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Jüdische Rundschau · 1932-01-08 · Heft 2 (8.1.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 2 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2, 8.11932 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Die Volkszählung In Palästina Von Dr. Arthur R u p p i n , Jerusalem. Die palästinensische Regierung hat in den letzten Tagen die vorläufigen Ergebnisse der Volkszählung vom 18. November 1931 veröffentlicht. Diese Ziffern werden vielleicht bei der endgültigen Feststellung noch gewissen Korrekturen unterliegen, aber das Gesamtbild "wird dadurch nicht geändert werden. Bei der Bewertung der Bevölkerungsziffern ist zu beachten, daß in ihnen auch alle diejenigen Personen enthalten sind, die nur vorübergehend am 18. November 1031 in Palästina anwesend waren. Andererseits enthalten die Ziffern nicht diejenigen Palästinenser, die am Volkszählungstage sich außerhalb Palästinas befanden. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung betrug die Zahl der 759952 73,4 «o 175 006 16,9 * 90 607 8,8 <v. 9 589 0,9 »« Mohammedaner Juden Christen Sonstigen Aller Einwohner 1035154 -100 «.<> Die Juden machten hiernach mit 175 006 Seelen 16,9 <>■„ der Bevölkerung aus, während sie bei der Volkszählung vom Jahre 1922 mit 83 764 Seelen nur 11,7 »b der Bevölkerung bildeten. Die bei der Volkszählung ermittelten Ziffern der Juden können aus vier Gründen hinter der Wirklichkeit zurückbleiben: 1. weil von den jüdischen Einwanderern der letzten Jahre, insbesondere von den Einwanderern aus orientalischen Ländern, manche noch ein fluktuierendes Element bilden und der Zählung leicht entgehen; 2. weil infolge der von den Revisionisten gegen die Volkszählung geführten Propaganda vielleicht «ine Anzahl Juden sich der Registrierung entzogen hat; 3. weil unter den 9589 Personen, die einer „sonstigen" oder keiner Religion angehören, sich eine Anzahl von Juden befindet, die sich der Religion nach nicht als Juden, sondern als konfessionslos bekannt habf1,' 4. weil eine nicht unerhebliche Zahl von Juden sich <tni Volkszählungstage im Auslande befanden. Hierzu gehören insbesondere die an ausländischen Universitäten Studierenden. Aber auch sonst ist bei dem starken jüdischen Reiseverkehr von Palästina nach Europa die Zahl der Palästinenser, die sich im Auslande befinden, zu jeder Zeit ziemlich beträchtlich. So wurde z. B. bei der Volkszählung von 1922 amtlich ermittelt, daß am Volkszählungstage insgesamt 21 206 Personen palästinensischer Staatsangehörigkeit sich außerhalb Palästinas befanden, darunter waren 6264, d. h. zirka 30 n>, Juden, also fast dreimal soviel, als ihrem damaligen Anteil von 11,7 i/o an der palästinensischen Bevölkerung entsprach. Auf der anderen Seite fiel der Volkszählungstag 1931 in eine Zeit, in der sich fast keine jüdischen Touristen aus anderen Ländern in Palästina befanden. Wenn wir mit diesen Vorbehalten die Zahlen der Volkszählung als Grundlage für eine Vergleichung der Zahl der Juden im Jahre 1931 mit ihrer Zahl im Jahre 1922 benutzen, .so, ergibt sich aus der folgenden Tabelle, daß die Zunahme der Juden am bedeutendsten in den Städten Haifa und Jaffa — Tel-Awiw war. In Haifa stieg*die Zahl der Juden von 6230 im Jahre 1922 auf 15 995 im Jahre 1931, d. h. um 156,7 <y„. Ihr Anfeil unter den Einwohnern Haifas vergrößerte Die B e v ö I k c r u n g i n Palästina 1922 und 1931. 