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Jüdische Rundschau · 1932-01-15 · Heft 4 (15.1.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 4 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 18 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4, 15.1.1932 Beweis gegen den jüdischen Arbeiter. Er hätte aus der Literatur viel mehr ganz anders geartete Urteile bringen können. Eigentlich ist doch in diesem Fall das Gelungene viel bemerkenswerter als das Mißlingen. Der Verfasser hat aber tendenziös ausgewählt. Die kritischen Expertisen, die die Zionisten selbst zur Verbesserung ihrer Arbeit eingeholt haben, sind doch ein Beweis für die Richtigkeit des zionistischen Strebens und nicht dagegen. Natürlich wurden in den ersten Jahren viele wirtschaftliche, technische und organisatorische Fehler gemacht. Wie anders kann sich denn ein solcher Prozeß der Umschichtung vollziehen? Wie kann ein Volk auf andere Weise als unter häufigen Fehlschlägen jene Grundlage erobern, die andern Völkern einfach durch die Kontinuität ihres Lebens gegeben ist? Und trotzdem sehen wir doch auch bei anderen Völkern eine kritische Lage der Land- Wirtschaft. Das Baucrnproblem ist heute international. Selbst deutsche Bauern, Erben uralter Tradition, sammeln sich grollend unter der ״schwarzen Fahne“. Warum soll nur die jüdische Landwirtschaft Palästinas, die unter so harten Ver* Mitnissen beginnt, keine Schwierigkeiten haben? Dem Betrachter dürfte cs doch nicht auf unzulängliche Einzelfälle ankommen, sondern auf die Idee, die sich mit aller Wucht hier im Zionismus offenbart, den Drang zur Urproduktion, zur Landwirtschaft, der bei jedem Fehlschlag eines Siedlers sofort zehn neue Bewerber an seine Stelle setzt. Dieser Wunsch unzähliger Juden ist doch eine Widerlegung von Müllers These, daß die Juden nur zum Handel dringen, und wenn die Landbevölkerung nur etwa 250׳,״ der Juden ausmacht, so ist uns das zu wenig, aber der objektive Betrachter muß doch auch darin einen Fortschritt sehen, wenn er bedenkt, daß 100»/o dieser Menschen aus den Städten stammen! Wie kann Dr. Müller entgegen den Zeugnissen von Sachverständigen und von unzähligen Betrachtern, die er doch bei seiner Durchsicht der Literatur kennen gelernt haben muß, den Satz vertreten: ״Den Sinn und das Wesen eines Bauern und Kolonisatoren scheinen diese zionistischen Sozialisten und Kommunlsten noch nicht erfaßt zu haben“? 4. Dabei sind wir schon bei einem anderen Punkt. Der Autor macht sich den nicht mehr neuen Vorwurf zu eigen, den Zionismus in Palästina kommunistischer Tendenzen zu verdächtigen. Dabei bedient er sich einer Ausdrucksweise, die dem Jargon demagogischer Volksversammlangen entstammt, und in eine ernste, wissenschaftlichen Charakter beanspruchende Schrift nicht hineinpaßt. Er spricht z. B. immer wieder von ״Zersetzungsbestrebungen der zionistischen Sowjet-Jünglinge“ usw. An einer anderen Stelle heißt es, die Kwuzatn-Siedler wollen ״mit aller Gewalt“ die sozialistisch-kommunistischen Ideen in die Tat umsetzen. Wir wollen an dieser Stelle kein Urteil über Wert oder Unwert der Kwuzah (Kollektivsiedlung) fällen. Häufig sind von zionistischer Seite, auch in der ״Jüdischen Rundschau“, vom wirtschaftlichen, vom betriebstechnischen Standpunkt und aus anderen Gründen Bedenken gegen die Kwuzah ausgesprochen worden. Aber was man immer darüber sagen mag, ״sowjetistischer“ Tendenzen kann die palästinensische Arbeiterschaft nicht bezichtigt werden. So weit die palästinensischen Arbeiter russischer Herkunft sind, sind sie großenteils Flüchtlinge vor dem Bolschewismus; in Rußland wird