letzten Endes mit einer Entjudung erkauft wird. Gerade die zuletzt erwähnte Gefahr der Entjudung wird besonders von den jüdischen Schülern, soweit sie uns ihre Meinung schrieben, klar erkannt. Die junge Generation will ihr Judentum nicht preisgeben. Sie ist sich dessen bewußt, daß siedieSündenihrerEltern auf jüdischem Gebiet jetzt wieder gutzumachen hat durch eine liebevolle Hinneigung zu allem Jüdischen, eine Voraussetzung, ohne die ihr der Kampf gegen den Antisemitismus sinnlos erscheint. Sie lehnt es aber auch nach außen ab, ihre Liebe zum Judentum und zur Judenheit zu vertuschen, um sich vielleicht bei Nichtjuden anzubiedern. Selbstverständlich wird der junge Jude es keineswegs darauf anlegen, sich von seinen nichtjfidischen Mitschülern abzuschließen. Er wird es aber andererseits keineswegs als persönlichen Fehler empfinden, wenn nun von anderer Seite eine derartige Isolierung eintritt; er wird dann das Bewußtsein haben, als ein Glied in der Front der jüdischen Jugend zu arbeiten und zu kämpfen. Gerade in jüdischen Schülerkreisen ist man heute durchaus über die Tatsache im klaren, daß man kameradschaftlichen und sportliehen Geist gegenüber dem nichtjüdischen Mitschüler zu wahren hat. Man empfindet dies im Gegensatz zu früheren Generationen als eine Selbstverständlichkeit, weiß aber ganz genau, daß der Antisemitismus dadurch nicht beseitigt werden kann, da dieser sich ja nicht egen das schlechte Verhalten des einzelnen, sondern gegen ie Tatsache der Judenheit allgemein richtet.“ Diese Stellungnahme der ״C.-V.-Zeitung“ können wir nur durchaus zustimmend wiedergeben, wenn wir uns auch darüber klar sind, daß in der Auffassung des Positiv-Jüdischen zwischen uns und dem C.-V. Unterschiede bestehen. Aber die klare und eindeutige Verurteilung der Assimilationstendenzen, das offene Bekenntnis der ״Sünden der Eltern“ (d. h. der C.-V.-Generation), die Abkehr von der Denkungsart des liberalistischen Angstiudentums, das ״um Himmels willen nicht aus dem Rahmen fallen wollte“, diese Erkenntnis der Falschheit und Unwirksamkeit der bis in unsere Zeit als alleinseligmachend betrachteten ״Abwehr“-Methoden, dies alles können wir von unserem Standpunkt nur mit Genugtuung verzeichnen, um so mehr als sich diese Gesichtspunkte mit vielen der von Dr. Krojanker vorgebrachten Einwände berühren. Man würde nur wünschen, daß der C.-V. aus dieser für ihn neuen Erkenntnis die Konsequenzen zöge. Prof. Elwood Mead, der bekannte kalifornische Sachverständige für Landwirtschaft, der auch mehrere Gutachten über Palästina erstattet hat, schrieb an Prof. Felix Frankfurter einen Brief, worin es heißt: ״Ich habe jetzt genau die Protokolle der Mandats-Kommission aus dem Jahre 1931 studiert. England ist ganz und gar auf dem Holzwege in der Auffassung dessen, was den Arabern als Ergebnis der jüdischen Entwicklung geschehen ist. Die englische Regierung versteht nicht oder mißdeutet absichtlich die Wirkung der Landkäufe der Juden. Sie sagt gar nichts über die von den Juden durchgeführte Entsumpfung, die auch den Arabern erst das Leben in früher verpesteten Gegenden möglich gemacht hat. ich habe 1923 in Palästina die Verhandlungen über Landkäufe im Emek Jesrecl beobachtet. Der Eigentümer des Bodens war ein Syrer: die Leute, die den Boden bearbeiteten, waren vor dem Kauf ebenso landlos wie nachher und hatten nicht die geringste Sicherheit für Ihre Stellung als Pächter. Die Pächter» mit denen ich sprach, hatten gegen den Verkauf nichts einzuwenden. Die Schwierigkeiten, die den Zionisten jetzt gemacht werden, müßten für jede private Unternehmung verhängnisvoll sein; sie werden nur durch den patriotischen Impuls der Juden überwunden. Ich hoffe, daß bald ein befriedigendes Uebereinkommen erzielt wird, das den Zionisten ein freies Feld der Ent- Wicklung sichert.