1922 1931 Vermehrung (+) oder Verminderusjr (-) der Prozent der Juden unter /im* fu.ara.4_ Gesamtdar¬ Gesamtder* ZeM der Juden von 1922 bin 1931 in % B«vohi ertinf Bevölunter Bevöluoter kerung- Judeo kerung Juden 1922 1931 1. In StÄdUoi 1. Jerusalem . . . , 62 578 33971 90407 51 416 + 51,4 54.3 56.9 2. Jaffa....... \ 51366 46116 7132 45607 3. Tel-Awiw .... 1 47 709 20152 " + 16U } 42,2 54,1 4. Hmh....... 24634 6 230 50 533 15 995 + 156,7 253 31,6 5. Tiberias..... 6 950 4427 * 8633 5 260 + 18,8 63,7 61,0 8761 2 986 9 446 7 893 17 532 2539 233 134 1 - 15,0 + 298,7 - 683 - 98,2 34,1 U 2,6 03 26,9 3,0 0,8 0,06 6 420 78 16 577 430 Gara ...... 17 480 54 17 069 10. Ludd....... 8103 11 11 249 29 + 163,6 0.1 0.3 11. Nazareth..... 7*424 53 8 719 60 + 113 0.7 0,7 7 312 35 10 417 7 — 80,0 + 117.1 03 2,1 0.07 2,9 1X Beisan...... 1941 II 3100 89 14. Berseba ...... 2 356 98 2 958 11 — 88.8 4,1 0,4 Uebri?e 0 Städte <Ghan Junis, Mij*- dül, Tulkerem, Ramallah. Beitjala, > 46 072 56 51 349 78 - 50,0 0,12 0J05 Bethlehem, DjeBÜn, Nablus, Schafram) insgesamt in Städten 264 317 68 622 386 787 128 541 + 873 26,0 33,2 II. In DSrferai *) in jüd. Siedlungen h) in sonst- Dörfern 15 763 477 102 14805 367 } 648 367 46 465 [ + 2063 }« 12 In wanr Palästina . . 757 182 83 794 1035 154 175 006 + 1083 11,7 16,9 sich von 25,3 im Jahre 1922 auf 31,6 o.o im Jahre 1931. Für Tel-Awiw, das bei der jetzigen Volkszählung 45 607 Juden zählte, gab die Volkszählung von 1922 noch keine besonderen Ziffern an, vielmehr waren damals die Ziffern für Tel-Awiw in den Ziffern für Jaffa enthalten, und zwar betrug die Zahl der Juden in Jaffa und Tel-Awiw zusammen 20 152. Bis zum Jahre 1931 stieg diese Zahl auf 52 739, d. h. um 161,2 o/o. Von diesen 52739 wohnten 45 607 in Tel-Awiw, wo .sie 99 «'o der "Gesamtbevölkerung von 46116 Seelen 'ausmachten, während in Jaffa die 7231 Juden 13,9 «,'o der Bevölkerung bildeten. Geringer als in Tel-Awiw und Haifa, aber auch noch sehr beträchtlich war die Zunahme der Juden in Jerusalem. Ihre Zahl stieg hier von 33 971 im Jahre 1922 auf 51416 im Jahre 1931, d. h. um 51,4 o/o. Ihr Anteil unter den Einwohnern von Jerusalem beüef sich im Jahre 1922 auf 543 e/0) jm ja]lre 1931 auf 56,9o/0. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß in Jerusalem die Zahl der Juden, die bei der Volkszählung nicht registriert wurden, wahrscheinlich nicht unerheblich ist, weil sich in Jerusalem eine beträchtliche Zahl von jüdischen Einwanderern aus orientalischen Ländern befindet, die infolge ihrer primitiven Unterkunftsverhältoissc und ihres niedrigen Bildungsstandes bei einer Volkszählung schwerer zu erfassen sind als die schon länger ansässigen, besser wohnenden und höher gebildeten Schichten. In Tiberias stieg die Zahl der Juden von 4427 im Jahre 1922 auf 5260 im Jahre 1931, d. h. um 18,8 «y». Dieser Zuwachs läßt sich ausschließlich durch die natürliche Zunahme erklären und ist ein Hinweis darauf, daß Tiberias keine Einwanderung gehabt hat, oder daß die kleine Einwanderung durch eine ebensolche Auswanderung wettgemacht wurde. 