der Zionismus, und besonders der sozialistische Zionismus der Leute, die Müller als ״Sowjet-Jünglinge“ diskreditieren will, mindestens so grausam verfolgt wie die katholische Kirche. Ein Blick in die kommunistische Literatur konnte Dr. Müller darüber belehren, wie heftig dort der Zionismus (einschließlich der Kwuzah) abgelehnt wird. Warum sagt er darüber kein Wort? Liegt da nicht die Annähme nahe, daß es ihm darauf ankomme, seine Leser, die als Katholiken sowjet-gegnerisch eingestellt sind, stimmungsmäßig zu beeinflussen, indem er andeutetj der Zionismus sei ira Grunde nur eine Abart sowjet-russischer Bestrebungen? Gewiß, die zionistischen Siedler, die nach dem Kriege mit einem Abscheu vor der sich selbst zerfleischenden kapitalistischen Welt nach Palästina gingen, wollten ein neues Leben in neuen Formen aufbauen, wollten soziale Schäden der alten Welt, in denen sie die Ursache von Krieg und Elend sahen, nicht mitschleppen. Sie wollten nicht das unbeschränkte Privateigentum und den persönlichen Egoismus als Grundlage ihrer Gesellschaft anerkennen. Aber wenn diese Grundhaltung schon als ״Bolschewismus“ gekennzeichnet werden soll, dann verlieren Worte überhaupt ihren Sinn. Dann könnte man dieselbe Bezeichnung auf den Stifter des Christentums anwenden, der auch Keineswegs das Privateigentum als der Güter höchstes betrachtet hat. Oder um in moderner Zeit zu bleiben, auch die letzte Notverordnung des Reichskanzlers Brüning, die gleichfalls von überkommenen Vorstellungen abweicht und neue Wege sucht, wäre Bolschewismus. Angesichts des Zusammenbruchs des individuellen. Bauerntums sehen wir heute allenthalben die Suche nach neuen Wegen und Formen in der Landwirtschaft. Auch in Palästina ist dies der Fall, und die Kwuzah ist ein solcher Versuch. Daneben gibt es auch in Palästina den individualistischen jüdischen Kleinbauern, der schwer arbeitet und sich langsam durchsetzt. Es ist wirklich mehr als eine Ironie, wenn man den Zionismus, um ihn zu schädigen, mit dem entschiedensten Gegner identifiziert, den er in dieser Welt hat. 5. Wir kommen nun zu der für den Verfasser oder doch für den herausgebenden Verein wichtigsten Frage, nämlich dem Verhältnis von Christentum und Zionismus. In dem Kapitel, das diesem Problem gewidmet ist, führt der Verfasser die schwersten Schläge gegen den Zionismus. ״Wann die Zionisten glauben — so heißt es da — durch die jüdischen geschichtlichen Ueber! ieferungen wieder Anspruch auf das Land Palästina machen iu können, so hat das Christentum dagegen triftige Gründe amuführen. Nicht nur das Judentum, sondern auch das Christentum hat in Palästina eine jahrtausendalte Tradition“ usw. ״Wenn man in dieses Land ... ein ganzes landfremdes Volk . . . hineinpfianten will, so ist das gleichbedeutend mit Umsturz und Revolutionierung des Landes Palästina, mit Zersetzung der Judenheit als einet internationalen religiösen Kulturkflrpers und mit der Herausforderung der christlichen Kirchen." (Im Original gesperrt.) »Tatsächlich sind auch die Rechte der christlichen Kirchen, vor allem der katholischen Kirche, durch die Entwicklung Palästinas, das in den letzten zehn Jahren im Zeichen der Priviligierung der zionistischen Bestrebungen und Juden stand, gemindert worden. Da« geht ganz einwandfrei aus Art. 14 des Palästina-Mandates bzw. aus dessen Durchführung in der Praxis seitens der Mandatsregierung hervor. In der nach Art, 14 einzusetzenden Kommission zur Prüfung und Festsetzung der auf die Heiligen Stätten bezüglichen Rechte usw. werden die Häupter der verschiedenen Kirohen, besonders der Heilige Stuhl, auageschallet.