“ Die kürzlich in der ״Jüdischen Rundschau“ angegebenen Ziffern der Palästina-Einwanderung beziehen sich nicht auf Dezember, sondern auf November .1931, Englands Palästina-Politik ״Noor East" sagt! Keine Rflddtehr zur ״guten alten Phnner*Zett" Die englische Zeitschrift ״The Near East ssd India* befaßt sich in ihrer Nummer vom 14. Januar mit den auf der revisionistischen Konferenz in Warschau und auf der Konferenz der Engiish Zionist Federation in London gehaltenen Reden. Vom zionistischen Standpunkt aus ist die Stellungnahme der Zeitung gewiß in vielen wesentlichen Punkten zurückzuweisen. Wenn z. B. der ״Near East“ den Zionisten den Rat gibt, die Revisionisten auszuschließen, so wird man demgegenüber erklären müssen, daß dies eine Sache ist, die die Zionisten selbst entscheiden müssen; zugleich aber muß man darauf hinweisen, daß es doch etwas zu simpel gedacht ist, wenn man sich vorstellt, daß das Problem des Verhältnisses der englischen Politik in Palästina zu den zionistischen Aspirationen einfach durch die Spaltung der Zionistischen Organisation zu lösen wäre. Wenn der ״Near East“ um eine objektive Betrachtung der Dinge bemüht ist, dann dürfte er auch die andere Seite der Angelegenheit nicht ignorieren, daß nämlich durch das Verhalten Englands in den letzten zwei oder drei Jahren viele Zionisten in die Arme des Revisionismus oder ähnlicher Anschauungen getrieben worden sind. Auch englische Politiker und Publizisten müssen doch wissen, daß bei einer Volksbewegung nicht ausschließlich Eiemente der vernünftigen Ueberiegung den Ausschlag geben, sondern auch Affektmomente, die in einem gewissen Punkt der Entwicklung nicht mehr so einfach durch Argumente der Realpolitik oder der Vernunft zu paralysieren sind. Für zionistische Leser aber ist die Stellungnahme des ״Near East“ besonders wichtig, weil sich darin zweifellos die Meinung eines großen Teiles der englischen Oeffent- 1 i c h k e i t und besonders der Kreise des Kolonialamtes ausdrückt. Diese Anschauungen aber können von uns nicht ignoriert werden. Die Zeitschrift geht aus von der Feststellung, daß bereits seit längerer Zeit der Revisionismus sich als s chwereSchädigung des Zionismus entpuppt hat. Die Revisionisten haben es darauf angelegt, alle an aem Palästinaproblem haftenden nichtjüdischen Interessen auszuschalten. Es war daher nur natürlich, daß die Gegner des Zionismus und besonders die palästinensischen Araber immer wieder auf die Aeußerungen der Revisionisten hinwiesen, die In Wahrheit nur eine Enthüllung der ausgesprochenen oder unausgesprochenen Ziele aller Zionisten seien. Auf der Konferenz der polnischen Revisionisten in Warschau sagte Jabotinsky, daß England durch die Vernichtung der jüdischen Ansprüche in Palästina 15 Millionen jüdischer Herzen in Brand gesetzt hat, und daß die Gefahr eines solchen Vorgehens sehr groß sei. An anderer Stelle wird berichtet, er habe gesagt, diese antibritische Stimmung der Juden könne das Dynamit werden, das das britische Reich in die Luft sprenge. Dies ist, nebenbei gesagt, eine Ansicht, welche wir selbst aus dem Munde palästinensischer Juden gehört haben. Solcher gefährlicher Unsinn hat natürlich eine sofortige Zurückweisung seitens des Präsidenten der Engiish Zionist Federation zur Folge gehabt, der von den ״unverantwortlichen Erklärungen“ Jaboiinskys abrückte. Nun ist es zwar richtig, daß der Führer der Revisionisten kein Amt in der Zionistischen Organisation bekleidet und in dieser Hinsicht seine Erklärungen ״unverantwortlich“ sind; es ist auch klar, daß seine Anschauungen von der Mehrheit der englischen Zionisten abgelehnt werden. Aber dieser englische Zionismus