13er Prozentsatz der Juden jn Tiberias, der im Jahre 1922 63,7 »« betrug, beträgt jetzt nur 61 »». In der Stadt Safed, die vor 30 Jahren noch 8-10000 jüdische Einwohner zählte, und die seitdem durch Auswanderung der Juden eine ständige Verminderung der jüdischen Einwohner erfahren hat, hat sich dieser Rückgang auch in der Zeit von 1922 bis 1931 fortgesetzt. Die Zahl der Juden fiel von 29S6 auf 2539, d. h. um 15 ",'u. Dementsprechend verminderte sich der Anteil der Juden an der Oesamtbevölkerung Safeds von 34,1 "o auf 26,9 o/o. Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung von Safed hat seinen Grund in der Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Stadt. In der Zeit, als die Häfen Palästinas und Syriens mit dem Hinterlandc noch nicht durch Eisenbahnen verbunden waren, war Safed ein wichtiger Sammelplatz für die Waren, die durch Karawanen von und zu den Mittelmeerhäfen transportiert wurden. Seit der Eröffnung der Eisenbahnen von Haifa nach Damaskus und von Beirut nach Damaskus bat es diese Bedeutung als Etappe des Karawanenverkehrs und als Stapelplatz für Waren zum größten Teil verloren und ist ein kleiner lokaler Handelsplatz geworden, in welchem sich den Juden nur geringe Existenzmöglichkeiten bieten. Auch der Rückgang der Chalukka-Einnahmen, die früher für viele Juden in Safed eine Existenzquelle bildeten, hat zu der Auswanderung beigetragen. In Akko ist — hauptsächlich infolge der Errichtung einer großen Zündholzfabrik, in der viele jüdische Arbeiter beschäftigt sind, — die Zahl der Juden von 78 im Jahre 1922 auf 235 im Jahre 1931, d. h. um 301 "> gestiegen. Ludd zeigt eine prozentuell sehr beträchtliche, in absoluten Ziffern aber unbedeutende Vergrößerung der Zahl der Juden, die damit zusammenhängt, daß Ludd inzwischen als Knotenpunkt im palästinensischen Eisenbahnnetze größere Bedeutung erlangt hat. In Beth-Schaan ist die Zahl der Juden von 41 auf 89 und ihr Anteil von 2,1 «,% auf 2,9 i/o gestiegen. Das ist darauf zurückzuführen, daß in der Umgebung von Beth-Schaan eine stärkere landwirtschaftliche Entwicklung (Bananen-Bau) eingesetzt hat und daß die Verkehrswege dorthin verbessert worden sind. In Nazareth ist die kleine jüdische Bevölkerung zwischen den beiden Volkszählungen fast stabil geblieben. Sie betrug 53 Seelen im Jahre 1922 und 60 im Jahre 1931. In den Städten Hebron, Gaza, Beer S c h e b a und R a m 1 e h ist die kleine jüdische Bevölkern«? fast auf Null gesunken. Das ist eine Folge der Unruhen vom August 1929, die bekanntlich am stärksten im Süden Palästinas waren und die die Juden von Hebron, Gaza und Beer- Scheba, aber auch von Ramien zum Verlassen dieser Orte veranlaßtcn. Nur ein kleiner Teil von ihnen ist inzwischen in diese Städte zurückgekehrt. In den in. der Tabelle nicht aufgeführten neun palästinensischen Städten Khan Yunes, Migdal, TuL Kerem, Ramallah, Beth Dschallah, Beth-Lechem, Dschenin, Nablus und Shafa'Amr wohnten im ganzen nur 28 Juden unter einer Bevölkerung von 55 576 Seelen. Auch in diesen Städten weist ihre Zahl einen Rückgang gegen die Zahl von 56 im Jahre 1922 auf. Insgesamt machen die 128 541 Juden in allen 23 palästinensischen Städten 32,9 "o der Oesamfbevölkerung dieser Städte aus, während sie im Jahre 1922 mit 68 622 Seelen nur 26 *b der Gesamtbevölkerung in den 23 Städten bildeten. Von den 128 541 Juden in den Städten waren nicht