“ ״Ohne Zweifel sehen die Zionisten in der katholischen Kirche einen ihrer größten Gegner und benehmen sich auch dementsprechend. . . . Daß sich die katholische Kirche in ständiger Abwehr gegen zionistisch-freimaurerische und sozialistisch-kommunistische Ueberhebungen und Aergemisse zur Wehr setzt, wird dabei höflichst verschwiegen.“ Alle diese Behauptungen und Erklärungen sind objektiv unrichtig. Der Zionismus hat niemals geleugnet, daß das Christentum ein tiefbegründetes Interesse an Palästina hat. Er hat dieses christliche Interesse nicht nur respektiert, sondern er betrachtet es als eines der bedeutungsvollsten Attribute des Landes Palästina, das seinem ganzen Wesen nach einzigartig in der Welt dasteht und seinen Charakter als Heiliges Land dreier großer Religionen niemals verlieren kann. Gerade aus dieser mit keinem anderen Lande der Welt vergleichbaren Sonderstellung Palästinas leitet der Zionismus die Hoffnung ab, daß die in diesem Lande zu entwickelnde politische Ordnung, die ein restloses politisches Eigentumsverhältnis des jeweils Herrschenden ausschließt, auch der jüdischen Gemeinschaft ein autonomes Leben in Harmonie mit den übrigen Bevölkerungsgruppen ermöglichen wird. Weit entfernt davon, die Rechte und Interessen der christlichen Kirchen anzutasten, hat der Zionismus sich von jeher mit peinlichster Sorgfalt bemüht, diese Interessen zu respektieren und außerhalb seines Kompetenzbereiches zu stellen. Was die katholische Kirche betrifft, 60 hat schon Theodor Herzl Fühlung mit dem Heiligen Stuhl gesucht, nach der Balfour-Deklarition wurde diese Bemühung wieder aulgenommen, maßgebende zionistische Führer haben sich beeilt, dem Papst gegenüber feierliche bindende Erklärungen abzugeben, daß der Zionismus die christlichen Interessen in Palästina anerkennt und niemals verletzen wird. Die Ansprüche der Zionisten sind ganz anderer Art, die jüdischvolksmißigen Beziehungen zu Palästina gehören in eine andere Kategorie als die christlichen und geraten daher gar nicht in Konflikt mit ihnen. Was nun Art. 14 des Mandates betrifft, so begeht Dr. Müller ein schweres Unrecht, das man nicht erwarten sollte. Er erweckt den Anschein, als ob die Schwierigkeiten in bezug auf die christlichen Heiligen Stätten vom Zionismus herrührten. Dies ist nicht der Fall. Art. 14 des Mandates konnte bisher bekanntlich nicht durätgeführt werden, weil die christlichen Kirchen und Mächte untereinander sich über die Art der Zusammensetzung der in diesem Artikel vorgesehenen Kommission nicht einigen konnten. Die Juden haben in dieser Sache niemals auch nur den geringsten Einfluß gehabt, ja sie sind selbstverständlich auch nicht gefragt worden. Die Juden sind vielmehr durch dieses auf die Rivalität der christlichen Kirchen zurüekzuführende Versagen selbst auf das schwerste geschidigt worden. Denn da die Kommission für die Heiligen Stätten gemäß Art. 14 des Mandates nicht zustande gekommen ist, konnte auch die für die Juden innerhalb dieses Fragenkomplexes allein wichtige Frage, nämlich die Klagemauer-Angelegenheit, nicht formell behandelt werden, und diese Ungeklärtheit führte zu den Konflikten zwischen Juden und Mohammedanern im Jahre 1928 und 1929, die Hunderte Juden mit dem Leben bezahlen mußten, ganz abgesehen von den politischen Nachteilen, die sich für die Juden daraus entwickelten. Wenn also jemand Über die Nichtdurchführung das Art. 14 Klage führen!dürfte, so wären es die Juden. Ihnen dieses Versagen und die an den christlichen Heiligen Stätten herrschenden unschönen Zustände zur Last zu legen, ist wahrlieh der Gipfel entweder der Unkenntnis