ist nicht eine wahre Spiegelung des Weltzionismus, wie sich bei der Niederlage Dr. Weizmanns in Basel gezeigt hat. Daß die Drohungen Jabotinskys gegen das englische Reich einen starken Widerhall in Palästina selbst finden, ganz abgesehen von Europa und Amerika, ist allgemein bekannt. Wäre es daher nicht klüger für die Zionistische Organisation, diese aus dem Gleichgewicht geratenen Zionisten auszuschheßen. Ohnedies wünscht Jabotinsky seine Revisionisten von der Organisation zu trennen. Es ist, schließlich und endlich, ein etwas lache rlichesSc hauspiel, wenn, wie dies jetzt der F all ist, der eine -größere- Teil derOrganlsation dauernd damit beschältigt ist, die Erklärungen eines anderen Teiles zu desavouieren. Menschen, welche das britische Empire zersprengen wollen, können vernünftigerweise keinen Platz in einer Bewegung ha ben, die für ihren Fortschritt auf die Zusammenarbeit mit dem Empire angewiesen ist, und je früher solche Mißvergnügte und Störenfriede offiziell aus der Bewegung ausgewiesen werden, um so besser. Denn wenn nicht eine offizielte Spaltung Platz greift, dann ist es unvermeidlich, daß der extremere Teil die Ueberschriften der Zeitungen monopolisieren wird und, was noch wichtiger ist, dauernd ein Schreckgespenst für die Araber darstellen wird. Zu schließen nach den Aeußerungen des Präsidenten Dr. Eder auf der Jahreskonferenz der Engiish Zionist Federation — fährt ״Near East״ fort — verstehen die Zionisten noch nicht einmal die genaue Natur der britischen Verant- Wörtlichkeit in Palästina. Auf dieser Konferenz wurde sehr scharfe Kritik an der Mandatarmacht geübt. Es machte den Anschein, als ob die Delegierten sich in einer Stimmung bitterer Enttäuschung versammelt hätten. Dr. Eder soll gesagt haben, wenn die Großbritannien in Palästina übertragene Aufgabe Englands Fähigkeiten übersteige, dann wäre es besser für alle, dies klarzustellen. Ist dies nicht eine Mißdeutung der ganzen Frage? Großbritannien ist verpflichtet, nicht ein Jüdisches Nationalheim in Palästina zu ״errichten“, sondern die Errichtung zu ״erleichtern“. Die Last der Errichtung des Nationalheims liegt auf dem jüdischen Volk selbst. Es ist freilich vergeblich, zu erwarten, daß das Palästina-Problem von dem englischen Volk jeweils wieder so angesehen werden kann wie zu der Zeit, bevor der Simpson-Bericht ein breites Licht darauf warf. Es gibt keine Rückkehr zu den ״guten alten PI u m er-Ta gen״. Sogar wenn, wie die Zionisten behaupten, manche von Sir John Hope Simpsons Angaben falsch sind, bleibt noch genug in diesem Bericht übrig, um die britische öffentliche Meinung auf die moralische Pflicht aufmerksam zu machen, für die landlosen Araber zu sorgen, bevor die Tore Palästinas für unterstützte Immigranten geöffnet werden. In dieser Beziehung rechnet die Palästina-Verwaltung nicht nur mit den gegebenen Tatsachen, sondern sie deutet hierin auch richtig die Wünsche des unterrichteten Teiles der britischen öffentlichen Mei nung. Das Lamentieren, eine solche Fürsorge für die Bewohner Palästinas sei gleichbedeutend mit Nicht-Zusammenarbeit mit der Jewish Agency, ist nach unserer Meinung ein ungünstiges Zeichen für die Engiish Zionist Federation. Das Hias-Büro in Sighet, der Hauptstadt des Distriktes Marmarosch, hat vom Pariser Hauptbüro der Auswanderunzs- Organisation Hias-ka-Emigdirect die Weisung erhalten, mit den Vorbereitungsarbeiten zur Auswanderung einer größeren Anzahl jüdischer Familien aus demMarmarosc.fi -Distrikt nach Palästina zu beginnen. Bisher haben sich 150 Familien gemeldet. Auch das Palästinaamt in Timisoara hat von der Jewish Agency die Weisung erhalten, die notwendigen Voroereitunaen zu treffen.

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