weniger als 127949 -■ 99,5 o/o in den 6 Städten Jerusalem, Tel-Awiw, Jaffa, Haifa, Tiberias, Safed konzentriert, während auf die übrigen 17 Städte nur 592 0,5 "s Juden entfallen. In drei Städten, nämlich Jerusalem, Tel-Awiw und Tiberias bilden die Juden die Mehrheit der Bevölkerung; in Haifa und Safed beträgt ihr Anteil 31,6 bzw. 26,9 «>, in Jaffa (ohne Tel-Awiw) 13,9 o,o, in Akko 3 o/», in Beisan 2,9 In weiteren 13 Städten bleibt ihr Anteil unter 1 °/o und in zwei Städten Chan Junis und Migdal (bei Gaza) ist überhaupt kein Jude vorhanden. Noch viel stärker als in den Städten war das .prozentuale Anwachsen der Juden in den Dörfern. Ihre Zahl stieg hier von 15172 im Jahre 1922 auf 46 465 im Jahre 1931, d. h. um 206,3 Dementsprechend vergrößerte sich ihr Anteil unter der dörflichen Bevölkerung von 3,1 auf 7,2 «j. Von je 100 Juden in Palästina wohnten in Dörfern im Jahre 1922 nur 18,1, im Jahre 1931 dagegen 26,5. Das zeigt den Aufschwung der landwirtschaftlichen Kolonisation in den letzten 10 Jahren. Mehr als ein Viertel aller palästinensischen Juden leben jetzt außerhalb der Städte und ernähren sich direkt oder indirekt von der Landwirtschaft. Berl Locker in Berlin Das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Berl Locker, der dieser Tage in Berlin eintrifft und in einer öffentlichen Versammlung sprechen, sowie an der Beratung der Berliner Zionisten teilnehmen wird, ist in Berlin kein Fremder. Er hat in früheren Jahren längere Zeit in Berlin gelebt und gewirkt, hauptsächlich in seiner Funktion als Mitglied des Hauptbüros der Poale Zion. Berl Locker ist als zionistischer Propagandist von großem Elan und gründlichen Kenntnissen stets geschätzt worden. Die zionistische Arbeiterpartei Poale Zion hat ihm viel von ihren Erfolgen zu verdanken; er gehört zu der kleinen Gruppe von Parteiführern, die schon im Krieg den zionistischen Gedanken in der Welt der Arbeiterinfernationale durchgesetzt haben. Nachdem Locker in den letzten Jahren in Amerika hauptsächlich unter der jüdischen Arbeiterschaft für den Palästinagedanken "e--hc'*et hat, wurde er auf dem letzten Kongreß in die Zionistische Weltexekutive gewählt und mit einem Amt betraut, das ihn weit über seine bisherige Parteifunktion emporhebt und ihm über seine eigene Gruppe hinaus allgemein zionistische Funktionen zuweist. Die zionistische Welt hat gerade zu einem Mann wie Berl Locker das Vertrauen, daß er, ohne an seinen Gesinnungen auch nur ein Jota zu ändern, in seiner überparteilichen Tätigkeit vollste Sachlichkeit und Neutralität wahrt und seine •bewährte Tatkraft in den Dienst der ganzen Bewegung stellt. Als Organisationsreferent der Zionistischen Exekutive kommt Locker jetzt nach Berlin, um hier der zionistischen Arbeit zu helfen. Wenn wir nicht irren, ist dies das erste öffentliche Auftreten Lockers auf dem Kontinent in seiner neuen Funktion. Die deutschen Zionisten bebrüten Be-I Locker in Berlin und hoffen, daß die Tage seiner Aiv.