oder der Ungerechtigkeit. Die Bezeichnung des Zionismus oder der liberalen Juden als ״freimaurerisch“ Ist außerdem unsinnig. Wir wollen über Freimaurerei kein Urteil fällen, sie geht uns nichts an, aber wie kommt der Autor zur Anwendung dieses Schlagwortes, wenn nicht aus der Absicht zur Diskreditierung des Zionismus? Von einem Mann, der sich selbst als gläubiger religiöser Christ vorstellt, sollte man erwarten, daß er das Unrecht, das er mit seiner Darstellung begangen hat, in einer geeigneten Form wieder gutmacht. Denn es ist ein schweres Unrecht, wenn solche irreführenden Darstellungen in christlichen Kreisen zirkuliert werden. Es wäre zu Dr. Müllers Schrift noch viel zu sagen. Die kleinen sachlichen Irrtümer, von denen sie wimmelt, wollen wir nicht registrieren, da es uns vor allem auf die prinzipiellen Gesichtspunkte ankam. Wir habem da wir uns beschränken müssen, auch beileibe nicht alle Einwände Wer angeführt. Man muß aber der Verwunderung Ausdruck geben*' daß der Verfasser, wenn er wirklich ein objektives Bild geben wollte, Jede Fühlungnahme mit zionistischen Kreisen vermieden hat, offenbar aus der Besorgnis, parteilich beeinflußt zu werden. Auch ist es erstaunlich, aaß der Verfasser das eigentliche Problem der Stellung der Juden in der Welt ignoriert und z. B. nicht versteht, daß das palästinensische Zentrum, weit entfernt davon, eine Zersetzung des Judentums zu bewirken, die einzige Sicherung des Bestandes des Judentums auch als geistig religiösen Kulturkörpers bildet. Wir bestreiten niemandem das Recht, antizionistisch zu sein; es gibt innerhalb aller Kreise aller Völker, auch innerhalb des deutsehen Volkes sowohl in seinen katholischen als auch in seinen protestantischen Teilen, Menschen, die mit dem Zionismus sympathisieren und solche, denen er unsympathisch ist. Die einen wie die anderen können hochachtbare, Überzeugungstreue Menschen sein. Wir freuen uns, sagen zu können, daß z. B. innerhalb der deutschen Katholiken sehr wichtige und denkende Menschen den Zionismus objektiv würdigen und ihn bejahen. Wir können es nicht zulassen, daß durch verzerrte Darstellungen wie die von Dr. Müller gewaltsam antizionistische Tendenzen in die Kreise der deutschen Katholiken hineingetragen werden. Darum können wir nur hoffen, daß seine Schrift auch in diesen Kreisen ein kritisches Publikum finden wird. In aller Kürze Aus Ersparnisgründen hat die letzte Völkerbundversammlung u. a. beschlossen, daß die Mandatskommission im Jahre 1932 nur el n e Tagung abhalten soll. Die nächste Tagung — der ein Pal&stinaberichf vorliegen wird — wurde provlsorisch auf den 6. Juni 1932 anberaumt. Der Vorsitzende der Kommission wurde jedoch von den anderen Mitgliedern beauftragt, dem Rate nahezulegen, daß die Ausführung des obigen Beschlusses der Versammlung die Kommission absolut daran verhindern würde, den sich aus dem Artikel 22 der V.-B.- Satzung ergebenden Pflichten nachzukommen. Wie die J. T. A. meldet, hat der Chef der Palästina- Polizei, Spicer, ein Abkommen mit dem Magistrat von Tel- A wiw getroffen, demgemäß die Hauptforderungen der Stadt Tel - Awiw hinsichtlich der Aufrechterhaltung des jüdischen Charakters der Tel-Awiwer Polizei befriedigt werden. Der High Commissioner von Palästina, Sir Arthur Wauchone, begab sich am 12. Jan. in Begleitung von Dr. Ariosoroff im Flugzeug nach Semakh und besuchte die jüdischen Kolonien im Jordan-Tale. In Daganiah wurden die Oäste bewirtet. Der High Commissioner unterhielt sich mit den jüdischen Kolonisten über ihre Lage. Ueber eine Unterredung, die H. Farbstein in Paris mit Baron Rothschild hatte, wird berichtet, Baron Rothschild habe seine Ueberzeugung ausgesprochen, daß Palästina das Handelszentrum des ganzen Vorderen Orients werden wird. Handel und Industrie seien für das Land von gleicher Bedeutung wie die Landwirtschaft. Doch müsse vor allem die Produktion für den lokalen Bedarf gefördert werden. Ing. Novomeisky, der Inhaber der Konzession für die Ausbeutung des Toten Meeres, hat sich nach London und Amerika begeben, um. mit den dortigen Direktoren der Ge- Seilschaft Beratungen über die künftige Ausgestaltung des Werkes abzuhalten. Die erste Jahrzeit von Nathan Strauss wurde am 11. Januar Im Nathan und Lina Strauss-Oesundheitszentrum zu Jerusalem feierlich begangen. Die Feier leitete Professor Kligler. Miss Henrietta Szold gab ein Charakterbild von Nathan Strauss. Bialik in Hamburg Aus Hamburg wird uns berichtet: Am 9. Januar abends traf Chalm Ntchman Bialik, von einer vielhundertköpfigen Menge am Bahnhof erwartet, in Hamburg ein. Er wurde im Hause des Vorsitzenden des Hamburger Synagogenverbandes, Dr. Z u n z, von lugendliehen und älteren Akademikern empfangen, und von dcnTlerren Prof. Markon, Lehrer Ban in und Esriel Carlebach ln hebräischen Ansprachen begrüßt. Der Dichter antwortete mit aphoristischen Ausführungen über den Geist des jüdischen Liedes und Gesanges. Am Sonntag, dem 10. Januar mittags, sprach er dann vor etwa 1000 Personen über ״Kultur und Kultus״. In anderthalbstündiger Rede beschäftigte er sich vor allem mit dem inneren Verhältnis des Juden zum Buch und mit dem Wandel, den dieses Verhältnis im letzten Jahrhundert erfahren hat. Er zog Parallelen zwischen den jüdischen und fremden Literaturen, ihren künstlerischen und ethischen Kriterien und kam zu dem Schluß, daß mehr als durch Irgendetwas anderes der Bestand des Judentums durch das Fehlen eines lebendigen Verhältnisses zum jüdischen Buch gefährdet sei. Die Ver- Sammlung wurde eröffnet durch Dr. Marx, den Vorsitzenden der Hamburger Zionistischen Vereinigung und die hebräische Ansprache eines jugendlichen Mlsracmsten, geschlossen durch begeisterte Dankesworte von Oberrabbiner Dr. Carlebach-Altona. Abends fand das Bankett statt, das die Hamburger Gemeinde gemeinsam mit den Logen und der Franz-Rosen- R. A. Dr. Minden und, für die hebräische Sprachschule, Dr. B u c h h o 1 z. Dr. S. Weinberg- Berlin richtete dann einen Appell zur Beteiligung an der ״öezer״-Bücheraktion an die Versammlung, Gedicht-, und Gesangsrezitationen folgten. In einem bis ins Innerste ergreifenden Schlußwort dankte Bialik für die Ehrungen, die, wie er sagte, er ja seinen Kollegen in der hebräischen Literatur, denen man sie eigentlich schuldet, ״fortnimmt“. Während des Bialik-Besuches und schon lange vor Ihm herrschte im jüdischen Hamburg eine Festes-Stlmmung. wie man sie bis dahin bei ähnlichen Anlässen noch nicht gekannt hatte. Sämtliche Veranstaltungen waren lange vor ihrem angesetzten Beginn so überfüllt, daß die Gebäude gesperrt werden mußten. Die Aktionen für den ״Brit Ivrit Olamit“ und die Verbreitung des hebräischen Buches, die während der Biallk- Veranstaltungen durchgeführt wurden, hatten einen relativ großen Erfolg. Biallk Ist am 13. ds. Ms. nach Antwerpen abgereist, wo er am 14. einen Vortrag gehalten hat Von dort - .. ״יי - י* י ‘ *§ Am der arabischen Welt Boykottparole der moslemischen Jugendkonferenz Die soeben in Jaffa beendete Konferenz des moslemisehen Jugendverbandes in Palästina nahm eine Resolution an, in der erklärt wird, der Boden Palästinas sei heiliger arabischer Boden, und jeder Araber, der solchen Boden ap Juden verkauft oder an einem solchen Verkauf