-c-.enlrit .irtrerum;sreich und fördernd für die zionistische Arbeit sein werden. Der Irak-Bericht der Mandatskommission (Von unserem Genfer Mitarbeiter.) K-y, Genf, 5. Januar. Der hier heute vorliegende Sonderbericht der Mandatskommission an den Rat über Irak wird wohl der letzte sein, den sie über dieses Mandatsgebiet erstattet. Er enthält die Empfehlungen der Kommission in der ihr vom Rat vorgelegten Frage der Aufhebung des Mandates und verdient besondere Beachtung nicht nur deshalb, weil es sich hier um den ersten Fall des Erlöschens eines Mandates handelt, sondern auch weil die in ihm zum Ausdruck gebrachten Grundsätze als Vorbild bei etwaigen künftigen, die zwei anderen Mandate der Kategorie „A" (Syrien und Palästina) betreffenden Entscheidungen dienen werden. Der Bericht zeichnet sich durch einen etwas skeptischen Unterton aus und läßt erkennen, daß die Kommission ihre Zustimmung zur Aufhebung des Mandates über Irak mehr „der Not gehorchend als dem eigenen Triebe'' gegeben hat. Im ersten Teil erinnert die Kommission an die schon anläßlich der vorletzten Tagung gemachte Feststellung, daß „die Frage, ob die Bevölkerung" eines Mandatsgebietes zur Selbstregierung fähig geworden ist, in erster Linie eine Frage der im Lande tatsächlich herrschenden Verhältnisse ist. Um diese Fähigkeit einschätzen zu können, genügt es daher nicht, festzustellen, ob und inwieweit das Land über die für das Leben eines modernen Staates unentbehrlichen politischen und administrativen Organe verfügt, sondern man muß auch noch prüfen, ob das soziale Niveau und das G e - meinschaftsgefühl der Bevölkerung genügend entwickelt sind, um das normale Funktionieren dieser Organe und die wirksame Inkraftsetzung der gesetzlich verbürgten politischen und bürgerlichen Rechte sicherzustellen." Die Kommission weist nachdrücklichst darauf hin, daß sie der Mittel zu einer „unmittelbaren Beobachtung" der tatsächlich im Irak herrschenden Lage entbehrt und daß sie daher ihre Prüfung nur auf Grund der ihr von der Mandatarmacht vorgelegten Berichte und der von der Mandatarmacht kommentierten Petitionen durchführen kann. Unter diesem Vorbehalt und mit Hinweis auf die vom Vertreter Großbritanniens im Völkerbundrat abgegebene Erklärung, daß, „wenn Irak sich des in ihm gesetzten Vertrauens als unwürdig erweisen würde, die moralische Verantwortung hierfür von der Regierung Ihrer britischen Majestät getragen werden müßte", fällt die Kommission ihr Urteil über die Fähigkeit Iraks zur Selbstregierung. Die Kommission stellt fest, daß der Irak die von ihr als zur Aufhebung des Mandates über ein Gebiet nötigen fünf Hauptbedingungeu erfüllt hat. Diese Bedingungen sind die folgenden: 1. Das Land muß eine eigene Regierung und geeignete Verwaltungsorgane besitzen, die in der Lage sind, die wesentlichen Aufgaben des Staates zu erfüllen. 2. Es muß fähig sein, seine territoriale und politische Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten. 3. Es muß in der Lage sein, die öffentliche Ordnung auf dem ganzen Landesgebiete sichern zu können. 4. Es muß über genugende finanzielle Mittel verfügen, um den norv.iiden Bedürfnissen des Staates nachkommen zu können. 5. £5 muß eine Gesetzgebung und ein Gerichtswesen besitzen, die allen Gerichtssassen eine gerechte Rechtsprechung sichern. Die Erfüllung dieser Bedingungen im Irak anerkennt die Kommission mit den Bemerkungen: „Die Kommission verfügt über keine Nachrichten, die mit den Angaben der M,?