beteiligt tot, mache sich eines Verbrechens schuldig, für das es keine Vergebung gibt. In einer weiteren Resolution wird jede Zusammenarbeit mit Juden auf politischem und Wirtschaftlichem Gebiete abgelehnt. Die englische Ausgabe des ״Felestin“ vom 2. Januar, die der arabischen Jugendkonferenz gewidmet ist, ergeht sich in scharfen Angriffen gegen die Juden und fordert die Jugend zu energischer Gegenwehr, darunter auch zur Gründung eines arabischen National-Fonds nach dem Muster des jüdischen, auf. Vor allem wird die Verpflichtung zum Boykott hervorgehoben. Das Blatt schreibt: ״Es gibt hierfür zwei Gründe: Erstens haben die Juden selbst ein Beispiel gesetzt, indem sie arabische Arbeit aus den jüdischen Unternehmungen ausschlossen. Sie rechtfertigen dies mit der Erklärung, es sei notwendig für sie, ihr eigenes Heim aufzubauen, und jüdisches Geld müsse für das jüdische Volk ausgegeben werden. Dasselbe gilt aber für die Araber! Auch die Araber wollen nicht ihre eigenen Häuser zerstören und ziehen es daher vor, arablsches Geld für arabische Zwecke auszugeben, ln Zeiten der Ökonomischen Not aber wird dieser Grundsatz zur absoluten Notwendigkeit. Wenn In England heute die Losung ,Buy British‘ (Kauft britische Waren) richtig ist, dann ist bei der großen Armut der Araber der Ruf ,Buy Arab doppelt richtig. Es ist auch kein Geheimnis, daß die Araber das Jüdische Nationalheim als gefährlich für ihre nationalen Bestrebungen ansehen; demgemäß kann man ihnen keinen Vorwurf daraus machen, wenn sie es ökonomisch bekämpfen.“ Die arabische Zeitung ״F e 1 e s 11 n“ hat anläßlich des Neujahrstages eine Sondernummer von mehr als 20 Seiten herausgebracht, in der u. a. eine neue arabische Nationalnymne veröffentlicht wird. In dem Text wird der heilige Krieg zum Schutze des Haram el Scherif (des Jerusalemer Tempelplatzes) als eine Verpflichtung aller arabischen Völker ausgerufen. Die Nummer enthält ferner eine große Anzahl von Bildern arabischer Führer, Schriftsteller und Dichter, darunter auch mehrere Frauen. Auch Bilder von HerzL Ussischkin, Balfour und Trumpeldor mit entsprechendem Text• sind wiedergegeben. In Kreisen der arabischen Opposition in Palästina weist man darauf hin, daß die Deckung der Ausgaben der moslemischen Konferenz, für die der Mufti verantwörtlich ist, außerordentlich große Schwierigkeiten verursacht. Infolge des Versagens aller anderen Quellen bediene sich der Mufti für diese Zwecke der Gelder des Obersten Moslemischen Rates. Anläßlich der Wahlunruhen in Sy ri en , bei denen mehrere Araber verletzt wurden, sandte der Präsident der Arabischen Exekutive in Palästina, Muza Kazim Pascha, ein Sympathie- Telegramm an die Zeitung ״Eljom“ in Damaskus, worin er von ״unserem Land“ spricht, offenbar Syrien und Palästina als eine Einheit auffassend. Die französischen Behörden in Syrien verweigerten dem Sohne Schaukat Alis, der für einige Tage Syrien besuchen wollte, die Einreisebewilligung. Hitlers Antisemitismus. Die ״New York Times“ vom 20. 12. 1931 veröffentlicht Antworten, die Hitler auf grundsätzliche Fragen über seine Partei gegeben hat. Die Antwort auf die Frage nach der Stellung 2er NSDAP zum Antieemltismus lautete u. a.: ״... Laßt China den Chinesen, Amerika den Amerikanern und Deutschland den Deutschen. Wir haben ein sehr kleines Territorium für unser 65 Millionenvolk... Lassen Sie mich hinzufügen, daß ich ernstlich jeden Deutschen verurteilen würde, welcher Stellung nehmen würde zu Öffentlichen Angelegenheiten Palästinas oder auf sie Einfluß zu nehmet! suchen würde,“

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