«datarmacht in Widersprach ständen" — „In den von rjer Mandatarojacht gemachten Erklärungen hat die Kommi«6ion njefat» XMg^de«, was diesen Hoffnungen widersprechen könnte" usw. Im zweiten Teil ihres Berichtes beschäftigt sich die Kommission mit den Verpflichtungen, die ein zum selbständigen Staat werdendes Mandatsgebiet dem Völkerbund gegenüber einzugehen hat. Diese Verpflichtungen beziehen sich insbesondere auf den Minderheitenschutz, die Rechte und den Schutz der Ausländer, die Religionsfreiheit und die Beachtung der vor Aufhebung des Mandates eingegangenen internationalen Verpflichtungen und Verträge. Bezüglich des Minderheitenschutzes ist die Kommission der Ansicht, daß der Irak eine Erklärung unterzeichnen soll, die die gleichen Bestimmungen enthält, wie die von mehreren europäischen Staaten unterzeichneten Minderheitenverträge oder Erklärungen. Doch soll der Irak außerdem — und dies ist ein wichtiger Punkt — vom Völkerbundrat eventuell als nötig erachtete und von der Regierung Iraks angenommene besondereVerpflichtungrn eingehen, die zeitweisen oder ständigen Charakter trugen und die Rechte der nationalen, sprachlichen und religiösen Minderheiten entsprechend garantieren würden. Auf diese, etwas vorsichtige Weise gibt die Kommission zu verstehen, daß sie im Irak gewisse Sonderbestimmungen zwecks Garantie des Minderheitenschutzes (es handelt sich hier vor allem um die K u r d e n) als angezeigt erachtet und überläßt die dahingehenden Vorschläge der Initiative des Völkerbundrates. Auf wirtschaftlichem Gebiete soll der Irak, mit Rücksicht auf den für Mandatsgebiete geltenden Grundsatz der wirtschaftlichen Gleichberechtigung, allen Mitgliedern des Völkerbundes für eine näher zu bestimmende Zeitdauer die Höchstbegünstigungsklausel zuerkennen. Am Schluß ihres Berichtes bemerkt die Kommission, daß der anglo-irakische Bündnisvertrag vom 30. Juni 1930 zwar eine Reihe von Bestimmungen enthält, „die in derartigen Verträgen sonst nicht üblich sind", aber daß dieser Vertrag die politische Unabhängigkeit des neuen Staates „formell" nicht in Frage stellt. Dieses Wörtchen „formell" ist insofern charakteristisch, als ein aufmerksamer Leser sich die Frage stellen muß, wie es denn „faktisch" mit dem Einfluß dieses Vertrages auf die Unabhängigkeit des neuen Staates aussehen mag? Lord Readlng von Palästina abgereist Jerusalem, 3. Januar. (J. T. A.) Die J c w i s h Agency veranstaltete im Hotel King David einen Empfang zu Ehren Lord Readings. Auf die Begrüßung erwiderte Lord Reading mit einer Ansprache, die mit den Worten schloß: Mein Besuch in Palästina hat mich mit Begeisterung für das Land Israel erfüllt und in mir den Wunsch gestärkt, den Aufbau dieses Landes mit allen meinen Kräften zu fördern. Die Anwesenden beschlossen, Reading in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds einzutragen, und zwar seinen hebräischen Namen „Daniel ben Joseph". Lord Reading, der in Jerusalem Gast des High Commissio- 11er Sir Arthur wauchope ist, besuchte mit dem High Commissioner und mit Ruthenberg die Tote Meer-Werke Auch der Jerusalemer Universität stattete er einen Besuch ab. Lord und Lady Reading reisten am Montag, dem 4. Januar, von Palästina nach Aegypten ab. Ussischkin feierte dieser Tage das 50jährige Jubiläum zionistischer Arbeit und wurde aus diesem Anlaß von allen zionistischen Institutionen beglückwünscht,

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